Posts Tagged ‘Lagerkapazität’

Von vollen Güllegruben und drainierten Böden

19. März 2018
Diese drainierte Wiese kann nicht befahren werden, aber vom Weg aus wurde Gülle ausgebracht. Sie floss ein Stück oberirdisch: Schneeschmelze! Die Drainage führt direkt in den nahen Bach. Gewässerverschmutzung ist vorprogrammiert.

Diese drainierte Wiese kann nicht befahren werden, aber vom Weg aus wurde Gülle ausgebracht. Sie floss ein Stück oberirdisch: Schneeschmelze! Die Drainage führt direkt in den nahen Bach. Gewässerverschmutzung ist vorprogrammiert.

Bachstelze & Co. sind pünktlich zurückgekehrt, aber der Frühling lässt auf sich warten. Vielerorts ist es kalt, der Boden gefroren und/oder von der Schneeschmelze durchnässt.

Das Gewässerschutzgesetz schreibt unter Art. 14, Betriebe mit Nutztierhaltung, Absatz 3 das Folgende vor:

„Im Betrieb müssen dafür (Hofdünger) Lagereinrichtungen mit einer Kapazität von mindestens drei Monaten vorhanden sein. Die kantonale Behörde kann jedoch für Betriebe im Berggebiet oder in ungünstigen klimatischen oder besonderen pflanzenbaulichen Verhältnissen eine grössere Lagerkapazität anordnen.“

Drei Monate Lagerkapazität sind zu wenig

In der EU sind sechs Monate vorgeschrieben. Die Vorgaben sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich, es fehlt an Übersicht was wo gilt. Für Neubauten wird zum Teil eine Lagerkapazität von fünf Monaten gefordert, aber wo nicht gebaut wird oder vom Kanton keine grössere Lagerkapazität vorgeschrieben ist, haben die Bauern immer wieder Probleme mit vollen Güllegruben. Einmal ist der Winter lang, dann regnet es monatelang fast nur.

Gefahr von Gewässerverschmutzungen

Eine ausreichende Lagerkapazität bringt Flexibilität beim Ausbringen des theoretisch wertvollen Düngers. Doch wo viel Futter zugekauft bzw. importiert wird, da ist man froh, wenn die Gülle möglichst versickert (ins Grundwasser?) oder weggeschwemmt wird, in eine Hecke, den Wald, einen Bach …

Drainierte Böden sind besonders heikel, läuft doch die Gülle direkt via Drainage in den nächsten Bach. Verschmutzung von Gewässern mit Gülle und den sich oft darin befindlichen Schadstoffen wie Antibiotika und resistente Keime sind die Folge.

Man redet gerne von Überreglementierung, aber in diesem Falle müsste nur eine einzige Zahl geändert werden: 6 statt 3 Monate Lagerkapazität. Das würde dann das Bauwesen beleben und wahrscheinlich Ressourceneffizienz-Beiträge generieren.

Neue Düngeverordnung in Deutschland

Sobald Schnee liegt, egal wie viel, darf keine Gülle oder kein Gärsubstrat ausgebracht werden. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert ein Bussgeld und Kürzungen von Fördergeldern. Einigen Landwirten scheint das noch nicht bewusst zu sein und auch einige Landwirtschaftsämtern scheinen sich mit den verschärften Vorgaben der neuen Verordnung schwer zu tun.

Gülle im Schnee – Verstöße gegen die neue Düngeverordnung, Bayerischer Rundfunk vom 9.3.18

Nährstoffe in Gewässern ist ein weltweites Problem

Zusammenfassung des Science-Artikels Declining oxygen in the global ocean and coastal waters

Beneath the waves, oxygen disappears

As plastic waste pollutes the oceans and fish stocks decline, unseen below the surface another problem grows: deoxygenation. Breitburg et al. review the evidence for the downward trajectory of oxygen levels in increasing areas of the open ocean and coastal waters. Rising nutrient loads coupled with climate change—each resulting from human activities—are changing ocean biogeochemistry and increasing oxygen consumption. This results in destabilization of sediments and fundamental shifts in the availability of key nutrients. In the short term, some compensatory effects may result in improvements in local fisheries, such as in cases where stocks are squeezed between the surface and elevated oxygen minimum zones. In the longer term, these conditions are unsustainable and may result in ecosystem collapses, which ultimately will cause societal and economic harm.

Declining oxygen in the global ocean and coastal waters. Science 5.1.18. Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Artikel.Declining oxygen in the global ocean and coastal waters. Science 5.1.18.
Low and declining oxygen levels in the open ocean and coastal waters affect processes ranging from biogeochemistry to food security.The global map indicates coastal sites where anthropogenic nutrients have exacerbated or caused O2 declines to <2 mg liter−1 (<63 μmol liter−1) (red dots), as well as ocean oxygen-minimum zones at 300 m of depth (blue shaded regions). [Map created from data provided by R. Diaz, updated by members of the GO2NE network, and downloaded from the World Ocean Atlas 2009].
Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Artikel.

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Darf jetzt Gülle ausgebracht werden?

9. Januar 2014
Da und dort wird jetzt Gülle ausgebracht. Die Gefahr, dass dadurch das Grundwasser und Oberflächengewässer verschmutzt werden ist gross.

Da und dort wird jetzt Gülle ausgebracht. Die Gefahr, dass dadurch das Grundwasser und Oberflächengewässer verschmutzt werden ist gross.

„Wer käme denn auf die Idee, im Winter stickstoffhaltige Mineraldünger auszubringen? Das wäre doch pure Verschwendung …“ heisst es in der Einleitung zum 4. Newsletter Grundwasserschutz: Januar 2014 des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Und weiter: „… Die Grundwasserreserven erneuern sich hauptsächlich im Winterhalbjahr, wenn mehr Niederschläge fallen, als Wasser über die Verdunstung oder den Abfluss in Oberflächengewässern verloren geht. Gleichzeitig sind viele Felder abgeerntet bzw. die vorhandenen Pflanzen haben ihr Wachstum weitgehend eingestellt und nehmen deshalb kaum Stickstoff (in Form von Ammonium oder Nitrat) auf. Die Gefahr, dass das sehr gut wasserlösliche Nitrat im Herbst oder während kurzer wärmerer Perioden im Winter ins Grundwasser ausgewaschen wird, ist daher sehr gross …“

Weitere Informationen zur Gefahr der Gewässerverschmutzung und über rechtliche Aspekte siehe 4. Newsletter Grundwasserschutz: Januar 2014. Es lohnt sich, den ganzen Newsletter zu lesen.

Bereits im Dezember 2013 hat die Abteilung Wasser des BAFU über die Problematik der Gülleanwendung im Winterhalbjahr berichtet u.a. auch über den ‚Notaustrag‘: „… Bei zahlreichen Gemeinden besteht irrtümlicherweise die Ansicht, dass mittels einer Ausnahmebewilligung der Gülleaustrag (sogenannter Notaustrag) zur Unzeit bewilligt werden kann, wenn sich ein Bauer an die Gemeinde wendet. Für solche Bewilligungen besteht keine Rechtsgrundlage. Dass die Landwirte der Gemeinde oder einer anderen für den Vollzug des Gewässerschutzes zuständigen Stelle melden, dass die Güllelager demnächst voll sein werden und deshalb unter Umständen ein Notaustrag erforderlich werden könnte, ist aber dennoch sinnvoll und für die Minimierung des Risikos einer Gewässerverschmutzung unabdingbar.

Ist ein Gülle-Notaustrag zur Unzeit unabdingbar, besteht Anlass zur Annahme, dass die Güllelagerkapazität des betreffenden Betriebs ungenügend ist oder dass der betroffene Landwirt ein Problem bei seinem Lagermanagement hat. Eine entsprechende Kontrolle und Beratung zur Überwindung der Notsituation und für die Zukunft drängt sich daher in jedem Fall auf…“ Vollständiges PDF-Dokument des BAFU  vom 16.12.13:
Gülleanwendung im Winterhalbjahr (2013)

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Die Güllegruben-Not der Pächter

23. Januar 2013
Gülle-Schwaden am Winterhimmel. Foto eines Pächters mit zu kleiner Güllegrube.

Gülle-Schwaden am Winterhimmel. Foto eines Pächters mit zu kleiner Güllegrube.

Schon viel hat Heidi über das Problem „zu kleine Güllegrube“ geschrieben, z.B. Zu kleine Güllegruben in AR?  In einer Medieninformation informierte die kantonale Verwaltung AR am 11.12.2012: „Das Amt für Umwelt hat nach Abklärungen mit dem kantonalen Bauernverband und dem Landwirtschaftsamt beschlossen, im Frühling 2013 mit den periodischen Güllegrubenkontrollen zu starten. Denn gemäss Gewässerschutzgesetzgebung müssen Lagereinrichtungen für Hofdünger dicht und funktionsfähig sein und regelmässig kontrolliert werden.“, siehe Gewässerschutzverordnung, Art. 28. Ein Teil der Kantone erfüllt die per Gesetz vorgeschriebenen Aufgaben, andere lassen es lieber bleiben. Unter diesem Missstand leiden Grundwasser und Gewässer, aber auch umweltbewusste Pächter.

Dass Kontrolle nötig ist, zeigen die Ergebnisse einer Studie des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL), welche an einem Erfahrungsaustausch für den Gewässerschutz in der Landwirtschaft vom 25.11.11 präsentierte wurden: Projektprüfung und Zustandskontrolle von Jauchegruben. Von 51 im Jahre 2007 kontrollierten Güllegruben waren 52% unbeschädigt, 22% leicht beschädigt, 16% hatten mittlere Schäden und 10% schwere Schäden. Eindrückliche Fotos von häufigen Schäden zeigen den Zustand neuer und bestehender Güllegruben vor und nach der Sanierung.

Wie immer um diese Jahreszeit häufen sich die Fragen an Heidi über das Güllen im Winter: Wann darf man güllen? Zu wenig Kapazität Güllegrube, was tun? Güllen auf Schnee? Nicht alle Bauern, die jetzt güllen, tun das einfach, weil sie jetzt Zeit haben und eine allfällige Gewässerverschmutzung in Kauf nehmen. Ein Leser hat Heidi „seinen“ Gülleaustrag mit Fotos dokumentiert. Die Güllegrube ist zu klein, seine wiederholten Forderungen nach einer den Gegebenheiten angepassten erfüllte der Verpächter bisher nicht, die Behörden vertrauen auf Selbstdeklaration der Gülle-Lagerkapazität, sie helfen dem Pächter nicht. Der Verpächter hatte einen Schieber für das Ableiten der Gülle in den nahen Bach. Diese Öffnung wurde vor Pachtantritt zwar zubetonniert, doch das Problem bleibt. Der Pächter spritzt Gülle auf die winterlichen Wiesen, riskiert eine Anzeige, ein Strafverfahren und Kürzung der Direktzahlungen. Und er fürchtet um seinen Ruf.

Dieses Beispiel stammt zwar nicht aus dem Kanton Graubünden, doch auch dort leiden Pächter darunter, dass die Lagereinrichtungen für Gülle und Mist nicht kontrolliert werden. Checkliste für die Kontrolle der Lagereinrichtungen siehe Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft, Seite 50. Die Sektion Grundwasserschutz des Bundesamts für Umwelt (BAFU) informiert neu viermal jährlich mit einem Newsletter über Herausforderungen und Fragen in ihrem Arbeitsgebiet. Zielpublikum: Bundes- und Kantonsbehörden, Forschungseinrichtungen und Fachverbände. Im 1. Newsletter Grundwasser vom Januar 2013 informieren Fachleute über die Kontrolle der Lageranlagen, z.B. die AWEL-Studie hat Heidi dort ausgegraben, oder die unverzichtbare Harmonisierung der Kontrollen im Rahmen der Kontrollkoordinationsverordnung (KKVL), siehe auch Das BLW verteilt jedes Jahr fast 3 Milliarden Franken gutgläubig an die Bauern. KKVL ist die Verordnung, welche VKIL ersetzt.

Informationen über das Güllen in Notfällen: im Merkblatt Kanton AG Düngerplanung wichtig für die Wintermonate

23.1.13 HOME

Zu kleine Güllegruben in AR?

10. Februar 2011

Der Landwirtschaftliche Informationsdienst meldete am 9.2.11: Bauern in Ausserrhoden dürfen wieder güllen. „Die Gülle darf auf Wiesen ausgetragen werden, die seit einigen Tagen schneefrei, nicht gefroren und trocken sind, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. Laut dem kantonalen Amt für Umwelt soll aber nur Gülle ausgebracht werden, wenn die Jauchegruben annähernd voll sind. Die Erlaubnis zum Güllen gilt bis es wieder kälter wird oder Niederschlag einsetzt.“ Ausführliche Meldung des Amts für Umwelt AR.

Wie gross muss die Gülle-Lagerkapazität in AR sein? Über 800 m ü.M. – das dürfte ein grosser Teil des Kantons sein – 5 Monate, 800 bis 900 m ü.M. 5,5 Monate und für Bauernhöfe über 900 m ü.M. 6 Monate. Haben die Bauern schon Ende August mit dem Güllen aufgehört? Heidi zweifelt daran. Eigentlich müsste genügend Lagervolumen vorhanden sein, denn im Auswertungsbericht 2001 des BUWAL (heute BAFU, Bundesamt für Umwelt) weist der Kanton AR ein „vorhandenes Güllelager-Volumen“ aus, das 113 Prozent des „notwendigen Güllelager-Volumens“ beträgt. Auch falls die Tierbestände in der Zwischenzeit zugenommen haben, sollte die Kapazität heute noch ausreichen. Wenigstens hat der Kanton AR auf die BUWAL-Umfrage geantwortet, andere Kantone hüllten sich in Schweigen, was vielleicht auch eine Antwort ist. Das Gewässerschutzgesetz vom 24. Januar 1991 sieht in Art. 77 vor: „Die Kantone legen die Frist zur Anpassung der Kapazität von Lagereinrichtungen für Hofdünger nach der Dringlichkeit des Einzelfalls fest. Sie sorgen dafür, dass innert 15 Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes sämtliche Lagereinrichtungen saniert sind.“ Diese Frist ist 2006 abgelaufen. Wo ist hier der Wurm drin? Was tun die Bauern, wenn es zwischendurch nicht so warm ist wie jetzt?

Das Amt für Umwelt AR meint dazu, dass viele Betriebe saniert worden seien und nur einzelne zu wenig Volumen hätten. Es weist auch darauf hin, dass sich die Geister darüber scheiden, ob die theoretischen Standardmengen den tatsächlichen Anfällen in der Realität entsprechen (auf dieses Problem hat Heidi in Orientierungshilfe für Touristen hingewiesen). In AR seien trotz dem „Düngefenster“ nur wenige Landwirte am Güllen. Das Amt für Umwelt vertritt die Ansicht, dass einige wenige Austräge auf trockenen Boden jetzt weniger Verluste in die Bäche verursachen, als wenn die Mehrheit nach der ersten grossen Schneeschmelze Gülle ausbringt. Alle auf einen Schlag und oft bei schlechteren Bedingungen als jetzt seien für das Ökosystem im Bach schwieriger zu verkraften. Man will die Verluste minimieren und ist überzeugt, dass die überwiegende Mehrheit der Landwirte sorgfältig handelt.

10.1.11   HOME

Wohin mit Gülle und Mist?

3. Dezember 2010
LID_gullen-im-winter

Güllen im Winter: Gefahr für Gewässer und Grundwasser (Archivbild LID)

Das Amt für Landwirtschaft bietet Bauern, welche ihre Hofdünger nicht rechtzeitig ausgebracht haben, Hilfe an. Denn beim Ausbringen von Gülle und Mist im Winter ist die Gefahr der Verschmutzung von Bächen, Seen oder Grundwasser gross. Das Amt ruft Landwirte mit freien Kapazitäten oder auch Privatpersonen mit stillgelegten Ställen dazu auf, sich zu melden, siehe Bündner Bauer von heute: Wohin mit Gülle und Mist?
Jetzt ist auch im Kanton Graubünden das gesetzeswidrige Ausbringen von Hofdüngern im Winter verboten. Jene Bauern, die regelmässig Heidi lesen, dürften aber keine Probleme haben, denn ihre Güllegrube ist jetzt leer. „Gut gibt’s Heidi“ singen die Fische.

Winteranfang in den Bergen 16.11.10

Vorbeugen: ohne Gülle-Notfall durch den Winter 19.9.10

Kanton Graubünden: Güllen in Notfällen

Kanton Solothurn: Gülle und Mistaustrag im Winter

3.12.10   HOME


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