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COP27 aus afrikanischer Sicht: Viel Lärm um nichts?

24. November 2022
Quelle: Jeune Afrique. COP27 : beaucoup de bruit pour rien ?

Quelle: Jeune Afrique.

Quelle: COP27 : beaucoup de bruit pour rien ? Damien Glez, Jeune Afrique 21.11.22. Übersetzt von Heidi mithilfe von DeepL.

Sollte sich Afrika über die grosse Messe in Sharm El-Sheikh freuen? Die Weltklimakonferenz endete am Sonntag mit einem historischen Abkommen über die Hilfe für arme Länder und einem Stillstand im globalen Kampf gegen die globale Erwärmung.

Die 27. Weltklimakonferenz wurde von Umweltschützern – selbst von den am wenigsten radikalen – mit Skepsis erwartet, da die vorherigen Gipfeltreffen ebenso medienwirksam waren wie sie wenig konkrete Ergebnisse brachten. Diesmal jedoch versprachen die proaktivsten Vertreter der Welt, dass auf dem Treffen, das als „letzte Chance“ vor einem irreparablen Schaden bezeichnet wurde, unumstössliche Entscheidungen getroffen werden würden.

Afrika wurde insbesondere versichert, dass der ägyptische Ort des Treffens gewährleisten würde, dass die besonderen Auswirkungen der Klimaverschlechterung im Süden der Welt berücksichtigt würden …

Klimaschulden und neue Versprechungen

Die Laternen sind erloschen und die Bürger Afrikas scheinen genauso „im Guten enttäuscht“ zu sein, wie es die Schweizer zu sein wissen. Diejenigen, die die Schlussfolgerungen der COP27 durch die afrikanische Brille betrachten, halten einen vermeintlich historischen Fortschritt hoch: Die 196 vertretenen Länder haben beschlossen, innerhalb eines Jahres einen Fonds für „Verluste und Schäden“ einzurichten, einen Fonds, der Entwicklungsländern finanziell helfen soll.

Zugegeben, diese Ankündigung ist historisch, da die Forderung schon seit rund 30 Jahren bestand. Und gewiss tragen die mutmasslichen Nutzniesser des künftigen Fonds, die besonders anfällig für Dürren, Überschwemmungen und andere Wirbelstürme sind, relativ „wenig“ zu den Treibhausgasemissionen bei. Die Entscheidung ist also weniger eine wohltätige Geste als vielmehr die Rückzahlung einer „Klimaschuld“, da die Länder des Südens immer wieder aufgefordert werden, eine umweltschädliche Entwicklung zu unterbinden, in der sich andere bereits suhlen…

Es wäre sinnvoller, sich dem Feuer zu stellen, als dieses oder jenes Feld zu begiessen.

Gute Nachrichten für den Süden, aber das halbvolle Glas könnte ein halbleeres Glas bleiben, da die sogenannten „entwickelten“ Länder ihr altes Versprechen, jährlich 100 Milliarden Dollar für die Entwicklungsländer zu mobilisieren, immer noch nicht eingehalten haben. Dieses Versprechen wurde vor 13 Jahren gegeben. Für den Fonds, der den „Verlusten und Schäden“ gewidmet ist, haben sich bereits rund 40 Länder verpflichtet, mehr als 350 Millionen US-Dollar zu mobilisieren. Zur Kenntnis genommen.

Starke fossile Energieträger

Darüber hinaus hat die COP27 jenseits des ausschliesslich afrikanischen Prismas eindeutig versagt, den globalen Kampf gegen den Klimawandel signifikant zu beschleunigen, da keine Einigung über fossile Energieträger erzielt wurde, selbst nach einer Verlängerung der Debatten um 37 Stunden.

Auch wenn es wohlwollend ist, die Anpassung einiger Länder an die erlittenen Schäden in Betracht zu ziehen, wäre es nicht sinnvoller, die Ursachen der Geissel, die diese Schäden verursacht, zu bekämpfen?

COP27 : beaucoup de bruit pour rien ? Damien Glez, Jeune Afrique 21.11.22.

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Unsere erfolgreichen Lobbyisten: Fonduefestival und Käseexport

23. November 2022
Heidi tischt ein- bis zweimal jährlich Fondue auf, denn es ist eine üppige Mahlzeit. Sie verrät ihr (variables) Rezept nicht. Es kann auch einmal Bündner Käse drin sein!

Heidi tischt ein- bis zweimal jährlich Fondue auf, denn es ist eine üppige Mahlzeit. Sie verrät ihr (variables) Rezept nicht. Es kann auch einmal Bündner Käse drin sein!

In der Freiburger Käseindustrie ist der Klimawandel noch nicht angekommen, erst die Energiekrise. Vom 17. bis 20.11.22 fand in Fribourg das erste Schweizer Fonduefestival statt. Es soll künftig alle zwei Jahre wiederholt werden. Der Erfolg war gross, gab es doch vor dem Eingang des riesigen Zelts lange Schlangen und die Wartezeit betrug bis zwei Stunden.

Kritik kommt nicht nur von den MarkthändlerInnen, welche seit einem Monat in die kleinen engen Seitenstrassen ausweichen mussten und Umsatzeinbussen bis 30% erleiden, sondern auch von der Politik, denn das Fonduezelt wird mit Öl beheizt. «Heizöl schadet der Umwelt. Das Zelt ist riesig. Es hat ein Volumen von mehreren Familienwohnungen», moniert der SP-Lokalpolitiker Marc Vonlanthen gegenüber SRF. «Wir sind mitten in einer Energiekrise. Wir sprechen ständig von Nachhaltigkeit. Aber so eine Infrastruktur ist definitiv nicht nachhaltig.»

Erstaunlich ist die Antwort des ehemalige Freiburger Stadtpräsidenten und Nationalrat, Dominique de Buman, der das Fonduefestival organisiert. Er sagte zu SRF: „Wir haben bereits vor vier Jahren mit der Planung des Festivals begonnen. Da war die Energiekrise noch kein Thema.“ Hallo, Herr Buman, aber die Folgen der Klimaerwärmung sind schon viel länger sichtbar.

40% des Schweizer Käses wird exportiert

Die Schweizer Bauern und die Milchindustrie produziert gerne Käse für den Export. Die Umweltkosten dieses nicht nachhaltigen Wirtschaftens bleiben in der Schweiz. Seit einiger Zeit bringt man sogar den Chinesen das Fondue-Essen bei. Für wen ist der Exportkäse? Für die Hungernden in aller Welt? Profitieren davon die ausgebeuteten und vom Auslöschen bedrohten Uiguren?

Interpellation zur Exportfinanzierung

Die Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel reichte am 17.3.22 die Interpellation 22.3291 ein. Der Bundesrat wurde gebeten, Transparenz für die Steuerzahlenden bei der Finanzierung der Milchproduktion für den Käseexport, aber auch bei weiteren exportierten Produkten herzustellen.

Begründung: Der Selbstversorgungsgrad mit pflanzlichen Produkten liegt bei rund 40 Prozent, jener von Milch und Fleisch bei 100 Prozent. Das liegt daran, dass die Tierproduktion im Gegensatz zur Pflanzenproduktion stark gefördert wird. Heute werden rund 40 Prozent der Käseproduktion exportiert. Der Export nimmt zu und damit auch die Subventionen in Form von Direktzahlungen und Absatzförderungsmassnahmen, welche für eine exportorientierte Milchproduktion eingesetzt werden. Diese Subventionen durch die Schweizer Steuerzahlenden kommen schlussendlich gut situierten Personen in den Exportländern zugute.

Gleichzeitig ist die Auslandabhängigkeit für pflanzliche und besonders proteinreiche pflanzliche Lebensmittel besonders gross. Auch die Abhängigkeit von Butter hat durch die steigende Nachfrage nach Käse zugenommen. Tausende von Tonnen Butter wurden seit 2020 in die Schweiz importiert.

Der pro-Kopf-Fleischkonsum in der Bevölkerung ist seit Jahren rückläufig. Rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung isst heute sogar überwiegend (20,5%) oder ausschliesslich vegetarisch (4,1%) oder vegan (0,6%). Die Anzahl der Veganer hat sich im Jahr 2021 verdoppelt. Vor diesem Hintergrund würde die vermehrte Produktion von pflanzlichen (statt tierischen) Eiweissen einen wichtigen Beitrag an die Versorgungssicherheit in der Schweiz und zur Erreichung der Ziele des Absenkpfads Stickstoff leisten.

Der Bundesrat wird gebeten, Transparenz für die Steuerzahlenden bei der Finanzierung der Milchproduktion für den Käseexport, aber auch bei weiteren exportierten Produkten herzustellen. Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wie hoch ist die Gesamtsumme an Direktzahlungen, Absatzförderungen und weiteren Produktionsstützungsmassnahmen, welche in die Produktion und den Absatz des Export-Käses fliessen?

Antwort Bundesrat:

1. Der Bund richtet für sämtliche Verkehrsmilch eine Zulage von 5 Rp. pro Kilogramm vermarktete Milch aus. Für Milch, die zu Käse verarbeitet wird, wird zudem eine Zulage von 10 Rp. pro Kilogramm bezahlt. Die Zulage für verkäste Milch soll seit der Liberalisierung des Käsemarktes mit der EU die Milchpreisdifferenz zwischen der Schweiz und der EU ausgleichen. Wird die Milch ohne Fütterung von Silage produziert und zu Rohmilchkäse verarbeitet, kommt zusätzlich noch die Zulage für Fütterung ohne Silage von 3 Rp. pro Kilogramm hinzu. All diese Milchzulagen sind nicht an eine Exportleistung gebunden. Im 2021 hat der Bund die verkäste Milchmenge mit Zulagen in der Höhe von total 318,7 Mio. Fr. unterstützt.

In der Schweiz wurden 2021 rund 3,4 Millionen Tonnen Milch vermarktet. Knapp 47% dieser Milchmenge wurde zu total 207’155 Tonnen Käse verarbeitet. Davon wurden rund 77’779 Tonnen exportiert, was einem Exportanteil von 38% an der Käseproduktion entspricht. Aus der Exportstatistik lässt sich mit der Annahme einer Ausbeute von 10% bei der Käseherstellung und aufgrund des Anteils von Rohmilchkäse abschätzen, dass ca. 134 Mio. Fr. der Zulagen dem exportierten Käse zugekommen sind. Im 2021 hat die Schweiz auch 75’788 Tonnen Käse importiert. Mit den zunehmenden Importen konnte in den letzten Jahren ein grosser Teil des steigenden Käsekonsums in der Schweiz abgedeckt werden.

Für gemeinsame Marketingaktivitäten für Schweizer Käse im Ausland wurden 2021 im Rahmen der Absatzförderung 22,9 Mio. Fr. (inkl. Exportinitiativen) ausbezahlt.

Mit der Agrarpolitik 2014-2017 wurden die sogenannten Tierbeiträge grösstenteils in die Versorgungssicherheitsbeiträge umgelagert, weil sie zu einem Intensivierungsanreiz in der Tierhaltung führten. Die Direktzahlungen werden seither mit Ausnahme der Tierwohlbeiträge als flächenbezogene Zahlungen ausgerichtet. Betriebe mit Milchkühen würden somit für ihre Flächen auch Direktzahlungen erhalten, wenn sie aus der Milchproduktion aussteigen würden.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat die Daten zu den Direktzahlungen der Betriebe mit Milchkühen ausgewertet. Dabei wurden die Direktzahlungen dieser Betriebe für ihre Grünflächen und Maisflächen auf die von ihnen gehaltenen Milchkühe und die anderen Rauffutterverzehrer umgelegt. Daraus ergibt sich eine grobe Schätzung von rund 900 Mio. Fr. an Direktzahlungen (inkl. Sömmerungs- und Alpungsbeiträge), die 2021 an die Betriebe mit Milchkühen in der Schweiz ausgerichtet wurden. Die Summe an Direktzahlungen, die an Milchkühe mit Verkehrsmilchproduktion fliesst ist, wird damit jedoch überschätzt, da nicht alle Betriebe mit Milchkühen auch Verkehrsmilch abliefern. Für die weitere Zuordnung dieser Direktzahlungssumme auf die exportierte Käsemenge fehlen verlässliche Daten. Die resultierende Schätzung wäre aufgrund der Fehlerfortpflanzung kaum sinnvoll zu interpretieren.

2. Wie gross ist die für den Käseexport benötigte Nutzfläche in der Schweiz? Wie viel Fläche im Ausland kommt durch das importierte Kraftfutter für die Milchkühe, welche Milch für den Export-Käse produzieren, dazu?

Antwort Bundesrat:

2. Gemäss der Auswertung des BLW bewirtschafteten Betriebe mit Milchkühen 2021 eine Grünfläche von rund 520’000 Hektaren und bauten auf rund 30’000 Hektaren Mais an. Wie bei der Beantwortung der Frage 1 wird hier angenommen, dass die Erträge dieser Flächen hauptsächlich zur Fütterung der auf den Betrieben gehaltenen Milchkühe verwendet werden. Der gesamte Kraftfutterverbrauch beträgt in der Schweiz jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen Trockenmasse, davon werden 60% importiert. Etwa 0,45 Millionen Tonnen werden an Rinder verfüttert. Bei unterstellten Anteilen von 70% Getreide und 30% eiweissreichen Produkten wie Sojaschrot (Nebenprodukt aus der Sojaölgewinnung) resultiert ein Bedarf an Getreide von rund 315’000 Tonnen und an Sojabohnen von rund 170’000 Tonnen. Dies entspricht bei mittleren Erträgen von 7 Tonnen Futtergetreide und 3 Tonnen Sojabohnen je Hektar einer Getreideanbaufläche von 45’000 Hektaren und einer Sojabohnenanbaufläche von 57’000 Hektaren im Ausland für die Rindviehfütterung. Schätzungsweise 75 % des importierten Kraftfutters für die Rindviehfütterung wird für Milchkühe verwendet. Für eine weitergehende Aufschlüsselung auf die exportierte Käsemenge fehlen verlässliche Daten.

3. Wie hoch sind die Umweltkosten wie Ammoniak-Emissionen, Stickstoffbelastung, Antibiotikaeinsatz, Biodiversitätsverlust etc. welche der Milchproduktion zugunsten des Käseexportes zugewiesen werden kann? Falls diese Kosten nicht bekannt sind, warum nicht und bis wann kann das Bundesamt für Landwirtschaft BLW diese Umweltkosten ausweisen?

Antwort Bundesrat:

3. In seiner Antwort auf die Interpellation Weibel 16.3512 hat der Bundesrat die Folgekosten von Stickstoffemissionen (N) für die Gesundheit und die Umwelt auf der Basis der Emissionen von 2014 im Bereich von 860-4300 Mio. Fr. pro Jahr geschätzt. Die umweltrelevanten Stickstoffemissionen der Landwirtschaft von ca. 80’000 Tonnen N pro Jahr tragen zu rund 60 % zu diesen Folgekosten bei. Davon sind ca. 50’000 Tonnen N auf Ammoniak- und Nitratemissionen zurückzuführen, die mit der Rindviehhaltung einschliesslich der Futterproduktion verbunden sind. Die externen Kosten, welche der Anbau von importiertem Futter im Ausland verursacht, müssen zusätzlich berücksichtigt werden. Einen verlässlichen und wissenschaftlich abgestützten Schlüssel zur Verteilung der externen Kosten auf die Produkte Milch und Fleisch aus der Schweizer Rindviehhaltung oder sogar auf die exportierte Käsemenge gibt es nicht. Zu den Umweltkosten des Antibiotikaeinsatzes liegen keine Studien vor.

4. Stimmt es, dass wegen den stark gestiegenen Käseexporten mehr Butter importiert werden muss, weil für die Butterproduktion aus Schweizer Milch die Milchmenge fehlt? Falls das stimmt, was sagt der Bundesrat dazu?

Antwort des Bundesrats:

4. In den vergangenen Jahren konnte ein stetiger Anstieg der Käseproduktion verzeichnet werden. Aufgrund der eher rückläufigen Milchproduktion stand somit weniger Milch für die Herstellung von Butter zur Verfügung. Die tiefere Produktionsmenge an Butter im Inland und die gleichzeitig höhere Nachfrage im Inland (u.a. wegen der Corona-Massnahmen) haben bereits in den Jahren 2020 und 2021 zu Butterknappheit und einem entsprechenden Importbedarf geführt. Die Butterimporte im 2020 und 2021 haben rund 14 % bzw. 6 % der in der Schweiz produzierten Buttermenge ausgemacht.

Mit einer leichten Zunahme der Milchproduktionsmenge wird erst mit Beginn der neuen Grünfuttersaison ab Mai 2022 gerechnet. Gleichzeitig geht die Branche von einem weiteren Wachstum bei der verkästen Milchmenge von 1,5 % im Vergleich zu 2021 aus. Somit fliesst momentan weniger Milch in die Butterherstellung als in den Vorjahren, was gegen Ende Jahr ohne Importe zu einer Butterknappheit führen würde. Die Wertschöpfung pro Kilogramm Milch ist höher, wenn daraus Käse hergestellt wird als wenn die Milch beispielsweise zu Butter oder Milchpulver verarbeitet wird. So gesehen kann die steigende Käseproduktion als positive Entwicklung gewertet werden.

5. Wie hoch sind die Exportfördermassnahmen und Anschubfinanzierungen des Bundes für weitere Schweizer Qualitätsprodukte wie Teigwaren mit Schweizer Freilandeiern, Bergkräuter, Früchte und weitere Schweizer Produkte?

Antwort des Bundesrats:

5. Im Rahmen von Exportinitiativen werden verschiedene Projekte bei Marketing-Kommunikationsmassnahmen unterstützt. Im 2020 waren es neben dem Käseexport Vorhaben in der Höhe von rund 0,24 Mio. Fr. in den Bereichen Rindergenetik, Marketinggrundrauschen China und Plattform Agrarexport. Für 2021 wurden Vorhaben in der Höhe von rund 0,8 Mio. Fr. in den Bereichen Fleisch, Rindergenetik und Plattform Agrarexport verfügt.

6. Sind diese Subventionen WTO-kompatibel?

Antwort des Bundesrats:

6. Die verschiedenen Milchzulagen sowie die Absatzförderung von Käse sind kompatibel mit dem WTO-Übereinkommen über die Landwirtschaft. Erstere bleiben unter dem rechtlich verbindlichen, jährlichen Maximalbetrag der Schweiz. Letztere sind aufgrund ihrer nicht-handelsverzerrenden Natur nicht eingeschränkt. Darüber hinaus verstossen die Zahlungen nicht gegen das Verbot von Exportsubventionen (insbesondere im WTO-Übereinkommen über Subventionen und Ausgleichsmassnahmen), da sie nicht von einer Ausfuhrleistung abhängig sind. Es gibt grundsätzlich die Möglichkeit für einen Handelspartner, diese internen Stützungsmassnahmen der Schweiz anzufechten und gegebenenfalls Ausgleichszölle zu erheben, falls er eine Schädigung seiner Produktionsbranche durch diese Zahlungen nachweisen kann. In jüngerer Zeit erhielt die Schweiz im WTO-Agrarausschuss Fragen zur WTO-Rechtmässigkeit dieser Zahlungen.

Heidis Frage: „Wollen wir die Reichen im Ausland subventionieren und den Selbstversorgungsgrad für pflanzliche Produkte weiterhin künstlich tief halten?“

Freiburger Käse Das erste Schweizer Fonduefestival sorgt für Ärger. SRF 18.11.22

Die Herkunft des Schweizer Käse-Fondues ist unklar. NZZ 11.12.17

22.3291 Interpellation Mehr Transparenz beim Lebensmittelexport und -import, eingereicht von: Schneider Schüttel Ursula

Ein Schweizer kreiert in Schanghai das Käsefondue à la chinoise. Matthias Müller, NZZ 26.1.21

Warnung der Wissenschaftler: Einfluss des Klimas auf die rasche Abnahme der Insekten

16. November 2022
Scientists’warning on climate change and insects. © 2022 The Authors. Ecological Monographs published by Wiley Periodicals LLC on behalf of The Ecological Society of America.

Scientists’warning on climate change and insects. © 2022 The Authors. Ecological Monographs published by Wiley Periodicals LLC on behalf of The Ecological Society of America.

70 WissenschaftlerInnen melden sich zu Wort: „Unser Beitrag zur Warnserie der Wissenschaftler verdeutlicht die zunehmende Bedrohung, die der Klimawandel und die damit einhergehenden kurzfristigen Klimaextreme für Insekten und andere ektotherme Tiere in Land- und Süsswasserökosystemen sind.“

Die Klimaerwärmung gilt als eine der schwerwiegendsten anthropogenen Umweltbelastungen, da sie nicht nur direkte Auswirkungen auf die biologische Vielfalt hat, sondern auch die schädlichen Folgen anderer vom Menschen verursachter Bedrohungen verschlimmert. Die damit verbundenen Folgen sind potenziell schwerwiegend, insbesondere im Hinblick auf die Bedrohung des Artenschutzes und die Erhaltung einer Reihe von Ökosystemleistungen, die von der biologischen Vielfalt erbracht werden. Zu den am stärksten betroffenen Tiergruppen gehören Insekten – zentrale Bestandteile vieler Ökosysteme -, auf die sich der Klimawandel vom Individuum bis zur Gemeinschaft auswirkt.

Auswirkungen der steigenden Temperatur auf Insekten

In diesem Beitrag zur Reihe „Warnung der Wissenschaftler“ fassen wir die Auswirkungen des allmählichen Anstiegs der globalen Oberflächentemperatur auf Insekten zusammen, und zwar in Bezug auf Physiologie, Verhalten, Phänologie, Verteilung und Interaktionen zwischen den Arten sowie die Auswirkungen der zunehmenden Häufigkeit und Dauer von Extremereignissen wie Hitze- und Kälteperioden, Bränden, Dürren und Überschwemmungen auf diese Parameter.

Empfehlungen

Wir warnen davor, dass wir, wenn keine Massnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen des Klimawandels auf Insekten besser zu verstehen und zu verringern, unsere Fähigkeit, eine nachhaltige Zukunft auf der Grundlage gesunder, funktionierender Ökosysteme aufzubauen, drastisch einschränken werden. Wir erörtern Perspektiven, wie Insekten angesichts des Klimawandels geschützt werden können, und geben mehrere wichtige Empfehlungen zu möglichen Managementansätzen, zu politischen Massnahmen und zur Einbeziehung der Öffentlichkeit in die Schutzbemühungen.

Rascher Rückgang der Insekten

In den letzten Jahrzehnten mehren sich die Anzeichen dafür, dass viele Insektentaxa sowohl in gemässigten als auch in tropischen Ökosystemen einen raschen Rückgang erleben. Während es schwer ist, diese Rückgänge einem bestimmten Faktor zuzuschreiben, besteht bei den meisten Forschern kaum ein Zweifel daran, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel eine wichtige Rolle spielt. In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, zwischen den Auswirkungen einer allmählich einsetzenden Erwärmung und den Auswirkungen kurzfristiger klimatischer Extreme zu unterscheiden, wobei letztere viele Arten bis an die Grenzen ihrer thermischen Toleranz (und darüber hinaus) bringen. Es ist jedoch auch problematisch, einem einzelnen Faktor zu viel Gewicht beizumessen.

Klimawandel verstärkt Auswirkungen anderer Umweltveränderungen

Es ist wichtig zu erkennen, dass der Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen, die chemische und organische Verschmutzung, invasive Arten und andere vom Menschen verursachte Umweltveränderungen, die weitgehend mit der menschlichen Landnutzung zusammenhängen, derzeit als die Hauptursachen für den Rückgang von Insekten und anderen wirbellosen und Wirbeltierarten gelten. Wichtig ist, dass der Klimawandel die Auswirkungen anderer Faktoren, insbesondere der menschlichen Landnutzung, verstärken und die Fähigkeit der Insekten, sich den vielfältigen anthropogenen Belastungen zu entziehen oder sich an diese anzupassen, beeinträchtigen wird. Dies liegt daran, dass die Migration in neue Lebensräume, die den klimatischen Veränderungen folgen, nicht möglich ist, wenn die Landnutzung diese Orte bereits in ungeeignete Lebensräume verwandelt hat.

Bedeutung der Insekten in der Nahrungskette

Ebenso kann die Landnutzung grosse Hindernisse für die Ausbreitung darstellen. Arten existieren nicht isoliert, sondern Gemeinschaften und Ökosysteme sind durch eine verwirrende Vielzahl multitrophischer Wechselwirkungen gekennzeichnet, die ein komplexes Labyrinth sind. Die Erwärmung kann sich unterschiedlich auf die Arten in den Nahrungsnetzen auswirken, was zu phänologischen Ungleichgewichten oder dem Verlust wichtiger Ressourcen führt.

Der Verlust von Insekten wirkt sich auch auf die Nahrungskette aus und könnte eine wichtige Rolle beim weit verbreiteten Rückgang ihrer Konsumenten spielen, z. B. bei insektenfressenden Vögeln in gemässigten Klimazonen. Die umfassenderen Auswirkungen des Insektenrückgangs auf Ökosystemebene und die Rolle, die die Klimaerwärmung dabei spielt, bedürfen daher weiterer Aufmerksamkeit.

Durch die Erhaltung von Insektengemeinschaften und die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts in Agrarlandschaften kann das Wohlergehen der Menschen verbessert und ein erheblicher nachgelagerter gesellschaftlicher Nutzen erzielt werden.

Rückzugsräume und Korridore

Da der Klimawandel unvermindert anhält und insbesondere klimatische Extreme eine unmittelbare, kurzfristige Bedrohung für Insekten sind, die langfristige Folgen für die Ökosysteme hat, muss auch die Bedeutung der Bewirtschaftung und Wiederherstellung von Lebensräumen berücksichtigt werden, die so „klimafest“ wie möglich gemacht werden und es den Insekten ermöglichen, Rückzugsräume zu finden, in denen sie extreme Klimaereignisse „überstehen“ können. In grösserem Massstab sollten Korridore erhalten werden, die es den Insekten ermöglichen, sich im Laufe der Zeit in klimatisch geeignetere Lebensräume auszubreiten.

Am wichtigsten ist jedoch, dass es Mittel und Wege gibt, um Insektenpopulationen für die Nachwelt zu sichern, und dass wir die Initiative ergreifen müssen, um sie umzusetzen.

Scientists’warning on climate change and insects. © 2022 Ecological Monographs published by Wiley Periodicals LLC on behalf of The Ecological Society of America.

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Wir lieben gesunde saubere Luft, Ruhe und neuerdings sparen wir erst noch Energie – wirklich? (2)

4. September 2022
Gibt es für Betroffene auch Lärmschutz?

Heidis Frage: Gibt es für Betroffene auch Lärmschutz?

NaNa schreibt

Aus einer Beschreibung: Das Blasgerät Benzin XXX ist mit einem 2-Takt Motor ausgestattet. *Es überzeugt* mit einer Blasleistung *von max. 360 **km/h*. Der gepolsterte Träger sorgt für ein angenehmes Arbeiten. Die Garantiedauer beträgt 5 Jahre.

Kommt die Maskenpflicht im Herbst? 

Brief einer Leserin

Interessant zu vernehmen, wie unnötig Lauben ist. Den Garagevorplatz muss ich leider von Laub befreien. Aber ich kam wirklich noch nie auf den Gedanken, irgendwo auf meinem Grundstück Laub wegzukehren. Und es ist ja schon tonnenweise Laub heruntergefallen, aber ich sehe komischerweise nichts davon …………

Heidis Recherche zur Leistung

NaNa schrieb „360 km/h“ Blasleistung. Das fand Heidi dann schon etwas übertrieben. Sie fragte das Internet und wurde beim ersten Link, der keine Anzeige war, fündig bei Laubsauger.de:

„Bevor Sie sich mit der Leistung im Detail auseinandersetzen, sollten Sie abschätzen, welche Arbeiten Sie mit dem Laubbläser erledigen möchten. Natürlich muss hier in erster Linie das Zusammentragen des Laubs genannt werden. Haben Sie ein leistungsstärkeres Gerät, können Sie natürlich nicht nur Laub damit zu einem zentralen Punkt zusammentragen, sondern auch kleinere Äste. Ebenso lässt sich damit der Heckenschnitt sammeln. Äste und Heckenreste sind natürlich deutlich grösser und schwerer als ein Laubblatt.

Bei Laubsaugern und Laubbläsern hängen Geschwindigkeit und Leistung schlichtweg zusammen. Doch was heisst das? Umso höher die Leistung ist, desto höher fallen in der Regel auch die Geschwindigkeiten aus. Ein Laubbläser und Laubsauger, der eine Leistung von 2500 Watt aufweist, erreicht während des Betriebs bis zu 300 km/h Luftgeschwindigkeit. Das ist ein beinahe unvorstellbares Tempo. Ein Gerät mit 3000 Watt kommt sogar auf eine Geschwindigkeit von 418 km/h.“

Liebe Fauna und Flora, gibt es noch Fragen?

Luzerner Fische: Retten, was zu retten ist!

3. August 2022
In der Reuss bitte in diesem Refugium nicht baden oder tauchen. Beispiel eines Plakats, das an die Verantwortung der Bevölkerung appelliert. Bild zvg.

In der Reuss bitte in diesem Refugium nicht baden oder tauchen. Beispiel eines Plakats, das an die Verantwortung der Bevölkerung appelliert. Bild zvg.

Medienmitteilung Fischereiverband Kanton Luzern vom 3.8.22

Zu wenig und zu warmes Wasser: Die lokalen Regengüsse der letzten Tage haben die Situation der Fische nicht entschärft. Der Fischerei-Verband Kanton Luzern FKL ist in höchster Alarmbereitschaft. Bevölkerung, Fischereivereine und Behörden werden aufgerufen, alle überhaupt noch möglichen Massnahmen zu ergreifen.

«Kein Regen ist in Sicht, so bleibt im Moment nur die Hoffnung, der Kanton Luzern komme um ein grosses Fischsterben herum», sagt FKL-Präsident Markus Fischer. «Es geht uns nicht nur um die Fische, sondern um die ganze Flora und Fauna im und am Wasser.» Die aquatischen Lebensräume sind ein wichtiger Teil des Ökosystems und ein empfindliches Opfer der Klimaerwärmung.

Abfischungen retten Leben!

In der aktuell misslichen Situation sind Fischerinnen und Fischer, Behörden und Bevölkerung aufgerufen, «das zu tun, was innerhalb enger Grenzen überhaupt möglich ist», so Fischer. Dazu gehören als Sofortmassnahmen die sogenannten Abfischungen. Dabei werden Fische in besonders gefährdeten Gewässerbereichen sorgsam eingesammelt und in «bessere» Abschnitte verlegt. Das ist zwar keine Ideallösung, aber die Rettung vor dem Tod! Der Fischereiverband dankt der kantonalen Fischereiverwaltung, dass sie agil dort Abfischungen vornimmt, wo es am dringendsten ist – unterstützt von den lokalen Fischerinnen und Fischern.

Unbedingt keine Wasserentnahmen

Der Fischereiverband appelliert an die Bevölkerung mit offenen Augen durch die Natur zu gehen, austrocknende Gewässerläufe und Wasserentnahmen zu beobachten. Denn: Die Entnahme von Wasser aus Seen oder Bächen durch Landwirtschaft, Gewerbe oder Private ist generell im Kanton Luzern bewilligungspflichtig. Genehmigte Entnahmen werden in Notsituationen wie Trockenheit widerrufen. Der Fischereiverband empfiehlt austrocknende Gewässerabschnitte oder Wasserentnahmen vor Ort mit Fischern, Landeigentümern und/oder der Gemeinde zu klären und der Umweltpolizei der Dienststelle Umwelt und Energie uwe des Kantons Luzern zu melden.

Badespass oder Stress für Fische?

Die Badenden werden aufgefordert, Fische nicht zusätzlich zu stressen. Fischansammlungen befinden sich oft dort, wo das Wasser leicht kühler ist – dank Grundwasseraufstössen, Seitenbächen oder kleinen Mulden im Bachbett (Kolken). Spielende Kinder in Bächen oder Schwimmerinnen und Schwimmer sollen keinesfalls die ohnehin gestressten Fische «zäuklen» und keinesfalls durch erkennbare Fischrefugien schwimmen.

Engagement der Fischer

Der Fischereiverband Kanton Luzern würdigt den selbstlosen Einsatz von Fischereivereinen, Pachten und Einzelfischern, die alles in ihrer Macht stehende tun, um zu retten was zu retten ist: Unterstützung der Fischereiaufsicht bei Abfischungen, in Notfällen trockene Abschnitte mit dem sognannten «Feumer» Fische entnehmen oder an den Ufern Infotafeln installieren – mit der Bitte, die wenigen kälteren Refugien der Fische zu respektieren und dort das Fischen und Baden zu unterlassen.

Wann ist es für Fische zu warm?

Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) orientiert sich an folgenden Wassertemperaturen:

  • Ab 20 Grad: Stress für die Fische, speziell für kältebedürftige Arten wie Forellen und Äschen.
  • Ab 22/23 Grad: kritische Grenze, die Fische leiden zunehmend an Sauerstoffmangel.
  • 25 Grad, und mehr – über längere Zeit: für kältebedürftige Fischarten oft das Todesurteil, grossflächige Fischsterben sind zu befürchten.

Fischereiverband Kanton Luzern, aktuelles

Abfischungen, Beispiel Dienstag, 2. August 2022 in Luthern Bad: Olivier Manz, kantonaler: Fischereiaufseher (links), unterstützt von Pächter Jakob Stöckli, Revier Luthern V. Bild zvg

Abfischungen, Beispiel Dienstag, 2. August 2022 in Luthern Bad: Olivier Manz, kantonaler: Fischereiaufseher (links), unterstützt von Pächter Jakob Stöckli, Revier Luthern V. Bild zvg

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Marokko: Der Wettlauf gegen die Flammen

20. Juli 2022
Copyright: Maroc Top News

Copyright: Maroc Top News

Quelle: Au Maroc, la course contre les flammes. Jeune Afrique 18.7.22, übersetzt von Heidi mithilfe von DeepL:

Seit acht Tagen sind die Behörden mobilisiert, um den Vormarsch mehrerer Waldbrände zu stoppen, die einen Teil des Nordens des Königreichs verwüsten. Ein Bericht über eine Katastrophe, die das Land seit Monaten zu verhindern versucht.

„Um 18 Uhr am 15. Juli waren alle am Strand, um sich wegen der Hitze abzukühlen. Plötzlich wurde der Himmel schwarz, die Sonne kupferfarben, es war apokalyptisch, erdrückend. Dabei sind wir Dutzende Kilometer von den verschiedenen Waldbränden entfernt, das zeigt, wie stark sie sind“, berichtet eine Bewohnerin von Asilah, einem Badeort im Norden Marokkos, gegenüber Jeune Afrique.

Für die Bewohner ist der Verlust von Vieh, Olivenbäumen oder Feigenbäumen eine Tragödie. Ein Grossteil der Vertriebenen konnte wieder in ihre Häuser zurückkehren oder zu ihren Angehörigen ziehen, doch andere – deren Häuser von den Flammen zerstört wurden – werden noch immer vom Staat untergebracht, bis die Brände beendet sind und ihre Häuser vollständig wieder aufgebaut sind. In diesem Chaos kam am 15. Juli eine Person ums Leben. Was die Temperaturen betrifft, so werden sie diese Woche weiterhin mit der 40°C-Marke flirten …

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Der Transport von Lebensmitteln erzeugt gewaltige Mengen an Kohlendioxid

7. Juli 2022
Ob per Schiff oder Flugzeug, Lebensmitteltransorte schaden dem Klima. Es wird viel "Wasser" verschoben.

Ob per Schiff oder Flugzeug, Lebensmitteltransporte schaden dem Klima. Es wird viel „Wasser“ verschoben. Früchte und Gemüse werden teilweise gekühlt.

Quelle: Transporting food generates whopping amounts of carbon dioxide, Freda Kreier, Nature 1.7.22

Der Transport von Zutaten und Lebensmitteln macht fast ein Fünftel aller Kohlenstoffemissionen im Lebensmittelsystem aus – ein viel grösseres Stück des Emissionskuchens als bisher angenommen, so die erste umfassende Schätzung des globalen Kohlenstoff-Fussabdrucks der Branche.

Die Rodung von Land für den Ackerbau, die Viehzucht und der Transport von Lebensmitteln zu und von den Geschäften bringen grosse Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre. Die Vereinten Nationen schätzen, dass der Anbau, die Verarbeitung und die Verpackung von Lebensmitteln für ein Drittel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. „Dies hat zu einer explosionsartigen Zunahme von Studien geführt, die sich mit den Auswirkungen der Lebensmittelsysteme auf das Klima befassen, von der Verursachung schädlicher Landnutzungsänderungen bis zur Freisetzung von Treibhausgasen“, sagt Jason Hill, Umweltwissenschaftler an der Universität von Minnesota in St. Paul.

Aufgrund der Komplexität des Lebensmittelsystems ist es jedoch schwierig, den Anteil des Kohlendioxids in der Atmosphäre zu messen, der direkt auf die Emissionen des Systems zurückzuführen ist, insbesondere auf die Emissionen aus dem Verkehr. Bisher wurden die Emissionen in den meisten Studien unterschätzt, weil sie sich nur auf die Emissionen konzentrierten, die durch den Transport eines einzelnen Produkts – z. B. eines Schokoriegels – zum und vom Geschäft entstehen. Bei dieser Methode werden die vielen anderen Lastwagen, Schiffe und Flugzeuge, die an der Beschaffung aller für die Herstellung des Riegels benötigten Zutaten beteiligt sind, meist nicht berücksichtigt, sagt Mengyu Li, Nachhaltigkeitsforscherin an der Universität Sydney in Australien.

Ungleiche Emissionen

In der Hoffnung, diese Lücke zu schliessen, haben Li und ihre Kollegen, Daten aus 74 Ländern und Regionen zusammengetragen und untersucht, woher die Lebensmittel kommen, wohin sie gehen und wie sie von einem Ort zum nächsten transportiert werden. Sie fanden heraus, dass im Jahr 2017 durch den Transport von Lebensmitteln Emissionen in Höhe von 3,0 Gigatonnen CO2 in die Atmosphäre gelangten, was dem 7,5-fachen der bisherigen Schätzungen entspricht. Die Studie wurde am 20.6.22 in Nature Food veröffentlicht.

Wohlhabende Länder waren für fast die Hälfte der internationalen Emissionen im Bereich des Lebensmitteltransports verantwortlich, obwohl sie nur etwa 12% der Weltbevölkerung stellen. Länder mit niedrigem Einkommen – in denen etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt – verursachten nur 20% der internationalen Lebensmitteltransportemissionen.

Dieser Unterschied ergibt sich zum Teil daraus, dass wohlhabende Länder eher Lebensmittel aus der ganzen Welt importieren. Ausserdem verwenden sie für den Transport von frischem Obst und Gemüse Kühlanlagen, was extrem kohlenstoffintensiv ist. Beim Transport von Obst und Gemüse wird doppelt so viel CO2 erzeugt wie beim Anbau.

Die Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass die Menschen versuchen sollten, die Menge an Pflanzen in ihrer Ernährung einzuschränken, sagt Nina Domingo, eine Nachhaltigkeitsforscherin an der Medizinischen Fakultat der Yale University in New Haven, Connecticut. Viele Studien haben gezeigt, dass eine pflanzliche Ernährung besser für die Umwelt ist als der Verzehr grosser Mengen an rotem Fleisch, da die Viehzucht viel Land benötigt und Treibhausgase ausstösst. Eine Reduzierung des Verzehrs von rotem Fleisch und der Verzehr von lokal erzeugten Lebensmitteln könnte den wohlhabenden Ländern helfen, ihre Klimaauswirkungen zu verringern, so die Forscher.

Transporting food generates whopping amounts of carbon dioxide, Freda Kreier, Nature 1.7.22

Global food-miles account for nearly 20% of total food-systems emissions. Mengyu Li et al. Nature Food volume 3, pages 445–453 (2022)

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Berner Jura: Feuer im Wald und niemand weit und breit!

28. Mai 2022
Ein verlassener rauchender Haufen mitten im Wald.

Ein verlassener rauchender Haufen mitten im Wald.

Rauch steigt auf.

Rauch steigt auf.

Heute Samstag, 28.5.22, um 16 Uhr ein rauchender Haufen in einem Wald im Berner Jura. Eigentlich verboten! Frische Äste von gefällten Bäumen dürfen nicht einfach verbrannt werden wegen der Rauchentwicklung mit Schadstoffen drin. Aber das Zuwiderhandeln stört die zuständigen Behörden nicht. Nur dem Bundesamt für Umwelt missfällt das.

Ein Feuer mitten im Wald müsste sowieso überwacht werden. Zwar ist die Waldbrandgefahr aktuell nur auf Stufe „mässig“, aber – zum X-ten Mal – solche Feuer dürften nicht sein!

Gesetze, Klimaerwärmung und Umweltschäden kümmern die Täter und die Ämter nicht! Heidis letzter Brief vom 4.5.22 mit mehreren Mottfeuer-Meldungen beantwortete das kantonale Amt für Umwelt und Energie Bern bisher nicht.

Heidis weiteren Artikel über Mottfeuer

Mässige Waldbrandgefahr im Berner Jura

Mässige Waldbrandgefahr im Berner Jura

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Klima: Die Hängebrücke – eine Abendteuergeschichte

24. April 2022
SJW-Heftli. Klicken Sie auf das Bild -> SJW-Shop. Auch im Buchhandel erhältlich.

SJW-Heftli. Klicken Sie auf das Bild -> SJW-Shop. Auch im Buchhandel erhältlich.

Am 12.2.22 schrieb Heidi den Beitrag Klimabelletristik regt zum Handeln an. Nicht schlecht staunte sie, als sie kürzlich einen Umschlag aus dem Briefkasten nahm, der zwei neue SJW-Hefte enthielt, eines zum Thema Klima, eines über Wasser. Eine Leserin fand das offensichtlich auch eine gute Idee. Sie schrieb: „Bei uns war die SJW-Ausstellung in der Schule jeweils ein Höhepunkt – genau wie die Bastelbögen.“ In Heidis Schule verteilte der Lehrer jeweils ein bestimmtes SJW-Heft an alle SchülerInnen, aus welchem wir dann reihum ein paar Sätze lesen durften oder (für einige) mussten. Das Prozedere wiederholte sich solange bis die Geschichte gelesen war.

Das Schweizerische Jugendschriftenwerk (SJW) wurde von Lehrerinnen und Lehrern am 1.7.31 gegründet. Die damals an den Kiosken erhältlichen Romanhefte mit abenteuerlichen Heldengeschichten waren in Schülerkreisen beliebt, in den Augen der Pädagogen jedoch verwerfliche Lektüre. Die Gründer beabsichtigten, selbst günstige Jugendschriften herauszugeben – im Format der verpönten Serienhefte, jedoch mit erzieherisch wertvollen Themen.

Im März 1932 erschienen die ersten zwölf SJW Hefte. Das Ziel, mit moralisch unbedenklichen Abenteuer- und braven Kindergeschichten die beliebten Kioskromane zu verdrängen, erreichte die damalige Autorenschaft nicht. Doch das SJW fand Zuspruch und wuchs: Ab 1935 war es auch in der französischen Schweiz tätig, ab 1939 zudem in der italienischen und rätoromanischen. Viele bekannte SchriftstellerInnen sind unter den Autoren, so z.B. auch Johanna Spyri und René Gardi.

SJW schreibt auf der Homepage: „Braves gegen Schund: So begann die Geschichte des SJW. Heute holen wir mit unseren Lektüren Preise und sind mit innovativen Projekten ein wichtiger Akteur in der Schweizer Leseförderung. Nur etwas ist gleich geblieben: das Format.“

Die Hängebrücke von Urs Augstburger

Die Abenteuergeschichte zum Thema Klima hat der Journalist Urs Augstburger geschrieben. Er ist Autor mehrerer Romane, ist beim Schweizer Fernsehen SRF im Dokumentarfilmbereich tätig und war einer der drei Redaktionsmitglieder des Films von Markus Imhoof More Than Honey.

Das SJW-Heft Die Hängebrücke wird für 12- bis 15-Jährige empfohlen. Die Geschichte hat Heidi vom ersten Satz an gepackt, so dass durchaus auch Erwachsene das Heft lesen können. Hier die Beschreibung:

„Mila leistet einen Arbeitseinsatz für ein Schutzwaldprojekt in den Walliser Bergen. Im Berglager verliebt sie sich in den Klimaaktivisten Leon. Bei einer Gletscherexkursion fällt den beiden auf, dass der Glaziologe Inderbinen nur zum Schein den Gletscher erforscht. Als sie ihn damit konfrontieren, wird es für alle gefährlich. Denn erst jetzt erkennt Mila, weshalb Leon wirklich hier ist. Eine Abenteuergeschichte, die die Klimaerwärmung und das Schmelzen der Gletscher in den Alpen thematisiert.“

„Die Hängebrücke“ ist eine fesselnde Abenteuergeschichte, die Basiswissen zu Themen wie Glaziologie, Energienutzung und Klimaerwärmung vermittelt und die Diskussionen zum Thema Klima ankurbelt.

Die Hängebrücke, auch im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-7269-0358-9

Urs Augstburger

Scheizerisches Jugendschriftenwerk (SJW)

Stöbern Sie im SJW-Shop!

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Noch unbekannte Klimavariable: Tauender Permafrost unter dem Meer

5. April 2022
Quelle: Undark

Quelle: Undark

Quelle: Under the Sea, a Hidden Climate Variable: Thawing Permafrost. Undark 29.3.22. Übersetzt von Heidi mithilfe von DeepL.

Bei der sorgfältigen Kartierung der sich verändernden Topologie des arktischen Ozeanbodens sind Wissenschaftler dabei, den Permafrost am Meeresboden zu untersuchen.

Vor etwa 20’000 Jahren war die Welt so kalt, dass massive Gletscher genug Wasser aufsaugten, um den Meeresspiegel um 400 Fuss (120 Meter) zu senken. Als sich das Meer zurückzog, gefror das neu freigelegte Land und bildete Permafrost, eine Mischung aus Erde und Eis, die sich heute über den hohen Norden ausbreitet. Doch als sich die Welt zu dem Klima erwärmte, das wir heute (vorläufig) geniessen, stieg der Meeresspiegel wieder an und überflutete die Küstenränder des Permafrosts, die unter Wasser gefroren bleiben.

Es handelt sich um eine riesige, verborgene Klimavariable, die Wissenschaftler unbedingt verstehen wollen. Sie wissen sehr wohl, dass die Zerstörung des Permafrostbodens eine wichtige Quelle für den Eintrag von Kohlenstoff in die Atmosphäre ist. Wenn er auftaut, fressen Mikroben die darin enthaltenen organischen Stoffe und setzen dabei Kohlendioxid (wenn das Material ziemlich trocken ist) und Methan (wenn das geschmolzene Eis einen Teich bildet) frei. Dies kann zu einer Rückkopplungsschleife führen, in der das weitere Auftauen des Permafrosts mehr Emissionen erzeugt, die den Planeten aufheizen und noch mehr Permafrost auftauen lassen. Das ist ein besonders grosses Problem, denn die Arktis erwärmt sich derzeit viermal so schnell wie der Rest des Planeten.

Permafrost unter dem Meer

Dennoch ist der Permafrost am Meeresboden weitgehend unerforscht, was an seiner Unzugänglichkeit liegt – Zeit auf einem Forschungsschiff zu mieten ist nirgendwo billig, schon gar nicht in der Arktis, und es ist viel schwieriger, ihn für Bohrproben zu erreichen. In einem alarmierenden Artikel, der letzte Woche in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, gibt ein internationales Wissenschaftlerteam einen seltenen Einblick in das, was dort unten vor sich geht. Das Team setzte Ozeanroboter, die wie Torpedos aussehen, vor der Küste Nordkanadas ein und kartierte den Meeresboden. Die Wissenschaftler wiederholten dies im Laufe von neun Jahren mehrmals, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Topologie des Meeresbodens verändern könnte, und stellten fest, dass er sich in einem massiven Umbruch befindet.

Das Ergebnis ist ein riesiges Senkgrube, was darauf hindeutet, dass der Permafrostboden unter dem Meerwasser aufgetaut und zusammengebrochen ist. Diese Senkgrube auf dem Bild in der Publikation ist eine von Dutzenden von Pockennarben, welche die Forscher auf dem Meeresboden gefunden haben. Wissenschaftler haben dieses gewaltige Phänomen, Thermokarst genannt, bereits an Land dokumentiert. Da der Permafrostboden aus Erde besteht, die in einer Matrix aus gefrorenem Wasser liegt, schrumpft das Land, wenn es auftaut, und reisst riesige Löcher in die arktische Landschaft. Und wie diese Bilder des Meeresbodens zeigen, geschieht dies auch unter Wasser.

Betrachten Sie die Bilder und lesen Sie den vollständigen Artikel hier: Under the Sea, a Hidden Climate Variable: Thawing Permafrost. Undark 29.3.22.

Originalpublikation: Rapid seafloor changes associated with the degradation of Arctic submarine permafrost. PNAS, Earth, Atmospheric and, Planetary Sciences  https://doi.org/10.1073/pnas.2119105119

Ben Abbott, Assistant Professor of Ecosystem Ecology, Brigham Young University, Department of Plant and Wildlife Sciences

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