Posts Tagged ‘Gift’

Pestizide: Verlorene Zeit, verlorenes Geld

25. Mai 2015
Vor dem Hauptsitz von Monsanto (für die Region Europa, Afrika und den Mittleren Osten) in Morges VD demonstrierten am Samstag 1600 Personen.  Weitere Demonstrationen fanden in Basel und Bern statt. Copyright PANSWISS. http://panswiss.org/

Vor dem Hauptsitz von Monsanto (für die Region Europa, Afrika und den Mittleren Osten) in Morges VD demonstrierten am Samstag 1600 Personen. Weitere Demonstrationen fanden in Basel und Bern statt. Copyright PANSWISS. http://panswiss.org/

Die Geschichte wiederholt sich: Ein neues Gift gegen Unkraut oder Schädlinge, Hurra! Die Daten sind super, kaum Nebenwirkungen bei korrekter Anwendung, baut sich schnell ab, klammert sich im Boden an Tonmineralien, wird nicht ausgewaschen … Nach Jahren oder Jahrzehnten kommen Zweifel auf. Es wird geforscht: Ach, es schädigt die Krebslein im Bach! Nicht so schlimm, das sieht niemand, und es braucht „richtige“ Beweise … Ein einmal bewilligtes Pflanzenschutzmittel ist nicht so leicht wieder aus der Welt zu schaffen. Der Erfinder und Produzent droht mit Klage, die Bauern jammern …

30 Polizisten schützten das Monsanto-Areal. Copyright PANSWISS.

30 Polizisten schützten das Monsanto-Areal. Copyright PANSWISS.

Ämter und Regierungen warten ab oder ziehen gar falsche Schlüsse aus Studien, wie das Beispiel der Schädigung von Bienen durch Neonicotinoide in Grossbritannien zeigt. Die Forscherin Helen Thompson der Food and Environment Research Agency (Fera) sah (fälschlicherweise oder eher absichtlich?) keine klare Beziehung zwischen Pestizidrückständen und Gesundheit der Bienen; sie hat inzwischen von der Fera zu Syngenta gewechselt! UK drew wrong conclusion from its neonicotinoids study, scientist says, The Guardian, 26.3.15.

Mit Musik gegen Gift. Copyright PANSWISS.

Mit Musik gegen Gift. Copyright PANSWISS.

Der Wunsch der Bevölkerung nach Pestizide-freien Produkten und sauberem Wasser wächst, siehe z.B. Petition Gesundes sauberes Wasser für alle. Angesichts der aktuellen Lage und des drohenden Verbots von Glyphosat hat die chemische Industrie ihre Werbung ausgebaut und eine Informationsplattform aufgeschalten: Pflanzenschützer.ch geht online! 29.4.15. Sie wird von scienceindustries betrieben, dem Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech. Der neueste Artikel: Glyphosat: keine Belege für schädliche Gesundheitsauswirkungen in der Praxis, 19.5.15.

Coop hat Glyphosat bereits aus dem Sortiment genommen, Migros wird in den nächsten Tagen dasselbe tun, siehe Glyphosat: Die Branche reagiert schneller als der Bund, SRF vom 19.5.15. Die Landi verkauft zwar weiterhin Produkte mit Glyphosat, wird sie aber langfristig ebenfalls aus dem Sortiment nehmen. Einmal mehr zeigt sich, dass Zeitzeichen von Nicht-Regierungsstellen gesetzt werden.

Gut bewachte Demonstrantinnen. Copyright PANSWISS.

Gut bewachte Demonstrantinnen. Copyright PANSWISS.

Wie würde unsere Landwirtschaft heute aussehen, wenn konsequent für eine gewässer-, boden- luft-, fauna- und menschenschonende Produktion geforscht worden wäre? Und zwar in der Industrie gleichermassen wie in den von uns Steuerzahlenden finanzierten Institutionen? Viel umweltfreundlicher, meint Heidi, und wir hätten Zeit und Geld gespart. Eigentlich ist die heute weit verbreitete Produktionsweise mit Pestiziden unverständlich, denn die schädlichen Auswirkungen waren schon vor vielen Jahrzehnten bekannt, die mögliche Resistenzbildung gar schon im 19. Jahrhundert (in den USA 1908, siehe San Jose scale > Management, Washington State University).

Organisationen und Private fordern eine Reduktion des Pestizid-Einsatzes, doch der Widerstand ist gross. Was tun? Hartnäckig eine Pestizid-Wende fordern! Nicht nur einen vagen Reduktionsplan.

No comment! Copyright PANSWISS

No comment! Copyright PANSWISS

25.5.15 HOME

Wann werden wir endlich lernen? (2)

3. Dezember 2014
Quelle BAFU. Nicht nur der Wert der verkauften Chemikalien steigt, sondern auch die Vielfalt.

Quelle BAFU. Nicht nur der Wert der verkauften Chemikalien steigt, sondern auch die Vielfalt.

Immer mehr Chemikalien aller Art gelangen in die Umwelt. Während die Wirkung einzelner Pestizide relativ gut untersucht ist, weiss man von den meisten Stoffen nicht, ob sie harmlos oder schädlich sind. Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA (United States Environmental Protection Agency) will dem Abhilfe schaffen mit dem Projekt Tox21. Mit Roboter-Technik sollen Tausende von Chemikalien auf ihre potentielle Toxizität untersucht werden. Das EPA will eine kostengünstige Methode entwickeln, die es erlaubt, jene Chemikalien zu eruieren, welche auf Giftigkeit untersucht werden müssen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass jährlich fünf Millionen Menschen an den Folgen der Aufnahme von Chemikalien, denen sie ausgesetzt sind, sterben (New Scientist 2997 vom 29.11.14).

Endokrine Disruptoren

Besonders bedenklich sind die hormonell wirksamen Stoffe (Endokrine Disruptoren), welche aus den verschiedensten Quellen in die Umwelt gelangen (Haushalt, Pestizide, Industrie…). Die Kosten der Untätigkeit ist der Titel einer Studie der nordischen EU-Regierungen über die Gesundheitskosten, welche Endokrine Disruptoren verursachen, indem sie die männliche Fortpflanzungsorgane schädigen: Krebs, Unfruchtbarkeit oder Hodendystopie.

Je nach Annahme, wie hoch der Anteil der Schäden an den Gesamtkosten dieser Rubrik ist (2, 20 oder 40%), entstehen hochgerechnet auf die EU Kosten von jährlich 60 bis 1’184 Millionen Euro. In diesen Zahlen sind längst nicht alle durch Endokrine Disruptoren verursachte Krankheiten enthalten, hinzu kommen weitere Beeinträchtigungen wie die Schädigung von Wasserlebewesen, Wild- und Nutztieren. Quelle: The Cost of Inaction, Zusammenfassung und Herunterladen der ausführlichen Studie.

Gemäss der WHO und dem Umweltprogramm der Vereinigten Nationen UNEP kennt man bis zu 800 Stoffe, deren endokrine Wirkung nachgewiesen ist oder vermutet wird, nur wenige wurden bisher untersucht (Wikipedia). Der Handlungsbedarf ist gross.

Globaler Megatrend Zunehmende Schadstoffbelastung

Auf der Suche nach Informationen zum Thema ist Heidi auf folgende Seite des Bundesamts für Umwelt gestossen Globaler Megatrend Zunehmende Schadstoffbelastung. Eine Animation zeigt, wie sich ausgewählte Faktoren, die zum Megatrend beitragen, seit 1900 verändert haben. Lange geschieht kaum etwas, dann plötzlich nehmen die Messwerte rasant zu und erreichen in den meisten Fällen 2013 einen Höchststand (Ende der Animation). Die Animation verdeutlicht, dass es ganz unterschiedliche Phänomene sind, die sich verstärken und zusammen einen globalen Megatrend ausmachen.

Stickstoffüberschüsse

Aus der Liste der vielen detaillierten Daten zu den globalen Megatrends hat Heidi die Stickstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft ausgewählt. Stickstoff in unterschiedlicher Form kann gesundheitsschädigend sei; diese Kosten hat wohl noch niemand berechnet. Auch die Schweiz muss sich gewaltig anstrengen, damit die Verluste abnehmen, siehe auch Stickstoff in Landwirtschaft und Umwelt: Eine Herausforderung, Medieninformation Bundesamt für Landwirtschaft vom 11.1.11.

Wann werden wir endlich lernen? Heidis Mist vom 25.6.13

Segen und Fluch des Düngers, Heidis Mist vom 24.5.13

3.12.14 HOME

Bahnhofplatz Landquart: Design verlockt zum Gifteinsatz

16. September 2014

Thomas Mann nannte Landquart in seinem Roman Der Zauberberg „eine windige und wenig einladende Umsteigestation“. Daran hat sich bis heute nichts geändert, ausser die Szenerie. Etwa der Bahnhofplatz. Ein grosser leerer Platz, belegt mit fugenlosem Terraton aus Ziegelbruch der Landquarter Ziegelei.

Zwischen Strasse und Platz wachsen auf einem Betonsockel etwa 20 Bäume, siehe 2. Foto unter Impressionen Ortsteil Landquart, Bahnhof mit Hochhaus Amba; Heidi hat leider noch kein eigenes Foto. Der Boden ist makellos. Und so steril, wie er bei der Einweihung war, so soll er offenbar bleiben. Denken Landschaftsarchitekten über den späteren Unterhalt ihrer Kreationen nach? Eher nicht.

Heidi hätte heute die wenige Zentimeter hohen Pflänzchen nicht beachtet, wäre da nicht ein Arbeiter gewesen. Mit dem Giftfass auf dem Rücken und der Spritze in der Hand war er unter den Bäumen unterwegs, bespritzte sorgsam jedes grüne Fleckchen. Nach getaner Arbeit wusch er sich die Hände am Brunnen, welcher von Fremden kaum als solcher wahrgenommen wird. Verstecktes Wasser, wo doch Touristen heute gerne an einladenden Brunnen ihre Flaschen füllen statt teures Flaschenwasser am Kiosk zu kaufen.

Schon bald werden Kinder auf dem Herbizid-befleckten Boden spielen oder auf vier Beinen herumkrabbeln, Reisende auf dem Betonsockel ihren Picknick verzehren. Wie häufig wird dieser Platz mit Gift versehen?

Auch in Landquart scheint das Herbizid-Verbot auf Plätzen nicht bekannt zu sein, oder es wird einfach ignoriert. Für Projektwettbewerbe und den Bau von Strassen und Plätzen gibt es immer Geld, der Unterhalt aber muss billig sein, auch wenn es auf Kosten des Wassers, der Natur oder der Gesundheit geht.

Mit Gift gegen Unkraut am Strassenrand, Herbizideinsatz einer Prättigauer Gemeinde.

Nachtrag 28.10.14: Das Amt für Natur und Umwelt schrieb heute, dass die Gemeinde Landquart tatsächlich „in Ausnahmefällen Herbizide kleinflächig oder punktuell eingesetzt“ hatte und dass sie künftig öffentliche Plätze ohne den Einsatz von Herbiziden unterhalten und pflegen wird.

Nachtrag 18.10.14: Fotos

Der erhöhte Platz mit den Bäumen auf dem Bahnhofplatz Landquart -  wo Kinder spielen und Durchreisende picknicken - wird mit Herbiziden unkrautfrei gehalten, obwohl dies strengstens verboten ist.

Der erhöhte Platz mit den Bäumen auf dem Bahnhofplatz Landquart – wo Kinder spielen und Durchreisende picknicken – wird mit Herbiziden unkrautfrei gehalten, obwohl dies strengstens verboten ist.

Ein Monat nach dem Gifteinsatz: Hier und da noch Reste der vergifteten Pflanzen.

Ein Monat nach dem Gifteinsatz: Hier und da noch Reste der vergifteten Pflanzen.

 

16.9.14 HOME


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