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Wenn Bauern „Zuckerwasser“ spritzen

8. April 2022
Gefahrenkennzeicnung Fungizid Amarel-Folpet DF. Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Stand 8.4.22

Gefahrenkennzeichnung Fungizid Amarel-Folpet DF. Auch für Luftapplikation zugelassen. Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Stand 8.4.22

Leserbrief von einem Bauern: Per Zufall darauf gestossen! Unter anderem sagt ein Jungbauer „es ist praktisch Zuckerwasser, was wir jetzt spritzen.“ Synthetische Spritzmittel Gesundheitsgefahr Pestizide: Prüfen die Behörden zu lasch? Chemiker und Toxikologen kritisieren Mängel bei der Zulassung von Pestiziden. Schäden bei Menschen könnten nicht ausgeschlossen werden.

Wenn es um Pestizide geht, dann wird von Bauernseite her meist verharmlost oder auf fehlende wissenschaftliche Daten verwiesen oder faustdick gelogen wie im Rahmen der beiden Pestizid-Initiativen. Nun kommt es wieder einmal an den Tag: Pestizide in Gewässern! Das ist für Heidi weiter nicht erstaunlich, hat sie doch schon viel darüber berichtet. Und dafür gibt es viele Gründe.

67 Jahre lang das Gesetz nicht vollzogen!

Hervorgehoben wird in den aktuellen Medienberichten, dass das Einleiten von Pestizid-Wasser seit 28 Jahren verboten sei. Aber es ist viel schlimmer, denn schon seit 67 Jahren ist das verboten gemäss Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer gegen Verunreinigung vom 16. März 1955, Art. 3. Nur haben es eben die Kantone, wie das so üblich ist, v.a. bei der Landwirtschaft nicht vollzogen! 67 Jahre lang das Gesetz nicht vollzogen!

Bei heiklen Themen, das ist immer wenn es um Landwirtschaft geht, wird gerne auf Eigenverantwortung gesetzt, obwohl man weiss, dass die meisten Leute nur die Verantwortung für sich selbst meinen, nicht aber jene für das Gemeinwesen, was auch zur „Eigenverantwortung“ gehört. Eigentlich müsste man ein klareres Wort wählen wie „Mitverantwortung“ oder „Gemeinverantwortung“.

Verwässerung Gewässerschutz

Im Rahmen der Volksinitiative der Fischer wurde der Schutz der Gewässer verschlechtbessert etwa Messung der Pufferstreifen ab Uferlinie statt ab Böschungsoberkante wie international üblich und bisher im Gesetz verankert, kein Gewässerraum für sehr kleine Bäche, wobei dies von Bauernseite extrem „grosszügig“ interpretiert wird. Die Festlegung der Gewässerräume hätte bis 31.12.2018 fertig sein müssen. Tatsache ist, dass viele Kantone/Gemeinden erst am Planen sind und wenn es nach Plan geht die letzten 2035 die Gewässerräume ausgeschieden haben werden. Bis dann gelten verschiedene Regelungen nebeneinander. Das Chaos ist noch grösser als üblich.

Immer noch dürfen die Bauern bis wenige Meter an die Trinkwasserfassungen Pestizide spritzen, wobei einige der besonders wassergängigen Pestizide verboten sind, aber niemand kontrolliert! Weiterhin darf per Helikopter gespritzt werden, obwohl Genauigkeit und Abdrift ein Problem sind und viele einzuhaltende Abstände vor ein paar Jahren verkleinert wurden.

Wer logisch denken kann, hat schon lange bemerkt, dass Pestizide und Dünger über Drainagen und Schächte in Bäche gelangen können. Ein Forscher schrieb vor Jahrzehnten: „Die Schweiz ist ein Land der Einlaufschächte.“ Aber wer hört schon auf Forscher? Es geht um die Freiheit des Bauernstandes. Und es gibt auch viele entwässerte Strassen; an diese darf bis 50 Zentimeter gegüllt und gespritzt werden. Wen wunderts, wenn der Regen Stoffe in die Strassenentwässerung schwemmt? Wenn aber solche Missstände wieder einmal an die Oberfläche kommen, dann sind der Bauernverband und seine Anhänger beleidigt, entsetzt, überrascht, reden von Übertreibung und schlecht machen.

Es gibt keinen sicheren Grenzwert

Auch heute, wo Kontrollen vorgeschrieben sind, ist nicht damit zu rechnen, dass alle Kantone dies tun, dass sie sanktionieren, dass sie für Ordnung sorgen. Traditionen darf man nicht kippen. Nur allfällige Gesundheitsschäden tragen auch wir, die Gewöhnlichen. Besonders das Kind im Mutterleib und Kinder sind betroffen von Giften und wie Heidi vor vielen Jahren geschrieben hat: Die Mischung macht das Gift, wobei anzufügen ist, dass wir zusätzlich vielen nichtlandwirtschaftlichen Giften ausgesetzt sind. Und es ist eine Illusion zu denken, dass es einen sicheren Grenzwert gibt. Man merkt erst viel später, wenn ein Stoff Schäden anrichtet, Schäden in der Umwelt, Schäden im Körper.

Die Schweiz „im Verzug“ …

Mit den Gewässerräumen ist es wie mit der Sanierung der Restwassermengen (im Verzug).

  • Grundwasserschutzzonen (seit 1972 im Verzug)
  • Hofplatzentwässerungen (seit 1955 im Verzug)
  • Verminderung der Stickstoff-Überschüsse (im Verzug)
  • Sanierung des Zugersees (im Verzug)
  • Luftreinhalteverordnung (im Verzug)
  • Lärmschutzverordnung (seit bald 20 Jahren im Verzug)
  • Umsetzung der Alpeninitiative (im Verzug)
  • Raumplanung (im Verzug)
  • … (im Verzug)

Synthetische Spritzmittel Gesundheitsgefahr Pestizide: Prüfen die Behörden zu lasch? Karin Bauer, DOK, SRF 7.4.22

Pestizide: Manche Bauern kennen wenig Eigenverantwortung. Urs P. Gasche, Infosperber 8.4.22

Das grosse Puff mit den Pufferstreifen am Wasser: Kein Ende in Sicht. Heidis Mist 7.1.21

Pesticides are everywhere – inventory and requirements. Bio-Reporter International. 7.4.22

8.4.22 HOME

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Die Schweiz – ein Land der Einlaufschächte

24. September 2012

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Strassenschächte nehmen auf, was Ihnen das Regenwasser, die Schneeschmelze oder die Menschen zuführen, auch Schadstoffe.

Wenn der Regen entlang von entwässerten Strassen Gülle, Mistwasser, Pflanzenschutzmittel (PSM) oder Erde abschwemmt, gelangen diese Stoffe über Schächte und Entwässerungsrohre in Bäche und Seen. Heidi hat keine Vorschrift gefunden, die das Ausbringen von Düngern oder PSM in der Nähe von entwässerten Strassen einschränken würde. Einzig von den Bauern, welche Direktzahlungen beziehen, wird ein mindestens 50 cm breiter Grasstreifen entlang von Wegen verlangt. Demzufolge gilt die allgemeine Sorgfaltspflicht. Sinnvoll wäre es, auch hier einen Pufferstreifen vorzuschreiben. In diesem Falle wären Bauern und Hausbesitzer gefordert.

Entwässerungsschächte werden immer wieder als Abwasserschächte benutzt. Am 8.9.12 hatten Arbeiter in Zumikon ZH Abfallcontainer gereinigt und das Dreckwasser in einen Meteorschacht geschüttet. Was geschah weiter? 1103 tote Bach- und Seeforellen trieben im Rietbach durch die idyllische Landschaft beim Golfplatz. Gemäss dem kantonalen Fischereiaufseher wird es sechs Jahre dauern bis sich der Fischbestand erholt hat. Sein Appell lautet: Jegliche Abwässer und Chemikalien fachgerecht entsorgen und keinesfalls in Abläufe an der Strasse schütten. Diese führen nicht in die Kläranlage. «Das wissen leider viele Leute nicht.», Zürichsee-Zeitung: Fische mit Putzmittel vergiftet.

Der Kanton Luzern gehört zu den wenigen, welche eine Statistik über Gülle-Unfälle führt und das Problem mit den Einlaufschächten auf Landwirtschaftsbetrieben angeht: „…Konkret bedeutet dies, dass bei den Kontrollen für den ökologischen Leistungsnachweis auf den Landwirtschaftsbetrieben auch auf Schwachstellen beim Jauche-Ausbringen geachtet wird. «Gibt es Einlaufschächte in der Nähe der Güllepumpe?»…“, Kanton Luzern: Die Gülleunfälle werden weniger, aber es gibt noch viel zu tun, Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch, 9.2.12.

Zwei Beispiele zeigen, dass immer wieder Gülle in Einlaufschächte geschwemmt wird. Zum Beispiel in der Gemeinde Horrwil im Wasseramt SO. Im Protokoll des Gemeinderats vom 11.7.12, Punkt 7, wurde festgehalten, dass das nächste Mal Anzeige erstattet würde. Der Schweizer Bauer berichtete am 20.11.12 über Gülle, die aus einem Maisacker via Einlaufschacht in den Gordastbach bei Gurmels FR geschwemmt worden war.

Was viele ebenfalls nicht wissen oder einfach ignorieren: Es ist verboten, Unkrautvertilgungsmitteln auf Wegen und Plätzen einzusetzen. Von dort gelangen sie oft auch über die Meteorwasserschächte – von denen es in der Schweiz unzählige gibt – in die Gewässer, Medieninformation BAFU: Herbizidverbot auf Wegen und Plätzen ist bei Gartenbesitzern weitgehend unbekannt, 22.10.10.

24.9.12 HOME


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