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Handelsabkommen mit Indonesien: Komplizenschaft mit einer autoritären Regierung

25. Februar 2021
Karl Fürchtegott Grob kehrte als reicher Mann aus Sumatra in die Schweiz zurück. Im Zürcher Seefeld baute er die pompöse Villa Patumbah, die heute das Schweizer Heimatschutzzentrum beherbergt. Auf dem Foto von Heidi der Gartenpavillon im Villenpark.

Karl Fürchtegott Grob kehrte als reicher Mann aus Sumatra in die Schweiz zurück. Im Zürcher Seefeld baute er die pompöse Villa Patumbah, die heute das Schweizer Heimatschutzzentrum beherbergt. Auf dem Foto von Heidi der Gartenpavillon im Villenpark.

Monique Ligtenberg ist seit Oktober 2019 Doktorandin an der Professur Geschichte der modernen Welt der ETH Zürich. Ihren Master in Geschichte und Philosophie des Wissens mit der Abschlussarbeit Zwei Schweizer Ärzte im „Fernen Osten“. Wissenschaft, niederländischer Imperialismus, das Schweizer Bürgertum und die Kolonie als Kapital, ca. 1879–1935 hat sie 2019 an der ETH Zürich abgeschlossen.

Im Hinblick auf die Abstimmung über das Freihandelsabkommen mit Indonesien verfasste Ligtenberg einen Beitrag für das Lamm, der einen ausgezeichneten Einblick in die „zutiefst koloniale Beziehung“ der Schweiz mit Indonesien gibt, eine Beziehung, die bereits im 17. Jahrhundert begann. Tausende Schweizer heuerten damals als Soldaten, Ärzte und Matrosen bei der Niederländischen Ostindienkompanie (VOC) an. Auch Dutzende Wissenschaftler erforschten die „tropische Welt“ und brachten Menschenschädel, Kulturgüter und Tierpräparate in die Schweiz, die sich noch heute in den hiesigen Völker- oder Naturkundemuseen befinden.

Die Geschichte, die Ligtenberg vor uns ausrollt, reicht bis in die Gegenwart: „Am 13. Januar 2020 brannte es in den Strassen der indonesischen Grossstädte. Von Jakarta bis Surabaya, von Papua bis Kalimantan lieferten sich ArbeiterInnen, StudentInnen und selbst SchülerInnen Strassenschlachten mit der indonesischen Polizei. Der Anlass: die von der indonesischen Regierung verabschiedeten Omnibus-Gesetze (Undang-Undang Cipta Kerja), die darauf abzielen, Schwellen für ausländische InvestorInnen abzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen. Formuliert wurde das Gesetzespaket weitgehend hinter verschlossenen Türen.“

Lesen Sie diesen höchst interessanten Beitrag, der auch Palmöl und RSPO streift! Er schliesst mit dem Absatz:

„Würden sich die BefürworterInnen der Burka-Initiative mit demselben moralischen Eifer der Debatte über das Freihandelsabkommen annehmen, müssten sie konsequenterweise ein Nein empfehlen. Statt über die vermeintliche Unterdrückung von 20-30 Nikab-Trägerinnen (mehrheitlich Konvertitinnen) zu wettern, könnten sie ihre Ressourcen dafür einsetzen, sich über die politische Situation der 270 Millionen (mehrheitlich muslimischen) IndonesierInnen zu unterhalten. Denn Ungleichheiten und Unterdrückung halten sich nicht an politische Landesgrenzen – und wirtschaftliche Beziehungen sind nicht politisch neutral.“

Suharto ist weg – der Autoritarismus bleibt

Freihandelsabkommen mit Indonesien: Mehr als nur Palmöl. das Lamm vom 24.2.21

Monique Ligtenberg, ETHZ

Lehrveranstaltung ETHZ 851-0009-00L  „Niederländisch Ostindien“ und die deutschsprachigen Wissenschaften, ca. 1800-1950. B. Schär, M. Ligtenberg

Unabhängige Stimme zum Palmölanbau in Indonesien

28. Januar 2021
Prof. Heinzpeter Znoj, Direktor Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern.

Prof. Heinzpeter Znoj, Direktor Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern.

Eigentlich müsste sich Heidi ja um sauberes Wasser für die Frösche kümmern, doch es schreiben und reden aktuell so viele Leute über Palmöl, die weder von Indonesien, noch von Palmöl eine Ahnung haben. Es interessiert sie einzig allfällige bevorstehende Gewinne durch das Freihandelsabkommen, über das wir am 7. März 2021 abstimmen.

Zum Glück melden sich auch Leute zu Wort, welche kompetent sind und wirklich etwas zu sagen haben, etwa Heinzpeter Znoj, Direktor des Instituts für Sozialanthropologie an der Universität Bern und Präsident des CDE-Boards (Centre for Development and Environment). In einem Interview von Gaby Allheilig im Rahmen der CDE-Reihe äussert sich Znoj in klaren Worten zu Palmöl und dem Abkommen, hat er doch jahrelang in und zu Indonesien geforscht – unter anderem zu Korruption. Er sagt: «Die jüngste Entwicklung von Indonesiens Palmölwirtschaft geht genau in die entgegengesetzte Richtung der Ziele des Abkommens.»

Heidi hat aus dem Interview die Kernsätze herausgepickt.

Die Tricks der Plantagenindustrie erinnern an den Wilden Westen

  • Das Militär hat immer mitverdient
  • Ich halte die Standards für einen typischen Fall von ‘Greenwashing’
  • Palmölkonzerne machen Indigene abhängig, damit diese ihr Land abtreten
  • Die absehbare Überproduktion wird die Kleinbauern verarmen lassen
  • Für Kleinbauern ist die Zertifizierung zu teuer
  • Mit höheren Zöllen für Palmöl könnte die Schweiz ein Zeichen setzen
  • Internationale Investoren müssten auf die Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten pochen
  • Die indonesische Oligarchie hat sich masslos bereichert

Znoj: „Die Palmöl-Problematik wird viel zu sektoriell erforscht. Sie muss ganzheitlich und interdisziplinär untersucht werden. Wir müssen die sozialen und politischen Auswirkungen der Palmöllieferkette auf allen Ebenen und Skalen erforschen; wir müssen auch ihre historischen Wurzeln und Pfadabhängigkeiten verstehen, um Aussagen darüber machen zu können, wo man ansetzen muss, damit sie einer nachhaltigen Wirtschaft weichen kann. Wir müssen uns fragen: Was ist passiert, dass es so weit kommen konnte?“

Lesen Sie das ganze Interview: «Die Tricks der Plantagenindustrie erinnern an den Wilden Westen». Heinzpeter Znoj, Interview CDE-Reihe, Universität Bern

Palmöl und die Bedrohung des Weltklimas. Heinzpeter Znoj, NZZ vom

Heidis 48 Artikel zu Palmöl

28.1.21 HOME

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