Posts Tagged ‘Dünger’

Die Welt-Uhren ticken unerbitterlich

8. Oktober 2022
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Copyright: MCC. Mit einem Klick auf das Bild geht’s zur Uhr.

So schnell tickt die CO₂-Uhr

Die CO2-Uhr des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) veranschaulicht, wieviel CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden darf, um die globale Erwärmung auf maximal 1,5°C beziehungsweise 2°C zu begrenzen. Mit einem Klick kann man die Schätzungen für beide Temperaturziele vergleichen und sehen, wieviel Zeit im jeweiligen Szenario bleibt.

Verbleibendes CO₂-Budget. So schnell tickt die CO2-Uhr MCC

Weltbevölkerungsuhr

Wie soll es weitergehen?

Wie soll es weitergehen?

Der Klimawandel ist das eine grosse Problem, Bevölkerungswachstum ein weiteres. Das dritte schlimme Problem, das es zu bewältigen gibt, das sind die Chemikalien aller Art, Pestizide, Düngemittel. Das Chemikalienproblem ist deshalb so schwierig, weil unzählige verschiedene Substanzen und deren Abbauprodukte Boden, Wasser und Luft verschmutzen. Rasche Lösungen sind nötig. Ob wir das schaffen?

Weltbevölkerungsuhr

Fossils, Fertilizers, and False Solutions

7. Oktober 2022
Lesen Sie den Bericht bzw. mindestens die Zusammenfassung und schauen Sie sich das Video an mit Klick auf das Bild.

Lesen Sie den Bericht bzw. mindestens die Zusammenfassung und schauen Sie sich das kurze Video 1:58 an mit Klick auf das Bild.

Wie die fossile Düngemittelindustrie auf Scheinlösungen setzt und damit Klima und Menschenrechte in Gefahr bringt.

Die Zusammenfassung des am 6.10.22 veröffentlichten Berichts des Center for International Environmental Law (CIEL) endet wie folgt:

„… Angesichts der starken Abhängigkeit des globalen Nahrungsmittelsystems von chemischen Inputs, der weit verbreiteten Übernutzung und ungerechten Verteilung dieser Inputs sowie der Unterbrechung der Getreide- und Düngemittelausfuhren durch die russische Invasion in der Ukraine besteht Grund zur Sorge, dass eine weitere Verschlechterung des Zugangs zu Düngemitteln die durch die Invasion selbst verursachten kurzfristigen Bedrohungen der Ernährungssicherheit noch verstärken wird. Die Wurzeln des Problems liegen jedoch in den systemischen Fehlern der industriellen Nahrungsmittelproduktion und nicht in der Verknappung eines Produkts, das in Wirklichkeit nicht die Ernährungssicherheit fördert, sondern die Ernährungssouveränität untergräbt. Wie dieser Bericht im Einzelnen darlegt, gab es noch nie einen besseren Zeitpunkt und eine dringendere Notwendigkeit, das derzeitige System zu überdenken, insbesondere die Rolle von fossilem Dünger.

Da die Welt dringend von der fossilen Wirtschaft wegkommen muss, muss sie auch das derzeitige, auf fossilen Brennstoffen basierende Modell der intensiven, industriellen Landwirtschaft angehen und aufgeben, mit dem Ziel, widerstandsfähige, regenerative Modelle zu entwickeln, die die Nahrungsmittel- und Energiesouveränität verbessern, im Interesse der Ökosysteme und Menschen, die von ihnen abhängen. Ein solcher Übergang kann nur erreicht werden, wenn wir das mit fossilen Brennstoffen betriebene System, das die Erde und ihre Bewohner:innen über kritische planetarische Grenzen hinaus treibt, in den Blick nehmen. Vor dem aktuellen Hintergrund der multiplen Krisen war die Notwendigkeit für ein Umsteuern noch nie so klar wie heute.

Weil der Bericht so wichtig ist, kopiert Heidi die auch in Deutsch verfügbare Zusammenfassung vollständig:

In den letzten sechs Jahrzehnten hat sich die weltweite Produktion und Verwendung von Stickstoffdüngern verneunfacht: von 12,9 Millionen Tonnen im Jahr 1961 auf über 123 Millionen Tonnen im Jahr 2020. Länder mit hohem Einkommen wie Japan, die Vereinigten Staaten und Teile Westeuropas verbrauchen 85-135 Kilogramm (kg) Stickstoffdünger pro Kopf, während sich die Industrie darauf konzentriert, den Düngemitteleinsatz im globalen Süden drastisch zu erhöhen. Die Produktion und der Einsatz von Pestiziden haben sich ähnlich entwickelt, wobei sich der anfänglich dramatische Anstieg des Pestizideinsatzes in Nordamerika und Europa in den letzten Jahrzehnten zu einer starken Konzentration auf den Export von Pestiziden in den globalen Süden verschoben hat, da Verbraucher:innen und Regulierungsbehörden im globalen Norden sicherere Alternativen fordern. Seit 1960 ist der Wert der weltweiten Pestizidexporte um 15.000 Prozent gestiegen und wird im Jahr 2020 41 Milliarden US-Dollar erreichen.

Überwältigende wissenschaftliche Beweise zeigen, dass der jahrzehntelange übermäßige Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden – zusammenfassend als Agrochemikalien bezeichnet – und die allgegenwärtige Ausbreitung einer industriellen Landwirtschaft, die auf diesen Agrochemikalien basiert, zu einem katastrophalen Zusammenbruch der biologischen Vielfalt und einer Verschmutzung mit toxischen Chemikalien beiträgt, die Erde über kritische planetarische Grenzen hinaus belastet und zu weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen führt, insbesondere im globalen Süden. Diese übermäßige Nutzung hat auch Auswirkungen auf die Menschen, die direkt neben den Produktionsstandorten der Petrochemie leben – sowohl im globalen Norden als auch im Süden. Diese negativen Auswirkungen werden durch die bedeutende, aber oft übersehene, Rolle von Düngemitteln und Pestiziden bei der sich beschleunigenden Klimakrise noch verstärkt.

Die Landwirtschaft ist für etwa ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, und fossiler Dünger – also chemische Düngemittel, die aus fossilen Rohstoffen gewonnen werden – tragen maßgeblich, jedoch unbeachteterweise, zu dieser Zahl bei. Eine im August 2022 veröffentlichte wissenschaftliche Studie ergab, dass allein die globalen Klimaauswirkungen von Stickstoffdünger die des kommerziellen Luftverkehrs übersteigen und etwa 2 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen ausmachen. Diese Emissionen entstehen sowohl durch die emissionsintensive Düngemittelproduktion als auch durch die anhaltenden und vielfältigen Klimaauswirkungen, wenn Stickstoffdünger auf landwirtschaftliche Böden ausgebracht wird.

So werden beispielsweise bei der Herstellung des Ammoniaks (NH₃), auf dem Stickstoffdünger basiert, schätzungsweise 450 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr freigesetzt – das entspricht den gesamten Emissionen des Energiesystems Südafrikas. Ebenso ist die Landwirtschaft für etwa zwei Drittel der weltweiten Lachgasemissionen (N2O) verantwortlich, ein Treibhausgas, das 265 Mal stärker wirkt als Kohlendioxid.

Landwirtschaftliche Böden, die mit Stickstoffdünger behandelt werden, sind eine der Hauptquellen dieser Emissionen. Jüngste Studien belegen, dass die beobachteten Lachgaskonzentrationen in der Atmosphäre selbst die pessimistischsten Klimamodelle des Weltklimarats (IPCC) der Vereinten Nationen zu übertreffen
beginnen.

Darüber hinaus könnte der anhaltende übermäßige Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln die Fähigkeit des Bodens, Kohlenstoff zu absorbieren und zu binden, beeinträchtigen. Trotz dieser Risiken geht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) alarmierenderweise davon aus, dass der Einsatz von Stickstoffdüngern bis 2050 um weitere 50 Prozent steigen könnte.

Sowohl die agrochemische Industrie als auch die fossile Industrie werden davon profitieren. Schon jetzt verbraucht die Synthese von Ammoniak für Stickstoffdünger schätzungsweise 3 bis 5 Prozent des weltweiten fossilen Gases.

Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die Petrochemie bis 2026 für mehr als zwei Drittel des weltweiten Ölnachfrageanstiegs und bis 2050 für mehr als die Hälfte (55 Prozent) des gesamten Erdölverbrauchs verantwortlich sein wird. Plastik und Düngemittel, die zusammen fast drei Viertel (74 Prozent) aller produzierten Petrochemikalien ausmachen, sind die Haupttreiber dieses Wachstums. Der IEA zufolge stellen Düngemittel den größten kurzfristigen Wachstumssektor für den Einsatz von Erdölrohstoffen dar, wobei für die Düngemittelproduktion im Jahr 2025 ein Bedarf von mehr als 100 Milliarden Kubikmetern (bcm) Erdgas prognostiziert wird und für die weltweite Ammoniakproduktion ein Anstieg bis 2050 um bis zu 30 Prozent.

Diese Interessenkonvergenz der fossilen und Agrarindustrie spiegelt sich in den tiefgreifenden und weitreichenden Verflechtungen zwischen den Konzernen selbst wider. Während die weitreichende Rolle der Öl- und Gasunternehmen beim Ausbau der Petrochemie und der anhaltenden Plastikkrise gut dokumentiert ist, haben die Verbindungen zwischen der fossilen Brennstoff- und der Agrochemieindustrie weit weniger Aufmerksamkeit erhalten. Von acht führenden Düngemittelunternehmen, die für diesen Bericht untersucht wurden, wiesen sieben in der Vergangenheit oder gegenwärtig weitreichende Verbindungen zur fossilen Industrie auf, und zwar durch Verflechtungen in den Aufsichtsräten, durch die Eigentumsstruktur des Unternehmens oder durch direkte Beteiligung an der Produktion fossiler Brennstoffe. Dies gilt zusätzlich zu den bekannten historischen Verbindungen zu fossilen Brennstoffen bei langjährigen Marktführern der Agrochemie wie DuPont und Dow.

Es überrascht daher vielleicht nicht, dass agrochemische Unternehmen immer stärker die Lobbystrategien der fossilen Industrie nachahmen und argumentieren, dass sie die massiven Auswirkungen der Düngemittelproduktion auf das Klima durch den weit verbreiteten Einsatz von Kohlenstoffabscheidung und –speicherung (CCS) und andere Scheinlösungen zum Verschwinden bringen können.

Noch beunruhigender – und von den Medien und der Zivilgesellschaft weitgehend unbemerkt – ist die Tatsache, dass Öl-, Gas- und Agrochemieunternehmen Partnerschaften für eine Vielzahl an neuen Projekte eingehen, bei denen CCS und verwandte Technologien eingesetzt werden, um sogenannten „blauen“ Ammoniak (und seinen Vorläufer „blauen“ Wasserstoff) auf der Basis von fossilem Gas nicht nur als wichtigen Düngemittelbestandteil, sondern auch als Energieträger und als brennbaren Kraftstoff für Transport und Energie zu produzieren.

Unternehmen aus dem Bereich Düngemittel und fossile Brennstoffe betreiben, entwickeln oder erforschen aktiv Dutzende solcher Projekte in mindestens neun Ländern weltweit. Dieser Bericht hebt insbesondere die Ausbaupläne in den USA hervor, wo Projekte in acht Bundesstaaten geplant oder unterwegs sind. Es überrascht nicht, dass dieselben Staaten und Gemeinden, die bereits mit den negativen Auswirkungen der petrochemischen und CCS-Produktion konfrontiert sind, auch die Hauptziele für die Expansion der fossilen Düngemittelindustrie in Richtung blauer Wasserstoff und blaues Ammoniak sind.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen eindeutig, dass solche Kraftstoffe nicht nur technisch und wirtschaftlich für die meisten Verwendungszwecke unbrauchbar sind, sondern dass sie für das Klima genauso schlecht oder noch schlechter sind als die direkte Verbrennung von fossilem Gas. Indem sie dieses fossile Gas mit CCS-abgeleitetem Ammoniak als saubere Energiequelle positionieren, nutzen beide Industrien nicht nur das Vermarktungspotenzial vermeintlich „sauberer“ und nachhaltiger Kraftstoffe, sondern auch massive staatliche Subventionen für Infrastrukturinvestitionen im Namen des Klimaschutzes. Vereinfacht ausgedrückt, arbeiten die Düngemittelindustrie und die Industrie für fossile Brennstoffe zunehmend zusammen, um fossile Brennstoffe – insbesondere Erdgas – als eine ständig wachsende Quelle sowohl für „saubere“ Energie als auch für „saubere“ Agrochemikalien zu vermarkten. Doch wirklich sauber, grün oder nachhaltig ist keines von beidem. Die Beschleunigung dieser Vorschläge und die ihnen zugrundeliegenden Narrative drohen jedoch, die globale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und industrieller Landwirtschaft auszuweiten und zu vertiefen, während weltweit die Erkenntnis wächst, dass beides dringend reduziert werden muss. Abgesehen von den Gefahren für die biologische Vielfalt, die menschliche Gesundheit und das globale Klima stellt die tiefe Verflechtung von fossilen Brennstoffen und industriellen Agrochemikalien eine tiefgreifende Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit dar – wie die Marktschocks von 2022 bei den Lebensmittel-, Kraftstoff- und Düngemittelpreisen eindrucksvoll zeigen. Bei Redaktionsschluss dieses Berichts Mitte September 2022 haben akute Benzinknappheit und massive kurzfristige Preisspitzen führende Düngemittelhersteller dazu veranlasst, kurzfristige Produktionskürzungen anzukündigen, während gleichzeitig langfristige Investitionspläne ausgeweitet werden

Der letzte Absatz steht am Anfang!

Lesen Sie den Bericht report.

Schauen Sie das kurze Video an: explanatory video.

Fossils, Fertilizers, and False Solutions: How Laundering Fossil Fuels in Agrochemicals Puts the Climate and the Planet at Risk (October 2022). Center for International Environmental Law (CIEL) 6.10.22

Oh du heiliger Mist!

7. September 2022
Naturschutzgebiet Ibergeregg: Heidis Misthaufenblick hat sofort weiter oben am Weg ...

Naturschutzgebiet Ibergeregg: Heidis Misthaufenblick hat sofort weiter oben am Weg …

... den Misthaufen entdeckt, an wunderschöner Aussichtslage.

… den Misthaufen entdeckt, an wunderschöner Aussichtslage.

Wieder einmal sind die geöffneten Tabs in Heidis Browser so zahlreich, dass sie fast nicht weiss wo anfangen. Eigentlich wollte sie das Drama des ausgetrockneten UNESCO-Naturerbes Coto de Doñana thematisieren und den Marche funèbre von Chopin verlinken. Seit mehr als zehn Jahren schreibt sie immer wieder über die wasserverschleissenden Erdbeeren, Himbeeren usw., bio und konventionell, die wir aus diesem Gebiet auch mitten im Winter beziehen, angeblich nachhaltig.

Am Sonntag sind Fotos von einem illegal gelagerten Misthaufen im Naturschutzgebiet Ibergeregg SZ eingetroffen und am Tag darauf ein Blog-Beitrag von Martin Sager, Direktor des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW), mit dem Titel Heiliger Mist.

Auch wenn die Zahl der illegal gelagerten Misthaufen stark rückläufig ist, so ist es die Menge der umweltschädlichen Dünger nicht. Ammoniak-Emissionen belasten nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch den Wald, Naturschutzgebiete, naturnahe Flächen … und Stickstoff und Phosphor verschmutzen Gewässer und Grundwasser. So ist es denn an der Zeit, dieses leide Thema in den Vordergrund zu stellen. Hinzu kommen die Pestiziden und deren Metaboliten im Wasser.

Über Misthaufen hat Heidi schon viel geschrieben, sie sind selbstredend. Das Verschmutzungsproblem Dünger ist weiterhin ungelöst.

Hier sei nur der Lead von Sagers Blog-Beitrag veröffentlicht, den vollständigen Kurzbeitrag lesen Sie am besten bei Aqua & Gas:

„Obwohl seit 1998 mit Artikel 62a des Gewässerschutzgesetzes substanzielle Mittel in Massnahmen der Landwirtschaft zur Senkung von übermässigen Gewässerbelastungen durch Nitrat, Phosphor und Pflanzenschutzmittel fliessen, ist die Verunreinigung des Grundwassers mit Nährstoffen kaum zurückgegangen. Gleichzeitig werden alle konkreten Massnahmen, die den Einsatz von Gülle und Dünger reduzieren wollen, im Parlament torpediert.“

Heiliger Mist. Martin Sager, SVGW, Aqua & Gas

Afrikanische Bauern und Organisationen der Zivilgesellschaft gegen chemische Düngemittel

6. September 2022

Afrikanische Bauernverbände und die Zivilgesellschaft haben ein Ende der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) gefordert, weil sie die Abhängigkeit des Kontinents von teuren importierten Düngemitteln und anderen Betriebsmitteln verschärft hat. Sie haben ausserdem argumentiert, dass AGRA die Widerstandsfähigkeit der einheimischen Nahrungsmittelsysteme auf dem Kontinent untergraben hat.

Unter der Koordination der Allianz für Ernährungssouveränität in Afrika (AFSA) stellten die zivilgesellschaftlichen, bäuerlichen und religiösen Gruppen fest, dass AGRA sein Hauptziel, die Einkommen und die Ernährungssicherheit von Millionen von Kleinbauern zu erhöhen, nicht erreicht hat.

In einer Erklärung im Vorfeld des jährlich stattfindenden African Green Revolution Forum (AGRF), das vom 5. bis 9. September in Kigali, Ruanda, stattfindet und bei dem Führungskräfte von Unternehmen, Regierungen und Gebern unter dem Motto „Mutiges Handeln für widerstandsfähige Nahrungsmittelsysteme“ zusammenkommen werden, argumentieren die Protestierenden, dass die 15 Jahre alte Initiative für industrielle Landwirtschaft es nicht geschafft hat, die Einkommen und die Ernährungssicherheit von Millionen von Kleinbauern zu verbessern.

Sie forderten alle Geber auf, die Finanzierung der mit AGRA präsentierten Scheinlösung einzustellen und ihre Unterstützung auf die Agrarökologie zu verlagern, die ein gesundes, nachhaltiges, widerstandsfähiges und kulturell angemessenes Ernährungssystem für Afrika darstellt.

„AGRA hat die Abhängigkeit des Kontinents von teuren importierten Inputs vertieft und die Widerstandsfähigkeit der afrikanischen Ernährungssysteme untergraben.

„Wir fordern eine entschiedene Abkehr von importierten Düngemitteln und Chemikalien auf der Basis fossiler Brennstoffe und eine Hinwendung zu einer autarken, ökologischen Landwirtschaft, die die Böden revitalisiert und die Ökosysteme schützt“, so die Teilnehmer.

Letztes Jahr wurde ein offener Brief von 35 AFSA-Mitgliedsnetzen und fünf verbündeten Organisationen initiiert, der von 174 internationalen Organisationen unterstützt wurde. Daraufhin übermittelte die AFSA ihre Forderungen in einem Schreiben an AGRA und seine Geber wie die Gates Foundation, die Rockefeller Foundation und die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID), die jedoch alle den dringenden Aufforderungen zum Kurswechsel nicht nachkamen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: African farmers, CSOs oppose chemical fertilisers. Zambia Daily Mail Limited 29.8.22

Laute Lobby für einen stillen Frühling

15. Mai 2022
Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

CORPORATE EUROPE OBSERVATORY hat die giftigen Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie gegen Farm to Fork aufgedeckt.

Achtung, die Lobby ist auch in der Schweiz aktiv, z.B. mit breit gestreuten Falsch-Informationen in den Medien am vergangenen Wochenende durch den Syngenta-CEO Erik Fyrwald oder schon länger mit den regelmässigen News von Swiss-Food.ch, einer Plattform von Syngenta und Bayer, welche von der gleichen Kommunikationsfirma betrieben wird wie die Homepage der Science for CRISPR (Grüne Biotechnologie), der Kommunikationsplan AG in Zürich. Es stellt sich die Frage: Wer finanziert Science for CRISPR? Von einem beteiligten Kollegen hat Heidi keine Antwort erhalten. Ein Agroscope-Forscher hat sich mit „Universität Bern“ präsentiert, obwohl er dort nur eine einzige Vorlesung bestreitet. Eine eigenartige Interessengemeinschaft, meint Heidi.

Pestizide sind eine der Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt, eine ökologische Katastrophe, die sich in einem fortgeschritteneren Stadium befindet als die Klimakrise und die „Integrität lebender Systeme“ gefährdet, von denen auch der Mensch abhängt, wie das Stockholmer Resilienz-Zentrum anhand von neun planetarischen Grenzen feststellt.

Bauern und Gesellschaft sind die Verlierer

Eine aktuelle Studie von Le Basic zeigt, dass die Kosten für die Auswirkungen des Pestizideinsatzes in Europa auf die menschliche Gesundheit, die Wasserqualität, die Böden und schliesslich die Nahrungsmittelproduktion – Kosten, die von der Gesellschaft durch öffentliche Ausgaben getragen werden müssen – viel höher sind als die Nettogewinne der Pestizidbranche selbst. Die Autoren des Berichts kommen zum Schluss, dass das derzeitige Agrarmodell vor allem der Agrarindustrie und den Lebensmittelkonzernen zugute gekommen ist, während die Landwirte aufgrund der instabilen Weltmarktpreise für ihre Erzeugnisse die Verlierer sind.

Um der ernsten Bedrohung durch die Krise der biologischen Vielfalt zu begegnen, will die EU ihre Abhängigkeit von Pestiziden bis 2030 um mindestens 50 Prozent reduzieren. Ein weiteres Ziel ist, den Anteil des ökologischen Landbaus bis 2030 auf 25 Prozent zu erhöhen, was ein wichtiger Weg zur Reduzierung von Pestiziden ist. Dies hat die Pestizidindustrie in einen Überlebensmodus versetzt. Ein durchgesickertes Dokument der Pestizid-Lobbygruppe CropLife Europe zeigt, dass sie zwar grosse Töne spuckt, wenn es darum geht, den Green Deal zu unterstützen, in Wirklichkeit aber eine Vielzahl von Lobbytaktiken einsetzt, um ehrgeizige, verbindliche Ziele zu untergraben.

Synthetische Pestizide nur als letztes Mittel

Seit 2009 setzt die EU die Richtlinie über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden um, die den Einsatz von Pestiziden „nachhaltig“ machen soll: Synthetische Pestizide sollten grundsätzlich nur „als letztes Mittel“ eingesetzt werden. In der Praxis haben die EU-Länder und -Institutionen jedoch kläglich versagt, diese Politik umzusetzen. Dasselbe gilt für die Schweiz gemäss Ökologischem Leistungsausweis.

Zwei Drittel des Pestizidmarktes halten vier Pestizidriesen: Bayer-Monsanto, BASF, Syngenta (in chinesischem Staatsbesitz) und Corteva (Dow-Dupont). Der weltweite Umsatz mit Pestiziden hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Freiwilligkeit, Scheinlösungen und Deregulierung

Die Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie reichen von der Panikmache mit „Auswirkungsstudien“ über die Mobilisierung von Drittländern (vor allem der USA), um Druck auf die EU auszuüben, bis hin zur Ablenkung der Entscheidungsträger mit freiwilligen Verpflichtungen oder anderen Scheinlösungen. Während sie die Reduktionsziele mit allen Mitteln bekämpfen, setzen sich Konzerne wie Bayer auch für die Deregulierung von gentechnisch verändertem Saatgut und neuen Techniken wie CRISPR-Cas ein und drängen auf digitale Hilfsmittel für Landwirte. Dies ist Teil ihres neuen Geschäftsmodells, um den Umsatz mit Pestiziden auszugleichen oder zu ergänzen.

Sogar die russische Invasion in der Ukraine wird für die Ziele der Pestizideindustrie instrumentalisiert. In Wirklichkeit hat der Krieg gegen die Ukraine die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brennstoffen und Düngemitteln (beides wichtige russische Exporte) gezeigt. Die grossen Bedrohungen sind die Klima- und Biodiversitätskrisen, die dringend angegangen werden müssen, auch in der Ernährungs- und Landwirtschaft.

Viele Millionen Euros für Lobbying

Die Lobbykampagne der Industrie ist gut ausgestattet. Laut dem Eintrag von Bayer im EU-Transparenzregister für Lobbyarbeit aus dem Jahr 2021 gab der Konzern 6,5 bis 7 Millionen Euro für Lobbyarbeit bei den EU-Institutionen aus. In diesem Jahr beauftragte Bayer nicht weniger als acht Lobbyfirmen. Die Einträge von BASF, Syngenta, Corteva und CropLife Europe wurden zuletzt für das Jahr 2020 aktualisiert und die selbst angegebenen Zahlen reichen von 600’000 € bis 3,2 Millionen €. Aber wie Corporate Europe Observatory in der Vergangenheit berichtet hat, könnten die tatsächlichen Zahlen viel höher sein.

Die Lobby-Kampagne wird auf europäischer und internationaler Ebene von den Industrie-Lobbygruppen CropLife Europe und CropLife International sorgfältig orchestriert. Eine durchgesickerte Präsentation der Social-Media-Strategie 2020-2021 von CropLife Europe, die Corporate Europe Observatory zugespielt wurde, gewährt Einblicke in die wahren Ziele und Prioritäten der Industrie und liefert zusätzliche Beweise für ihre Lobbying-Taktiken. Dieser Bericht basiert ausserdem auf Hunderten von Dokumenten, die CORPORATE EUROPE OBSERVATORY erhalten hat von der Europäischen Kommission durch Anfragen im Rahmen der Informationsfreiheit, persönliche Kommunikation mit beteiligten Akteuren, EU-Konsultationseinreichungen und die Teilnahme an Lobbyveranstaltungen und von der Europäischen Kommission organisierten „Stakeholder-Treffen“.

Was macht die Industrie?

Der Bericht zeigt, dass die Pestizidindustrie zwar behauptet, den EU Green Deal zu unterstützen, aber:

  • für partielle Auswirkungsstudien bezahlt hat, um Angst vor wirtschaftlichen Verlusten zu schüren und ein ungerechtes Bild zu zeichnen;
  • zahlreiche Medienveranstaltungen und Artikel inszeniert hat, um eine Echokammer rund um die „Auswirkungs“-Studien zu schaffen;
  • von einer von den USA angeführten Industrie-Regierungs-Koalition gegen „Farm to Fork“ profitieren;
  • Druck von Drittländern auf die EU ausüben, um die internationalen Aspekte der Farm-to-Fork-Ziele zu untergraben;
  • die Durchsetzung zu untergraben;
  • sich zwar gegen verbindliche, ehrgeizige Zielvorgaben aussprechen, aber gleichzeitig die Diskussion über die Zielvorgaben als Vorwand nutzen, um unerprobte neue Technologien zu fördern und zu deregulieren (z. B. digitale Technologien, Drohnen, neue GVO), einschliesslich Scheinlösungen.

Dieser Bericht zeigt, dass die EU-Ziele für die Lieferung vom Erzeuger zum Verbraucher (Farm to Fork), ein wesentliches Element des EU Green Deal, von der Industrie stark angegriffen wird. Auf der anderen Seite haben über 70 Organisationen die Europäische Kommission gewarnt, dass die Optionen, die derzeit auf dem Tisch liegen, bei weitem nicht ausreichend sind und zu viele Schlupflöcher offen lassen. Es ist von grösster Wichtigkeit, dass der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reduzierung von Pestiziden die Forderungen der EU citizens’ initiative, ‘Save Bees and Farmers’, unterstützt von 250 Organisationen, widerspiegelt und ein Höchstmass an Ehrgeiz aufweist, das über eine 50 Prozent Reduktion hinausgeht.

Syngenta und Bayer bearbeiten in der Schweiz intensiv ihre LeserInnen von Swiss-Food. Schreiben „Die Zukunft ist regenerativ“. Sie reden von Schutz der natürlichen Ressourcen und hoher Produktivität, attackieren den Biolandbau, schreiben von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft … werfen mit Schlagwörtern um sich und meinen eigentlich: Profit für die Industrie. Scheinheilige wehren sich für ihre Produkte.

Heidi rät: „Seid wachsam und löst euch von der chemischen Illusion!“

Hier der Link zur vollständigen Studie: A loud lobby for a silent spring. CORPORATE EUROPE OBSERVATORY, März 2022

Rachel Carson, Wikipedia

Farm to Fork strategy. EU

Dear Scientist and Friend in Kyiv

Tannenhäher bettelt Futter von PassantInnen.

Nutcracker begs food from passers-by.

I am outraged that companies and organisations are using the terrible war in your country to promote their interests and increase profits.

I am busy in the garden, so I have not written to you every day. Moreover, there is a lot of misinformation that I am also fighting against.

I wish you peace.

Heidi

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Die Welt ernähren, ohne den Planeten zu verschlingen

8. Mai 2022

Eigentlich hat Heidi diesen Artikel für Montag vorgesehen, aber gerade hat ihr jemand den Link zum Blick-Artikel von heute Um drohende weltweite Hungerkrise zu verhindern- Syngenta-Chef Fyrwald fordert Bio-Stopp geschickt. Es gibt viele, die vom Krieg in der Ukraine profitieren wollen. Aber die „Lösung“ des chinesischen Syngenta-Konzerns ist keine Lösung. Vielleicht will Erik Fyrwald gar in der Schweiz das Paraquat einführen, das weltweit noch immer häufig gespritzt wird, v.a. in Drittweltländern, oft ohne Schutzmassnahmen, keine Handschuhe, in Sandalen … Man kann das nicht „Dummheit“ nennen, sondern es geht ums Geld, um viel Geld, denn der Pestizideinsatz steigt weltweit ständig.

Regenesis: Feeding the World Without Devouring the Planet

George Monbiot ist Biologe, Autor und Kolumnist des Guardian. Mit der Landwirtschaft, den verfehlten Subventionen und den Umweltproblemen wie Wassermangel, Pestiziden, Dünger und Klimawandel beschäftigt er sich schon lange. Nun kommt Ende Mai ein neues Buch heraus mit dem Titel: Regenesis: Feeding the World Without Devouring the Planet.

Heidi weiss davon, weil sie seinen langen Artikel The secret world beneath our feet is mind-blowing – and the key to our planet’s future im Guardian von gestern (7.5.22) gelesen hat. Darin sind viele Zahlen, Probleme werden geschildert und er bietet Lösungen an. Am besten lesen Sie den ganzen Artikel hier, falls Sie nicht sattelfest im Englischen sind, dann können sie mit dem Gratis Übersetzungsprogramm DeepL jeweils 5’000 Zeichen auf ein Mal ins Deutsche übertragen.

Zitate aus dem Guardian, Reihenfolge von Heidi gewählt:

„Aktivisten, Köche und Lebensmittelautoren wettern gegen die intensive Landwirtschaft und den Schaden, den sie uns und der Welt zufügt. Aber das Problem ist nicht das Adjektiv: Es ist das Substantiv. Die Zerstörung der Erdsysteme wird nicht durch intensive oder extensive Landwirtschaft verursacht, sondern durch eine katastrophale Kombination von beiden.“

„In einer Studie wurde untersucht, was passieren würde, wenn jeder in den USA dem Rat von Starköchen folgen und von Getreide- auf Weidehaltung umstellen würde. Dabei wurde festgestellt, dass die Zahl der Rinder um 30% steigen müsste, weil sie auf Gras langsamer wachsen, während die zu ihrer Ernährung genutzte Fläche um 270% zunehmen würde. Selbst wenn die USA alle ihre Wälder abholzen, ihre Feuchtgebiete trockenlegen, ihre Wüsten bewässern und ihre Nationalparks auflösen würden, müssten sie immer noch den grössten Teil ihres Rindfleischs importieren.“

Zerstörerische Landwirtschaft

„Wir stehen vor dem vielleicht grössten Dilemma, das die Menschheit je erlebt hat: die Welt zu ernähren, ohne den Planeten zu verschlingen. Schon jetzt ist die Landwirtschaft die weltweit grösste Ursache für die Zerstörung von Lebensräumen, die grösste Ursache für den globalen Verlust an Wildtieren und die grösste Ursache für die globale Ausrottungskrise. Sie ist für etwa 80% der Entwaldung in diesem Jahrhundert verantwortlich. Von den 28’000 Arten, die bekanntermassen unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, sind 24’000 durch die Landwirtschaft gefährdet. Nur 29% des Gewichts der Vögel auf der Erde besteht aus wilden Arten: der Rest ist Geflügel. Nur 4% des Gewichts der Säugetiere auf der Welt sind wildlebende Arten; 36% entfallen auf den Menschen und die restlichen 60% auf Nutztiere.“

Nährstoffreiche Lebensmittel

„Nicht nur die Quantität der Produktion ist in Gefahr, sondern auch ihre Qualität. Eine Kombination aus höheren Temperaturen und höheren CO2-Konzentrationen verringert den Gehalt an Mineralien, Proteinen und B-Vitaminen in den Pflanzen. Schon jetzt leidet allein der Zinkmangel bei mehr als einer Milliarde Menschen. Auch wenn wir nur selten darüber sprechen, werden die sinkenden Nährstoffkonzentrationen in einem Papier als „existenzielle Bedrohung“ bezeichnet.

Technischer Fortschritt

„Was können wir also tun? Ein Teil der Antwort besteht darin, die Lebensmittelproduktion so weit wie möglich aus der Landwirtschaft herauszunehmen. Wie es der Zufall will, ist die entsprechende Technologie genau dann verfügbar, wenn wir sie brauchen. Die Präzisionsfermentation, bei der in Brauereien aus Bodenbakterien, die sich von Wasser, Wasserstoff, CO2 und Mineralien ernähren, Proteine und Fette hergestellt werden, hat das Potenzial, die gesamte Viehzucht, den gesamten Sojaanbau und einen Grossteil der Pflanzenölproduktion zu ersetzen und gleichzeitig die Flächennutzung und andere Umweltauswirkungen massiv zu verringern.“

Lebendige Böden

„Natürlich müssten wir weiterhin Getreide, Wurzeln, Obst und Gemüse produzieren. Wie können wir das also sicher und produktiv tun? Die Antwort könnte in unserem neuen Verständnis des Bodens liegen.“ Monbiot beschreibt am Anfang des Artikels den Boden, die Lebewesen und die Beziehungen zwischen ihnen und den Pflanzen. An einem Beispiel zeigt er ausführlich wie ein an der Landwirtschaft interessierter Mensch nur sehr schlechtes Land pachten konnte und daraus einen produktiven Betrieb machte, ohne Hilfsmittel, ohne Pestizid und Dünger.

Mehrjährige Pflanzen

„Wenn wir einjährige Pflanzen anbauen, müssen wir den Boden in einem katastrophalen Zustand halten. Würden wir mehrjährige Getreidepflanzen anbauen, wären wir weniger darauf angewiesen, lebende Systeme zu zerstören, um unsere Nahrung zu produzieren. Seit 40 Jahren sucht das Land Institute weltweit nach mehrjährigen Reissorten, welche die von uns angebauten einjährigen Sorten ersetzen könnten. In Zusammenarbeit mit Fengyi Hu (Video) und seinem Team an der Universität Yunnan in China hat es bereits eine mehrjährige Reissorte entwickelt, deren Erträge denen moderner einjähriger Sorten entsprechen und in einigen Fällen sogar übertreffen. Die Landwirte stehen für das Saatgut Schlange.“

Heidi meint: „Das meiste Saatgut wird von Weltkonzernen produziert. Diese haben kein Interesse an solchen Änderungen, denn dann könnten sie nicht Jahr für Jahr Saatgut verkaufen, wenn möglich zusammen mit Pestiziden.“

Zusammenfassung

George Monbiot zeigt uns in seinem neuesten Buch wie auf der Grundlage erstaunlicher Fortschritte in der Bodenökologie neue Erkenntnisse über die Welt unter unseren Füssen es uns ermöglichen könnten, mehr Lebensmittel mit weniger Landwirtschaft anzubauen und unsere Beziehung zum lebenden Planeten zu verändern. Er trifft die Menschen, die diese Methoden entwickeln, vom Obst- und Gemüsebauern, der unser Verständnis von Fruchtbarkeit revolutioniert, über die Züchter von mehrjährigem Getreide, die das Land von Pflügen und Giften befreien, bis hin zu den Wissenschaftlern, die neue Wege zum Anbau von Proteinen und Fetten beschreiten.

Gemeinsam zeigen sie, wie die kleinsten Lebensformen uns helfen könnten, unser grösstes Dilemma zu lösen: die Welt zu ernähren, ohne den Planeten zu verschlingen. Georges Monbiot präsentiert eine aufregende Vision von reichlich vorhandener, billiger und gesunder Nahrung, die einen ebenso tiefgreifenden Wandel auslösen könnte wie die Erfindung der Landwirtschaft. Hier ist eine neue Küche, die es uns ermöglichen würde, Frieden mit dem Planeten zu schliessen, seine lebenden Systeme wiederherzustellen und das Zeitalter des Aussterbens durch ein Zeitalter der Regeneration zu ersetzen.

Heidi hat das Buch bereits bestellt! Der Weg muss in der Schweiz Richtung Bio gehen und dann noch weiter. Eine wirkliche Erneuerung der Landwirtschaft muss kommen, welche auch die gesunde Ernährung integriert.

The secret world beneath our feet is mind-blowing – and the key to our planet’s future. George Monbiot, The Guardian 7.5.22

Regenesis: Feeding the World Without Devouring the Planet.

Autor:
EAN: 9780241563458
ISBN: 978-0-241-56345-8
Format: Kartonierter Einband
Herausgeber: Penguin Books UK
Veröffentlichung: 26.05.2022
Anzahl Seiten: 352

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Die verwöhnte Gesellschaft im Jammertal

27. April 2022
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BrasilAgro will über 10’000 Hektaren Cerrado-Wald umwandeln

14. April 2022

Die Biodiversität der Cerrados, einer bewaldeten Grassavanne, ist sehr gross: 10’000 verschiedene Arten von Gefässpflanzen, die Hälfte davon sind Endemiten. Die Tierwelt umfasst etwa 200 Säugetierarten, 840 Vogelarten, 180 Arten von Reptilien und 110 Amphibienarten.

Die Cerrado-Region wird erst seit 50 Jahren im grossen Stil landwirtschaftlich genutzt. Traditionell wurde das Gebiet extensiv beweidet. Seit den 1980–90er Jahren wird das Land zunehmend ackerbaulich genutzt. Gerodet wird für Eukalyptus- und Sojaplantagen. Auf grossen Plantagen werden Sojabohnen, Mais, Zuckerrohr und Reis angebaut. Zugenommen haben Zuckerrohrplantagen für die Produktion von Bioethanol auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion. Hinzu kommt Viehzucht. Weil die Böden nährstoffarm sind, muss gedüngt werden, aber damit die Nährstoffe verfügbar sind, braucht es enorme Kalkmengen (Dolomit) zur Erhöhung des pH-Werts.

Bis heute fiel schon die Hälfte des Biodiversitäts-Hotspots der Agrarindustrie zum Opfer. Lediglich ein Prozent der Gesamtfläche steht unter Naturschutz.

Weitere 10’000 Hektaren Verlust von Naturland

BrasilAgro plant die Umwandlung von mindestens 10’000 Hektar (ha) Cerrado-Vegetation für die Vieh- und Getreideproduktion, wozu auch die Bohrung von mehreren Hochleistungsbrunnen gehört.

BrasilAgro konzentriert sich auf den Erwerb von „unzureichend genutztem und unproduktivem Land“. Das Unternehmen, das Soja, Zuckerrohr und Mais produziert sowie Viehzucht betreibt, erzielt Einnahmen durch das Roden und Erschliessen von Land und den anschliessenden Verkauf dieser ländlichen Grundstücke. BrasilAgro hat 10 Grundstücke in seinem Portfolio, und die meisten seiner Farmen befinden sich im brasilianischen Cerrado, das seit dem Jahre 2000 eine hohe Abholzungsrate aufweist. Der grösste Teil der Sojaexpansion fand inmitten der Abholzung der einheimischen Vegetation im Cerrado-Biom statt. Viele traditionelle Gemeinschaften leben in diesem Lebensraum, der eine wichtige Wasserquelle für alle Regionen Brasiliens ist.

HEKS-Projekt für die Bevökerung im Cerrado

Im Cerrado betreibt HEKS/Brot für alle ein Projekt mit dem übergeordneten Ziel, die ländlichen Basisorganisationen zu stärken. Diese sollen in der Lage sein, ihre Rechte auf Nahrung und Zugang zu Land einzufordern und so zur Verbesserung der Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung beizutragen.

Das Projekt begünstigt ländliche und indigene Gemeinschaften im Savannengebiet des Cerrado, die von den extremen sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten in Brasilien und der oft illegalen Ausbreitung von Grossgrundbesitz und Agrarindustrie besonders betroffen sind: Landlose, Kleinbauernorganisationen, lokale Gemeinschaften und ethnische Minderheiten. Frauen und Jugendliche werden dabei besonders stark berücksichtigt. Insgesamt werden 47’630 Personen von diesem Projekt profitieren.

Heidis Frage: „Wer gewinnt? Der Run auf Naturland? Oder die Natur und die Bevölkerung?

BrasilAgro to Convert over 10.000 Hektares of Cerrado Forest. The Chain Reaction Research 11.4.22

Traditionelle Gemeinschaften verteidigen ihre Rechte und Lebensräume. HEKS/Brot für alle

Cerrado (Brasilien), Wikipedia

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Wenn Bauern „Zuckerwasser“ spritzen

8. April 2022
Gefahrenkennzeicnung Fungizid Amarel-Folpet DF. Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Stand 8.4.22

Gefahrenkennzeichnung Fungizid Amarel-Folpet DF. Auch für Luftapplikation zugelassen. Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Stand 8.4.22

Leserbrief von einem Bauern: Per Zufall darauf gestossen! Unter anderem sagt ein Jungbauer „es ist praktisch Zuckerwasser, was wir jetzt spritzen.“ Synthetische Spritzmittel Gesundheitsgefahr Pestizide: Prüfen die Behörden zu lasch? Chemiker und Toxikologen kritisieren Mängel bei der Zulassung von Pestiziden. Schäden bei Menschen könnten nicht ausgeschlossen werden.

Wenn es um Pestizide geht, dann wird von Bauernseite her meist verharmlost oder auf fehlende wissenschaftliche Daten verwiesen oder faustdick gelogen wie im Rahmen der beiden Pestizid-Initiativen. Nun kommt es wieder einmal an den Tag: Pestizide in Gewässern! Das ist für Heidi weiter nicht erstaunlich, hat sie doch schon viel darüber berichtet. Und dafür gibt es viele Gründe.

67 Jahre lang das Gesetz nicht vollzogen!

Hervorgehoben wird in den aktuellen Medienberichten, dass das Einleiten von Pestizid-Wasser seit 28 Jahren verboten sei. Aber es ist viel schlimmer, denn schon seit 67 Jahren ist das verboten gemäss Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer gegen Verunreinigung vom 16. März 1955, Art. 3. Nur haben es eben die Kantone, wie das so üblich ist, v.a. bei der Landwirtschaft nicht vollzogen! 67 Jahre lang das Gesetz nicht vollzogen!

Bei heiklen Themen, das ist immer wenn es um Landwirtschaft geht, wird gerne auf Eigenverantwortung gesetzt, obwohl man weiss, dass die meisten Leute nur die Verantwortung für sich selbst meinen, nicht aber jene für das Gemeinwesen, was auch zur „Eigenverantwortung“ gehört. Eigentlich müsste man ein klareres Wort wählen wie „Mitverantwortung“ oder „Gemeinverantwortung“.

Verwässerung Gewässerschutz

Im Rahmen der Volksinitiative der Fischer wurde der Schutz der Gewässer verschlechtbessert etwa Messung der Pufferstreifen ab Uferlinie statt ab Böschungsoberkante wie international üblich und bisher im Gesetz verankert, kein Gewässerraum für sehr kleine Bäche, wobei dies von Bauernseite extrem „grosszügig“ interpretiert wird. Die Festlegung der Gewässerräume hätte bis 31.12.2018 fertig sein müssen. Tatsache ist, dass viele Kantone/Gemeinden erst am Planen sind und wenn es nach Plan geht die letzten 2035 die Gewässerräume ausgeschieden haben werden. Bis dann gelten verschiedene Regelungen nebeneinander. Das Chaos ist noch grösser als üblich.

Immer noch dürfen die Bauern bis wenige Meter an die Trinkwasserfassungen Pestizide spritzen, wobei einige der besonders wassergängigen Pestizide verboten sind, aber niemand kontrolliert! Weiterhin darf per Helikopter gespritzt werden, obwohl Genauigkeit und Abdrift ein Problem sind und viele einzuhaltende Abstände vor ein paar Jahren verkleinert wurden.

Wer logisch denken kann, hat schon lange bemerkt, dass Pestizide und Dünger über Drainagen und Schächte in Bäche gelangen können. Ein Forscher schrieb vor Jahrzehnten: „Die Schweiz ist ein Land der Einlaufschächte.“ Aber wer hört schon auf Forscher? Es geht um die Freiheit des Bauernstandes. Und es gibt auch viele entwässerte Strassen; an diese darf bis 50 Zentimeter gegüllt und gespritzt werden. Wen wunderts, wenn der Regen Stoffe in die Strassenentwässerung schwemmt? Wenn aber solche Missstände wieder einmal an die Oberfläche kommen, dann sind der Bauernverband und seine Anhänger beleidigt, entsetzt, überrascht, reden von Übertreibung und schlecht machen.

Es gibt keinen sicheren Grenzwert

Auch heute, wo Kontrollen vorgeschrieben sind, ist nicht damit zu rechnen, dass alle Kantone dies tun, dass sie sanktionieren, dass sie für Ordnung sorgen. Traditionen darf man nicht kippen. Nur allfällige Gesundheitsschäden tragen auch wir, die Gewöhnlichen. Besonders das Kind im Mutterleib und Kinder sind betroffen von Giften und wie Heidi vor vielen Jahren geschrieben hat: Die Mischung macht das Gift, wobei anzufügen ist, dass wir zusätzlich vielen nichtlandwirtschaftlichen Giften ausgesetzt sind. Und es ist eine Illusion zu denken, dass es einen sicheren Grenzwert gibt. Man merkt erst viel später, wenn ein Stoff Schäden anrichtet, Schäden in der Umwelt, Schäden im Körper.

Die Schweiz „im Verzug“ …

Mit den Gewässerräumen ist es wie mit der Sanierung der Restwassermengen (im Verzug).

  • Grundwasserschutzzonen (seit 1972 im Verzug)
  • Hofplatzentwässerungen (seit 1955 im Verzug)
  • Verminderung der Stickstoff-Überschüsse (im Verzug)
  • Sanierung des Zugersees (im Verzug)
  • Luftreinhalteverordnung (im Verzug)
  • Lärmschutzverordnung (seit bald 20 Jahren im Verzug)
  • Umsetzung der Alpeninitiative (im Verzug)
  • Raumplanung (im Verzug)
  • … (im Verzug)

Synthetische Spritzmittel Gesundheitsgefahr Pestizide: Prüfen die Behörden zu lasch? Karin Bauer, DOK, SRF 7.4.22

Pestizide: Manche Bauern kennen wenig Eigenverantwortung. Urs P. Gasche, Infosperber 8.4.22

Das grosse Puff mit den Pufferstreifen am Wasser: Kein Ende in Sicht. Heidis Mist 7.1.21

Pesticides are everywhere – inventory and requirements. Bio-Reporter International. 7.4.22

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Suisse-Bilanz: Es war einmal ein 10%-Fehlerbereich …

28. Januar 2022

In der Schweiz sind Hofdünger im Überschuss vorhanden! Übrigens: In der EU muss die Gülle auf unbestelltem Ackerland innerhalb von 4 Stunden eingearbeitet werden, nicht so in der Schweiz.

In der Schweiz sind Hofdünger im Überschuss vorhanden! Übrigens: In der EU muss die Gülle auf unbestelltem Ackerland innerhalb von 4 Stunden eingearbeitet werden, nicht so in der Schweiz.

Einst wurde der Ökologische Leistungsausweis (ÖLN) geschaffen. Dieser sollte sicherstellen, dass die Schweizer Bauern ökologisch wirtschaften; er ist Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen. Wer immer Kritik an den tatsächlichen Verhältnissen äussert, der/die hält zur Antwort: Die meisten Bauern erfüllen den ÖLN und halten sich an die Gesetze. Nur hapert es schon bei den Gesetzen und erst recht bei deren Vollzug durch die Kantone. Wir wissen es längst: Die landwirtschaftlichen Umweltziele werden nicht erreicht.

Löchrige Suisse-Bilanz

Seit die Suisse-Bilanz geschaffen wurde, weiss man, dass sie einem Emmentaler gleicht, viele Löcher hat. Kontrolleure wissen z.B., dass Futter oder Mineraldünger zugekauft werden, ohne dass Bauern diese deklarieren, aber sie haben keine Möglichkeit, dies zu beweisen. Und wenn zweimal monatlich der Futtermittellieferant zum Bergbauern hochfährt, dann ist vermutlich mehr Futter – sprich Dünger – auf dem Betrieb, als die Umwelt erträgt.

Freipass für regelmässige Überschüsse

Hinzu kommt, dass die Suisse-Bilanz den Bauern einen Fehlerbereich von 10% zugesteht. Wenn die Bilanz einmal um 10% überzogen wird, dann wird dies toleriert, denn im nächsten Jahr liegt die Bilanz vielleicht 10% unter dem Soll, durchschnittlich aber bei 100%. Ein Fehlerbereich ist eigentlich: plus oder minus 10%. So mindestens hatten die Fachleute diese Regelung ursprünglich gedacht.

In Wirklichkeit sind viele Böden überdüngt, Bäche, Flüsse und Grundwasser leiden unter den Nährstofflasten, welche man nicht wegreden kann. Und man weiss, dass beschissen wird, massiv beschissen wird!

Das BLW will es wissen

Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) hat im Jahr 2020 im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) die einzelbetriebliche Methodik der Suisse-Bilanz verwendet, um eine nationale Nährstoffbilanz für den gesamten Schweizer Landwirtschaftssektor zu berechnen. Damit wurde geprüft, ob die Stickstoff- und Phosphorbilanzen aus gesamtsektoraler Sicht eingehalten werden. Die Ergebnisse zeigen, dass der nationale Stickstoffsaldo die erlaubte Grenze von 110% des Pflanzenbedarfs bei fast allen berechneten Szenarien überschreitet. Dies ist ein Indiz dafür, dass in der Praxis nicht alle Nährstoffmengen korrekt deklariert werden.

Abschaffung 10%-Fehlerbereich

Das BLW möchte den 10%-Fehlerbereich, der von den Bauern als Freipass zu Überschüssen missbraucht wird, schon seit Jahren abschaffen. Im Agrarbericht 2021 schreibt es:

„Die Projektergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit einer zukünftig griffigen Mitteilungspflicht beim Einsatz von Mineraldünger und Kraftfutter, aber auch bei der Zu- und Wegfuhr von Grundfutter. Diese Pflicht würde dazu beitragen, dass die effektiven Nährstoffmengen präzise erfasst werden und Saldo-Werte von über 110 % nicht mehr auftreten.

Die Studie zeigt weiter, dass mit einer zusätzlichen Reduktion des Spielraums bei den «ausgewählten Suisse Bilanz-Parametern» und/oder einer «Streichung der 10%-Toleranz» ein zusätzlicher, grosser Beitrag zur Reduktion der N- und P-Düngung und damit auch der Nährstoffüberschüsse geleistet werden kann. Die damit einhergehende Verknappung des Nährstoffangebots würde u.a. auch eine Substitution von importiertem Mineraldünger mit einheimischen Hofdünger bewirken und folglich zu einem effizienteren Umgang mit den Nährstoffen führen.“

Den vollständigen Bericht finden Sie hier:Stickstoffsaldo einer sektoralen Suisse Bilanz, Agrarbericht 2021

Heidis Frage: „Kommen wir mit Selbstdeklaration ans Ziel?“

Parlamentarische Initiative. BLW

19.4480 Interpellatio: Wie ambitioniert ist der bundesrätliche Stickstoff-Absenkpfad tatsächlich? Kathrin Bärtschy

Stickstoff in der Schweizer Landwirtschaft – Ziele und Massnahmen nicht umweltrechtskonform. Vision Landwirtschaft. Vision Landwirtschaft

Der ÖLN ist eine durchzogene Erfolgsgeschichte. Vision Landwirtschaft

Absenkpfade Nährstoff- und Pestizidemissionen. Agrarallianz

Fach-, Umwelt- und Konsumentenorganisationen begrüssen konkrete Zielvorgabe der Pestizid- und Nährstoffreduktion, Pro Natura 18.8.21

28.1.22 HOME

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