Posts Tagged ‘Grenzwert’

St. Doris – Rückblick mit Cartoons von NaNa

16. Dezember 2018

Unsere abtretende Bundesrätin und Umweltministerin Doris Leuthard hat NaNa immer wieder zum Zeichnen inspiriert. Bilder sagen mehr als tausend Worte … Doris zum Letzten:

FDP-Politiker überraschen mit Forderung im Beznau-Streit: Das AKW Beznau 1 sei erdbebensicher, sagt die Atomaufsicht des Bundes. Diese Einschätzung ist umstritten. Nun verlangen auch Atombefürworter Klarheit. Tages Anzeiger vom 19.3.18

Breite Front gegen «Lex Beznau»: Wie viel Radioaktivität darf ein AKW bei einem schweren Erdbeben freisetzen? Der Vorschlag des Bundesrats fällt durch – bei Kantonen, Städten und in Deutschland. Tages Anzeiger vom 5.6.18

Doris Leuthard und ihr Abschiedsgeschenk an die Axpo. Wie viel Strahlenbelastung ist zu viel? Damit Beznau nicht vom Netz gehen muss, will die Bundesrätin den Grenzwert heute sehr hoch anlegen. Tages Anzeiger vom 7.12.18

NaNa 9.11.17: Die SES Energiestiftung informiert über die seltsamen Kalkulationen in der Kostenstudie 2016 des AKW-Betreiber-Verbandes. Es geht um die Höhe der Beiträge in den staatlichen Entsorgungsfonds. Das UVEK muss nächstes Jahr die Höhe der Beiträge absegnen und wird sich auf diese Zahlen stützen. Die Mängel in der Studie werden auf der homepage der SES aufgelistet, klar ist jedenfalls, dass Kosten und Risiken weggerechnet werden und die Betreiber belohnt werden, wenn die Nagra möglichst langsam arbeitet.

CEO von AXPO: Andrew Walo, CEO von ALPIQ: Jasmin Staiblin.
Das wusste man schon bei Kaiseraugst, 1975: die enormen Kosten (Bau und Rückbau, Lagerstätten) und Risiken werden garantiert sozialisiert werden: wir Bünzlis werden alle zahlen, während die Aktionäre (auch div. Kantone und Städte) und Funktionäre solange wie möglich kassieren.

Stilllegungs- und Entsorgungsfonds: SES fordert höhere Beiträge. Schweizerische Energie-Stiftung SES

Heidi hat noch Andrew Walo gesucht und bei Bloomberg sein Gehalt gefunden:

Die Umweltministerin zur Mobilität

„… Wie bei Schiene und Strasse müssen wir auch in der Luft Schritt halten mit den Mobilitätsbedürfnissen der Gesellschaft und der Wirtschaft. Davon hängt unser Wohlstand ab…“

Da reibt sich Heidi die Augen. Hat sie falsch gelesen? Wikipedia: „… Umweltorganisationen kritisieren die steuerlichen Vorteile, die der Luftverkehr geniesst, insbesondere unter Berücksichtigung der massiven Umweltauswirkungen. Das Umweltbundesamt (Deutschland) bezifferte die Steuerausfälle (2010) auf 11,5 Milliarden Euro jährlich. Der Flächenbedarf von Flughäfen ist lokal sehr gross und führt häufig zu Bürgerprotesten (siehe z. B. Flughafenausbaugegner Frankfurt)…“

Doris Leuthard: «Wir müssen zu unseren Landesflughäfen Sorge tragen», NZZ vom 14.12.18

Doris Leuthard in schon veröffentlichten Cartoons

Grenzwerte erhöhen – beliebtes Spiel der Mächtigen: Wo der Einzelne nur an sich denkt, wird die Gesamtheit nimmer vorwärtskommen.
Jakob Bosshart, 1862 – 1924. Heidis Mist vom 8.3.18

Heidi Band 3: Heidi will es wissen. Heidis Mist vom 6.1.18

Pestizide: Seid wachsam – wehrt euch!  Heidis Mist vom 16.12.17

Insektensterben: Das Dornröschen schläft. Heidis Mist vom 11.11.17

Heidi dankt an dieser Stelle NaNa für ihre schönen Zeichnungen, Hinweise … und freut sich schon auf weitere …

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Grenzwerte erhöhen – beliebtes Spiel der Mächtigen

8. März 2018

Drei Geschäfte, zufällig alle aus dem Zuständigkeitsbereich des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), Vorsteherin: Bundesrätin Doris Leuthard.

Wo der Einzelne nur an sich denkt, wird die Gesamtheit nimmer vorwärtskommen.
Jakob Bosshart, 1862 – 1924

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Alpkäse – Naturprodukt ohne Wenn und Aber?

19. Juli 2015
Unkrautbekämpfung mit einem selektiven Herbizid auf einer Alp. Das ist ein "überflüssiger" Gifteinsatz, denn eine angepasster Nutzung und Weidepflege sind nachhaltig im ursprünglichen Sinn dieses Unworts.

Unkrautbekämpfung mit einem selektiven Herbizid auf einer Alp. Das ist ein „überflüssiger“ Gifteinsatz, denn eine angepasster Nutzung und Weidepflege sind nachhaltig im ursprünglichen Sinn dieses Unworts.

Kurz bevor Milchkühe auf eine Alpweide getrieben wurden, nahm ein Leser das obige Foto von der Wirkung eines selektiven Herbizids auf. Seine Frage an Heidi: „Gibt es Studien über Herbizid-Rückstände in der Milch, respektive in Milch-Produkten oder Fleisch? Den blöden Spruch ‚ist wie Bio‚ mag ich nicht mehr hören. Ich kaufe nur noch Alpkäse, der auf Bioalpen hergestellt wurde, also ohne Herbizide! Unerwünschte Pflanzen auf einer Alp können problemlos mit der Sense oder dem Motormäher unter Kontrolle gehalten werden. Sogar Brennnesseln werden mit Herbiziden abgespritzt, dabei ist das eine wertvolle Futterpflanze und wird vom Vieh gerne gefressen, wenn sie angewelkt oder trocken sind!“

Vorerst sei festgehalten, dass eine Wartefrist einzuhalten ist. Für die Beweidung mit Milchkühen sind das drei Wochen bei Einzelpflanzenbehandlung mit z.B. Ally Tabs, siehe Ally Tabs im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft.

Heidi kennt keine Studien über Rückstände in Milch und Käse. Schlagzeilen aber macht immer wieder Muttermilch, die mit Umweltgiften verschmutzt ist. Das wahrscheinlich krebserregende Herbizid Glyphosat wurde in Deutschland in Muttermilch nachgewiesen, siehe Herbizid in der der Muttermilch? Badische Zeitung vom 27.6.15. Auch wenn auf Alpen die verspritzte Herbizid-Menge in der Regel klein sein dürfte, zeigt die Studie, dass solche Gifte in die Milch gelangen können.

Grenzwerte haben die Schweizer Behörden keine eigenen festgelegt, sondern die Verordnung des EDI über Fremd- und Inhaltsstoffe in Lebensmitteln verweist für den Wirkstoff von Ally Tabs, also für Metsulfuron-methyl, auf die EU-Gesetzgebung; dort findet man den Grenzwert für Fleisch und Milch von 0,01 mg/kg.

Willi Gut, Lehrer und Berater am Landwirtschaftliches Bildungs- und Beratungszentrum (LBBZ) Schluechthof Zug schreibt im Merkblatt Blacken im April und September bekämpfen: „…Eine sichere Bekämpfung ist immer noch das Ausstechen mit dem Blackeneisen, falls die Wurzeln 15 cm tief ausgestochen werden. In tieferen Schichten hat die Blackenwurzel keine Knospen mehr. Zudem hat man bei der biologischen Bekämpfungsvariante keine Wartefristen einzuhalten…“

Daniel Siegenthaler erklärt wie er das Adlerfarn bekämpft. Aus dem Film "Von Älplern für Älpler" - Extensive Bewirtschaftung lohnt sich, Forschungsprogramm AlpFUTUR. Copyright: Patricia Fry.

Daniel Siegenthaler erklärt wie er das Adlerfarn bekämpft. Aus dem Film „Von Älplern für Älpler“ – Extensive Bewirtschaftung lohnt sich, Forschungsprogramm AlpFUTUR. Copyright: Patricia Fry.

Zur Bewirtschaftung einer Alp ist viel Know-how nötig. Im Rahmen des Forschungsprogramms AlpFUTUR sind drei Kurzfilme zur Bewirtschaftung und Pflege von Sömmerungsweiden entstanden. Die Filme sind auf Youtube und als DVD mit deutschen, französischen, italienischen und englischen Untertiteln erhältlich. Im Film „Von Älplern für Älpler“ – Extensive Bewirtschaftung lohnt sich ist auch die Unkrautbekämpfung ein Thema: *Wehret den Anfängen! …“, sagt der Bauer und erklärt wie er das macht. Unkrautbekämpfung darf nicht isoliert betrachtet werden, die ganze Bewirtschaftung muss stimmen. Man lernt auch die positive Rolle der Brennesseln auf Alpweiden kennen. Der 17-minütige Film zeigt wie die Familie Siegenthaler (Alp Windbruch, Schangnau BE) ihren Bergbetrieb nachhaltig führt und Freude daran hat. Freude, die ansteckt.

Unkrautprobleme sind ein Zeichen für vernachlässigte Weidepflege oder Bewirtschaftungsfehler. Spätestens mit den neuen höheren Alpungsbeiträgen ist es möglich, jemanden für die mechanische Unkrautbekämpfung anzustellen. Lägerfluren vor Ställen hingegen sind „normal“. Früher wurden die Blackenblätter auf Alpen mit Milchproduktion sogar in Fässern siliert und später im Sommer, wenn nicht mehr so viel Schotte anfiel, den Schweinen verfüttert.

Copyright: Walter Dietl

Copyright: Walter Dietl

Wenn es um Alpweiden geht, dann kommt man nicht um den Top-Spezialisten herum. Darum zum Schluss noch ein Link zu Alpweide – Ihre Pflege und Nutzung, Walter Dietl, Zalp.

Pflanzenwelt der Wiesen und Alpweiden, Homepage von Walter Dietl mit Hinweis auf die 4. Auflage seines erfolgreichen Buches „Wiesen- und Alpenpflanzen“.

Heidi meint: „Die Berglandwirte erhalten immer mehr Direktzahlungen. Es wäre an der Zeit, den Einsatz von Herbiziden auf Alpen zu verbieten.“ Der Alpöhi nickt zustimmend.

19.7.15 HOME

Jubiläum: 5 Jahre Heidis Mist

15. Mai 2015
Jahr für Jahr liegt Mist monatelang ungedeckt am Wanderweg, welcher von Landquart durch die Rohan-Schanze nach Malans führt. Was würde wohl Henri Duc de Rohan dazu sagen, “der gute Herzog”, der die Burgundertraube in die Bündner Herrschaft gebracht hatte? https://heidismist.wordpress.com/2010/06/01/rohan-schanze-neu-entdeckt/

Jahr für Jahr liegt Mist monatelang ungedeckt am Wanderweg, welcher von Landquart durch die Rohan-Schanze nach Malans führt. Was würde wohl Henri Duc de Rohan dazu sagen, “der gute Herzog”, der die Burgundertraube in die Bündner Herrschaft gebracht hatte? https://heidismist.wordpress.com/2010/06/01/rohan-schanze-neu-entdeckt/

Im Frühling 2010 informierte Heidi den zuständigen Beamten des Amts für Natur und Umwelt in Chur über die mehr als 20 riesigen Misthaufen, welche auf nur 2 km2 Fläche im Gewässerschutzbereich rund um Maienfeld im Feld lagen. Die Bauern hatten den Mist zum Teil schon vor Monaten dorthin gebracht, vom Stall direkt aufs Feld. Ungedeckt lag er da, der Witterung ausgesetzt, und die Haufen wurden immer länger. Doch der Beamte sah keinen Handlungsbedarf, verwies stattdessen auf die (nicht gesetzeskonforme) Bündner Wegleitung. Am 7.3.10 – es blies ein eisiger Wind, die Kamera verweigerte immer wieder ihren Dienst – fotografierte Heidi die Misthaufen und schickte die Fotos nach Chur. Erfolglos!

Nach einer langen Trockenperiode begann es wie aus Kübeln zu regnen. Tropfen hämmerten auf Blech … und Heidi „hörte“ quasi Nitrat ins Grundwasser tropfen. Kurz entschlossen setzte sie sich an den Computer, richtete innert eines Tages einen WordPress-Blog ein, nannte ihn Heidis Mist und schrieb den ersten Artikel Miststöcke im Heidiland. Das war am 15.5.10. Was sie damals noch nicht wusste, das ist: Das Lagern von Mist im Feld hat im Churer Rheintal (usw.) Tradition, und nicht alle Bauern bauen einen Stall UND eine Mistplatte.

Was als kurzzeitiges Engagement gedacht war, ist zu einer regelrechten Daueraufgabe geworden: Der Schutz des Wassers vor Verschmutzungen. Heidi ist nicht die Einzige, die sich dafür einsetzt, aber es braucht viele MitstreiterInnen.

Wer näher hinschaut, merkt schnell, dass der Gewässerschutz in der Landwirtschaft keine einfache Aufgabe ist. Verantwortung wird wie eine heisse Kartoffel herumgereicht bzw. auf Hierarchie-Stufen hinunter geschoben, welche oft weder gewillt, noch kompetent sind, die Aufgaben anzupacken, und auch nicht über die nötigen Ressourcen verfügen. Da und dort werden handlungswillige Beamte zurückgepfiffen, entlassen oder so schikaniert, dass sie das Handtuch werfen. Da und dort helfen Beamte den Bauern beim Gewässerverschmutzen. Es wird viel geredet, geforscht und geschrieben, doch es mangelt am Willen vieler EntscheidungsträgerInnen, den Vollzug der (gar nicht so schlechten) Gesetze einzufordern bzw. neue Gesetze zu schaffen, wenn die Umstände dies erfordern.

SSieben Wochen nach dem ersten Foto sah der Mist in der Rohan-Schanze ziemlich verwaschen aus. Pilze haben einen guten Nährboden gefunden.

Sieben Wochen nach dem ersten Foto sah der Mist in der Rohan-Schanze ziemlich verwaschen aus. Pilze haben einen guten Nährboden gefunden.

Es ist eben schon so, dass diejenigen, die wir dafür bezahlen (Steuergelder), damit sie uns schützen, im Lobbying-Sumpf stecken, „Nettigkeiten“ austauschen, bestenfalls zanken, Gewinnträchtigeres anpacken, sich auf die nächste Wahl vorbereiten, statt Probleme wahrzunehmen und zu lösen. Erst wenn der Druck von unten zu stark wird, organisieren sie mit grossem Brimborium endlose Debatten und versprechen das Blaue vom Himmel, obwohl sie oft genug nicht gewillt sind, dem Blauen auch zum Durchbruch zu verhelfen.

Wenn es um das Wasser geht, meint Heidi, dann muss das Ziel sein: So sauber wie nur möglich. Vorbeugender Gewässerschutz ist zentral. Grenzwerte sind ein verführerischer Zauberstab für Nicht-Handlungs-Willige. Sie pochen auf den Grenzwerten, die (noch) nicht erreicht sind, obwohl Grenzwerte mehr auf Annahmen basieren, denn auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie werden immer wieder gerade dann erhöht, wenn sie oft überschritten werden. Unter den Tisch gewischt wird, dass über die Wirkung von Giftmischungen überhaupt keine verlässlichen Daten vorhanden sind; entsprechende Forschung würde Unsummen kosten.

Das Grundwasser ist ein träges System, falls es einmal grossräumig arg verschmutzt sein sollte, dann wird die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser schwierig. Und die Flüsse im Wasserschloss Europas? Man stelle sich vor: Die Konzentration vieler Stoffe im Wasser knapp unter dem Grenzwert. Was würden unsere Nachbarn sagen, welche das Wasser „übernehmen“ müssen?

Weil es viele Leute braucht, die sich um den Gewässerschutz kümmern, wird Heidi auch nach dem heutigen Jubiläumstag weitermachen, damit auch in Zukunft 40% des Schweizer Trinkwassers ohne jede Aufbereitung direkt aus dem Grundwasser ins Leitungsnetz eingespeist werden können und es den Lebewesen in den Bächen wohl ist.

Heidi dankt ihren Leserinnen und Lesern für die Treue und Motivation und WordPress für die Unterstützung und Gratulation. Übrigens, die Abo-Zahl ist im vergangenen Jahr um 39,5% gestiegen: Prost (mit sauberem Hahnenwasser)!

Der Mist liegt heute noch in der Rohan-Schanze, d.h. seit mindestens neun Wochen. Wie lange noch?

Der Mist liegt heute noch in der Rohan-Schanze, d.h. seit mindestens neun Wochen. Wie lange noch?

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Umweltgifte: Little Things Matter

15. März 2015
Schon extrem kleine Giftmengen können die Entwicklung des Gehirns schädigen, dies mit dauerhaften Folgen.

Schon extrem kleine Giftmengen können die Entwicklung des Gehirns schädigen, dies mit dauerhaften Folgen.

Wir können uns nicht auf jene Leute verlassen, die wir dafür bezahlen, dass sie uns schützen; wir müssen uns selber informieren und aktiv werden. Ein aktuelles Beispiel aus dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). „Nota bene: Das ist nicht die Stellungnahme des Lobbyverbandes Scienceindustries, sondern der BAG-Sektion Risikobeurteilung.“ schreibt Kurt Marti am Schluss seines Artikels Hormonaktive Stoffe: 150 Milliarden Folgekosten im Infosperber vom 15.3.15. Scienceindustries ist der Schweizer Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech.

Die Dosis macht das Gift (Paracelsus). Die Mischung macht das Gift (Heidi). Es sind nicht nur die hormonaktiven Stoffe, Pestizide usw., welche unsere Gesundheit bedrohen. Wir sind unzähligen schädlichen Substanzen ausgesetzt. Auch wenn die Dosis klein ist, heisst das noch lange nicht, dass die Stoffe uns keinen Schaden zufügen. Medikamente zirkulieren im Körper ebenfalls in sehr kleinen Mengen/Konzentrationen, doch sie wirken trotzdem.

Besonders empfindlich reagiert das sich entwickelnde Gehirn auf Toxine. Nach 30 Jahren Forschung kommt Bruce Lanphere, Professor an der Simon Fracer University in Kanada, zum Schluss, dass auch kleine Dinge zählen. Schon extrem kleine Giftmengen sind eine Gefahr für die Entwicklung des Gehirns, was sich auf das ganze Leben auswirkt.

Es gibt für Toxine keinen sicheren Grenzwert.

Es gibt für Toxine keinen sicheren Grenzwert.

Die Art und Weise wie Gifte reguliert würden – mit Grenzwerten – schütze Kinder nicht, sagt Langphere. Die Chemische Industrie argumentiere, dass der Einfluss von Giften auf Kinder gering sei, aber das sei irreführend. Schon kleine IQ-Veränderungen hätten einen grossen Einfluss auf die Anzahl der sehr begabten Kinder und jene der weniger begabten nehme entsprechend zu.

In Kanada und den USA werden Chemikalien in Konsumgütern verwendet und in die Umwelt freigesetzt bevor sie auf schädliche Wirkungen untersucht sind. Man müsse von der Industrie eine Unbedenklichkeitsprüfung verlangen, bevor die Produkte auf den Markt kommen, analog zur EU. Heidis LeserInnen wissen, dass dies auch in der EU (und der Schweiz) wegen des Industrie-Lobbyings nicht zufriedenstellend funktioniert.

Das Video Little Things Matter ist ein Musterbeispiel von Forschungskommunikation. Das allein ist es wert, den Film anzuschauen: Little Things Matter: The Impact of Toxins on the Developing Brain, Canadian Environmental Health Atlas. Ein zweites Video zeigt den Einfluss von Blei und Tabak.

Wissenschaftliche Publikation: The Impact of Toxins on the Developing Brain, Bruce P. Lanphear, Annu. Rev. Public Health 2015. 36:18.1–18.20. Version vom 12.1.15, definitive Online-Version am 18.3.15, Print 21.4.15.

Was ist zu tun? 90% unserer Pestizid-Belastung stammt aus den Lebensmitteln, also gibt es diesbezüglich nur eine Lösung: Bio-Produkte kaufen. Wann merken unsere Politiker, dass nur Bio-Bauern Subventionen erhalten sollten? Die landwirtschaftliche Forschung hätte, so meint Heidi, schon längst wirksame Kupfer-Ersatzmittel gefunden, wenn sie nur auf das Ziel Bioland Schweiz hinarbeiten würde. Hier noch Empfehlungen von Bruce Lanphere:

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Zuviel Nitrat im Grundwasser: Deutschland und die Schweiz

15. Januar 2015
In der Schweiz enthält das Grundwasser an 15 bis 20% der Messstellen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) zuviel Nitrat. Im Ackerbaugebiet sind es gar 50%.

In der Schweiz enthält das Grundwasser an 15 bis 20% der Messstellen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) zuviel Nitrat. Im Ackerbaugebiet sind es gar 50%.

“Die zu hohen Stickstoffverbindungen sind eines der grossen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit”, leitet der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen sein am 14. Januar vorgestelltes über 560 Seiten starkes Gutachten mit dem Titel “Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem” ein. Zitat aus Nitrate: Wenn die Politik wartet, müssen Natur und Wasserkunden bezahlen, Bericht von Siegfried Gendries, Lebensraum Wasser, 14.1.15. Zeit Online titelte Landwirtschaft. Im Düngewahn. Bericht des Sachverständigenrats für Umweltfragen, Kurzfassung sowie detaillierter Bericht.

Und wie sieht es in der Schweiz aus? Wir profitieren davon, dass viel relativ sauberes Wasser aus den Bergen ins Grundwasser sickert und Verschmutzungen verdünnt. Gemäss Agrarbericht 2014 des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), Seite 90, ist der Verbrauch von Stickstoffdünger 2013 leicht gesunken, während der Import von Kraftfutter (ist auch Dünger!) einen Höchststand von einer Million Tonnen erreicht hat.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bewertet den Kernindikator Nitrat im Grundwasser wie folgt:
Bewertung des Zustandes     negativ   negativ
Bewertung Entwicklung     neutral   neutral

Heidi ist gespannt, ob diese optimistische Voraussage sich bewahrheitet. Wie werden die Zahlen des nächsten Agrarberichts aussehen? Hat die Agrarpolitik 2014-17 etwas bewirkt oder bleibt alles beim Alten (wie ein informierter Leser befürchtet)?

Es zeigt sich immer wieder, dass gut gemeinte Massnahmen unerwünschte Effekte zeitigen z.B. das Pilotprojekt des BLW zur Senkung von Ammoniak-Emissionen schafft falsche Anreize. Eveline Dudda hat am 5.1.15 im Infosperber darüber berichtet, siehe Statt Tierbeiträge gibt’s Beiträge pro Kuh. „Paradox: Für Bauern, die Ammoniak-Gase reduzieren, lohnt es sich, möglichst viele Kühe zu halten.“ Bezahlt haben wir Steuerzahlenden bisher 900’000 Franken, das Resultat ist zweifelhaft. Die Einflussfaktoren sind vielfältig der „Anreiz“ fördert zudem den Kraftfutterverbrauch, d.h. im Klartext den Futtermittelimport. Das dürfte zwar nicht das vom BLW angestrebte Ziel sein, jedoch der einfachste Weg für die Bauern, den Harnstoffgehalt in der Milch zu senken.

Eigentlich müsste aber die ganze Kette Dünger-Futterbau-Rationsgestaltung optimiert werden, meint Annelies Bracher von Agroscope Posieux. Die Art und Weise wie nach Milchharnstoff bezahlt wird, entspricht nicht ihren Vorstellungen, denn Bauern die es bis jetzt gut gemacht haben, fallen aus dem Raster. Kommentar von Peter Kunz vom HAFL zum Projekt: „Ich bin der Meinung, das Ganze ist nicht durchdacht.“

Möglichkeiten zur Reduktion von Ammoniakemissionen durch Fütterungsmassnahmen beim Rindvieh (Milchkuh):
Ausführlicher Bericht, Annelies Bracher, SHL (heute: Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL), 3052 Zollikofen und Agroscope
Präsentation an der ALP-Tagung 2011.

Segen und Fluch des Düngers, Heidis Mist vom 24.5.13

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Die Mischung macht das Gift

24. Juli 2014
In der natürlichen Umgebung wirkt ein Umweltgift bereits in Mengen, welche im Laborversuch als unbedenklich erscheinen, weil dort meist weitere  Wirkstoffe vorhanden sind.

In der natürlichen Umgebung wirkt ein Umweltgift bereits in Mengen, welche im Laborversuch als unbedenklich erscheinen, weil in der Natur meist weitere Wirkstoffe vorhanden sind.

Mit Grenzwerten wird die Schädlichkeit von Pestiziden, Schwermetallen usw. bewertet. Die Grenze zwischen unbedenklich und giftig hängt von vielen Faktoren ab. Der Grenzwert ist eine Zahl, welche auf Laborwerten, Annahmen, Erfahrungswerten und auch Politik basiert. Heidi meint, dass Grenzwerte oft als Beruhigungspille vorgeschoben werden, wenn die Behörden handeln müssten.

Die vielen Stoffe, welche die Menschen mit ihrem emsigen Treiben der Umwelt zumuten, wirken zusammen. Sie sind als Mischung schon in Konzentrationen weit unter dem Grenzwert schädlich. Eine von der EU finanzierte Studie bestätigt, dass Stoffe wie Pestizide, Arzneimittel, Phthalate und Schwermetalle als Chemie-Cocktail schon in kleinen Mengen Fische und Frösche schädigen (Quelle: Grünwolf).

„Nach Ansicht der Studienautoren, müsste Europa die Einschätzung von Umweltrisiken durch Cocktaileffekte dringend aktualisieren. Des weiteren sollten Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung von Umweltschäden auch dann umgesetzt werden, wenn einzelne „Giftstoffe“ in scheinbar harmlosen Konzentrationen vorlägen.“ aus: Chemie-Cocktail: Schon geringe Dosis schädigt Fische und Frösche, Agrarheute.com vom 21.7.14.

Und – was machen die Schweizer Behörden?

Paracelsus sagte „Allein die Menge macht das Gift“. Dieser Auspruch, häufig missbraucht, stimmt auch heute noch. Doch wenn mehrere Stoffe zusammentreffen kann die Wirkung markant anders sein. So enthält vielerorts selbst das Trinkwasser, mit welchem Medikamente eingenommen werden, Schadstoffe wie Pestizide, Antibiotika … Heidi meint daher, nicht nur die Menge, sondern auch „Die Mischung macht das Gift.“

Neonicotinoide: Wasserlebewesen verhungern

Wie viel Pestizide vertragen unsere Gewässer?

24.7.14 HOME

Verbandelung verhindert Risikowarnung

5. Januar 2014
Lachs, eine schöne Farbe! Weniger schön sind die Informationen zur Umweltsituation von Wild- und Zuchtlachs.

Lachs, eine schöne Farbe! Weniger schön sind die Informationen zur Umweltsituation von Wild- und Zuchtlachs.

So oder ähnlich verläuft es immer wieder, auch in der Schweiz: Schlüsselstellen sind von InteressenvertreterInnen besetzt. Wichtige Informationen werden schubladisiert, dringend nötige Massnahmen verhindert. In seiner Interpellation Ist norwegischer Zuchtlachs gesundheitsschädigend? schreibt Nationalrat Manuel Tornare : „… Die norwegische Fischereiministerin hält Anteilsscheine an Fischereiunternehmen in der Höhe von mehreren Millionen Euro und ernennt die Personen an der Spitze der drei öffentlichen Einrichtungen, welche die Fischzuchtindustrie eigentlich kontrollieren sollten.“

Seit mindestens zehn Jahren wird über die Gefahr von Giftstoffen wie Dioxine, PCBs und Methylquecksilber in Wild- und Zuchtlachs debattiert. Aber erst im Sommer 2013 warnten die norwegischen Behörden ihre eigene Bevölkerung vor den Gesundheitsrisiken. „… So berichtet das Norsk Telegramm Byra (NTB) – die leitende norwegische Presseagentur – am 17. Juni 2013, dass Forscher die norwegische Bevölkerung vor dem Verzehr von Farmlachsen warnen: Frauen, Kinder und Jugendliche sollten vermeiden, aus der Lachsaufzucht stammende Lachse zu essen. Dieser Meinung sind sowohl mehrere norwegische Ärzte, als auch internationale Experten. Die Ursache dafür ist das in den Lachsfarmen verwendete Lachsfutter, das schädliche Umweltgifte enthält, die sich dann im Lachs wiederfinden. Dieser Rat wurde bereits im Jahre 2006 erteilt, aber es wurde „vergessen“, ihn der Öffentlichkeit mitzuteilen! …“ Dieses Zitat stammt aus einer Pressemeldung des International Flyfischer Clubs vom 15.7.13: Offizielle Ernährungsempfehlungen warnen die eigene norwegische Bevölkerung vor dem Verzehr von Farmlachs und verschweigen dies gegenüber den Kunden in der EU.

Und so läuft es mit dem Grenzwerten: Ebenfalls letzten Sommer hat die EU den Grenzwert für das Pestizid Endosulfan in Zuchtlachs auf das zehnfache angehoben! Gift im Fisch: EU erlaubt mehr Pestizide im Lachs, Deutsche WirtschaftsNachrichten vom 26.6.13. Heidi hat bereits am 25.6.13 darüber berichtet: Wann werden wir endlich lernen?

Fisch nur als Festessen geniessen, das ist die Empfehlung von fair-fish, und zwar maximal einmal im Monat.

Weitere Informationen:

Opinion of the Scientific Panel on contaminants in the food chain [CONTAM] related to the safety assessment of wild and farmed fish, European Food Safety Authority, 1.7.05

Dioxine in Wildlachs aus der Ostsee, Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung, 23.04.04

Wie die Farbe in den (Zucht-)Lachs kommt, FARBIMPULS, Das Online Magazin für Farbe in Wissenschaft und Praxis, 24.9.08

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Neonicotinoide: Gewässerorganismen sterben

23. Oktober 2013
Ein Testorganismus, der Bachflohkrebs Gammarus pulex, am Zerkleinern von Falllaub.  Foto: Eawag

Ein Testorganismus, der Bachflohkrebs Gammarus pulex, am Zerkleinern von Falllaub. Foto: Eawag

Die EAWAG verschickte am 16. Mai 2013 eine Medieninformation mit dem Titel Insektizide lassen Gewässerorganismen verhungern. „Nicht nur die Bienen, sondern auch Gewässerorganismen werden von Neonicotinoid-Insektiziden beeinträchtigt. Die gut löslichen Stoffe führen dazu, dass die Kleintiere auch bei geringen, aber anhaltenden Konzentrationen im Wasser absterben., heisst es weiter. Die Dauerbelastung sei ein Problem und klassische Toxizitätstests würden versagen. Netz Natur hat für den 25-Jahr-Jubiläum-Film vom 17.10.13 an der EAWAG gefilmt, wo man in erstaunlich vielen Gewässerproben Neonicotinoide gefunden hatte. Sie bleiben monate- oder gar jahrelang im Boden und beeinflussen auch die Bodenlebewesen. Wer nicht die 50 Minuten für den interessanten Film aufwenden kann, soll wenigstens die paar Minuten ab Minute 32 anschauen, siehe Sind die Bienen noch zu retten?.

Nun berichtete der Kassensturz am 22. Oktober 2013, dass die Neonicotinoide auch den Menschen schaden könnten, Neue Pestizide im Gemüse: Schleichende Vergiftung, Schweizer Radio und Fernsehen, SRF. Neonicotionoide sind systemische Pflanzenschutzmittel, welche von den Pflanzen aufgenommen werden und im Saftkreislauf zirkulieren. Das Bundesamt für Gesundheit sieht keine Gefahr, und Syngenta und Bayer verweisen auf die Grenzwerte. Einmal mehr wird das Wasser ausgeklammert. Gut gibt’s Heidi!

In der EAWAG-Medieninformation steht auch: „… Kurzzeitige Belastungsspitzen treten typischerweise auf, wenn während oder kurz nach einer Anwendung der Mittel auf den Feldern Regen fällt und ein Teil der gut löslichen aber schwer abbaubaren Stoffe in Oberflächengewässer abgeschwemmt wird…“ Aber Bundesbern will die Pufferstreifen für Pestizide verkleinern und den Acker näher an den Bach rücken, siehe Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse, Heidis Mist, 11.6.13.

Heidi wünscht sich, dass man in Bern mehr auf die Forschenden statt die Lobbyisten hört, wo man doch in den bundeseigenen Forschungsinstitutionen über international renommierte Fachleute verfügt.

Über Grenzwerte und wie sie festgesetzt werden berichtete Heidi im Artikel Grundwasser: Gefährden neue Grenzwerte das Vorsorgeprinzip?

23.10.13 HOME

Wann werden wir endlich lernen?

25. Juni 2013
El Salvadors Gesundheitsministerin Maria Isabel Rodriguez kämpft für ein Verbot des Herbizids Paraquat. Dieses ist in der Schweiz und der EU längst verboten.

El Salvadors Gesundheitsministerin Maria Isabel Rodriguez kämpft für ein Verbot des Herbizids Paraquat. Dieses ist in der Schweiz und der EU längst verboten. WOZ Nr. 25 vom 20.6.13

Benjamin Franklin soll 1786 einem Freund geschrieben haben: „… when will we ever learn?“ Dies im Zusammenhang mit Blei-Vergiftungen. Gelesen hat Heidi dieses Zitat im New Scientist Nr. 2919 vom 1.6.13. Der Autor des Artikels „Toxic hypocrisy“, Perry Gottesfeld,  fügt hinzu: Es scheint so, dass wir vielleicht eine weitere Generation vergiften müssen, bevor wir das kapieren. Noch heute exportiert die EU 21’000 Tonnen bleihaltige Farben. Lead Paint Background, Occupational Knowledge International.

Die 3. Welt als Handelspartner für Gifte

Viele Gifte und Pflanzenschutzmittel, die bei uns verboten sind, werden weiterhin an Entwicklungsländer verkauft, obwohl sie krank machen, töten, Wasser und Böden verseuchen. Die Liste ist lang, ein paar Beispiele:

Wenn Lobbyisten Gesetze schreiben …

Ist es ein Trost, dass die Gifte aus der 3. Welt zu uns zurück kehren, in der Luft, im Wasser, in Lebensmitteln, in Konsumgütern… ? Wann werden wir sie im eigenen Körper spüren und endlich handeln? Wo bleibt unser humanitäres Engagement? Und unsere Gesetzte? Wann wählen wir ein Parlament, das uns und die „anderen“ vor all dem Gift schützt?

Nachtrag 1.8.13: Die FAO fordert Ende der Vermarktung hochgefährlicher Pestizide in Entwicklungsländern, Grünwolf

25.6.13 HOME


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