Posts Tagged ‘Deutschland’

Glyphosat: 75 Prozent der Deutschen deutlich belastet

5. März 2016

An der Heinrich Böll Stiftung in Berlin wurden gestern, 4.3.16, die Ergebnisse der bisher umfassendsten Studie zu Glyphosat im Urin vorgestellt. Die Urinale 2015 ist eine Aktion der Kampagne Ackergifte? Nein danke! der Bürgerinitiative Landwende.

Bei 75 Prozent der untersuchten 2009 Urinprobe von Deutschen betrug die Belastung mindestens 0,5 µg/l, d.h. das Fünffache des Grenzwerts für Trinkwasser (0,1 µg/l). Ein Drittel der Bevölkerung hat sogar eine 10- bis zu 42-fache Menge der für Trinkwasser zulässigen Menge im Urin.

Am stärksten belastet sind Kinder und Jugendliche. Landwirte sind stärker belastet als andere Berufsgruppen und Mischköstler mehr als Vegetarier und Veganer. Die Belastung der Männer ist höher als jene der Frauen. Es erstaunt nicht, dass bei Bio-Essern die Glyphosat-Konzentration im Urin geringer ist als bei Menschen, die sich konventionell ernähren.

Die von der emeritierten Veterinärmedizinerin Monika Krüger betreute und vom akkreditierten Labor BioCheck-Holzhausen durchgeführte Untersuchung ist die weltweit grösste bisher durchgeführte Felduntersuchung zum Nachweis von Glyphosat im Urin. „Sie bestätigt die Ergebnisse des Umweltbundesamtes, dass Glyphosat im Urin bei einem Grossteil der deutschen Probanden nachweisbar ist“, stellte Monika Krüger fest.

In der Schweiz wurde bisher keine ähnliche Studie durchgeführt. Mag sein, dass der Schweizer Urin etwas weniger belastet ist, da Glyphosat als „Erntehelfer“ nicht zugelassen war (Sikkation). Heidi vermutet, dass z.B. importierte Backwaren wesentlich stärker mit Glyphosat belastet sind als einheimische. In Deutschland wurde die Sikkation erst vor Kurzem verboten, Glyphosat zur Sikkation nur noch in Ausnahmen zugelassen, Proplante, 26.5.14

Glyphosat im Urin: Werte liegen auch bei Kindern im erwartbaren Bereich und sind gesundheitlich unbedenklich, das meldet das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) und übt ausführlich Kritik an der Studie, 4.3.16. Woher nimmt das BfR diese Sicherheit? Heidi ist gespannt auf weitere Reaktionen. Viel Geld steht auf dem Spiel und auch der Ruf des BfR. Wem darf man noch glauben? Heidi meint: „Es ist ungesund, dauernd solchen Stoffen ausgesetzt zu sein, denn es sind ja deren viele.“

Glyphosat im Urin von Großstädtern aus 18 europäischen Staaten nachgewiesen. 70 Prozent aller Proben in Deutschland belastet, Bund, 13.6.13.

5.3.16 HOME

Ein Gedicht über Stickstoff

17. Januar 2015
Die Erde eines Maisackers ist meist ein halbes Jahr lang unbedeckt der Witterung ausgeliefert. Bodenverdichtung, -verschlämmung, Nährstoffauswaschung, Erosion ...

Die Erde eines Maisackers ist meist ein halbes Jahr lang unbedeckt der Witterung ausgeliefert. Bodenverdichtung, -verschlämmung, Nährstoffauswaschung, Erosion …

Es gibt Zeitgenossen, die Aktuelles in Gedichtform präsentieren. Selten sind jene, welche naturwissenschaftlich gebildet sind wie Gerhard Laukötter. Unermüdlich schreibt er seine Verse. Das neueste Gedicht trägt schlicht den Titel „Stickstoff“ und bezieht sich auf die soeben veröffentlichten deutschen Lösungsstrategien für das Stickstoffproblem. Für eilige LeserInnen hat Heidi ein paar Verse herausgepickt.

Stickstoff

Doch häufig geht auch etwas schief.
Der Regen allzu lange lief,
so dass der Dünger aufgelöst
ins Grundwasser nach unten stößt.

Der Staat fühlt endlich sich berufen,
die Überdüngung rückzustufen.
Doch meistens bleibt es bei Appellen,
die an der Landwirtschaft zerschellen.

Das kranke Wasser unter uns –
das interessiert kaum Hinz und Kunz.

Zahlreiche weitere Gedichte unter Gerhard Laukötter’s Blog

17.1.15 HOME

Zuviel Nitrat im Grundwasser: Deutschland und die Schweiz

15. Januar 2015
In der Schweiz enthält das Grundwasser an 15 bis 20% der Messstellen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) zuviel Nitrat. Im Ackerbaugebiet sind es gar 50%.

In der Schweiz enthält das Grundwasser an 15 bis 20% der Messstellen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) zuviel Nitrat. Im Ackerbaugebiet sind es gar 50%.

“Die zu hohen Stickstoffverbindungen sind eines der grossen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit”, leitet der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen sein am 14. Januar vorgestelltes über 560 Seiten starkes Gutachten mit dem Titel “Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem” ein. Zitat aus Nitrate: Wenn die Politik wartet, müssen Natur und Wasserkunden bezahlen, Bericht von Siegfried Gendries, Lebensraum Wasser, 14.1.15. Zeit Online titelte Landwirtschaft. Im Düngewahn. Bericht des Sachverständigenrats für Umweltfragen, Kurzfassung sowie detaillierter Bericht.

Und wie sieht es in der Schweiz aus? Wir profitieren davon, dass viel relativ sauberes Wasser aus den Bergen ins Grundwasser sickert und Verschmutzungen verdünnt. Gemäss Agrarbericht 2014 des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), Seite 90, ist der Verbrauch von Stickstoffdünger 2013 leicht gesunken, während der Import von Kraftfutter (ist auch Dünger!) einen Höchststand von einer Million Tonnen erreicht hat.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bewertet den Kernindikator Nitrat im Grundwasser wie folgt:
Bewertung des Zustandes     negativ   negativ
Bewertung Entwicklung     neutral   neutral

Heidi ist gespannt, ob diese optimistische Voraussage sich bewahrheitet. Wie werden die Zahlen des nächsten Agrarberichts aussehen? Hat die Agrarpolitik 2014-17 etwas bewirkt oder bleibt alles beim Alten (wie ein informierter Leser befürchtet)?

Es zeigt sich immer wieder, dass gut gemeinte Massnahmen unerwünschte Effekte zeitigen z.B. das Pilotprojekt des BLW zur Senkung von Ammoniak-Emissionen schafft falsche Anreize. Eveline Dudda hat am 5.1.15 im Infosperber darüber berichtet, siehe Statt Tierbeiträge gibt’s Beiträge pro Kuh. „Paradox: Für Bauern, die Ammoniak-Gase reduzieren, lohnt es sich, möglichst viele Kühe zu halten.“ Bezahlt haben wir Steuerzahlenden bisher 900’000 Franken, das Resultat ist zweifelhaft. Die Einflussfaktoren sind vielfältig der „Anreiz“ fördert zudem den Kraftfutterverbrauch, d.h. im Klartext den Futtermittelimport. Das dürfte zwar nicht das vom BLW angestrebte Ziel sein, jedoch der einfachste Weg für die Bauern, den Harnstoffgehalt in der Milch zu senken.

Eigentlich müsste aber die ganze Kette Dünger-Futterbau-Rationsgestaltung optimiert werden, meint Annelies Bracher von Agroscope Posieux. Die Art und Weise wie nach Milchharnstoff bezahlt wird, entspricht nicht ihren Vorstellungen, denn Bauern die es bis jetzt gut gemacht haben, fallen aus dem Raster. Kommentar von Peter Kunz vom HAFL zum Projekt: „Ich bin der Meinung, das Ganze ist nicht durchdacht.“

Möglichkeiten zur Reduktion von Ammoniakemissionen durch Fütterungsmassnahmen beim Rindvieh (Milchkuh):
Ausführlicher Bericht, Annelies Bracher, SHL (heute: Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL), 3052 Zollikofen und Agroscope
Präsentation an der ALP-Tagung 2011.

Segen und Fluch des Düngers, Heidis Mist vom 24.5.13

15.1.15 HOME

Mini-Rückblick mit Zahlen und Fakten

31. Dezember 2014
Zur Erinnerung: Sauberes Grundwasser ist eine Voraussetzung für sauberes Trinkwasser, denn 80% unseres Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser.

Zur Erinnerung: Sauberes Grundwasser ist eine Voraussetzung für sauberes Trinkwasser, denn 80% unseres Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser.

Eigentlich hatte Heidi das Blog-Jahr 2014 abgeschlossen, doch dann traf der WordPress-Rückblick 2014 für Heidis Mist ein. Drei Rubriken und Erinnerungen haben sie zurück an den Computer gelockt.

Einmal mehr hat es kein einziger Artikel über Gewässerschutz auf die ersten drei Plätze der am häufigsten gelesenen Artikel geschafft. Gemäss üblicher Medien-Marketing-Strategie müsste Heidi mehr über Tierschutz, Urban Farming und Architektur schreiben. Doch wer kümmert sich dann um die ganz kleinen Tierchen in Bächen, Seen und im Grundwasser?

Die USA haben Österreich von der dritten Stelle der Leserzahlen verdrängt, was insofern nicht erstaunt, als Heidis Mist mehr AbonnentInnen in den USA hat als im Nachbarland Österreich. An erster Stelle ist nach wie vor mit Abstand die Schweiz, gefolgt von Deutschland. Hingegen wurden 83% der Kommentare von AusländerInnen verfasst.

Vieles hat sich 2014 verändert, etwas ist Heidi besonders in Erinnerung. Sie suchte im Sommer die Sektion Grundwasserschutz des Bundesamts für Umwelt, doch diese war verschwunden, einfach weg! Recherchen ergaben, dass die oberste Hüterin unserer wichtigsten Trinkwasser-Ressource aufgelöst und auf zwei neue Sektionen verteilt worden war: Gewässerschutz und Wasserqualität.

Das ist aber noch nicht alles. Der Chef der ehemaligen Sektion Grundwasserschutz, Daniel Hartmann, und sein Stellvertreter, Benjamin Meylan, gingen in Pension, eine willkommene Gelegenheit für das BAFU, zwei Stellen zu streichen. So hat das Grundwasser nicht nur zwei erfahrene Schützer verloren, sondern auch die Zahl der Schützer hat abgenommen, was in einer so kleinen Gruppe von Fachleuten ins Gewicht fällt. Ein solches Vorgehen ist beim Bund eine gängige Praxis: Man spart dort, wo es am reibungslosesten geht. Wird es den Newsletter Grundwasserschutz in Zukunft noch geben? Wohl kaum! Heidi wird ihn vermissen.

Noch zu finden sind viele Informationen über das Grundwasser, Spuren der grossen Leistungen dieser Sektion. Zahlreiche der Errungenschaften werden auch in Zukunft helfen, das Grundwasser zu schützen: Gesetzte, Verordnungen, Wegleitungen, Vollzugshilfen, digitale Schweizer Gewässerschutzkarte usw. sowie das legendäre NAQUA (Nationale Grundwasserbeobachtung), welches von der Sektion Hydrologie betreut wird. Heidi kann sich gut vorstellen, gegen welche Widerstände die Leute zu kämpften hatten. Herzlichen Dank für die hervorragende Arbeit!

Heidi hofft, dass der Grundwasserschutz seinen verkleinerten und zerstückelten Platz halten kann, wünscht viel Erfolg und freut sich auf die Arbeit der übrig gebliebenen Grundwasserschützer. Sie wünscht sich auch, dass die zwei neuen Chefs des Grundwasserschutzes am gleichen Strick zugunsten des unsichtbar in der Tiefe liegenden Schatzes ziehen werden.

Zum Schluss noch etwas Positives: Heidis Mist wird es auch 2015 geben! Das ist nötig, denn z.B. im Bündnerland liegen jetzt schon wieder Misthaufen im Feld über dem Grundwasser (auch Bio-Knospe-zertifizierter Mist); sie werden erfahrungsgemäss monatelang dort bleiben, eine Verschmutzungsgefahr für das Grundwasser. Das ist nicht weiter erstaunlich, weil es nicht nur bei Bauern, sondern auch bei Bündner Ämtern an Einsicht und Vollzugswille mangelt. Also Prosit Neujahr … und auf Wiedersehen oder -lesen im 2015!

31.12.14 HOME

4 Jahre Heidis Mist

14. Mai 2014
Heidibrunnen oberhalb Maienfeld

Heidibrunnen oberhalb Maienfeld

Zufällig ist der Jubiläumsartikel der 300. Beitrag. Ein kleiner Rückblick mit ausgewählten Bildern!

Heidis Lieblingsartikel

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Zweimal täglich Milchzimmerabwasser im Bächlein.

Meistgelesene Beiträge

 

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ausgewaschener „alter Mist“, neuer dunkler Mist

Höchste Zahl der Seitenaufrufe pro Tag immer noch 333

Mitte November 2010 stiegen die Seitenaufrufe rasant an. Ein Kommentar vom 30.11.10 zur Diaschau Misthaufen im Feld 2010/11 liess dann erahnen was los war: „Ich glaube Sie haben effektiv zu langweilig. Suchen Sie sich eine richtige Arbeit und hängen Sie nicht an öffentlichen Geldern! Was Sie hier veröffentlichen und erzählen ist wirklich reiner Mist! Mich interessiert auf welchem Misthaufen Ihre Dummheit entstanden ist?!“ Jemand hatte eine passende e-Mail-Adresse eingerichtet: misthock@… Das Ziel ist klar: Einschüchterung und Verwerfen der Informationen als „falsch“. Hinzuzufügen sei noch, dass Heidis Mist nur Kosten verursacht.

Am 1.12.10 erreichten die Seitenaufrufe das Maximum von 333. Viele Leute schauten sich die Misthaufen-Diaschaus an, lasen Heidis Gülle- und Mist-Artikel sowie Winteranfang in den Bergen. Offensichtlich war Unruhe in der Bauernschaft. Wohin mit Gülle und Mist? fragte sich auch das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation und schrieb einen Artikel für den Bündner Bauern mit eben diesem Titel.

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Löwenzahn-Bergwiesen in Klosters mit Sunnibergbrücke von Christian Menn

In welchen Ländern wird Heidis Mist gelesen?

67%  Schweiz
22%  Deutschland
5%  Österreich
2%  USA
4%  übrige

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Viel zu schmaler Pufferstreifen zwischen Maisfeld und Bach, „Kleines Seezli“ zwischen Flums und Walenstadt.

Grosse Zunahme der Abonnements

Besonders freut sich Heidi über die zweistellige Abo-Zuwachsrate; im letzten Jahr betrug sie 27%. AbonnentInnen erhalten jeden neuen Artikel gratis per e-Mail ins Haus geliefert. Herzlichen Dank liebe Abonnentinnen und Abonnenten in nah und fern (Indien, Kanada …) für die Treue.

Heidi im Wallis oder Tessin?

Ein Leser möchte, dass Heidi ins Wallis zieht, denn – so argumentiert er – dort sei alles noch viel schlimmer. Diesen Wunsch kann Heidi leider nicht erfüllen. Auch im Tessin ist sie gefragt: Eine Leserin hat Heidi Fotos versprochen, zum Publizieren natürlich! So ist es denn immerhin beruhigend zu wissen, dass auch andere Leute die Augen offen haben.

Gerade richtig zum Jubiläum traf folgender Brief ein: „Ich wünsche Heidi weiterhin viel Energie – und eine grosse Leserschaft.“

Das Interesse an Heidis Mist ist ungebrochen.

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Ausländerin erntet Erdbeeren im Churer Rheintal

Ausgewählte Kommentare von LeserInnen

  • Gemeinsam sind wir stark…
  • It’s quite astonishing what has been happening to the bees. Let’s hope some common sense in government prevails. This is a lovely post, Heidi.
  • Was in der Schweiz gilt, trifft leider auch für die gesamte EU zu. Trefflich verstehen die Agrarfunktionäre, Subventionen zu sichern, teils mit so interessanten Bezeichnungen wie “Ausgleichszahlungen”.
    Der Sektor Agrarwirtschaft muss schlicht wie Kommunen, Gewerbe und Industrie seinen Beitrag zur Minderung von Nährstoffaustrag in die Welt (Wasser, Boden, Luft !) mindern.
    Wie Heidi leider zutreffend schreibt, ändert sich das bisherige, ungesunde System aber offenbar erst, wenn der Zahler erwacht. Politik scheint allzu verflochten. Das wiederum kann der Wähler beeinflussen. – Wunsch für 2014: Wähler/(Steuer)Zahler erwache!
  • Ich kenne das Problem gut. Wenn die Behörden nicht energisch einschreiten, dann glauben die Bauern, dass sie im Recht sind und wehren sich gegen Sanierungsmassahmen. Mich ärgert das nicht nur weil ich mir Mühe gebe, korrekt zu wirtschaften, sondern weil die Umwelt darunter leidet und mit ihr wir alle.
  • Schönes Bild, dem kalbert sogar der Miststock… Schon krass, wie amateurhaft da vielerorts gewirtschaftet wird. Danke für Deine offenen Augen, Heidi, das Grundwasser wirds Dir danken, die Blacken-Community weniger. Herzlicher Gruss aus dem Unterland.
  • Mich überrascht eigentlich gar nichts mehr, wir in unserer kleinen Ortschaft haben das gleiche Problem, Verursacher ist ein “Einmann-Betrieb”, gefördert von der EU, der wahrscheinlich gar nicht weiss, wieso er gefördert wird, dem Typen müsste seitens der Behörde genauer auf die Finger geschaut werden, doch die zuständige Behörde ist gegen diesen Typen ziemlich machtlos, weil er sehr gute Verbindungen hat …
Glückwunsch zum Geburtstag!

14.5.14 HOME

Pestizide: Aktionsplan dringend nötig

22. Januar 2014
Pestizide schaden den Lebewesen, u.a. den Kaulquappen und nicht zuletzt uns.

Pestizide schaden den Lebewesen, u.a. den Kaulquappen und nicht zuletzt uns.

Unübersehbar ist die Post, die Heidi zum Thema Pestizid-Schäden und -Verschmutzungen erhält. Hier wieder einmal ein paar Hinweise. Anlässlich der Internationalen Grünen Woche fordert ein Bündnis aus Imkern, Umweltverbänden und Wasserwirtschaft, dass die Deutsche Bundesregierung Defizite beim Pestizid-Aktionsplan zügig ausräumt, denn der Nationale Pestizid-Aktionsplan setze bislang nicht die richtigen Prioritäten, siehe Presseinformation Bündnis vom 21.1.14. Danke Grünwolf für den Hinweis.

Und wie sieht es in der Schweiz aus? Von einem Aktionsplan keine Spur. Greenpeace, Pro Natura, SVS/BirdLife Schweiz und WWF fordern vom Bund eine drastische Pestizidreduktion. Und zwar jetzt! Siehe Forderungen für einen erfolgreichen Schweizer Pestizidreduktionsplan.

Seit einem Jahr gibt es PAN Swiss mit Sitz in Lausanne. Pan Swiss ist Teil eines Netzes von über 600 Nichtregierungsorganisationen, Institutionen und Einzelpersonen aus mehr als 90 Ländern, die dafür eintreten, dass gefährliche Pestizide durch unschädliche Alternativen ersetzt werden. Auch PAN Swiss ist besorgt über die zahlreichen schädlichen Wirkungen von synthetisch organischen Pestiziden: „… Jedes Jahr werden wir abhängiger von ihnen, und jedes Jahr wird der Schaden grösser … PESTIZIDE TÖTEN“

PAN Swiss arbeitet mit Nice Future zusammen, ebenfalls mit Sitz in Lausanne. Das Ziel von Nice Future ist es, leicht verständliche Informationen für ein umweltschonendes Leben verfügbar zu machen, denn umweltbewusste KonsumentInnen hätten es heute schwer, die Fakten zu finden, die bisweilen auch widersprüchlich und zu theoretisch seien. Es sei nicht erstaunlich, dass die meisten sich für den einfacheren Weg entschlössen. Nice Future bietet auf seiner Internetplattform Informationen zum (umweltschonenden) täglichen Leben an. Interessant ist z.B. die Bücherecke „Lectures“. Nice Future? Umweltschutz einfach und spielerisch!

Nachtrag 22.1.14, 21 Uhr. Ein Leser machte Heidi auf einen Beitrag des Schweizer Fernsehens aufmerksam: Weniger spritzen bei gleicher Ernte – geht das? SRF vom 22.1.14, 14.28 Uhr. Darin wird die Vizedirektorin Eva Reinhard vom Bundesamt für Landwirtschaft zitiert: „… Ohne Pflanzenschutzmittel hätten wir im Schnitt mindestens 30 Prozent weniger Ertrag.“ Es sei aber wichtig, dass die Bauern gleichviel Nahrungsmittel produzieren könnten wie bisher. Man müsse behutsam vorgehen … es gebe viele Ideen. Wie soll also die Rechnung aufgehen, frägt sich Heidi. Soll alles beim Alten bleiben? Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes und Bio-Bauer, ist skeptisch und stellt die gleichermassen beliebte wie unsinnige Forderung nach hieb- und stichfesten Beweisen betreffend Schädlichkeit der Pestizide bevor die Bauern deren Einsatz reduzieren müssten. Es gebe nur „Vermutungen“. Ritter möchte aber klar wissen, welches Mittel genau welche Schädigungen bei welchen Kleinlebewesen wie etwa den Bienen hervorrufen. Bei solchen Forderungen bleibt Heidi der Mund offen…

Übrigens mit dem Ausarbeiten eines Aktionsplans soll im April begonnen werden.

22.1.14 HOME

Fleischindustrie: Sklaven in deutschen Schlachthöfen

24. Juni 2013
Billigfleisch aus tierquälerischer Haltung, verarbeitet durch Sklaven?

Billigfleisch aus tierquälerischer Haltung, verarbeitet durch Sklaven?

„Schlechte Bezahlung, unwürdige Unterkünfte, Erniedrigung und Erpressung: Was sich in Schlachthöfen abspielt, ist für viele Kritiker mehr als Ausbeutung. Die Rede ist von Menschenhandel und organisierter Kriminalität.“ Das schreibt Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung vom 24.6.13 und zitiert die Düsseldorfer Richterin Brigitte Koppenhöfer: „Der Umfang illegaler Tätigkeiten und deren Selbstverständlichkeit sind erschreckend. Das Gewerbe scheint von diesen Straftaten durchdrungen zu sein“. Im Dokumentarfilm über „Lohnsklaven in Deutschland“ decken Marius Meyer und Michael Nieberg Machenschaften der organisierten Kriminalität auf. Dunkle Limousinen fahren vor wie in Actionfilmen.

Es geht ums Geld

In den aufwendigen Gerichtsverfahren geht es nicht um Lohndumping, nicht um Sklavenhalterei und unmenschliche Arbeitsbedingungen, sondern um den Verdacht der Vorenthaltung von Sozialversicherungsabgaben und Hinterziehung von Umsatzsteuern und Lohnsteuerbeträgen. Es geht also ums Geld. Ums Geld gehts auch beim Import von Billigfleisch und beim Kauf von Billigfleisch. Heidi meint: „Gute Lebensmittel haben ihren Preis!“ KAGfreiland kämpft gegen den Import von Billigfleisch aus tierquälericher Haltung. Verkauft wird das Fleisch bei Migros, Coop, Spar, Aldi, Lidl usw. in unzähligen Restaurants, Grosshandel, Gastromärkten. KAG-Kampagne Stopp Import-Schweinerei!

Mehr über den Menschenhandel von Werkvertragsfirmen unter Lohnsklaven in Deutschland, Süddeutsche Zeitung vom 24.6.13

Lohnsklaven in Deutschland, ARD 24.6.13

„Uns kam das vor wie ein Schattenreich“, Interview mit Michael Nieberg, NDR vom 22.6.13

Infoquelle Grünwolf: Fleischindustrie: Sklaven in Deutschland

24.6.13 HOME

Paraguay: Sojaanbau tötet Kleinbauern

17. Januar 2013
Unser Hunger nach Fleisch tötet in vielen Ländern Kleinbauern und ihre Kinder.

Unser Hunger nach Fleisch tötet in vielen Ländern Kleinbauern und ihre Kinder.

In Paraguay kümmert sich ein Bischof um Menschen, die durch den Anbau von Gensoja ihre Gesundheit und Existenz verlieren. Ein Viertel dieses Gensojas kommt zur Tiermast nach Europa. Ein paar Stichworte zum Film des Bayerischen Fernsehens vom 19.12.12: Landgrabbing, Wälder abholzen, Trinkwasser vergiften, Glyphosat, Haustiere sterben, Menschen auch, Soja-Pflanzer wollen Beweise, In der Universitätsklinik von Acanciòn sterben Menschen an Leukämie, Leiter Genehmigungs- und Kontrollbehörde besitzt Agrochemie-Unternehmen, ein Viertel der paraguayanischen Soja gelangt nach Europa als Kraftfutter für die Nutztiere, Paraguay: Tödliches Gensoja. Haben Sie nach dem Film noch Lust auf Fleisch oder kommen Ihnen eher die Tränen? Danke Grünwolf, dass du mir den Hinweis auf diesen Film zugespielt hast.

In einem 66-seitigen Dossier eines Lehrforschungsprojekts am Institut für Politikwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Giessen, ist zu lesen: „Aufgrund des Konflikts leben nach Schätzungen der landesweit tätigen Kleinbauern-Organisation Mesa Coordinadora Nacional de Organizaciones Campesinas de Paraguay (MCNOC) rund 2,4 Millionen der ca. 6,5 Millionen Einwohner Paraguays in Armut, 1 Million davon sogar in extremer Armut. Dieser Zustand ist eine direkte Folge der Landverteilung und der damit verbundenen Verdrängung traditioneller Landwirtschaft durch Sojamonokulturen.“ Der Paraguay-Konflikt, Dossier zur zivilen Konfliktbearbeitung, Leitung: Dr. Hanne-Margret Birckenbach.

Aus dem Fazit der Studie: „Abschließend bleibt im Hinblick auf die deutsche Leserschaft Folgendes festzuhalten:

  • Eine kritische Prüfung der bundesrepublikanischen Interessen und Aktivitäten in Paraguay verdeutlicht, dass diese die dortigen Missstände aufrechterhalten und teilweise sogar fördern.
  • Jede/r einzelne kann durch ihr/sein individuelles Konsumverhalten zum Ausdruck bringen, wie sie/er zum dargestellten Konflikt steht: Ein Verzicht auf die als konfliktverschärfend zu klassifizierenden Lebensmittel kann eine Transformation des Konfliktes positiv beeinflussen.
  • Agrosprit sollte gemieden und umweltschonendere Energiequellen bevorzugt werden.
  • Um Aufmerksamkeit für den Konflikt zu schaffen, sollte jede/r, die/der mit diesem vertraut ist, ihren/seinen Bekannten und Verwandten davon berichten.
  • Ein friedliches Zusammenleben in Paraguay darf nicht als eine rein paraguayische Angelegenheit betrachtet werden. Der Einfluss anderer Staaten und wirtschaftlicher Akteure darf nicht unterschätzt bzw. bei Transformationsbemühungen des Konflikts vernachlässigt werden.

Insgesamt kann Paraguay als Exempel für andere Länder mit ähnlichem Konflikt gesehen werden. Gerade in Südamerika, beispielsweise Bolivien, birgt die starke Ungleichverteilung der Ländereien Konfliktpotenzial, eine Eskalation ist abzusehen. Daher kann dieses Dossier nicht nur zur Gewinnung von Aufmerksamkeit für Paraguay betrachtet werden, sondern auch als Ansatz für eine Transformation von ähnlichen Konflikten.“

Paraguay rodet 1000 Hektar Wald pro Tag, Video Die Welt 27.3.13 (Grünwolf).

Deutschland: Die Billigfleisch-Weltmacht, Süddeutsche, 10.1.13, von Max Biederbeck. „Das Filet bleibt hier, der Rest geht um den Globus: Deutschland entwickelt sich zum größten Fleischexporteur der Welt. Das hat drastische Folgen, für Tiere, Menschen und die Umwelt.“

Massentierhaltung: Deutsche Fleisch-Fabriken werden immer grösser, Süddeutsche, 17.1.13, von Thorsten Denkler. „Es sind Bilder, der jeden erschaudern lassen, der sie einmal gesehen hat: Hühner, die im Millisekunden-Takt von Maschinen getötet werden. Küken, die geschreddert werden, weil sie männlich sind, und sich darum ihre Mast nicht lohnt. Schweine, denen die Ringelschwänzchen abgeschnitten werden, weil sie sich die sonst unter dem Stress der Massentierhaltung gegenseitig abknabbern würden.“

Weitere Informationen: Lugo scheut den Landkonflikt, Lateinamerika Nachrichten, Januar 2010.

Zum Thema Fleischkonsum, Regenwald, Soja und Proforest siehe auch Bill Clinton ist Vegetarier, Heidis Mist

17.1.13 HOME

Bauernschlau oder unverfroren?

6. Januar 2012
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Die Kunst, alles ins richtige Licht zu stellen. Was immer sich verkaufen lässt, wird als ökologisch, fair und nachhaltig deklariert.

Wieso hat ein Bauer zuviel Mist und Gülle? Weil er mehr Tiere hält, als sein Boden Futter hergibt. In der Coopzeitung vom 3.1.12, Biogas: Gülle wird zu Strom, wird das Loblied auf zwei „findige“ Bauern gesungen, die nicht nur 2200 eierlegende Freilandhühner, 800 Schweine und 70 Mutterkühe (Betriebsbesichtigung GV Ehemalige Fricker) halten, sondern auch Strom produzieren. Gemäss Betriebspiegel Rütihof werden Brotgetreide und Raps angebaut, jedoch keine Futtergetreide (zu wenig rentabel), d.h. das Futter für Hühner und Schweine wird zugekauft. Das Gärsubstrat stammt fast ausschliesslich aus den zwei Bauernhöfen in Kaisten. Die Biogasanlage wird von den KonsumentInnen (und wahrscheinlich auch den Steuerzahlenden) finanziell unterstützt, denn der Coop Fonds für Nachhaltigkeit beteiligte sich am Bau der vorgestellten Biogas-Anlage mit kostendeckender Einspeisevergütung (KEV), Biogasanlage im Fricktal. Logisch eigentlich, dass man eine Lösung für ein Überschussproblem sucht, v.a. wenn die lukrative Lösung in aller Munde ist und als nachhaltig und innovativ gilt. Nebenbei gesagt, bäuerliche Biogas-Anlagen gibt es seit Jahrzehnten, nur wurden sie früher nicht so grosszügig unterstützt. Und die Güllenüberschüsse machten Schlagzeilen, als der Sempachersee wegen der „inneren Aufstockung“ mit Schweinen kippte und mit viel Steuergeldern zu neuem Leben erweckt werden musste. Im Moment zahlen wir an die Sanierung zahlreicher Gewässer, z.B. Baldeggersee (Expertenbericht), welcher der Pro Natura gehört. Und wir haben 2010 für Gewässersanierungen 8 Mio. Franken Direktzahlungen bezahlt, nicht inbegriffen sind kantonale und komunale Kosten. Diese Ausgaben werden im Agrarbericht des Bundesamt für Landwirtschaft jeweils unter „ökologische Direktzahlungen“ aufgeführt, verkleidet als „Gewässerschutzprojekte„.

Die Freude an der neuen Einnahmequelle Biogas wird etwas gedämpft. Der Bauer sagt: „Es braucht viel Knowhow und hat nicht mehr wirklich mit Landwirtschaft zu tun.“ Auch gebe es viele Vorschriften, und zig Amtsstellen hätten die Anlage abgenommen. Der Preis, den die KonsumentInnen für den so genannten Ökostrom zahlen beträgt 40 Rappen, d.h. das Doppelte des konventionellen Stroms. Der Erlös aus Biogas mache bis einen Drittel des bäuerlichen Einkommens aus, heisst es in der Coopzeitung. Die Bauern spinnen aber den Biogas-Faden weiter: Das umweltschädigende Methan wird der Gülle entzogen, deshalb überlegen die Bauern, ob sie in Zukunft auch CO2-Zertifikate verkaufen könnten. Heidi ist gespannt, ob der Bundesrat darauf einsteigt, zuzumuten wäre es ihm; die Autoimporteure werden mit den energieeffizienten Autos nachziehen, denn die Autos verursachen den grössten Teil der Treibhausgase! Die Geschichte ist aber noch nicht fertig. Heidi hat kürzlich einen Coop-Ferienprospekt aus dem Briefkasten genommen. Die Flugreisen kann man mit CO2-Zertifikaten ökologisieren: GgG = Geld gegen Gewissen. Im Klartext: Je mehr Futtermittel die Bauern importieren und je weiter die Leute in die Ferien fliegen, desto besser geht es …. wem? Den Bauern natürlich! Auch Heidi ist innovativ: Wie wär’s mit einem vom Bund eingerichteten Reisebüro im Hofladen?

In Deutschland wird die Biogas-Produktion schon länger stark gefördert und hat entsprechend zugelegt. Mais, Gras, Rüst- und Nahrungsmittelabfälle, Gülle, Mist, was auch immer, wird gerne einmal 60 km weit transportiert und verursacht Staus auf den Strassen. Die anfallenden Gärresten müssen zurück auf die Felder, also weiterer Transport. Nur erhält der Bauer nicht „sein“ Material zurück, was Probleme bei der Düngung bringt, auch die veränderte Zusammensetzung kann sich negativ auswirken. Mit den Gärresten fällt zudem Dünger an, der mit dem Kraftfutter importiert wurde. Mais ist düngerhungrig und verträgt als kleine Pflanze keine Konkurrenz, also ist der Dünger- und Herbizideeinsatz beträchtlich, wodurch vielerorts Grundwasser und Gewässer verschmutzt werden. Ein weiteres Problem ist die Bodenerosion. Mit all den offenen Fragen befasst sich jetzt die deutsche Agrarforschung. Wer bezahlt sie? Heidi lässt Ihre LeserInnen raten. Ein Kollege meinte kürzlich zur deutschen Biogas-Euphorie: „Ein agrarpolitischer Wahnsinn“. Es scheint so, dass der Wahnsinn längst bei uns Einzug gehalten hat, mit Pauken und Fanfaren. Transportiert wird mit steuerbefreitem Diesel und meist Fahrzeugen ohne Filter, weil der Bundesrat den Bauern die entsprechenden Kosten nicht zumuten will, uns den Feinstaub aber schon. Kreisläufe sind heute global und kompliziert, so dass man nicht mehr merkt, dass es keine Kreisläufe sind.

Nachtrag 7.1.12: Heidi hat eine Reklamation aus Zürich erhalten: Es gebe auch positive Beispiele, etwa die Biogas Zürich AG. Diese baue ein Vergärwerk und eine Biogas-Aufbereitungsanlage auf dem Areal des Klärwerks Werdhölzli. Ab 2013 werde die Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) den Bioabfall der Haushalte sammeln und dadurch einen wichtigen Beitrag zu den 2000-Watt-Zielen der Stadt Zürich leisten. Bravo!

7.1.12 HOME

Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen!

16. Dezember 2011
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Den Truten wird der obere Schnabelteil abgeschnitten, was lebenslängliche Schmerzen verursacht, die Beine tragen das Körpergewicht nicht mehr …, Bild Kassensturz.

Ausländisches Trutenfleisch? Nein danke!

Wer ausländisches Trutenfleisch kauft, unterstützt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Eigentümer von Tierfabriken, denen es egal ist, dass die Tiere während der Mast leiden, Hauptsache: Die Rendite ist möglichst hoch. Über die tierquälerischen Praktiken hat der Kassensturz am 13.12.11 eindrücklich berichtet. Das von Coop, Aldi und Lidl angebotene Trutenfleisch sowie das meiste von Migros verkaufte stammt leider aus dem Ausland, weil es billiger ist und der Gewinn höher. Aber auch zahlreiche KonsumentInnen kaufen am Wochenende im Ausland allerlei spottbilliges Fleisch aus Tierfabriken ein.

Schweizer Trutenfleisch? Ja gern!

Der Kassensturz hat im gleichen Beitrag einen tierfreundlichen Schweizer Trutenbauernhof gezeigt, den Betrieb der Familie Ullmann in Eschenz, welche ihre Truten der frifag liefert und auch ab Hof verkauft. 95% der in der Schweiz gemästeten Truten werden in besonders tierfreundlichen Ställen gehalten und dürfen sogar täglich ins Freie, wie in diesen Tabellen aus dem Argarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft zu lesen ist. Wer also beim Essen von Trutenfleisch ein gutes Gefühl im Bauch haben will, verlangt Schweizer Trutenfleisch. Solches ist an folgenden Orten erhältlich: Spar, evtl. Migros, Geflügel Gourmet AG, Gutsbetrieb Oeschberg usw.

Fragen Sie im Restaurant, woher das Fleisch kommt, denn sogar in Gourmet-Tempeln stammt das Fleisch oft aus dem Ausland. Eine Umfrage des Schweizer Tierschutzes „Gastronomie verschläft den Trend zu Produkten aus tierfreundlicher Haltung“, Bericht vom 16.8.11 (STS) bei 300 gehobenen und Gourmet-Restaurants in der ganzen Schweiz ergab ernüchternde Resultate. Der Labelfleisch-Anteil liegt je nach Fleischart zwischen 37 und 50 Prozent. Nicht so im Gasthaus Kreuz in Egerkingen, wo Louis Bischofberger auf Qualität setzt, nicht nur beim Essen: „Weniger ist mehr, wir bezahlen für Qualität und unsere Kunden auch. Und wenn das nur 50% der Gastronomen täten, wäre endlich wieder mal klar, dass es nicht täglich zweimal Fleisch auf dem Tisch braucht…“. Spitzenreiter bei den Grossverteilern ist Coop mit einem Label-Anteil von über 80% des Fleischumsatz. Die Tierhaltungsprogramme von Naturaplan (Bio) und Naturafarm hat Coop zusammen mit dem Schweizer Tierschutz entwickelt; die Anforderungen sind deutlich höher als jene der Tierschutzgesetzgebung. Schade, dass neben diesem Qualitätsfleisch Trutenfleisch aus tierquälerischer Haltung liegt.

Vielleicht bieten auch Coop oder Migros künftig Schweizer Trutenfleisch an, wenn die KonsumentInnen dies ausdrücklich wünschen und den höheren Preis zahlen. Und das wollen wir doch? Also schreiben wir unsere Wünsche dem  Coop-Konsumentendienst, der  Migros-Infoline, Aldi (Qualität ist unser Anspruch), LIDL-Kundenhotline.

Nachtrag 18.2.17: Mit der Produktion von Fleisch auf der Basis von importiertem Futter wie bei Geflügel und Schweinen ergeben sich viele Probleme, u.a. Nährstoffüberschusse. „Könnte eine Lösung darin bestehen, gleich das Fleisch von dort zu importieren, wo auch das Futter wächst, und damit der Bevölkerung vor Ort erst noch zu neuen Arbeitsplätzen zu verhelfen? Die Migros jedenfalls wirbt in ihrer Kampagne «Generation M» für Geflügel- und Kaninchenfleisch, das nach Schweizer Tierschutzstandards von Partnerbetrieben in Deutschland und Ungarn erzeugt wird. Dass der ganze Produktionsprozess im Ausland gleich eng begleitet werden kann wie in der Schweiz, stellt Manfred Bötsch allerdings in Frage.“ Folgeprobleme des hohen Tierbestandes: Tiermast frisst Landschaft, umwelt 3/16 Landwirtschaft.

Trutenfleisch: Profit auf Kosten der Tiere, Kassensturz vom 13.12.11, Schweizer Fernsehen

Wie Poulet im Ausland anders produziert werden, Kassensturz vom 13.9.11, Schweizer Fernsehen

Eine Übersicht von KAGfreiland zeigt die Unterschiede zwischen den Schweizer Labels Detaillierter Labelvergleich (Tierhaltungsanforderungen der häufigsten Labels im Vergleich zu KAGfreiland) Stand: 5.1.11.  Die KAG-Poulet-Mäster sind die einzigen, die im Winter keine Poulets produzieren, denn die Jungtiere bleiben bei Kälte meist im Stall, es sind dann keine echten Freilandpoulets.

„Happy“ Truthahn für Weihnachten?, Heidis Mist 9.12.12

Wiesenhof zieht Konsequenzen aus Fernsehbildern, Wiesenhof

Hühnermast in Deutschland, Video von dokumenTIERE.de

Massentierhaltung spaltet Norddeutschland, NDR.de.

In Norddeutschland, Mecklenburg-Vorpommern, setzt offenbar ein Umdenken im Umgang mit der Tiermast ein, dies wegen jüngst veröffentlichter Ergebnisse zum Antibiotika-Einsatz in der Geflügelmast. Backhaus will neuen Masterplan für Tiermast, NDR vom 19.12.11

Deutschland: Gefährliches Hähnchenfleisch aus den Läden verbannen! In Filialen fünf grosser deutscher Handelsketten hat der „BUND Freunde der Erde“ Hähnchenfleisch unter die Lupe genommen. Auf mehr als jeder zweiten Stichprobe der Hersteller „Wiesenhof“, „Sprehe“ und „Stolle“ waren antibiotikaresistente Bakterien.

Tierschutz-Kontrollhandbuch für Mastgeflügel des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET)

6.12.11 HOME


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