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SO: Trinkwasserquelle oder Güllesenke? Das ist die Frage!

1. Januar 2020
Kartenausschnitt 1981: Es war einmal eine Wiese in Wisen SO an der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Baselland.

Kartenausschnitt 1981: Es war einmal eine Wiese in Wisen SO an der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Baselland.

Liebe Leserin, lieber Leser

Bitte nicht erschrecken – der erste Arikel 2020 ist lang. Der Fall Wisen SO zeigt exemplarisch wie immer wieder der Schutz von Gewässern ver- und behindert wird beim Durchsetzen von Eigeninteressen einzelner Personen.

Die Gewässerschutzgesetzgebung und das Raumplanungsgesetz zum Bauen ausserhalb der Bauzone werden umgangen, die zuständigen kantonalen Behörden kennen die lokalen Verhältnisse oft nicht, waren noch nie am Ort des Geschehens, wissen nicht, ob Auflagen wie der Abbruch einer alten Baute verwirklicht wurden, sehen nicht Gebäude, welche ohne Baubewilligung aufgestellt wurden. Wie beim Gewässerschutz, so auch beim Bauen schauen Behörden gerne weg und überlassen den Vollzug „bösen“ Nachbarn oder dem Nimmerleinstag. Noch weiter von der Realität entfernt sind Richter. So wird geschummelt und gelogen.

Schauen wir uns also nach einem kleinen Abstecher ins Parlament und das Grundwasser im Kanton Solothurn den Fall Wisen an.

Versorgungsproblem Trinkwasser?

Der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri macht sich Sorgen um das Trinkwasser. Er reichte am 26.9.19 die Interpellation 19.4249 ein: „Haben wir in Ackerbaugebieten bald ein Versorgungsproblem beim Trinkwasser?“

Fluri (Wikipedia) ist seit 1993 Stadtpräsident von Solothurn und somit von Amtes wegen Präsident der Regio Energie Solothurn, welche im Raume Solothurn erste Anlaufstelle für Energie, Wasser, Energieeffizienz und Gebäudetechnik ist. Seine Regio Energie Solothurn betreibt seit Jahrzehnten eine Ihrer Wasserfassungen ohne Schutzzone. Das aber stört Fluri offenbar nicht. Fluri ist zudem Bezirksvertreter und juristischer Berater von Pro Natura Solothurn.

Kanton Solothurn: Nitrat im Grundwasser

Der Kanton Solothurn hat Probleme mit der Qualität des Grundwassers. Das Nitrat-Pionierprojekt Gäu ist das grösste Projekt gemäss Gewässerschutzgesetz (GSchG) Art. 62a. Es läuft seit dem Jahre 2000, d.h. seit 20 Jahren. Wir zahlen mit Bundessteuern den grössten Teil der Kosten für Massnahmen; 2018 allein waren es 829’690 Franken.

Das Problem im Gäu ist, dass das Grundwasser vorwiegend durch Versickern von Regenwasser entsteht; es wird nicht durch Zufluss von weniger belastetem Wasser verdünnt. Verdünnung ist ein Zauberwort, nicht nur in der Landwirtschaft!

Dieses Projekt wird seit 2017 vier Jahre lang von 18 Forschenden aus fünf Institutionen wissenschaftlich begleitet (NitroGäu), denn man möchte wissen, ob es effizient und wirksam ist. Der Projektbeirat umfasst 12 Personen. Finanziert wird das grosse Projekt vom Bundesamt für Landwirtschaft und dem Amt für Umwelt, Solothurn. Erste Resultate zur Nitratauswaschung im Gemüsebau bestätigen das erhebliche Nitratauswaschungspotenzial unter bzw. nach Gemüsekulturen im Freiland.

Und schon gibt es weitere Probleme: Der Nitratgehalt des Grundwassers steigt in Schnottwil, was die Behörden beunruhigt. Ein zweites Nitrat-Projekt ist geplant.

Wisen SO: Bauen und güllen in der Grundwasserschutzzone

Derweil lässt der Kanton Solothurn in Wisen in einer Grundwasserschutzzone S2 (bzw. SIIB, Erklärung folgt später) das Ausbringen von Gülle zu. Mitten in der Schutzzone befindet sich ein Bauernhof. Heidi nimmt Sie, liebe LeserInnen, auf eine Zeitreise durch Karten mit und zitiert aus einem Bundesgerichtsentscheid.

Kartenausschnitt 1982: Ein Bauernhof wurde auf der freien Wiese gebaut. Legende: rosa = Karstgebiet, gelb = Schutthang.

Kartenausschnitt 1982: Ein Bauernhof wurde auf der freien Wiese gebaut. Legende: rosa = Karstgebiet.

Anfang 1980er Jahre wurde an der Grenze zum Karstgebiet, das sich vom Hauenstein zum Wisenberg erstreckt, ein Bauernhof für rund 25 Kühe und 10 Tränkekälber gebaut.

Kartenausschnitt 2006: Der Bauernhof wurde vergrössert.

Kartenausschnitt 2006: Der Bauernhof wurde vergrössert.

Vor einiger Zeit schloss sich der Bauer mit Betrieben im angrenzenden Baselland zusammen und baute massiv aus. Neue Gebäude tauchen in der Karte von 2006 auf. Sie liegen zum Teil im Karstgebiet.

Kartenausschnitt 2012: Ein grosses Silo wurde gebaut und die Strasse verbreitert.

Kartenausschnitt 2012: Ein grosses Silo wurde gebaut und die Strasse verbreitert.

Neueste Karte: 3 kleine und 3 grosse Silos sind eingezeichnet sowie eine neue Remise. Legende: rosa = Karstgebiet, gelb = Schutthang.

Neueste Karte: 3 kleine und 3 grosse Silos sind eingezeichnet sowie eine neue Remise. Legende: rosa = Karstgebiet.

In der neuesten Karte sieht man zusätzlich zu drei kleinen Silos drei grosse und eine neue Remise.

So sieht der Bauernhof heute aus.

So sieht der Bauernhof heute aus.

Der Viehbestand umfasst heute 91 Red Holstein Milchkühe und 10 Stück Aufzuchtvieh. Die neuen Gebäude sind entsprechend gross und die Dächer mit Fotovoltaik bestückt. 36 Hektaren Wiese und Maisfelder gehören zum Betrieb des Meisterlandwirts, der auch Bürgerrat und Stv. Landw. Erhebungsverantwortlicher der Gemeinde Wisen SO ist.

Der Tierbesatz beträgt rund 2,6 Düngergrossvieheinheiten pro Hektare (DGVE), d.h. liegt nur wenig unter der absoluten Obergrenze von 3 DGVE gemäss Gewässerschutzgesetz.

Grundwasserschutzzonen: dunkelblau = S2, hellblau = S3

Grundwasserschutzzonen: dunkelblau = S2, hellblau = S3

Das Erstaunliche ist, dass diese massive Vergrösserung des Betriebes in der Grundwasserschutzzone bewilligt wurde, obwohl in der S2 das Erstellen von Bauten und Anlagen mit sehr wenigen Ausnahmen verboten ist. Auch die Erlaubnis zum Güllen ist nicht nachvollziehbar. Zwar sieht die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung Ausnahmen vor, aber der Kanton Solothurn spricht keine solchen Bewilligungen aus, wie das Amt für Umwelt Heidi versicherte.

Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) Anhang 2.6, Art. 3.3.1, Ziff. 2:

2 Flüssige Hof- und Recyclingdünger dürfen in den Zonen S2 und Sh von Grundwasserschutzzonen nicht verwendet werden.

Art. 3.3.2 Ausnahmen, Ziff. 1:

1 Die kantonale Behörde kann in Abweichung vom Verbot nach Ziffer 3.3.1 Absatz 2 gestatten, dass flüssige Hof- und Recyclingdünger in der Zone S2 von Grundwasserschutzzonen pro Vegetationsperiode bis dreimal in angemessenen Abständen in einer Menge von höchstens 20 m3 pro ha ausgebracht werden dürfen, wenn aufgrund der Bodenbeschaffenheit gewährleistet ist, dass keine pathogenen Mikroorganismen in die Grundwasserfassung oder -anreicherungsanlage gelangen.

Heikler Gewässerschutz im Karstgebiet

Karstgebiete sind blau eingefärbt. Quelle: R. Tiez, BAFU

Karstgebiete sind blau eingefärbt. Quelle: R. Tiez, BAFU

25% der Schweizer Oberfläche sind Karstgebiete. Sie liefern das Trinkwasser für 20% der Haushalte. In der Nordwestschweiz ist der Anteil von Karstwasser am Trinkwasser relativ hoch.

Der Untergrund von Karstgebieten ist mehr oder weniger stark zerklüftet. Das Niederschlagswasser fliesst je nach Situation sehr schnell in die Tiefe bzw. ins Grundwasser, in die Quellen oder Bäche. Quelle: R. Tiez, BAFU

Der Untergrund von Karstgebieten ist mehr oder weniger stark zerklüftet. Das Niederschlagswasser fliesst je nach Situation sehr schnell in die Tiefe bzw. ins Grundwasser, in die Quellen oder Bäche. Quelle: R. Tiez, BAFU

Vulnerabilität: Der schwarze Pfeil zeigt an sich die Betriebsgebäude befinden.

Vulnerabilität: Der schwarze Pfeil zeigt wo sich die Betriebsgebäude befinden.

Legende zu Vulnerabilität

Legende zu Vulnerabilität

Karstgebiete sind besonders heikel, was den Austrag von flüssigen Düngern betrifft. Stark heterogene Karst- oder Kluft-Grundwasserleiter müssen gemäss Gewässerschutzverordnung seit 2016 zusätzlich zu den Zonen S1 und S2 durch die Zonen Sh und Sm geschützt werden. In solchen Gebieten hat die Zone S2 lediglich eine Ausdehnung von mindestens 100 Metern, und es wird keine Zone S3 ausgeschieden. Dafür wird der grösste Teil des Einzugsgebiets der Fassung durch die Zone Sh geschützt, wenn die Vulnerabilität des Grundwasserleiters hoch ist (h = hoch), beziehungswiese durch die Zone Sm bei mittlerer Vulnerabilität (m = mittel).

Grundwasserschutzzonen Karstgebiet, Bundesamt für Umwelt.

Grundwasserschutzzonen Karstgebiet, Bundesamt für Umwelt.

Die Vulnerabilität wird aufgrund der Beschaffenheit der Überdeckung (Boden und Deckschicht) und des Karst- oder Kluftsystems sowie der Versickerungsverhältnisse bestimmt. Je grösser die Vulnerabilität, desto strenger die Schutzbestimmungen.

Der Wisner Bauernhof liegt mitten in der Grundwasserschutzzone S2. In diesem Gebiet ist die Vulnerabilität (Verschmutzungsgefahr) mehrheitlich hoch bis sehr hoch. Trotzdem erteilten die Behörden die Bewilligung für eine massive Vergrösserung des Betriebs und das Güllen in der Schutzzone.

Wie ist es zu dieser absurden Situation gekommen?

Anfang 2012 bewilligten die kantonalen Behörden den Bau eines grossen Silos und einer Remise. Dagegen wurde Einsprache erhoben. Die Bauten waren jedoch nur die logische Folge der vorangegangenen Betriebsvergrösserung: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wirklich?

Gemäss Bundesgerichtsurteil vom 26.11.12 wurde 1986, also ein paar Jahre nach dem Bau der ersten Gebäude, eine Schutzzone SIIB der Tunnelquelle erlassen, die in Läufelfingen im angrenzenden Kanton Basel-Landschaft liegt und der Trinkwasserversorgung Oberes Homburgertal dient. Das Schutzreglement wurde aber nicht der neuen Gewässerschutzverordnung vom 28.10.98 (GSchV; SR 814.201)  angepasst, d.h. die Zone SIIB wurde nicht in eine neurechtliche Grundwasserschutzzone S2 umgewandelt, in welcher nicht gegüllt werden darf. Deshalb ist gemäss Bundesgerichtsentscheid das alte Reglement immer noch gültig. Die kantonalen Behörden sahen dies zwar anders, aber erliessen dann eine für 2013 bis 2014 befristete, nicht erneuerbare Bewilligung für das Güllen in der besagten Grundwasserschutzzone.

In der Wegleitung Grundwasserschutz des Bundesamts für Umwelt steht unter Punkt 4.3 Vorgehen bei Schutzzonen mit nicht zonenkonformen Nutzungen, 4.3.1 Grundsätzliches: „Die Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 gilt für alle Schutzzonen, also auch für diejenigen, die vor dem 1. Januar 1999 in Kraft gesetzt wurden. Nach gängiger Praxis sind auch für die altrechtlichen Schutzzonen wenigstens die Mindestanforderungen einzuhalten. Das heisst, dass z.B. auch in sogenannten «Schutzzonen mit beschränkter Wirkung», welche das Bauen auf bestimmten Parzellen in der Schutzzone S2 zuliessen, im Prinzip ein Bauverbot zu errichten ist. Die Gewässerschutzverordnung gibt also Anlass, die Situation innerhalb der Schutzzonen zu überprüfen.“

Offensichtlich hat man diese Anpassung nicht vorgenommen. Zuständig für die Quelle ist zwar die Wasserversorgung, aber der Kanton hat die Verantwortung für den Gewässerschutz und ist zudem zuständig für das Bauen ausserhalb der Bauzone. Die Behörden haben beide Augen fest zugedrückt und die Tier- und Gebäudeaufstockung in der Schutzzone in zwei Etappen bewilligt.

„Nicht erneuerbare“ Gülle-Bewilligung wurde erneuert!

Weitere Verzögerungen beim Ausscheiden einer neuen Grundwasserschutzzone kamen in den letzten Jahren hinzu. Also erneuerten die kantonalen Behörden die „nicht erneuerbare“ Bewilligung im Interesse eines einzelnen Bauern, zulasten der Öffentlichkeit. Sie gilt noch heute.

Gegüllt werden darf jedoch nur bis in den Frühsommer hinein. In der Güllezeit wird diese Trinkwasserquelle einfach abgestellt. Dank der mehrstufigen Aufbereitung ist gemäss Amt für Umwelt die Trinkwassersicherheit gewährleistet, auch wenn der Grundwasserschutz nicht in allen Belangen optimal sei.

Umzonung von SIIB in S3?

Aktuell untersucht die Wasserversorgung, die für die Ausscheidung der Schutzzonen zuständig ist, ob sie auf diese Quelle verzichten kann.

Gemäss einem Gutachten könnte ein grosser Teil der heutigen SIIB Schutzzone dereinst in die S3 Zone umgezont werde. Das würde bedeuten, dass der Bauer ohne Einschränkung güllen darf. Halt! Das natürlich nicht, aber er müsste lediglich die „normalen“ Vorgaben der Gewässerschutzgesetzgebung einhalten.

Ein Blick auf den Bauernhof im Zelgli in Wisen lässt vermuten, dass man diese Umzonung erzwingen möchte.

„Undichte“ Silos wieder in Betrieb

Am 19.1.12 erteilte die Bau- und Umweltkommission der Einwohnergemeinde Wisen die Bewilligung für den Bau einer neuen Remise, eines neuen Silos sowie einer Fotovoltaikanlage auf den Dächern der neuen Remise und einer bestehenden Scheune. Im Bundesgerichtsurteil vom 26.11.12 ist zu lesen: „Da das neue Silo an die Stelle von drei alten, undichten Silos tritt, handelt es sich um eine Ersatzbaute, welche die Gefahr einer Gewässerverschmutzung verringert.“

Nach etwa drei Jahren nahm der Bauer die drei alten Silos wieder in Betrieb. Da staunt Heidi! Sind nun die alten Silos tatsächlich undicht? Dann müssten die Behörden sofort eingreifen. Aber, so vermutet Heidi, das war nur ein Vorwand zur Durchsetzung des Bauvorhabens.

Heute: 3 kleine und 3 grosse Silos

Auf den offiziellen Schweizer Karten und Luftbildern sind heute drei kleine und drei grosse Silos zu sehen. Alle sechs stehen nicht nur in der Landschaft, sie werden genutzt.

Bau von Siloanlagen in S2 verboten

Es ist klar wieso man versucht die S2 loszuwerden: Es ist verboten, in der S2 Einrichtungen für die Lagerung von Raufuttersilage zu erstellen.

Remise für Siloballen und Maschinen

Lesen wir nochmals im Bundesgerichtsentscheid: „Die neue Remise dient nach der ergänzenden Vernehmlassung des Bau- und Justizdepartements vom 3. September 2012 dazu, Maschinen und Siloballen künftig nicht mehr im Freien, sondern im Trockenen unterbringen zu können. Mit Blick auf den Gewässerschutz wird damit ebenfalls eine deutliche Verbesserung erzielt.“

Google Earth sowie die Schweizer Karten zeigen Siloballen im Freien. Auch werden Tiere im Karstgebiet auf der Strasse mit dem Inhalt von Siloballen gefüttert. Heidi frägt sich: „Wo ist da die Verbesserung?“ Bundesgerichtsentscheid: „Das umstrittene Bauvorhaben dient somit nicht einer Betriebsvergrösserung, sondern der Verbesserung der Produktionsbedingungen, namentlich auch mit Blick auf den Gewässerschutz.“

Nicht nur die Vergrösserung des Betriebs, auch der Neubau von weiteren Anlagen in einer Quellschutzzone waren bewilligt worden. Und kontrolliert wird nicht. Jetzt karrt der Bauer Futter zu und Gülle weg.

Freiwilliger Verzicht auf Quelle?

Auf eine Quelle einfach verzichten, wo zahlreiche Trinkwasserversorger in verschiedenen Kantonen wegen der Grenzwertüberschreitungen von Chlorothalonil-Abbauprodukten Wasserfassungen schliessen müssen? Roman Wiget, Geschäftsführer der Seeländischen Wasserversorgung, sagte am 22.12.19 zur Sonntagszeitung, dass ab Januar 2020 nur noch eine der sechs Fassungen brauchbar sei. Im Winter könne man «mit diesem einen Brunnen das Einzugsgebiet noch knapp versorgen». Was die Trinkwasserversorgung aber im Sommer mache, wenn das Wasser knapp werde, sei nicht klar. Wiget: «Das Verbot des Pestizids Chlorothalonil löst bei den Trinkwasserversorgungen im ganzen Mittelland ein Erdbeben aus. Die Situation ist dramatisch.»

Viele machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Trinkwasserversorgung, auch aufgrund der Klimaerwärmung, welche zahlreichen Trinkwasserversorgern grosse Probleme bereitet. Doch hier an der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Baselland überlegt man sich den Verzicht auf eine – so ist zu hoffen – gute Quelle nur weil man dem Bauern, der in der Schutzzone seinen Hof gebaut hat, entgegenkommen will.

Gründe für Verzögerungen

Mit der Grundwasserschutzzone werden die Tunnelquellen im Hauensteintunnel des basellandschaftlichen Zweckverbandes Wasserversorgung Oberes Homburgertal geschützt. Die Quellen, die nutzniessende Wasserversorgung und der weitaus grösste Teil des Einzugsgebietes und somit der Schutzzone liegen im Kanton Basel-Landschaft, nur ein kleiner Teil der Schutzzone befindet sich im Kanton Solothurn in Wisen. Das Interesse des Kantons Solothurn am Quellschutz dürfte also klein sein.

Es gibt mehrere Gründe für die Verzögerungen der letzten Jahre.

  • Die hydrogeologischen Grundlagen für eine neue Schutzzone nach geltender Gewässerschutzverordnung lieben erst im Kanton Solothurn vor, nicht aber im Kanton Baselland.
  • Die Anpassung des Grundwasserschutzes in Karstgebieten wurde vom Bund schon lange angekündigt, aber erst 2016 in der Gewässerschutzverordnung verankert. Die Vollzugsinstrumente des Bundes sind noch nicht verfügbar.
  • Für die Ausscheidung von Schutzzonen ist die Wasserversorgung zuständig. Diese hat zusammen mit dem Kanton Baselland die erforderlichen Aufträge ausgelöst, die geologischen Studien konnten aber wegen den Verzögerungen beim Bund noch nicht abgeschlossen werden.

Behörden konzentrieren sich auf „grosse“ Probleme

Die Arbeit des Amts für Umwelt konzentriert sich auf jene Gebiete, wo das meiste Trinkwasser produziert wird und wo sich regionale Fassungen befinden, d.h. die Nitrat- und Pestizid-Problemgebiete im Mittelland (Gäu). Gewässerschutzprojekte bedeuten „viel Arbeit für die zuständige Behörde“.

Zeit und Geld sind beschränkt. Deshalb gibt es trotz erheblicher Verschmutzung des Grundwasser nur wenige „Gewässerschutzprojekte gemäss GSchG Art. 62a.

Heidi meint

„Das Güllen in der Grundwasserschutzzone im Karstgebiet Wisen SO muss sofort verboten werden, egal wie lange es noch dauert bis neue Zonen rechtskräftig sind, denn solche Vorhaben dauern oft lange, da auch mit Einsprachen zu rechnen ist, wenn es eine gute Lösung sein soll. Und man müsste als Übergangslösung die Verpflichtungen gemäss der neuen Zone S2 gemäss Gewässerschutzverordnung von 1998 vorschreiben.

Es wäre gut, wenn sich der Solothurner Nationalrat Fluri in seinem Kanton vermehrt für den Grundwasserschutz einsetzen würde und sich auch um das Wisner Quellwasser kümmerte, das den Nachbarn im Kanton Baselland nützt.“

Viele kleien Probleme summieren sich!

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Karstlehrpfad im Laufental

Im Laufental bei Basel ist in der Region Kaltbrunnental und Brislachallmet vom lokalen Höhlenforscher-Verein ein «Karstlehrpfad» realisiert worden. Der Lehrpfad führt von Zwingen nach Grellingen. Ähnlich einem Naturlehrpfad bringt dieser dem interessierten Besucher und Wanderer die ortsbezogenen Themen Karst, Höhlen, Höhlenbewohner (Mensch und Tier), Archäologie und den Schutz der Karstlandschaft näher.

Karstlehrpfad Kaltbrunnental-Brislachallmet

Was bringt das Nitratprojekt Gäu-Olten? Wissenschaft soll Antworten liefern, Solothurner Zeitung 28.10.18

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (2) Heidis Mist 24.7.15

Grundwasserschutz: Zu früh für Schlussfolgerungen. Gebiet Gäu SO, Bauernzeitung 8.9.19

Gewässerschutz-Beiträge, Abgeschlossene und laufende Projekte sowie Herausforderungen. Agrarbericht 2019 Bundesamt für Landwirtschaft

Anstieg der Nitratwerte beunruhigt Schnottwil, SRF 2.12.19

Gewässerschutzgesetz Art. 14 Betriebe mit Nutztierhaltung

Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, Anhang 2.6 Dünger, 3.3 Verbote und Ausnahmen

Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz, Seite 35.BAFU 6.5.12

Bevölkerung zahlt für Pestizidsünden. Sonntagszeitung 22.12.19

Gewässerschutzkarten

10. Fachtagung ChloroNet vom 23.11.17, R. Tiez: Untersuchung und Beurteilung von belasteten Standorten auf Karst- Grundwasser

Das Unterschriftensammeln geht weiter … für die 2. Pestizid-Initiative

14. Januar 2018

Pestizide messen JA – Massnahmen NEIN

Das Pestizidproblem ist schon lange bekannt. Die Gewässerqualität wird fleissig gemessen und es werden Berichte verfasst; relativ häufig übersteigen die Daten für Pestizide den Anforderungswert. Das Gesetz schreibt zwar Gegenmassnahmen vor, doch das kümmert die Zuständigen wenig. Wie es im Boden aussieht, das weiss man kaum. Hingegen ist klar, dass es der Biodiversität schlecht geht.

Aktionsplan

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) sind stolz auf ihren Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Einen Grund dafür gibt es aber nicht, denn initiiert wurde dieser von Tina Angelina Moser, Grünliberale Partei, mit dem Postulat 12.3299 vom 16.3.12. Sie forderte einen Aktionsplan analog zur EU. Ohne diesen Vorstoss wäre nichts geschehen.

Das Schwergewicht des Aktionsplans liegt bei Anreizen, Forschung, Bildung/Beratung, Information und Monitoring. „Ziel ist es, die schädliche Wirkung auf Natur und Gesundheit um die Hälfte zu reduzieren, bis ins Jahr 2030. «Ob wir das schaffen oder nicht, kann ich nicht garantieren. Aber wir werden ganz bestimmt ein Monitoring auf die Beine stellen, damit wir informieren können, wie weit wir schon sind», so Reinhard“ gegenüber SRF am 4.1.18.

Heidi meint: „Wenn nur schon die Gesetze eingehalten würden, dann wäre das Ziel von BLW und BAFU wahrscheinlich schon jetzt erreicht und nicht erst 2030.“ Mit dem Aktionsplan des Bundes sind der Bauernverband und die Industrie zufrieden, was den Wert des Werks erahnen lässt. Kritik kommt von vielen Seiten; Vision Landwirtschaft hat einen alternativen Aktionsplan ausgearbeitet, der von den Trinkwasserversorgern (SVGW) und einem breiten Bündnis von weiteren Organisationen unterstützt wird.

Sisyphusarbeit für Pestizide

Zwar arbeiten die Ämter wie verrückt an neuen Anforderungswerten, Vorschriften, Monitoring, Analysen, endlosen Dokumenten, Stellungnahmen usw. Heidi ihrerseits berichtet mit viel Aufwand über Verstösse, konsultiert das Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLW, versucht unsinnige Neuregelungen wie die Messung der Pufferstreifen an Gewässern ab Uferlinie statt (wie international üblich) ab Böschungsoberkante zu verhindern oder das allgemeine Pestizid-Verbot in der Grundwasserschutzzone S2 wieder einzuführen. Opposition gegen die Lockerung von Vorschriften kommt meistens zu spät. Auch zahlreiche NGOs, Bauern und andere Institutionen beteiligen sich am Versuch, bessere Wege aufzuzeigen.

Solange Pestizide Standard sind, gibt es unnötig viel Sisyphusarbeit, Umwelt- und Gesundheitsschäden, Kosten, Streitigkeiten, unbefriedigende Lösungen … ! Und die Probleme bleiben. Die Schäden nehmen zu.

Unterschreiben Sie die zweite Volksinitiative

Mehrere Umweltorganisationen und das Papiliorama unterstützen die Pestizid-Initiativen aktiv. Nachdem die Trinkwasser-Initiative zustande gekommen ist, schreibt der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV): „Wir setzen uns nun verstärkt für die zweite Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ein. An der Messe «Fischen Jagen Schiessen» in Bern vom 15. bis 18. Februar 2018 sammeln wir auch für diese Initiative Unterschriften.“

Heidi bittet Sie, diese Volksinitiative ebenfalls zu unterstützen … bei deren Annahme hätten wir schon fast ein Bioland Schweiz. Die Ernährungssicherheit würde zunehmen – trotz gegenteiliger Behauptungen und Hunger-Angstmache.

Und fragen Sie doch einen Regenwurm:
„Wie geht’s dir?“

Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Manifest Future 3

Kritik am Aktionsplan Risikoreduktion Pflanzenschutzmittel des Bund Heidis Mist vom 2.10.16

Kritik an hohem Pestizideinsatz in der Schweiz, Priscilla Imboden, SRF, 4.1.18

Einsatz von Pestiziden verbieten. Schweizerische Fischereizeitung 1/2018, Seite 49

Copy & Paste aus Heidis Wünsche:

14.1.18 HOME

Wasser-Wissen nutzen!

29. Oktober 2017
Friedhof neben dem Haus der Familie Brontë in Haworth, West Yorkshire. Copyright: The Great British Channel.

Friedhof neben dem Haus der Familie Brontë in Haworth, West Yorkshire. Copyright: The Great British Channel.

Das Leben der Familie Brontë wird immer wieder beschrieben und verfilmt und die Bücher der drei Schwestern neu aufgelegt. So stammt etwa die letzte Verfilmung des Romans Jane Eyre von Charlotte Brontë aus dem Jahre 2011.

Der Film Brontë Country: The Story of Emily, Charlotte & Anne Brontë passt zu diesem düsteren Sonntag. Er wurde von The Great British Channel gedreht und unter „Bildung“ klassiert. Der Text wird langsam und deutlich gesprochen und ist daher leicht verständlich.

Das grosse Sterben

Für Heidi waren die Minuten 15:07 bis 18:25 besonders interessant. In Haworth, West Yorkshire, nahm die Bevölkerung während der Industriellen Revolution stark zu. Nicht nur die Angst vor Arbeitslosigkeit bedrückte die Menschen, sondern auch das grassierende Sterben von Tausenden von Menschen. 41 Prozent der Kinder starben vor dem 6. Altersjahr.

Das Problem wurde untersucht. 1850 fand man den Grund. Das Trinkwasser kam vom Hügel herunter und durchquerte den Friedhof. Mit steigender Zahl der Toten wurden diese raumsparender gelagert; man legte eine Leiche über die andere, obenauf kamen flache Grabsteine. Dadurch wurde die Verschmutzung des Trinkwassers noch verstärkt, denn das Regenwasser floss über die flachen Grabsteine weg, versickerte und nahm im Boden „Fäulnis“ und Krankheiten mit. Wer das Wasser nutzte, war den Krankheitserregern ausgesetzt. Besonders die Cholera breitete sich epidemisch aus.

Wissen füllt Bibliotheken und Server – Was nun?

Heute wissen wir viel mehr. Es ist so viel Wissen vorhanden, dass wir oft Mühe haben, Fakten zu finden oder zielführend einzusetzen. Wichtige Errungenschaften drohen uns zu entgleiten, wie die Antibiotika.

Wissenschaftler veröffentlichen Ihre Arbeiten bevorzugt in international renommierten Journals. Wie aber soll die Politik handeln? Dazu schweigen sich die Forschenden allzu oft aus oder präsentieren die Fakten ohne klar und deutlich darzulegen, was zu tun ist. Sie überlassen das Einschätzen der Lage den Unwissenden, welche die Zusammenhänge schwer durchschauen können und andere Interessen verfolgen.

Also weiter wursteln wie bisher? Oder mit Lösungen in die Zukunft blicken? Es kann eine Entscheidung über Leben und Tod sein, über Menschen, welche heute noch nicht geboren sind.

Was gelangt heute über Luft und Boden ins Trinkwasser?

Zum Beispiel ist es erlaubt, Pestizide in unmittelbarer Nähe von Trinkwasserfassungen (Grundwasserschutzzone S2) auf den Acker zu sprühen. Es gibt zwar eine kleine Liste mit dort verbotenen Pestiziden, aber diese Ausnahmen werden nicht kontrolliert. Und wer erstellt diese Liste? Das Bundesamt für Landwirtschaft!

Brontë Country: The Story of Emily, Charlotte & Anne Brontë, The Great British Channel, youtube 21.1.14

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29.10.17 HOME

Pestizide Grundwasserschutzzone S2: Vorschlag Graubünden

11. Mai 2015
In der Gewässerschutz-Verordnung verankerte Ziele für das Grundwasser: Theorie und Praxis  klaffen auseinander. Wer kümmert sich um den Vollzug? Jedenfalls nicht jene Bundesämter, die wir eigentlich dafür bezahlen, dass sie uns schützen.

In der Gewässerschutz-Verordnung verankerte Ziele für das Grundwasser: Theorie und Praxis klaffen auseinander. Wer kümmert sich um den Vollzug? Jedenfalls nicht jene Bundesämter, die wir eigentlich dafür bezahlen, dass sie uns schützen.

Heidi schreibt häufig über Missstände in der Bündner Landwirtschaft. Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, Positives aus Graubünden zu berichten. Ein Leser schrieb letzte Woche: „Offenbar gibt es neben Dir noch ein paar weitere Vernünftige in GR.“ Gemeint ist damit das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT). Hier der vollständige Text auf der Internetseite des ALT, Rubrik Lebensmittelsicherheit > Produktkontrollen:

Atrazin in Grundwasser

09.07.2014

Im Mai 2014 liess das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit wiederholt Grundwässer auf Verunreinigungen durch Spritzmittel (Pflanzenschutzmittel) im Interkantonalen Labor Schaffhausen untersuchen. Im Durchschnitt weisen bis zu 80% der Messstellen in von Ackerbau und Siedlungen dominierten Einzugsgebieten Pflanzenschutzmittel auf.

In Graubünden wurden 22 Grundwasserpumpwerke beprobt. An elf Messstellen (50%) konnten bis zu drei Substanzen, und zwar Spuren von Triazinherbiziden, Metolachlor und 2,6-Dichlorbenzamid, dem Abbauprodukt von Dichlobenil, nachgewiesen werden. Die Konzentrationen erreichten hingegen nicht mehr als ein Zehntel des gesetzlich festgelegten Toleranzwertes für organische Pestizide und deren relevante Metabolite, Abbau- und Reaktionsprodukte.

Die Proben widerspiegeln die Ergebnisse der letzten Jahre einer insgesamt geringfügigen Belastung unserer Grundwässer. Allerdings spricht der Nachweis des Herbizids Atrazin und dessen Abbauprodukts Desethylatrazin in zehn von elf Messstellen für die unerwünschte Persistenz dieser Stoffe in der Umwelt und deren langsame aber stete Infiltration ins Grundwasser. In der Schweiz ist Atrazin deshalb seit dem Jahr 2008 nicht mehr zugelassen. Bis Ende 2011 durfte Atrazin allerdings noch eingesetzt werden. Der Wirkstoff wurde vorwiegend im Maisanbau verwendet.

Zusätzlich zu einem Verbot von Atrazin sind weitere Massnahmen zum Schutz der Grundwässer vor Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Zu diesen Massnahmen gehört beispielsweise ein Verbot für deren Ausbringung in Risikozonen wie den Grundwasserschutzzonen S2.

Atrazin in Grundwasser, Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit, Kanton Graubünden

Dichlobenil: Einmal mehr zeigt sich, dass in der Schweiz Pestizide zugelassen sind, welche im nachbarlichen Ausland verboten sind. Wikipedia: „In Deutschland und Österreich ist kein Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff erhältlich, in der Schweiz sind dagegen zahlreiche Dichlobenil-Präparate für die Verwendung beim Anbau von Ziergehölzen und in forstlichen Pflanzgärten zugelassen.“

Atrazin ist noch immer jenes Pflanzenschutzmittel, das die Kasse der Syngenta in vielen Ländern heftig klingeln lässt. Syngenta will die kranke Cashcow weitermelken, Adi’s Agro-Blog, Mai 2012. „Die Anwendung von Atrazin ist in Deutschland und Österreich seit dem Jahr 2001 verboten. Atrazin wird jedoch in der Schweiz – vor allem im Maisanbau – weiterhin eingeschränkt verwendet.“ heisst es in einem Papier der Bodenseekonferenz (ohne Datum). Diese Meldung ist zwar überholt, aber bis vor gut drei Jahren durfte Atrazin in der Schweiz verwendet werden, d.h. drei Jahre nach dem (späten) Verkaufsverbot.

Metolachlor ist für Wasserorganismen sehr giftig (Wikipedia).

Die Schweizer Pestizid-Gesetzgebung als Vorbild? Wohl kaum!

11.5.15 HOME

Wer hat das Recht, unser Trinkwasser zu verschmutzen?

3. Mai 2015
Die Qualität des Trinkwassers geht uns alle etwas an.

Die Qualität des Trinkwassers geht uns alle etwas an.

Eigentlich liegt es auf der Hand, dass niemand unser Trinkwasser verschmutzen darf. Unfälle, Unwetter und Missgeschicke der Menschen beeinträchtigen oft genug die Wasserqualität. Das Vorsorgeprinzip ist also oberstes Gebot oder, besser gesagt, sollte es sein. Ein krasser Verstoss gegen diese Sorgfaltspflicht ist das Recht der Bauern, Pestizide bis unmittelbar an die Trinkwasserfassungen spritzen zu dürfen.

Heidi freut sich immer wieder darüber, wenn auch andere Leute ihre Meinung teilen: Der Einsatz von Pestiziden in der Grundwasserschutzzone S2 soll endlich wieder verboten werden. Neuestes Beispiel ist der Artikel Pestizide: Bauern gegen sauberes Trinkwasser von Eric Breitinger im saldo 08/2015 vom 29. April 2015. Der vollständige Artikel kostet CHF 3.00; der Einsatz ist es wert. Wir sollen schlucken, was wenige Prozent der Bevölkerung uns verordnen. Unglaublich! Höchste Zeit also, dass wir handeln und unser Recht auf sauberes Wasser einfordern. Wo? Beim Bundesamt für Landwirtschaft, bei NationalrätInnen, bei StänderätInnen, beim Bundesamt für Umwelt

Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität
Grundwasserschutzzonen: Wer weiss Bescheid?

3.5.15 HOME

Keine Pestizide in der Grundwasserschutzzone S2

7. April 2015
Starkregen werden - so meinen die Fachleute - in Zukunft zunehmen. Umso wichtiger ist es, dass in der Grundwasserschutzzone S2 keine Pestizide ausgebracht werden.

Starkregen werden – so meinen die Fachleute – in Zukunft zunehmen. Umso wichtiger ist es, dass in der Grundwasserschutzzone S2 keine Pestizide ausgebracht werden.

Die Anhörung zur Änderung der Gewässerschutzverordnung ist Ende März 2015 abgelaufen. Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfachs (SVGW) begrüsst verschiedene Verbesserungen. In seiner Fachzeitschrift Aqua & Gas, N°4, 2015, liest Heidi heute: „Für den SVGW ist das Ausbringen von Pestiziden in unmittelbarer Umgebung von Grundwasserfassungen nicht vertretbar. Mit Nachdruck weist der SVGW darauf hin, dass aus der Sicht des Gewässerschutzes die Verwendung von wassergefährdenden Stoffen, allen voran den Pestiziden, in der unmittelbaren Umgebung von Grundwasserfassungen wegen der damit verbundene Gefährdung des Trinkwassers nicht vertretbar ist.

Beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln (PSM) innerhalb der Zone S2 ist die Gefahr gross, dass diese, besonders bei Starkniederschlängen, auf direktem Weg in die Trinkwasserfassung gelangen. Wie schon früher fordert der SVGW daher eine Erweiterung des Verbots für den Einsatz von PSM in der S2 und gezielte Einschränkungen in der S3.“

Heidi wünscht sich schon lange die Wiedereinführung des allgemeinen Verbots von Pestiziden in der S2. Der Bundesrat hatte ein solches Verbot 1999 erlassen, doch auf Druck der Bauern wieder aufgehoben,  siehe Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität.

7.4.15 HOME

Macht Glyphosat Menschen und Tiere krank?

2. April 2015
"...Glyphosat = Totalherbizid, bringt alle Pflanzen vom Leben zum Tod – ausser den so beschworenen, gentechnisch veränderten. Deren Einführung allerdings hat dann resistente “Super-Unkräuter” und “Killer-Insekten” zur Folge...." Weiterlesen bei Osmerus:  Der orange Blitz – Agrar-Frühling aller Orten. https://osmerus.wordpress.com/2014/03/23/der-orange-blitz-agrar-fruhling-aller-orten/  23. März 2014, Copyright  osmerus

„…Glyphosat = Totalherbizid, bringt alle Pflanzen vom Leben zum Tod – ausser den so beschworenen, gentechnisch veränderten. Deren Einführung allerdings hat dann resistente “Super-Unkräuter” und “Killer-Insekten” zur Folge….“ Weiterlesen bei Osmerus: Der orange Blitz – Agrar-Frühling aller Orten. https://osmerus.wordpress.com/2014/03/23/der-orange-blitz-agrar-fruhling-aller-orten/ 23. März 2014, Copyright osmerus

Die Weltgesundheitsorganisation hat Glyphosat aufgrund von zahlreichen Studien als wahrscheinlich krebserregend eingestuft, siehe Glyphosat soll Krebs erregen, Schweizer Bauer vom 25.3.15. Arte berichtete am 31.3.15 über mögliche Schäden von Glyphosat, siehe Tote Tiere – Kranke Menschen. Die Sendung wird am Freitag, 10.4.15, um 10.00 Uhr wiederholt.

In der Schweiz ist die Anwendung der meisten Pestiziden bis wenige Meter an die Trinkwasserfassungen erlaubt. Ausnahmen sind in der Liste des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel in der Grundwasserschutzzone S2 aufgeführt. Zwischen November 2012 und heute hat die Zahl der verbotenen Wirkstoffe von 11 auf 20 zugenommen. Das Führen dieser Liste erfordert Behördenarbeit im Spannungsfeld zwischen Menschenschutz sowie Bauern- und Industrie-Lobby. Auch diese aufwändige Arbeit bezahlen wir.

Wann wird das BLW Glyphosat auf die Liste setzten? Zum Schutze des Trinkwassers wäre es sinnvoll und zudem effizienter bzw. zwingend nötig, dass das BLW endlich ein allgemeines Verbot für Pestizide in der Grundwasserschutzzone S2 erlässt. Das hätte den Vorteil, dass das Einhalten des Verbots kontrolliert werden könnte, aber das wollen die Bauern nicht und demzufolge vermutlich auch das BLW nicht. Heidi wünscht sich schon lange ein solches Verbot. Schaltet das BLW wie beim Atrazin den Kriechgang ein und wartet bis „die Welt“ ein allgemeines Verbot für Glyphosat erlässt?

Über die Problematik der Pestizid-Anwendung in der Grundwasserschutzzone S2 und über die verschiedenen Grundwasserschutzzonen schrieb Heidi am 19.11.12, siehe Grundwasserschutzzonen: Wer weiss Bescheid?

Nachtrag 2.4.15: Soeben hat Gerhard Laukötter – passend zum Thema – ein Gedicht mit dem Titel Die Saat geht auf veröffentlicht. Hier die letzten zwei Zeilen:

Wir ernten tief im Wasser Gift,
das hat vom Mais die Todesschrift.

2.4.16 HOME

SVGW fordert Verbot von Pestiziden in der Grundwasserschutzzone S2

29. Mai 2014
Unser Trinkwasser stammt zu 80 Prozent aus dem Grundwasser. Wir sollten dieses daher besser vor Verunreinigungen schützen.

Unser Trinkwasser stammt zu 80 Prozent aus dem Grundwasser. Wir sollten dieses daher besser vor Verunreinigungen schützen.

Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) berichtete in seinen Mai-Mitteilungen über ein Gespräch mit dem Schweizer Bauernverband (SBV). Sorge bereitet dem SVGW die mangelhafte Umsetzung des vorsorglichen Gewässerschutzes in Bezug auf Pflanzenschutzmittel (PSM) und deren Abbauprodukte. Dies sei im Widerspruch zur Gewässerschutzverordnung, welche verlangt, dass im Grundwasser keine künstlichen, langlebigen Stoffe enthalten sein dürfen. Der Einsatz von wassergefährdenden Stoffen wie PSM in der unmittelbaren Umgebung von Grundwasserfassungen sei nicht vertretbar. Dadurch würde das Trinkwasser gefährdet. Anton Kilchmann, Direktor des SVGW, formulierte drei Forderungen:

  • Verbot von Pflanzenschutzmitteln in der Schutzzone S2
  • kein Einsatz von grundwassergängigen Pflanzenschutzmitteln in der Schutzzone S3
  • eingeschränkter Einsatz von grundwassergängigen PSM im Zuströmbereich beim Auftreten von Problemen an Wasserfassungen (Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln oder Pflanzenschutzmitteln-Abbauprodukten im Grundwasser > 0,1µg/l)

Informationen zur Ausdehnung der Grundwasserschutzzonen S2 und S3 siehe Grundwasserschutzzonen: Wer weiss Bescheid, Heidis Mist 19.11.12. Der Bundesrat hatte Anfang 1999 ein Verbot von PSM in der Schutzzone S2 erlassen. Die Bauern protestierten. Was tat der Bundesrat? Er hob das Verbot auf! Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität, Heidis Mist 6.2.13.

Der SVGW offerierte dem SBV Unterstützung bei der Information und Schulung mit dem Ziel, Landwirte, Verkaufsstellen und Berater zu sensibilisieren.

Der SBV setzt auf Freiwilligkeit, d.h. Information. Die Unterstützung des SVGW sei in verschiedenen Bereichen wünschenswert. SBV-Präsident, Markus Ritter, glaubt, dass das geforderte PSM-Verbot in der S2 bereits grösstenteils umgesetzt sei. Der SVGW solle diesbezüglich mit den Kantonen Kontakt aufnehmen, um allfälligen Handlungsbedarf abzuklären.

Heidis Frage: Wieso will der SBV kein Verbot, wenn doch das PSM-Verbot grösstenteils umgesetzt ist? Oder vielleicht doch nicht?

So soll ein grosser Arbeitsaufwand betrieben werden bevor etwas Selbstverständliches (wieder) erlassen wird, nämlich ein Verbot von PSM in der Schutzzone S2. Auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ist laufend damit beschäftigt, die Liste der in der S2 verbotenen PSM zu überarbeiten, neueste Version 15.5.14. Seit dem 6.2.13 ist die Liste um 7 Wirkstoffe länger geworden und umfasst heute 18 Wirkstoffe. Und wer zahlt den Arbeitsaufwand? Wir natürlich mit den Steuern!

In der Gewässerschutzverordnung haben wir den Lebewesen im Grundwasser versprochen, sie zu schützen. Sind das nur leere Worte? Das Grundwasser lebt, Heidis Mist 22.2.13.

29.5.14 HOME


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