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Sehr geehrter Herr Agrarminister Parmelin

10. September 2019

Sehr geehrter Herr Agrarminister Parmelin

Sie sagten in einem Gespräch mit Agrarmedien: „Jetzt wird mit dem Finger auf die Bauern gezeigt, obwohl sie sich ans Gesetz gehalten haben“. Wenn dem tatsächlich so wäre, dann müsste man das Gesetz SOFORT massiv verschärfen.

Wie kommen Sie überhaupt auf die Idee zu sagen, dass die Gesetze eingehalten werden, wo doch – gerade im Gewässerschutz – kaum kontrolliert wird? Woher nehmen Sie diese Sicherheit bzw. die Fakten?

Die Gesetzesartikel zum Schutze der Gewässer sind gar nicht so schlecht, wenn man sie vollziehen würde. Dort hapert es stark, denn vieles, das kontrolliert werden sollte, wird gar nicht kontrolliert. DAFÜR gibt es kein Geld, denn gelenkt werden unsere Steuergelder bevorzugt in für die Bauern günstigere Kanäle. Und vieles lässt sich kaum oder nur mit viel Geld kontrollieren, so etwa der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Sie reden von Anti-Landwirtschafts-Hysterie. Ich lese viele Berichte über den Zustand der Gewässer in den unterschiedlichsten Medien und kann Ihnen bezeugen, dass diese die Fakten aufzeigen. Das hat nichts mit Hysterie zu tun! Diese Zahlen werden seit Jahren publiziert, sogar in Ihrem jährlichen Agrarbericht, nur plant die Landwirtschaftspolitik an den Umweltverschmutzungen vorbei. Jetzt ist die Botschaft beim Volk angekommen!

So darf ich denn in diesem Zusammenhang mein Mitgefühl mit den tatsächlich umweltschonend wirtschaftenden Bauern ausdrücken, denn diese sind auch von den Negativschlagzeilen betroffen. Die übrigen machen einfach das, was man sie machen lässt, vieles ohne Kontrolle, auch wenn diese von Gesetzes wegen vorgeschrieben wäre.

NaNa, meine Cartoonistin, hat zum Thema „Gesetze einhalten“ einen exemplarischen Artikel im Blick gefunden. Darin steht:

Zu viel Nitrat bei 40 Prozent der Grundwassermessungen

Im Berner Oberland, in Schwyz, im Prättigau oder im Toggenburg sieht es nicht besser aus: Überall missachten Bauern immer wieder den Gewässerschutz. Und dies, obwohl seit 1991 mit dem Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer geregelt wäre, wie und wann Bauern Mist und Gülle austragen dürfen. Und das Ergebnis ist beunruhigend: 80 Prozent des Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Die Warnung im Bafu-Bericht: «Die Grundwasservorkommen weisen zunehmend Verunreinigungen auf, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen.» Konkret: Jede siebte Grundwassermessstelle wies mehr Nitrate aus als erlaubt. Im Mittelland sind es gar 40 Prozent der gemessenen Werte.

Kein Wunder, sagen Experten. Agrarwissenschaftlerin Marianne Bodenmann: «Seit Jahrzehnten forscht der Bund, wie ökologische Landwirtschaft betrieben werden kann – in der Praxis sind wir aber vielerorts nicht viel weitergekommen. Mir stinkt das!» Bodenmann war ehemalige Kommunikationschefin der Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau in Reckenholz ZH – heute Teil von Agroscope. Sie weiss: «Das Problem sind in der Schweiz nicht die Gesetze. Diese sind gut. Das Problem ist vielmehr der Vollzug.» Kontrolliert werde in den wenigsten Kantonen, und häufig werden solche Aufgaben an die Gemeinden delegiert. «Diese haben aber kaum Kapazitäten dafür – oder möchten es sich gerade in ländlichen Regionen mit den Bauern nicht verscherzen», so Bodenmann. Quelle: Blick vom 26.8.19.

Wo bleibt der Integrierte Pflanzenschutz?

Zitat aus dem Aktionsplan, Seite 9: "... Erst als letzte Massnahme sollen chemische PSM zur Anwendung gelangen. Der Einsatz von chemischen PSM wird heute aber oftmals vorgezogen, da die Alternativen weniger wirtschaftlich, weniger effizient oder nicht vorhanden sind."

Zitat aus dem Aktionsplan, Seite 9: „… Erst als letzte Massnahme sollen chemische PSM zur Anwendung gelangen. Der Einsatz von chemischen PSM wird heute aber oftmals vorgezogen, da die Alternativen weniger wirtschaftlich, weniger effizient oder nicht vorhanden sind.“

Das Zitat aus dem Aktionsplan Pflanzenschutz habe ich im Oktober 2016 kopiert. Offenbar hat man beim Bundesamt für Landwirtschaft gemerkt, dass dieser Satz „ungünstig“ für die Bauern ist und hat ihn später unverfänglicher formuliert. Doch die Tatsache bleibt. Kontrollen sind fast inexistent und die Vorgaben der Integrierten Produktion werden oft nicht beachtet.

Indirekter Gegenvorschlag

Herr Agrarminister, Sie halten es für möglich, dass es doch noch zu einem indirekten Gegenvorschlag zu den Pestizidinitiativen kommen wird. Meine Frage: Haben die Bauern Angst? Sind Sie ob all der Umweltfakten verunsichert? Ich stelle fest, dass das „Volk“ nicht mehr alles glaubt, was aus Ihrer Küche kommt. Das hat mit Hysterie nichts zu tun, sondern basiert auf Tatsachen, die sich so einfach nicht wegwaschen lassen, auch nicht mit Palmöl-Seife.

Herr Agrarminister, Sie können bereits vermerken, dass ich einem indirekten Gegenvorschlag nicht zustimmen werde, sondern den beiden Pestizidinitiativen. Ich stufe mich nicht als hysterisch ein, sondern als klarsichtig.

Wie kommen Sie, Herr Agrarminister, auf die Idee zu sagen, dass die Bauern die Gesetze einhalten, wo doch der Gewässerschutz kaum kontrolliert wird?

Was werden Sie unternehmen, um die Qualität von Grund-, Trink- und Oberflächengewässern zu verbessern?

Und wie, Herr Agrarminister, erklären Sie der Schweizer Bevölkerung, dass der Metabolit Chlorothalonil R471811 in der EU als „relevant“ eingestuft wurde, in der Schweiz aber nicht? Das heisst er muss weder kontrolliert werden, noch gilt ein Grenzwert. Chlorothalonil R471811 darf bei uns, nicht aber in der EU, in beliebigen Konzentrationen im Trinkwasser vorkommen.

Herr Agrarminister, Sie sind auch für Forschung zuständig. Wieso ignorieren Sie wichtige Resultate? Weil Sie der Landwirtschaft näher stehen als dem Volk?

Auch wenn Sie den Beruf des Winzers an den Nagel gehängt haben, um Bundesrat zu werden, dürfen Sie in dieser neuen Position nicht Partikularinteressen der Landwirtschaft vertreten, sondern müssen jene des Volkes in Ihren Entscheiden berücksichtigen. Sie müssten die Zukunft im Auge haben, nicht kurzfristigen Profit. Das nützt auch den Bauern!

Freundliche Grüsse

Heidi

Hysterie bereitet Sorgen, LID vom 9.9.19

Das Ernährungssystem muss nachhaltiger werden!

27. November 2017
Wir sollten weniger Fleisch, und zwar drastisch viel weniger Fleisch konsumieren. Vor allem von Schweinen und Hühnern, die mit Kraftfutter gefüttert werden und besonders hohe negative Umweltwirkungen haben.

Wir sollten weniger Fleisch, und zwar drastisch viel weniger Fleisch konsumieren. Vor allem von Schweinen und Hühnern, die mit Kraftfutter gefüttert werden und besonders hohe negative Umweltwirkungen haben.

Die Politik, besonders die Agrarpolitik, ist in vielen Bereichen widersprüchlich. Und die Agrarpolitik kann das Problem der mangelnden Nachhaltigkeit nicht allein lösen, auch der Konsum muss angepasst werden. Einen hervorragenden Artikel zum Thema mit Blick in die Zukunft hat Adrian Müller für den Agrarpolitik-Blog geschrieben. Er bezieht sich auf zwei kürzlich veröffentlichte Studien, eine ist von Agroscope die andere vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Hier geht’s zum Artikel:

Für die Schweiz oder für die ganze Welt – nachhaltige Landwirtschaft bedeutet vor allem auch nachhaltigen Konsum, Adrian Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltentscheidungen IED, ETH Zürich; und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, Frick.

Beim Essen weniger Umwelt verzehren, Beatrix Mühlethaler, Infosperber vom 22.11.17
Albert Zimmermann, Thomas Nemecek, Tuija Waldvogel, Umwelt- und ressourcenschonende Ernährung: Detaillierte Analyse für die Schweiz, Agroscope Science 55, 2017, 170 S.
Der ausführliche Bericht kann heruntergeladen bzw. gelesen werden.

Muller, A., Schader, C., El-Hage Scialabba, N., Hecht, J., Isensee, A., Erb, K.-H., Smith, P., Klocke, K., Leiber, F., Stolze, M. and Niggli, U., 2017, Strategies for feeding the world more sustainably with organic agriculture, Nature Communications 8:1290 | DOI: 10.1038/s41467-017-01410-w

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Hans Rudolf Herren: Genügend und gesunde Nahrung für alle

21. Dezember 2016
Biovision hat ein vielfältiges Bauern-Informationsprogramm entwickelt, mit dem die LandwirtInnen mit lokal relevantem Wissen versorgt werden. Sie erhalten konkrete und praxisnahe Anleitungen zur Verbesserung der Erträge mit nachhaltigen Methoden. Im Bild The Organic Farmer Radio-Reporter John Cheburet, Kenia. Copyright: Peter Lüthi, Biovision

Biovision hat ein vielfältiges Bauern-Informationsprogramm entwickelt, mit dem die LandwirtInnen mit lokal relevantem Wissen versorgt werden. Sie erhalten konkrete und praxisnahe Anleitungen zur Verbesserung der Erträge mit nachhaltigen Methoden. Im Bild The Organic Farmer Radio-Reporter John Cheburet, Kenia. Copyright: Peter Lüthi, Biovision

Heidi: Wenn Sie jetzt keine Zeit haben, diesen langen Artikel zu lesen, dann beachten Sie bitte mindestens den letzten Absatz „Heidis Geschenk“. Vielen Dank!

Hans Rudolf Herren: „In einer Zeit, die geprägt ist von aggressivem Nationalismus, Profitgier, Intoleranz, wirtschaftlicher Unsicherheit und der Schwächung internationaler Institutionen mag eine Vision, deren Realisierung Weitsicht, weltweite Kooperation und die Bereitschaft zur Suffizienz erfordert, utopisch erscheinen. Doch wenn man an eine Sache glaubt, kann man Berge versetzen.“

Vision – Biovision

Die Vision: Eine Welt mit genügend und gesunder Nahrung für alle, produziert von gesunden Menschen in einer gesunden Umwelt.

Die Akteure: „… dafür braucht es uns alle. Helfen Sie mit! Danke.“

Die Institution: Mit dem Preisgeld des Welternährungspreises, den Herren 1995 als erster Schweizer erhielt, gründete er die Stiftung Biovision. Sie ist weltweit aktiv. Als einzige Schweizer Nichtregierungsorganisation (NGO) hat Biovision beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) einen generellen konsultativen Status.

In der Schweiz leistet Biovision z.B. mit der Wander-Ausstellung CLEVER seit Jahren Aufklärungsarbeit für nachhaltigen Konsum.

Vom Bauernsohn zum international gefragten Agrarexperten

Hans Rudolf Herren, Co-Präsident Weltlandwirtschaftsrat. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

Hans Rudolf Herren, Co-Präsident Weltlandwirtschaftsrat. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

Hans Rudolf Herren ist ein Bauernsohn. Sein Vater verwaltete die Domaine des Barges der Tabakdynastie Burger Söhne im Unterwallis. Mit hochgiftigen Insektizide und Fungiziden ist er aufgewachsen. Nachdem er die Walliser Landwirtschaftsschule Châteauneuf besucht und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETHZ) Agraringenieur studiert hatte, schlug er mit seiner Dissertation beim Pionier der biologischen Schädlingsbekämpfung, Prof. Vittorio Delucchi, einen anderen Weg ein: Einsatz von natürlichen Feinden gegen schädliche Insekten statt Insektizide.

Herren und sein Team verhinderten eine grosse Hungersnot, indem sie mit ihrer Forschung zeigten, wie die in ganz Afrika grassierende Maniok-Schmierlaus mit Wespen und Marienkäfern erfolgreich bekämpft werden kann, ohne Chemie und für den Bauern kostenlos. Das war der Anfang einer Erfolgsgeschichte.

Von 1979 an wirkte Herren u.a. am Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE) in Nairobi, dem er bis 2005 als Direktor vorstand. Seit 2005 ist er Präsident und CEO des Millennium Institutes in Arlington, Virginia (USA), das Politiker in über 40 Nationen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen berät.

Mehr über seine Arbeit und die Preise, die er erhalten hat, auf Wikipedia.

Das Ernährungssystem der Erde ändern!

Die Erfahrung und das erworbene Wissen brachten Herren zur Einsicht, dass die Landwirtschaft, ja, das ganze Ernährungssystem der Erde grundlegend gewandelt werden muss. Sein hochgestecktes Ziel lautet:

Eine Welt ohne Hunger und Elend, in der alle Menschen gleiche Rechte geniessen, in Frieden miteinander und im Einklang mit der Natur leben. Die Grenzen, die unser Planet setzt, werden respektiert, Gewalt und Krieg geächtet. Die Bedürfnisse der kommenden Generationen stehen zuoberst auf der politischen Agenda, die natürlichen Lebensgrundlagen werden für sie regeneriert und bewahrt. Die Energieversorgung basiert zu 100% auf erneuerbaren Energieträgern.

So ernähren wir die Welt

In seinem Buch So ernähren wir die Welt beschreibt und analysiert Herren die Probleme, nennt Zahlen und zeigt Lösungen auf. Er versteht es, einfach und verständlich zu schreiben. Seine Vorschläge sind klar.

1. Hunger im Überfluss

Der Titel des ersten Kapitels deutet Probleme an: „Insgesamt isst heute etwa jeder zweite Mensch zu wenig, zu viel oder das Falsche … Ein Nahrungssystem, das einerseits zu viel und andererseits zu wenig gesunde und zugängliche Nahrung auf den Tisch bringt, kann kein Modell für die Zukunft sein…“ Ein paar Stichwörter: Verschwendung, zu viel Fleisch, zu arm für eine ausreichende Ernährung und das scheinbare Paradox: Nahrung ist zu billig.

2. Bedrohte Ressourcen

Unter den folgenden Untertiteln geht Herren auf die bedrohten Ressourcen ein und nennt Zahlen: Agrarland degradiert, Land Grabbing, Wassermangel, schwindende Biodiversität, Pestizide in der Umwelt und
Treibhausgase aus der Landwirtschaft.

Zum Beispiel 20% der Ackerflächen der Welt werden heute bewässert und 70% des globalen Süsswasserverbrauchs gehen auf das Konto der Landwirtschaft. Wasser wird zunehmend eine knappe Ressource der Nahrungsmittelproduktion.

3. Risiken des Klimawandels

Den Klimawandel und seine Folgen spricht Herren kurz an und schildert dann die fatalen Auswirkungen für Afrika. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der auf Risikoanalysen spezialisierten britischen Firma Maplecroft zeigt, dass Afrika die grösste Last trägt, obschon dieser Kontinent kaum an den Ursachen des Klimawandels beteiligt ist. Für 32 Länder wird ein extrem hohes Risiko für massive Schäden infolge des Klimawandels genannt. So gut wie alle befinden sich in Afrika und Südasien, siehe Climate Change and Environmental Risk Atlas 2015.

4. Die Vision

Diversität statt Uniformität ist Herrens Ansatz für eine ökologische Landwirtschaft. Darunter versteht er nicht nur die Arten- und Sortenvielfalt auf Betriebsebene, sondern auch die Diversität der Anbausysteme. Agrarökologie umfasst eine Vielfalt von landwirtschaftlichen Methoden, die an die jeweiligen lokalen Bedingungen angepasst sind und lokal weiterentwickelt werden. Gemeinsam ist diesen Systemen der Grundsatz der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit. Herren beschreibt Punkt für Punkt welche Landwirtschaft ihm vorschwebt.

5. Wie erreichen wir unser Ziel?

Es brauche einen fundamentalen Kurswechsel in der Landwirtschaftspolitik und eine Neuorientierung der Agrarforschung zur Verwirklichung seiner Vision. Die Gelder, welche wir für die Transformation des Ernährungssystems einsetzten, verhinderten aber viel höhere Kosten für die kommenden Generationen: Es sind Investitionen in die Zukunft.

Der Kurswechsel bedinge eine grundlegende Neuausrichtung der Agrarforschung und -technik. Herren formuliert für die Forschung wichtige neue Fragen. „Dazu benötigen wir rund um den Erdball Tausende von Institutionen wie das Schweizer Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL). Es gibt nicht die moderne Landwirtschaft auf der Welt, sondern viele verschiedene.“

Herren schlägt auch einen besseren Informationsaustausch vor: „Wissen ist die einzige Ressource, die wächst, wenn man sie mit anderen teilt. Und sie muss wachsen … “ Der Wissenstransfer dürfe keine Einbahnstrasse sein: „Es gilt zu gewährleisten, dass das traditionelle und lokale Wissen, das ebenfalls für Innovationen genutzt werden kann, in die Agrarforschung einfliesst. Neue Partnerschaften zwischen Bauern, Forschern und Agrartechnikern können dies zum Vorteil aller gewährleisten.“

Im Folgenden sind die von Herren besprochenen Themen aufgeführt; die Titel allein schon deuten die Richtung an:

Auf Kleinbetriebe setzen
Faire Produzentenpreise
Ländliche Infrastruktur ausbauen
Position der Bäuerinnen stärken
Ökologischer Landbau
Landwirtschaftsböden schützen und regenerieren
Auf Pestizide verzichten
Wasser sparen
Biodiversität fördern
Landwirtschaftlicher Klimaschutz
Multifunktionalität
Verschwendung bekämpfen
Fairer Welthandel
Ernährungssouveränität
Neuausrichtung von Forschung und Technik
Wissen generieren und tauschen
Gentechnik bringt es nicht
Green Economy Report.

6. Neuer Lebensstil

Ein global nachhaltiges, Ressourcen schonendes und gesunde Nahrung anbietendes Ernährungssystem sei nicht nur die Aufgabe der BäuerInnen. Politik und Wirtschaft, besonders aber die KonsumentInnen seien gefordert, ihren Lebensstil zu ändern. Sie müssten etwa den Appetit auf Fleisch zügeln. Die chinesische Führung z.B. hat sich zum Ziel gesetzt, den Fleischkonsum im Land zu halbieren, d.h. auf 27 kg pro Jahr zu senken (Schweiz 51 kg).

Alles andere als nachhaltig sei auch unser Mobilitätsverhalten, welches sich unmittelbar auf die Welternährung auswirke, wenn auf Ackerböden Pflanzen für den Tank angebaut werden. Und wir sollten am Boden bleiben: „Jet-Set ist von gestern, wer seiner Zeit voraus sein will, bleibt am Boden …“

7. Weltagrarbericht und die Folgen

Die Weltbank und die Vereinten Nationen initiierten den Weltagrarbericht 2008, welcher den Titel Landwirtschaft am Scheideweg trägt. 400 Wissenschaftler aus der ganzen Welt arbeiteten über vier Jahren lang daran, Herren war Ko-Vorsitzender des Berichts. Darin wurde klar ein neues Paradigma gefordert: Wir können die Welt nur nachhaltig ernähren, wenn wir uns auf agrarökologische Methoden besinnen und mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten. 58 Nationen unterzeichneten den Bericht, darunter auch die Schweiz, aber die Umsetzung der Vorschläge hat noch nirgends stattgefunden. (Kapitel 2. Bedrohte Ressourcen).

Nicht alle waren ob dem Bericht und dessen Botschaften erbaut, denn eine ökologische Landwirtschaft ist kein guter Kunde für Agrarkonzerne, die ihr Geld mit dem Verkauf von Saatgut für Hochertragssorten, Dünger und Pestiziden verdienen. Doch in vielen Ländern wird der Weltagrarbericht sehr ernst genommen. So lancierte etwa die Afrikanische Union eine Initiative zur Einführung der biologischen Landwirtschaft; sie wird bisher in acht Ländern umgesetzt.

Die UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) hat den Weltagrarbericht von Anfang an unterstützt. Wirkung entfaltet hat der Bericht auch bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der UNO-Generalversammlung im September 2015 sowie der Weltbank und dem Internationalen Institut für Ernährungspolitik (IFPRI).

Herrens Vision in der Praxis

Im zweiten Teil des Buches bespricht Herren verschiedene Projekte. Dieser Teil ist reich an Schwarzweiss-Fotos. Die Titel weisen auf den Erfolg der angewandten Methoden hin und regen zum Lesen an, z.B. Die Mango weint nicht mehr, Der heilige Berg grünt wieder, Ziel: 100% Bio (Bhutan) …

Weiter wie bisher ist keine Option.

Dieser Satz steht irgendwo im Buch. In Anbetracht der heutigen Beeinträchtigung der Lebensgrundlagen durch die Landbewirtschaftung ist eine Agrarwende zwingend. Das Buch gibt viele Anregungen und zeigt Lösungen auf für eine Landwirtschaft, welche nicht nur als „nachhaltig“ bezeichnet wird, sondern es auch wirklich ist.

So ernähren wir die Welt, Hans Rudolf Herren, Verlag rüffer & rub, Reihe „rüffer & rub visionär“

Vom Funken zum Feuer

Anne Rüffer, Verlegerin: „Den Funken einer Idee, einer Hoffnung, einer Vision weiterzutragen und damit ein Feuer des persönlichen Engagements zu entzünden, das ist die Absicht, die wir mit unserer neuen Reihe – wir nennen sie »rüffer & rub visionär« – verfolgen.“
Verlag rüffer & rub

Heidis Geschenk

Möchten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, das ganze Buch lesen? Dann schreiben Sie Heidi an nachfolgende Adresse. Sie wird Ihnen ein Exemplar gratis zustellen; mit Obergrenze bei sehr sehr vielen Anfragen, dann würde das Los entscheiden. E-Mail: heidismist at bluewin.ch

Zu viel oder zu wenig Wasser: Damit haben die Kleinbauern in Subsahara-Afrika je länger, je mehr zu kämpfen. Regenmangel und Trockenzeiten können mit Wassertanks besser überstanden werden. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

Zu viel oder zu wenig Wasser: Damit haben die Kleinbauern in Subsahara-Afrika je länger, je mehr zu kämpfen. Regenmangel und Trockenzeiten können mit Wassertanks besser überstanden werden. Copyright: Peter Lüthi, Biovision.

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Weniger Pflanzenschutzmittel dank Ernteversicherung und besserer Spritztechnik

9. März 2016
Frankreich ist europäische Spitze beim Verbrauch von Pestiziden. Anfang 2015 setzten die Behörden ein ehrgeiziges Ziel: Reduktion des Pestizideinsatzes bis 2020 um 25% und bis 2025 um 50%.

Frankreich ist europäische Spitze beim Verbrauch von Pestiziden. Anfang 2015 setzten die Behörden ein ehrgeiziges Ziel: Reduktion des Pestizideinsatzes bis 2020 um 25% und bis 2025 um 50%.

In Frankreich ist der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft gross. Besonders im Rebbau werden Chemikalien in riesigen Mengen ausgebracht, denn sie sind billig und flexibel zu handhaben: 14% der Mittel auf nur 4% des Landwirtschaftslands! Die vielfältigen Belastungen der Umwelt durch die Landwirtschaft und die Allgemeinheit wurden ernst genommen. Die französischen Behörden schufen 2009 ein Gesetz, die Grenelle I (Grenelle de l’environnement). Ein Jahr später folgte die Grenelle II, in welcher das Umwelt-Engagement mit Verpflichtungen und Verboten konkretisiert wird.

Forschende der Université Grenoble Alpes wollten die Gründe kennen, welche ausschlaggebend sind für einen hohen Pestizideinsatz. Sie untersuchten von 2002 bis 2007 den Pflanzenschutzmittel-Verbrauch von 607 Weinbaubetrieben. Den höchsten Verbrauch stellten sie in den Regionen mit „appellation de qualité“ fest: Aquitaine, Burgund und Elsass. Im Jahre 2007 untersuchten sie in 106 Betrieben die Dosiermenge. Verglichen wurde die vom Winzer angegebene Dosierung mit der maximal erlaubten. 45% der Rebbetriebe arbeiten gemäss Eigendeklaration mit zu hohen Dosierungen, 10% überdosieren sogar stark, während 55% nie unerlaubt hohe Dosierungen anwenden.

Die Resultate:

  • Pestizidanwendungen sind negativ mit der Betriebsgrösse korreliert.
  • Hohe Umsätze und Gewinne sind mit intensiverem Pestizidgebrauch verbunden.
  • Berühmte Rebsorten werden mit mehr PSM geschützt.
  • Auch ungünstiges Klima fördert den PSM-Einsatz (Krankheiten).
  • Alte Sprühgeräte führen zu PSM-Überdosierung.


Reduktion des PSM-Verbrauchs im Rebbau

Die Studie zeigt zwei Wege zur Einschränkung von PSM im Rebbau auf. Erstens könnte eine Ernteversicherung Winzer zu umweltverträglicherem Handeln motivieren. Einsatz von PSM nur dann, wenn aufgrund der Bedingungen mit einem Schaden zu rechnen ist; tritt ein solcher trotzdem ein, dann zahlt die Versicherung den Verlust. Eine bessere Dosierung mittels modernstem Spritzmaterial ist ein zweiter Weg zur Senkung des PSM-Einsatzes; diesbezüglich besteht nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Schweiz Handlungsbedarf. Beide Massnahmen sind rasch umsetzbar, meint Heidi.

Geoffroy Enjolras von der Université Grenoble Alpes ist vom 14. bis 16.3.16 Gast in der Gruppe Agricultural Economics and Policy der ETHZ . Er informiert am 14.3.16 über einen Teil seiner Forschung in diesem Bereich. Mehr Informationen zu gegebener Zeit unter diesem Link.

Weitere Informationen in Französisch: Les déterminants de l’us et de l’abus des pesticides : Les enseignements à retirer du secteur viticole français, Agrarpolitik Blog, 8.3.16

Aubert, M., et Enjolras, G. (2014), “The Determinants of Chemical Input Use in Agriculture: A Dynamic Analysis of the Wine Grape–Growing Sector in France”, Journal of Wine Economics, Vol. 9, N°1, pp. 75-99.

Aubert, M., et Enjolras, G. (2014), “Between the approved and the actual dose. A diagnosis of pesticide overdosing in French vineyards”, Review of Agricultural and Environmental Studies, Vol. 95, N°3, pp. 327-350

9.3.16 HOME

«Nichts verbindet uns mehr als das Wasser»

18. März 2015
Vor ihrem Auftritt am Schluss der Weltwasserwoche in Scuol spricht Anja Klug vom UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) in Chur mit Regierungsrat Christian Rathgeb über „Flüchtlingsproblematik Wasserwege“.

Vor ihrem Auftritt am Schluss der Weltwasserwoche in Scuol spricht Anja Klug vom UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) in Chur mit Regierungsrat Christian Rathgeb über „Flüchtlingsproblematik Wasserwege“.

Noch hat sich Heidi keine Gedanken gemacht, ob sie etwas zum Weltwassertag 2015 vom 22.3.15 schreiben soll, denn jeder Tag ist ein Wassertag. Die Berner sind schneller als ihr Ruf, haben schon am 5.3.15 ihren Wassertag veranstaltet mit ReferentInnen aus Verwaltung (Regierungsrat Andreas Rickenbacher, AWA, LANAT), Forschung und Lehre (ETHZ, Eawag, HAFL) sowie Landwirtschaft (LOBAG). Die interessanten Referate sind hier abrufbar: Berner Wassertag 2015.

„In einer Zeit, wo vieles unterzugehen scheint, ist es gut, wenn man schwimmen kann.“ Ernst Bromeis

Soeben ist die Medieninformation von Ernst Bromeis, Wasserbotschafter Das Blaue Wunder, eingetroffen. Zum dritten Mal veranstaltet er in Scuol im Engadin die UNO-Weltwasserwoche. Sie dauert vom 21. bis 27.3.15 (Samstag bis Freitag) und steht unter dem Motto „Nichts verbindet (und trennt?) uns mehr als das Wasser.“ Ethische, kulturelle und weltpolitische Aspekte werden beleuchtet. Unter anderem wirken mit: Anja KlugLeiterin des UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) Büros für die Schweiz und Liechtenstein und Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger.

Das Programm ist vielfältig, ein kleiner Einblick:

  • Köbi Gantenbein, geboren in Samedan GR, Chefredaktor der Architektur- und Designzeitschrift Hochparterre spricht.
  • Der Film Watermark von Jennifer Baichwal und Edward Burtynsky sowie Kon-Tiki werden gezeigt.
  • Für Kinder von 5 bis 10 erzählen Annetta Baumann und Uorschla Rauch das Märchen „Blaues Gold“.
  • Die Generalversammlung der Pro Büvetta Tarasp (Sponsoren willkommen) ist öffentlich. Im historischen Gebäude ist ein Weltwasserzentrum geplant.
  • Der einheimische Konzert-Organist Jörg Perron weckt die historische Orgel im Schloss Tarasp aus dem Winterschlaf mit der Wassermusik von Georg Friedrich Händel
  • Lampedusa – eine zivilisatorische Odyssee“ mit Anja Klug UNHCR
  • Tourismusdirektor (Engadin Scuol Samnaun Val Müstair) Urs Wohler hat das letzte Wort.

Also: Ab nach Scuol! Das vollständige Programm:
3. UNO-Weltwasserwoche 2015: «Nichts verbindet (und trennt?) uns mehr als das Wasser!»

18.3.15 HOME

Lebensmittelverpackungen: Wir müssen handeln! (2)

23. Oktober 2014

Heidi hat am 11.10.14 einen Artikel über den FPF-Workshop gefährliche Stoffe in Lebensmittel-Verpackungen? geschrieben. Nun sind die Vorträge der Veranstaltung als Video auf dem Internet abrufbar beim Food Packaging Forum (FPF). Also nichts wie los! Nur Englisch.

Hazardous chemicals in food contact materials?

Lebensmittelverpackungen: Wir müssen handeln! Heidis Mist 11.10.14

23.10.14 HOME

Lebensmittelverpackungen: Wir müssen handeln!

11. Oktober 2014
Recycling-Kartons werden (wurden?) zum Verpacken von Lebensmitteln verwendet. Vergleich eines Verpackungskartons aus recycliertem Karton mit einem aus frischen Holzfasern. Das <a title="Wikipedia: Chromatographie" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chromatographie" target="_blank">Chromatogramm</a> oben zeigt, dass im recyclierten Karton zahlreiche, zum grossen Teil unbekannte Substanzen enthalten sind (viele Peaks), u.a. krebserregendes Erdöl, während im Karton aus frischen Holzfasern die Zahl der Stoffe klein ist (wenige Peaks).  Diagramm: Konrad Grob, Kantonales Labor Zürich.

Recycling-Kartons werden (wurden?) zum Verpacken von Lebensmitteln verwendet. Vergleich eines Verpackungskartons aus recycliertem Karton mit einem aus frischen Holzfasern. Das Chromatogramm oben zeigt, dass im recyclierten Karton zahlreiche, zum grossen Teil unbekannte Substanzen enthalten sind (viele Peaks), u.a. krebserregendes Erdöl, während im Karton aus frischen Holzfasern die Zahl der Stoffe klein ist (wenige Peaks). Diagramm: Konrad Grob, Kantonales Labor Zürich.

Angenommen Heidi kauft Spaghetti. Sie nimmt eine Kartonschachtel aus dem Gestell, legt sie in den Einkaufkorb, platziert sie an der Kasse aufs Förderband und verstaut die Schachtel nach dem Zahlen im Rucksack. Zuhause versorgt Heidi die Spaghetti im Vorratsschrank, nimmt sie später zum Kochen heraus. Verpackungen sind in der heutigen Gesellschaft wichtig, etwa zum Schutze des Inhalts, aber auch für Werbung und Informationen. Doch sind die Verpackungen unbedenklich?

Die vielen Unbekannten

Wahrscheinlich sind es in der Grössenordnung von 100’000 Substanzen, welche in Lebensmittelverpackungen vorkommen, also 1000 mal mehr als Pestizide zugelassen sind. Die meisten davon kennt man nicht, weniger als 2000 wurden fachgerecht untersucht. Vermutlich stecken in Verpackungen auch Stoffe, die nicht einmal als Pestizide bewilligt würden. Kontrollen gibt es kaum. Diese erschreckende Nachricht präsentierte Konrad Grob vom Kantonalen Labor Zürich am Workshop Hazardous chemicals in food contact materials? vom 9.10.14, Veranstalter Food Packaging Forums (FPF). Fachleute aus Europa und den USA stellten Studien vor und informierten über die allgemeine Lage bei den Lebensmittelverpackungen.

Gesundheitsschädigende Stoffe mit hormonähnlicher Wirkung

Ausführlich behandelt wurde Bisphenol A, ein wissenschaftlich gut untersuchter Stoff mit hormonähnlicher Wirkung; er ist fast allgegenwärtig und zählt zu den endokrinen Disruptoren, den besonders besorgniserregenden Stoffen. Die möglichen negativen Auswirkungen von Bisphenol A auf die Gesundheit sind vielfältig, seit langem bekannt und durch wissenschaftliche Studien belegt. Doch die Industrie wehrt sich gegen ein Verbot. In Frankreich ist Bisphenol A ab Juli 2015 für jegliche Verpackungen von Nahrungsmitteln verboten. Die EU ist am Debattieren.

Risikobeurteilung schwierig – die Mischung macht das Gift

Das Hauptproblem ist, dass wir heute unzähligen Substanzen ausgesetzt sind, die oft schon in kleinen Dosen wirken. Die Zahl der möglichen Mischungen ist riesig. Über die Wirkung von Mischungen lässt sich nur spekulieren; systematische Untersuchungen sind also nicht möglich. Methoden zur zuverlässigen Risikobeurteilung von Verpackungen sind gefragt, z.B. Nestlé und Valspar Corporation AG arbeitet daran. Doch es fehlt an Wissen, Forschungsgeldern und an der Unterstützung durch die Politik. In der Schweiz arbeiten lediglich sechs WissenschaftlerInnen auf diesem Gebiet. Zwei Referenten bezeichneten die zuständige Behörde in den USA, die Food and Drug Administration (FDA), diesbezüglich als inkompetent.

Ein weiteres Problem ist der Ersatz eines als schädlich eingestuften Stoffes, denn oft sind Eigenschaften und Wirkung des Ersatzstoffes zu wenig bekannt; eventuell ist der neue Stoff noch schädlicher als die Substanz, welche er ersetzt.

Heidi ergänzt: Wenn schädliche Substanzen aus Verpackungen in Lebensmittel übergehen, wir sie aufnehmen und anschliessend ausscheiden, dann gelangen sie über die Abwasserreinigungsanlagen (mangelnde Filterung) auch in die Gewässer.

Handlungsbedarf offensichtlich

„We must act!“ Das war ein energischer Aufruf von Ana M. Soto, Professorin an der Tufts University, School of Medicine, Boston. Wissenschaftler müssten lernen, ihre Ergebnisse zu kommunizieren. Ana Soto ist Mitglied des Wissenschaftlichen Kommitees des FPFs, welches vor zwei Jahren als gemeinnützige Stiftung gegründet wurde, Präsident ist Martin Scheringer Privatdozent an der ETHZ.

Was macht die Schweiz? Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) glaubt, alles im Griff zu haben, verfolgt aber die Entwicklungen in der EU. Das Engagement für saubere Verpackungen scheint im BLV nicht allzu gross zu sein, meint Heidi. Und die Landwirtschaft? Eigentlich müssten sich die Bauern und ihre Vertreter dafür stark machen, dass ihre Produkte nicht durch Schadstoffe aus Verpackungen verunreinigt werden.

Weitere Informationen

Alle Referenten haben ihre Workshop-Präsentation zur Veröffentlichung freigegeben, siehe Hazardous chemicals in food contact materials?

Übrigens, Heidi kauft keine in Karton verpackte Spaghetti; sie kauft Tessiner von Terreni alla Maggia SA; diese sind in Cellophan verpackt; was darin allenfalls noch ist, das weiss sie nicht, denn die Inhaltsstoffe von Verpackungen müssen nicht deklariert werden, auch wenn sie noch so schädlich sind.

Der weise Alm-Öhi gibt Heidis LeserInnen folgende Tipps: Denken beim Einkaufen! Weitgehend auf verarbeitete Lebensmittel verzichten (Salat selber waschen…), Früchte und Gemüse auf dem Markt einkaufen oder im bedienten Offenverkauf (regionale und saisonale Produkte), keine Konserven (Innenbeschichtung!), Salatsauce für eine Woche in einer Glasflasche selber mischen … und natürlich Hahnenwasser trinken und gärtnern (auch wenn’s nur ein paar Töpfe auf dem Balkon sind.

Gift im Regal, Tagesanzeiger vom 29.7.14

Krebsgefahr durch Erdöl im Karton, SRF Kassensturz vom 8.2.11.

«Ich habe das lange unterschätzt»: Chemiker Konrad Grob Kantonales Labor Zürich, SRF Einstein vom 3.10.12.

Food Packaging Forum: How hazardous chemicals are managed in FCMs, Jenny Eagle, Food Production daily.com vom 9.10.14

11.10.14 HOME

Grüne Milch? Ja, schon seit 9 Jahren in den Schulzimmern

26. Mai 2011
Trifolium_pannonicum_Jacq

Zeichnung von Carl Schröter, der in St. Antönien GR seine Ferien verbrachte und die Flora studierte, Trifolium pannonicum Jacq. aus "Die besten Futterpflanzen"

Migros und IP Suisse, diese Namen sind jetzt in aller Munde, wenn es um „Grüne Milch“ geht, genauer gesagt um TerraSuisse-Wiesenmilch. Ein neues Produkt? Nein, ein Besinnen auf alte Werte und eine gradlinige Schweizer Futterbau-Forschung, welche  die artgerechte Fütterung des Viehs auch dann im Auge behalten hat, als das Verfüttern von immer mehr Kraftfutter Mode wurde. Im Herbst soll die Wiesenmilch in den Migros-Verkaufregalen stehen. Die „grasgrüne Milch“ gibt es schon seit neun Jahren in den Schulzimmern jener Lehrkräfte, welche sich für Landwirtschaft interessieren und die Unterrichtsunterlagen mit diesem Titel angeschafft haben; Fragen und Antworten über Milch, Milchprodukte, Wiesen, Kuh und Landschaft. Ein Heft mit Arbeitsblättern, welches zum Beobachten, Nachdenken oder Notieren anregt. Der Autor ist Christian Hofer, jetzt Vize-Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft.

Auf dem eigenen Betrieb aus Gräsern, Klee und Kräutern möglichst nährstoffreiches Raufutter für das Vieh zu produzieren, das war seit den Zeiten von Friedrich Gottlieb Stebler und Albert Volkart die Grundidee des schweizerischen Futterbaus. Generationen von Futterbauforschern der landwirtschaftlichen Forschungsanstalten und der ETHZ sind ihr treu geblieben. Zum Beispiel Josef Lehmann, der Vater der meisten Schweizer Kleegras-Standardmischungen für Ansaatwiesen, war ein vehementer Verfechter der Raufutterkuh. Diese soll in erster Linie Wiesenfutter fressen, das der Mensch nicht verwerten kann, weil er keinen Wiederkäuermagen hat. Wenn das Vieh Getreide und Soja frisst, dann konkurrenziert es den Menschen, siehe Im Dienst der Raufutterkuh, 125 Jahre FAL, Agrarforschung 10 (6): 239, 2003.  Im grossen Stil Reklame für die Wiesenmilch machten die Futterbauforscher in den 1990er Jahren mit der Ausstellung „Die Schweiz – ein Grasland“ an OLMA, Züspa, LUGA und BEA. Erneut die Werbetrommel rührten sie an der Expo agricole  in Murten mit er „Grasgrünen Milch“, welche danach als Wanderausstellung viele Leute begeisterte. Zahlreich sind die Forscher, welche einen Beitrag zum Erfolg beigesteuert haben, ein paar weitere möchte Heidi hier vorstellen: Binding-Preisträger (1994) Walter Dietl, Willy Kessler (Mitglied der Geschäftsleitung Agroscope Reckenholz-Tänikon ART), Andreas Lüscher (Leiter der Gruppe Futterbau, Graslandsysteme der ART). Der TerraSuisse-Wiesenmilch zum Durchbruch verholfen hat Peter Thomet, Dozent an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen  (bis vor zwei Monaten Präsident der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus AGFF).

Heidi empfiehlt allen, die an einem ökologischen Wiesenbau interessiert sind, Werbung für die Wiesenmilch zu machen. Schenken Sie doch die Unterrichtsunterlagen einer Lehrerin oder einem Lehrer oder tauchen Sie selber in die spannende Welt der Wiesen und Kühe ein, etwa mit den Fragen Sprechen Wiesen auch Japanisch? Können Kühe zaubern?, denn dann wissen Sie Bescheid, was hinter der Wiesenmilch steckt, wenn sie im Herbst in der Migros erhältlich ist. Die Unterlagen sind den Preis wert, erhältlich bei der AGFF Grasgrüne Milch, als Heft für 10 Franken, als CD-Rom für 5 Franken oder beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID-Shop, Grasgrüne Milch. Viel Spass! Oder werden Sie Mitglied der AGFF für 30 Franken. Das war jetzt ein bisschen viel Werbung, aber für einen guten Zweck.

Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues (AGFF), Frühjahrstagung 7. April 2011

AGFF 75 Jahre Forschung und Beratung für den schweizerischen Futterbau – 1934-2009

7 Rappen mehr für Wiesenmilch. Schweizer Bauer, 10.5.11

26.5.11 HOME

Stickstoff in Landwirtschaft und Umwelt: Eine Herausforderung

12. Januar 2011
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Ein Misthaufen von vielen, die jetzt im Bündnerland im Feld liegen, und zwar im Gewässerschutzbereich, dieser Mist wurde am 20.12.10 hieher transportiert.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat am 11.1.11 eine Medieninformation herausgegeben mit dem Titel „Stickstoff in der Landwirtschaft und Umwelt: Eine Herausforderung„. Zwei Studien weisen auf den Handlungsbedarf in verschiedenen Bereichen hin: „Stickstoff-Flüsse der schweizerischen Landwirtschaft, Evaluation von Wissenslücken in der Forschung“ und „Stickstoff 2020 – Möglichkeiten und Einschränkungen zur Vermeidung landwirtschaftlicher Stickstoffemissionen in der Schweiz“, beide sind auf der Seite der Medieninformation abrufbar.

Dass es bei den Stickstoff-Emissionen Handlungsbedarf gibt, weiss man schon lange, z.B. Evaluation der Ökomassnahmen Bereich Stickstoff und Phosphor, Schriftenreihe der FAL 57, 2005. In der Zusammenfassung heisst es:“…Zwischen 1980 und 2002 hat der Überschuss um 38’000 t N abgenommen, was insbesondere auf die geringeren Futtermittelimporte, die Abnahme bei der atmosphärischen N-Deposition sowie den verminderten Mineraldüngereinsatz zurückzuführen ist. Seit 1997 konnte jedoch keine Abnahme mehr verzeichnet werden. Daher dürfte das Ziel einer Verminderung des N-Überschusses um 43’000 t N zwischen 1990-92 und 2005 kaum erreicht werden; die Reduktion beträgt bis 2004 lediglich etwa 16’000 t N…“. Seither hat der Import von Futtermitteln kräftig zugelegt, siehe Agrarbericht 2010, Seite 69. Heidi hat im Artikel Das Nullsummenspiel geschrieben, dass es mit dem Stickstoff- und Phosphor-Austrag aus der Landwirtschaft nicht zum Besten steht und hingewiesen auf den Bericht „Ökologie und Landwirtschaft vom 08.08.2008“, Zustand wichtiger Umweltbereiche und Weiterentwicklung der agrarpolitischen Massnahmen, mit Anhang, der Konferenz der Vorsteher der Umweltschutzämter der Schweiz, Arbeitsgruppe Ökologie und Landwirtschaft.

Heidis treue Leserinnen und Leser erinnern sich an Jubiläum Rheinschutz: Feiern! Umsetzen? Dort hat sie am Schluss geschrieben: „…So gibt es denn viele Ämter, viele Gesetzte, viele Vorschriften, viele Organisationen, viele Pläne, viele Reden, viele Feiern … aber an der Umsetzung hapert es oft!“ Wer Heidis Blog liest, weiss wovon sie spricht. Siehe auch Grundwasser: wichtigste Trinkwasserquelle, Ammoniak-Emissionen reduzieren und Gewässerschutz: Gesetz ohne Zähne?

12.1.11    HOME


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