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Ist Rheines Wasser reines Wasser?

27. November 2014
Im Wasser des Rheins sind bereits in der Rheinschlucht Arzneimittel nachweisbar.

Im Wasser des Rheins sind bereits in der Rheinschlucht Arzneimittel nachweisbar.

Professor Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen hat diesen Sommer den Rhein von der Quelle bis zur Mündung in die Nordsee durchschwommen und dabei zusammen mit seinem Team Wasserproben gesammelt. Diese wurden mit hochsensiblen Analysegeräten auf 600 verschiedene Inhaltsstoffe untersucht, Nachweisgrenze ein Nanogramm. Beteiligt am Projekt Rheines Wasser war auch Matthias Ruff von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETHZ. Erste Ergebnisse wurden am 7. Hansgrohe Wassersymposium vom 13.11.14 vorgestellt.

Arzneimittel

Bereits ab Ilanz GR sind blutdrucksenkende Arzneimittel nachweisbar, ihre Konzentration steigt kontinuierlich bis zur Mündung in die Nordsee. Das Antibiotikum Sulfamethoxazol, welches gegen Harnweginfekte und Lungenentzündung eingesetzt wird, ist ab Chur im Rheinwasser zu finden, der Betablocker Metoprolol ab Konstanz, das Schmerzmittel Diclofenac ab Laufenburg.

Stoffe, die alle nutzen

In die Flüsse gelangen auch Stoffe, die von den Menschen in grossem Umfang verbraucht werden. Zum Beispiel künstliche Süssstoffe werden in Kläranlagen nicht vollständig abgebaut, weshalb Abbauprodukte wie Acesulfam und Sucralose ins Rheinwasser gelangen. Benzotriazol ist in Spülmaschinen-Tabs als Silberschutz enthalten, dient als Korrosionsschutz in Enteisungsmitteln usw. Diese Chemikalie ist relativ gut wasserlöslich und schwer abbaubar, passiert die Kläranlagen daher ziemlich unbeschadet und gelangt in grossen Mengen in Flüsse und Seen, also auch in den Rhein. Jeder „Abwasch“ im Geschirrspüler führt zu einer Gewässerverschmutzung.

Nitrat, Phosphor und Sauerstoff

Die Wasserproben der einzelnen Schwimmtage zeigen einen signifikanten Anstieg der Nitratkonzentration, was auf die steigende Menge von zufliessendem Gewässer (Oberflächenwasser und Nebenflüsse) zurückzuführen ist. „Trotz der guten Werte bei der Phosphat- und Sauerstoffkonzentration kann keine Entwarnung gegeben werden“, betonte Fath. Dies zeigt der Blick auf die Entwicklung des Chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB-Wert). „Je weiter sich der Rhein von seiner Quelle entfernt, desto höher wird die Konzentration von organischen oxidierbaren Substanzen, begründet durch den Anstieg der Zuleitungen aus Industrie, Landwirtschaft, Kranken- und Pflegestationen und privaten Haushalten.“

Ziel: effizienter Gewässerschutz durch Forschung

„Unser langfristiges Ziel ist es, Systeme zu entwickeln, die in der Lage sind, diese Substanzen nah an ihrem Ursprungsort zu mineralisieren, um unsere Gewässer gar nicht erst zu belasten“, sagt Prof. Fath.

Sobald die detaillierten Forschungsergebnisse veröffentlicht sind, wird Heidi darüber berichten. Heidi meint: „Viele Stoffe sollten gar nicht erst in den Wasserkreislauf und somit ins Trinkwasser gelangen, denn der Aufwand, sie in Kläranlagen zu eliminieren ist gross oder (besonders bei neuen Stoffen) nicht möglich. Zurück bleibt immer ein Cocktail: Die Mischung macht das Gift!“

„Rheines Wasser“: Ergebnisse, Medieninformation der Hochschule Furtwangen vom 14.11.14.

Prof. Andreas Fath: Wie ein Fisch im Rhein unterwegs, Heidis Mist 14.8.14

27.11.14 HOME

Wasserbotschafter Bromeis zügig unterwegs

21. Juli 2014
Der Rhein wird zur Stromgewinnung genutzt. Bromeis und sein Team mussten am Sonntag 20.7.14 mit dem Boot drei Stauwerke umgehen, was jedes Mal viel Muskelkraft und rund drei Viertelstunden Zeitverlust bringt. Foto: Das blaue Wunder

Der Rhein wird zur Stromgewinnung genutzt. Bromeis und sein Team mussten am Sonntag 20.7.14 mit dem Boot drei Stauwerke umgehen, was jedes Mal viel Muskelkraft und rund drei Viertelstunden Zeitverlust bringt. Foto: Das blaue Wunder.

Ein Viertel der Länge des Rheins hat Ernst Bromeis bisher von der Quelle her schwimmend zurückgelegt, d.h. 329 km. Zur Erinnerung: Die Botschaft der Expedition 2014 lautet «Der freie Zugang zu sauberem Wasser muss global als Menschenrecht anerkannt werden». Die sich laufend ändernden Bedingungen im Wasser des Rheins sind in den täglichen Berichten auf der Website Das Blaue Wunder eindrücklich dokumentiert.

Beim Start am Lago di Dentro betrug die Wassertemperatur 4 Grad. Viel Wasser, Geschiebe und Sand führte der Fluss in der Rheinschlucht „… er war so trüb, dass der Sand in alle Ritzen geht.“ Über grosse Strecken lag die Wassertemperatur unter 10 Grad. Nur langsam wurde es wärmer. Am Bodensee dann zuerst Gegenwind und Wellen, dann der erste warme Tag. 17.7.14: „Nach fünf Tagen im weiten Bodensee querte Ernst heute die Enge zwischen Kreuzlingen und Konstanz. Auf wenigen Metern Breite muss hier all das Wasser durch, das nach den Niederschlägen der letzten Woche die Flüsse zum See hat anschwellen lassen. Kein Wunder, dass es hier zugeht wie in einer Waschmaschine: Wellen von allen Seiten schlagen auf Ernst ein; er ist froh, als er den Rhein-Kilometer «Null» hinter sich hat.“

Die Strecke von Schaffhausen bis zum Rheinfall war gezwungenermassen ein Fussmarsch. Dann folgt eine schöne Strecke: „Grüne und verwachsene Stellen erinnern manchmal fast an einen Urwald. Sie wechseln sich ab mit kleinen Ortschaften, schönen Kirchen. Eine Landschaft wie aus dem Ferienprospekt.“ Gestern Sonntag war es dann kühler, und der Rhein war ein reissender Strom: „Stellenweise ist er auch für das professionelle Team um Ernst Bromeis eine echte Herausforderung.“

Heidi ist gespannt wie es weitergeht. Gute Reise!

21.7.14 HOME


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