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Vom Fischer zum Öko-Aktivisten

25. August 2018
Hamburger Hafen. Der Elbe geht es dreckig. Copyright: Ludwig Tent

Hamburger Hafen. Der Elbe geht es dreckig. Copyright: Ludwig Tent, Lebendige Bäche und Flüsse.

Am 6.8.18 ist Heinz Oestmann, der letzte Fischer von Hamburg-Altenwerder, 68-jährig gestorben. Seine Vorfahren waren schon im 18. Jahrhundert Fischer. Oestmann war 19 Jahre alt als sein Vater starb und er den Kutter übernahm. Er fischte in der Elbe, vor Helgoland und im Atlantik. Von Jahr zu Jahr wurde der Fang magerer und mehr kranke Fische waren im Netz. Die Ursache erkannte er bald: Es war die massive Umweltverschmutzung, die seine Existenz bedrohte. Er nahm dies nicht einfach hin, sondern kämpfte dagegen, wenn es sein musste auch handgreiflich.

Um 1980 verklappte Dow Chemical in Stade pro Tag zwei Tonnen chlorierte Kohlenwasserstoffe in der Elbe. Der Hamburger Senat liess mit Schwermetallen und Medikamenten belasteten Klärschlamm bei Helgoland ins Meer schütten. Regelmässig fuhren Tanker mit Dünnsäure auf die Nordsee und entsorgten dort das giftige Zeug auf Kosten der Allgemeinheit. Oestmann hinderte einen dieser Tanker der Firma Kronos Titan in einer spektakulären Aktion mit seinem Kutter am Auslaufen.

Hinzu kam das Kühlwasser aus den Atomkraftwerken. Die Kühlung saugte die Fische an und erwärmte das Wasser, was den Fluss immer wieder zum Kippen brachte. Oestermann protestierte auch gegen die immer weitere Vertiefung der Elbe.

Der zum Öko-Aktivist gewordene Fischer setzte sich für eine lebendige Elbe und sein Heimatdorf Altenwerden ein, wo jetzt der angeblich modernste Containerterminal Europas steht. Mehr als 2’000 Menschen mussten weichen. Der Kampf gegen die Umsiedlung dauerte 25 Jahre. Oestmann war zusammen mit seiner Frau und den vier Kindern der Vorletzte, der ging.

Zerstörerischer Welthandel

Der Welthandel mit immer mehr Gütern, die über immer längere Strecken transportiert werden, hat seinen Wasserpreis: Zerstörung von Flüssen wie der Elbe, Verschmutzung und Verlärmung der Ozeane. Über die absurde Sisiphus-Vertiefung der Elbe hat Heidi ausführlich im folgenden Artikel geschrieben: Alle blicken nach Davos – Heidi hat die Elbe im Visier. Heidis Mist vom 20.1.17.

Die Elbe im Sommer 2018 – leer.

Containerfrachter von Hamburg seewärts, Süsswasserwatt Fährmanssand. Ebbe, Tideniedrigwasser – alles Wasser im Schifffahrtskanal, keins für Gewässerökologie. Copyright: Ludwig Tent, <a href="http://osmerus.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener">Lebendige Bäche und Flüsse.</a>

Containerfrachter von Hamburg seewärts, Süsswasserwatt Fährmanssand. Ebbe, Tideniedrigwasser – alles Wasser im Schifffahrtskanal, keins für Gewässerökologie. Copyright: Ludwig Tent, Lebendige Bäche und Flüsse.

Aktuelle Informationen zur Elbe, Gewässerökologie, Containerfrachter, Ausbaggern usw.: Die Elbe im Sommer 2018 – leer. Osmerus‘ Blog, Lebendige Bäche und Flüsse vom 22.8.18.

Wie der Fischer zum Rebellen wurde. Nachruf auf Heinz Oestmann, einen Kämpfer gegen Verdrängung und GAL-Politiker der ersten Stunde, taz vom 10.8.18.

Der letzte Fischer von Altenwerder. Heinz Oestmann im Alter von 68 Jahren gestorben. Hamburger Morgenpost vom 8.8.18.

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Abfälle gefährden Grundwasser, Flüsse und Seen

18. April 2015

Altlastenkarte_d

„Nach mehrjährigen aufwendigen Abklärungen haben alle Kantone und drei Bundesstellen ihre Kataster der belasteten Standorte abgeschlossen. Wie eine landesweite Auswertung des BAFU zeigt, belegen die rund 38‘000 erfassten Areale eine Gesamtfläche von etwa 230 Quadratkilometern (Heidi: entspricht der Fläche des Kantons Zug). Bei den meisten belasteten Grundstücken handelt es sich um Betriebsstandorte und ehemalige Deponien im Mittelland, die nicht selten in der Nähe von Grundwasservorkommen oder Oberflächengewässern liegen …

In Klosters und Schiers GR wurde beim Unwetter 2005 die alte Abfalldeponie weggeschwemmt. Nach Jahren sah Heidi noch Spuren von Plastik, Blech, Glas usw.

In Klosters und Schiers GR wurde beim Unwetter 2005 die alte Abfalldeponie weggeschwemmt. Nach Jahren sah Heidi noch Spuren von Plastik, Blech, Glas usw.

… Hinsichtlich der Umweltrisiken stellen die belasteten Standorte vor allem eine Gefahr für die Gewässerqualität dar. So befinden sich gut 60% aller im KbS erfassten Flächen in einem Gewässerschutzbereich mit nutzbarem oder genutztem Grundwasser. Den hohen Druck auf die Wasserressourcen im Mittelland dokumentiert auch die Nähe der belasteten Standorte zu Oberflächengewässern, liegt doch ein Viertel weniger als 50 m von einem Fluss-, Bach- oder Seeufer entfernt. In den nächsten Jahren gilt es deshalb, die weitere Untersuchung dieser Standorte vorrangig zu behandeln und bei Bedarf Sanierungs- oder Überwachungsmassnahmen zu treffen, um das unliebsame Erbe aus der Vergangenheit zu entschärfen.“ Altlasten: Aufräumen mit den Umweltsünden, BAFU, 21.5.14.“

Neue Publikation: Überwachung von belasteten Standorten, Vollzugshilfe zur Altlasten-Verordnung, BAFU 2.4.15.

Stand der Altlastenbearbeitung in der Schweiz, BAFU

Beispiel Altlastensanierung altes Gaswerk Chur, Botschaft des Stadtrates an den Gemeinderat, Stadt Chur, voraussichtliche Kosten: 3’551’000 Franken. „… Da aufgrund der toxischen und teilweise mobilen (viskosen) Teerschlacken eine konkrete Gefährdung des Grundwassers besteht, wird eine Sanierung im Winter 2014/2015 empfohlen…“ Rund 8’300 Kubikmeter Erde sollen bis zu den Sommerferien ausgehoben und korrekt entsorgt werden, Schrebergärten Chur: Statt Kartoffeln ist flüssiger Teer im Boden, SRF 16.4.15.

Werden die Behörden überall so rasch handeln wie in Chur oder lieber abwarten und Champagner trinken mit Investoren? Noch nie waren wir so reich, doch Steuergelder fliessen bevorzugt in lukrative Branchen, für die Umwelt bleibt wenig übrig. Besonders die Gemeinden sind am „schnellen“ Geld (Bautätigkeit) interessiert. Wer will schon für die Umweltsünden der Grosseltern zahlen? Doch gerade dies wäre dringend nötig.

Und es geht weiter so: Wachstum muss sein! Kate Amiguet hat einen informativen und eindrücklichen Film über unseren Umgang mit Abfällen gedreht: Trailer für eilige LeserInnen, 4 Minuten; Ganzer Film Déchets, 57 Minuten. Der Film ist nicht nur online verfügbar, sondern auch erhältlich bei Kate Amiguet : DVD ou Blu-Ray disponible sur commande : kate@mart.ch. Und wer mit dem Französischen Mühe hat? Die Bilder allein sprechen Bände.

Der Film gibt auf viele Fragen eine Antwort.

  • Wussten Sie, dass eine Gruppe von initiativen Leuten die Abfälle in den Naturschutzgebieten des Kantons Waadt sammelt, ohne Entgelt? Im ersten Jahr glaubten sie, das sei eine mehr oder weniger einmalige Angelegenheit, doch jedes Jahr werden neue Abfälle angeschwemmt, tonnenweise sammeln sie Müll.
  • War Ihnen bewusst, dass Kehrichtverbrenner (KVA) an möglichst viel Kehricht interessiert sind? Sie verkaufen Energie!
  • Wer zahlt am meisten? Firmen können „ihre“ KVA wählen. Die Konkurrenz spielt, drückt den Preis. Die Privatkunden zahlen mehr, was zwar von den KVAs bestritten wird.
  • Wussten Sie, dass es für die Endlagerung pro 1000 kg Kehricht-Asche 250 kg Zement braucht? Die Asche wird mit Zement und Wasser gemischt … und abgelagert. Die Lager wachsen, beanspruchen Platz.
  • ….
Männer, Frauen und Kinder sammeln in den Naturschutzgebieten des Kantons Waadt Abfall. Weitere Leute zu finden ist schwierig, denn am Samstag ist Shopping-Tag, Copyright TVmart, veröffentlicht mit Bewilligung von Kate Amiguet.

Männer, Frauen und Kinder sammeln in den Naturschutzgebieten des Kantons Waadt Abfall. Weitere Leute zu finden ist schwierig, denn am Samstag ist Shopping-Tag, Copyright TVmart, veröffentlicht mit Bewilligung von Kate Amiguet.

Deponie für Rückstände aus der Kehrichtverbrennungsanlage, Copyright TVmart, veröffentlicht mit Bewilligung von Kate Amiguet.

Deponie für Rückstände aus der Kehrichtverbrennungsanlage, Copyright TVmart, veröffentlicht mit Bewilligung von Kate Amiguet.

Bild ohne Worte aus dem Film Déchets, Copyright TVmart, veröffentlicht mit Bewilligung von Kate Amiguet.

Bild ohne Worte aus dem Film Déchets, Copyright TVmart, veröffentlicht mit Bewilligung von Kate Amiguet.

Post Plastic Lux: Eine Ausstellung in Genf (5. bis 15.3.15) widmete sich den Plastikabfällen: künstlerisch, wissenschaftlich, pädagogisch. Auch wenn sie schon wieder geschlossen ist, auf Facebook geht’s weiter: Facebook Post Plastic Lux. Dahinter stecken mehrere Frauen aus der Westschweiz, aus Hamburg, Paris und Kanada sowie ein Mann aus Genf.

Post Plastic Lux: Installation Air de L'Océan von Antoine Onzgi, Künstler und Architekt Zürich/Paris. Copyright Foto Anouk van Asperen, Erwachsenenbildnerin und Fotografin, Genf. Air de L'Océan: http://onzgi.blogspot.ch/2015/02/invitation.html Video auf youtube https://www.youtube.com/watch?v=mn0ogDFhQxM

Post Plastic Lux: Installation Air de L’Océan von Antoine Onzgi, Künstler und Architekt Zürich/Paris. Copyright Foto Anouk van Asperen, Erwachsenenbildnerin und Fotografin, Genf. Air de L’Océan: http://onzgi.blogspot.ch/2015/02/invitation.html Video auf youtube https://www.youtube.com/watch?v=mn0ogDFhQxM

18.4.15 HOME


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