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Deutschland: Kritischer Agrarbericht 2018 „Globalisierung gestalten“

22. Januar 2018
Copyright: Fabian Melber „Wir haben es satt“.

Copyright: Fabian Melber „Wir haben es satt“.

Zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin präsentierte das AgrarBündnis (Dachverband von 25 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungsarbeit) am 18.1.18 den Kritischen Agrarbericht 2018.  Schwerpunkt dieses umfassenden Jahrbuches ist „Globalisierung gestalten“. Vieles passt auch für die Schweiz, meint Heidi.

Handel sei gut und wichtig, wenn er zu einer besseren Versorgung mit Lebensmitteln beitrage, aber um Ernährungssicherung gehe es auf den Agrarmärkten immer weniger, so Frieder Thomas, Geschäftsführer des AgrarBündnis. Der globale Konkurrenzkampf um Wettbewerbsfähigkeit und die starke Konzentration von Marktmacht in den Händen von Wenigen sei ein Geschäftsmodell, das Mensch, Tier und Natur schädigt – und auch Qualitätsstandards von Lebensmitteln senkt. „Die Exportstrategie hat den deutschen Bauern wenig gebracht.

Die sogenannte Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten bedeutet ruinöse Preise für die meisten heimischen Bäuerinnen und Bauern. Gleichzeitig geraten die stetig steigenden Exporte in Konflikt mit unseren Nachhaltigkeitszielen, sie schädigen die Märkte im globalen Süden und tragen so zur Flucht und Migration massgeblich bei“, so Thomas weiter

Initiativen zugunsten eines fairen Handels seien erfreuliche Entwicklungen; noch aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Notwendig sei eine grundsätzliche Umkehr in der Agrarhandelspolitik, eine Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten und eine Qualitätsstrategie mit Produkten, die umwelt-, tier- und klimafreundlich erzeugt werden. Das biete auch wirtschaftliche Chancen für Bäuerinnen und Bauern – bei uns wie in den Ländern des Südens.

Bäuerliche Leistungen gezielt honorieren, Märkte klug gestalten

Die Organisationen des AgrarBündnisses sprechen sich für eine grundlegende Reform der Europäischen Agrarpolitik aus, die derzeit in Brüssel vorbereitet wird. Bernd Voss von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erläuterte: „Die bisherige pauschale Förderung der EU je Hektar Fläche berücksichtigt nicht, was die einzelnen Betriebe auf ihrer Fläche und in ihren Ställen konkret leisten. In Zukunft müssen alle EU-Zahlungen diese Unterschiede berücksichtigen und einen Anreiz geben für besondere Leistungen für Umwelt-, Natur- und Tierschutz. Hier ist die EU-Kommission weiter als das Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD. Daher ist es wichtig, dass die heute stattfindende Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern eine klare Reformbotschaft nach Brüssel sendet“, so Voss.

Zudem fordert Voss EU-Instrumente zur Vermeidung schwerer Marktkrisen wie im Milchmarkt: „Die EU muss sich trauen, mit branchenfinanzierten Anreizen für eine befristete Begrenzung der Erzeugung zu reagieren, wenn preisdrückende Überschüsse anwachsen. Hätten Milchindustrie und Bundesregierung das bisher nicht verhindert, würden jetzt nicht knapp 400’000 Tonnen Magermilchpulver in EU-Lägern liegen und den Preis mit nach unten ziehen.“

Umbau im Ackerbau ist notwendig

Einen Umbau im Ackerbau forderte der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Die intensive Landwirtschaft in Deutschland verzeichne einen seit 2006 stetig steigenden Pestizideinsatz. „Allein in Deutschland werden zurzeit Jahr für Jahr fast 50’000 Tonnen Pestizidwirkstoffe in der Landwirtschaft eingesetzt und landen dann in Böden und Gewässern. Das hat dramatische Konsequenzen, unter anderem für die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. So hat sich die Biomasse der Fluginsekten um 75 Prozent verringert und die Zahl der Vögel geht zurück, da die Nahrung knapp wird.

Um das Insektensterben zu stoppen und die Artenvielfalt nicht noch weiter zu gefährden, muss die nächste Bundesregierung ein Komplettverbot von Glyphosat und den besonders gefährlichen Neonikotinoiden auf den Weg bringen. Nach dem skandalösen Glyphosat-Alleingang von CSU-Agrarminister Schmidt ist ein nationaler Ausstiegsplan aus der Anwendung des Totalherbizids das Mindeste, was die nächste Bundesregierung liefern muss. Ausserdem muss sich die künftige Regierung endlich zu einem ambitionierten Programm zur generellen Reduzierung des Pestizideinsatzes durchringen“, sagte Weiger.

Tierschutz: Bundesministerium bleibt hinter den Versprechen zurück

„Auch zur Internationalen Grünen Woche 2018 müssen wir feststellen, dass der Tierschutz als eine Abteilung im „Tiernutzerministerium“, dem Bundeslandwirtschaftsminister keine durchgreifende Rolle spielt“, beklagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist mit seinem Aufschlag zum staatlichen Tierwohllabel vor fast einem Jahr gescheitert. Wir können nur dringend dazu raten, den gesamten Prozess und die – wenigen – Ergebnisse neu zu durchdenken.“

Aber auch in anderen Bereichen bleibe das Bundesministerium hinter den Versprechen zurück, so Schröder: Der millionenfache Kükenmord gehe unverändert weiter, es gäbe immer noch keine verbindlichen Vorschriften zur Haltung von Puten und Rindern. Und das Tierschutzgesetz sei weit davon entfernt, als staatszielkonform bezeichnet zu werden. „Wir brauchen ein wirkliches Mehr an Tierschutz in den Ställen. Dazu bedarf es einer nationalen Nutztierstrategie, deren Grundlage die Orientierung am Tierschutz ist und die nicht durch wirtschaftliche Interessen verwässert wird.“ Teile dieser Strategie können und sollten eine sinnvolle Tierschutzkennzeichnung begleiten.

Jungen Landwirten den Einstieg ermöglichen

Clemens Gabriel, Demeter-Junglandwirt und Co-Leiter eines Projektes zur „Existenzgründung und Unternehmensentwicklung“ im Ökologischen Landbau thematisierte die inner- und ausserfamiliäre Hofübergabe. Der Ökologische Landbau stehe wie die Landwirtschaft insgesamt beim Generationenwechsel vor grossen Herausforderungen: „Der Aufbau einer Existenz oder der Quereinstieg in den Öko-Landbau fordern Engagement, Wissen, Willen und eine gute Vorbereitung“, so Gabriel. „Insbesondere ökologisch wirtschaftende Höfe setzen seit vielen Jahrzehnten zukunftsweisende Entwicklungsimpulse in der Pflanzenzüchtung, der Tierhaltung, der Bodenentwicklung sowie in solidarischen Wirtschafts- und Lebensformen.

Wenn wir die innovative Weiterentwicklung des Ökolandbaus nicht gefährden wollen, braucht es für die zukünftige Generation neue Formen der Aus- und Erwachsenenbildung“ sagte Gabriel. Hierbei seien Politik, Bildungseinrichtungen und Verbände gleichermassen gefordert. Es reiche nicht aus, Junglandwirten etwas höhere Fördersätze zu gewähren. Junge und potentielle Betriebsleiter, z.B. auch Quereinsteiger, müssten beim Prozess der Unternehmensgründung besser unterstützt werden.

Bürgerprotest für eine bäuerliche Landwirtschaft

Um einer bäuerlichen Landwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen, sei es gut, die besseren Argumente zu haben; die könne man im Kritischen Agrarbericht finden, so AgrarBündnis-Geschäftsführer Frieder Thomas. Man müsse jedoch nicht nur gut argumentieren, sondern auch in der öffentlichen Diskussion hartnäckig bleiben und zeigen, wie stark der Wunsch nach einer Veränderung in der Gesellschaft verbreitet sei. Deshalb rief das AgrarBündnis auf, sich am 20. Januar 2018 in Berlin an der von über 50 Organisationen der Zivilgesellschaft getragenen Demonstration „Wir haben es satt“ zu beteiligen.

Veith Ulrich, Mag. (FH)Grosses entsteht immer im Kleinen

Ulrich Veith, Bürgermeister der pestizidfreien Gemeinde Mals aus Südtirol, sagte anlässlich von „Wir haben es satt“: „Das Beispiel der Gemeinde Mals zeigt: Es zahlt sich aus, für eine bessere Welt einzustehen. Heute ist Mals frei von chemischen Pestiziden, in einigen Jahren wird es ganz Südtirol sein. Vielleicht zieht Europa mit. Grosses entsteht immer im Kleinen. Jeder einzelne kann, ja muss seinen Beitrag leisten. Weitsicht, Mut und Ausdauer, mehr braucht es nicht.“

Mehr Informationen

Den Kritischen Agrarbericht 2018 – u.a. mit Artikeln des BUND zur europäischen Agrarpolitik, zur Kennzeichnungspflicht tierischer Produkte, zu Glyphosat, zur Agro-Gentechnik und zum Thema Wald wie auch zu Entwicklungen und Trends im Naturschutz – finden Sie unter: www.kritischer-agrarbericht.de

Quelle: Kritischer Agrarbericht 2018: Globalisierung gestalten, Slow Food Deutschland, 22.1.18

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Pestizide: Seid wachsam – wehrt euch!

16. Dezember 2017

Die Zusammenarbeit der Schweizer Behörden mit der Agrarindustrie und den Bauern ist hervorragend, so gedenkt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) mit Doris Leuthard als Vorsteherin des Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), den Anforderungswert von Glyphosat in Oberflächengewässern auf das 3’600-fache zu erhöhen, siehe Vernehmlassung Gewässerschutzverordnung. In mehreren Nachbarländern läuft es etwas anders.

In der EU wurde Glyphosat bisher zwar nicht verboten, aber mehrere Länder planen den Ausstieg. Das ist nach EU-Recht möglich: „Die Zulassung eines Wirkstoffs in der EU bedeutet nur, dass die Mitgliedsstaaten Pflanzenschutzmittel in ihrem Gebiet zulassen können, aber nicht, dass sie das tun müssen.“

Die europäische Bürgerinitiative Stop Glyphosat hatte über eine Million Unterschriften der EU-Kommission übergeben und gefordert Herbizide auf Basis von Glyphosat zu verbieten – ohne Erfolg. Nun will zumindest die EU-Kommission die Zulassungsverfahren Glyphosat-haltige Herbizide reformieren.

Frankreichs Präsident Macron kündigte am Tag der EU-Entscheidung zur Verlängerung der Glyhosat-Zulassung an, dass sein Land innerhalb von drei Jahren Glyphosat-frei sein wird. Luxemburg und Italien meldeten ähnliche Schritte an. Auch in Österreich und Deutschland sind Bestrebungen im Gange, das Herbizid zu verbieten.
ÖVP und FPÖ für nationales Verbot für Glyphosat, orf, 13.12.17.

In Deutschland wird Glyphosat ein Thema in den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD sein. Die Grünen wollen noch dieses Jahr einen Antrag in den Bundestag einbringen. Die Linke ist bereits einen Schritt weiter: Linke fordert Verbot für Glyphosat, Antrag an den Deutschen Bundestag, 12.12.17.

Eine Empfehlung aus dem nahen Ausland:
Liebe Schweizer, seid wachsam – wehrt euch!

Tagesanzeiger vom 9.12.17, Bald ist in Gewässern 3600-mal mehr Glyphosat erlaubt, Stefan Häne

Bauern jubeln, Umweltschützer alarmiert über «Giftcocktails»
Leuthard will Glyphosat-Grenzwert ums 3’600-fache erhöhen, Blick vom 9.12.17

Glyphosat: Änderung der Zulassungsverfahren geplant, Deutschlandfunk vom 13.12.17

Seid wachsam, Reinhard Mey, youtube

Lösungsansätze

Heidi meint, dass es da und dort an Vernunft mangelt. Natur ist halt nichts mehr wert und kranke Menschen und Tiere bringen ebenfalls Gewinn – für die einen. Das können Sie tun?

Lösung Grenzwert-Überschreitungen: Grenzwert erhöhen! Heidis Mist vom 9.12.17

Die perfiden Spielchen mit den Grenzwerten, Heidis Mist vom 10.12.17

Cypermethrin oder der Glaube der Ämter an ihre Anforderungswerte, Heidis Mist vom 14.12.17

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Lösung Grenzwert-Überschreitungen: Grenzwert erhöhen!

9. Dezember 2017
Pestizide? Pestizide sind unsichtbar und Analysen teuer.

Pestizide? Pestizide sind unsichtbar und Analysen teuer.

Was tun, wenn Grenz- bzw. Anforderungswerte regelmässig überschritten werden? Sie erhöhen! Das hat nicht nur in der Schweiz Tradition. Und eine (fadenscheinige) Erklärung dafür gibt es immer. Aktuell: Das Bundesamt für Umwelt schlägt eine Erhöhung des Anforderungswertes von Glyphosat in Gewässern um das 3’600-fache vor. Richtig geschrieben? Richtig gelesen? Ja! Andere Länder handeln zugunsten ihrer Bevölkerung und erwägen ein Verbot von Glyphosat.

„Von der Neuerung ist nicht allein Glyphosat betroffen. Für insgesamt 38 Pestizide soll in oberirdischen Gewässern der aktuelle allgemeine Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht mehr gelten.“ Tagesanzeiger vom 9.12.17, Bald ist in Gewässern 3600-mal mehr Glyphosat erlaubt, Stefan Häne.

Umfrage zum Artikel von Stefan Häne, Tagesanzeiger vom 9.12.17, 20.30 Uhr.

Umfrage zum Artikel von Stefan Häne, Tagesanzeiger vom 9.12.17, 20.30 Uhr.

Es gibt eine einfache Lösung für das Problem

Heidis Lösungsvorschlag: Essen Sie nur noch Bio! Und unterschreiben Sie die Volksinitiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide von Future 3.0. Die Trinkwasser-Initiative ist zwar schon zustande gekommen, sammelt aber noch bis Ende Dezember Unterschriften; eingereicht wird sie am 18.1.18.

Denn, auf die Behörden, welche wir dafür bezahlen, dass sie uns schützen, ist kein Verlass. Das schrieb schon der Klimawandelforscher der ersten Stunde, James Hansen, in seinem Buch Storms of My Grandchildren.

Verordnung des UVEK über die Änderung von Anhang 2 Ziffer 11 Absatz 3 der Gewässerschutzverordnung (GSchV)

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Glyphosat: Vertrauen der Konsumenten bewahren

4. Dezember 2017
Respekt vor den Mitlebewesen: Die Pestizid-Strategie muss hinterfragt werden - zu unserem eigenen Nutzen.

Respekt vor den Mitlebewesen: Die Pestizid-Strategie muss hinterfragt werden – zu unserem eigenen Nutzen.

Viel wurde in letzter Zeit über Glyphosat geredet, geschrieben … einige handelten, ganze EU-Länder bereiten den Ausstieg vor, Bauern vermindern den Einsatz oder verzichten auf den Gebrauch von Glyphosat und Hersteller von Markenprodukten verbieten dieses Unkrautbekämpfungsmittel kurzerhand, z.B. einer der führenden Hersteller von Milchprodukten in Österreich, die „Berglandmilch“.

Chancen nutzen!

Eckehard Niemann schreibt in seinen „AGRAR-HINWEISEN“ vom 4.12.17:

Das EU-Recht gestattet Mitgliedstaaten ausdrücklich, „das Vorsorgeprinzip anzuwenden, wenn wissenschaftliche Ungewissheit besteht, ob die in ihrem Hoheitsgebiet zuzulassenden Pflanzenschutzmittel Gefahren für die Gesundheit von Mensch oder Tier oder die Umwelt bergen“.

… und sieht zwei weitere Chancen:

Chance 1: Die Politik (Deutschland) schafft einen Ausstiegsplan bei der Bildung der nächsten Bundesregierung.

Chance 2: Bürger, die kein Glyphosat in der Nahrung oder in der Natur haben möchten, hören auf, Produkte zu kaufen, die damit hergestellt wurden. Das geht ganz einfach: In der Bio-Landwirtschaft sind Pestizide bis auf wenige Ausnahmen verboten. Die Produkte gibt es nicht nur in Spezialgeschäften, sondern in jedem Supermarkt.

Berglandmilch verbietet Glyphosat, top agrar Österreich, 29.11.17

4.12.17 HOME

 

Der Traum von einer pestizidfreien Schweiz – ein Schmetterlingstraum?

27. Oktober 2017
Fast täglich treffen bei Future 3.0 solche Kisten mit ausgefüllten Unterschriftenbogen ein.

Fast täglich treffen bei Future 3.0 solche Kisten mit ausgefüllten Unterschriftenbogen ein.

Derweil sterben Schmetterlinge, Bienen ... Boden- und Wasserlebewesen. Wir schauen zu und lesen die traurigen Statistiken.

Derweil sterben Schmetterlinge, Bienen … Boden- und Wasserlebewesen. Wir schauen zu und lesen die traurigen Statistiken.

Einst schwärmten viele von der Integrierten Produktion, d.h. Pestizide als letztes Mittel, wenn alle anderen Massnahmen versagen. Davon ist heute wenig zu spüren, denn die Pflanzenschutzmittel sind billig und bequem.

Einst schwärmten viele von der Integrierten Produktion, d.h. Pestizide als letztes Mittel, wenn alle anderen Massnahmen versagen. Davon ist heute wenig zu spüren, denn die Pflanzenschutzmittel sind billig und bequem.

In Bundesbern sinieren Parlementarierinnen und Beamte lieber über Geld- und Goldzuwachs, denn über Biodiversität und sauberes Wasser. Eine nicht zukunftsfähige Strategie!

In Bundesbern sinieren Parlementarierinnen und Beamte lieber über Geld- und Goldzuwachs, denn über Biodiversität und sauberes Wasser. Eine nicht zukunftsfähige Strategie!

In Frankreich sind synthetische Pestizide seit Anfang 2017 in Gärten und Grünflächen, die dem Staat gehören, verboten. Ab 1.1.19 gilt das Verbot auch für Privatgärten. Zudem sind in der Landwirtschaft Bestrebungen im Gange, den Einsatz von Pestiziden massiv einzuschränken, z.B. durch ein Verbot von Glyphosat innerhalb der kommenden fünf Jahre. Zwei Forscher des INRA (Institut national de la recherche agronomique) wiesen bereits 2016 darauf hin, dass die Kosten des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln höher sein könnten als ihr Nutzen. Und vor fünf Jahren haben die französischen Bauern erwirkt, dass Parkinson-Erkrankungen durch Pflanzenschutzmittel als Berufskrankheit anerkannt werden.

Die Initianten der Volksinitiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide (Future 3.0) wollen nicht nur den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft einschränken, sondern auch jenen im öffentlichen Raum und in den Privatgärten. Das Ziel soll durch klare Verbote erreicht werden und Vorgaben für den Import von Nahrungsmitteln. Eine Übergangsfrist von maximal zehn Jahren ist vorgesehen.

Diese Initiative ergänzt somit ideal die Trinkwasser-Initiative, welche auf Freiwilligkeit und Entzug von Direktzahlungen beruht, aber dafür weitere Ziele anstrebt (Antibiotikareduktion, Biodiversitätserhaltung, betriebseigene Futterbasis).

Kollaps der Insektenbiomasse

Der Zusammenbruch der Insektenpopulationen in Europa während der letzten drei Jahrzehnte wurde nun wissenschaftlich nachgewiesen. George Monbiot schrieb am 20.10.17 im Guardian, dass die Auswirkungen der Landwirtschaft schlimmer seien als die Klimaveränderung, ohne aber letztere herunterspielen zu wollen.

Caspar Bijleveld, Direktor des Papiliorama in Kerzers FR, ist sehr beunruhigt über diesen Rückgang der Insektenbiomasse, welchen er seit zwei Jahrzehnten anprangert: „Wird die heutige Entwicklung nicht eingedämmt, werden wir in den nächsten Jahrzehnten noch einmal 75 Prozent der verbliebenen 25 Prozent verlieren. Ein Phänomen, welches sich sogar noch beschleunigen könnte, da durch die immer geringere Populationsdichte die Fortpflanzungsfähigkeit der Insekten zusätzlich vermindert werden könnte.“

Papiliorama unterstützt Future 3.0

Der Verlust der Insekten ist ein point of no return, welchen man sich besser nicht vorstellt. Deshalb engagiert sich Caspar Bijleveld mit der Stiftung Papiliorama für das Zusammentragen von Unterschriften für die Initiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide. Nicht alleine aus Liebe zu den Insekten, sondern vor allem aus Verantwortungsgefühl gegenüber den kommenden Generationen.

Unterschreiben auch Sie!

Während die Trinkwasser-Initiative daran ist, die eingegangenen 100’000 Unterschriften durch zusätzliche 10’000 bis 15’000 zu sichern, hat die Initiative der französisch sprechenden Initianten die Hälfte der Unterschriften beisammen. Es braucht also noch mehr. Heidi ruft Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu auf, Future 3.0 zu unterstützen, am besten durch Ihre Unterschrift und eine Spende. Vielleicht sammeln Sie auch weitere Unterschriften bei Verwandten und Bekannten? Zahlreiche Umweltorganisationen und die Fischer haben bereits dazu aufgerufen, die beiden Volksinitiativen zu unterstützen, wo doch Bern schläft!

Die Schweiz – einst Vorbild in der Umweltschutzgesetzgebung – droht zur eisernen Hüterin der Industrie zu werden. Faule Kompromisse zulasten der Umwelt mehren sich.

Unterschreiben: Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Spenden: Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Manifest der Schweizerinnen und Schweizer, welche die Initiative
«Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide » unterstützen

Unterschreiben: Trinkwasser-Initiative

Spenden: Trinkwasser-Initiative

Jardin: les pesticides «chimiques» interdits dans 2 ans, Le Figaro vom 5.2.17

Frankreich: Parkinson als Berufskrankheit anerkannt, agrarheute vom 16.5.12

Frankreich will Pflanzengift Glyphosat verbieten, Zeit online vom 25.9.17

Kollaps der Insektenbiomasse, Papiliorama

Insectageddon: farming is more catastrophic than climate breakdown, George Monbiot, The Guardian.

Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen? Heidis Mist 23.3.16

Glyphosat: Behörden zaudern – Bürger und IP-Suisse handeln

12. Oktober 2017
Glyphosat siehe Brief des Künstlers! Copyright: Xavier Schmidt, Jussy GE. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum in der Bevölkerung, dass alle Ablaufschächte in eine Abwasserreinigungsanlage (ARA) münden. Entsprechend sorglos wird mancherorts Schmutzwasser in den nächstbesten Schacht entsorgt. Aktion des www.vsa.ch.

Glyphosat siehe Brief des Künstlers! Copyright: Xavier Schmidt, Jussy GE. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum in der Bevölkerung, dass alle Ablaufschächte in eine Abwasserreinigungsanlage (ARA) münden. Entsprechend sorglos wird mancherorts Schmutzwasser in den nächstbesten Schacht entsorgt. Aktion des http://www.vsa.ch.

IP-Suisse verbietet Glyphosat im Label-Getreidebau

Der Druck steige und es seien Alternativen zu Glyphosat verfügbar. Das Verbot tritt auf die Aussaat 2018 in Kraft. Quelle: Bauernzeitung vom 12.10.17. Heidi meint: „Die alternativen Spritzmittel sind teurer und, ob sie harmloser sind, das wissen die Götter!“

Deutscher Umweltminister Wenzel: Bundesregierung muss bei Glyphosat handeln

Osnabrück (dpa) – Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel
(Grüne) hat die Bundesregierung aufgefordert, sich auf EU-Ebene gegen
eine Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels
Glyphosat einzusetzen.

Namhafte Wissenschaftler hatten am Mittwoch im Europäischen Parlament
auf die Krebsgefahr des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat
hingewiesen. Während der Anhörung zu dem umstrittenen
Unkrautvernichtungsmittel bezweifelten auch etliche Redner die
offizielle Einschätzung der EU-Behörden für Lebensmittelsicherheit
(EFSA) und für Chemikalien (ECHA), wonach Glyphosat nicht
krebserregend sei.

EU-Info Deutschland 12.1.17

Nachtrag vom 19.10.17: Schmutzwasser in Schacht geschüttet

Gestern wartete Heidi auf einem Bündner Dorfplatz auf das Postauto. Kaum ein Ort, wo nicht gebaut oder umgebaut wird! Aus einem Umbauhaus trat eine Frau mit einem vollen Kübel auf den Dorfplatz und schüttete das Schmutzwasser in einen Schacht, der dem Ableiten von Niederschlagswasser dient. Sie ging zurück ins Haus und kam wieder mit einem vollen Kübel.

Wer betreibt Aufklärung in dieser Angelegenheit? Manchmal hat Heidi das Gefühl, dass einige Gewässerverschmutzungen auf Unwissen beruhen. Niemand klärt auf! Vielleicht müsste der vsa nicht nur Plaquetten verteilen, sondern eine kurze Medieninformation verfassen und diese Aktion von Zeit zu Zeit wiederholen, wo doch offensichtlich von Beamtenseite nichts kommt.

12.10.17 HOME

Heute in Mals: Buchvorstellung „Das Wunder von Mals“

8. September 2017

Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet

Überall auf der Welt befindet sich die industrielle Landwirtschaft auf dem Vormarsch. Überall? Nein! Ein von unbeugsamen Vintschgern bewohntes Dorf in Südtirol hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Seine Bewohner sind wild entschlossen: Ihr Mals soll die erste pestizidfreie Gemeinde Europas werden.

Bei einer Volksabstimmung entschied sich eine Mehrheit für eine Zukunft ohne Glyphosat & Co. Ein ungleicher Kampf beginnt: hier die 5000-Seelen-Gemeinde, angeführt von einem Dutzend charismatischer Querdenker, dort eine übermächtige Allianz aus Bauernbund, Landesregierung und Agrarindustrie. Alexander Schiebel erzählt in seinem Buch nicht nur die Geschichte dieses Aufstandes, er enthüllt gleichzeitig das Rezept jenes Zaubertrankes, der die mutigen Malser unbesiegbar macht.

Eine Inspirationsquelle für Aufständische in aller Welt – und ein lebendiges Porträt jenes kleinen Dorfes, das sein Schicksal selbst in die Hand nehmen möchte.

Das Wunder von Mals
240 Seiten, oekom verlag München, 2017
ISBN-13: 978-3-96006-014-7
Erscheinungstermin: 04.09.2017

Preis: 19.00 €
Erhältlich als e-Book

Heute, 8.9.17 wird das Buch in Mals/Südtirol um 20 Uhr vorgestellt.

ARTE: Filmvorschau: Leben ohne Ackergift – das unbeugsame Dorf im Vinschgau, Ralph Weihermann, Julian Barth und Alexander Schiebel, 21.9.17 um 19.40 Uhr. WDR und ARD strahlen den Film etwa einen Monat später aus.

Crowdfunding: Der Film „Das Wunder von Mals“ ist noch nicht ganz fertig. Heidi bittet jene, welche bei Heidi eine Gratis-DVD bestellt haben, um Geduld. Finanzielle Unterstützung ist weiterhin möglich! Hier geht’s zum Crowdfunding.

Das Wunder von Mals ist immer unter Heidis Lieblingslinks zu finden.

8.9.17 HOME

Glyphosat beeinflusst die Qualität von Trauben

30. Juni 2017

Erstmals wurde nachgewiesen, dass sich der Einsatz von Glyphosat bei der Unkrautvertilgung in Rebanlagen auf die Qualität des Traubensaftes und auf die Mostfermentation auswirkt. Forscher der Freien Universität Bozen – die Professoren Stefano Cesco (Dekan Fakultät für Naturwissenschaften und Technik), Tanja Mimmo und Matteo Scampicchio – haben Proben von Gewürztraminer-Trauben untersucht. Diese stammten von Reben, in deren Reihen das Unkraut mit Glyphosat bekämpft worden war. Analysiert wurden die Zusammensetzung der Trauben und deren Fermentationsfähigkeit.

Verminderte Fermentationsfähigkeit des Mosts

Der Test wurde mit einem Mikrokalorimeter, durchgeführt. Mit ihm konnten indirekte Auswirkungen von Glyphosat auf den Fermentationsprozess der Trauben nachgewiesen und gezeigt werden, dass die Ausbringung dieses Unkrautvertilgungsmittel die bei der Fermentation (also bei der Transformation von Aminosäuren und Zucker in den Trauben) erzeugte Hitze vermindert.

Die Testergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass der Einsatz von Glyphosat zur Unkrautkontrolle in Rebanlagen Einfluss auf die Qualität der Traube haben und die Fermentationseigenschaften ernsthaft verändern kann. Von der Behandlung betroffen sind vor allem die Aminosäuren und der Zucker in den Trauben.

Veränderte Zusammensetzung des Traubensaftes

Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, weil der Gehalt an Aminosäuren eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung des für Wein typischen Aromas spielt. Dank der isothermen Mikrokalorimetrie und der Beobachtung der Fermentation des Traubensaftes konnten die Forscher der Freien Universität Bozen erstmals nachweisen, dass die beschriebene Veränderung der Zusammensetzung des Traubensaftes zu einer verminderten Fermentationsfähigkeit des Mostes führt.

Übertragung Pflanze-Boden-Pflanze?

Nachdem die Reben selbst nicht direkt in Kontakt mit dem Herbizid gekommen sind, zeigen die Ergebnisse aus agronomischer Sicht zudem die Möglichkeit auf, dass die chemische Verbindung als solche oder in Form von Abbauprodukten (Metaboliten) vom Unkraut (target) auf die Rebe (non target) übertragen wird. Anzunehmen ist ein Übertragungsprozess Pflanze-Boden-Pflanze mit Auswirkungen auf die Qualität der Ernte.

Heidi ist gespannt auf weitere Forschungsprojekte auf diesem Gebiet. Die Wirkung auf das Bodenleben ist kaum erforscht. Es könnten auch Mechanismen im Boden sein, die sich auf die Zusammensetzung des Traubensafts auswirken.

Weitere Informationen, Material und Methoden: Glyphosat – Indirekte Auswirkungen von Glyphosat auf die Mostfermentation, Freie Universität Bozen.

Glyphosat mit Folgen, Tageszeitung, 26.6.17.

Herbizid-Trail auch zur Bündner Alp Spärra

25. Juni 2017
Herbizid bis an den Verstanclabach auf der Alp Spärra 1586 m ü.M.

Herbizid bis an den Verstanclabach auf der Alp Spärra 1586 m ü.M.

Doch nicht so schnell! Steigen wir von der Alp Garfiun auf zur Alp Spärra ...

Doch nicht so schnell! Steigen wir von der Alp Garfiun auf zur Alp Spärra …

... entlang der Verstancla ...

… entlang der Verstancla …

... dem Herbizid-Trail folgend ...

… dem Herbizid-Trail folgend …

... in die Höhe ...

… in die Höhe …

... der Weg wird breiter, auch ohne Wegmarke eindeutig signalisiert ...

… der Weg wird breiter, auch ohne Wegmarke eindeutig signalisiert …

... klar, Blacken müssen auch weg!

… klar, Blacken müssen auch weg!

... viele helle Flecken, auch im Hintergrund ...

… viele helle Flecken, auch im Hintergrund …

... helle Flecken ...

… helle Flecken …

... abgestorbene Pflanzen auch neben dem breiten Weg ...

… abgestorbene Pflanzen auch neben dem breiten Weg …

... abrupter Wechsel von gelb zu dunkelgrün und wieder zu gelb ...

… abrupter Wechsel von gelb zu dunkelgrün und wieder zu gelb …

Da schickt man den Hund wohl besser neben den Weg, wo möglich, oder in die Weide. Heidi nimmt an, dass auch hier die Gemeinde Klosters den Weg mit Glyphosat behandelt hat, wie sie das auf den Wegen zur Bio-Knospe-Alp Pardenn und zu den Alpen Garfiun und Novai getan hat.

Neue Alp-Attraktion: Herbizid-Trail, Heidis Mist 11.6.17.

25.6.17 HOME

Pestizid-Cartoon mit Franziska

21. Juni 2017

Pestizide sind im Moment ein Dauer-Thema in den Medien. Neue Forschungsergebnisse bestätigen die beunruhigende Verschmutzung der Gewässer und des Grundwassers, den Rückgang der Artenvielfalt. Und die zwei Volksinitiativen, welche den Pestizid-Einsatz einschränken sollen, verunsichern. Am liebsten redet man gar nicht darüber oder repetiert unermüdlich die eigenen Wünsche: „Sie haben keine Chance beim Volk.“

Doch ganz totschweigen kann man die Pestizide nicht, denn sie sind allgegenwärtig, z.B. in köstlichen Erdbeeren (Erdbeeren: Ein Pestizid kommt selten allein, saldo 20.6.17), im Trinkwasser (Achtung, Pestizide im Schweizer Trinkwasser, NZZ am Sonntag 17.6.17) usw.

Der Wanderweg auf den Alpen Novai, Garfiun und Pardenn war mit Glyphosat behandelt worden. Gemäss Auskunft der Verantwortlichen der Gemeinde Klosters kennt man den Namen des Mittels nicht. Man beziehe es jeweils von der Gärtnerei, chemisch dürfe man ja nicht mehr. Heidi hat nachgefragt. Die Gemeinde bezieht NUR Glyphosat von besagter Gärtnerei. Glyphosat auf einem Wanderweg in einer Weide mit Kühen, gespritzt von der für den Vollzug verantwortlichen Behörde!!! (Neue Alp-Attraktion: Herbizid-Trail, Heidis Mist 11.6.17).

Wenn es um Pestizid-Informationen geht, dann ist der Tresor der Bewilligungsbehörde des Bundesamts für Landwirtschaft verriegelt. Darf das sein? Oder ist diese Behörde wegen Interessenkonflikte am falschen Ort angesiedelt? „JA, sie ist“, meint Heidi.

Machen Sie’s doch wie die Fischer, unterschreiben Sie beide Volksinitiativen! Die Links finden Sie auf Heidis Mist in der rechten Spalte unter „Aktuell“.

Pestizide im Wasser: Behörden nehmen hohes Risiko in Kauf, SRF Kassensturz 13.6.17.

Pestizide: Kassensturz schweigt Initiative tot, Tobias Tscherrig, Infosperber 18.6.17.

21.6.17 HOME


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