Posts Tagged ‘Fungizid’

Abkochen und Blumenschmuck nützen nichts gegen Pestizide im Trinkwasser

8. August 2022
Brunnen gibt es in den Schweizer Dörfern viele, nur ist das Wasser, das aus ihren Röhren fliesst, längst nicht mehr überall sauber.

Brunnen gibt es in den Schweizer Dörfern viele, nur ist das Wasser, das aus ihren Röhren fliesst, längst nicht mehr überall sauber.

Wir wissen es: In intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten ist das Trinkwasser nicht sauber. Besonders Nitrat, Pflanzenschutzmittel und deren Abbauprodukte bereiten den Trinkwasserversorgern Sorge. Metaboliten des Fungizids Chlorothalonil belasten das Grundwasser grossflächig mit mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter. In mehr als der Hälfte aller Kantone treten Metaboliten in diesen Konzentrationen auf. Das Bundesamt für Umwelt schreibt auf seiner Homepage: „Da sich Grundwasser relativ langsam erneuert und die Metaboliten von Chlorothalonil ausgesprochen langlebig sind, ist davon auszugehen, dass diese Verunreinigungen die Grundwasser-Qualität noch während Jahren in grösserem Ausmass beeinträchtigen werden.“

Was tun die Trinkwasserversorger? Viele warten. Worauf? Auf den Gerichtsentscheid. Wie es halt so läuft, die Verursacherin des Übels, die Syngenta, klagte gegen das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Die Richter brüten noch über dem Aktenberg, werden darüber entscheiden, ob die Metaboliten von Chlorothalonil „relevant“ sind oder nicht. Je nach dem ist ein Höchstwert einzuhalten oder nicht. Ein Entscheid wird im Herbst oder spätestens Ende 2022 erwartet. Und die Bauern? Sie pochen darauf, dass sie das heute verbotene Chlorothalonil korrekt gespritzt hatten.

Die Seeländische Wasserversorgung (SWG) in Worben hat eine Pilotanlage zur Umkehrosmose installiert und beabsichtigt, eine 1,7 Mio. Franken teure Anlage zur Filtrierung des Trinkwassers in der Fassung Worben zu installieren. Die Konzentrationen der Chlorthalonil-Metaboliten nach der Filtrierung sind alle unterhalb der Bestimmungsgrenze.

Ein Pestizid löst das andere ab in der Geschichte der Pestizide. Überraschungen folgen mit Verzug.

Chlorothalonil-Metaboliten im Grundwasser. Bundesamt für Umwelt (BAFU)

21.4324 Interpellation, Nadine Masshardt: Gelten für Chlorothalonil-Metaboliten keine Höchstwerte mehr?

Chlorothalonil, Wikipedia

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Pestizide in der Luft: potentielle Gefahr für die Artenvielfalt und den Menschen

21. Juni 2022
bb. 4. Prozentualer Beitrag zur humantoxikologischen Einstufung von Fungiziden (30 Wirkstoffe), Herbiziden (24 a.i.) und Insektiziden (13 a.i.), die mit Passivsammlern (nur PUF) nachgewiesen wurden. Es wurden nur eindeutige Klassifizierungen berücksichtigt. Die Interpretation der Gefahren für die menschliche Gesundheit basiert auf der Pesticide Properties Database (Lewis et al., 2016) und der EU-Pestiziddatenbank (EC, 2021a).

https://heidismist.files.wordpress.com/2022/06/pestizide_luft_mensch.jpg Abb. 4. Prozentualer Beitrag zur humantoxikologischen Einstufung von Fungiziden (30 Wirkstoffe), Herbiziden (24 a.i.) und Insektiziden (13 a.i.), die mit Passivsammlern (nur PUF) nachgewiesen wurden. Es wurden nur eindeutige Klassifizierungen berücksichtigt. Die Interpretation der Gefahren für die menschliche Gesundheit basiert auf der Pesticide Properties Database (Lewis et al., 2016) und der EU-Pestiziddatenbank (EC, 2021a).

Quelle: Pesticides in ambient air, influenced by surrounding land use and weather, pose a potential threat to biodiversity and humans. Science of The Total Environment.

Ein Forschungsteam um Johann G. Zaller der Universität für Bodenkultur Wien hat zusammen mit Wissenschaftlern von TIEM Integrierte Umweltüberwachung und der Medizinischen Universität Wien das Vorkommen von Pestiziden in der Luft untersucht. Sie stellten eine weit verbreitete Luftverschmutzung durch Pestizide fest, was darauf hindeutet, dass die derzeitigen Umweltverträglichkeitsprüfungen, Feldanwendungstechniken, Schutzmassnahmen und Vorschriften nicht ausreichen, um die Umwelt und den Menschen vor einer potenziell schädlichen Exposition zu schützen.

Analyse von Zusammenhängen

Es ist nur wenig darüber bekannt, wie Anzahl und Konzentration von Pestizidrückständen in der Luft durch die Landnutzung, Wechselwirkungen mit meteorologischen Parametern oder durch substanzspezifische chemisch-physikalische Eigenschaften beeinflusst werden und welche potenziellen toxikologischen Gefahren dies für Nichtzielorganismen, einschliesslich des Menschen, mit sich bringen könnte.

Die Wissenschaftler installierten passive Luftsammler (Polyurethan-PUF- und Polyester-PEF-Filtermatrizen) in 15 Regionen mit unterschiedlicher Landnutzung in Ostösterreich für bis zu 8 Monate. Die Proben wurden mittels Gaschromatographie/Massenspektrometrie auf 566 Substanzen untersucht. Es wurden Zusammenhänge zwischen Häufigkeit und Konzentrationen von Pestiziden, Landnutzung, meteorologischen Parametern, Stoffeigenschaften und Jahreszeit analysiert.

67 Wirkstoffe gefunden

Gefunden wurden insgesamt 67 Pestizidwirkstoffe (24 Herbizide, 30 Fungizide, 13 Insektizide) mit 10 bis 53 Pestiziden pro Standort. Die Herbizide Metolachlor, Pendimethalin, Prosulfocarb, Terbuthylazin und das Fungizid HCB wurden in allen PUF-Probenehmern gefunden, Glyphosat in allen PEF-Probenehmern; Chlorpyrifos-ethyl war das am häufigsten vorkommende Insektizid, das in 93% der Probenehmer gefunden wurde. Die höchsten Konzentrationen wiesen das Herbizid Prosulfocarb (725 ± 1218 ng Probe−1), das Fungizid Folpet (412 ± 465 ng Probe−1) und das Insektizid Chlorpyrifos-ethyl (110 ± 98 ng Probe−1) auf.

Pestizide auch in Nationalparks und Stadtzentrum

Anzahl und Konzentration der Pestizide nahmen mit zunehmendem Anteil an Ackerland in der Umgebung zu. Pestizide wurden jedoch auch in zwei Nationalparks (10 und 33 Pestizide) oder einem Stadtzentrum (17 Pestizide) gefunden. Die Anzahl und Konzentration der Pestizide änderte sich zwischen den Jahreszeiten und korrelierte mit der Landnutzung, der Temperatur, der Strahlung und dem Wind, wurde aber nicht von der Flüchtigkeit der Substanzen beeinflusst.

Hohes Toxizitätspotential für Menschen

Die potenzielle ökotoxikologische Belastung von Säugetieren, Vögeln, Regenwürmern, Fischen und Honigbienen stieg mit zunehmender Pestizidzahl und -konzentration. Das Humantoxizitätspotenzial der nachgewiesenen Pestizide war hoch, wobei durchschnittlich 54% akut toxisch, 39% reproduktionstoxisch, 24% kanzerogen und 10% endokrinschädigend waren.

Mehrere dieser Pestizide stellen möglicherweise ein toxikologisches Risiko für Organismen, einschliessich des Menschen, dar, aber die Auswirkungen einer solchen Kontamination sind nicht gut bekannt. Ein Aspekt, der in der wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte selten angesprochen wird, ist die Tatsache, dass die in Luftproben gefundenen Pestizide auch in privaten Gärten, Naturschutzgebieten oder auf Feldern von Biobetrieben abgelagert sein können.

Schutz ungenügend

Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass die regulatorischen Leitlinien zur Exposition von Anwendern, Arbeitnehmern, Anwohnern und Umstehenden (EFSA, 2014) unzureichend sind. Daher empfehlen die ForscherInnen eine allgemeine Verringerung der Pestizidexposition, wie sie in der europäischen „Form-to-Fork“-Strategie für nachhaltige Landwirtschaft vorgesehen ist.

Ausbringpraxis muss verbessert werden

Eine Voraussetzung für weitere Forschung wäre die systematische Überwachung von Pestiziden in der Luft und anderen Medien, wie sie bereits für die Pestizidüberwachung von Lebensmitteln besteht (EPRS, 2018). Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Ausbringungspraxis von Pestiziden als Vorsichtsmassnahme verbessert werden sollte, um die Gesundheit von Mensch und Umwelt vor unkontrollierter Pestizidexposition zu schützen.

Pestizide in der Luft, die von der Landnutzung und dem Wetter in der Umgebung beeinflusst werden, sind eine potenzielle Gefahr für die biologische Vielfalt und den Menschen.

Pesticides in ambient air, influenced by surrounding land use and weather, pose a potential threat to biodiversity and humans. Johann G.Zallera,, MarenKruse-Plaßb, UlrichSchlechtriemenc, EdithGrubera, MariaPeera, ImranNadeemd, HerbertFormayerd, Hans-PeterHuttere, LukasLandlera. Science of The Total Environment, Volume 838, Part 2, 10 September 2022, 156012

Pestizide in der Schweizer Luft

Greenpeace hat von Mai bis November 2019 an vier Standorten Pestizid-Untersuchung mit Passivsammlern gemacht.

Insgesamt wurden pro Standort und Messzeitraum 213 Pestizidwirkstoffe und Metaboliten analysiert. Als Standorte wurden biologisch bewirtschaftete Betriebe in unterschiedlichen Schweizer Gegenden ausgewählt. An Standort A im Wallis wird Obst- und Weinbau betrieben, an Standort B in der Nordwestschweiz Ackerbau, an Standort C im Mittelland ebenfalls Ackerbau und an Standort D in der Ostschweiz Obstbau. An allen Standorten war sowohl im Sommer als auch im Herbst eine mehrfache Belastung mit Pestiziden festzustellen. Dabei war Standort A der am stärksten belastete und Standort B der am wenigsten belastete.

Insgesamt konnten 25 verschiedene Pestizidwirkstoffe bzw. Metaboliten nachgewiesen werden. Am häufigsten wurden die Fungizide Folpet, Captan, Chlorothalonil und Cyprodinil, die Herbizide Terbuthylazin, Metolachlor und Pendimethalin sowie das Insektizid Chlorpyrifos nachgewiesen.

Auch längst verbotene Pestizide

Es wurden 13 unterschiedliche Fungizid-Wirkstoffe nachgewiesen, sieben Herbizid-Wirkstoffe sowie drei verschiedene Insektizide bzw. Akarizide, darunter der Wirkstoff Brompropylat, der seit 2010 nicht mehr zugelassen ist. Ausserdem wurden zwei Metaboliten gefunden: AMPA, ein Abbauprodukt von Glyphosat, sowie 4,4′-DDE, ein Abbauprodukt des längst nicht mehr zugelassenen DDT, das aber so persistent ist, dass es in der Umwelt nach wie vor präsent und sehr weit verbreitet ist.

Diese explorative Untersuchung zeigt, dass es in der Schweiz – wie in anderen Ländern auch – ein Problem mit der Verfrachtung von Pestiziden gibt. Eine grösser angelegte Untersuchung mit mehreren Standorten und häufigeren Probenentnahmen über die gesamte Spritzsaison hinweg scheint angebracht, um die Belastung im Zeitverlauf feststellen zu können.

Abdrift-Massnahmen ungenügend

Dass Pestizide nicht auf der Fläche bleiben, auf der sie ausgebracht wurden, ist ein bekanntes Problem. In der Schweiz gibt es deshalb auch Massnahmen, die die Abdrift von Pestiziden verringern sollen. Diese sind in den «Weisungen betreffend die Massnahmen zur Reduktion der Risiken bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» festgehalten (BLW 2020). Allerdings gelten die Weisungen nur für bestimmte Pestizide. Die vorliegende explorative Untersuchung gibt deutliche Hinweise darauf, dass die darin festgehaltenen Massnahmen nicht ausreichend sind, um die Verfrachtung von Pestiziden durch die Luft zu vermeiden.

Diese Untersuchung zeigt, dass es auch in der Schweiz ein Problem mit der Verfrachtung von Pestiziden gibt. Eine grösser angelegte Untersuchung mit noch mehr Standorten, einer grösseren Anzahl an Wirkstoffen und häufigeren Probenentnahmen über die gesamte Spritzsaison hinweg, würde eine Feststellung der Belastung über einen Zeitverlauf ermöglichen und erscheint sinnvoll. Bisher gibt es in der Schweiz keine systematische Untersuchung der Verfrachtung von Pestiziden durch die Luft.

Pestizide in der Schweizer Luft. Greenpeace 11.11.20

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Alle Jahre wieder: Beginn Kraut- und Knollenfäule-Epidemie in Frühkartoffeln!

29. Mai 2021
Die Sorte Osira, Sortenblatt Agroscope, Swisssem uns Swisspatat.

Die Sorte Osira, Sortenblatt Agroscope, Swisssem und Swisspatat, 2018.

Vor mehr als 30 Jahren wurde an der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz (heute Agroscope) das Warn- und Prognosemodell PhytoPRE für die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel entwickelt und inzwischen laufend verfeinert. Heute gibt es auch Varianten für IP und Bio.

Seit Beginn der Aufzeichnungen von PhytoPRE brach die Pilz-Epidemie regelmässig in Frühkartoffelfeldern aus. Wenn die Folien weggenommen werden, dann nimmt der Wind die Sporen des Pilzes mit. Frühkartoffeln anbauen, vertreiben bzw. kaufen und essen ist höchst unökologisch und unfair gegenüber all den ProduzentInnen, die danach Pestizide spritzen müssen, wenn die Bedingungen (Feuchte, Temperatur) für die Entwicklung von Phytophthora infestans günstig sind, unfair auch uns KonsumentInnen gegenüber, welche die gespritzten Kartoffeln essen und von den höheren Spritzmittelkosten betroffen sind. Die Frühkartoffelanbauer hingegen kassieren einen höheren Preis, daher ist der Anbau beliebt!

2018 neu bewilligt: hoch anfällige Sorte Osira

Wie der Schweizer Bauer berichtet, ist auch dieses Jahr die Epidemie in einem Frühkartoffelfeld ausgebrochen, auf der Sorte Osira in Dorf ZH. Die Sorte Osira ist hoch anfällig für die Krautfäule und mittel anfällig für die Knollenfäule sowie anfällig für Krebs und hoch schlagempfindlich, also Gefahr für Food Waste. Sie wurde als „Verarbeitungssorte“ 2018 in die Sortenliste aufgenommen. Osira eignet sich für die Chipsherstellung. Hier finden Sie alle Eigenschaften von Osira.

Schweizer Bauer vom 22.5.21: „Die Produzenten sollten so schnell wie möglich eine Fungizidbehandlung durchführen, wenn der Krautfäulebefall im Umkreis von 5 km liegt.

Ab dem Abdecken müssen grundsätzlich alle Folienkartoffeln überwacht und mit einem teilsystemischen Fungizid geschützt werden, und auch die übrigen Kartoffeln sollten kontrolliert werden.

Infektionen müssen der kantonalen Fachstelle für Pflanzenschutz gemeldet werden oder an PhytoPre, Telefon 058 468 72 39 oder www.phytopre.ch.“

Heidi meint: „Die Abschaffung des Anbaus von Folienkartoffeln ist nicht im Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmittel des Bundes enthalten. Also müssen wir KonsumentInnen vernünftigerweise auf Frühkartoffeln verzichten, selbst wenn sie als Aktion billig angeboten werden! Chips? Das ist ein extrem hoher Kartoffelpreis pro kg mit viel Verpackung (Abfall), also nur für seltene Anlässe sinnvoll! Wer eine Friteuse hat, kann sie auch selber frisch herstellen.

Und wieso wird eine so anfällige Sorte in den Sortenkatalog aufgenommen? Weil es die Industrie so will?“

Erste Krautfäule entdeckt. Schweizer Bauer vom 22.5.21

IG Zukunft Pflanzenschutz wirbt mit „falschen Fakten“. Heidis Mist vom 13.8.20

Folienkartoffeln verursachen höheren Pestizid-Einsatz im regulären Kartoffelbau. Heidis Mist vom 11.3.18

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Chlorothalonil tötet Pilze … und schädigt Bienen und Hummel

19. Mai 2021
Copyright: Wanyi Zhu et al. 2014

Copyright: Wanyi Zhu et al. 2014

Bienen und Hummel erbringen lebenswichtige Bestäubungsleistungen für die Mehrzahl der blühenden Pflanzen sowohl in natürlichen als auch in landwirtschaftlichen Systemen. Pestizide sind eine Ursache der Schädigung von Insekten. Selbst Fungizide, die im Allgemeinen als sicher für Bienen gelten, können nachweislich die Entwicklung von Honigbienen stören und das Verhalten von Hummeln beeinträchtigen.

Fungizid beeinträchtigt Hummelkolonie

Es ist jedoch wenig darüber bekannt, wie Fungizide das Wachstum von Hummelvölkern beeinflussen können. WissenschaftlerInnen der Universität Wisconsin und des United States Department of Agriculture Madison untersuchten die Auswirkungen von feldrelevanten Mengen des Fungizids Chlorothalonil auf Kolonien einer einheimischen Hummelart (Bombus impatiens). Hummelvölker, die dem Fungizid ausgesetzt waren, produzierten weniger Arbeiterinnen, hatten eine geringere Gesamtbiomasse an Bienen und leichtere Königinnen als die Kontrollkolonien. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fungizide, in diesem Fall Chlorothalonil, den Erfolg dieser Hummelkolonien negativ beeinflussen.

Toxizität von Pestiziden für Honigbienenlarven

Forschende an der Pennsylvania State University untersuchten die chronische orale Toxizität der vier am häufigsten in Pollen und Wachs nachgewiesenen Pestizide – Fluvalinat, Coumaphos, Chlorothalonil und Chlorpyrifos – für Honigbienenlarven. Alle Pestizide lösten einen signifikanten Anstieg der Larvensterblichkeit im Vergleich zu unbehandelten Larven um mehr als das Zweifache aus, mit einem starken Anstieg nach drei Tagen der Exposition.

Unter diesen vier Pestiziden waren die Honigbienenlarven im Vergleich zu den erwachsenen Tieren am empfindlichsten gegenüber Chlorothalonil. Die WissenschaftlerI testeten auch den üblichen „inerten“ Inhaltsstoff N-Methyl-2-Pyrrolidon in sieben Konzentrationen und dokumentierten seine hohe Toxizität für Bienenlarven. Sie zeigten, dass eine chronische Nahrungsexposition gegenüber einem Fungizid, Pestizidmischungen und einem Formulierungslösungsmittel das Potenzial hat, sich auf Honigbienenpopulationen auszuwirken, und dass dies weitere Untersuchungen nötig macht.

Diese Studien wurden bereits 2014 bzw. 2015 veröffentlicht und es gibt viele ähnliche Studien. Trotzdem werden die Bestäuber zu wenig geschützt.

Four Common Pesticides, Their Mixtures and a Formulation Solvent in the Hive Environment Have High Oral Toxicity to Honey Bee Larvae. Published: January 8, 2014, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0077547

Colonies of Bumble Bees (Bombus impatiens) Produce Fewer Workers, Less Bee Biomass, and Have Smaller Mother Queens Following Fungicide Exposure. Insects 2015, 6(2), 478-488; https://doi.org/10.3390/insects6020478

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Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen (2)

2. Februar 2020

Das Fungizid Amarel-Folpet DF mit diesen Gefahrenkennzeichnungen darf gemäss Bundesamt für Landwirtschaft aus der Luft über Rebberge verspüht werden. Stand Pflanzenschutzmittelverzeichnis 2.2.20.

Das Fungizid Amarel-Folpet DF mit diesen Gefahrenkennzeichnungen darf gemäss Bundesamt für Landwirtschaft aus der Luft über Rebberge verspüht werden. Stand Pflanzenschutzmittelverzeichnis 2.2.20.

Wer soll das bezahlen? Diese Frage wird heute in Anbetracht der Verschmutzung des Trinkwassers mit Metaboliten von Chlorothalonil häufig gestellt. Wer soll die Reinigungs- und Sanierungskosten bezahlen? Renate Amstutz, Direktorin des Schweizerischen Städteverbands, verweist zu Recht auf das Gewässerschutzgesetz, denn dieses nennt klar das Verursacherprinzip. Also muss das Geld für die Sanierung bzw. Reinigung des Trinkwassers von jenen Bauern kommen, welche Pestizide einsetzen.

Externe Kosten der Pestizide

Heidi hat vor vier Jahren über eine Studie des Institut national de la recherche agronomique (INRA) informiert, welche den Titel trägt The Hidden and External Costs of Pesticide Use und gleichzeitig auf eine Schweizer Studie aus dem Jahre 2014 hingewiesen: Volkswirtschaftliche Kosten des Pestizideinsatzes in der Schweiz. Die französischen Forscher stellten die provokative Frage: „Pestizide – kosten sie uns mehr als sie uns nützen?“ Die vielfältigen Kosten, welche durch Pestizide verursacht werden, sind bis heute kaum untersucht, dürften aber hoch sein, meint Heidi.

Vier Kategorien versteckte Kosten

Die INRA-Studie listet vier Kategorien versteckter Kosten auf: Umwelt-, Gesundheits-, Regulierungs- und auch Vermeidungskosten. Die ersten quantifizieren die Schädigung der von der Natur angebotenen Ökosystemleistungen (Bestäubung usw.); Gesundheitskosten umfassen Gesundheitskosten, Verlust der Arbeitsproduktivität usw .; zu den Regulierungskosten zählen öffentliche Mittel zur Regulierung und Kontrolle dieser Stoffe oder zur Sanierung kontaminierter Gewässer und deren Umgebung. Was die Vermeidungskosten betrifft, so werden diese hauptsächlich durch die Mehrausgaben jener Haushalte verursacht, die sich für Bio-Lebensmittel entscheiden, um die Aufnahme von Pestiziden zu minimieren.

Nicht nur Heidi hat in letzter Zeit häufig an die INRA-Studie gedacht, auch die Leute der Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide haben die Studie ausgegraben und auf Twitter verlinkt bzw. einen Beitrag von Le temps vom 28.3.16 Les coûts cachés des pesticides.

Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen? Heidis Mist 23.3.16

Pestizid-Rückstände im Trinkwasser, SRF 10vor10 vom 31.1.20

Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Leben statt Gift auf Twitter

2.2.20 HOME

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Von Guy Parmelin, Chlorothalonil und einer Tierbedarfshandlung

17. November 2019

Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Die Abbauprodukte von Chlorothalonil ist langlebig im Grundwasser, Trinkwasserfassungen mussten geschlossen werden, das Mittel wurde in der EU verboten, da Verdacht auf krebserregend und sogar erbgutverändernd. Uns SchweizerInnen hat Bundesrat Guy Parmelin ein Verbot per Oktober 2019 in Aussicht gestellt. Und was läuft? Die Beamten sind am Studium von neuen Akten der Chlorothalonil-verkaufswilligen Industrie. Ein Entscheid ist erst im 2020 zu erwarten! Orientieren Sie sich weiter beim Schweizer Fernsehen 10vor10 vom 15.11.19:

„Bundesrat Guy Parmelin versprach das Fungizid Chlorothalonil bis Oktober zu verbieten. Nun ist es November und es gibt noch immer kein Verbot. Die Wasserversorger schlagen Alarm.“

Verunreinigtes Trinkwasser Wird Chlorothalonil gar nicht verboten? SRF 10vor10 vom 15.11.19

Gefahrenkennzeichnung Chlorothalonil

  • H315 Verursacht Hautreizungen.
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
  • H318 Verursacht schwere Augenschäden.
  • H332 Gesundheitsschädlich bei Einatmen.
  • H335 Kann die Atemwege reizen.
  • H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

Heidis Frage: Ist das Bundesamt für Landwirtschaft als Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel unabhängig und vertrauenswürdig?

NaNas Witzecke

Kommt jemand in die Tierbedarfshandlung:

„Guten Tag, ich möchte gern einen Maulkorb.“

„Tut mir leid! Alle ausverkauft! Herr Parmelin war da. Aber kommen sie übermorgen wieder, dann erhalten wir die Occasionsmodelle aus den USA.“

Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen, Heidis Mist 12.11.19

Petition: Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat, Heidis Mist 14.11.19

Wissenschaftler dürfen nicht sagen, wie giftig unser Trinkwasser wirklich ist. Parmelin verpasst ETH-Forschern Maulkorb. Lea Hartmann, Blick 11.11.19

Was hat Captan auf Bio-Parzellen zu tun?

2. Dezember 2018

Im Heu von Alexander Agethle, Bio-Bauer im Vinschgau (Südtirol), ist das Fungizid Captan nachgewiesen worden. Er ist längst nicht der Einzige, der ein solches Problem hat. Die Familie Agethle hat gerade eine bedeutende Auszeichnung erhalten: Eine der angebotenen Bio-Käsesorten wurde zum besten Weichkäse Italiens gekürt.

Im Heu von Alexander Agethle, Bio-Bauer im Vinschgau (Südtirol), ist das Fungizid Captan nachgewiesen worden. Er ist längst nicht der Einzige, der ein solches Problem hat. Die Familie Agethle hat gerade eine bedeutende Auszeichnung erhalten: Eine der angebotenen Bio-Käsesorten wurde zum besten Weichkäse Italiens gekürt.

Abdrift ist für viele Biobauern ein Problem. Besonders von hochwachsenden Kulturen wie Obstanlagen und Rebbergen gelangen Pestizide leicht auf benachbarte Parzellen. Ausgerechnet diese Pflanzen müssen aber besonders häufig gespritzt werden. Wenn es zudem windig ist, dann können Pestizide über grosse Distanzen verbreitet werden. Talwind etwa trägt Abdrift in höhere Lagen und kann dort die Flora und Fauna massiv schädigen.

Noch schlimmer ist es, wenn Pestizide per Helikopter gespritzt werden, was in der Schweiz erlaubt ist. Die vorgeschriebenen Pufferstreifen wurden 2016 sogar verkleinert. Es ist kein Trost, wenn gleichzeitig für Bio neu explizit Abstandsvorschriften eingeführt wurden.

Das Nichteinhalten von Pufferstreifen ist ein weiteres Problem, das noch nicht in der Politik angekommen ist.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Abdrift auf Kinderspielplätze

In der Gemeinde Mals im Südtirol (I) wurden Kinderspielplätze auf die Anwesenheit von Pestiziden untersucht. Es heisst – wie so häufig – die Analysenwerte seien unter dem Grenzwert. Doch der Malser Gemeindepräsident vertritt die Ansicht, dass für Spielplätze Nulltoleranz der richtige Ansatz ist.

Abdrift von Intensivobstanlagen trifft viele

Zu lesen auf salto, 21.11.18, im Zusammenhang mit Captan-Abdrift auf die Parzellen der Vinschgauer Bio-Bauern Ägidius Wellenzohn und Alexander Agethle: „Der Abdriftschutz von Pestiziden auf benachbarte Grundstücke ist nicht möglich. Und: Alle Menschen, die in der unmittelbaren Nähe von Intensivobstanlagen leben – und das dürften zwischen einem Viertel und einem Drittel der SüdtirolerInnen sein – sind im Laufe des Jahres vielfachen Pestizideinträgen ausgesetzt. Wenn sie einen Garten haben und Obst oder Gemüse daraus konsumieren, ist davon auszugehen, dass sie immer wieder mit Pestizidmengen jenseits der gesetzlich festgelegten Grenzwerte belastet werden.

… Wenn man mit konventionell wirtschaftenden Bauern diskutiert, postulieren diese stets das Recht, dass sie selber bestimmen wollen, wie sie wirtschaften. Sie räumen aber auch sofort ein, dass die Nachbargrundstücke natürlich nicht belastet werden dürfen. Sie wissen aber wohl selbst am besten, dass das einfach nicht funktioniert …“

Vom Wert der Zusammenarbeit

Zusammenarbeit ist für Alexander Agethle wichtig. Zitat aus Dolomitenstadt.at: „Die Gefahr ist ja, als Kleiner alles alleine schaffen zu wollen und am Ende nichts davon richtig zu machen“, findet Agethle. Oder aber, dass man in Südtirol plötzlich abhängig von internationalen Konzernen ist: „Ich wollte einfach nicht bei diesem Spiel mitmachen, seine männlichen Kälber wenige Tage nach der Geburt nach Polen zu schicken, dort zwei Jahre lang billig mästen zu lassen und nach einem langen Transport wieder bei uns in Italien zu schlachten“, erklärt Agethle. „Nur, damit man dem Kunden suggerieren kann, es handele sich da um ein regionales Produkt.“

Captan am Bio-Baum, Captan im Bio-Heu, salto vom 21.11.18

Ausgezeichneter Käse: Der beste Weichkäse Italiens kommt aus dem Vinschgau. Es ist der Arunda von der Hofkäserei Englhorn aus Mals.

Hofkäserei Englhorn: Der Wert von gutem Käse. Im oberen Vinschgau prägt Bauer Alexander Agethle mit seinen Ideen eine ganze Region. Dolomitenstadt.at vom 13.9.18

Englhorn, Familie Agethle, seit weit über 200 Jahren im Besitz der Familie Agethle.

Treffpunkt – Mals – geplatztes Wunder?  Rai Südtirol vom 20.11.2018

Informationen zu „Rückstände“ von BIOSUISSE

Heidis zehn Artikel über Helikoptersprühflüge

2.12.18 HOME

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Helikoptersprühflüge: Zum Beispiel das Fungizid Leimay

12. Januar 2018

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Auszug aus der Agroscope Liste für Helikoptersprühflüge 2017: A3. LISTE DES FONGICIDES HOMOLOGUES AVEC UNE DISTANCE DE SECURITE DE 60m DES EAUX DE SURFACE ET DES HABITATIONS (sauf Leimay et Talendo 30m des habitations)

Auszug aus der Agroscope Liste für Helikoptersprühflüge 2017: A3. LISTE DES FONGICIDES HOMOLOGUES AVEC UNE DISTANCE DE SECURITE DE 60m DES EAUX DE SURFACE ET DES HABITATIONS (sauf Leimay et Talendo 30m des habitations)

Bis zur Revision der Vorschriften für Helikoptersprühflüge vom September 2016 musste zu Wohnzonen generell eine Distanz von 60 m eingehalten werden, theoretisch! Heute gilt für die meisten Pestizide eine reduzierte Distanz von 30 m. Bei der Luftapplikation von besonders schädlichen Pestiziden ist jedoch weiterhin eine Distanz von 60 m einzuhalten.

Das Fungizid Leimay ist gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) für Luftapplikation zugelassen. Aufgrund der von Agroscope erstellten Liste Helikoptersprühflüge 2017 darf die Distanz zu Wohnzonen auf 30 m reduziert werden. Heidi hat die Daten von Leimay kopiert. Ist dies tatsächlich ein harmloses Mittel? Urteilen Sie selbst! Möchten Sie in einer Distanz von 30 m zu einer Fläche wohnen, die mit Leimay behandelt wird?

Gefahrenkennzeichnungen:

  • Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
  • EUH 401 Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt die Gebrauchsanleitung einhalten.
  • H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H361fd Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.
  • H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
  • SP 1 Mittel und/oder dessen Behälter nicht in Gewässer gelangen lassen.

Die Distanz zu sensiblen Flächen, z.B. Wohnzonen, wird ab Helikopter-Mitte gemessen, und zwar nicht horizontal sondern an der Bodenoberfläche. Je steiler das Gelände ist, desto grösser die erlaubte Spritzfläche, wenn der Helikopter nicht parallel zum Boden fliegt! Hangabwärts ist zudem mit erheblicher Abdrift zu rechnen. Hangaufwärts? Wenn der Talwind bläst ebenfalls.

Quelle: Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern. Vollzugshilfe BAFU 2016, Seite 16.

Quelle: Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern. Vollzugshilfe BAFU 2016, Seite 16.

Abstand zu Wohnzonen: Heidis vergebliche Suche nach der Helikopter-Pestizid-Sprühliste, Heidis Mist 3.1.18

Cover Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und DüngernAusbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern, Vollzugshilfe, BAFU 2016

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Von Pflanzenschutzmitteln, Alkohol und Direktzahlungen

4. Februar 2017

Diese Porzellan-Puppe war das Einzige was Martha mitnehmen konnte, als sie ein paar Jahre später zusammen mit ihrer Mutter das Haus fluchtartig für immer verlassen musste. Ihr Vater schlug jeweils unter Alkoholeinfluss zu, zertrümmerte Möbel und traf auch die Mutter. Foto 1917.

Diese Porzellan-Puppe war das Einzige was Martha mitnehmen konnte, als sie ein paar Jahre später zusammen mit ihrer Mutter das Haus fluchtartig für immer verlassen musste. Ihr Vater schlug jeweils unter Alkoholeinfluss zu, zertrümmerte Möbel und traf auch die Mutter. Foto 1917.

Alkohol ist grundsätzlich schädlich. Es gibt keinen „sicheren“ Grenzwert für den Konsum alkoholischer Getränke. Mit einer Stunde Bewegung täglich lassen sich die negativen Auswirkungen dämpfen. Allerdings kann Alkohol die Kreativität fördern und die Stimmung heben. Special Report Alcohol, New Scientist 3.12.16 (auf Anfrage erhältlich bei Heidi heidismist at bluewin.ch).

Zitat aus der Jubiläumsschrift 100 Jahre Alkoholgesetz 1887-1987: „Die schweizerische Alkoholordnung wurde 1885 bis 1887 geschaffen, um dem Elend entgegenzuwirken, das aus dem übermässigen Konsum von Kartoffelbranntwein weiter Bevölkerungskreise entstanden war…“ In seinem Roman Der Immune schreibt Hugo Loetscher: „Der Junge hatte sich anfänglich mit dem gewehrt, was ihm spontan zur Verfügung stand. Er hatte geweint, wenn der Vater betrunken nach Hause kam; er hatte gezittert, wenn dieser nur schon die Arme hob; er hatte gebettelt, gefleht und die Faust gemacht…“

Fragwürdige Förderung von „Alkohol-Pflanzen“

Einen Grund für die staatliche Förderung von Pflanzen, welche der Produktion von alkoholischen Getränken dienen, gibt es also nicht. Und doch unterstützen wir mit Steuergeldern den Rebbau, der grösstenteils der Produktion von Wein dient. Und ausgerechnet die Reben benötigen für ihr Gedeihen besonders viel Pflanzenschutzmittel (PSM): 370 Tonnen pro Jahr, v.a. Fungizide. Bis heute gibt es keine aufgeschlüsselte Statistik über die von den Landwirten verwendeten Pflanzenschutzmittel. Die ausgebrachte Menge in Tonnen sagt kaum etwas aus über die Umweltbelastung. Unter den für die Luftapplikation zugelassen PSM befinden sich zahlreiche sehr schädliche Mittel.

<a href="http://www.agrarbericht.ch/de" target="_blank">Agrarbericht 2016</a>, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Heidi ist keine Spezialistin im Berechnen von Direktzahlungen, aber folgende Beiträge dürften für den Rebbau zutreffen: Versorgungssicherheitsbeiträge/Basisbeitrag 860 Franken pro Hektare und Jahr plus Beitrag für Dauerkulturen 400 Franken; plus Hangbeitrag für Rebflächen 30 bis 50% Neigung 1’500, bei 50% Neigung 3’000 Franken oder Terrassenlagen mit mehr als 30% Neigung 5’000 Franken pro Hektare und Jahr. Direktzahlungsverordnung.
Was hat Wein mit Versorgungssicherheit zu tun? Hat der Bund zu viel Geld?

Unkontrolliertes Spritzen aus dem Helikopter

In Steillagen sei es schwierig zu spritzen, heisst es, weshalb das Ausbringen von Pflanzenschutzmittel mit Helikopter in der Schweiz erlaubt ist. Terrassierte Flächen generieren hier Direktzahlungen von mehr als 6’000 Franken pro Hektare und Jahr.

Doch gespritzt wird aus dem Helikopter nicht nur in Steillagen, das weiss Heidi von Augenzeugen. Ein Leser wurde gar auf einem Campingplatz im Wallis mit Pflanzenschutzmitteln aus der Luft besprüht. Medienberichten ist zu entnehmen, dass man es mit den Pufferstreifen nicht so genau nimmt oder – im Klartext – auch Gewässer, Hecken und was da so unter dem Heli ist mitspritzt. In Zukunft sind zwar bessere Kontrollen vorgesehen, aber der Worte sind viele!

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat im Rahmen der Vernehmlassung zu den Helikopter-Sprühflügen eine nicht abschliessende Liste der für 30 m bzw. 60 m Distanz zu Gebäuden, öffentlichen Areale und privaten Wohnzonen zugelassenen PSM erstellt. Heidi hat sie durchleuchtet und einige Eigenschaften in einer Liste zusammengestellt, Stand 16.3.16: Pflanzenschutzmittel in der Luftapplikation 30 m/60 m.

Pflanzenschutzmittel-Sprühflüge: Massive Lockerung der Abstandsvorschriften zementiert, Heidis Mist 16.9.16.

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Pestizide: Wasserpilze zu wenig geschützt

25. Februar 2015

Laub in Bächen liefert Energie und Nährstoffe für Wasserorganismen. Auch in angrenzende Landökosysteme liefern Bäche viel Energie und Nährstoffe, z.B. über den Schlupf von Insektenlarven, die ihrerseits Futter für Amphibien oder Fledermäuse sind. Das Foto zeigt den Hainbach bei Frankweiler zur Zeit des Laubfalls. Foto: Jochen Zubrod, Universität Koblenz-Landau

Laub in Bächen liefert Energie und Nährstoffe für Wasserorganismen. Auch in angrenzende Landökosysteme liefern Bäche viel Energie und Nährstoffe, z.B. über den Schlupf von Insektenlarven, die ihrerseits Futter für Amphibien oder Fledermäuse sind. Das Foto zeigt den Hainbach bei Frankweiler zur Zeit des Laubfalls. Foto: Jochen Zubrod, Universität Koblenz-Landau

“Gewässer sind häufig stärker belastet als vorhergesagt… Das Verfahren zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in der EU bedarf einer Überarbeitung…“ das forderte die Universität Koblenz-Landau vor mehr als einem Jahr aufgrund einer Studie mit Fungiziden, siehe Pflanzenschutzmittel-Risikobewertung in der EU praxisfern – In der Schweiz? Heidis Mist 12.12.13. Ähnlich alarmierend waren die Resultate einer Insektizid-Studie derselben Universität, siehe Medieninformation vom 8.8.12. Die Prüfung von Pflanzenschutzmitteln ist aufwändig, weshalb sich die Schweizer Zulassungsbehörde grösstenteils auf Angaben der Hersteller und Prüfresultate der EU stützt.

Pilze: Basis der Nahrungskette

Pilze haben in Bachökosystemen die zentrale ökologische Rolle, eingetragenes Laubmaterial „vorzuverdauen“ und dadurch die enthaltene Energie sowie die enthaltenen Nährstoffe für andere Wasserorganismen wie Insektenlarven oder Kleinkrebse verfügbar zu machen. Diese wiederum dienen unter anderem Fischen als Nahrung.

Auch in angrenzende Landökosysteme liefern Bäche Energie und Nährstoffe, beispielsweise über den Schlupf von Insektenlarven, die ihrerseits Futter für Amphibien oder Fledermäuse sind. Werden die an der Basis der Nahrungskette stehenden Pilze gefährdet, kann sich dies daher über die ökologischen Ebenen hinweg auswirken.

Fungizide gefährden Wasserökosystem

In der Landwirtschaft eingesetzte Fungizide gefährden diese Pilze, was weitreichende ökologische Folgen haben könnte. Das zeigen zwei neue Studien des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau. Untersucht wurden synthetische (künstlich erzeugte) Pilzbekämpfungsmittel (Azoxystrobin, Carbendazim, Cyprodinil, Quinoxyfen und Tebuconazol) sowie die anorganischen Fungizide Kupfer und Schwefel, die zu den ältesten Fungiziden zählen; beide werden auch in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt.

Kupfer und Tebuconazol bereits in sehr niedrigen Konzentrationen schädlich

Die Landauer Forscher konnten zum einen zeigen, dass die untersuchten Fungizide Zusammensetzung und Wachstum der Pilzgemeinschaften auf Laub verändern können. Zudem wiesen sie nach, dass besonders Kupfer und Tebuconazol bereits bei sehr niedrigen Konzentrationen die Abbauleistung der Pilze beeinträchtigen. Tebuconazol gehört zu einer Wirkstoffgruppe, die ein Fünftel aller in Europa zugelassenen Fungizide umfasst.

Wirkung von Fungiziden auf Wasserpilze bisher weitestgehend ignoriert

„Die Ergebnisse der Studie zeigen eindeutig, dass die aktuelle Risikobewertung von Fungiziden in Europa Konzentrationen im Gewässer zulässt, die für aquatische Pilze nicht als sicher einzustufen sind“, erklärt Jochen Zubrod, der Erstautor der beiden Studien. „Obwohl aquatische Pilze für Bachökosysteme von grundlegender Bedeutung sind, wurde ihre Beeinflussung durch Fungizide bislang von Wissenschaft wie auch von regulatorischer Seite weitestgehend ignoriert“, so Zubrod weiter.

Neue Testsysteme für PSM-Zulassungsverfahren nötig

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hatte bereits 2013 – als Reaktion auf eine frühere Landauer Studie – vorgeschlagen, geeignetere Testverfahren während des Zulassungsverfahrens von Fungiziden zu nutzen. Bislang ist das aber nicht verpflichtend und wird daher auch nicht praktiziert. Zum Schutze des Gewässerökosystems müssten während des Zulassungsverfahrens für Pilzbekämpfungsmittel zwingend geeignetere Testsysteme zum Einsatz kommen.

EU-Zulassungsverfahren für Fungizide schützt Schlüsselorganismen in Bachökosystemen nicht ausreichend, Medieninformation der Universität Koblenz-Landau vom 25.2.15

Postwendender Kommentar eines Gewässerschützers zur Medieninformation: „Leider interessiert das wirklich Wichtige so gut wie niemanden … Kommt den Leuten offenbar zu kleinfitzelig vor – dabei sind gerade DAS die Lebensgrundlagen.“

Die Studien:

Synthetische Fungizide

Die Studie „Does the current fungicide risk assessment provide sufficient protection for key drivers in aquatic ecosystem functioning?”, Jochen P. Zubrod, Dominic Englert, Alexander Feckler, Natalia Koksharova, Marco Konschak, Rebecca Bundschuh, Nadja Schnetzer, Katja Englert, Ralf Schulz, Mirco Bundschuh wurde publiziert in Environmental Science & Technology. Sie ist online abrufbar unter:
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es5050453

Anorganische Fungizide

Die Studie „Inorganic fungicides as routinely applied in organic and conventional agriculture can increase palatability but reduce microbial decomposition of leaf litter”, Jochen P. Zubrod, Alexander Feckler, Dominic Englert, Natalia Koksharova, Ricki R. Rosenfeldt, Frank Seitz, Ralf Schulz, Mirco Bundschuh wurde publiziert in Journal of Applied Ecology. Sie ist online abrufbar unter:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.12393/abstract

25.2.15 HOME


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