Posts Tagged ‘Herbizide’

Schutz vor Pestiziden bis zur Unkenntlichkeit verwässert: Jetzt braucht es ein Ja zur Trinkwasserinitiative

15. Oktober 2020
Grünliberale sagen JA zur Trinkwasserinitiative.

Grünliberale sagen JA zur Trinkwasserinitiative.

Medienmitteilung grünliberale vom 14.10.20:

Das Schweizer Trink- und Grundwasser ist stark mit Pestiziden belastet. Viele Gewässer und Böden sind zudem überdüngt. Die Folgen sind irreversible Schäden am Ökosystem wie Artenstreben und eine Vergiftung unseres Trinkwassers. Zum Schutz von Biodiversität und Gesundheit braucht es dringend Gegensteuer. Bundesrat und Parlament betreiben seit Jahren ein Trauerspiel. Das neuste Kapitel: Die Wirtschaftskommission des Nationalrats hat der Gesetzesrevision zum Gewässerschutz die letzten Zähne gezogen. Ein Ja zur liberal formulierten Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» im kommenden Jahr wird somit zwingend.

Seit Jahren wird die zu hohe Belastung unseres Grund- und Trinkwassers mit Pestiziden und Stickstoffüberschüssen immer wieder belegt. Beispielsweise mit der im April 2017 erschienenen Studie der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag). Schweizer Kleingewässer weisen eine Vielzahl von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden in zu hohen Konzentrationen auf.

Trotz diesem eindeutigen Handlungsbedarf hat die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) die Massnahmen dagegen (19.475 Pa.Iv. WAK-SR) nicht verbessert, sondern im Gegenteil weiter verwässert. Weder sollen konkrete Ziele gegen die Überdüngung im Gesetz verankert werden noch die Branche die Pflicht genommen werden. Auch bei den Pestiziden wurde eine entscheidende Schwächung beschlossen, welche ähnliche Schadensfälle wie jüngst mit Chlorothalonil weiter zulässt. Dem Gesetzesprojekt wurden dadurch noch die letzten Zähne gezogen, ein Ja zur Trinkwasserinitiative ist somit zwingend.

Medienmitteilung der Umweltorganisationen 14.10.20

Sauberes Trinkwasser hat für die Kommission des Nationalrats keine Priorität

Aller alarmierenden Befunde aus der Wissenschaft zum Trotz: Eine Mehrheit der Wirtschaftskommission des Nationalrats will das Trinkwasser nicht wirksamer vor Pestiziden und Nährstoffen schützen.

Trinkwasserinitiative (TWI)

Hier geht’s zur Homepage!

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In der Schweiz gelten strengere Richtlinien! Wirklich? Das Alp-Kuh-Wunder Bella (2)

9. Oktober 2020

Im Jahre 2001: Die Bio-Milchkühe Luna und Viola auf einer konventionellen Alp.

Im Jahre 2001: Die Bio-Milchkühe Luna und Viola auf einer konventionellen Alp.

Anno 2001 lebte die Milchkuh Luna auf dem Betrieb des Bio-Bauern Meier. Sie ist die Ur-Ur-Grossmutter von Bella, dem Alp-Kuh-Wunder. Es herrschte damals grosse Aufregung in der Bio- und Alpszene, denn das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hatte die Bioverordnung in Anlehnung an das EU-Gesetz geändert. Was dann folgte, das erzählte Luna ihrer Tochter Viola. Weil die Geschichte für Violas Nachkommen von grosser Bedeutung ist, wurde sie von Generation zu Generation weitervermittelt.

  • Das damalige Problem: Der Bio-Status geht bei der Sömmerung auf konventionellen Alpen verloren.
  • Die vorübergehende Lösung: Der Bio-Status bleibt auf konventionellen Alpen erhalten.
  • Und die Versprechung des BLW: Das BLW wird sich dafür einzusetzen, dass es künftig nur noch Bio-Alpen gibt.

Luna zu Viola: „Die neue Regelung schreibt vor, dass unser Biostatus verloren geht, wenn wir länger als 30 Tage auf einem Nichtbiobetrieb sind. Nach der Alpabfahrt müssen wir also wieder auf Bio umgestellt werden.

Bio Suisse schlug vor, dass vertraglich mit den Alpmeistern zu vereinbaren sei, dass keine Dünger und Pflanzenbekämpfungsmittel eingesetzt werden, welche im Biolandbau verboten sind.

Das Herbizidverbot gegen Blacken wollten die Glarner Biobauern nicht akzeptieren und legten Rekurs gegen diese Weisung ein, denn sie befürchteten, dass die konventionellen Alpbewirtschafter nicht auf chemische Blackenbekämpfung verzichten wollten, und es dadurch an Alpplätzen für Bio-Tiere mangeln würde. Dadurch würde die Bestossungszahl kleiner, was ein Verlust für die Alpwirtschaft wäre. Und schliesslich würde dadurch der Konflikt zwischen Bio und Konventionell wieder geschürt.

Barbara Sulzer sagte, dass ein Abspritzen der Blacke ohne grundlegende Änderung der Bewirtschaftung gar nichts nützt, womit sie natürlich recht hat. Sie fand es auch schade, dass die Alpen dadurch in biokonforme und konventionelle unterteilt würden. Die Alp ist für sie ein Gebiet mit speziellem Naturcharakter. Sulzer vertrat die Meinung, man müsse bestrebt sein, die Alpen als „Naturreservat“ zu bewahren und sie konsequenterweise biologisch bewirtschaften. Das naturnahe Image der Schweizer Alpwirtschaft sei ausserdem sehr wichtig für die Vermarktung und den Tourismus.

Die Glarner Biobauern forderten vom BLW ein generelles Herbizidverbot auf Alpen in der Schweiz, verankert in der Sömmerungsbeitragsverordnung. Der Mehraufwand für mechanische Unkrautbekämpfung solle durch höhere Direktzahlungen abgegolten werden. Bis eine solche Änderung realisiert sei, sollten wir, die Tiere von Biobetrieben, uneingeschränkt auf konventionellen Alpen gesömmert werden können.

Weisst du Viola, die Bauern erreichen fast immer, was sie wollen. Das BLW stieg auf die Forderung der Glarner Biobauern ein, hob die geplanten Einschränkungen zur Sömmerung von Bio-Kühen auf konventionellen Alpen auf. Alles solle vorläufig beim alten bleiben.

Längerfristig will das BLW jedoch den Gedanken, Alpen ganz biologisch zu bewirtschaften, das heisst, auch auf Herbizide zu verzichten, zusammen mit dem Schweizer Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) weiterverfolgen.“ Der Tradition entsprechend, hat Fiona, die Enkelin von Viola, diese Geschichte ihrer Tochter Bella erzählt.

Bella, die Ur-Ur-Enkelin von Luna meint: „Offensichtlich hat das BLW das Versprechen „Bio-Alp“ vergessen. Wir müssen das laut nach Bern muhen!“

Quelle: zalp, Zeitung der Älplerinnen und Älpler, Nr. 12 Sommer 2001, Seite 26, Sind die Alpen Gift für die Biokuh? Barbara Sulzer.

Heidis 35 Artikel über Herbizide auf Alpen

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Herbizide: Buntes Treiben auf der Alp

25. April 2020

Herbizideinsatz am 24.4.20 auf einer Alp. Copyright: Mario Z.

Herbizideinsatz am 24.4.20 auf einer Alp. Copyright: Mario Z.

Das schöne Wetter lockt nicht nur die Städter aufs Land, sondern auch die Älpler auf die Alp. Los geht’s mit der Spritze von einem Kraut zum andern, oft genug nicht sachgemäss. Die Ursache von Problemunkräutern sind in der Regel mangelnde Weidepflege und nicht standortgerechte Bewirtschaftung.

DigiPlanAlp: Hilfe von Fachleuten

DigiPlanAlp ist ein Verbundprojekt zum Thema „Problempflanzen auf Alpen“ von Agridea, Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL), Agroscope und dem Büro Alpe. Im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft wird das bestehende praktische und theoretische Wissen im Umgang mit Problempflanzen im Sömmerungsgebiet aufgearbeitet und digitalisiert. Partner ist auch die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF).

Die Inhalte werden auf DigiPlanAlp, in Kurzfilmen auf youtube und dem Agridea-App verbreitet und aktualisiert.

Copyright: Mario Z.

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Copyright: Mario Z.

Copyright: Mario Z.

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DigiPlanAlp

Futterflächen sind keine Freizeitpärke. LID vom 20.4.20

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Pestizide: Nun hat auch die Wirtschaftskommission des Ständerats Angst!

12. Februar 2020

Berndeutsch.ch: Nume nid gschprängt! Langsam, langsam; nur mit der Ruhe, nur nichts überhasten! (BLV= Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen).

Berndeutsch.ch: Nume nid gschprängt! Langsam, langsam; nur mit der Ruhe, nur nichts überhasten! (BLV= Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen).

Der Pöstler ist am 11.2.20 spät dran, Heidi schon in der Küche. Der Alpöhi holt die Post, setzt sich an den Küchentisch und beginnt die NZZ zu lesen. Plötzlich schaut er von der Zeitung auf und ruft Heidi zu:

Alpöhi: „Endlich machen sie etwas, die Schlafmützen!“

Heidi: „Welche meinst du? Es gibt davon viele!“

Alpöhi: „Die Wirtschaftskommission des Ständerats! Ich lese dir den Artikel vor, dann kannst du weiterkochen, denn ich habe Hunger. Der Titel ist schon vielversprechend:

 «Nägel mit Köpfen» bei den Pestiziden: Das Risiko soll bis 2027 halbiert werden.

Lange hat das Parlament auf Druck der Bauernlobby Konzessionen bei den Pestiziden verweigert. Nun will die Wirtschaftskommission des Ständerats das korrigieren.

Fungizide im Trinkwasser, Insektizide in Flüssen: Seit Monaten jagt eine Negativschlagzeile über Pflanzenschutzmittel die nächste. Das Bundesamt für Landwirtschaft und das Parlament haben bisher versucht, das Problem auszusitzen. Nun geht die Wirtschaftskommission des Ständerats in die Offensive: Sie fordert, dass die Risiken von Pflanzenschutzmitteln bis in sieben Jahren um die Hälfte reduziert werden. Wird das Ziel nicht erreicht, soll der Bundesrat weiterführende Massnahmen umsetzen müssen, zum Beispiel eine Lenkungsabgabe auf Pestizide.

Heidi: „Immerhin! Das war ja nicht mehr zu übersehen, überhören … Aber sie geben den Bauern wieder viel Zeit und Markus Ritter wird wie üblich nach Forschung und Beweisen fragen. Vielleicht hat die Wirtschaftskommission nur Angst vor der Annahme der Pestizid-Initiativen durch das Volk. Eine Lenkungsabgabe auf Pestizide ist überfällig, darf nicht in eine ferne Zukunft verschoben werden. Und du weisst ja wie es mit den Kontrollen ist: Gewisse Kantone – und das sind nicht wenige – machen jahrzehntelang nichts.“

Alpöhi: „Wir werden ja sehen, ob das Parlament die Gewässerverschmutzungen ernst nimmt oder im alten erfolgreichen Stil verwässert.“

Lesen Sie weiter: «Nägel mit Köpfen» bei den Pestiziden: Das Risiko soll bis 2027 halbiert werden. Angelika Hardegger, NZZ 11.2.20

Rosinenpicken im Pestizid-Medienwald

Nulltoleranz für Pestizide im Trinkwasser? «Keine Hektik»! Stefan Häne, Tages-Anzeiger 31.1.20

Abwarten und belastetes Wasser trinken!

Ein unveröffentlichtes Schreiben zeigt, wie der Bund das «wahrscheinlich krebserregende» Chlorothalonil in den Griff kriegen will – mit «verhältnismässigen» Massnahmen.

… Bereits als gesichert gilt laut Seiler Folgendes: Der neu unter den Grenzwert fallende Metabolit R471 811 kommt in deutlich höheren Konzentrationen vor als R417 888, der letztes Jahr in aller Munde war. Die bislang vorliegenden Resultate würden die Befunde der Eidgenössischen Wasseranstalt Eawag bestätigen. In den meisten Fällen dürfte es laut Seiler nicht mehr möglich sein, das Problem mit Wasserverdünnen zu lösen. Zudem ist die Zahl der betroffenen Wasserversorgungen gewachsen: «Es gibt wohl kaum eine Wasserversorgung in landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Regionen, die nicht betroffen ist.»

Chlorothalonil im Trinkwasser Zwei Drittel der Aargauer Trinkwasserfassungen neu betroffen. SRF, Regionaljournal Aargau-Solothurn 4.2.20

Das BLV informiert: Vorgehen bzgl. Chlorothalonil-Metaboliten in der Schweiz. Aqua & Gas 31.1.20. Folgendes hält das BLV fest:

… Es sind verhältnismässige Massnahmen zu treffen. Kann eine Verbesserung der Situation ohne grossen Aufwand erreicht werden, so muss diese so bald als möglich angegangen werden. Ist keine rasche Lösung möglich, sind Überlegungen zur Verbesserung der Wasserqualität voranzutreiben. Dabei sind auch regionale oder überregionale Betrachtungen anzustellen.

… Je nach Situation kann beispielsweise die Ausscheidung eines Zuströmbereiches, der Zusammenschluss mit einer anderen Trinkwasserversorgung oder die Erschliessung einer weiteren, vom Ackerbau unabhängigen Trinkwasserquelle eine nachhaltige Lösung darstellen.

Heidi und NaNa meinen: „Taktik: Verdünnen, verdünnen, verdünnen … und schweigen! Solange es geht!“

12.2.20 HOME

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Postulat: Prüfung eines Pestizid-Verbots im Sömmerungsgebiet

27. September 2017

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Die Nationalrätin Maya Graf hat am 21.9.17 das Postulat 17.3703 Prüfung eines Pestizid-Verbots im Sömmerungsgebiet eingereicht. Der Bundesrat wird aufgefordert, ein Verbot von Pestizid-Einsatz im Sömmerungsgebiet zu prüfen. Zuständig ist das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF).

Postulat 17.3703

Das Sömmerungsgebiet wird mit der Agrarpolitik (AP) 2014-17 zu Recht massiv stärker gefördert als vorher. Als Gegenleistung kann der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide erwartet werden. Auch die meisten Leute und vor allem auch die Touristen gehen davon aus, dass im Sömmerungsgebiet keinerlei Pestizide zum Einsatz kommen, und schätzen die „unberührte Natur“.

Tatsächlich ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Sömmerungsgebiet heute rechtlich bereits eingeschränkt. Es dürfen einzig bestimmte Herbizide zur Einzelstockbehandlung eingesetzt werden. Zur Flächenbehandlung dürfen sie nur mit Bewilligung der zuständigen kantonalen Fachstelle und im Rahmen eines Sanierungsplans eingesetzt werden.

In der Praxis ist aber immer mehr zu beobachten, dass von Laien und Fachleuten regelmässig und flächig Herbizide ausgebracht werden. Die grösste Alpbesitzerin in der Schweiz (mit 42 Alpen in der lnnerschweiz) gibt ihren Pächtern und Bewirtschaftern die Herbizide sogar gratis ab. Viele Weide- und Wildtiere fressen behandelte Pflanzen, weil sie offenbar mit dem Dörren einen attraktiven Geschmack entwickeln. Eine Umfrage bei mehreren Kantonen ergibt allerdings, dass die zuständigen Behörden kaum Bewilligungen erteilen.

In dieser Situation fordere ich eine klare rechtliche Regelung, wie sie auch der Tourismus-Konkurrent Österreich bereits kennt, nämlich ein generelles Verbot des Einsatzes von Herbiziden im Sömmerungsgebiet. Dies schafft Rechtssicherheit für alle Beteiligten, entlastet Mensch, Tier und Natur und gibt ein positives Signal für den Tourismus. Der Bundesrat wird aufgefordert, ein Verbot von Pestizid-Einsatz im Sömmerungsgebiet zu prüfen und die entsprechenden Verordnungen zu überarbeiten.

Postulat 17.3703 Prüfung eines Pestizid-Verbots im Sömmerungsgebiet, Maya Graf, Nationalrätin, 21.9.17.

Heidi hat schon 19 Artikel zum Thema geschrieben. Hier der Link zur Serie Herbizide auf Alpen.

27.9.17 HOME

Toleranz des Gesetzgebers bewirkt anhaltend hohe Pestizidbelastung in kleinen Bächen

4. April 2017

Pestizidmix: Marion Junghans vom Oekotoxzentrum fasst zusammen: «Der laufend ändernde Mix vieler Stoffe in problematischen Konzentrationen und die lang anhaltend hohen Risiken lassen den Organismen in vielen Fällen keine Erholungszeit.»

Pestizidmix: Marion Junghans vom Oekotoxzentrum fasst zusammen: «Der laufend ändernde Mix vieler Stoffe in problematischen Konzentrationen und die lang anhaltend hohen Risiken lassen den Organismen in vielen Fällen keine Erholungszeit.»

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass ein Grossteil der Bäche im Schweizer Mittelland und im Wallis stark mit Pestiziden belastet ist. Der Gesetzgeber kapituliert vor seinen eigenen Gesetzen, denn die vorgegebenen Anforderungswerte werden kaum je eingehalten. Heute, 4.4.17, hat die Eawag dazu neue Resultate veröffentlicht. Die Situation ist offenbar noch dramatischer als bisher angenommen.

Dies schreibt der Verein Sauberes Wasser für alle in der Medieninformation von heute. Weiter heisst es: 128 verschiedene Wirkstoffe aus Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbau wurden in den Proben der Gewässer nachgewiesen, 61 Herbizide, 45 Fungizide und 22 Insektizide. In keinem der untersuchten Bäche wurde die Anforderung der Gewässerschutzverordnung (≤0,1 μg/L) eingehalten. Von einzelnen Substanzen wurden Konzentrationen bis 40 μg/L festgestellt. Kurzzeitige Spitzen dürften noch höher liegen, denn alle Proben wurden mindestens über einen halben Tag gemittelt. Solche Konzentrationen schädigen die Wasserorganismen akut.

Kapitulation vor dem Gesetz, getarnt als Aktionsplan

Mit einem Aktionsplan verspricht der Bundesrat, die Probleme des exzessiven Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft anzugehen. Doch was die Bundesämter in ihrem Entwurf vorgeschlagen haben, wird nach ihren eigenen Angaben nicht einmal die Einhaltung der Umwelt­gesetzgebung sicherstellen. Weiterhin werden dadurch massive Überschreitungen der An­for­derungs­werte toleriert werden. Konkret bedeutet das: bis 2026 sollen diese Gesetzes­überschreitungen lediglich halbiert werden.

Der Bund weiss offenbar selber, dass sein Aktionsplan viel zu wenig griffige Massnahmen enthält, so dass damit nicht einmal das bestehende Umweltgesetz eingehalten werden kann. Mit dieser Kapitulation vor dem Gesetz zeigt sich die unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber Natur, Menschen und Tieren.

Wir subventionieren unsere eigene Wasserverschmutzung

Die konventionelle Landwirtschaft, die an keine Abwasserreinigungsanlage angeschlossen werden kann, wird mit Milliarden von Subventionen unterstützt und gefährdet mit ihrem exzessiven Gebrauch von Pestiziden die Gewässer und somit auch die Trinkwasserqualität. Die Schweizer Bevölkerung subventioniert ihre eigene Wasserverschmutzung und gefährdet damit ihre Gesundheit! So darf es nicht weitergehen.

Die «Initiative-für-sauberes-Trinkwasser» löst nicht nur das Pestizid-Problem

Es braucht Druck aus der Öffentlichkeit, damit sich die Politik endlich bewegt. Die am 22.3.17 lancierte Trinkwasserinitiative kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie ist ein unumgänglicher Schritt zum Schutze unseres Trinkwassers und der Nahrungsmittel vor Pestiziden und Antibiotika. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, muss bis 21.9.18 mit 100‘000 Unterschriften eingefordert werden.

Weitere Verwässerung Gewässerschutz

Heidi meint: nicht nur werden die Gesetzte nicht eingehalten, sondern sie werden laufend verwässert. Neuestes Beispiel: Die Kantone dürfen ab 1.5.17 frei entscheiden, was sie unter „sehr kleinen Gewässern“ verstehen und ob sie für diese einen Gewässerraum ausscheiden wollen oder nicht. Zur Erinnerung: Der Innerschweizer Bauernbund zählt Gewässer bis 2 m Breite zu den „sehr kleinen“, siehe Bauern fordern: Kein Gewässerraum für 80% der Bäche, Heidis Mist vom 19.8.16.

«Petri-Heil» Mitinitiant der Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“

„… Die vom «Petri-Heil» mitinitiierte Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ist nötiger denn je, denn durch aktives Lobbying wird vom «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von synthetischen Pestiziden» nicht viel zu erwarten sein. Zu gross das milliardenschwere Geschäft mit den Vernichtungsmitteln, die Jahr für Jahr in unsere Umwelt gepumpt werden und die auch nicht aufhören zu wirken, wenn sie in unsere Gewässersysteme gelangt sind! … Toxischer Pestizidcocktail in unsern Gewässern! «Petri-Heil» vom 4.4.17.

Links

Dank hoher Toleranz des Gesetzgebers: Pestizidgetränkte Schweizer Bäche, Rückfragen/Kontakt zur Medieninformation Verein Sauberes Wasser vom 4.4.17: Verein Sauberes Wasser für alle, c/o Franziska Herren, Oeleweg 8, 4537 Wiedlisbach, T  032 636 14 16, N 079 829 09 19, Info@sauberes-wasser-für-alle.ch

www.initiative-für-sauberes-trinkwasser.ch

Anhaltend hohe Pestizidbelastung in kleinen Bächen, Medieninformation Eawag vom 4.4.17.

Hohe PSM-Belastung in Schweizer Bächen, Fachartikel Aqua & Gas[pdf, 3.9 MB]

Hohe Ökotoxikologische Risiken in Bächen, Fachartikel Aqua & Gas[pdf, 3.6 MB]

Kritik am Aktionsplan Risikoreduktion Pflanzenschutzmittel des Bundes, Heidis Mist, 2.10.16.

Fluopyram: sicher keine Gefahr für Mensch und Umwelt? Heidis Mist, 21.10.15.

Manifest Future 3.0

4.4.17 HOME

 

Pestizide Grundwasserschutzzone S2: Vorschlag Graubünden

11. Mai 2015

In der Gewässerschutz-Verordnung verankerte Ziele für das Grundwasser: Theorie und Praxis  klaffen auseinander. Wer kümmert sich um den Vollzug? Jedenfalls nicht jene Bundesämter, die wir eigentlich dafür bezahlen, dass sie uns schützen.

In der Gewässerschutz-Verordnung verankerte Ziele für das Grundwasser: Theorie und Praxis klaffen auseinander. Wer kümmert sich um den Vollzug? Jedenfalls nicht jene Bundesämter, die wir eigentlich dafür bezahlen, dass sie uns schützen.

Heidi schreibt häufig über Missstände in der Bündner Landwirtschaft. Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, Positives aus Graubünden zu berichten. Ein Leser schrieb letzte Woche: „Offenbar gibt es neben Dir noch ein paar weitere Vernünftige in GR.“ Gemeint ist damit das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT). Hier der vollständige Text auf der Internetseite des ALT, Rubrik Lebensmittelsicherheit > Produktkontrollen:

Atrazin in Grundwasser

09.07.2014

Im Mai 2014 liess das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit wiederholt Grundwässer auf Verunreinigungen durch Spritzmittel (Pflanzenschutzmittel) im Interkantonalen Labor Schaffhausen untersuchen. Im Durchschnitt weisen bis zu 80% der Messstellen in von Ackerbau und Siedlungen dominierten Einzugsgebieten Pflanzenschutzmittel auf.

In Graubünden wurden 22 Grundwasserpumpwerke beprobt. An elf Messstellen (50%) konnten bis zu drei Substanzen, und zwar Spuren von Triazinherbiziden, Metolachlor und 2,6-Dichlorbenzamid, dem Abbauprodukt von Dichlobenil, nachgewiesen werden. Die Konzentrationen erreichten hingegen nicht mehr als ein Zehntel des gesetzlich festgelegten Toleranzwertes für organische Pestizide und deren relevante Metabolite, Abbau- und Reaktionsprodukte.

Die Proben widerspiegeln die Ergebnisse der letzten Jahre einer insgesamt geringfügigen Belastung unserer Grundwässer. Allerdings spricht der Nachweis des Herbizids Atrazin und dessen Abbauprodukts Desethylatrazin in zehn von elf Messstellen für die unerwünschte Persistenz dieser Stoffe in der Umwelt und deren langsame aber stete Infiltration ins Grundwasser. In der Schweiz ist Atrazin deshalb seit dem Jahr 2008 nicht mehr zugelassen. Bis Ende 2011 durfte Atrazin allerdings noch eingesetzt werden. Der Wirkstoff wurde vorwiegend im Maisanbau verwendet.

Zusätzlich zu einem Verbot von Atrazin sind weitere Massnahmen zum Schutz der Grundwässer vor Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Zu diesen Massnahmen gehört beispielsweise ein Verbot für deren Ausbringung in Risikozonen wie den Grundwasserschutzzonen S2.

Atrazin in Grundwasser, Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit, Kanton Graubünden

Dichlobenil: Einmal mehr zeigt sich, dass in der Schweiz Pestizide zugelassen sind, welche im nachbarlichen Ausland verboten sind. Wikipedia: „In Deutschland und Österreich ist kein Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff erhältlich, in der Schweiz sind dagegen zahlreiche Dichlobenil-Präparate für die Verwendung beim Anbau von Ziergehölzen und in forstlichen Pflanzgärten zugelassen.“

Atrazin ist noch immer jenes Pflanzenschutzmittel, das die Kasse der Syngenta in vielen Ländern heftig klingeln lässt. Syngenta will die kranke Cashcow weitermelken, Adi’s Agro-Blog, Mai 2012. „Die Anwendung von Atrazin ist in Deutschland und Österreich seit dem Jahr 2001 verboten. Atrazin wird jedoch in der Schweiz – vor allem im Maisanbau – weiterhin eingeschränkt verwendet.“ heisst es in einem Papier der Bodenseekonferenz (ohne Datum). Diese Meldung ist zwar überholt, aber bis vor gut drei Jahren durfte Atrazin in der Schweiz verwendet werden, d.h. drei Jahre nach dem (späten) Verkaufsverbot.

Metolachlor ist für Wasserorganismen sehr giftig (Wikipedia).

Die Schweizer Pestizid-Gesetzgebung als Vorbild? Wohl kaum!

11.5.15 HOME

Pestizide oder Insekten-WG?

18. Juni 2014

Einmal mehr ist Heidis Briefkasten voll von Meldungen über negative Wirkungen von Pestiziden, etwa die Medieninformation des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), Leipzig, vom 16. Juni 2014 Europäische Gewässer stärker durch Chemikalien belastet als bislang angenommen, Ergebnisse einer Studie des Instituts für Umweltwissenschaften Landau und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) mit Kollegen aus Frankreich (Universität Lorraine und EDF) und der Schweiz (Eawag). Organic chemicals jeopardize the health of freshwater ecosystems on the continental scale, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 16.6.2014. Die tatsächliche Situation der europäischen Gewässer sei vermutlich noch schlechter als die Ergebnisse der Studie zeigten. Zu diesem Thema gäbe es viel zu schreiben.

Oder Heidi könnte beschreiben wie Gemeindeangestellte am Montag Strassenrand-Pflanzen mit Unkrautbekämpfungsmitteln besprayt haben. Es war eine durch Schächte entwässerte Strasse nota bene. Wissen sie nicht, dass dies gemäss Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung verboten ist? Oder tun sie es trotzdem?

Lieber berichtet Heidi heute von einer Insekten-Wohngemeinschaft. Als sie nämlich einen Vogelkasten reinigen wollte, flog eine Hornisse hinein und kam bald wieder heraus. Zuvor hatte Heidi eine Gallische Wespe beim Einflugloch gesehen. Als sie dann den Kasten öffnete war klar: Diese Insekten bauen hier ein Nest. Doch was bewegt sich im Moos? Und schon kam eine Hummel zum Vorschein und flog weg. Später sah Heidi eine Larve auf dem Moos. Drei verschiedene Insektenarten hausen im Vogelkasten! Es gibt so viel zu beobachten.

Nestbau: links Gallische Wespe, rechts Hornisse

Nestbau: links Gallische Wespe, rechts Hornisse

Unter dem alten Vogelnest haust eine Hummel

Unter dem alten Vogelnest haust eine Hummel.

Larve im Vogelnest

Larve im Vogelnest

18.6.14 HOME

Mais, das Bundesblümchen

25. Juli 2012

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Unsere Irrweg-Agrarpolitik fördert den Maisanbau, Milch- und Fleischüberschüsse, den Klimawandel, das Vogelsterben …

Immer wieder schreibt Heidi, dass in Bern mit unseren Steuergeldern grösstenteils die Milch- und Fleischproduktion unterstützt wird. Wer den Agrarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft liest, der/die weiss, dass wegen der verfehlten Politik immer mehr Viehfutter auf den Fruchtfolgeflächen angebaut wird. Mais braucht viel Dünger und Unkrautvertilgungsmittel, gefährdet Boden und Gewässer. Die Viehwirtschaft fördert den Klimawandel; und viel Fleisch und viele Milchprodukte auf dem Speisezettel ist ungesund. Viel wird darüber geschrieben, nützen tut’s wenig. Am Montag titelte die NZZ Vom Wert des Strohs. Nun also haben wir noch den Strohmangel für die tierfreundliche Tierhaltung! Wird Nationalrat und Bergbauer Erich von Siebenthal demnächst Strohsubventionen für die Bergbauern fordern und/oder Lockerung des Tierschutzes? Eingekauft wird vorwiegend in Deutschland und Frankreich, wo Vorernte-Spritzungen mit Glyphosat zur Abreifebeschleunigung und Unkrautbekämpfung eingesetzt wird. Ein paar Links zum Thema, eingeflüstert z.T. von Osmerus und Grünwolf:

Glyphosat: Spritzen schmerzt Bäcker; Experten warnen vor einem Pflanzenschutzmittel, das in Mehlen auftaucht; Allgemeine BäckerZeitung online

Monsanto: Studien widerlegen Unbedenklichkeit von Roundup, Video, Kontraste

Monsanto in deutschen Behörden, Bayerisches Fernsehen. Auch in der Schweiz ist die Gentech-Industrie-Lobby stark.

Monsanto – Mit Giften und Genen, Image & Compagnie – Arte France

Gesundheitliche Vor- und Nachteile einer vegetarischen Ernähung, Expertenbericht der Eidg. Ernährungskommission für das Bundesamt für Gesundheit vom 31.5.7; Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus

Die Zahl der Feldvögel hat sich halbiert, Spiegel online Wissenschaft

Soja und Mais knistern in der Hitze, Zeit online Umwelt

Reform der Agrarpolitik: Das Lobbying des Bauernverbandes bringt die Bauern um Einkommen und Wertschöpfung, Vision Landwirtschaft

Bio-Fachhandel in Deutschland wächst seit Jahren: 2011 erstmals ein Jahresvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro, organic news community

25.7.12 HOME


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