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Die Erklärung von Glasgow über die Wälder ist alles andere als „beispiellos“. Sie ist nur eine weitere in einer langen Reihe von bedeutungslosen UN-Erklärungen

6. November 2021
REDD-Monitor

REDD-Monitor

REDD-Monitor (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) untersucht die Widersprüche und Kontroversen, die sich hinter dem verrückten Plan verbergen, weitere Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe durch die Verrechnung mit „vermiedener Entwaldung“ im Globalen Süden zu ermöglichen. Gegründet wurde REDD-Monitor 2008. Mehr als 2’000 Beiträge informieren über Abholzung, Landnahme, Ablasshandel usw.

Heidi hat REDD-Monitor abonniert und dadurch viele Informationen zum Thema erhalten. Chris Lang von REDD-Monitor hat die Geschichte der UN-Walddeklarationen aufbereitet; sie beginnt 1992. Hier ein Auszug aus seinem Beitrag zu COP26.

„Diese Erklärung ist einer der oft wiederholten Versuche, uns glauben zu machen, dass die Abholzung gestoppt und der Wald erhalten werden kann, indem Milliarden von Dollar in das Land und die Gebiete der indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften gesteckt werden. Mehr Geld bedeutet mehr Landraub, Verletzung der Rechte der IPLCs [indigene Völker und lokale Gemeinschaften] und der Frauen sowie ein weiteres Vordringen der Unternehmen in die Wälder. Es ist an der Zeit, den politischen Entscheidungsträgern klarzumachen, dass jede Anstrengung, die Entwaldung zu stoppen und die Wälder zu erhalten, mit der Anerkennung der Rechte der IPLCs und der Frauen beginnen muss und dass die Besitz- und kollektiven Rechte sowie die Verwaltung der Wälder und der Zugang zu den Wäldern für die IPLCs und insbesondere die Frauen sichergestellt werden müssen. Ohne diese strukturellen Veränderungen werden diese Erklärungen immer hohl klingen und nicht nur dazu führen, dass ihre Ziele nicht erreicht werden, sondern auch, dass die Wälder, die biologische Vielfalt und die Gemeinschaften Schaden nehmen.

Greenpeace kritisierte die Walddeklaration von Glasgow als „grünes Licht für ein weiteres Jahrzehnt der Waldzerstörung“. In einer Presseerklärung sagt Carolina Pasquali von Greenpeace Brasilien,

Es gibt einen sehr guten Grund, warum Bolsonaro sich bei der Unterzeichnung dieses neuen Abkommens wohl fühlte. Es erlaubt ein weiteres Jahrzehnt der Waldzerstörung und ist nicht bindend. Währenddessen steht der Amazonas bereits am Abgrund und kann weitere Jahre der Abholzung nicht überleben.

Lesen Sie die vollständige Geschichte hier:

The Glasgow Declaration on Forests is far from “unprecedented”. It’s just another in a long line of meaningless UN declarations. Chris Lang, REDD-Monitar 3.11.21

Heidis zahlreiche Artikel zu Palmöl und Abholzung

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Ein wirksames Instrument für die Pestizidreduktion: Pestizidabgabe!

6. Oktober 2021
Autoren einer Studie zur Pestizid-Abgabe und die unterstützenden NGOs gemeinsam mit der GLS Bank plädieren für die Einführung einer Pestizid-Abgabe für alle chemisch-synthetischen Pestizide.

Autoren einer Studie zur Pestizid-Abgabe und die unterstützenden NGOs gemeinsam mit der GLS Bank plädieren für die Einführung einer Pestizid-Abgabe für alle chemisch-synthetischen Pestizide.

Pestizidabgabe – ein wirksames Instrument für die Pestizidreduktion

Im März 2021 veröffentlichten Stefan Möckel, Erik Gawel & Matthias Liess vom Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Pestizidexperte Lars Neumeister eine Studie, in welcher sie verschiedene Modelle von Abgabenkonzepten untersuchten und die Auswirkungen auf Preise, Absatzmengen, die behandelbare Fläche und das Aufkommen der Abgabe simulierten. Die Ergebnisse zeigten, dass eine klug gestaltete Pestizidabgabe als finanzielles Lenkungsinstrument wesentlich zu der im EU Green Deal geforderten Pestizidreduktion beitragen kann, siehe PAN-Beitrag.

Nun ist die Studie in einer ergänzenden Version in englischer Sprache veröffentlicht worden. Für die englische Version der Studie untersuchten die Autoren zusätzlich die rechtlichen Optionen der EU zur Einführung einer europaweiten Pestizidabgabe und kommen zu dem Schluss, dass dies aufgrund der Zuständigkeiten der EU in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und indirekte Steuern möglich wäre.

Die Autoren und die unterstützenden NGOs gemeinsam mit der GLS Bank plädieren für die Einführung einer Pestizid-Abgabe für alle chemisch-synthetischen Pestizide. Eine risikobasierte Abgabe in der EU würde, so die Autoren, nicht nur die Gefährlichkeit der einzelnen Wirkstoffe, sondern auch ihre Wirkintensität per Kilogramm berücksichtigen. Damit würde dieses Abgabemodell nicht nur die Reduzierung der eingesetzten Pestizidmenge, sondern auch die Reduzierung der Behandlungsintensität auf der Fläche unterstützen.

Wichtig und entscheidend ist, dass mit den Abgabeerlösen die notwendige Transformation der Landwirtschaft und konkret die landwirtschaftlichen Betriebe auf dem Weg hin zu pestizid-freien, nachhaltigen Anbauverfahren unterstützt werden.

PAN Germany erwartet von der nächsten Bundesregierung, das Ziel der Pestizidreduktion in den Koalitionsvertrag zu verankern und als wirksames marktwirtschaftliches Instrument eine risikobasierte Pestizidabgabe einzuführen.

Die vollständige englische Studie und die englische Presseerklärung zur Veröffentlichung der Studie erhalten Sie hier.

Pestizidabgabe – ein wirksames Instrument für die Pestizidreduktion. PAN Germany 5.10.21

Zum Welt-Parkinson-Tag vom 11.4.21

10. April 2021

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Medienmitteilung zum Welt-Parkinson-Tag von Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz (AefU) und Greenpeace Schweiz, Zürich/Basel, 8. April 2021.

Parkinson: Pestizidinitiativen haben Präventivwirkung

Die Inzidenz von Morbus Parkinson nimmt alterskorrigiert stetig zu. Die zweithäufigste neurodegenerative Krankheit kommt bei Beschäftigten in der Landwirtschaft besonders oft vor. Verschiedene Studien zeigen Assoziationen mit Pestiziden. Zum Welt-Parkinson-Tag vom kommenden Sonntag betonen die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) sowie Greenpeace Schweiz, wie wichtig die beiden Pestizidinitiativen für die Gesundheit sind. Sie wenden das Vorsorgeprinzip an und senken das Risiko für Parkinson sowie bestimmte Krebsarten.

Morbus Parkinson, umgangssprachlich auch «Schüttellähmung» genannt, ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In der Schweiz sind rund 15’000 Menschen davon betroffen. Die Krankheit nimmt in allen Alterskategorien und ebenso alterskorrigiert zu. Bis 2040 wird weltweit mit einer Verdoppelung der Patientenzahlen gerechnet. Neben dem Alter spielen dabei Pestizide eine Rolle, also Insektizide, Fungizide und Herbizide.

Pestizide und Morbus Parkinson

Ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Morbus Parkinson und dem Kontakt zu Pestiziden wurde seit langem vermutet. Dies insbesondere bei Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Sie sind dort dem Einfluss von Pestiziden direkt und intensiv ausgesetzt. Im Auftrag des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) hat das Institut für Arbeitsmedizin der Universität Lausanne diese Effekte zusammengefasst. Es schlussfolgert, dass Beschäftigte in der Landwirtschaft mit Kontakt zu Pestiziden ein um über 50% erhöhtes Risiko haben, an einem Morbus Parkinson zu erkranken.

Für AefU-Präsident Dr. med. Bernhard Aufdereggen ist nicht erst seit der Covid-Pandemie klar: «Die Gesundheit von Ökosystemen, Menschen und Tieren hängt eng zusammen (One Health). Bringen wir toxische Substanzen in die Umwelt, gefährden wir auch unsere Gesundheit. Insbesondere Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und mit chemisch-synthetischen Pestiziden konfrontiert sind, haben ein signifikant erhöhtes Risiko an Morbus Parkinson zu erkranken.»

In der Schweiz wenig Forschung und Wissen

Andere Länder zogen daraus Konsequenzen: In Frankreich ist Morbus Parkinson seit 2012 als Berufskrankheit bei Beschäftigen anerkannt, die professionell mit Pestiziden in Kontakt kommen. Zudem gibt es in zahlreichen Ländern Melderegister und Datenbanken zur Erfassung der gesundheitlichen Nebenwirkungen von Pestiziden. In der Schweiz aber sind diese Zusammenhänge kaum erforscht.

Wind und Wasser verbreiten die Pestizide

Chemisch-synthetische Pestizide bleiben nicht dort, wo sie gespritzt werden. Sie sind heute fast überall in den Böden, in Gewässern und in der Luft sowie in Lebensmitteln zu finden. Greenpeace Schweiz und das Umweltinstitut München zeigten in Untersuchungen mit Luftpassivsammlern, dass sich Pestizide stärker und weiter verbreiten als gedacht. Selbst Jahrzehnte nach deren Einsatz: Zum Beispiel konnte das seit 1972 verbotene DDT aktuell immer noch nachgewiesen werden – für Bäuerinnen und Bauern sowie für Anwohnerinnen und Anwohner ein erhebliches Gesundheitsrisiko.

Yves Zenger, Mediensprecher bei Greenpeace Schweiz, sagt: «Insbesondere die orale Aufnahme und das Einatmen der Pestizide dürften bei der Entstehung von Parkinson eine Rolle spielen. Der Kontakt mit den Giften in der Luft ist wie Passivrauchen. Leider kann sich dem niemand entziehen, selbst mit konsequentem Bio-Konsum nicht. Die Pestizide sind einfach da, und wir nehmen sie auf, ohne uns davor schützen zu können.»

2x JA zur Gesundheitsvorsorge am 13. Juni

Vorsorgen ist besser als heilen: Darum sagen die AefU und Greenpeace Schweiz 2x JA zur Trinkwasserinitiative und zur Pestizidinitiative, über die wir am 13. Juni abstimmen. Die Vorlagen schützen Wasser, Boden und Gesundheit. Sie sind aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht nötig. Sie haben eine präventive Wirkung.

AefU und Greenpeace fordern zudem

  • Eine Prüfung, ob Parkinson auch in der Schweiz als Berufskrankheit anerkannt werden muss.
  • Die Untersuchung der gesundheitlichen Konsequenzen für die Anwohnerinnen und Anwohner in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten.
  • Ein Melderegister für mit Pestiziden assoziierte Erkrankungen (bestimmte Krebsarten und neurodegenerative Erkrankungen, insbesondere Parkinson).

Kampagne «Schütze Wasser, Boden und Gesundheit»: 2xja.ch/

Bauer, Gärtner, Parkinson – Die Bedrohung auf dem Land. WDR vom 31.3.21

Daily Poison – ein Buch von Johann G. Zaller. Heidis Mist vom 2.2.21

Warten auf den „Stummen Frühling“? Heidis Mist vom 21.5.18

Der Traum von einer pestizidfreien Schweiz – ein Schmetterlingstraum? Heidis Mist vom 27.10.17

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Katastrophale Megaprojekte zerstören die Lebensgrundlage: Wälder, Klima, Wasser und Boden

5. März 2021

Führende NGOs wie Greenpeace und WALHI schlagen mit einem neuen Bericht Alarm: Bis zu 2 Millionen Hektaren Torf- und Regenwälder könnten dem indonesische «Food Estate Program» zum Opfer fallen. Unter dem Vorwand der Ernährungssicherheit und Hungerbekämpfung soll grossflächig industrielle Landwirtschaft betrieben werden. Führende NGOs kritisieren, dass dieses Programm nur zu mehr Hunger führen wird. Auch mit verheerenden Folgen für die letzten intakten Wälder und das globale Klima. Sie befürchten, dass es zu grossflächigem Landraub durch Unternehmen kommen wird, die einzig an exportorientierten Anbauprodukten interessiert sind und den lokalen Gemeinden ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage entziehen.

Bereits im Oktober 2020 wurde die gesetzliche Grundlage geschaffen, geschützten Wald in Landwirtschaftsland konvertieren zu können. Die verfügbaren Zahlen zu den Projekten sind sehr widersprüchlich, aber die von der Regierung publizierten sehen „Food Estate“-Projekte von 770’000 Hektaren in Zentralkalimantan (Borneo), zwei Millionen Hektaren in Papua (Neuguinea) und 32’000 Hektaren in Nord-Sumatra vor. Weitere Projekte dieser Grössenordnung sind in Planung.

Im Bericht der NGOs steht: Das 1996 initiierte Mega-Reis-Projekt in Kalimantan (Borneo) und das neuere Merauke Integrated Food and Energy Estate (MIFEE) in Papua hatten wenig mit der Ernährung der Indonesier zu tun und alles damit, die Kassen einer kleinen Handvoll korrupter Individuen zu füllen. Das  Nahrungsmittelhilfsprogramm wird von Indonesiens Verteidigungsminister Prabowo Subianto geleitet, der unter Suharto in die Entführung und Folter von 13 pro-demokratischen Aktivist*innen verwickelt war. Er besitzt weite Ländereien auf Kalimantan.

«Statt einer dringend nötigen Agrarreform, damit eine vielfältige auf Subsistenzwirtschaft basierte Landwirtschaft gefördert werden kann, die auch langfristig das bäuerliche Einkommen und die Ernährungssicherheit garantiert, wird auch auf rechtlicher Ebene der grosse Ausverkauf vorbereitet, kritisiert Uniterre-Sekretär Rudi Berli.» Bereits mit dem Omnibus-Gesetz im Herbst 2020 wurden viele Bestimmungen für globale Investoren ausser Kraft gesetzt, die den lokalen Gemeinschaften die Rechte an ihrem gewohnheitsmässigem Land zusichern. Gewichtige Investorengruppen wie Blackstone, Carlyle Group, BlackRock und JPMorgan sollen sich, gemäss dem Report, an den Projekten beteiligen oder mit der Regierung im Gespräch stehen.

Die Forderungen der NGOs

Finanzinstitutionen sollten keine Projekte unterstützen, welche die folgenden Prinzipien ignorieren:

  • Lokale und nationale Regierungen müssen sicherstellen, dass angemessene FPIC-Prozesse1 durchgeführt werden, die den traditionellen Gemeinschaften das volle Recht lassen, über die Nutzung ihres Landes und der traditionell genutzten Ressourcen in Wäldern, Flüssen und anderen Lebensräumen zu entscheiden.
  • Jedes Projekt sollte auf der vollen Anerkennung des traditionellen Landbesitzes basieren, als Mittel zur Sicherung der Ernährungssouveränität und -sicherheit der Menschen, basierend auf lokalem Gewohnheitswissen, und sollte die traditionelle Verwaltung durch die Gemeinschaften fördern.
  • Projekte sollten weder die Umsiedlung von Arbeiter*innen, Bäuerinnen und Bauern von außerhalb der Region fördern noch Transmigrationsprogramme anwenden.
  • Jeder Teil des Projekts sollte in einem transparenten und partizipativen Prozess definiert werden, der alle indigenen Völker und lokalen Gemeinschaften, die direkt und indirekt von den Projektaktivitäten betroffen sind, vollständig einbezieht. Diese Gemeinschaften müssen das volle Recht haben, jedes Projekt abzulehnen, von dem sie glauben, dass es ihre Lebensgrundlage oder ihren Lebensraum negativ beeinflusst.
  • Null-Toleranz gegenüber Gewalt, Vertreibungen, Einschüchterung, unangemessenem Druck oder Korruption sollte die Grundlage für jedes Projekt sein.
  • Keine Umwandlung oder Degradierung von Wäldern mit hohem Erhaltungswert (High Conservation Value Forests, HCV) und anderen Lebensräumen sowie vollständiger Schutz von Wäldern mit hohem Kohlenstoffgehalt (High Carbon Stock, HCS) und Torfgebieten jeglicher Tiefe.
  • Umweltrisikoprüfungen sollten auf transparente Weise unter Einbeziehung potenziell direkt und indirekt betroffener Gemeinden und Stakeholder durchgeführt werden und sollten auch soziale Risiken abdecken.
  • Projekte sollten die ökologische Wiederherstellung und Rehabilitierung von geschädigten und verlorenen Waldund Torfgebieten unter Berücksichtigung des Wissens und der Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften integrieren.

Das Komitee Stop Palmöl unterstützt die Forderungen der NGOs, welche einmal mehr zeigen, dass die Entwicklung in Indonesien nicht Richtung «Nachhaltigkeit» gehen. Im Gegenteil, den Einheimischen und Indigenen droht eine massive Verschlechterung der Besitz- und Ernährungssituation im Interesse weniger Investoren und Oligarchen.

Swallowing Indonesia’s forests, PDF

Referendum Stop Palmöl!

Heidis weitere 79 Artikel über Palmöl

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Heidi empfiehlt: Referendum „Stop Palmöl“ unterschreiben!

16. Februar 2020

In der Regenzeit verwandeln sich Strassen in Indonesien immer wieder in Morast, sind nicht befahrbar. Deshalb kann ein Teil der Palmölernte nicht rechtzeitig in die Mühlen gebracht werden, er verfault. Videos, welche solche Bilder zeigen, sind zahlreich auf youtube.

In der Regenzeit verwandeln sich Strassen in Indonesien immer wieder in Morast, sind nicht befahrbar. Deshalb kann ein Teil der Palmölernte nicht rechtzeitig in die Mühlen gebracht werden, er verfault. Videos, welche solche Bilder zeigen, sind zahlreich auf youtube.

Im Freihandelsabkommen mit Indonesien ist grossartig die Rede von „Nachhaltigkeit“. Unzählige Publikationen zeigen jedoch, dass der Anbau von Palmöl in vielen Punkten zerstörerisch ist und die Rückverfolgbarkeit eine Illusion. Bisher gibt es keine Zeichen für Besserung in naher Zukunft. Weitere Gründe sprechen für eine Unterschrift auf dem Referendumsbogen „Stop Palmöl“, welcher hier erhältlich ist: Stop Palmöl. Und: Sammeln Sie auch Unterschriften bei Ihren Bekannten, an Veranstaltungen …

Nicht nachvollziehbare Lieferketten

Trase (Transparent supply chains for sustainable economies) hat in Zusammenarbeit mit der University of California, Santa Barbara, die Lieferketten untersucht und ist zum Schluss gekommen:

  • Fünf grosse Unternehmensgruppen kontrollieren zwei Drittel der Raffinerien und des Exports.
  • Hunderte von Unternehmen und Unternehmensgruppen besitzen Mühlen und Plantagen, Hundertausende von unabhängigen Kleinbauern tragen zur Produktion bei, die grossen Exporteure kontrollieren jedoch nur einen kleinen Teil der Mühlen und Plantagen.
  • Die Raffinerien müssen daher Palmöl von ausserhalb ihrer eigenen Gruppe beziehen. Palmölversorgungsketten sind aber wegen ihrer Vielfalt und mangelnden Transparenz nur schwer aufzuzeigen.
  • Die Kapazität der Mühlen ist heute mehr als doppelt so gross wie die Produktion. Dies deutet auf grosse Wachstumspläne hin. Dafür sind Neupflanzungen nötig, was ein hohes Risiko für die Wälder ist.

Solange Palmölhändler keine Transparenz gewährleisten können, ist es den Konsumgüterherstellern und -einzelhändlern nicht möglich zu garantieren, dass ihre Lieferungen aus längst abgeholztem Urwald stammen.

Plantagen verändern das Klima – Erträge sinken

In den abgeholzten Gebieten ist die Temperatur gemäss einer Studie um 1,7°C höher als im Urwald, hingegen haben die Niederschläge abgenommen.

Douglas Sheil, Professor an der Norwegian University of Life Sciences sagt: „Die Ölpalme  ist am produktivsten, wenn die Luftfeuchtigkeit das ganze Jahr über konstant ist. Die Bedingungen, die wir sehen, sind tendenziell trockener und weniger gleichmässig, was die Erträge verringert.“

Geringere Erträge könnte die Forderung nach einer weiteren Ausweitung der Ölpalmenplantagen anregen, was zu Lasten von mehr Wald gehen und das Problem verschärfen würde.

Lieferanten führender Unternehmen für Waldbrände verantwortlich

Eine am 4.11.19 veröffentlichte Studie von Greenpeace Malaysia zeigt, dass die führenden Konsumgüterunternehmen Unilever, Mondelez, Nestlé und Procter & Gamble (P & G) sowie führende Palmölhändler wie Wilmar Palmöl von Produzenten kaufen, welche im Zusammenhang mit zahlreichen Bränden in Indonesien stehen. Alle Unternehmen kaufen Palmöl von Plantagen, welche wegen der Brände 2019 untersucht werden und gegen welche wegen der Brände 2015 bis 2018 gerichtliche Schritte eingeleitet wurden.

Mehr als zwei Drittel der Erzeugergemeinschaften, die am häufigsten mit wiederkehrenden Bränden in Verbindung gebracht werden, sind Mitglieder des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Unilever, Mondelez, Nestlé und P & G werden von Palmölproduzenten beliefert, die zwischen 2015 und 2018 für 150’000 bis 190’000 Hektar verbranntes Land angeklagt sind. Wilmar, der weltweit grösste Palmölhändler, bezieht von Produzenten, welche verdächtigt sind, für 8’000 Brandherde im Jahr 2019 verantwortlich zu sein. Ähnlich hoch sind die Zahlen für die übrigen Grossen der Branche.

81% der Plantagen verstossen gegen Vorschriften

Eine Untersuchung der indonesischen Regierung hat ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der im Land betriebenen Ölpalmenplantagen gegen eine Reihe von Vorschriften verstösst. Dazu gehören fehlende Genehmigungen, Eingriffe in Schutzgebiete und die Nichteinhaltung nationaler Nachhaltigkeitsstandards.

Schweizer Palmöl-Netzwerk sucht Nachhaltigkeit

Viele Schweizer Lebensmittelhersteller möchten nicht auf Palmöl verzichten und suchen nachhaltiges Palmöl. Einige haben ein „Palmöl-Netzwerk“ gegründet: Barry Callebaut AG, Coop Genossenschaft, Florin AG, Migros-Genossenschafts-Bund, Nestlé Suisse SA, Nutriswiss AG und Pro Fair Trade AG. Sie wollen das WWF-Label RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) glaubwürdiger machen. Das vom Bundesrat als „nachhaltig“ bezeichnete RSPO soll also „super nachhaltig“ werden.

„Nachhaltiges“ Palmöl aus Kolumbien oder Brasilien?

Bio Suisse glaubt, „die Lösung“ schon gefunden zu haben, denn z.B. COOP setzt auf „nachhaltiges“ Bio-Palmöl. Herkunftsländer für Bio-Knospe-Palmöl sind Kolumbien und Brasilien sowie Madagaskar. Wie genau man bei diesen Herkünften hinschauen darf, wird die Zukunft weisen. Heidi verweist auf ihren Artikel Von Cocain, Palmöl und Raps vom 23.9.15. Die massive Urwaldabholzung in Brasilien muss hier nicht im Detail aufgezeigt werden, denn sie ist regelmässig in den Medien.

Kolumbien: Am 28. Januar 2016 verabschiedete der Präsident Juan Manuel Santos ein umstrittenes Gesetz, das die Bildung von Zonen für ländliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklung (ZIDRES) ermöglichen soll.

Neu für die landwirtschaftliche Produktion erschlossene Naturgebiete sind besonders gut für den Biolandbau geeignet, denn es gibt dort keine Pestizid-Altlast, Bio kann von Anfang an betrieben werden. Daher werden für Bio gerne bisher unberührte Gebiete unter den Pflug genommen, was bereits in den USA zu Kritik führte, ist aber auch in Osteuropa gang und gäbe.

Kritiker wie der Anwalt der Comisión Colombiana de Juristas (CCJ), Jhenifer Mojica, sagte: „Die Zonen, in denen die ZIDRES geplant sind, sind Regionen mit biologischer Vielfalt in denen das Land durch kleinbäuerliche Landwirtschaft mehr oder weniger erhalten wurde. Der Ölpalmenanbau hingegen leitet den Grundwasserspiegel um, verändert die Bodenzusammensetzung und führt Agrochemikalien wie Glyphosat in empfindliche, abgelegene ökologisch wertvolle Gebiete ein.“

In Kolumbien wird sehr viel Regenwald für den Anbau von Ölpalmen vernichtet. Hinter Indonesien, Malaysia und Thailand steht Kolumbien bereits auf Rang vier der Palmöl-produzierenden Länder.

… oder Madagaskar?

Gerne wird auf Afrika ausgewichen, wo auch China grosse Flächen für landwirtschaftliche Produktion erwirbt. Die für Palmölplantagen geeigneten Gebiete weisen eine hohe Artenvielfalt auf, dazu gehören auch Affen. Naturschützer machen sich besonders Sorgen für Afrikas Primaten. In Afrika gibt es fast 200 Affenarten, von denen viele bereits gefährdet sind. In Madagaskar sind 87% der Affenarten vom Aussterben bedroht.

Die Zerstörung von Lebensräumen ist einer der Hauptgründe, weshalb alle Menschenaffen vom Aussterben bedroht sind. Die Einführung von Palmölplantagen in Afrika dürfte den Verlust ihres Lebensraums beschleunigen.

Es gäbe noch viel zu schreiben, aber Heidi macht hier einen Punkt und meint:

„Zu viele PolitikerInnen folgen dem Ruf des Geldes, eingeflüstert von InteressenvertreterInnen. Es wird eng auf der Erde. Wirklich „NACHHALTIGES“ Palmöl zu finden, das dürfte schwierig sein.“

Haben Sie das Referendum „Stop Palmöl“ schon unterschrieben?

Leserbrief vom 16.2.20: Ich fuhr vor etwa 20 Jahren durch Borneo, durch kilometerweite Aschenfelder. Alle ca. 200 Meter wurde ein knapp grüner Baum stehen gelassen, damit die Waldgeister und andere Geister noch einen unbehelligten Rückzug- und Schlafplatz haben … Das ist kein Witz, leider hatte ich auf dieser Reise keine Kamera dabei, aber ich sehe dieses erbärmliche Bild immer noch in meiner Erinnerung. 

Corporate ownership and dominance of Indonesia’s palm oil supply chains. Trase, Auriga, The University of California, Santa Barbara, Januar 2020.

Less rainforest, less rain: A cautionary tale from Borneo. Mongabay 23.4.19

81% of Indonesia’s oil palm plantations flouting regulations, audit finds. Mongabay 25.8.19

Burning down the House: How Unilever and other global brands continue to fuel Indonesia’s fires. Greenpeace Malaysia 4.11.19

Dossier: Palmöl und die Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien. August 2018

Palmöl-Nachhaltigkeit soll geölt werden. alimenta 11.2.20

Nachhaltiges Palmöl. COOP

How Colombia became Latin America’s palm oil powerhouse. Mongabay 31.5.18

Palmöl – das grüne Erdöl, Faszination Regenwald

Palm oil: A new threat to Africa’s monkeys and apes? BBC 14.8.18

Die Nachhaltigkeit im Handelsabkommen mit Indonesien mit besonderem Fokus auf die Regulierung des Palmöl‐Imports. Dr. iur. Elisabeth Bürgi Bonanomi, Rechtsanwältin Senior Research Scientist Dozentin Nachhaltigkeit & Recht Centre for Development and Environment CDE Universität Bern. 15.3.19

Der Palmöl-Boom in Indonesien: Zur PolitischenÖkonomie einer umkämpften Ressource. Alina Brad, transcript Edition Politik 2019, ISBN: 978-3-8394-4757-4

Dossier: Palmöl – ein Alltagsprodukt mit Schattenseiten. Brot für Alle, 3/2017

THE GREAT PALM OIL SCANDAL. LABOUR ABUSES BEHIND BIG BRAND NAMES. Amnesty International 2016

Heidis Artikel über Palmöl

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Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmittel: zahm und wenig wirksam!

17. Dezember 2019

Besonders verwerflich ist der Herbizideinsatz auf Alpen, der gang und gäb ist. Allzu oft kennen die SpritzerInnen nicht einmal die Pflanzen. Hier wurde ein Gelber Enzian bekämpft, der in einigen Kantonen geschützt ist.

Besonders verwerflich ist der Herbizideinsatz auf Alpen, der gang und gäb ist. Allzu oft kennen die SpritzerInnen nicht einmal die Pflanzen. Hier wurde ein Gelber Enzian bekämpft, der in einigen Kantonen geschützt ist.

Kommentar von Vision Landwirtschaft zu den veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Landwirtschaft:

„Über 50 Massnahmen beinhaltet der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundes. Vision Landwirtschaft hat diese scharf kritisiert, da sie praktisch wirkungslos seien. Die jetzt publizierten Pestizid-Verkaufszahlen bestätigen diesen Befund. Herbizide, Fungizide und Pestizide mit besonderem Risikopotenzial haben 2018, also im ersten Jahr, in dem der Aktionsplan richtig greifen sollte, sogar wieder zugelegt.

Lediglich Glyphosat hat 2018 weiter deutlich abgenommen. Das Herbizid wurde einfach durch andere Wirkstoffe ersetzt, die gesamte Verkaufsmenge an Herbiziden stieg sogar leicht an.“

Grafik Verkaufsmengen nach Verwendungszweck

Grafik Verkaufsmengen nach Kategorien

Kritik von Greenpeace in der Bauernzeitung

Wir Schiffbrüchigen: Von Verführung, Wachstum und Geld

6. Oktober 2019

Eigentlich ist alles längst geschrieben oder gesagt. Nur ein paar Stichworte und Links.

Stichworte von NaNa:

  • Wachstumsideologie als Fetisch und Einbahnstrasse
  • Marken- und Werbepsychologie: Wie überlistet man KonsumentInnen
  • Consumer Neuroscience oder: Wie macht man KonsumentInnen dazu noch süchtig
  • Konsumismus und Wegwerfkultur, food waste
  • Sinkende Wertschätzung von Lebensmitteln (Mittel zum Leben) zu Ungunsten der ProduzentInnen

Links von Heidi:

Lassen wir uns verführen?
Zahlen wir den Zukunfts-Preis?

6.10.19 HOME

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Herbizide: Die Stadt Thun spritzt regelmässig ihre Grünflächen

22. September 2019

Mit Herbizid behandelte Spielwiese in Thun. Copyright: Pia

Hallo Heidi

Ich habe gestern endlich einen Spielrasen fotografiert. Obwohl es schon etwas düster war sieht man die abgestorbenen Stellen. Die Stadt Thun spritzt ihre Grünflächen regelmässig mit Herbiziden. Die Sport- und Schulhausrasen dürfen dann 24 Stunden lang nicht betreten werden.

Du schreibst, dass für das Weiden von Rindern eine Wartefrist von zwei Wochen eingehalten werden muss. Reicht ein Tag für Kinder?

Freundliche Grüsse

Pia

Liebe Pia

Wiederbetretungsfristen für Sport-/Spielrasen habe ich im Internet keine gefunden, manchmal einen Verweis auf die Verpackung. Man geht davon aus, dass der Spritzbelag eingetrocknet sein muss, dann ist das Betreten mit Schuhen und Kleidung wahrscheinlich kein grosses Risiko. Die Kinder und Sportler essen ja das Gras nicht. Natürlich dauert es viel länger bis das Produkt abgebaut ist. In den USA müssen behandelte Felder mit einem Warnschild versehen werden.

Braucht es überhaupt Herbizide?

Im Rasen-Blog der Firma Hauert steht: „Wenn Sie auf den Einsatz von Unkrautvernichtern in Ihrem Rasen verzichten wollen, erfolgt die beste Vorbeugung gegen Unkräuter mit einer der Nutzung angepassten Düngung. Durch eine angepasste Düngung können Sie die Rasengräser optimal entwickeln und sind dadurch viel konkurrenzstärker als die Unkräuter.“ Diese Ansicht teile ich.

In Frankreich ist der Pestizideinsatz auf öffentlichen Flächen seit 1.1.17 verboten. Ein Video zeigt wie das so genannte „Lois Labbé“ kontrolliert wird: Contrôle loi Labbé des inspecteurs de l’environnement de l’Agence française pour la biodiversité. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser!

In Italien versuchen bereits 70 Gemeinden pestizidfrei zu werden. Das betrifft nicht nur die öffentlichen Anlagen, sondern auch die Landwirtschaft. Berühmtestes Beispiel ist die Gemeinde Mals im Südtirol.

In Deutschland und Österreich gibt es zahlreiche Initiativen für pestizdfreie öffentliche Räume. So fand am 9./10.9.19 die 2. Fachtagung „Die pestizidfreie Kommune“ statt. Ziel der Veranstaltung ist gemäss Deutschem Umweltbundesamt, weitere Kommunen über die Möglichkeiten zu informieren, künftig auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten.

Und in der Schweiz? Auf freiwilliger Basis geben sich einzelne Gemeinden Mühe, den Pestizideinsatz einzuschränken, aber gesamtschweizerisch kann im Moment nur die Volksinitiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide eine wirkliche Veränderung herbeiführen. Im Rahmen der Kampagne „Food For Life“ von Greenpeace Schweiz haben Freiwillige im Herbst 2015 ihre Gemeinden bezüglich der Verwendung von Glyphosat und anderen chemischen Pestiziden befragt. Die ausgewerteten Ergebnisse wurden in eine interaktive Karte eingebettet und sind auf Meine pestizidfreie Gemeinde abrufbar. Die Angaben beschränken sich auf Gemeinden in den Kantonen Genf, Waadt und Zürich, Veränderungen in den letzten vier Jahren sind nicht berücksichtigt.

Weil in vielen Köpfen noch immer Bequemlichkeit und Wirtschaftlichkeit vor Umwelt und Biodiversität stehen, ist ohne gesetzliche Regelung und Kontrolle in der nahen Zukunft wenig Herbizidverzicht im öffentlichen Raum zu erwarten.

Du kannst ja Möchte-gern-PolitikerInnen zum Thema befragen und ihnen nahelegen, die Stadt Thun pestizidfrei zu machen, auch im Sinne der Tourismusförderung.

Herzliche Grüsse

Heidi

Die beste Zeit für die Bekämpfung von Unkräutern im Rasen, Hauert Rasen-Blog 27.4.17

2. Fachtagung „Die pestizidfreie Kommune“ vom 9./10.9.19, Deutsches Bundesumweltamt

Contrôle loi Labbé des inspecteurs de l’environnement de l’Agence française pour la biodiversité, youtube vom 1.4.19

Un esercito di Comuni dice no ai pesticidi, Il sole 24 ore, 7.9.19

Der Malser Weg

22.9.19 HOME

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Ein erster Schritt ist getan: Bund will schädliches Pestizid verbieten

12. Juni 2019

Medieninformation von Greenpeace und WWF vom 12.6.19:

Nach langem hin und her hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) endlich entschieden, alle zwölf Bewilligungen für Pestizide mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl zu widerrufen. Die Behörde hat Greenpeace Schweiz und WWF Schweiz entsprechend informiert. Die beiden Umweltorganisationen hatten sich jahrelang für ein Verbot von Chlorpyrifos eingesetzt. Das in der Landwirtschaft eingesetzte Gift kann bei Embryonen und Kleinkindern das Gehirn schädigen. Und es ist für Insekten, Vögel und Wassertiere hochtoxisch. Der Entscheid ist zu begrüssen. Doch er reicht bei weitem nicht aus: Nun müssen weitere besonders problematische Pestizide aus dem Verkehr gezogen werden.

Dieser Schritt war längst überfällig: Das BLW hat endlich entschieden, alle von ihm erteilten zwölf Bewilligungen für Insektizide mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl zu widerrufen. Demnach müssen neun dieser Pestizide unverzüglich vom Markt genommen werden, drei weitere dürfen noch während zwölf Monaten verkauft werden. Landwirtinnen und Landwirte dürfen vorhandene Lagerbestände während zwölf Monaten aufbrauchen. Vom Rückzug betroffen sind total 26 Produkte. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Die betroffenen Firmen haben 30 Tage Zeit für eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht.

Alltägliches Gift in der Landwirtschaft

Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl wurden in den 1960er-Jahren auf den Markt gebracht. Sie zählen weltweit bis heute zu den am häufigsten eingesetzten Insektiziden. Damit wurden während Jahrzehnten unter anderem Kartoffeln, Gemüse, Beeren und Weintrauben gespritzt. In der Schweiz wurden die Wirkstoffe in den letzten fünf Jahren in Mengen von 10‘000 bis 15‘000 Kilogramm pro Jahr in die Umwelt gebracht.

Die wissenschaftlichen Grundlagen sind unbestreitbar: Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl haben eine ähnliche Struktur wie gewisse chemische Kampfstoffe (Nervengase). Sie sind äusserst giftig für Vögel, Säugetiere, Fische, Amphibien, Insekten und namentlich auch alle Arten von Bienen und Hummeln. Die Wirkstoffe töten zudem das Leben im Boden und schädigen unsere eigene Ernährungsgrundlage. Dazu kommt, dass die Stoffe sehr gefährlich für den Menschen sind: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass der Wirkstoff während einer Schwangerschaft zu Hirnschäden beim ungeborenen Kind führen kann.

Entscheid ist richtig, reicht aber bei weitem nicht

Die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF Schweiz haben sich für das Verbot von Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl eingesetzt. Sie haben gefordert, dass sämtliche Pestizide mit den beiden hochgefährlichen Wirkstoffen nicht mehr in die Umwelt ausgebracht und unverzüglich vom Markt genommen werden. Der Rückzug ist richtig und zu begrüssen. «Die Aufbrauchfrist von einem Jahr ist allerdings unnötig und angesichts der Toxizität der Substanzen nicht nachvollziehbar», sagt Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft von WWF Schweiz.

«Auch nach diesem Verbot sind Dutzende von vergleichbaren hochgiftigen Pestiziden frei zugänglich für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und Unterhaltsdienste» sagt Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace Schweiz. Auch diese verursachen das Insekten- und Vogelsterben mit, gefährden die Bodenfruchtbarkeit und sind giftig für den Menschen. Greenpeace und WWF Schweiz fordern ein konsequentes Verbot solcher Pestizide.

Nachtrag: Wenn in mehreren Medienberichten zur Information von Greenpeace und WWF ein Pestizid-sprühender Helikopter abgebildet wurde, dann ist dies eine schlechte Bildwahl, denn Chlorpyrifos darf gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLW NICHT aus der Luft appliziert werden.

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Trinkwasserinitiative: Wer glaubt unserem Bundesrat?

10. Mai 2019

Vieles wurde schon geschrieben über die zweifelhafte Haltung unseres Bundesrates gegenüber der Trinkwasserinitiative (TWI). Einmal mehr sagt ein Bild von NaNa mehr als tausend Worte.

Trinkwasserinitiative: Falschinformationen von Bundesrat und Hochschule, Vision Landwirtschaft vom 7.5.19: „Ein heute publiziertes Rechtsgutachten ist brisant. Es kommt zum Schluss, dass der Bundesrat in seiner Botschaft zur Trinkwasserinitiative (TWI) tendenziös und fehlerhaft Stellung bezogen habe, zum Nachteil der Initiative. Die Fehlinformationen ziehen bereits weitere Kreise. Die landwirtschaftliche Fachhochschule HAFL publizierte heute für die Anti-TWI-Kampagne des Bauernverbandes eine Studie, die auf den Fehlinterpretationen des Bundesrates aufbaut. Ein stossendes Beispiel dafür, wie sich Bundesbehörden und Wissenschaft von der Agrarlobby für eine Gängelung des Stimmbürgers einspannen lassen …“

Trinkwasserschutz: Die Zeichen der Zeit erkennen, Aqua & Gas vom 7.5.19: „Heute sind zwei Studien über die Auswirkung der Trinkwasserinitiative (TWI) erschienen: zum einen ein Gutachten mit dem Titel «Hintergrund und Tragweite der Trinkwasserinitiative» im Auftrag des Verbandes Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA und des Schweizerischen Fischerei-Verbandes SFV, zum anderen eine Studie der Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL zu den Auswirkungen der Trinkwasserinitiative im Auftrag des Schweizer Bauernverbandes SBV …“

Medienkommentar: Bundesrat und Bauernverband mit Fake News gegen die Trinkwasserinitiative, Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace Schweiz, 7.5.19: :
«Das ist ein stossendes Beispiel für die Verfilzung von Agrarindustrie und Politik. Anstatt die drängenden Probleme der Schweizer Landwirtschaft – die zu hohen Tierzahlen sowie der übermässig hohe Pestizideinsatz – endlich anzugehen, beschwört der Bauernverband Horrorszenarien, die auf komplett unrealistischen Annahmen beruhen. Mit solchen Fake News schadet er der Glaubwürdigkeit der Agrarforschung und beleidigt die Tausenden von Bäuerinnen und Bauern, die bereits heute so produzieren, wie es die Trinkwasserinitiative fordert.»

Der Bauernverband spielt sich bei Pestiziden ins Offside, Medienmitteilung Schweizerischer Fischerei-Verband (SFV) vom 11.5.19: „Die Trinkwasserinitiative ist kein „Eigentor“, wie der Schweizer Bauernverband behauptet. Im Gegenteil: Der Bauernverband spielt sich ins Offside, weil er mit einem Totalverbot der Pestizide droht und bewusst den möglichen Spielraum bei der Umsetzung der Initiative unterschlägt. Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) widerspricht.“

Rechtsgutachten von VSA und SFV

HAFL-Studie

Botschaft des Bundesrates zur Trinkwasserinitiative

Wer hat Angst vor der Trinkwasserinitiative? Heidi nicht!

10.5.19 HOME

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