Posts Tagged ‘Klima’

Warum füttern wir unsere Autos mit Nutzpflanzen, wenn Menschen hungern müssen?

30. Juni 2022

Diese Frage stellt George Monbiot heute (30.6.22) in seiner Kolumne in The Guardian.

Monbiot schreibt:

„Moderne Biokraftstoffe werden als Segen für das Klima angepriesen. In grossem Massstab eingesetzt, sind sie jedoch nicht nachhaltiger als Walöl.

Was kann man über Regierungen sagen, die sich inmitten einer weltweiten Nahrungsmittelkrise dafür entscheiden, stattdessen Maschinen zu füttern? Man könnte sagen, sie seien verrückt, gefühllos oder grausam. Aber diese Worte reichen kaum aus, um die Verbrennung von Nahrungsmitteln zu beschreiben, während Millionen Menschen verhungern.“

Lesen Sie hier weiter: Why are we feeding crops to our cars when people are starving? George Monbiot, The Guardian 30.6.22

Und in der Schweiz?

Wenigstens machen wir das in der Schweiz „nur indirekt“ über Biogas aus Hofdünger der zu zahlreichen Nutztiere und teilweise vermeidbaren Lebensmittelabfällen aus Industrie, Handel, Haushalt und Gastronomie, zu Deutsch „Food waste“. Die Biomasse stammt teilweise von importierten Futter- und Lebensmitteln aus meist ärmeren, armen oder sehr armen Ländern. Ein Teil der Abfälle könnte gut auch direkt als Dünger aufbereitet werden.

Doch früher träumte man auch hierzulande vom Einsatz von Pflanzen als Rohstoff für Energie. Es wurde gepröbelt etwa mit Chinaschilf und mit Rapsöl. So heisst es im FAT-Bericht Nr. 427 von 1993 der Vorgängerorganisation von Agroscope in Tänikon (TG):

„In der Landwirtschaft sind bei stagnierendem Verbrauch die Erträge so angestiegen, dass in den nächsten Jahren in der Schweiz nach Schätzung der Experten etwa 80’000 Hektaren Produktionsflächen frei werden. Neben der Einführung extensiver Produktionsformen und der Ausscheidung ökologischer Ausgleichsflächen könnten auf einem Teil dieser freiwerdenden Wiesen und Äcker Nachwachsende Rohstoffe produziert werden.

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Erdölvorräte zwar noch riesig, aber doch nicht unerschöpflich sind. Es müssen daher alle Möglichkeiten erneuerbarer Energien untersucht werden.“

Weiter wird der Erfinder des Dieselmotors, Rudolf Diesel, zitiert. Um das Jahr 1900 sei die Verfügbarkeit von fossilem Treibsstoff so schlecht gewesen, dass er für seine Motorenversuche Pflanzenöl benutzt habe.

Die FAT machte Versuche mit Traktoren und Mercedes-Bussen. Im praktischen Einsatz mit Rapsmethylester (RME) waren fünf Busse der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) im normalen Linienverkehr während eines Jahres.

Die Experten haben sich getäuscht. Der Landverschleiss dauert bis heute an, das Wachstum der Bevölkerung, der Fahrzeuggrösse, der Siedlungen und der Infrastrukturen auch. Dass Nachwachsende Rohstoffe Ackerflächen, Wald usw. benötigen ist einigen inzwischen klar geworden!

FAT-Bericht Nr. 427, 1993. Rapsmethylester als Treibstoff für Dieselmotoren

30.6.22 HOME

Datenschutzerklärung

Derzeitige Klimapolitik führt zu „katastrophalem“ Klimazusammenbruch

19. Juni 2022
Severn Cullis-Suzuki am Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992. Copyright: BBC/Peter Caires.

Severn Cullis-Suzuki am Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992. Copyright: BBC/Peter Caires.

Ehemalige UN-Spitzenbeamte (Michael Zammit Cutajar, Yvo de Boer and Christiana Figueres) warnen, dass die derzeitige Politik zu einem „katastrophalen“ Klimazusammenbruch führen wird, da die Regierungen es versäumt haben, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen (The Guardian 2.6.22).

Heute verlinkte BBC unter „Must see“ das Video The 12-year-old who tried to save the world. Im Jahr 1992, als sie gerade 12 Jahre alt war, warnte die Kanadierin Severn Cullis-Suzuki die Welt am Erdgipfel in Rio vor der Umweltkrise. In diesem Video von 2020 erzählt sie als Erwachsene ihre Geschichte mit Ausschnitten aus ihrer Rede von 1992.

Heidi hat über Suzukis Rio-Rede und das spätere Video am 20.1.20 anlässlich des 50. World Economic Forum (WEF) ausführlich berichtet und damals für Ihre LeserInnen den Text aufgeschrieben. Sie können ihn im folgenden Betrag lesen: Blick zurück nach Rio de Janeiro 1992. Ihre Kernaussage ist heute genauso treffend wie damals:

„I challenge you, please, make your actions reflect your words (Ich fordere Sie auf, Ihren Worten Taten folgen zu lassen).“

Wikipedia über Severn Cullis-Suzuki: Bekannt wurde sie mit zwölf Jahren als „das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte“ mit einer sechsminütigen Rede zur ersten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. In ihren Vorträgen, Büchern und Kampagnen thematisiert sie die Endlichkeit der Ressourcen auf der Erde und die ungehemmte Ausbeutung des Planeten zu Lasten jetziger und zukünftiger Generationen. Sie betont die Bedeutung kultureller Werte und Erfahrungen für die Erarbeitung konkreter Lösungen. Sie fordert den Dialog über gesellschaftliche Grundwerte und politische Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung.

Beide Videos sind „Must see“!

Current policies will bring ‘catastrophic’ climate breakdown, warn former UN leaders. The Guardian 2.6.22

Severn Suzuki – Das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte (UN Weltklimagipfel Rio 1992). Video 7 Minuten auf youtube

The 12-year-old who tried to save the world. Animated by Peter Caires, 9 January 2020. Geschichte mit Ausschnitten aus der Rede von Rio 1992. BBC 5 Minuten

Blick zurück nach Rio de Janeiro 1992. Heidis Mist 20.1.20

19.6.22 HOME

Datenschutzerklärung

Kompensationen stoppen den Klimawandel nicht

9. Juni 2022

Chris Lang von REDD-Monitor verweist in seinem neuesten Beitrag auf das Statement von Amazon Watch und 170+ weiteren Organisationen, das am 6.10.21 veröffentlicht wurde. Heidi hat es mithilfe von DeepL übersetzt.

Kompensationen stoppen den Klimawandel nicht

Klimabedingte Waldbrände, Überschwemmungen, Dürren und andere extreme Wetterereignisse betreffen täglich jeden Winkel der Erde.

Doch die Industrie für fossile Brennstoffe, die grossen Energieversorger, die grosse Landwirtschaft, die grosse Finanzwelt – und ihre politischen Verbündeten – drängen auf Kompensationsprogramme, die es ihnen ermöglichen, weiterhin die Treibhausgase freizusetzen, welche die Klimakrise verursachen, indigenen, schwarzen und anderen bereits marginalisierten Gemeinschaften zu schaden und nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Verfahren zu untergraben.

Die Wissenschaft ist eindeutig: Wir müssen rasch aus fossilen Brennstoffen und emissionsintensiven landwirtschaftlichen Praktiken wie der Massentierhaltung aussteigen und gleichzeitig Wälder, Feuchtgebiete und andere natürliche Kohlenstoffsenken schützen. Jede Verzögerung bedeutet grössere Auswirkungen auf unser Klima und mehr Verschmutzung in historisch überlasteten Gemeinwesen[1].

Wir rufen führende Politiker auf der ganzen Welt auf, sich uns anzuschliessen und Kompensationsprogramme abzulehnen, da diese „Pay-to-pollute“-Praktiken nichts anderes als falsche und schädliche Lösungen für die Klimakrise sind.

  • Naturbasierte Kompensationen können die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht „ausgleichen“. Die Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen, und andere Verschmutzer würden fossilen Kohlenstoff und biologischen Kohlenstoff gerne völlig austauschbar machen, doch dies entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage:[2] Fossile Kohlenstoffemissionen sind praktisch permanent, da sie aus Reservoiren tief in der Erde stammen, wo sie seit Millionen von Jahren gespeichert sind. Wenn sie verbrannt werden, verbleibt die Kohlenstoffverschmutzung für Hunderte bis Tausende von Jahren in der Atmosphäre. Im Gegensatz dazu sind Pflanzen, Böden, Ozeane und Wälder „schnell austauschbare“ Kohlenstoffspeicher, die nur eine begrenzte Speicherkapazität haben und den Kohlenstoff im Laufe einiger Jahrzehnte oder manchmal sogar innerhalb weniger Tage wieder an die Atmosphäre abgeben können[3] Ausgleiche bringen diese grundlegende Wissenschaft durcheinander, indem sie die Biosphäre der Erde fälschlicherweise als endlose Quelle potenzieller Speicher für fossile Kohlenstoffemissionen behandeln.
  • Kompensationsgeschäfte jeglicher Art halten die Umweltungerechtigkeit aufrecht. Treibhausgasemittierende Industrien sind unverhältnismässig häufig in armen und farbigen Gemeinschaften angesiedelt, wodurch sie die Hauptlast der Verschmutzung tragen. Ausgleichsregelungen erhöhen die Umweltverschmutzung in diesen Gemeinwesen und verschärfen die Umweltungerechtigkeit.[4] Ausserdem verlagern Ausgleichsregelungen häufig die Last der Emissionsreduzierung vom globalen Norden in den globalen Süden, indem sie die Fortsetzung der Verschmutzung im Austausch gegen Landnahme an anderer Stelle ermöglichen.[5]
  • Die Verwendung von Kompensationsmassnahmen führt wahrscheinlich zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen. Verursacher kaufen häufig Kompensationen für emissionsmindernde Massnahmen eines Unternehmens, damit sie ihre eigenen Emissionen fortführen können. In diesem Fall gelangen die Emissionen weiterhin in die Atmosphäre, so dass die globale Erwärmung weiter anhält. Verursacher kaufen auch Kompensationen für Praktiken, die der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen könnten, z. B. durch das Anpflanzen von Wäldern oder den Schutz bestehender Wälder. Die Speicherung von Kohlenstoff in natürlichen Ökosystemen ist jedoch von Natur aus vorübergehend und in hohem Masse reversibel, wie die tragischen Waldbrände im Westen der USA in den letzten Jahren deutlich gezeigt haben.[6] Der gesamte Kohlenstoff kann sehr schnell wieder in die Atmosphäre freigesetzt werden, was wiederum die Emissionen erhöht.
  • Kompensationsgeschäfte können zu Verletzungen der Rechte indigener und in Stämmen lebender Völker führen. Um die Marktnachfrage nach Kompensationsmassnahmen zu befriedigen, ist der Zugang zu riesigen Land- und Waldflächen erforderlich, die bereits von indigenen Völkern, Bauern und lokalen Gemeinschaften genutzt werden. Die Entwickler von Waldkompensationsprojekten haben es daher zunehmend auf indigenes Land abgesehen, was zu Druck und Spaltung in den indigenen Gemeinschaften führt[7].
  • Offsets untergraben die nachhaltige Landwirtschaft und fördern die Konsolidierung in der Landwirtschaft. CO2-Ausgleichsprogramme verleihen bereits mächtigen Unternehmen, einschliesslich Agrarunternehmen und Fabrikfarmen, die seit langem das Einkommen der Landwirte drücken und die ländliche Wirtschaft ausbluten lassen, während sie die Umweltverschmutzung erhöhen, einen zusätzlichen Hebel.[8] Unternehmen und Grossgrundbesitzer sind am besten positioniert, um Offset-Projekte zu entwickeln, die das monokulturelle Modell der Fabrikfarmen mit Mais/Sojabohnen auf Kosten der Kleinbauern, einschliesslich schwarzer und indigener Bauern und Stammesnationen, weiter verankern. Anstatt das industrielle Landwirtschaftsmodell durch den Verkauf von Kompensationen an industrielle Umweltverschmutzer weiter gedeihen zu lassen, sollten politische Entscheidungsträger traditionelle und ökologisch regenerative landwirtschaftliche Praktiken unterstützen.
  • Kompensationsmärkte schaffen mehr Bedingungen für Betrug und Glücksspiel als für Klimaschutzmassnahmen. Bestehende Kompensationsregelungen haben sich bereits als leicht betrugsanfällig erwiesen[9], und der spekulative Handel mit Kompensationsderivaten und anderen Finanzprodukten hat bereits begonnen, wobei das Gewinnstreben von Händlern und Spekulanten Vorrang vor wirtschaftlicher und klimatischer Gerechtigkeit hat[10].

Wir fordern die politischen Entscheidungsträger weltweit auf, Kompensationsprogramme abzulehnen und echte Lösungen für das Klima anzustreben, die fossile Brennstoffe im Boden belassen, nachhaltige Nahrungsmittelsysteme unterstützen, die Abholzung beenden und gleichzeitig die Umweltverschmutzung in den Gemeinschaften an vorderster Front beseitigen.

[1] IPCC, Global Warming of 1.5°C. International Energy Agency, Net Zero by 2050. IPCC, AR6 Climate Change 2021.

[2] Carton et al. “Undoing Equivalence: Rethinking Carbon Accounting for Just Carbon Removal,” Frontiers in Climate, 16 April 2021.

[3] Anderegg, W. et al., Climate-driven risks to the climate mitigation potential of forests, Science 368 (6947) 2020. Mackey, B. et al. 2013., “Untangling the confusion around land carbon science and climate change mitigation policy,” Nature Climate Change, 3(6),pp.552-557, 2013.

[4] Food & Water Watch, “Cap and trade: More pollution for the poor and people of color,” November 2019 at 1 to 2.

[5] Gilbertson, Tamara, Carbon Pricing: A Critical Perspective for Community Resistance, Indigenous Environment Network and Climate Justice Alliance, 2017.

[6] Anderegg, W., “Gambling with the climate: how risky of a bet are natural climate solutions?,” AGU Advances, 2021. Coffield, S.R. et al., “Climate-driven limits to future carbon storage in California’s wildland ecosystems,” AGU Advances, 2021.

[7] Ahmend, N., “World Bank and UN carbon offset scheme ‘complicit in genocidal land grabs – NGOs,” The Guardian, 3 July 2014. Forest Peoples Programme, The Reality of REDD in Peru: Between Theory and Practice, November 2011.

[8] Institute for Agriculture and Trade Policy, “Why carbon markets won’t work for agriculture,” January 2020 at 2.

[9] Elgin, B., “A Top U.S. Seller of Carbon Offsets Starts Investigating Its Own Projects,” Bloomberg. 5 April 2021.

[10] Hache, F., Shades of Green: The Rise of Natural Capital Markets and Sustainable Finance, Green Finance Observatory, March 2019.

Offsets don’t stop climate change. Chris Lang, REDD-Monitor vom 7.6.22

Die Schweiz setzt stark auf Kompensation und Technologie. Die Technologien sind aufwändig (Material, Energie …), deren Funkionieren, Effizienz und Preis grösstenteils noch vage, Speicher ungewiss und möglicherweise mit Auslandabhängigkeit und Bau von Leitungen verbunden.

Von Sparen, Mobilität usw. redet unser Bundesrat nicht. Das wäre unpopulär. Die aktuell sieben bilateralen Abkommen für Klimaschutz-Projekte sind – so meint Heidi – eigentlich so etwas wie Klima-Kolonialismus.

Medieninformation des Bundesrats vom 3.6.22: Bundesrat genehmigt Abkommen mit Thailand für den Klimaschutz:

„An seiner Sitzung vom 3. Juni 2022 hat der Bundesrat ein bilaterales Abkommen mit Thailand genehmigt, das dem Klimaschutz dient. Der Vertrag schafft die Rahmenbedingungen, damit die Schweiz in Thailand Klimaschutz-Projekte zur Verminderung der CO2-Emissionen umsetzen kann. Die erreichten Emissionsverminderungen kann sie an ihr Reduktionsziel anrechnen. Die Schweiz hat bereits ähnliche Abkommen mit Peru, Ghana, Senegal, Georgien, Vanuatu und Dominica abgeschlossen“

9.6.22 HOME

Datenschutzerklärung

Leserbrief zu Mottfeuer im Berner Jura

29. Mai 2022

Guten Morgen Heidi

Ich merke noch gar keinen Unterschied, überall sind oder waren Feuer………
sooooo traurig.

Liebe Grüsse

Anonymus

Heidi meint: „Ja, die Behörden müssten handeln, die Luftreinhalteverordnung vollziehen. Aber sie lassen sich bzw. den Tätern Zeit.“

Heidis weitere Artikel über Mottfeuer

29.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

Nutztierbestände: Wenn die Politik versagt, müssen NGOs einspringen

22. Mai 2022
Copyright: Greenpeace

Copyright: Greenpeace

Unzählige wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Tierproduktion in der Schweiz massiv reduziert werden muss. Hauptsächlichste Gründe sind unsere Gesundheit, die Verschmutzung der Luft, des Wassers und der Böden, Beanspruchung von fruchtbaren Ackerböden, Verringerung der Ernährungssicherheit, Schädigung der Artenvielfalt und des Walds sowie die Klimaerwärmung. Doch was macht die Politik? Daumendrehen! Und weiterhin einen riesigen Subventionshaufen der Tierproduktion zuschieben.

Es freut Heidi immer wieder, wenn Umweltorganisationen Forderungen stellen. Am 17.5.22 haben WWF, Pro Natura, BirdLife sowie Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz einen Bericht über die hohen Ammoniak-Emissionen aus der Tierhaltung veröffentlicht und Forderungen gestellt, siehe Heidis Mist Ammoniak-Emissionen, Ammoniak-Emissionen … eine neue Studie! bzw. Ammoniak -_Die Situation in ausgewählten Schweizer Kantonen.

Nun setzt Greenpeace mit einer Petition zur Werbung für Tierprodukte Dampf auf:

Manipulative Werbetechniken kurbeln den Konsum von Tierprodukten an

„Wir alle haben manchmal das unangenehme Gefühl, dass uns die Werbung für Fleisch, Milchprodukte und Eier für dumm verkaufen will,“ schreibt Greenpeace. Deshalb hat die NGO die Kommunikationsstrategien von über 600 Schweizer Werbespots analysieren lassen. Das Fazit: Die Werbetreibenden setzen manipulative Techniken ein, um den Konsum von Tierprodukten als Nahrungsmittel zu rechtfertigen und zu steigern. Dabei unterscheiden sie nicht zwischen umweltfreundlichen Produkten und solchen aus industrieller Tierproduktion.

Diese Werbung, die zum Teil mit Steuergeldern finanziert wird, steht in keiner Weise im Einklang mit der Klima- und Biodiversitätskrise. Daher fordert die Greenpeace-Petition ein Verbot von steuerfinanzierter Werbung und von Detailhandelwerbung für Fleisch, Milchprodukte und Eier.

Kommunikationsstrategien

In diesem neuen Bericht untersuchten die ForscherInnen die Werbungen der Detailhändler (Coop, Migros, Aldi, Lidl) und der öffentlich finanzierten Interessenorganisationen (Pro Viande, Swiss Milk, Switzerland Cheese Marketing, GalloSuisse, RAUS). In den untersuchten Werbespots lassen sich sechs Haupttrends erkennen:

  • angeblicher Respekt vor der Umwelt,
  • Fokus auf althergebrachte Praktiken,
  • Einzigartigkeit der Schweizer Identität,
  • Stereotype,
  • individuelle Werte und
  • kollektive Werte.

Folgende Strategien nutzen die Werbetreibenden, um die Öffentlichkeit dazu anzuregen, mehr Milchprodukte, Eier und Fleisch zu konsumieren:

  • Die Werbespots in Serieform produzieren und so eine vertraute Beziehung zu den Konsument:innen aufbauen-
  • Die Aufmerksamkeit steuern, um von den Schlüsselthemen abzulenken, z. B. durch erzählerische Ellipsen, die den Blick direkt von der Weide auf den Teller führen (wobei das Melken der Kühe oder die Schlachtung ausgeblendet werden).
  • Humor einsetzen, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von den Fragen abzulenken, die sich zu den Produktionsprozesse stellen, und um Umweltfragen lachhaft erscheinen zu lassen.
  • Autoritätsargumente verwenden, die dazu auffordern, Aussagen als Wahrheit zu akzeptieren.
  • Stereotype (z. B. männliche Männer und vegetarische Frauen) und Werte instrumentalisieren, um den Konsum von Tierprodukten zu normalisieren.
  • Welten vermischen (z. B. «Gemüsefilet»), wodurch dem Publikum glaubhaft gemacht werden soll, dass Tiere gleich behandelt werden wie Menschen. Stattdessen fördert die Werbung in Wirklichkeit ein anthropozentrisches System.
  • Eine fiktive, manchmal von Mythen inspirierte Welt schaffen (das Symbol des Feuers usw.), die die Herrschaft der Menschen über die Tiere und ihre negativen Folgen unsichtbar macht.

«Wir denken, wir seien frei in unseren Kaufentscheidungen, aber unser Bericht zeigt, wie Unternehmen zweifelhafte rhetorische Techniken einsetzen, um unsere Konsumgewohnheiten zu beeinflussen», sagt Alexandra Gavilano, Projektleiterin für nachhaltige Ernährungssysteme bei Greenpeace Schweiz.

Gemeinsame Merkmale

Die WerberInnen gehen implizit auf ökologische oder tierschutzbezogene Anliegen ein, um diese zu entkräften oder sie sogar zu ihrem eigenen Vorteil zu verwenden (z. B. mit der Aussage: Wer Schweizer Milch oder Fleisch konsumiert, schützt die Natur). Diese Werbestrategie blendet störende Elemente (bspw. die Schlachtung) aus.

Im Detail: In der Fleischwerbung sind Tiere nur selten auf dem Bildschirm zu sehen; wenn doch, werden sie als «Produkt» bezeichnet. Im Gegensatz dazu, zeigt die Werbung für Milchprodukte wie Käse und Butter häufig lebende Tiere in einer idealisierten Landschaft aus weiten Flächen und grüner Natur. In der Werbung für Eier wird das Lebensmittel selbst und seine Vielseitigkeit hervorgehoben, ohne dass Hühner oder ihre Haltungsbedingungen gezeigt werden.

Werbung fördert umweltzerstörende Essgewohnheiten

Der übermässige Verzehr von Tierprodukten trägt zur globalen Erwärmung, Entwaldung und Umweltverschmutzung bei. «Wir müssen unseren Konsum von Tierprodukten reduzieren. Hierbei sollte das Marketing eine Rolle spielen, insbesondere das steuerfinanzierte Marketing, das den Steuerzahler in den letzten Jahren fast 40 Millionen Franken pro Jahr gekostet hat. Auch die Detailhändler müssen ihre Rolle wahrnehmen. Solange deren Marktmacht gross bleibt, brauchen wir strengere Gesetze, um Geschäftspraktiken zu regulieren, die das Konsumverhalten beeinflussen.

Müssen die Detailhändler ihre Marketingstrategie anpassen, um ihre KundInnen zu einem nachhaltigeren Konsum zu motivieren, erlaubt das auch den LieferantInnenen, ihre Produktionsmethoden anzupassen. Stattdessen normalisiert die Werbung den Konsum von Milchprodukten, Eiern und Fleisch und vermittelt den KonsumentInnen das Gefühl, dass sie ökologisch konsumieren, indem sie Schweizer Produkte wählen. In Wahrheit aber, schadet der Konsum dieser Produkte unserem Planeten», erklärt Alexandra Gavilano.

Wenn Sie es satt haben, dass die grossen Detailhändler uns dazu verleiten, zu viele Produkte zu konsumieren, die unserem Planeten schaden, dann unterzeichnen Sie bitte die Greenpeace-Petition.

Wir fordern ein Verbot von:

  • Werbung für Eier, Milchprodukte und Fleisch durch den Detailhandel und Interessenorganisationen. Vom Werbeverbot nicht betroffen wären LandwirtInnen, die ihre eigenen Produkte bewerben.
  • Sponsoring an öffentlichen Veranstaltungen, Orten, in Nachrichtenmagazinen und anderen Broschüren.
  • Lobbyarbeit an Schulen, in Freizeitvereinen und ähnlichen Organisationen. Betroffen wäre beispielsweise Unterrichtsmaterial, das von Interessenorganisationen, wie Swissmilk, produziert wird.
  • Subventionen für Werbung für Tierprodukte, welche in der Produktion und Haltung dem Klima und der Biodiversität schaden oder Menschenrechte verletzen!

Hier gehts zur Petition Keine Werbung für Fleisch, Milchprodukte und Eier durch Detailhandel und Interessenorganisationen. Aktuell haben 9’409 Personen die Petition unterschrieben. Unterschreiben auch Sie!

22.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

Ammoniak-Emissionen, Ammoniak-Emissionen … eine neue Studie!

17. Mai 2022

Die Schweiz ist, je nach Quelle, an erster oder zweiter Stelle der Ammoniak-Verursacher in Europa mit den entsprechenden Schäden.

Die Schweiz ist, je nach Quelle, an erster oder zweiter Stelle der Ammoniak-Verursacher in Europa mit den entsprechenden Schäden.


Zu viele Tiere, zu viel Fleisch, zu viel Exkremente!

Zu viele Tiere, zu viel Fleisch, zu viel Exkremente!


Die Auswirkungen sind enorm!

Die Auswirkungen sind enorm!


In der Agrarpolitik sind die Nutztiere eine Heilige Kuh.

In der Agrarpolitik sind die Nutztiere eine Heilige Kuh.

 

Nicht einmal der Vollzug der Gesetze funktioniert!

Nicht einmal der Vollzug der Gesetze funktioniert!

Wer auf Heidis Mist „Ammoniak“ sucht, findet 39 Beiträge und mehrere Cartoons von NaNa. Zuerst das Schöne: Cartoons von NaNa, anschliessend die gemeinsame Medienmitteilung WWF, Pro Natura, BirdLife und Ärztinnen und Ärzte für Umwelt von heute:

StickstoffÜberschüsse: Bund soll zukunftsgerichtete Betriebe unterstützen

Stickstoffverluste schädigen die Biodiversität, die Luft und das Wasser und damit unsere Lebensgrundlage. Zudem wirken sie sich negativ auf das Klima und die Gesundheit von Menschen und Tieren aus. Die heute im Auftrag der Umweltverbände veröffentlichte Studie “Ammoniak die Situation in ausgewählten Kantonen” zeigt, wie wichtig entschlossenes Handeln ist. Eine standortangepasste Landwirtschaft kann die AmmoniakEmissionen wirksam senken. Dafür muss die Agrarpolitik kohärent ausgestaltet und zukunftsgerichtete Betriebe müssen gezielt unterstützt werden.

  • Die AmmoniakEmissionen verharren auf einer Höhe, welche für die Umwelt untragbar ist. Das zeigt die im Auftrag der Umweltverbände erstellte AmmoniakStudie. Sie untersucht die AmmoniakSituation in neun Kantonen, in denen die Tierproduktion besonders intensiv ist (ZH, LU, BE, ZG, FR, TG, SG, AR, AI). Obwohl das Problem in den meisten untersuchten Kantonen erkannt und teilweise teure Massnahmenpläne erarbeitet wurden, werden die kantonalen und nationalen Reduktionsziele in keinem der untersuchten Kantone (auch nur annähernd) erreicht.
  • Um die AmmoniakEmissionen wirksam zu verringern, müssen die Kantone ihre Rolle als Vollzugsorgane konsequenter wahrnehmen. Es gilt ausserdem die Produktion und den Konsum von pflanzlichen Proteinen zu fördern. Der Bund soll einen Unterstützungsfond für Landwirtschaftsbetriebe schaffen, welche aus der Tierhaltung aussteigen oder ihre Viehdichte reduzieren und vermehrt auf die Produktion pflanzenbasierter Kalorien für die menschliche Ernährung setzen. Zudem müssen staatliche Subventionen abgeschafft oder umgestaltet werden, welche direkt oder indirekt StickstoffÜberschüsse fördern, z.B. Abschaffung der Absatzförderung für Fleisch, Milchprodukte und Eier.

Zitate:

Kurt Eichenberger, Projektleiter interkantonaler AmmoniakVergleich, WWF Schweiz:

«Der Bericht zeigt, dass fast alle Kantone in der Reduktion von Ammoniak kaum Fortschritte machen, dies trotz vom Bund bezahlten, teuren Ressourcenprogrammen. Bund und Kantone sollten das Problem an der Wurzel packen und Betriebe unterstützen, die von Viehhaltung auf Pflanzenproduktion umstellen wollen.»

Marcel Liner, Verantwortlicher Agrarpolitik, Pro Natura:

«Wir begrüssen, dass der Bundesrat die Dringlichkeit erkannt und im April ernsthafte Reduktionsziele bei den DüngerÜberschüssen festgelegt hat. Diese sollen nun in den Kantonen mit griffigen Massnahmen umgesetzt werden.»

Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft, BirdLife Schweiz:

«Die Düngewirkung des Ammoniaks hat eine schleichende und zerstörerische Auswirkung auf den Wald und andere Lebensräume, die für Menschen und Tiere lebensnotwendig sind. Das Ammoniak schadet damit der Biodiversität und ist mitverantwortlich für das massive Insektensterben.»

Martin Forter, Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz AefU:

«Ammoniak verursacht unter anderem Asthma und andere Lungenkrankheiten.»

Die Zeit ist reif für griffige Massnahmen

Die Umweltorganisationen begrüssen, dass der Bund die äusserst schädlichen AmmoniakEmissionen nun ernsthaft reduzieren will. Diese Ziele sind zu erreichen, wenn wir eine standortangepasste und ressourceneffiziente Landwirtschaft setzen, wie sie in Artikel 104a der Bundesverfassung eigentlich schon seit Herbst 2017 verlangt wird.

Voraussetzung dafür ist, dass wir die Agrarpolitik kohärent ausgestalten. Subventionen, welche direkt oder indirekt StickstoffÜberschüsse sowie emissionen verursachen, müssen beseitigt werden. Das Schweizer Grasland lässt sich sinnvoll nutzen. Dies aber nur mit so vielen Tieren, wie mit dem regional vorhandenen Futter auch ernährt werden können. Unsere Äcker sollten wir effizienter nutzen, und zwar für die direkte Produktion von menschlichen Nahrungsmitteln. So erhöhen wir auch die Ernährungssicherheit.

Unser Fleisch soll vorwiegend von Wiederkäuern stammen, die graslandbasiert gehalten und gefüttert wurden ohne Importfutter. Zudem gilt es zukunftsgerichtete Betriebe zu unterstützen. Dazu könnte der Bund einen Unterstützungsfond für Landwirtschaftsbetriebe schaffen, welche aus der Tierhaltung aussteigen oder die Viehdichte reduzieren und vermehrt auf die Produktion pflanzenbasierter Kalorien für die menschliche Ernährung setzen.

Steuermillionen versanden

In den letzten Jahren sind auf Ebene Bund und Kantone Hunderte Millionen an Steuerfranken in technische Massnahmen zur Behebung und Vermeidung von Umweltschäden aus den hohen Tierbeständen geflossen. So etwa in die Finanzierung des SchleppschlauchEinsatzes, Finanzhilfen für die Anpassung von Ställen oder der Abdeckung von Güllelagern. Diese Massnahmen hatten durchaus positive Effekte wie das Beispiel des Kantons Zug zeigt. Doch zugleich wurden diese Anstrengungen zunichte gemacht durch agrarpolitische Fehlanreize wie zum Beispiel die Absatzförderung von Milch, Fleisch und Käse oder Zollerleichterungen für Importkraftfutter etc. Diese Fehlanreize wirken sich ammoniakfördernd aus es erstaunt deshalb wenig, dass es bei der Reduktion seit Jahren keine nennenswerten Fortschritte mehr gibt. Dabei ist zu betonen, dass es sich bei dieser Aufgabe um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, die nicht alleine der Landwirtschaft angelastet werden darf. Es braucht also Massnahmen, die auch beim Handel und beim Konsum ansetzen.

Glossar

Stickstoff: Stickstoff ist ein unentbehrlicher Nährstoff für alle Lebewesen. Der Einsatz mineralischer und organischer Stickstoffdünger zur Steigerung von Erträgen ist gängige Praxis in der Landwirtschaft. Entscheidend ist der sorgsame, bedarfsgerechte und standortangepasste Einsatz. Denn Stickstoffverluste in Form von Ammoniak führen zu Emissionen, welche Klima, Luftqualität und die Biodiversität beeinträchtigen. Stickstoffverluste in Form von Nitrat belasten das Grundwasser und damit unser Trinkwasser.

Ammoniak: Ammoniak entsteht vor allem in der Tierhaltung. Dies weil Gülle und Mist Harnstoff und Eiweiss enthalten, die in Ammoniak umgewandelt werden. Hauptquelle ist die Rinderhaltung, insbesondere Milchvieh, aber auch Mastrinder. Besonders viel Ammoniak entweicht bei der Ausbringung von Gülle, Festmist und Gärresten in die Luft. Über die Luft wird Ammoniak in empfindliche Ökosysteme eingetragen, wo es eine eutrophierende und versauernde Wirkung hat und die Artenvielfalt schädigt.

Ammoniak -_Die Situation in ausgewählten Schweizer Kantonen. WWF, Pro Natura, BirdLife, Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz Mai 2022

Stickstoffreduktion: Weitergehende Massnahmen verlangt. Echo der Zeit, 16.5.22

Heidis Artikel mit Stichwort Ammoniak

17.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

 

Heissere Hotspots, trockenere Dryspots, feuchtere Wetspots und stärkere Stürme

17. Mai 2022
Copyright: James Hansen, Makiko Sato and Reto Ruedy

Copyright: James Hansen, Makiko Sato and Reto Ruedy

Neueste Meldungen zum Klima von James Hansen et al.: Hotter Hotspots, Drier Dryspots, Wetter Wetspots, and Stronger Storms – Temperatur-Update April 2022, 16. Mai 2022.
Übersetzt von Heidi mithilfe von DeepL.

Was gibt es sonst noch Neues? Die Hotspots werden immer heisser. Der grösste Hotspot im April erstreckte sich vom Irak bis Indien und Pakistan, und in Richtung Nordosten durch Russland (Fig. 1). Die Temperatur überschritt 45°C (113°F) Ende April in mindestens neun indischen Städten, auf dem Weg zu 50°C (122°F) in Pakistan im Mai, wo ein Arbeiter sagt: „Es ist, als würde es überall brennen“, und ein Meteorologe, der die zunehmenden Hitzewellen seit 2015 beschreibt: „Die Intensität nimmt zu, die Dauer nimmt zu und die Häufigkeit nimmt zu.“ Auf der anderen Seite der Welt war es in Kanada und im Norden der USA kühler als im langjährigen Durchschnitt, aber die Menschen in British Columbia und im Nordwesten der Vereinigten Staaten erinnern sich daran, dass sie im letzten Sommer unter ihrem eigenen rekordverdächtigen Hitzerekord standen.

Manchmal wird gesagt, dass wir uns in einer „neuen Normalität“ befinden und dass wir die Treibhausgasemissionen reduzieren müssen, um diese neue Normalität erträglich zu halten. Ja, wir müssen die Emissionen so schnell wie möglich reduzieren, aber unser Ziel kann nicht nur darin bestehen, zu minimieren, wie unerträglich das Klima wird. Aus zahlreichen Gründen – vor allem für den Erhalt unserer Küstenstädte – müssen wir zu einem günstigeren, kühleren Klima zurückkehren. Wir befinden uns jetzt in einer vorübergehenden Klimaphase, die in naher Zukunft sicherlich heisser werden wird, aber in naher Zukunft – spätestens in den 2030er Jahren – müssen wir damit beginnen, die Energiebilanz der Erde so zu steuern, dass wieder ein kühleres Klima entsteht. Wir werden in Kürze eine Publikation fertigstellen, das hoffentlich dazu beitragen wird, dieses Thema zu beleuchten.

Lesen Sie hier (auf Englisch) weiter: Hotter Hotspots, Drier Dryspots, Wetter Wetspots, and Stronger Storms.

17.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

Laute Lobby für einen stillen Frühling

15. Mai 2022
Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

CORPORATE EUROPE OBSERVATORY hat die giftigen Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie gegen Farm to Fork aufgedeckt.

Achtung, die Lobby ist auch in der Schweiz aktiv, z.B. mit breit gestreuten Falsch-Informationen in den Medien am vergangenen Wochenende durch den Syngenta-CEO Erik Fyrwald oder schon länger mit den regelmässigen News von Swiss-Food.ch, einer Plattform von Syngenta und Bayer, welche von der gleichen Kommunikationsfirma betrieben wird wie die Homepage der Science for CRISPR (Grüne Biotechnologie), der Kommunikationsplan AG in Zürich. Es stellt sich die Frage: Wer finanziert Science for CRISPR? Von einem beteiligten Kollegen hat Heidi keine Antwort erhalten. Ein Agroscope-Forscher hat sich mit „Universität Bern“ präsentiert, obwohl er dort nur eine einzige Vorlesung bestreitet. Eine eigenartige Interessengemeinschaft, meint Heidi.

Pestizide sind eine der Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt, eine ökologische Katastrophe, die sich in einem fortgeschritteneren Stadium befindet als die Klimakrise und die „Integrität lebender Systeme“ gefährdet, von denen auch der Mensch abhängt, wie das Stockholmer Resilienz-Zentrum anhand von neun planetarischen Grenzen feststellt.

Bauern und Gesellschaft sind die Verlierer

Eine aktuelle Studie von Le Basic zeigt, dass die Kosten für die Auswirkungen des Pestizideinsatzes in Europa auf die menschliche Gesundheit, die Wasserqualität, die Böden und schliesslich die Nahrungsmittelproduktion – Kosten, die von der Gesellschaft durch öffentliche Ausgaben getragen werden müssen – viel höher sind als die Nettogewinne der Pestizidbranche selbst. Die Autoren des Berichts kommen zum Schluss, dass das derzeitige Agrarmodell vor allem der Agrarindustrie und den Lebensmittelkonzernen zugute gekommen ist, während die Landwirte aufgrund der instabilen Weltmarktpreise für ihre Erzeugnisse die Verlierer sind.

Um der ernsten Bedrohung durch die Krise der biologischen Vielfalt zu begegnen, will die EU ihre Abhängigkeit von Pestiziden bis 2030 um mindestens 50 Prozent reduzieren. Ein weiteres Ziel ist, den Anteil des ökologischen Landbaus bis 2030 auf 25 Prozent zu erhöhen, was ein wichtiger Weg zur Reduzierung von Pestiziden ist. Dies hat die Pestizidindustrie in einen Überlebensmodus versetzt. Ein durchgesickertes Dokument der Pestizid-Lobbygruppe CropLife Europe zeigt, dass sie zwar grosse Töne spuckt, wenn es darum geht, den Green Deal zu unterstützen, in Wirklichkeit aber eine Vielzahl von Lobbytaktiken einsetzt, um ehrgeizige, verbindliche Ziele zu untergraben.

Synthetische Pestizide nur als letztes Mittel

Seit 2009 setzt die EU die Richtlinie über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden um, die den Einsatz von Pestiziden „nachhaltig“ machen soll: Synthetische Pestizide sollten grundsätzlich nur „als letztes Mittel“ eingesetzt werden. In der Praxis haben die EU-Länder und -Institutionen jedoch kläglich versagt, diese Politik umzusetzen. Dasselbe gilt für die Schweiz gemäss Ökologischem Leistungsausweis.

Zwei Drittel des Pestizidmarktes halten vier Pestizidriesen: Bayer-Monsanto, BASF, Syngenta (in chinesischem Staatsbesitz) und Corteva (Dow-Dupont). Der weltweite Umsatz mit Pestiziden hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Freiwilligkeit, Scheinlösungen und Deregulierung

Die Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie reichen von der Panikmache mit „Auswirkungsstudien“ über die Mobilisierung von Drittländern (vor allem der USA), um Druck auf die EU auszuüben, bis hin zur Ablenkung der Entscheidungsträger mit freiwilligen Verpflichtungen oder anderen Scheinlösungen. Während sie die Reduktionsziele mit allen Mitteln bekämpfen, setzen sich Konzerne wie Bayer auch für die Deregulierung von gentechnisch verändertem Saatgut und neuen Techniken wie CRISPR-Cas ein und drängen auf digitale Hilfsmittel für Landwirte. Dies ist Teil ihres neuen Geschäftsmodells, um den Umsatz mit Pestiziden auszugleichen oder zu ergänzen.

Sogar die russische Invasion in der Ukraine wird für die Ziele der Pestizideindustrie instrumentalisiert. In Wirklichkeit hat der Krieg gegen die Ukraine die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brennstoffen und Düngemitteln (beides wichtige russische Exporte) gezeigt. Die grossen Bedrohungen sind die Klima- und Biodiversitätskrisen, die dringend angegangen werden müssen, auch in der Ernährungs- und Landwirtschaft.

Viele Millionen Euros für Lobbying

Die Lobbykampagne der Industrie ist gut ausgestattet. Laut dem Eintrag von Bayer im EU-Transparenzregister für Lobbyarbeit aus dem Jahr 2021 gab der Konzern 6,5 bis 7 Millionen Euro für Lobbyarbeit bei den EU-Institutionen aus. In diesem Jahr beauftragte Bayer nicht weniger als acht Lobbyfirmen. Die Einträge von BASF, Syngenta, Corteva und CropLife Europe wurden zuletzt für das Jahr 2020 aktualisiert und die selbst angegebenen Zahlen reichen von 600’000 € bis 3,2 Millionen €. Aber wie Corporate Europe Observatory in der Vergangenheit berichtet hat, könnten die tatsächlichen Zahlen viel höher sein.

Die Lobby-Kampagne wird auf europäischer und internationaler Ebene von den Industrie-Lobbygruppen CropLife Europe und CropLife International sorgfältig orchestriert. Eine durchgesickerte Präsentation der Social-Media-Strategie 2020-2021 von CropLife Europe, die Corporate Europe Observatory zugespielt wurde, gewährt Einblicke in die wahren Ziele und Prioritäten der Industrie und liefert zusätzliche Beweise für ihre Lobbying-Taktiken. Dieser Bericht basiert ausserdem auf Hunderten von Dokumenten, die CORPORATE EUROPE OBSERVATORY erhalten hat von der Europäischen Kommission durch Anfragen im Rahmen der Informationsfreiheit, persönliche Kommunikation mit beteiligten Akteuren, EU-Konsultationseinreichungen und die Teilnahme an Lobbyveranstaltungen und von der Europäischen Kommission organisierten „Stakeholder-Treffen“.

Was macht die Industrie?

Der Bericht zeigt, dass die Pestizidindustrie zwar behauptet, den EU Green Deal zu unterstützen, aber:

  • für partielle Auswirkungsstudien bezahlt hat, um Angst vor wirtschaftlichen Verlusten zu schüren und ein ungerechtes Bild zu zeichnen;
  • zahlreiche Medienveranstaltungen und Artikel inszeniert hat, um eine Echokammer rund um die „Auswirkungs“-Studien zu schaffen;
  • von einer von den USA angeführten Industrie-Regierungs-Koalition gegen „Farm to Fork“ profitieren;
  • Druck von Drittländern auf die EU ausüben, um die internationalen Aspekte der Farm-to-Fork-Ziele zu untergraben;
  • die Durchsetzung zu untergraben;
  • sich zwar gegen verbindliche, ehrgeizige Zielvorgaben aussprechen, aber gleichzeitig die Diskussion über die Zielvorgaben als Vorwand nutzen, um unerprobte neue Technologien zu fördern und zu deregulieren (z. B. digitale Technologien, Drohnen, neue GVO), einschliesslich Scheinlösungen.

Dieser Bericht zeigt, dass die EU-Ziele für die Lieferung vom Erzeuger zum Verbraucher (Farm to Fork), ein wesentliches Element des EU Green Deal, von der Industrie stark angegriffen wird. Auf der anderen Seite haben über 70 Organisationen die Europäische Kommission gewarnt, dass die Optionen, die derzeit auf dem Tisch liegen, bei weitem nicht ausreichend sind und zu viele Schlupflöcher offen lassen. Es ist von grösster Wichtigkeit, dass der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reduzierung von Pestiziden die Forderungen der EU citizens’ initiative, ‘Save Bees and Farmers’, unterstützt von 250 Organisationen, widerspiegelt und ein Höchstmass an Ehrgeiz aufweist, das über eine 50 Prozent Reduktion hinausgeht.

Syngenta und Bayer bearbeiten in der Schweiz intensiv ihre LeserInnen von Swiss-Food. Schreiben „Die Zukunft ist regenerativ“. Sie reden von Schutz der natürlichen Ressourcen und hoher Produktivität, attackieren den Biolandbau, schreiben von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft … werfen mit Schlagwörtern um sich und meinen eigentlich: Profit für die Industrie. Scheinheilige wehren sich für ihre Produkte.

Heidi rät: „Seid wachsam und löst euch von der chemischen Illusion!“

Hier der Link zur vollständigen Studie: A loud lobby for a silent spring. CORPORATE EUROPE OBSERVATORY, März 2022

Rachel Carson, Wikipedia

Farm to Fork strategy. EU

Dear Scientist and Friend in Kyiv

Tannenhäher bettelt Futter von PassantInnen.

Nutcracker begs food from passers-by.

I am outraged that companies and organisations are using the terrible war in your country to promote their interests and increase profits.

I am busy in the garden, so I have not written to you every day. Moreover, there is a lot of misinformation that I am also fighting against.

I wish you peace.

Heidi

15.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

Chemikalien kommen, gehen, bleiben …

28. April 2022
Diesen Bericht sollten wir Menschen ernst nehmen.

Diesen Bericht sollten wir Menschen ernst nehmen.

Die Veröffentlichung des Beitrags Umweltrisiko TFA – So landet der Problemstoff in unserem Trinkwasser von SRF Impact bewirkte zahlreiche weiteren Beiträge in verschiedenen Medien. Das Problem ist schon länger bekannt, nur wurde es von den Behörden beiseite geschoben.

Es wurde sogar am 17.6.21 eine Interpellation im Nationalrat von Ursula Schneider Schüttel eingereicht: „Welche in der Schweiz zugelassenen Wirkstoffe und Abbauprodukte gelten als „forever-chemicals“? Die Umweltorganisation „ohneGift“ hat an mehreren Standorten in der Schweiz die Konzentration von Trifluoracetat (TFA) im Seewasser und im daraus gewonnenen Trinkwasser gemessen …“ Der Bundesrat antwortete am 1.9.21, aber der Nationalrat hat die Diskussion am 1.10.21 verschoben. Wenn es um Umweltprobleme geht, dann pressiert es in der Politik nicht!

Welche Stoffe sind gefährlich?

Es gibt etwa 100’000 verschiedene synthetische Chemikalien. Viele sind harmlos. Andere sind es nicht. Sobald sie in der Umwelt sind, können Chemikalien mit anderen Verbindungen reagieren und von lebenden Organismen umgewandelt werden. Es entstehen Mischungen und Abbauprodukte. Wenn man dies berücksichtigt, dann gibt es Grössenordnungen mehr Chemikalien, über die wir uns Sorgen machen müssen.

Über die meisten wissen wir nichts und z.B. bei neueren Arzneimitteln und Pestiziden weiss man sehr wenig über die Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen. Viele Informationen sind zudem unter Berufung auf geistige Eigentumsrechte der Industrie vertraulich. Über die Wirkung von Mischungen und Abbauprodukten wissen wir praktisch nichts.

Dritte grosse planetarische Krise

Der erste UNEP-Synthesebericht (United Nation environment programme) trägt den Titel: „Making Peace With Nature: Ein wissenschaftlicher Plan zur Bewältigung der Notlagen in den Bereichen Klima, biologische Vielfalt und Umweltverschmutzung“. Er stützt sich auf Erkenntnisse aus globalen Umweltbewertungen.

Die ersten synthetischen Chemikalien, die in der Natur nicht vorkommen, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Aber wie bei den meisten menschlichen Aktivitäten, die den Planeten zerstören, begann die Geschwindigkeit, mit der wir neue Schadstoffe erzeugten und unsere Abfallprodukte in die Umwelt einleiteten, nach dem Zweiten Weltkrieg exponentiell anzusteigen.

Heute! Morgen?

Heute beschäftigen wir uns mit TFA im Trinkwasser, PCB im Engadiner Fluss Spöl … Und morgen? Das alles kostet viel Geld. Geld für Analysen, Administration, Forschung, Monitoring und es kostet Nerven und kann unserer Gesundheit schaden! Wollen wir so weitermachen? Oder funktioniert Wohlstand auch ohne die vielen Chemikalien mit unbekannten Eigenschaften?

Umweltrisiko TFA – So landet der Problemstoff in unserem Trinkwasser. SRF Impact 26.4.22

21.3873 Interpellation von Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel. Welche in der Schweiz zugelassenen Wirkstoffe und Abbauprodukte gelten als „forever-chemicals“?

Why chemical pollution is turning into a third great planetary crisis. Graham Lawton, New Scientist 21.7.21

28.4.22 HOME

Datenschutzerklärung

Klima: Die Hängebrücke – eine Abendteuergeschichte

24. April 2022
SJW-Heftli. Klicken Sie auf das Bild -> SJW-Shop. Auch im Buchhandel erhältlich.

SJW-Heftli. Klicken Sie auf das Bild -> SJW-Shop. Auch im Buchhandel erhältlich.

Am 12.2.22 schrieb Heidi den Beitrag Klimabelletristik regt zum Handeln an. Nicht schlecht staunte sie, als sie kürzlich einen Umschlag aus dem Briefkasten nahm, der zwei neue SJW-Hefte enthielt, eines zum Thema Klima, eines über Wasser. Eine Leserin fand das offensichtlich auch eine gute Idee. Sie schrieb: „Bei uns war die SJW-Ausstellung in der Schule jeweils ein Höhepunkt – genau wie die Bastelbögen.“ In Heidis Schule verteilte der Lehrer jeweils ein bestimmtes SJW-Heft an alle SchülerInnen, aus welchem wir dann reihum ein paar Sätze lesen durften oder (für einige) mussten. Das Prozedere wiederholte sich solange bis die Geschichte gelesen war.

Das Schweizerische Jugendschriftenwerk (SJW) wurde von Lehrerinnen und Lehrern am 1.7.31 gegründet. Die damals an den Kiosken erhältlichen Romanhefte mit abenteuerlichen Heldengeschichten waren in Schülerkreisen beliebt, in den Augen der Pädagogen jedoch verwerfliche Lektüre. Die Gründer beabsichtigten, selbst günstige Jugendschriften herauszugeben – im Format der verpönten Serienhefte, jedoch mit erzieherisch wertvollen Themen.

Im März 1932 erschienen die ersten zwölf SJW Hefte. Das Ziel, mit moralisch unbedenklichen Abenteuer- und braven Kindergeschichten die beliebten Kioskromane zu verdrängen, erreichte die damalige Autorenschaft nicht. Doch das SJW fand Zuspruch und wuchs: Ab 1935 war es auch in der französischen Schweiz tätig, ab 1939 zudem in der italienischen und rätoromanischen. Viele bekannte SchriftstellerInnen sind unter den Autoren, so z.B. auch Johanna Spyri und René Gardi.

SJW schreibt auf der Homepage: „Braves gegen Schund: So begann die Geschichte des SJW. Heute holen wir mit unseren Lektüren Preise und sind mit innovativen Projekten ein wichtiger Akteur in der Schweizer Leseförderung. Nur etwas ist gleich geblieben: das Format.“

Die Hängebrücke von Urs Augstburger

Die Abenteuergeschichte zum Thema Klima hat der Journalist Urs Augstburger geschrieben. Er ist Autor mehrerer Romane, ist beim Schweizer Fernsehen SRF im Dokumentarfilmbereich tätig und war einer der drei Redaktionsmitglieder des Films von Markus Imhoof More Than Honey.

Das SJW-Heft Die Hängebrücke wird für 12- bis 15-Jährige empfohlen. Die Geschichte hat Heidi vom ersten Satz an gepackt, so dass durchaus auch Erwachsene das Heft lesen können. Hier die Beschreibung:

„Mila leistet einen Arbeitseinsatz für ein Schutzwaldprojekt in den Walliser Bergen. Im Berglager verliebt sie sich in den Klimaaktivisten Leon. Bei einer Gletscherexkursion fällt den beiden auf, dass der Glaziologe Inderbinen nur zum Schein den Gletscher erforscht. Als sie ihn damit konfrontieren, wird es für alle gefährlich. Denn erst jetzt erkennt Mila, weshalb Leon wirklich hier ist. Eine Abenteuergeschichte, die die Klimaerwärmung und das Schmelzen der Gletscher in den Alpen thematisiert.“

„Die Hängebrücke“ ist eine fesselnde Abenteuergeschichte, die Basiswissen zu Themen wie Glaziologie, Energienutzung und Klimaerwärmung vermittelt und die Diskussionen zum Thema Klima ankurbelt.

Die Hängebrücke, auch im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-7269-0358-9

Urs Augstburger

Scheizerisches Jugendschriftenwerk (SJW)

Stöbern Sie im SJW-Shop!

24.4.22 HOME

Datenschutzerklärung


%d Bloggern gefällt das: