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Bedrohung durch Unkraut heute grösser als je zuvor in der Geschichte der Menschheit

21. Mai 2021
Copyright: Rothamsted Research

Copyright: Rothamsted Research

Ein Langzeitexperiment von Rothamsted Research zeigt, dass Klima, Pflanzenhöhe, Düngemittel und Herbizidresistenz Schuld sind am grössten Unkrautproblem, das die Menschen je hatte.

Rothamsted Research ist ein weltweit führendes, gemeinnütziges Forschungszentrum, das sich auf strategische Agrarwissenschaft zum Nutzen von Landwirten und der Gesellschaft weltweit konzentriert.

Nutzpflanzen sind heute anfälliger für Unkräuter als vor der Einführung von Herbiziden. Eine neue Studie zeigt, dass dies eine noch nie dagewesene Bedrohung für unsere Ernährungssicherheit darstellen.

Anhand von Daten aus dem weltweit am längsten laufenden Versuch, dem Rothamsted Broadbalk Weizenversuch (seit 1843) in Hertfordshire, fanden die Forscher heraus, dass auf Parzellen, auf denen noch nie Herbizide eingesetzt wurden, die Ertragsverluste durch Unkräuter seit den 1960er Jahren kontinuierlich zugenommen haben. In den ersten zehn Jahren des Datensatzes ging weniger als ein Drittel der Ernte durch Unkräuter verloren, doch zwischen 2005 und 2014 stieg dieser Anteil auf mehr als die Hälfte.

Das Team von Rothamsted Research, das die Studie durchgeführt hat, führt dies darauf zurück, dass Unkräuter in einem sich erwärmenden Klima besser gedeihen als Nutzpflanzen, gepaart mit einer Verschiebung hin zu kürzeren Nutzpflanzensorten, die von den höheren Unkräutern beschattet werden.

Und genau wie unsere Nutzpflanzen haben auch viele Unkrautarten in diesem Zeitraum vom erhöhten Einsatz von Stickstoffdünger profitiert.

Darüber hinaus hat mehr als ein halbes Jahrhundert konsequenter chemischer Spritzungen zum Aufkommen von herbizidresistenten Unkräutern geführt, was unsere Fähigkeit bedroht, die seit den 1960er Jahren erzielten Produktivitätsgewinne bei den Nutzpflanzen zu halten.

Herbizide haben Unkrautproblem vergrössert

Der Hauptautor, Jonathan Storkey, sagte: „Die Verringerung der Ertragsverluste durch Unkräuter wird aufgrund der Entwicklung von Herbizidresistenzen immer schwieriger, und wir können uns nicht mehr allein auf Herbizide verlassen, um der zunehmenden Bedrohung durch Unkräuter zu begegnen. Wenn wir die durch Unkräuter verlorenen Erträge in den ersten zehn Jahren des Datensatzes vergleichen, ‚raubten‘ Unkräuter im Durchschnitt 32 Prozent des Ertrags, verglichen mit 54 Prozent in den letzten zehn Jahren der Daten.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass Unkräuter heute eine grössere inhärente Bedrohung für die Pflanzenproduktion darstellen als vor dem Aufkommen von Herbiziden und dass integrierte, nachhaltige Lösungen für das Unkrautmanagement dringend erforderlich sind, um das hohe Ertragspotenzial moderner Pflanzensorten zu halten.“

Moderne Sorten und Stickstoff

Neben den immer grösser werdenden Verlusten durch Unkräuter zeigte die Analyse der Daten, dass Unkräuter auch die Weizenerträge auf Parzellen mit höheren Stickstoffdüngergaben proportional stärker reduzierten. Auf vergleichbaren Parzellen, auf denen Unkräuter mit Chemikalien bekämpft wurden, wurden höhere Weizenerträge erzielt, wenn mehr Stickstoffdünger zugeführt wurde – was bedeutet, dass Herbizide auf den ertragreichsten Weizenfeldern am vorteilhaftesten sind.

Moderne Sorten mit hohem Düngemitteleinsatz sind daher anfälliger für höhere Ertragsverluste, wenn Herbizidresistenzen zu einem grösseren Problem werden.

Erfahrungen seit 1843 …

Die Broadbalk-Winterweizenversuche wurden 1843 angelegt, um verschiedene Mengen und Kombinationen von anorganischen Düngemitteln im Vergleich zu Hofdünger auf die Weizenerträge zu vergleichen.

Seit Mitte der 1960er Jahre wurden in einigen Parzellen Herbizide eingesetzt, in anderen nicht. Das Team untersuchte Daten ab 1969 – etwa zu Beginn der so genannten „Grünen Revolution“, als ertragreichere Weizensorten und ein erhöhter Einsatz von Stickstoffdünger weltweit zur Norm wurden. Wie ihre Daten jedoch deutlich zeigen, wurden diese globalen Ertragssteigerungen nur durch einen gleichzeitigen Anstieg des Einsatzes von Pestiziden möglich gemacht.

In den Parzellen wurden insgesamt 41 Unkrautarten festgestellt, wobei die Haupt-„Rache“ der Landwirte, das Schwarze Rispengras, allgegenwärtig war – und besonders häufig auf Parzellen mit hohen Düngergaben auftrat.

Neben der zunehmenden Herbizidresistenz hat auch die Einführung kürzerer Pflanzensorten – die mehr Nährstoffe in das Korn und nicht in den Stängel bringen – zu erhöhten Ertragseinbussen geführt, da die zierlichen Pflanzen oft von viel grösseren Unkräutern verdrängt werden.

Infolgedessen, so Jonathan Storkey, „ist es wahrscheinlich, dass Pflanzenzüchter in Zukunft sowohl Eigenschaften berücksichtigen müssen, die Ertragsverluste durch Unkraut reduzieren, als auch solche, die das Ertragspotenzial optimieren“.

Klimawandel begünstigt Unkräuter

Der letzte Faktor, der für die Zunahme des Unkrautdrucks verantwortlich ist, ist der Klimawandel. Zwischen 1969 und 2014 sind die durchschnittlichen Lufttemperaturen, die am meteorologischen Standort in der Nähe des Broadbalk-Experiments gemessen wurden, kontinuierlich gestiegen. Über die Hauptwachstumszeit für Unkräuter in Grossbritannien gerechnet, sind die Durchschnittstemperaturen stetig gestiegen und liegen jetzt etwa 2°C höher als 1969. Da das Wachstum der Unkräuter stärker auf wärmere Temperaturen reagiert als das der Pflanzen, hat dies den Unkräutern einen Wettbewerbsvorteil verschafft.

Jonathan Storkey sagte: „Management und Klimawandel haben in den letzten 45 Jahren zusammen die Bedrohung durch Unkräuter erhöht. Wenn wir uns nicht mehr auf Herbizide verlassen können, könnte man argumentieren, dass die Situation in Bezug auf den Unkrautdruck heute schlimmer ist als vor ihrer weit verbreiteten Einführung in den 1960er Jahren. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Unkrautbekämpfungsstrategien zu diversifizieren, indem Herbizide durch nicht-chemische Optionen ergänzt werden, einschliesslich der Erhöhung der Pflanzenkonkurrenz und der Unterbrechung der Lebenszyklen von Unkräutern durch Brachen oder vielfältigere Anbaufolgen.“

INCREASING WEED THREAT NOW GREATER THAN ANY POINT IN HUMAN HISTORY. Rothamsted Research, 23.3.21

Agricultural intensification and climate change have increased the threat from weeds. Global Change Biology, 23.3.21. https://doi.org/10.1111/gcb.15585

Quelle: Johann G. Zaller, Twitter

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Jahresschlusspunkt: Pater Agatho Elsener, Gründervater des Biolandbaus in Indonesien

27. Dezember 2016
Pater Agatho Elsener am Schreibtisch. Copyright BSB-Agatho.com.

Pater Agatho Elsener am Schreibtisch. Copyright BSB-Agatho.com.

In der ganzen Welt bekannt ist das Swiss Army Knife der Firma Victorinox, welche 1884 von der Familie Elsener als Messerschmiedwerkstatt gegründet worden war und heute in der 4. Generation geführt wird. Aber wer kennt Adolf Elsener? Geboren wurde er am 13.7.1932 in Ibach SZ.

Adolf war ein schweigsamer Mensch. Beim Eintritt in den Kapuzinerorden nahm er den Namen Agatho an. Nach der Legende trug Agatho, ein sizilianischer Mönch, drei Jahre lang einen Stein im Mund, um schweigen zu lernen; von 678 bis 681 war er Papst.

Borneo: Landwirtschaft mit wenig Hilfsmittel

Nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe wurde Agatho 1960 als Missionar nach Borneo entsandt. In der indonesischen Provinz West Kalimantan leitete er Yayasan (Stiftung) Sehat (gesund) in Sanggau Kapuas und baute einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Beratungsdienst auf. Sein Prinzip: Möglichst wenig Hilfsmittel einsetzen, keine chemischen Dünger und Pestizide. Auch galt für ihn Alle müssen helfen, also auch die Internatsschüler; diese arbeiteten nach der Schule auf dem Landwirtschaftsbetrieb und bezahlten so einen Teil der Kost und Logis. Agathos Mitbrüder und die Obrigkeit kritisierten diese Erziehungsmethode.

Das Land, das er kaufte, war für die landwirtschaftliche Nutzung wertlos. Der Boden war sauer und sandig. Darauf wuchsen nur wenige Pflanzen wie Farne und Stauden. Agatho liess die Grenzen mit Feuerschneisen sichern, damit die Buschfeuer in der Trockenzeit nicht auf das Land der Stiftung übergriffen. Mit Gras und Viehhaltung wurde die Bodenfruchtbarkeit verbessert.

Obwohl Agatho schweigsam war, konnte er seinen Leuten sehr gut und ausführlich erklären wie man z.B. eine Terrasse an einem Hang anlegt, damit sie auch bei starkem Regen nicht weg geschwemmt wird. Die Terrassen wurden mit Kompost und Mist gedüngt, sodass dort Reis, Gemüse, Pfeffer und Ananas gediehen.

Versuche der Stiftung Yayasan Sehat in Sanggau Kapuas mit lokalen Reissorten. Diese Sorten wurden aber damals von der Regierung nicht unterstützt. Die Bauern erhielten nur für Hochertragssorten Kredite. Auf den sauren Böden wuchsen jedoch die vom Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) gezüchteten Sorten nicht oder nur mit hohem Dünger- und Pestizid-Einsatz. Copyright: Astrid.

Versuche der Stiftung Yayasan Sehat in Sanggau Kapuas mit lokalen Reissorten. Diese Sorten wurden aber damals von der Regierung nicht unterstützt. Die Bauern erhielten nur für Hochertragssorten Kredite. Auf den sauren Böden wuchsen jedoch die vom Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) gezüchteten Sorten nicht oder nur mit hohem Dünger- und Pestizid-Einsatz. Copyright: Astrid.

Auf nachhaltige Landwirtschaft folgt Palmöl-Boom

Nachhaltige Landwirtschaft für die Selbstversorgung und für den Markt (Kautschuk) gab es schon früher. Diese Bemühungen wurden durch Agatho und seine Leute sowie Regierungsstellen unterstützt. Mit zwei bis drei Hektaren Land könnte eine Familie gut leben. Die Verbesserungen werden heute nicht nur in Kalimantan, sondern auch in ganz Borneo und Sumatra durch den Palmöl-Boom zunichte gemacht.

Eine Stärkung der eigenständigen Bauern in einer so extremen Oligarchie wie Indonesien wäre besonders wichtig. Ein paar wenige Oligarchen beherrschen Medien und Parteien (Pathways to a people’s president, Jeffrey A. Winters, Inside Indonesia, 22.1.12).

 Projekt Agroforstwirtschaft mit italienischem Entwicklungshelfer. Copyright: Astrid.

Projekt Agroforstwirtschaft mit italienischem Entwicklungshelfer. Copyright: Astrid.

Agatho führt Biolandbau in Indonesien ein

Nach 20 Jahren in Kalamantan übernahm Agatho 1982 ein Projekt in Cisarua, Bogor, auf Java, nur zwei Stunden von der Hauptstadt Indonesiens Jakarta entfernt. Welch ein Wechsel! Fast alles wächst auf den fruchtbaren Vulkanböden, und das Klima ist kühler.

Die in Indonesien von Suharto in den 1960er Jahren eingeführte Grüne Revolution brachte zwar Selbstversorgung mit Reis, aber auch Bodenzerstörung, Gewässerverschmutzung durch Pflanzenschutzmittel und Dünger, Erosion, Gesundheitsproblemen und Abhängigkeit der Bauern von Agrochemikalien.

Pater Agatho erkannte die Probleme und suchte nach Lösungen. Er fand sie im Biolandbau, den er in Indonesien einführte. 1984 gründete er die Organisation Bina Sarana Bakti (BSB) –  The organic Way … All in Harmony. Sie bietet Schulung im Biolandbau für Organisationen und Bauern und betreibt Forschung.

Als Hobby-Botaniker machte er ausgezeichnete Pflanzenfotos und lieferte Herbar-Examplare z.B. an das National Herbarium Netherland.

Das Agatho-Label. Copyright: Ist.

Das Agatho-Label. Copyright: Ist.

Bioland Indonesien?

„Agatho“ wurde zu einem bekannten Label für biologische Landwirtschaft in Indonesien und im asiatischen Raum bis nach Australien.

Indonesien möchte weltweit ein Hauptproduzent von Bio-Produkten werden. Dieses Ziel liegt zwar noch in weiter Ferne, wird aber von der Politik unterstützt. Das Departement für Landwirtschaft lancierte 2001 das ”Go Organic 2010” Programm und richtete ein Kompetenzzentrum für Biolandbau ein.

Aus gesundheitlichen Gründen kehrte Pater Agatho 2011 in die Schweiz zurück. Am 26.8.16 starb er im Kapuzinerkloster Schwyz.

Pater Agatho betrachtet mit kritischem Blick die Gemüsepflanzung. Copyright: Ist.

Pater Agatho betrachtet mit kritischem Blick die Gemüsepflanzung. Copyright: Ist.

Diese Geschichte zeigt exemplarisch, was ein einzelner engagierter Mensch bewirken kann, wenn er Lösungen erarbeitet und präsentiert und die Mitmenschen von seinen Ideen überzeugen kann.

Die liebenswürdige Art von Pater Agatho hat zum Erfolg beigetragen. Entsprechend gewürdigt wird auch sein Leben anlässlich seines Todes. Ein Zeichen dafür, dass sein Werk weiterlebt.

In Memoriam Pater Agatho Elsener OFMCap: Yang Benar Pertanian Organis, bukan Organik (1), Romo Amandus Ambot OFMCap, Sesawi.net, 31.8.16.

In Memoriam: Pater Agatho Elsener OFMCap, Fransiskan Kapusin Provinsi Pontianak (2), Mathias Hariyadi, Sesawi.net, 31.8.16.

Indonesia Organic, Linking the People who will Change Indonesia

Lessons learned from Organic Farming in West Java and North Sumatra, Siti JAHROH, Department of Agribusiness (Dept of Agb), Faculty of Economics and Management (FEM), Bogor Agricultural University (BAU), Indonesia, ISDA 2010, Montpellier, June 28-30, 2010.

Yayasan Bina Sarana Bakti, Film über die Arbeit von BSB: Unterricht, Mischkulturen usw., auf Indonesisch, aber die Bilder sprechen für sich, youtube

The Easy Sell of Organics – Jakarta Globe, Indonesia Organic, 7.7.10

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Neuigkeiten von Anfang 2018

Projekt: Nassreis mit Be- und Entwässerung. Typisch für das neue Jahrhundert: Die Feldränder sind mit Herbiziden behandelt.

Projekt: Nassreis mit Be- und Entwässerung. Typisch für das neue Jahrhundert: Die Feldränder sind mit Herbiziden behandelt.

Die Bäume auf den Hügeln weichen langsam den Ölpalmen.

Die Bäume auf den Hügeln weichen langsam den Ölpalmen.

Hochertragssorten gedeihen wegen des sauren Bodens immer noch nicht.

Hochertragssorten gedeihen wegen des sauren Bodens immer noch nicht.

Frisch gepflanzte Ölpalmen

Frisch gepflanzte Ölpalmen

Der Aufwuchs wird mit Glyphosat und dem noch gefährlicheren Paraquat abgespritzt. Die Produktenamen wurden einfach geändert.

Der Aufwuchs wird mit Glyphosat und dem noch gefährlicheren Paraquat abgespritzt. Die Produktenamen wurden einfach geändert.

Langsam werden die Felder mit Palmen bepflanzt.

Langsam werden die Felder mit Palmen bepflanzt.

Ein indonesisches Sprichwort: Nur eine volle Ähre verbeugt sich.

Ein indonesisches Sprichwort: Nur eine volle Ähre verbeugt sich.

Anstelle von Kühen werden jetzt Legehennen gehalten.

Anstelle von Kühen werden jetzt Legehennen gehalten.

Die Hühner werden mit vorgemischtem importiertem Futter gefüttert.

Die Hühner werden mit vorgemischtem importiertem Futter gefüttert.

17.2.18  HOME

 


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