Posts Tagged ‘Graubünden’

Heidis Frühlingsspaziergang mit Klara

30. April 2018
Beim Schloss Marschlins suhlen sich Schweine in der nassen Erdgrube, andere fressen frisches Gras.

Beim Schloss Marschlins suhlen sich Schweine in der nassen Erdgrube, andere fressen frisches Gras.

Klara sehnte sich nach den Bergen. Sie wollte die blühenden Bäume und Wiesen sehen und natürlich die Geissen. Jetzt, wo noch Schnee auf den Gipfeln liegt, ist es besonders schön im Heidiland. Kurzerhand packte sie den Koffer. Fräulein Rottenmeier, noch immer von der Grippe geschwächt, musste zuhause bleiben. Sie legte aber persönlich eine Tüte mit frischen weissen Brötchen für die Grossmutter in Klaras Koffer. Und schon ging’s los. Sebastian brachte Klara zum Bahnhof Frankfurt.

Am ersten Tag nach der Ankunft fuhren Heidi und Klara mit dem Postauto nach Malans, wanderten zum Schloss Marschins und von dort über den Fürstenwald nach Chur. Hoch oben auf der Fürstenalp forschten einst Pioniere der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz. Reorganisationen, die immer kopfloser wurden, haben die Institution geschwächt. Jetzt droht dem renommierten Forschungplatz das Ende: Abbau und Umzug in die Forschungswüste Posieux, weitab von den Zürcher Partnern.

In den Gärten blühte bereits der Flieder. Der Wind nahm Pollen von dunklen Tannen weg und trug sie in die Höhe, wo sie kurze Zeit wie Nebelschwaden vor dem Wald dahinzogen.

In einem Feld lagen Plastikteile, doch wächst bereits Gras drüber. Heidi schrieb am 18.3.18 ausführlich über das Problem: <a href="https://heidismist.wordpress.com/2018/03/18/plastik-im-salat-in-den-erdbeeren/" target="_blank" rel="noopener">Plastik im Salat, in den Erdbeeren ...?</a> Die NZZ stellte am 27.4.18 eine Studie der Universität Bern vor: <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/alarmierender-befund-schweizer-naturschutzgebiete-sind-voll-mikroplastik-ld.1381444" target="_blank" rel="noopener">«Alarmierender Befund»: Schweizer Naturschutzböden sind voll Mikroplastik.</a>

In einem Feld lagen Plastikteile, doch wächst bereits Gras drüber. Heidi schrieb am 18.3.18 ausführlich über das Problem: Plastik im Salat, in den Erdbeeren …? Die NZZ stellte am 27.4.18 eine Studie der Universität Bern vor: «Alarmierender Befund»: Schweizer Naturschutzböden sind voll Mikroplastik.

Nicht weit entfernt vom Acker mit den Plastikteilchen liegt ein grosser Misthaufen.

Nicht weit entfernt vom Acker mit den Plastikteilchen liegt unübersehbar ein langer Misthaufen.

Er sieht ziemlich ausgewaschen aus. Klara: "Da wächst ja schon Gras auf dem Mist."

Er sieht ziemlich ausgewaschen aus. Klara: „Da wächst ja schon Gras auf dem Mist.

Üppig wachsen die Pflanzen rundherum.

Üppig wachsen die Pflanzen rundherum.

Der Hahnenfuss liebt nähr- und stickstoffreiche Böden, die feucht sind. Frisch ist er giftig für das Vieh, als Heu ist er es jedoch nicht. Und in Siloballen?

Der Hahnenfuss liebt nähr- und stickstoffreiche Böden, die feucht sind. Frisch ist er giftig für das Vieh, als Heu ist er es jedoch nicht. Und in Siloballen?

Selten sehen Klara und Heidi blühenden Wiesenkerbel, einen "Güllezeiger" ...

Selten sehen Klara und Heidi blühenden Wiesenkerbel, einen „Güllezeiger“ …

... auch der Löwenzahn mag ein reiches Angebot an Nährstoffen. Er hat die Wiesen bis in hohe Lagen erobert und so viele andere Blütenpflanzen und Gräser verdrängt.

… auch der Löwenzahn mag ein reiches Angebot an Nährstoffen. Er hat die Wiesen bis in hohe Lagen erobert und so viele andere Blütenpflanzen und Gräser verdrängt.

Heidi: "Schau Klara! Seit Jahren liegt das grüne Ding hier im Wald." Klara: "Ob das als Unterkunft für Wildschweine gedacht ist?"

Heidi: „Schau Klara! Seit Jahren liegt das grüne Ding hier im Wald.“ Klara: „Ob das als Unterkunft für Wildschweine gedacht ist?“

Auch im Rebberg: Wie gesät Löwenzahn.

Auch im Rebberg: Wie gesät wächst der Löwenzahn.

Heidi: "Die Unkräuter in den meisten Rebanlagen werden mit Herbiziden bekämpft." Klara: "Bei uns gibt es immer mehr Biobetriebe." Heidi: "Bei uns auch, aber der Bund fördert sie zuwenig, nicht einmal im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel-Risikoreduktion! Das ist eine flaue Angelegenheit. Zum Glück gibt es zwei Volksinitiativen gegen Pestizide, die Druck machen. Gegen den Willen der meisten Bauern erarbeitet das Bundesamt für Landwirtschaft jetzt einen Gegenvorschlag zur Trinkwasser-Initiative. Ich bin gespannt!"

Heidi: „Die Unkräuter in den meisten Rebanlagen werden mit Herbiziden bekämpft.“ Klara: „Bei uns gibt es immer mehr Biobetriebe.“ Heidi: „Bei uns auch, aber der Bund fördert sie zuwenig, nicht einmal im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel-Risikoreduktion! Das ist eine flaue Angelegenheit. Zum Glück gibt es zwei Volksinitiativen gegen Pestizide, die Druck machen. Gegen den Willen der meisten Bauern erarbeitet das Bundesamt für Landwirtschaft jetzt einen Gegenvorschlag zur Trinkwasser-Initiative. Ich bin gespannt!“

Klara: "Wie lange liegt der Mist schon auf der Erde?" Heidi: "Keine Ahnung! Im Hintergrund, hinter den Löwenzahnwiesen, siehst du das Windrad von Haldenstein."

Klara: „Wie lange liegt der Mist schon auf der Erde?“ Heidi: „Keine Ahnung! Im Hintergrund, hinter den Löwenzahnwiesen, siehst du das Windrad von Haldenstein.“

Ein kurzer Weg führt vom gelbumrahmten Bauernhof zum Misthaufen.

Ein kurzer Weg führt vom gelbumrahmten Bauernhof zum Misthaufen.

Nicht weit vom Misthaufen entfernt wird gebaut. Im Hintergrund der Steinbruch der <a href="https://www.holcim.ch/de" target="_blank" rel="noopener">Holcim</a> in Untervaz. Klara: "Wenn das so weitergeht, dann gibt es bald keinen Platz mehr für Mist." Heidi: "Schon möglich!"

Nicht weit vom Misthaufen entfernt wird gebaut. Im Hintergrund der Steinbruch der Holcim in Untervaz. Zement, Kies und Beton sind das Kerngeschäft. Klara: „Wenn das so weitergeht, dann gibt es bald keinen Platz mehr für Mist.“ Heidi: „Schon möglich!“

Ein schöner Weg führt ins nächste Dorf. Auch hier dominiert der Löwenzahn.

Ein schöner Weg führt ins nächste Dorf. Auch hier dominiert der Löwenzahn.

Neben dem Dorfbach ein Abfallkübel mit der Aufschrift: "für eine saubere Gemeinde Trimmis". Klara: <em>"Da müssten sie aber bei den Bauern genauer hinschauen!"</em> Heidi: <em>"Ja, die Gemeinden nehmen die Neubauten ab, mit geschlossenen Augen. Es gibt welche, die merken nicht einmal, wenn die Mistplatte fehlt oder Abwasser in einen Bach fliesst. Subventionen werden deswegen kaum gekürzt, wenigstens im Kanton Graubünden nicht."</em>

Neben dem Dorfbach ein Abfallkübel mit der Aufschrift: „für eine saubere Gemeinde Trimmis“. Klara: „Da müssten sie aber bei den Bauern genauer hinschauen!“ Heidi: „Ja, die Gemeinden nehmen die Neubauten ab, mit geschlossenen Augen. Es gibt welche, die merken nicht einmal, wenn die Mistplatte fehlt oder Abwasser in einen Bach fliesst. Subventionen werden deswegen kaum gekürzt, wenigstens im Kanton Graubünden nicht.“

An schönster Aussichtslage mit Blick auf Chur lagen Geissen im Gras und blickten neugierig auf, als Klara und Heidi am Zaun stehen blieben.

An schönster Aussichtslage mit Blick auf Chur lagen Geissen im Gras und blickten neugierig auf, als Klara und Heidi am Zaun stehen blieben.

Die beiden Spaziergängerinnen hatten die Stadt Chur erreicht, als Heidi plötzlich rief: <em>"Schau, Klara, hier gibt's viele Wiesenblumen. Das Wiesenschaumkraut ist schon in voller Blüte. Peter weiss, wo es noch artenreiche Wiesen gibt, er wird dir welche zeigen. Sie werden immer seltener."</em>

Die beiden Spaziergängerinnen hatten die Stadt Chur erreicht, als Heidi plötzlich rief: „Schau, Klara, hier gibt’s viele Wiesenblumen. Das Wiesenschaumkraut ist schon in voller Blüte. Peter weiss, wo es noch artenreiche Wiesen gibt, er wird dir welche zeigen. Sie werden immer seltener.“

Marlene Dietrich – Sag mir, wo die Blumen sind

youtube

30.4.18 HOME

Neuer Schädling in Graubünden entdeckt: Pthirus reticus constr.

29. April 2018

Die Medien schreiben im Moment fleissig über die in Graubünden entdeckte Lausart Pthirus reticus const. NaNa hat sie gezeichnet, einzelne Exemplare wurden bereits fotografiert. Ob sie auch in anderen Kantonen vorkommt, konnte Heidi nicht herausfinden. Die Online-Zeitung Republik hat ausführlich darüber geschrieben:

Das Kartell, Teil I, Republik vom 25.4.18

Der Whistleblower, Teil II, Republik vom 24.4.18

Die Politik, Teil III, Republik vom 25.4.18

Wer die Geschichte in Kurzform lesen will, hier ist sie bei der Aargauer Zeitung. Die Leser konnten über die folgende Frage abstimmen: Glauben Sie, dass es auch in anderen Branchen illegale Preisabsprachen gibt?“ Resultat: 98% JA!

Was tut die Wettbewerbskommission? Hier finden Sie die Mitglieder und Ihre Interessenverbindungen: Interessenverbindungen Mitglieder WEKO

Bauskandal mit illegalen Preisabsprachen: Läuft es nur in Graubünden so? Aargauer Zeitung vom 27.4.18

29.4.18 HOME

Hindernisse auf dem Weg des Osterhasen (2)

1. April 2018
Hallo Heidi, ich bin gerade im Kanton Schwyz unterwegs. Eigentlich stinkt es mir, hier zu arbeiten, aber die Kinder können ja nichts dafür! Copyright: Osterhase.

Hallo Heidi, ich bin gerade im Kanton Schwyz unterwegs. Eigentlich stinkt es mir, hier zu arbeiten, aber die Kinder können ja nichts dafür! Copyright: Osterhase.

Der Osterhase kennt die Gesetze offensichtlich besser als die Bauern und Behörden in einigen Schweizer Kantonen, v.a. Graubünden, Schwyz, Glarus, aber auch St. Gallen, Zürich … Er hat Heidi ein Selfie mit einem illegal gelagerten Misthaufen geschickt. Es stört ihn, dass er so viele auf seinem Wanderweg antrifft. Im Bündnerland liegt jetzt häufig noch Schnee rundherum.

Der Osterhase: „Heidi, Du meinst doch nicht im Ernst, dass sie die Gesetze nicht kennen? Aber die Beamten schauen einfach weg! Dieser Misthaufen liegt schon seit dem Herbst hier. Ein Kontrolleure sagte mir, dass er Angst habe, die Misthaufen im Feld den Bauern anzukreiden. Angsthase!“

1.4.18 HOME

Aktionsplan Biodiversität mit Lücken: Jagd auf potentiell gefährdete Arten

3. März 2018

Das Alpenschneehuhn und das Birkhuhn sind potentiell gefährdete Arten. Die Vogelwarte Sempach schätzte (2008 bis 2012) den Bestand des Alpenschneehuhns auf 10’000 bis 14’000 Paare, jenen des Birkhuhns auf 7’500 bis 10’000 Paare. Trotzdem dürfen sie geschossen werden.

Die Zahlen der offiziellen Jagdstatistik für 2016.

  • Total in der Schweiz erlegte Schneehühner:
    378, davon 224 im Kanton Graubünden, 96 im Wallis.
  • Total in der Schweiz erlegte Birkhähne:
    402, davon 112 im Kanton Graubünden, 177 im Wallis.

Walliser Kantonsparlament fordert Prüfung der Abschusszahlen

Die Bestände von Schneehuhn und Birkhuhn sind rückläufig. Dennoch sollen sie im Wallis wie bisher bejagt werden. Das schlägt der Staatsrat in seiner Antwort auf ein Postulat dem Walliser Parlament vor. Und weiter heisst es: „Schliesslich generiert die Raufusshühnerjagd insbesondere durch die ausländischen Patentnehmer, welche diese Jagd im Wallis betreiben, rund 75‘000 Franken jährlich. Mit diesen Patenteinnahmen wird ein Teil der Kosten, welche die Wildtierbetreuung der Dienststelle verursachen, gedeckt, und damit der Steuerzahler entlastet.“

Die Initianten des Vorstosses verlangen, dass der Staatsrat die Option einer Abschussreduktion für Birk- und Schneehühner prüft. Die Walliser Jägerschaft hält wenig von dieser Idee. Doch das Kantonsparlament nahm das Postulat mit 83 zu 42 Stimmen an.

Der Köder „Geld“ hat in diesem Fall nicht funktioniert!

Und Graubünden?

Robert Brunold, Präsident Bündner Patentjäger-Verband, sagte 2015 gegenüber SRF: „Die meisten Jäger möchten ein solches Tier (Schneehuhn) ausgestopft für zu Hause haben.“ Bei ebay, ricardo … sind sie für nur 50 bis 130 Euro erhältlich.

Auch im Kanton Graubünden ist die Jagd auf die begehrten Schneehühner und Birkhähne umstritten. Wildschutz Schweiz fordert deshalb in der Initiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd» ein Verbot der Vogeljagd in Graubünden. Im Februar 2015 hat der Bündner Grosse Rat die Sonderjagdinitiative für ungültig erklärt – ihm waren allerdings Informationen vorenthalten worden. Das Bundesgericht kam am 8.11.17 zum Schluss, dass das Bündner Kantonsparlament die Sonderjagdsinitiative nicht für ungültig hätte erklären dürfen. Das Volk wird also das letzte Wort haben.

Für das Amt für Jagd und Fischerei hingegen scheint es keinen Handlungsbedarf zu geben. Aus dem Jahresbericht Jagd 2017 des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden: „Insgesamt kann die jagdliche Nutzung des Niederwildes dank der Jagdplanung als nachhaltig beurteilt werden.“

Projekt Alpenschneehuhn der Vogelwarte Sempach

Zwischen 2000 und 2010 hat der Bestand des Schneehuhn in den Schweizer Alpen stark abgenommen (Wikipedia). Zitat aus den Ergebnissen des Projektes Alpenschneehuhn der Vogelwarte Sempach: „Der hier beobachtete Rückgang des Alpenschneehuhns zusammen mit dem aufgrund der Klimaerwärmung vorausgesagten Schrumpfen des Verbreitungsgebietes ist beunruhigend. Es ist deshalb wichtig, die Gründe für den Bestandsrückgang besser zu verstehen und daraus verschiedene Managementstrategien für die Erhaltung des Alpenschneehuhns in der Schweiz zu entwickeln.“

Alles klar? Es ist höchste Zeit, dass in der Schweiz die Jagd auf diese Vögel verboten wird.

Beschränkung der Jagd auf Birkhuhn und Schneehuhn, Antwort des Walliser Staatsrats auf das Postulat Wolf/Schmid vom 3.8.17

Wallis: Jagd auf Birk- und Schneehühner auf dem Prüfstand, Radio Rottu Oberwallis vom 17.11.17

Bejagung von Schnee- und Birkhühnern nicht mehr zeitgemäss, Medienmitteilung der Walliser Gesellschaft für Wildtierbiologie vom 9.11.17

Regierungsrat gesteht Fehler ein, SRF 6.12.17

Über Sinn und Unsinn der Vogeljagd, SRF 6.10.15

Rote Liste Brutvögel, Stand 2010, Bundesamt für Umwelt

Jagdstatistik Kanton Wallis 2016

Jahresbericht Jagd 2017, Amt für Jagd und Fischerei Graubünden

Alpenschneehuhn und Klimawandel, Projekt Vogelwarte Sempach

Sinnloses Abknallen des bedrohten Alpenschneehuhns, Kurt Marti, Infosperber vom 17.10.15

6.3.18 HOME

Umweltrecht: Schubladisieren von Anzeigen, milde Strafen und nun noch eine Attacke auf den Rechtsstaat!

25. Februar 2018

„A collection of articles in the journal PLOS Biology reveals that there is no reliable safety data on most of the 85,000 synthetic chemicals to which we may be exposed. While hundreds of these chemicals “contaminate the blood and urine of nearly every person tested”, and the volume of materials containing them rises every year, we have no idea what the likely impacts may be, either singly or in combination.“ George Monbiot, System Failure, The Guardian, 24.1.18.

Scharfe Gesetzte, milde Strafen

Das erste Heft 2018 die umwelt des Bundesamt für Umwelt (BAFU) trägt den Titel Tatort Umwelt – Wie die Polizei ermittelt, und wo es schärfere Gesetze braucht.

Zwar müsste das Umweltrecht in der Schweiz verbessert werden, doch gibt es für viele Delikte eine ausreichende Basis für Verurteilungen. Die Strafbehörden tun sich schwer mit den Umweltgesetzen. Mangelnder Wille und fehlende Fachkenntnisse sind die wichtigsten Gründe, welche zur Einstellung von Verfahren führen oder milde Strafen bewirken. Heidi hat das im Kanton Graubünden aus der Nähe beobachtet und selber erlebt. Vergehen von Bauern gegen die Gewässerschutzgesetzgebung werden häufig einfach schubladisiert, etwa mit Beihilfe von Gemeindebehörden.

Die Schweiz auf dem Weg zum Willkür-Staat?

Ein Eckpfeiler des Rechtsstaates ist die Kontrolle der Justiz durch die Öffentlichkeit. Nun will die Rechtskommission des Nationalrates die Möglichkeit der Einsichtnahme durch die Medien massiv beschneiden, und zwar mit 12 zu 8 Stimmen. Das würde bedeuten, dass Journalisten und somit die breite Öffentlichkeit nicht mehr wissen, wenn eine Strafbehörde kein Verfahren eröffnet oder ein Verfahren einstellt. Das wäre ein Schritt vom Rechtsstaat in den Willkür-Staat. Das darf nicht geschehen!

Zu bemerken sei hier, dass in der Schweiz die kritische Justizberichterstattung beinahe inexistent ist. Aber immerhin wurden zahlreiche bedeutende Fälle durch Journalisten aufgedeckt, z.B. die Einstellungsverfügung betr. hoher Schmiergeldzahlungen an die Fifa.

Heute werden je nach Kanton bis zu 98% der Verurteilungen per Strafbefehl erledigt (Tagesanzeiger 19.2.18). All diese Entscheide von StaatsanwältInnen würden also mit Sicherheit im Dunkeln bleiben. Besonders drastisch wären die Auswirkungen im Umweltrecht, wo heute mehr toleriert, denn sanktioniert wird.

Die Parlamentarische Initiative von Jean-Luc Addor wollte noch mehr Dunkelheit in die Justiz bringen

Am 4.5.17 reichte Nationalrat Jean-Luc Addor (SVP) die Parlamentarische Initiative Für eine Öffentlichkeit von Gerichtsurteilen, die den Persönlichkeitsrechten und der Privatsphäre der Parteien besser Rechnung trägt ein. Diese ging der Rechtskommission des Nationalrates dann doch zu weit. Addor zog sie zurück.

„Wegen rassistischer Äusserungen auf Twitter hat das Sittener Bezirksgericht den Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Vor vier Jahren hatte er die Todesstrafe zurückgefordert.“ NZZ vom 17.8.17. Addor setzte sich 2016 für ein liberaleres Waffenrecht ein, 2017 sammelte er Unterschriften für „verhältnismässigere Strafen“ im Strassenverkehr.

Ist die Justiz unabhängig?

Aufgrund ihrer Erfahrungen zweifelt Heidi an der Unabhängigkeit der Schweizer Justiz. Und seid sie weiss, dass Richter einer Partei angehören müssen, um gewählt zu werden, erst recht. Absurd ist auch, dass die Richter ihrer Partei einen Obolus leisten müssen, der mehrere tausend Franken ausmachen kann. Gemäss Infosperber beträgt die durchschnittliche Mandatssteuer der Bundesrichter 20’000 bei den Grüne, 13’000 SP, 7’000 SVP, 3’000 FDP.

Magazin «die umwelt» 1/2018 – Tatort Umwelt, Bundesamt für Umwelt

Wichtige Entscheide der Justiz sollen geheim bleiben, Martin Wilhelm, Tagesanzeiger vom 19.2.18

«Das Vertrauen in die Justiz würde schwinden», 20 minuten vom 20.2.18

17.437 Parlamentarische Initiative Für eine Öffentlichkeit von Gerichtsurteilen, die den Persönlichkeitsrechten und der Privatsphäre der Parteien besser Rechnung trägt, Nationalrat Jean-Luc Addor, SVP vom 4.5.17

Walliser SVP-Nationalrat Addor verurteilt, NZZ vom 17.8.17

Der Rechtsanwalt rechts der Rechten, Aargauerzeitung vom 22.10.15

Darum wollen die Tessiner keine harten Verkehrsstrafen, Blick vom 20.6.17

Schweizer Richter als Mit-Finanzierer der Parteien, Infosperber vom 13.10.17

Bündner Richter kritisiert die Partei-Steuer, Südostschweiz vom 14.11.17

«Die Justiz liebt das Geheimnis», Kritische Justizberichterstattung ist in der Schweiz beinahe inexistent. Die Justiz droht, in ein dunkles Loch zu fallen. Tobias Tscherrig, Infosperber vom 30. Nov 2017

Kostenvorschüsse machen Gerichte zur Klassenjustiz, Urs P. Gasche, Infosperber vom 11.10.17

System Failure, George Monbiot vom 29.1.18, veröffentlicht in The Guardian vom 24.1.18

25.2.18 HOME

Korrektes Lagern von Mist: Widerstand von Ämtern und Bauern

6. August 2017
Vor fast zwei Monaten schrieb Heidi über diesen Misthaufen: "Dieser Mist liegt schon monatelang im Feld, sieht entsprechend ausgewaschen aus. Copyright: Franco W." Franco hat ihn wieder fotografiert. Übrigens: Der Mist befindet sich nicht im Kanton Graubünden!

Vor fast zwei Monaten schrieb Heidi über diesen Misthaufen: „Dieser Mist liegt schon monatelang im Feld, sieht entsprechend ausgewaschen aus. Copyright: Franco W.“ Franco hat ihn wieder fotografiert. Übrigens: Der Mist befindet sich nicht im Kanton Graubünden!

Noch vor sieben Jahren lagen in Heidis Heimat Maienfeld jeweils mehr als 20 riesige Misthaufen ungedeckt monatelang über dem Grundwasser, der Witterung ausgesetzt – eine Verschmutzungsgefahr für das Grundwasser und Düngerverlust. Diese Art der Mistlagerung hat dort Tradition. Vernünftige Bauern, die eine Mistplatte haben, lagern den Mist heute meist korrekt. Andere verweisen auf die kantonale Regelung, die keineswegs derjenigen des Bundes und der EU entspricht und die schon mehrmals vom Bundesamt für Umwelt beanstandet worden ist. Heidi verweist einmal mehr auf ihre Anleitung zur Lagerung von Mist sowie die rechtlichen Vorgaben: Mist-Zwischenlager auf dem Feld.

Da und dort wird der Mist im Feld jetzt gedeckt, etwa im Engadin. Doch entspricht die Art und Weise sowie die Dauer keineswegs den Vorgaben; da nützt das Vlies wenig.

NaNa hat die Situation treffend gezeichnet. Heidi hat diesen Cartoon bereits am 15.6.17 veröffentlicht, doch man kann es nicht genug zeigen: Es mangelt an Vollzug! Immer wieder Misthaufen im Feld!

NaNa hat die Situation treffend gezeichnet. Heidi hat diesen Cartoon bereits am 15.6.17 veröffentlicht, doch man kann es nicht genug zeigen: Es mangelt an Vollzug! Immer wieder Misthaufen im Feld!

Der Ausreden von Bauern und Ämtern sind viele. Zum Beispiel sagte der Leiter eines Innerschweizer Amts für Umwelt: „Dafür haben wir keine Ressourcen. Es gibt Wichtigeres.“ In Heidis Kanton ist das Landwirtschaftsamt für den Gewässerschutz in der Landwirtschaft zuständig, was schon fast alles sagt … und man hat auch dort keine Ressourcen, denn Graubünden „muss“ viele Direktzahlungen verteilen, will keine Abzüge für Gewässerschutzvergehen und hat 18 Landschaftsqualitätsbeiträge zu betreuen. Da bleibt keine Zeit für so „Unwichtiges“ wie Gewässerschutz.

Misthaufen im Feld 2009 – 2017

6.8.17 HOME

Herbizid-Trail auch zur Bündner Alp Spärra

25. Juni 2017
Herbizid bis an den Verstanclabach auf der Alp Spärra 1586 m ü.M.

Herbizid bis an den Verstanclabach auf der Alp Spärra 1586 m ü.M.

Doch nicht so schnell! Steigen wir von der Alp Garfiun auf zur Alp Spärra ...

Doch nicht so schnell! Steigen wir von der Alp Garfiun auf zur Alp Spärra …

... entlang der Verstancla ...

… entlang der Verstancla …

... dem Herbizid-Trail folgend ...

… dem Herbizid-Trail folgend …

... in die Höhe ...

… in die Höhe …

... der Weg wird breiter, auch ohne Wegmarke eindeutig signalisiert ...

… der Weg wird breiter, auch ohne Wegmarke eindeutig signalisiert …

... klar, Blacken müssen auch weg!

… klar, Blacken müssen auch weg!

... viele helle Flecken, auch im Hintergrund ...

… viele helle Flecken, auch im Hintergrund …

... helle Flecken ...

… helle Flecken …

... abgestorbene Pflanzen auch neben dem breiten Weg ...

… abgestorbene Pflanzen auch neben dem breiten Weg …

... abrupter Wechsel von gelb zu dunkelgrün und wieder zu gelb ...

… abrupter Wechsel von gelb zu dunkelgrün und wieder zu gelb …

Da schickt man den Hund wohl besser neben den Weg, wo möglich, oder in die Weide. Heidi nimmt an, dass auch hier die Gemeinde Klosters den Weg mit Glyphosat behandelt hat, wie sie das auf den Wegen zur Bio-Knospe-Alp Pardenn und zu den Alpen Garfiun und Novai getan hat.

Neue Alp-Attraktion: Herbizid-Trail, Heidis Mist 11.6.17.

25.6.17 HOME

Immer wieder Misthaufen im Feld!

15. Juni 2017

„Wann hörst du mit deinen Misthaufen auf, Heidi?“, fragte kürzlich ein Leser. Sie antwortete: „Wenn die Behörden den Vollzug endlich ernst nehmen!“ Immer wieder erhält sie Fotos von Misthaufen, die irgendwo in der Landschaft liegen, monatelang. Mal stammen sie aus Graubünden, mal aus der Innerschweiz, mal … mal sind sie gedeckt, mal nicht … Veröffentlicht haben wollen längst nicht alle „ihren Mist“, denn der Bauer ist oft der Nachbar.

Franco schickte Heidi Fotos zusammen mit der Frage: „Wie lange darf Mist im Felde liegen?“ Der Misthaufen liege – wie er schreibt – schon seit „Menschengedenken“ der Witterung ausgesetzt auf einer Wiese über dem Grundwasser. Gras wächst auf dem Mist.

Lieber Franco, du findest die Angaben zur Lagerung von Mist hier: Mist-Zwischenlager auf dem Feld.

Dieser Mist liegt schon monatelang im Feld, sieht entsprechend ausgewaschen aus. Copyright: Franco W.

Dieser Mist liegt schon monatelang im Feld, sieht entsprechend ausgewaschen aus. Copyright: Franco W.

15.6.17 HOME

 

Leserfotos: Mist im Regen

18. April 2017
Feld, der Witterung ausgesetzt. Copyright Luca B.

Nicht nur in Graubünden liegt Mist monatelang im Feld, der Witterung ausgesetzt. Copyright Luca B.

Wenn der Bauer zuviel Nährstoffe in den Betriebskreislauf einführt, dann stört ihn das Versickern von z.B. Nitrat Richtung Grundwasser nicht. Nachweisen kann man ihm diese Gesetzesübertretung kaum. In Bauernkreisen hört man nicht gerne, dass dies "illegal" ist. Copyright: Luca B.

Wenn der Bauer zuviel Nährstoffe in den Betriebskreislauf einführt, dann stört ihn das Versickern von z.B. Nitrat Richtung Grundwasser nicht. Nachweisen kann man ihm diese Gesetzesübertretung kaum. In Bauernkreisen hört man nicht gerne, dass dies „illegal“ ist. Copyright: Luca B.

Dieser Mist liegt schon lange auf der Wiese! Copyright: Luca B.

Dieser Mist liegt schon lange auf der Wiese! Copyright: Luca B.

18.4.17 HOME

Gewässerverschmutzungen: Von Kavaliersdelikten und Mega-Kavaliersdelikten

26. Oktober 2016

In seinem Postulat „Verschärfung der Strafbestimmungen beim Gewässerschutz“ wies Nationalrat Sauser im März 1963 daraufhin, dass die Strafsanktion „Übertretung“ in Art. 15 des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) von 1955 ungenügend sei (Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung zu einem neuen Gewässerschutzgesetz und Bericht zum Volksbegehren für den Gewässerschutz, 26.8.70). Aus den Vorarbeiten zum GSchG 1971 geht hervor, dass das Gewässerschutzstrafrecht eine starke Waffe im Kampf gegen die gravierendsten Schädigungen der Gewässer hätte sein sollen. So wurden etwa Widerhandlungen neu auf „Vergehensstufe“ geregelt.

Kavaliersdelikt

Die im Rahmen des GSchG 1971 geäusserte Kritik, Gewässerverunreinigungen würden als blosse Kavaliersdelikte behandelt und zu milde bestraft, ist auch heute teilweise noch berechtigt, daran hat das GSchG 1991 wenig geändert. In der Praxis ist der Beitrag der gewässerschutzrechtlichen Strafbestimmungen zu einem wirksamen Vollzug bisher eher bescheiden geblieben. Entscheidend ist vor allem, dass die verhängten Strafen oft zu tief ausfallen; sie betragen häufig nur wenige 100 Franken. Bussen haben vielfach nur symbolischen Charakter.

Einzelne Lichtblicke gibt es. Zum Beispiel haben die Strafbehörden des Kantons St. Gallen schon verschiedentlich Freiheitssrafen ausgesprochen. Wirksamer als die ausgesprochenen Strafen sind häufig die Instrumente „Einziehung von Vermögenswerten“ bzw. „Ersatzforderungen“ nach Art. 70 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB).

Es fehlt also nicht an den Möglichkeiten, welche die Gesetzgebung bietet. Ein Lösungsansatz im Hinblick auf eine Verstärkung des Vollzugs: Das Umweltstrafrecht und damit auch das Gewässerschutzstrafrecht ist ins Hauptstrafrecht aufzunehmen! Das Gewässerschutzstrafrecht ist heute Teil des Nebenstrafrechts, was sich gelegentlich im nur mässigen Engagement der Strafjustiz bemerkbar macht.

Quelle: Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und zum Wasserbaugesetz, Art. 70, Peter Hettich, Luc Jansen & Roland Norer, 2016, Schulthess Verlag.

Hinzu kommt, dass die Strafbehörden häufig wenig von Wasser, Grundwasser und Gewässerschutz verstehen.

Mega-Kavaliersdelikt

Trotz Verbesserungen des gewässerschutzrelevanten Strafrechts kommt es zu unverständlichen Fehlleistungen der Justiz. Es darf nicht sein, dass die Staatsanwaltschaft Verfahren einstellt, wenn klare Widerhandlungen vorliegen, nämlich Straftaten, welche sanktioniert werden müssen, wie kürzlich im Kanton Graubünden geschehen. Hierzulande werden Bauern meist lediglich von der Polizei oder den Ämtern gemahnt, etwa wenn sie Gülle auf Schnee ausbringen oder Mist monatelang im Feld über dem Grundwasser lagern.

Dass auch auf der Ebene der Staatsanwaltschaft schubladisiert wird – und dies bei jahrelangem Einleiten von Hofabwasser in ein Gewässer – das ist für Heidi neu, aber nicht erstaunlich.

Vorschau: Was sagen die JuristInnen zu Art. 70 und 71 des GSchG? Auszüge aus dem Kommentar zum Gewässerschutzgesetz und Wasserbaugesetz.

 26.10.16 HOME


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