Posts Tagged ‘Koen Hertoge’

Kinderspielplätze ganzjährig mit Agrargiften belastet

25. März 2021

Medienmitteilung von PAN Europe:

Am 13. Juni stimmen die SchweizerInnen über die Zukunft ihrer Landwirtschaft ab. Eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studie zeigt die Notwendigkeit einer Schweizer Landwirtschaft ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden.

Bozen/Bologna/Brüssel/Hamburg/Wien – Die aktuelle Studie, veröffentlicht im Journal of Environmental Sciences Europe, ist weltweit eine der wenigen, die Abdrift von Agrargiften auf öffentlichen Plätzen untersuchte. Das Forscherteam aus Österreich (Universität für Bodenkultur/Wien), der Schweiz (Pesticide Action Network Europe), Italien (Ramazzini Institut in Bologna) und Deutschland (Pesticide Action Network Germany) bestätigt darin eine ganzjährige Pestizidbelastung von 96% der untersuchten Orte, darunter hauptsächlich Spielplätze.

Auf den untersuchten Plätzen wurden insgesamt 32 verschiedene Substanzen mit überwiegend hormonaktiver Wirkung aus der Agrarwirtschaft nachgewiesen. Der Co-Autor und Projektleiter Koen Hertoge (PAN Europe) sieht in der Studie einen elementaren Beitrag für mehr Sachlichkeit in der Abdrift-Diskussion, wie sie auch von der Politik gefordert wird: “Wir liefern wissenschaftliche Beweise dafür, dass Abdrift ein ernstzunehmendes Thema ist, das nicht ignoriert werden darf“.

In ihrer ersten Studie zur Abdrift hat das Forscherteam bereits das hohe Risiko einer Nicht-Zielflächen Kontamination beschrieben: „Überall dort, wo Agrarflächen und Wohngebiete eng verwoben sind, wie es im Wallis oder dem Schweizer Mittelland der Fall ist, kommt es laufend zur Kontaminierung von Nicht-Zielflächen,“ erläutert Caroline Linhart. „Diese Nicht-Zielflächen sind vor allem auch Privatgärten und biologische Anbauflächen,“ ergänzt Hertoge, „wodurch es nicht nur durch Abdrift bzw. Wind zum Kontakt mit den nachgewiesenen Agrargiften kommen kann, sondern auch über die Nahrungsaufnahme oder das Trinkwasser.“

In ihrer aktuell zweiten Studie, stellten die Forscher nun eine ganzjährige Mehrfachbelastung der öffentlichen Plätze mit Agrargiften fest. „Die Resultate der Studie weisen auf eine chronische Exposition der Bevölkerung hin, denn die Pestizidrückstände sind das ganze Jahr über auf den öffentlichen Plätzen nachzuweisen. Zusätzlich müssen wir davon ausgehen, dass diese Belastung bereits über Jahrzehnte besteht“, sagt Caroline Linhart. Die überwiegende Anzahl (76 %) der nachgewiesenen Stoffe zählt zu den hormonell aktiven Substanzen, auch EDCs genannt (Endocrine Disruptive Chemicals), für die eine klassische Dosis-Wirkungs-Beziehung nicht gilt: ihre Wirkung kann schon in geringsten Mengen schädlich sein, indem sie in den Hormonhaushalt eingreifen und somit zur Entwicklung von Krebsarten, Unfruchtbarkeit, Entwicklungsstörungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes beitragen.

Laut Johann Zaller, Professor an der Wiener Universität für Bodenkultur und Autor des Buches „Unser täglich Gift“ zeigen die vorliegenden Ergebnisse, „dass es den Pestizid-Anwendern offenbar nicht gelingt, die Spritzgifte auf die dafür vorgesehenen Flächen zu begrenzen.“

Die StudienautorInnen sehen dringenden Handlungsbedarf zur Verminderung der Pestizidrückstände um die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere der Kinder, zu schützen. „Das Ziel sollte daher eine Landwirtschaft ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden sein, so wie es die Schweizer Pestizidinitiative fordert“, erklären die ForscherInnen.

Die Schweizer Bevölkerung kann bereits am 13. Juni einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft liefern, denn eine sichere und gesunde Ernährung und Lebensweise ist nur durch eine pestizidfreie Landwirtschaft möglich.

Link Studie

„Year-round pesticide contamination of public sites near intensively managed agricultural areas in South Tyrol“ – Journal Environmental Sciences Europe

https://enveurope.springeropen.com/articles/10.1186/s12302-020-00446-y

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Pestizid-Abdrift auf 24 öffentliche Plätze im Südtirol

7. Februar 2021

Einladung zur Pressekonferenz und Präsentation einer neuen Studie zur Pestizidbelastung auf Kinderspielplätzen von den AutorInnen Fiorella Belpoggi, Koen Hertoge, Caroline Linhart:

Mittwoch, 10. Februar 2021 um 10 – 11.15 Uhr

Sprachen Pressekonferenz: Deutsch, Englisch, Italienisch

Link zur Pressekonferenz via Zoom:
https://us02web.zoom.usj/87502309687?pwd=K010SW9XeE5HNU5RM2FoeUwyUGVJZz09

Meeting ID: 875 0230 9687
Passcode: 392630

ReferentInnen:
Englisch/Italienisch: 10.00 – 10.05h – Elisa Mussio,
PAN Europe
Deutsch: 10.05 – 10.15h – Koen Hertoge, Vorstandsmitglied PAN Europe, Brüssel/B, Zürich/CH
Deutsch: 10.15 – 10.25h – Caroline Linhart, Lead-Autorin, Biologin, Umweltepidemiologin, Ayent/CH
Italienisch: 10.25 – 10.45h – Fiorella Belpoggi, Direktorin der Abteilung Pathologie des Krebsforschungszentrums Cesare Maltoni, Ramazzini Institut, Bologna/I
Englisch: 10.45 – 10.55h – Koen Hertoge, Zusammenfassung
Deutsch/Englisch/Italienisch: 10.55 – 11.15h – Questions and answers / Fragen der Presse

Neue Studie: Öffentliche Plätze durch Pestizid-Abdrift belastet

In Südtirol wurden 32 verschiedene Agrargifte auf öffentlichen Plätzen nachgewiesen, viele davon mit hormoneller Wirkung. Internationales WissenschaftlerInnenteam sieht dringenden Handlungsbedarf.

In einer neuen wissenschaftlichen Publikation belegten Forscher aus Italien, Österreich und Deutschland eine Pestizidbelastung von 19 ausgewählten Kinderspielplätzen, vier Schulhöfen und einem Marktplatz. Gezogen und analysiert wurden die 96 Grasproben 2018 vom Südtiroler Sanitätsbetrieb, der die Standorte auswählte sowie den Zeitpunkt der Probenentnahme bestimmte. Die Autoren der Studie arbeiten unter anderem am Krebsforschungszentrum des Ramazzini Institutes in Bologna, an der Universität für Bodenkultur/Wien, sowie für das Pesticide Action Network Europe (PAN Europe).

Die Studie belegt die Abdrift von 32 Pestiziden auf öffentliche Flächen. Sie bietet eine weitere wissenschaftliche Basis, die es den Verantwortlichen ermöglicht, konkrete Lösungen zum Schutz der Bevölkerung zu finden“, sagt Hertoge. Er weist darauf hin, dass diese Studie einen elementaren Beitrag zu mehr Sachlichkeit in der Abdriftdiskussion liefert – so, wie sie auch von der Südtiroler Politik gefordert wird“.

Die ForscherInnen räumen ein, dass die gefundenen Konzentrationen durchaus niedrig sind. Allerdings zählte die überwiegende Anzahl (76 Prozent) der nachgewiesenen Stoffe zu den hormonell aktiven Substanzen, die bereits in sehr niedrigen Konzentrationen wirken und für die die klassische Dosis-Wirkungs-Beziehung nicht gilt. Diese Substanzen bringen den Hormonhaushalt von Menschen und Tieren durcheinander und werden mit einigen Krebsarten, Unfruchtbarkeit, Verhaltens- und Entwicklungsstörungen sowie mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes in Verbindung gebracht. Zusätzlich müssen wir davon ausgehen, dass diese Belastung bereits während der letzten Jahrzehnte aufgetreten ist“, sagt Caroline Linhart.

Die AutorInnen sehen dringenden Handlungsbedarf zur Verminderung der Pestizidabdrift. Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung sind eine verbesserte Ausbringungstechnik, strikte Beachtung der Windverhältnisse bei der Ausbringung und das Umstellen auf pestizidfreie Anbaumethoden.

Kontakt
Fiorella Belpoggi – +39 051 411 81 89 / belpoggi@ramazzini.it
Koen Hertoge – Tel. +39 345 816 0516 / koen.hertoge@gmail.co

Year-round pesticide contamination of public sites near intensively managed agricultural areas in South Tyrol. Linhart, C., Panzacchi, S., Belpoggi, F. et al. Environ Sci Eur 33, 1 (2021).

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Die Malser Initiative als europäisches Beispiel

6. Oktober 2018

 

Pressemitteilung PAN-EUROPE (Brüssel) vom 2.10.18:

Am 27.9.18 fand der erste Runde Tisch «Pestizid-freie Gemeinde» im europäischen Parlament in Brüssel statt. Der italienische Europa-Abgeordnete Nicola Caputo (PD) hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden der PEST-Committee (Ausschuss des europäischen Parlament für EU-Genehmigungsverfahren für Pestizide) Eric Andrieu (S&D Fraktion des EU-Parlamentes) die Malser Initiative «Pestizidfreie Gemeinde» nach Brüssel eingeladen.

Anhand des Beispiels aus Südtirol diskutierten europäische Bürgermeister mit den Europa-Abgeordneten über notwendige Massnahmen, die auf EU-Ebene, Mitgliedsstaatsebene und lokaler Ebene notwendig sind, um Pestizidfreie Gemeinden zu ermöglichen. Somit konnte das Beispiel Mals einen konstruktiven Beitrag zu der Arbeit des PEST-Committees liefern.

Gleichzeitig fand auch der Kick-off für die PAN-Europe-Initiative «Europäisches Netzwerk für Pestizid-freie Gemeinden» mit einem Positionspapier statt. Die Stadt Bozen hat bereits im Februar 2018 ihre Unterstützung bekräftigt und die Umwelt-Rätin Lorenzini begeisterte die Teilnehmer mit ihrem Vortrag.

Dazu Koen Hertoge, Vorstandsmitglied PAN-Europe: »Die Gemeinden, Städte und Regionen in Europa brauchen eine stabile, klare und verlässliche Gesetzgebung, damit der Einsatz von Pestiziden wesentlich reduziert bzw. verboten werden kann. Nur so kann die Gesundheit der Bevölkerung weitgehend geschützt werden. Auch hier ist die Südtiroler Politik gefordert Massnahmen zu setzen».

Der Malser Weg

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