Posts Tagged ‘Landwirtschaft’

Schweizer Wasser: Versuch einer Krimi-Buchbesprechung

21. September 2021
schreibknecht.ch, die Homepage von Bernhard Schmutz

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Schweizer Wasser handelt von Geld und Macht. Der Krimi ist in der „heilen Bergwelt“ angesiedelt, wo Landwirtschaft und Tourismus eng verwoben sind. Im Zentrum sind zwei Ereignisse, ein Projekt und eine Gruppe:

  • Tod einer Schülerin nach einer Magen-Darm-Grippe im Klassenlager.
  • Gäste einer Promi-Hochzeit landen mit ähnlichen Symptomen im Spital, besonders schwer erkrankt die Braut
  • das ökologisch fragwürdige Honeymoon-Projekt auf der Bussalp
  • die Interessengemeinschaft Groupe Lac Démon

„Honeymoon wird Grindelwald noch einzigartiger machen. Ein echter USP! Arbeitsplätze erhalten. Aufträge für das regionale Gewerbe generieren. Wer Ja zu Grindelwald sagt, muss Ja zu Honeymoon sagen!“, beendet Luke seine Brandrede.

Als das Projekt im Congress Center vorgestellt wird, wagt es Lisa, kritische Fragen zu stellen, etwa: „Im Leitbild der Gemeinde heisst es: Der Tourismus steht im Einklang mit Natur, Umwelt und Landschaft. Wie schaffen Sie diesen Spagat, wenn plötzlich Privatverkehr zugelassen ist? Abgesehen davon ist das Ganze doch reine Wasserverschwendung. In den letzten zehn Jahren hatten wir in der Schweiz mindestens vier zu trockene Sommer. Von Wasserknappheit können auch Alpgebiete betroffen sein.“

Dann erkranken TeilnehmerInnen eines Klassenlagers an einer Magen-Darm-Grippe. Eine Schülerin stirbt. Rasch wird die Schuld der Lagerköchin Lisa in die Schuhe geschoben: verdorbene Lebensmittel. Das kann sie nicht auf sich sitzen lassen, denn sie achtet minitiös auf Hygiene. Lisa beginnt, nach den möglichen Ursachen zu suchen, unbequeme Fragen zu stellen und hält Selbstgespräche.

Wim, ein Klassenkollege von Luke, ist beeindruckt von Lisas Mut, als Einzige kritische Fragen zu stellen, und nimmt mit ihr Kontakt auf. Daraus ergibt sich eine Zusammenarbeit bei der Suche nach der Ursache, die den Tod der Schülerin herbeiführte.

Kurz danach heiratet eine ehemalige Serviceangestellte der Bussalp, die den zweiten Platz in einer Castingshow belegt hatte, ihren Produzenten. Heirat bei schönstem Wetter auf der Bussalp. Doch am nächsten Morgen … So stand es in der Berner Oberländer Zeitung: „Grindelwald. Kein Happy End für den neuen Star am Schlagerhimmel Jasmin Meier, kurz JM (25) und ihrem Produzenten, Rudi Hohlen (45). Nach dem Ja-Wort und einer berauschenden Party endet die Hochzeitsnacht im Spital. Verantwortlich dafür ist nicht etwa die Libido des Paares, sondern ein mysteriöser Virus.“

Zu den Detektiven Lisa und Wim gesellt sich die Beamtin Anna Berger, obwohl der Leiter der Fachstelle für Umweltkriminalität vorerst gar keine Freude an ihrem Alleingang hatte … Nach der Aufklärung des Falls hat das TRIOmvirat konkrete Zukunftspläne. Diese haben mit ihrer Erfahrung im Fall Grindelwald zu tun, dass Ämter und Polizei nicht immer so genau und vor allem hartnäckig genug hinschauen. Aus Mangel an personellen Ressourcen oder anderen Gründen, darüber möchten die drei nicht spekulieren.

Nun aber Schluss mit Details! Lesen Sie Schweizer Wasser von Anfang bis Schluss. Sie erfahren dann auch wie Lisa gedroht wird, Drohungen in die Tat umgesetzt werden und was es sich mit der Groupe Lac Démon auf sich hat.

Nach dem Lesen eines Zeitungsartikels in der Berner Oberländer Zeitung, fasst Wim auf der letzten Seite (278) zusammen: „So könnte es gewesen sein. Mit anderen Worten: Nur die Jungfrau kennt als stille Zeugin die ganze Wahrheit. Weil der Mönch darf bei Honeymoon nicht hinsehen und der Eiger hat genug zu tun mit seiner Nordwand.“

Danach folgt eine unerwarteter froher Schlusspunkt.

Der spannende Krimi handelt auch von Gülle und Mist, von Pestiziden, von sauberem Wasser und somit kommt auch die Trinkwasserinitiative in der Geschichte vor … Mit viel Witz erzählt Bernhard Schmutz die schmutzige Geschichte.

Schweizer Wasser, Bernhard Schmutz, ISBN 978-3-8392-0079-7, auch als E-Book erhältlich, Gmeiner Verlag

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Solothurn: Grünliberale glauben nicht an Zielerreichung des Aktionsplans Pflanzenschutzmittel

17. September 2021

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Heidi hat diesen Cartoon von NaNa bereits im Beitrag vom 25.4.21 zu den Pestiziden in den Gewässern im Kanton Solothurn gezeigt … er passt immer noch!

Grünliberale Kanton Solothurn, Medienmitteilung vom 15.9.21:

Dank den Grünliberalen es Kantons Solothurn ist seit Mai bekannt, dass der Aktionsplan kaum Wirkung zeigt. Die Zielerreichung bis 2025 ist nur mit deutlich weitergehenden Massnahmen erreichbar.

Das Amt für Umwelt (AfU) hat die Messdaten aus dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel kommentiert[1]. Diese beinhalten kaum neue Informationen. Dank der glp sind die Daten bereits seit Mai bekannt[2].

«Leichte Verbesserungen seien nachweisbar», so kommentiert der Kanton die besorgniserregenden Messdaten. Die Daten zeigen, dass äusserst toxische Wirkstoffe wie zum Beispiel Cypermethrin den gesetzlichen Grenzwert um das 11-fache überschreiten. Diese und andere Wirkstoffe sind für Wasserorganismen bereits in kleinsten Dosen akut toxisch. Cypermethrin kann die menschlichen Organe schädigen und steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit oder sogar das Kind im Mutterleib zu schädigen.

Die erzielten minimalen Fortschritte sind angesichts der gesetzeswidrigen Wasserqualität viel zu gering. Als Ziel für den Aktionsplan wurde von der Regierung eine Halbierung des Risikos durch Pflanzenschutzmittel bis 2025 gesetzt. Dieses Ziel ist mit den laufenden Massnahmen unmöglich erreichbar. Daher ist es eine Augenwischerei, überhaupt von Verbesserungen zu sprechen.

Natürlich begrüsst die glp auch die angekündigten Massnahmen ausserhalb der Landwirtschaft. Mit höchster Priorität sind jedoch dort Schritte notwendig, wo die grösste Wirkung erreicht wird. Die Messdaten des AfU zeigen nämlich auch, dass zum Beispiel im Limpach deutlich über 80% der Pestizide aus der landwirtschaftlichen Anwendung stammen. Diese Information behält das AfU weiterhin der Bevölkerung vor.

Das AfU will bis Mitte 2022 abwarten und hofft auf ein Wunder. Diese passive Arbeitsweise ist nicht in unserem Sinne. Die glp fordert rasch zusätzliche Massnahmen im Bereich der Landwirtschaft. Wir sind überzeugt, dass damit die Ziele 2025 erreichbar werden. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache, sofortiger Handlungsbedarf ist angezeigt.

[1] https://so.ch/staatskanzlei/medien/medienmitteilung/news/verbesserungen-bei-der-pestizidbelastung-von-gewaessern-nachweisbar-doch-weitere-anstrengungen-noeti/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=02c0f5fef5d061517771bf2cf77bc04a

[2] https://so.grunliberale.ch/aktuell/media/mediadetail~ca54059b-873c-453a-ae48-67b4c448ab6d~Gr%C3%BCnliberale%20fordern%20Anpassungen%20beim%20Massnahmenplan%20Pflanzenschutzmittel~

Brücken bauen statt Gräben ausschaufeln

7. August 2021

 

Es braucht viele Lichter, um den Weg in die Zukunft zu beleuchten.

Es braucht viele Lichter, damit der Weg in die Zukunft beleuchtet ist.

Nun wird wieder heftig debattiert über den landwirtschaftlichen Stadt-Land-Graben, den es so gar nicht gibt. Wer auf dem Land lebt oder sich dort immer wieder aufhält und die Augen offen hat, sieht viele Missstände, die zu beheben sind. Gewisse Kreise würden gerne den Graben-Begriff zementieren und weiterfahren wie bisher, statt Licht ins Dunkel zu bringen und der heutigen Jugend zu einer lebenswerten Zukunft zu verhelfen. Daran bauen muss aber nicht nur die Landwirtschaft.

Gräben gibt und gab es viele: Bauern-Arbeiter-Graben, Untertanen-Patrizier-Graben, Röstigraben, Sprachgraben, Herkunftsgraben, Drittwelt-Graben usw. Zerklüftet ist nicht nur die Schweiz, sondern die ganze Welt. Im Fussabdruck zeigt sich ebenfalls ein riesiger Graben, jener zwischen reichen und armen Ländern. Der Fussabdruck der Schweiz im Ausland ist besonders gross bei Kaffee (72 Prozent des Fussabdrucks in Hochrisikoländern), Soja (75%), Palmöl (69%) und Kakao (54%).

Es braucht BrückenbauerInnen, die zu gegenseitiger Annäherung verhelfen. Es gibt aber auch unüberwindbare Schranken, bei uns wie anderswo. Trotzdem: Zukunftswärts soll die Leitschnur sein, nicht baggern an vermeintlichen Gräben!

Vom Nationalhelden zum Subventionsjäger. Blick vom 7.8.21

Appetit der reichen Länder führt zu Abholzung. INFOsperber vom 7.8.21

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Es stinkt: Landwirtschaft und Abwasser verschmutzen ALLE Flüsse in Grossbritannien

19. Juli 2021

George Monbiot

Aus dem Film „Rivercide“ von George Monbiot.

Umweltbehörde und Wasserbetriebe: „Wir sehen weniger Verschmutzung“; das bedeutet nicht, dass es weniger Verschmutzung gibt. Es bedeutet, dass man weniger sieht.

George Monbiot: „Unsere Flüsse und Meere werden von gierigen Unternehmen und nutzlosen Regierungen in offene Abwasserkanäle verwandelt.“

Monbiot ist ein britischer Journalist, Autor, Universitätsdozent, Umweltschützer und politischer Aktivist. Er schreibt eine Kolumne für The Guardian. In seinem neuesten Beitrag This Stinks berichtet er über die unglaublichen Versäumnisse von Regierung und Ämtern, von der Dezimierung der Umweltbehörde und deren Folgen. Hoffnung bringen Leute, welche die Verschmutzungen und Schäden sehen und in verschiedensten Formen aktiv werden, den Vollzug der Gesetze einfordern.

Immer mehr Leute wehren sich gegen die Verschmutzung der Flüsse und die Untätigkeit der Behörden. Aus dem Film Rivercide von George Monbiot.

Immer mehr Leute wehren sich gegen die Verschmutzung der Flüsse und die Untätigkeit der Behörden. Aus dem Film Rivercide von George Monbiot.

Monbiot hat eine erstaunliche Bilanz von Verschmutzung und Versagen zusammengetragen, die dazu geführt hat, dass sich Flüsse in ganz Grossbritannien in nur wenigen Jahren von blühenden Ökosystemen in offene Abwasserkanäle verwandelt haben. Der grösste Verschmutzer ist die Landwirtschaft, gefolgt von den (privatisierten) Kläranlagen. Als Livestream auf Youtube hat er Schuldige identifiziert und will sie zum Handeln drängen.

Im ganzen Land, wo Überwachung, Durchsetzung und Strafverfolgung zusammengebrochen sind, treten die Menschen am Ort auf den Plan, um die steigende Flut von Schmutz zu bekämpfen. Ein nationales Citizen Science (Bürgerwissenschaft) Projekt entsteht, bei dem Menschen im ganzen Land Proben nehmen und analysieren lassen, um dann Veränderungen zu fordern.

„Aber das ist keine Rechtfertigung für Camerons Traum von einer deregulierten „grossen Gesellschaft“, sagt Monbiot, „es ist ein Zeichen der Verzweiflung. Wir lieben unsere Flüsse. Wir wollen schwimmen und paddeln und die Enten füttern und angeln und Boot fahren, ohne uns Gedanken darüber machen zu müssen, was im Wasser ist. Wir sind nicht damit einverstanden, dass sie von rücksichtslosen Konzernen als billige Entsorgungsschächte benutzt werden, indem sie das regulatorische Versagen der Regierungen ausnutzen. Wir stimmen dem Tsunami der Scheisse nicht zu.“

Rivercide

In Grossbritannien wie auch in der Schweiz sind Hühnerfarmen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Niemand hat in GR einen Überblick wie viele. Mit Hilfe von Citizen Science wurde in mühsamer Kleinarbeit eine Karte erstellt.  Der Mist wird im Übermass auf die Felder gebracht. Mit den zunehmend heftiger werdenden Niederschlägen wird Mist in Gewässer geschwemmt. In den Böden reichert sich Phosphor an, der dann im Laufe der Zeit aus dem Boden in die Gewässer sickert. Die Folge ist eine massive Verschmutzung der Flüsse. Aus Rivercide von George Monbiot.

In Grossbritannien wie auch in der Schweiz sind Hühnerfarmen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Niemand hat in Grossbritannien einen Überblick wie viele. Mit Hilfe von Citizen Science wurde in mühsamer Kleinarbeit eine Karte erstellt.
Der Mist wird im Übermass auf die Felder gebracht. Mit den zunehmend heftiger werdenden Niederschlägen wird Mist in Gewässer geschwemmt. Und in den Böden reichert sich Phosphor an, der dann im Laufe der Zeit aus dem Boden in die Gewässer sickert. Die Folge ist eine massive Verschmutzung der Flüsse. Aus Rivercide von George Monbiot.

Ein Film wurde über Crowdfunding finanziert, mit der Hilfe von Freiwilligen gemacht und nutzt Bürgerwissenschaft, um Berichtslücken zu füllen. „Wenn sich etwas ändern soll, dann wird es nicht aus dem Zentrum kommen. Sie wird von den Rändern kommen“, so Monbiot. „Wir sind kein Ersatz für die Regierung, da wir keine Befugnisse haben. Aber wir können die Nachlässigkeit derer aufdecken, die behaupten, uns zu führen, und die Einhaltung der Gesetze einfordern. Sie mögen glücklich sein, sich im Dreck zu suhlen. Wir sind es nicht.“

In 60 actiongeladenen Minuten zeigt diese Live-Dokumentation wer Grossbritanniens Flüsse verschmutzt und warum niemand sie aufhält. Präsentiert vom Journalisten George Monbiot, unter der Regie von Franny Armstrong von The Age of Stupid und mit Live-Auftritten von Benjamin Zephaniah (Dichter) und Charlotte Church (Sängerin), ist Rivercide sowohl mutiger investigativer Journalismus als auch gutes Filmedrehen.

This Stinks. George Monbiot, The Guardian 13.7.21

Rivercide. Why are we not stopping them. youtube 14.7.21

Verschmutzung: Kein Fluss in England ist zum Baden sicher. Heidis Mist vom 3.8.19

Nur Bagger werden der Algen an bretonischen Küstenabschnitten noch Herr. Rod Ackermann, NZZ vom 17.7.21

Zum Beispiel: Wasser in Südfrankreich. Heidis Mist vom 16.7.21

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Roman Hüppi: Selbstversorgungsgrad neu denken!

8. Juli 2021
Copyright: Roman Hüppi

Copyright: Roman Hüppi

Der Selbstversorgungsgrad, wie er heute verstanden wird, ist ein gern zitiertes Relikt aus früheren Zeiten und wird politisch missbraucht. Eigentlich keine ernst zu nehmende Zahl, meint Heidi. Zudem gehen die Bauern von der irrigen Meinung aus, dass sie agrarpolitisch im Zentrum sind; sie haben heute auch weitgehend das Sagen WAS WIE produziert wird. Die Bauern sind zwar wichtig, aber übergeordnet sind die Ernährung der in der Schweiz lebenden Bevölkerung und die Umwelt. Wir haben ein Bundesamt für Landwirtschaft statt ein Bundesamt für Ernährung.

Es ist höchste Zeit, das wenig aussagekräftige Mass „Selbstversorgungsgrad“ zu überdenken. Genau dies hat Roman Hüppi von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), Nachhaltige Agrarökosysteme, getan. Er sagt: „Der Selbstversorgungsgrad beurteilt die Leistung des Agrarsektors im Licht der Ernährungssicherheit. Den aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft wird er aber nicht gerecht.“

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad

Roman Hüppi: „… Ernährungssicherheit ist in der Schweiz seit jeher ein wichtiges Ziel. Für aktuelle Krisen ist der klassische Selbstversorgungsgrad meiner Ansicht nach aber eine zweifelhafte Referenz: Im Kontext von Klimawandel, Artensterben und ernährungsbedingten Volkskrankheiten ist seine Aussagekraft beschränkt. Für die anstehende Debatte schlage ich vor, diesen wichtigen Gradmesser der Landwirtschaft an heutige Herausforderungen anzupassen.

Gemäss Bund beträgt der Schweizer Brutto-​Selbstversorgungsgrad der letzten Jahre etwa 60 Prozent.1 Berücksichtigt man, dass rund ein Viertel der Tierproduktion auf importierten Futtermitteln (jährlich 1.4 Millionen Tonnen) beruht, sinkt der Netto-​Wert auf 50 Prozent. Die andere Hälfte importieren wir. Hoch selbstversorgend sind wir bei tierischen Nahrungsmitteln (Milchprodukte 115 %, Fleisch 80 %). Bei pflanzlichen Produkten ist die Schweiz mit 40 Prozent hingegen eher selbst-​unterversorgt. Gerechnet wird in Nahrungsenergie.

Diese Metrik entstand in der Not der Weltkriege und ist eindimensional auf die Produktion von Kalorien getrimmt. Aus Sicht der Versorgung macht es Sinn, möglichst viele Nahrungsmittel im Inland zu produzieren. Bis heute lässt sich jede weitere Intensivierung der Landwirtschaft mit dem steigenden Selbstversorgungsgrad legitimieren.“

Weitere Informationen und die folgenden Kapitel finden Sie im Zukunftsblog der ETH:

  • Auf Kalorienproduktion getrimmt
  • Selbstversorgend – dank importierter Energie
  • Wir ernähren uns nicht nur von Kalorien

Im Folgenden noch das letzte Kapitel:

Welche Landwirtschaft wollen wir?

„Für mich ist klar: Die Landwirtschaft von morgen muss nachhaltig sein und mehrere Funktionen erfüllen. Sie muss die Menschen sicher mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen, das Klima und das Kulturland schützen und die Biodiversität bewahren.

Wir sollten den Selbstversorgungsgrad für diese multifunktionale Landwirtschaft neu denken. Damit wäre diese zentrale Kennzahl auch für heutige Krisen relevant. Und könnte helfen, produktive und ökologische Interessen in der Agrarpolitik zu vereinen.“

Referenzen

1 Agrarbericht 2020: Selbstversorgungsgrad https://www.agrarbericht.ch/de/markt/marktentwicklungen/selbstversorgungsgrad

2 Vision Landwirtschaft: Faktenblatt Nr. 5 (2015): Multifunktionale Landwirtschaft.

3 Guggenbühl 2017: https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/die-​minus-kalorien-der-schweizer-landwirtschaft/

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad. Roman Hüppi, Zukunftsblog ETHZ vom 16.6.21

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Der Bauer, sein Kind und die Sanduhr

13. Mai 2021
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Aus dem Film „Gluten, der Feind in deinem Brot“. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Andrea Cenacchi: „Vor 20 Jahren habe ich beschlossen, von konventioneller auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Anlass war meine kleine Tochter, die heute 20 Jahre alt ist. Sie krabbelte damals im Garten, während ich in der Nähe mit dem Traktor Unkrautvernichter verspritzte. Als ich wieder Richtung Garten fuhr und meine Tochter dort sah, hatte ich plötzlich das Gefühl, ich würde gerade die nächste Generation vergiften. Ich habe meinen Hof in einen lebenden Organismus verwandelt, einen multifunktionalen Kreislauf, der ergänzt wird durch ein Gasthaus, in dem ich am Wochenende Gäste beherberge. Das Essen besteht zu 70 Prozent aus meinen eigenen Produkten.“

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Die Sanduhr unseres Ernährungs-/Landwirtschaftssystems. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Im Film Gluten, der Feind in deinem Brot ist auch von der Sanduhr die Rede. Oben die vielen Bauern, an der engen Stelle die paar wenigen Konzerne, welche den Lebensmittel-Weltmarkt beherrschen, die Macht haben, Gesetze schreiben, Preise festlegen, und unten die Milliarden von KonsumentInnen, die sich dieser Sanduhr unterwerfen. Heidis Frage: „Müssen wir das? Müssen sich die Bauern diesem System fügen oder könnten sie zusammen mit den KonsumentInnen Neues schaffen?“

Heidi empfiehlt: „Sehen Sie sich an diesem regnerischen Tag diesen Film an. Er enthält viele, wichtige Informationen über unser Ernährungs- und Landwirtschaftssystem und das Versagen der Behörden. Die Vielfalt und Klarheit der Fakten ist überwältigend – wohl der beste Film zu diesem Thema, den Heidi je gesehen hat. Wenn wir Schlüsse daraus ziehen, dann können sich unsere Zukunftsaussichten erfreulich verbessern.“

Nachfolgend ein paar Ausschnitte aus dem Film.

„Unterschiede Grenzwert für Glyphosat in Gemüse und Getreide.“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

 

Martin Pigeon: „In Europa werden kritische Produkte wie Glyphosat v.a. von den Herstellern selbst getestet und bewertet.“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

 

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Jennifer Clapp: „In unserem globalen Ernährungssystem wächst die Entfernung. Zum einen die reale Strecke, welche die Lebensmittel vom Erzeuger bis zum Verbraucher zurück legen – das sind im Durchschnitt 2’500 Kilometer – und es gibt eine geistige Entfernung. Uns fehlen grundlegende Einsichten in die Art und Weise wie unsere Nahrung produziert wird. Die grossen Entfernungen in unserem globalisierten Ernährungssystem haben verschleiert, wo sich Geld und Macht konzentrieren, in welchem Mass uns die Lebensmittelkonzerne ihre Regeln aufzwingen und damit den Verbrauchern wie auch den Erzeugern jede Macht nehmen. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION“

 

„Wir müssten ein neues Konzept für die Landwirtschaft entwickeln. Aber ist Landwirtschaft ohne Chemie überhaupt möglich?“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

 

Ob die biologische Landwirtschaft die Weltbevölkerung ernähren kann? Ja, das kann sie. Doch dafür müssen wir vieles ändern. Im Grunde das gesammte Produktionssystem. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Giovanni Dinelli:„Ob die biologische Landwirtschaft die Weltbevölkerung ernähren kann? Ja, das kann sie. Doch dafür müssen wir vieles ändern. Im Grunde das gesammte Produktionssystem.“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Gluten, der Feind in deinem Brot. Video 1:18:13 von TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

FOOD. Jennifer Clapp

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Flora und Fauna: „Uns geht es schlecht!“

16. April 2021
Copyright: Sandra Walser

Copyright: Sandra Walser

Liebe Heidi

Ich weiss, die Bauern haben es nicht gerne, wenn du darüber berichtest, sie bezeichnen es gar als „Bauernbashing“, aber es ist einfach wahr, dass viele von ihnen mit ihrem heute üblichen Wirtschaften uns schaden. Verwandte von mir haben sie getötet, Arten sind ausgestorben, weitere Arten sind vom Aussterben bedroht. Schon viel haben die Medien darüber berichtet, jetzt ist erneut eine wissenschaftliche Untersuchung herausgekommen. Bitte, Heidi, berichte darüber, denn uns geht es wirklich schlecht!

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Deine Freunde, Flora und Fauna

Medienmitteilung der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) vom 15.4.21

Heutiger Einsatz von Pestiziden belastet die Umwelt in der Schweiz

Pestizide sind in der Schweiz allgegenwärtig, belasten die Umwelt und gefährden die Biodiversität. Gesetzlich verankerte Anforderungen an die Gewässerqualität werden oft und teilweise beinahe anhaltend überschritten, wie ein neues Faktenblatt des Forums Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz zeigt. Die Forschenden haben spezifisch die Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen in der Schweiz analysiert und mögliche Handlungsansätze für Politik und Gesellschaft formuliert.

Copyright: Monika Rohner

Copyright: Monika Rohner

Der Pestizideinsatz, wie er aktuell in der Schweiz erfolgt, führt zu beträchtlichen, gut dokumentierten Belastungen der Umwelt. So sind Pestizide eine der wesentlichen Ursachen für den Rückgang der Vielfalt und Häufigkeit von Ackerwildpflanzen und Insekten. In der Folge sind auch Vögel betroffen. So schrumpfte in der Schweiz z.B. der Bestand von insektenfressenden Vogelarten des Kulturlandes in nur 30 Jahren um 60% – wobei Pestizide eine von diversen Ursachen sind. Pestizide können Organismen direkt vergiften, auch solche, die nicht bekämpft werden sollen. Stark betroffen sind dadurch beispielsweise viele in Gewässern lebende Organismen. Oft sind die schädlichen Wirkungen aber auch indirekt, weil etwa das Nahrungsangebot kleiner oder Lebensräume beeinträchtigt werden.

Insgesamt stellt der Einsatz von Pestiziden eine Gefahr für die Biodiversität dar, wobei die unerwünschten Effekte laut den Autorinnen und Autoren heute wohl eher noch unterschätzt werden. Dadurch entstehen gemäss Schätzungen in verschiedenen Bereichen externe Kosten in der Grössenordnung von mehreren Hundert Millionen CHF pro Jahr.

Pestizideinsatz in Landwirtschafts- und Siedlungsgebieten

Pestizide werden hauptsächlich in der Landwirtschaft, aber auch im Siedlungsraum eingesetzt. Als Pflanzenschutzmittel dienen sie dazu Ertrags- oder Qualitätseinbussen zu vermindern. Pestizide sind in der Schweiz omnipräsent. In Gewässern werden die gesetzlichen Anforderungen und weitere definierte Umweltqualitätskriterien oft und in gewissen kleinen Fliessgewässern beinahe anhaltend überschritten. Dies nicht nur von einzelnen Wirkstoffen, sondern oft von verschiedenen gleichzeitig oder in Folge, was die Effekte auf Organismen verstärkt. In beinahe allen Böden in Ackerbaugebieten, auch in Biodiversitätsförderflächen, sind Pestizide vorhanden. Für Böden fehlen aber gesetzlich festgelegte Höchstwerte.

Der Einsatz von Pestiziden wird in der Schweiz breit diskutiert, wie politische Vorhaben des Bundesrates, des Parlamentes und von Initiativkomitees zeigen. Sollen die rechtlichen Anforderungen eingehalten und die Beeinträchtigung der Umwelt und der Biodiversität reduziert werden, sei es unerlässlich, den Pestizideinsatz und die Emissionen zu reduzieren, sagen die Forschenden und zeigen mögliche Handlungsansätzen auf.

Das Faktenblatt «Pestizide: Auswirkungen auf Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen» nimmt spezifisch die Auswirkungen von Pestiziden auf Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen in den Blick. Nicht thematisiert werden etwa die Bedeutung von Pestiziden in der landwirtschaftlichen Produktion oder die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft der Schweiz

9. April 2021
Titelbild der Publikation "Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft der Schweiz". Copyright: Susanne Dubs Designerin FM, Magglingen

Titelbild der Publikation „Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft der Schweiz“. Copyright: Susanne Dubs Designerin FM, Magglingen

Die Studie Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft der Schweiz ist im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) im Rahmen des Projekts Hydro-CH2018 in Zusammenarbeit mit Wissenschaftern und Experten entstanden. Als Basis dienten das publizierte Wissen und die NCCS-Klimaszenarien CH2018 (National Centre for Climate Services). Ziel war es, einen fundierten Überblick über die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf die Nutzungen der Schweizer Gewässer sowie auf Gewässerschutz und Hochwasserschutz vorzulegen.

Neben den klimatischen Veränderungen werden auch sozioökonomische Entwicklungen berücksichtigt. Ein weiterer Fokus sind wasserwirtschaftliche Zielkonflikte und Synergien, woraus wichtige Erkenntnisse für ein integriertes Wassermanagement abgeleitet werden können.

Eine zentrale Herausforderung bleiben Flächenkonflikte. Die Entwicklung des Landes hat auf die Gewässerräume wenig Rücksicht genommen: der Ausbau von Siedlungen, Verkehrswegen und Industriearealen hat Flächen besetzt, die als Hochwasserkorridore, aquatische Lebensräume und Trinkwasserschutzzonen unerlässlich sind. Auch die Landwirtschaft ist den Gewässern – vor allem in den dicht besiedelten Landesteilen – vielerorts zu nahe gekommen.

Diese Nähe und die hohe Produktionsintensität der Landwirtschaft – mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln und substanziellen Futtermittelimporten – sind in der kleinräumigen Schweiz unvereinbar mit dem Ziel intakter Flüsse und Seen und unbelasteter Trinkwasserressourcen. Mit der Umstellung auf eine flächendeckend agroökologisch orientierte Wirtschaftsweise könnte die Schweiz weltweit zum Pionierland einer gewässer- und umweltverträglichen Landwirtschaft werden. 

Die Publikation (376 Seiten) kann in gedruckter Form zum Preis von CHF 30.– bei der Schweizerischen Hydrologischen Kommission (CHy) bestellt werden: sanja.hosi@scnat.ch. Sie kann auch kostenlos heruntergeladen werden.

Lanz, K. et al. (2021): Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft der Schweiz. Beiträge zur Hydrologie der Schweiz, Nr. 43, Bern

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Kanton St. Gallen: Die Gewässerqualität ist häufig ungenügend

18. August 2020

Gewässerprobe: Von 119 untersuchten Spurenstoffen wurden in den vier Bächen insgesamt 72 Stoffe nachgewiesen. Pestizide machten dabei die grösste Gefahr aus. Copyright: AWE

Gewässerprobe, siehe Video Kanton St. Gallen: Von 119 untersuchten Spurenstoffen wurden in den vier Bächen insgesamt 72 Stoffe nachgewiesen. Pestizide machten dabei die grösste Gefahr aus. Copyright: AWE

Medienmitteilung Kanton St. Gallen vom 18.8.20.

Zahlreiche kleine Fliessgewässer im Kanton St.Gallen sind in einem schlechten Zustand. Besonders betroffen sind stark verbaute Bäche sowie Bäche deren Einzugsgebiet in einem intensiv genutzten Landwirtschaftsgebiet liegt oder durch Industrie, Siedlungs-, und Verkehrsflächen beeinflusst wird. Die aktuellen Untersuchungen des kantonalen Amtes für Wasser und Energie (AWE) zeigen, dass die Belastung vor allem bei Pestiziden über den Grenzwerten liegt.

Kleine Bäche, die den Kanton durchziehen, machen einen Grossteil des feinverästelten Fliessgewässernetzes aus. Sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Viele kleine Bäche liegen in Gebieten, die zum Teil stark genutzt werden. Das wirkt sich negativ auf die Gewässerqualität aus. Für funktionierende Ökosysteme und den Erhalt der Biodiversität ist der Schutz der Bäche zentral.

Das Amt für Wasser und Energie (AWE) untersuchte deshalb 2019 in einer Messkampagne Bäche detailliert auf Mikroverunreinigungen. Bereits in sehr tiefen Konzentrationen können sie die Gewässerlebewesen schädigen. Mikroverunreinigungen stammen aus Rückständen von unter anderem Pestiziden, Medikamenten oder Industriechemikalien. Bei Regen werden sie direkt in die Bäche eingeschwemmt oder gelangen über die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in die Gewässer. Bisher sind erst wenige ARA dafür ausgerüstet, Mikroverunreinigungen zu eliminieren. Deshalb gelangen mit dem gereinigten Abwasser, das in die Flüsse eingeleitet wird, auch problematische Rückstände in die Gewässer.

Rückstände überschreiten Grenzwerte

In der Messkampagne 2019 wurden vier Bäche untersucht: der Albertswilerbach (Gossau), der Kirchtobelbach (Waldkirch), die Länderenaach (Widnau) und der Loobach (Niederbüren). Die Fachleute des AWE wählten diese Bäche aus, da bei ihnen aufgrund von Voruntersuchungen eine erhöhte Belastung vermutet wird. In allen Bächen zeigte sich ein erhöhtes oder gar ein sehr hohes chronisches Risiko für die Gewässerorganismen. Bei drei von vier Bächen hielt diese Situation während mehr als 40 Prozent der gesamten Beobachtungszeit an, die von April bis Oktober dauerte. Von 119 untersuchten Spurenstoffen wurden in den vier Bächen insgesamt 72 Stoffe nachgewiesen. Pestizide machten dabei die grösste Gefahr aus. Von zehn Stoffen, die die ökotoxikologisch basierten Grenzwerte überschritten, waren neun Pestizide und einer die Industriechemikalie PFOS. Diese Ergebnisse bestätigen eine Untersuchung, die 2018 in fünf anderen kleinen Fliessgewässern im Kanton durchgeführt wurde. Im laufenden Jahr wird eine weitere Messkampagne mit dem Schwerpunkt auf Mikroverunreinigungen durchgeführt.

In die Bäche wird kein Abwasser eingeleitet, aber ihre Einzugsgebiete sind von landwirtschaftlicher Nutzung geprägt. Die Analysen zeigten zum Teil schwerwiegende ökologische Defizite. Die Untersuchungen sollen dazu beitragen, im Dialog mit den Landwirten die Situation zu verbessern. Das AWE will die Landwirte mithilfe dieser Messkampagnen für einen sehr sorgsamen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sensibilisieren. Der Handlungsbedarf ist gross. Dank der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft zeichneten sich erste Erfolge ab.

Gewässer zeigen biologische Defizite

Das AWE richtet sein Augenmerk seit 2011 verstärkt auf die kleinen Fliessgewässer. Bei den regelmässigen Untersuchungen kommen auch biologische Methoden zum Einsatz. Der Zustand der Gewässer lässt sich unter anderem am Vorkommen von wirbellosen Tieren in den Bächen messen. Manche dieser wirbellosen Tiere reagieren besonders empfindlich auf Belastungen des Wassers und sind eine wichtige Lebensgrundlage für viele Fische. Rund 60 Prozent der bisher über 70 biologisch beurteilten Bäche befanden sich nicht in einem guten Zustand. Sie erfüllten die ökologischen Anforderungen der Gewässerschutzverordnung nicht.

Belastung durch Nährstoffe hat abgenommen

Positiv entwickelt hat sich der Zustand der grösseren Flüsse. Dank des kontinuierlichen Ausbaus der Kläranlagen sank der Eintrag von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor deutlich. 2002 waren die Phosphatkonzentrationen an den 14 langfristig beobachteten Gewässern noch in 28 Prozent der Messungen zu hoch. 2019 wurden sie nur noch bei acht Prozent überschritten. Auch die Nitratkonzentration in den grossen Flüssen hat in den letzten Jahren abgenommen. «Unsere Sorgenkinder», erklärt Vera Leib, «sind derzeit die kleinen Fliessgewässer. Die Belastung mit Mikroverunreinigungen macht ihnen zu schaffen. Die Ergebnisse unserer Untersuchungen sind ernst und erfordern Massnahmen.»

Gewässerqualität ist häufig ungenügend. Video auf youtube, Kanton St. Gallen

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Heidis Frage am Montag

30. März 2020

30.3.20 HOME

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