Posts Tagged ‘Landwirtschaft’

Der Traum von einer pestizidfreien Schweiz – ein Schmetterlingstraum?

27. Oktober 2017
Fast täglich treffen bei Future 3.0 solche Kisten mit ausgefüllten Unterschriftenbogen ein.

Fast täglich treffen bei Future 3.0 solche Kisten mit ausgefüllten Unterschriftenbogen ein.

Derweil sterben Schmetterlinge, Bienen ... Boden- und Wasserlebewesen. Wir schauen zu und lesen die traurigen Statistiken.

Derweil sterben Schmetterlinge, Bienen … Boden- und Wasserlebewesen. Wir schauen zu und lesen die traurigen Statistiken.

Einst schwärmten viele von der Integrierten Produktion, d.h. Pestizide als letztes Mittel, wenn alle anderen Massnahmen versagen. Davon ist heute wenig zu spüren, denn die Pflanzenschutzmittel sind billig und bequem.

Einst schwärmten viele von der Integrierten Produktion, d.h. Pestizide als letztes Mittel, wenn alle anderen Massnahmen versagen. Davon ist heute wenig zu spüren, denn die Pflanzenschutzmittel sind billig und bequem.

In Bundesbern sinieren Parlementarierinnen und Beamte lieber über Geld- und Goldzuwachs, denn über Biodiversität und sauberes Wasser. Eine nicht zukunftsfähige Strategie!

In Bundesbern sinieren Parlementarierinnen und Beamte lieber über Geld- und Goldzuwachs, denn über Biodiversität und sauberes Wasser. Eine nicht zukunftsfähige Strategie!

In Frankreich sind synthetische Pestizide seit Anfang 2017 in Gärten und Grünflächen, die dem Staat gehören, verboten. Ab 1.1.19 gilt das Verbot auch für Privatgärten. Zudem sind in der Landwirtschaft Bestrebungen im Gange, den Einsatz von Pestiziden massiv einzuschränken, z.B. durch ein Verbot von Glyphosat innerhalb der kommenden fünf Jahre. Zwei Forscher des INRA (Institut national de la recherche agronomique) wiesen bereits 2016 darauf hin, dass die Kosten des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln höher sein könnten als ihr Nutzen. Und vor fünf Jahren haben die französischen Bauern erwirkt, dass Parkinson-Erkrankungen durch Pflanzenschutzmittel als Berufskrankheit anerkannt werden.

Die Initianten der Volksinitiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide (Future 3.0) wollen nicht nur den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft einschränken, sondern auch jenen im öffentlichen Raum und in den Privatgärten. Das Ziel soll durch klare Verbote erreicht werden und Vorgaben für den Import von Nahrungsmitteln. Eine Übergangsfrist von maximal zehn Jahren ist vorgesehen.

Diese Initiative ergänzt somit ideal die Trinkwasser-Initiative, welche auf Freiwilligkeit und Entzug von Direktzahlungen beruht, aber dafür weitere Ziele anstrebt (Antibiotikareduktion, Biodiversitätserhaltung, betriebseigene Futterbasis).

Kollaps der Insektenbiomasse

Der Zusammenbruch der Insektenpopulationen in Europa während der letzten drei Jahrzehnte wurde nun wissenschaftlich nachgewiesen. George Monbiot schrieb am 20.10.17 im Guardian, dass die Auswirkungen der Landwirtschaft schlimmer seien als die Klimaveränderung, ohne aber letztere herunterspielen zu wollen.

Caspar Bijleveld, Direktor des Papiliorama in Kerzers FR, ist sehr beunruhigt über diesen Rückgang der Insektenbiomasse, welchen er seit zwei Jahrzehnten anprangert: „Wird die heutige Entwicklung nicht eingedämmt, werden wir in den nächsten Jahrzehnten noch einmal 75 Prozent der verbliebenen 25 Prozent verlieren. Ein Phänomen, welches sich sogar noch beschleunigen könnte, da durch die immer geringere Populationsdichte die Fortpflanzungsfähigkeit der Insekten zusätzlich vermindert werden könnte.“

Papiliorama unterstützt Future 3.0

Der Verlust der Insekten ist ein point of no return, welchen man sich besser nicht vorstellt. Deshalb engagiert sich Caspar Bijleveld mit der Stiftung Papiliorama für das Zusammentragen von Unterschriften für die Initiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide. Nicht alleine aus Liebe zu den Insekten, sondern vor allem aus Verantwortungsgefühl gegenüber den kommenden Generationen.

Unterschreiben auch Sie!

Während die Trinkwasser-Initiative daran ist, die eingegangenen 100’000 Unterschriften durch zusätzliche 10’000 bis 15’000 zu sichern, hat die Initiative der französisch sprechenden Initianten die Hälfte der Unterschriften beisammen. Es braucht also noch mehr. Heidi ruft Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu auf, Future 3.0 zu unterstützen, am besten durch Ihre Unterschrift und eine Spende. Vielleicht sammeln Sie auch weitere Unterschriften bei Verwandten und Bekannten? Zahlreiche Umweltorganisationen und die Fischer haben bereits dazu aufgerufen, die beiden Volksinitiativen zu unterstützen, wo doch Bern schläft!

Die Schweiz – einst Vorbild in der Umweltschutzgesetzgebung – droht zur eisernen Hüterin der Industrie zu werden. Faule Kompromisse zulasten der Umwelt mehren sich.

Unterschreiben: Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Spenden: Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Manifest der Schweizerinnen und Schweizer, welche die Initiative
«Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide » unterstützen

Unterschreiben: Trinkwasser-Initiative

Spenden: Trinkwasser-Initiative

Jardin: les pesticides «chimiques» interdits dans 2 ans, Le Figaro vom 5.2.17

Frankreich: Parkinson als Berufskrankheit anerkannt, agrarheute vom 16.5.12

Frankreich will Pflanzengift Glyphosat verbieten, Zeit online vom 25.9.17

Kollaps der Insektenbiomasse, Papiliorama

Insectageddon: farming is more catastrophic than climate breakdown, George Monbiot, The Guardian.

Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen? Heidis Mist 23.3.16

Wasserleben: Das leise Sterben

19. August 2017
Roman Wiget, Wasserversorger und Präsident der internationalen <a href="http://www.awbr.org/" target="_blank" rel="noopener">Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR)</a>, ist besorgt um das Trinkwasser ... Copyright: Pro Natura.

Roman Wiget, Wasserversorger und Präsident der internationalen Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR), ist besorgt um das Trinkwasser … Video „Das leise Sterben“. Copyright: Pro Natura.

... und setzt sich für eine Zukunft mit sauberem Trinkwasser ein. Copyright: Pro Natura.

… und setzt sich für eine Zukunft mit sauberem Trinkwasser ein. Copyright: Pro Natura.

Markus Arn von Pro Natura zeigt im Video Das leise Sterben mit klaren Bildern und Worten die Belastung unserer Gewässer mit Pestiziden auf. Die Verschmutzung ist teilweise so hoch, dass sie für Wasseroganismen tödlich sein kann. Aber auch für die Menschen sind die Pestizide eine Gefahr. Pro Natura fordert eine deutliche Anwendungsreduktion dieser Mitteln in der Landwirtschaft.

Die Probleme sind auf dem Tisch, nun gilt es endlich zu handeln. Auch wenn man gut informiert ist, lohnt es sich, den sechsminütigen Film anzuschauen.

Pestizide in Schweizer Bächen – Video «Das leise Sterben»

Am 26./27. August 2017 entscheidet der Delegiertenrat von Pro Natura, ob die Naturschutzorganisation die folgenden Volksinitiativen unterstützen wird:

Trinkwasser-Initiative

Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Trinkwasser-Initiative

Stand der Unterschriftensammlung: 70’118 Unterschriften! Heidi gratuliert Franziska Herren und ihren MitstreiterInnen.

Greenpeace ist die erste Umweltorganisation, welche die Trinkwasser-Initiative offiziell unterstützt: „Nein, unsere Landwirtschaft ist nicht die ökologischste der Welt. Sie könnte es aber werden, denn die Voraussetzungen in der Schweiz sind ideal. Die Trinkwasser-Initiative packt den Stier an den Hörnern und verdient deshalb unsere Unterstützung.“

Die Zeit für eine echte ökologische Landwirtschaft ist reif, Philippe Schenkel, Greenpeace 18.8.17

Unterschriften für die Trinkwasser-Initiative werden auch auf der Plattform Wecollect gesammelt.

Volksinitiative für sauberes Trinkwasser – Trinkwasser ohne Pestizide und Antibiotika

Heidis Wunsch

Schauen Sie hin, wo viele wegschauen, und unterschreiben Sie die zwei Volksinitiativen!

Nachtrag vom 21.8.17

Die Umweltschutz-, Tierschutz- und Fairtrade-Organisation fair-fish hat bereits im Mai dazu aufgerufen, die beiden Initiativen zu unterstützen: Kampagne für sauberes Wasser: Meer ohne Müll. Desgleichen der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) im Juni: Pestizide: Die Fischer haben die Nase voll!

...

So weit darf es nicht kommen! Copyright: Pro Natura.

So weit darf es nicht kommen! Copyright: Pro Natura.

19.8.17 HOME

Toleranz des Gesetzgebers bewirkt anhaltend hohe Pestizidbelastung in kleinen Bächen

4. April 2017
Pestizidmix: Marion Junghans vom Oekotoxzentrum fasst zusammen: «Der laufend ändernde Mix vieler Stoffe in problematischen Konzentrationen und die lang anhaltend hohen Risiken lassen den Organismen in vielen Fällen keine Erholungszeit.»

Pestizidmix: Marion Junghans vom Oekotoxzentrum fasst zusammen: «Der laufend ändernde Mix vieler Stoffe in problematischen Konzentrationen und die lang anhaltend hohen Risiken lassen den Organismen in vielen Fällen keine Erholungszeit.»

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass ein Grossteil der Bäche im Schweizer Mittelland und im Wallis stark mit Pestiziden belastet ist. Der Gesetzgeber kapituliert vor seinen eigenen Gesetzen, denn die vorgegebenen Anforderungswerte werden kaum je eingehalten. Heute, 4.4.17, hat die Eawag dazu neue Resultate veröffentlicht. Die Situation ist offenbar noch dramatischer als bisher angenommen.

Dies schreibt der Verein Sauberes Wasser für alle in der Medieninformation von heute. Weiter heisst es: 128 verschiedene Wirkstoffe aus Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbau wurden in den Proben der Gewässer nachgewiesen, 61 Herbizide, 45 Fungizide und 22 Insektizide. In keinem der untersuchten Bäche wurde die Anforderung der Gewässerschutzverordnung (≤0,1 μg/L) eingehalten. Von einzelnen Substanzen wurden Konzentrationen bis 40 μg/L festgestellt. Kurzzeitige Spitzen dürften noch höher liegen, denn alle Proben wurden mindestens über einen halben Tag gemittelt. Solche Konzentrationen schädigen die Wasserorganismen akut.

Kapitulation vor dem Gesetz, getarnt als Aktionsplan

Mit einem Aktionsplan verspricht der Bundesrat, die Probleme des exzessiven Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft anzugehen. Doch was die Bundesämter in ihrem Entwurf vorgeschlagen haben, wird nach ihren eigenen Angaben nicht einmal die Einhaltung der Umwelt­gesetzgebung sicherstellen. Weiterhin werden dadurch massive Überschreitungen der An­for­derungs­werte toleriert werden. Konkret bedeutet das: bis 2026 sollen diese Gesetzes­überschreitungen lediglich halbiert werden.

Der Bund weiss offenbar selber, dass sein Aktionsplan viel zu wenig griffige Massnahmen enthält, so dass damit nicht einmal das bestehende Umweltgesetz eingehalten werden kann. Mit dieser Kapitulation vor dem Gesetz zeigt sich die unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber Natur, Menschen und Tieren.

Wir subventionieren unsere eigene Wasserverschmutzung

Die konventionelle Landwirtschaft, die an keine Abwasserreinigungsanlage angeschlossen werden kann, wird mit Milliarden von Subventionen unterstützt und gefährdet mit ihrem exzessiven Gebrauch von Pestiziden die Gewässer und somit auch die Trinkwasserqualität. Die Schweizer Bevölkerung subventioniert ihre eigene Wasserverschmutzung und gefährdet damit ihre Gesundheit! So darf es nicht weitergehen.

Die «Initiative-für-sauberes-Trinkwasser» löst nicht nur das Pestizid-Problem

Es braucht Druck aus der Öffentlichkeit, damit sich die Politik endlich bewegt. Die am 22.3.17 lancierte Trinkwasserinitiative kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie ist ein unumgänglicher Schritt zum Schutze unseres Trinkwassers und der Nahrungsmittel vor Pestiziden und Antibiotika. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, muss bis 21.9.18 mit 100‘000 Unterschriften eingefordert werden.

Weitere Verwässerung Gewässerschutz

Heidi meint: nicht nur werden die Gesetzte nicht eingehalten, sondern sie werden laufend verwässert. Neuestes Beispiel: Die Kantone dürfen ab 1.5.17 frei entscheiden, was sie unter „sehr kleinen Gewässern“ verstehen und ob sie für diese einen Gewässerraum ausscheiden wollen oder nicht. Zur Erinnerung: Der Innerschweizer Bauernbund zählt Gewässer bis 2 m Breite zu den „sehr kleinen“, siehe Bauern fordern: Kein Gewässerraum für 80% der Bäche, Heidis Mist vom 19.8.16.

«Petri-Heil» Mitinitiant der Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“

„… Die vom «Petri-Heil» mitinitiierte Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ist nötiger denn je, denn durch aktives Lobbying wird vom «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von synthetischen Pestiziden» nicht viel zu erwarten sein. Zu gross das milliardenschwere Geschäft mit den Vernichtungsmitteln, die Jahr für Jahr in unsere Umwelt gepumpt werden und die auch nicht aufhören zu wirken, wenn sie in unsere Gewässersysteme gelangt sind! … Toxischer Pestizidcocktail in unsern Gewässern! «Petri-Heil» vom 4.4.17.

Links

Dank hoher Toleranz des Gesetzgebers: Pestizidgetränkte Schweizer Bäche, Rückfragen/Kontakt zur Medieninformation Verein Sauberes Wasser vom 4.4.17: Verein Sauberes Wasser für alle, c/o Franziska Herren, Oeleweg 8, 4537 Wiedlisbach, T  032 636 14 16, N 079 829 09 19, Info@sauberes-wasser-für-alle.ch

www.initiative-für-sauberes-trinkwasser.ch

Anhaltend hohe Pestizidbelastung in kleinen Bächen, Medieninformation Eawag vom 4.4.17.

Hohe PSM-Belastung in Schweizer Bächen, Fachartikel Aqua & Gas[pdf, 3.9 MB]

Hohe Ökotoxikologische Risiken in Bächen, Fachartikel Aqua & Gas[pdf, 3.6 MB]

Kritik am Aktionsplan Risikoreduktion Pflanzenschutzmittel des Bundes, Heidis Mist, 2.10.16.

Fluopyram: sicher keine Gefahr für Mensch und Umwelt? Heidis Mist, 21.10.15.

Manifest Future 3.0

4.4.17 HOME

 

Wer denkt schon ans Grundwasser? Man sieht’s ja nicht!

3. März 2017
Kurt: "Nicht nur im Bündnerland sind sie zu finden, die Grüselbauern. Foto von der MOB Eisenbahn aus aufgenommen zwischen Château d'Oex VD und Saanen BE." Mist quillt über die Mauer auf die Bahnböschung, und der Sickersaft fliesst von diesem Platz vermutlich hindernisfrei in die angrenzende Wiese. Copyright: Kurt M.

Max: „Nicht nur im Bündnerland sind sie zu finden, die Grüselbauern. Foto von der MOB Eisenbahn aus aufgenommen zwischen Château d’Oex VD und Saanen BE.“ Mist quillt über die Mauer auf die Bahnböschung, und der Sickersaft fliesst von diesem Platz vermutlich hindernisfrei in die angrenzende Wiese.

Das Grundwasser ist fast nur negativ in den Schlagzeilen, dann nämlich, wenn verschmutztes Wasser irgendwo aus dem Hahnen fliesst. Hingegen ist die Vorsorge kaum ein Thema, obwohl ausreichende Trinkwassermengen und tadellose Qualität nicht selbstverständlich sind, auch in der Schweiz nicht. Folgende Geschichte hat kürzlich ein Kollege Heidi erzählt:

„Der Verantwortliche für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde stellte Fäkalkeime im Grundwasser fest. Auf der Suche nach der Ursache kam unser Haus ins Visier. Sie gruben in unseren Garten. Die Überraschung war gross. Zwei Röhren der Abwasserleitung waren beim Bau nicht korrekt zusammengefügt worden. Ein Baumangel! Das Problem war schnell behoben. Doch wie kommt es, dass die Keime erst nach so vielen Jahren das Grundwasser erreichten?“

Stoffe, welche das Grundwasser verschmutzen können, versickern je nach ihren Eigenschaften und der Art und Mächtigkeit des Bodens unterschiedlich schnell. Probleme bemerkt man daher oft erst nach langer Zeit. Je nach Ausmass der Verschmutzung kann es nach dem Beheben der Ursachen Jahre oder gar Jahrzehnte dauern bis das Grundwasser wieder als Trinkwasser verwendet werden kann.

Trinkwasser zunehmend unter Druck

Der Schwerpunkt der Publikation umwelt 1/2017 des Bundesamts für Umwelt (Bafu) ist die Wasserqualität. Den drängendsten Herausforderungen der Trinkwasserversorgung ist der Artikel Trinkwasserinfrastruktur: «Wir fühlen uns um die Früchte unserer Arbeit gebracht» gewidmet. Wie lassen sich Trinkwasserressourcen und -infrastrukturen für die nachfolgenden Generationen sichern? Drei Experten diskutieren und schlagen Lösungen vor.

Michael Schärer, Sektionschef Gewässerschutz, Bafu, sieht grossen Handlungsbedarf bei der langfristigen Sicherung der Ressource Wasser. Durch das Siedlungswachstum seien viele Trinkwasserfassungen und ihre Schutzzonen aufgehoben worden, oder sie seien gefährdet, weil Verkehrsträger oder Abwasserleitungen den Schutzzonenbereich durchlaufen. Im Nationalen Forschungsprogramm NFP 61 Nachhaltige Wassernutzung sei aufgezeigt worden, dass die Nutzungskonflikte für die Zukunft der Trinkwasserversorgung der kommenden Jahrzehnte bedeutender seien als die Folgen des Klimawandels.

Dass die Nutzungskonflikte zunehmen, das bestätigt auch Martin Sager, Direktor des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfachs (SVGW): „Wo ökonomische Interessen überwiegen, wird auch mal eine Fassung geopfert. Das geht umso einfacher, wenn Schutzzonen nicht oder nicht rechtskräftig ausgeschieden sind.“

Besser planen und schützen

Wie so oft fehlt es nicht an Werkzeugen. Michael Schärer: „Planerische Instrumente zur Sicherung der Trinkwasserressourcen existieren in der Gewässerschutzgesetzgebung, nun müssen sie aber auch in die Raumplanung integriert werden.“

Die rechtlich-planerische Sicherung garantiere aber noch nicht, dass die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser gewährleistet sei, sagt Martin Sager: „So fordert unser Verein beispielsweise ein Verbot von wassergefährdenden Stoffen in den beiden inneren Grundwasserschutzzonen. Betroffen wären davon lediglich 1,2% der landwirtschaftlichen Nutzfläche.“

Die Landwirtschaft stehe ganz klar in der Pflicht, meint auch Heinz Habegger, Geschäftsführer und Inhaber von Water Excellence AG: „Wir Siedlungswasserwirtschaftler fühlen uns um die Früchte unserer Arbeit gebracht, wenn über die Oberflächengewässer Nährstoffe, Pflanzenschutzmittel und Antibiotika ins Grundwasser gelangen.“

Für kleine Trinkwasserversorger ist es nicht einfach, den Zustand ihres Leitungsnetzes präzis zu erfassen und eine saubere Planung zu erstellen. Handlungsbedarf gibt es daher bei einigen Gemeinden. Die Infrastruktur ist grösstenteils, unsichtbar für die EinwohnerInnen, im Untergrund. Politische Lorbeeren könne man sich auf diesem Terrain nicht holen, meint Heinz Habegger: „Insgesamt aber sind wir punkto Werterhaltung im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt.“

Grundwasser: öffentliche Diskussion nötig

Das Grundwasser wird durch viele menschliche Tätigkeiten bedroht. Wer weiss schon, was unter unseren Füssen mit dem Wasser geschieht? Martin Sager: „Es ist ein schleichender Prozess, was die Sache umso tückischer macht. In der Öffentlichkeit und der Politik ist das Thema Ressourcenschutz noch nicht angekommen.“ Dies gilt es zu ändern, meint Heidi.

Ausführliche Informationen siehe Trinkwasserinfrastruktur: «Wir fühlen uns um die Früchte unserer Arbeit gebracht», umwelt 1/2017, Bafu.

3.3.17 HOME

Heidis Wort zum Sonntag: Schadstoff-Recycling

17. Juli 2016
Im Sommer 2015 wurde den Bauern zum Teil verboten, Wasser für die Bewässerung aus Bächen zu pumpen, weil der Wasserstand tief war.

Im Sommer 2015 wurde den Bauern zum Teil verboten, Wasser für die Bewässerung aus Bächen zu pumpen, weil der Wasserstand tief war.

Wir SchweizerInnen sind TOP im Recycling. Spätestens seit 14.7.16 ist klar: Wir recyclieren auch Schadstoffe. Unter dem Titel Grosse Defizite beim biologischen Zustand der Schweizer Fliessgewässer informierte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) über Ergebnisse der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) 2011–2014: „… Die Qualität des Gewässer-Ökosystems ist also an mindestens 30 Prozent der betrachteten Messstandorte erheblich beeinträchtig … Besondere Aufmerksamkeit muss dabei den kleinen Fliessgewässern gewidmet werden. Sie machen 75% des Gewässernetzes aus und sind wichtig für die Biodiversität …“

Aus dem Fazit des ausführlichen Berichts: „… Der Gewässerzustand an den NAWA-Messstellen wurde tendenziell umso schlechter bewertet, je höher der Abwasseranteil sowie der Siedlungs- und intensiven Landwirtschaftsflächenanteil im Einzugsgebiet oder je schlechter der ökomorphologische Zustand sind …“

Die Landwirtschaft braucht Wasser aus Bächen zum Bewässern. Also gelangen Schadstoffe aller Art auf die Felder und in den Boden. In Jahren mit geringen Niederschlägen wie 2015 ist die Konzentration bedeutend höher. So recyclieren die Bauern Schadstoffe der Zivilisation und Pflanzenschutzmittel. Das richtige Mittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

17.7.16 HOME

Sorgloser Umgang mit dem Wasser, z.B. Engadin

25. April 2016
Das Engadin ist niederschlagsarm. Die beschränkten Wasserressourcen müssen daher in ihrer Güte und Menge besser geschützt werden.

Das Engadin ist niederschlagsarm. Die beschränkten Wasserressourcen müssen daher in ihrer Güte und Menge besser geschützt werden.

Ein Tourist ist beeindruckt vom Rauschen des Inns, vom herrlichen Kunstschnee auf den Pisten, er liebt das quellfrische Wasser aus dem Hahn, freut sich über die saftig grünen Wiesen im Sommer und die plätschernden Brunnen, welche einst Zentrum des Dorflebens im Engadin waren.

Doch ein Expertenblick sieht mehr. Der Wasserfachmann Klaus Lanz hat das Wasser im Engadin im Auftrag des WWF Schweiz untersucht und seine Studie über Nutzung, Ökologie und Konflikte an den Wassertagen Engadin Scuol 2016 vorgestellt. Er formulierte zahlreiche Empfehlungen für eine Wasserwirtschaft mit Zukunft. Heidi hat die wichtigsten Punkte herausgepickt.

Das höchst wertvolle Gut „Wasser“ zu erhalten, es intelligent und schonend zu nutzen ist das oberste Ziel wasserwirtschaftlicher Planung.

Der Naturraum Engadin

Das Engadin ist eines der höchstgelegenen bewohnten Täler Europas, 1600 bis 1800 m ü.M. Trotzdem sind die Niederschlagsmengen gering, durchschnittlich 1138 mm pro Jahr. Dies prägt die Landschaft. Im Sommer verdunstet im Talgrund deutlich mehr Wasser als durch Regen nachgeliefert wird. Besonders wenig Niederschlag erhält das Unterengadin. 70 bis 80% der Jahresabflüsse werden dort durch Schnee gespiesen.

Mit steigender Schneefallgrenze durch die Klimaerwärmung fliesst mehr Wasser im Winter direkt ab und fehlt dann im Sommer und Herbst. Der Anteil des Gletscherschmelzwassers ist gering und geht laufend zurück.

Die Wasserressourcen im Engadin sind kaum dokumentiert. Mit den wenigen verfügbaren Daten lässt sich keine Strategie der Gewässernutzung entwickeln. Eine solche ist aber nötig, um Versorgungsengpässen vorzubeugen, denn die negativen Auswirkungen von Wassermangel auf Tourismus, Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft usw. sind sehr hoch.

Daten zur Trinkwasserversorgung fehlen

Die Engadiner Gemeinden müssen ihre Trinkwasserquellen untersuchen und besser schützen. Wann fällt wie viel Wasser an? Sind die Quellen vor Verschmutzungen ausreichend geschützt?

Die Engadiner Gemeinden müssen ihre Trinkwasserquellen untersuchen und besser schützen. Wann fällt wie viel Wasser an? Sind die Quellen vor Verschmutzungen ausreichend geschützt?

Der Trinkwasserverbrauch aus dem öffentlichen Netz wird nur an wenigen Orten gemessen, denn die Kosten der Wasserversorgung werden überwiegend pauschal auf der Basis von Wohnungsfläche und Nutzungsart (Wohnen, Gewerbe) abgerechnet. Es besteht kein Anreiz zum Wassersparen. Über die Ursachen von hohem Wasserverbrauch kann nur spekuliert werden. Netzverluste? Hoher Privat- oder Hotellerieverbrauch? Gewerbe? Beschneiung? Strategische Planung ist so nicht möglich. Die Einführung von Verbrauchsmessungen ist zentral.

Das Trinkwasser stammt grösstenteils aus hochgelegenen Quellen. Stark touristisch orientierte Gemeinden mit extremem Spitzenverbrauch (auch für die Beschneiung) haben Grundwasserpumpwerke eingerichtet, einzelne werden nur sporadisch gebraucht. Das Unterengadin ist arm an Grundwasser. Aus Qualitätsgründen kommt Bachwasser als Trinkwasser nirgends zum Einsatz.

Meist unbekannt ist die Ergiebigkeit der Quellen, desgleichen die jahreszeitlichen Schwankungen des Anfalls von Quellwasser. Dies ist besonders bedenklich, da die Schüttungsmengen viel aussagen über die Qualität des Wassers. Starke Schwankungen weisen darauf hin, dass die Quelle erheblich von Niederschlägen beeinflusst ist und somit auch der Verschmutzungsgefahr durch umliegende Flächen ausgesetzt. Kontinuierliche Messungen von Abfluss und Wassertemperatur sind für eine sichere Versorgung mit Trinkwasser erforderlich.

Der Quellschutz ist längst nicht überall gewährleistet. In jedem Fall sollte die unmittelbare Quellumgebung vorsorglich freigehalten werden von Weidetieren, Wanderwegen und anderen potenziellen Schadstoffverursachern. Auch muss der bauliche Zustand der Quellfassungen kontrolliert und optimiert werden.

Im Talgebiet wird der Schutz des Grundwassers immer anspruchsvoller. Die Siedlungen wachsen bis unmittelbar an die Schutzzone. In Samedan befindet sich die Grundwasserfassung gar inmitten eines Golfplatzes, wo Pestizide und Dünger ausgebracht werden. In dieser Ebene befindet sich auch der Flugplatz mit Gefahrenpotential Treibstoff und Enteisungsmittel. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, dass die Orte, an denen gutes und reichliches Trinkwasser gewonnen werden kann, im Engadin seltener werden.

Zahlreich sind die zu treffenden Massnahmen, welche für die Bewirtschaftung und Sicherung des Trinkwassers nötig sind. Die Trinkwasserversorgung soll klar organisatorisch, technisch und ökonomisch von den übrigen Nutzungen getrennt werden, um so Konkurrenz durch Beschneiung, Bewässerung (Landwirtschaft und Gärten) usw. zu vermeiden.

Zielkonflikte zwischen verschiedenen Wassernutzungen werden sich in Zukunft akzentuieren, z.B. Bewässerung in der Landwirtschaft und natürliche Gewässerökologie.

Zielkonflikte zwischen verschiedenen Wassernutzungen werden sich in Zukunft akzentuieren, z.B. Bewässerung in der Landwirtschaft und natürliche Gewässerökologie.

Zunahme der Bewässerung in der Landwirtschaft

Das Wasser für die Bewässerung wird meist lokalen Bergbächen entnommen. Dafür braucht es eine Bewilligung des Kantons, die auch die Restwassermengen festlegt. Die Wasserentnahme-Mengen sind nicht bekannt. Doch wurden da und dort neue Bewässerungssysteme gebaut und die bewässerten Flächen bei dieser Gelegenheit in der Regel erweitert. Die eingesetzte Wassermenge dürfte im letzten Jahrzehnt deutlich zugenommen haben.

Zweck der Bewässerung von Wiesen ist die Sicherung der Futtererträge, wenn zu wenig Regen fällt. Eine Steigerung der Erträge ist nicht erlaubt. Mehrjährige Untersuchungen der Vegetation im Unterengadin belegen aber, dass mit der Bewässerung eine Intensivierung der Bewirtschaftung einhergegangen ist. Dies betrifft vor allem tief gelegene, wenig steile und siedlungsnahe Lagen. Die Bauern schneiden früher und häufiger.

Es ist zu erwarten, dass mit steigender Schneefallgrenze und stärkerer Verdunstung im Sommer der Bewässerungsbedarf weiter steigt. Bei Trockenheit darf der Hauptfischereiaufseher eine höhere Bachwasserentnahme bewilligen als zu Normalzeiten, und er darf das Unterschreiten der vom Kanton verfügten Mindestrestwassermenge gestatten. Dies ist für das Leben in den Gewässern problematisch. Zudem steigt die Temperatur im Wasser zusätzlich, was negative Auswirkungen auf die Lebewesen hat.

Zahlreiche Massnahmen werden empfohlen, wie Analyse des Wasserverbrauchs, ertragssichernde statt -steigernde Praktiken beachten, sparsame Wasserausbringung, Regen- und Schmelzwassersammlung, Bewässerungswasser aus Kraftwerksstauseen usw.

Starke Wasserkraftnutzung – unrentable Kleinkraftwerke

Das Kleinkraftwerk Tasnan ist nur dank KEV rentabel. Die Veränderung des Bachs ist aber schädlich für das Wasserleben und beeinträchtigt die Landschaft. Gemäss Planung der Bergbahnen Motta Naluns soll ein erheblicher Teil des für die Stromgewinnung gefassten Wassers für die Beschneiung der Skipisten in Scuol verwendet werden.

Das Kleinkraftwerk Tasnan ist nur dank KEV rentabel. Die Veränderung des Bachs ist aber schädlich für das Wasserleben und beeinträchtigt die Landschaft. Gemäss Planung der Bergbahnen Motta Naluns soll ein erheblicher Teil des für die Stromgewinnung gefassten Wassers für die Beschneiung der Skipisten in Scuol verwendet werden.

Der Inn und seine Nebenflüsse werden erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts intensiv für die Produktion von Energie genutzt. 70% der Engadiner Wasserkraft liefert das zweitgrösste Kraftwerk der Schweiz, die Zentrale Pradella in Scuol.

In jüngster Zeit wurden zahlreiche Nebenflüsse des Inns mit Kleinkraftwerken verbaut, nur noch wenige grössere Seitenbäche sind nicht energetisch genutzt. Und es geht in diesem Stil weiter, obwohl die Kleinkraftwerke wegen ihrer geringen und saisonal ungünstigen Stromausbeute unrentabel sind. Theoretisch! Aber unser kurzsichtiges Parlament hatte hohe Subventionen für Kleinkraftwerke gesprochen, deshalb sind diese dank kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) für die Gemeinden attraktiv.

Die neuen Kleinkraftwerke Suscasca, Lavinuoz und Tasnan erhöhen die Stromausbeute nur minimal, verschlechtern aber die Gewässerökologie und das Landschaftsbild stark. Angesichts des geringen Nutzens sollten die letzten Wildbäche im Engadin unverbaut erhalten bleiben.

Weitere Probleme, welche zu lösen sind: Restwassermengen sichern, Schwall-Sunk-Effekt verringern, Wehranlagen in Bezug auf die Durchgängigkeit für Fische und den Geschiebehaushalt sanieren.

Kunstschnee: Der Durst nach Wasser ist grenzenlos!

Ziel sollte es sein, Schneekanonen gezielt und möglichst naturschonend einzusetzen. Zu beachten ist zudem die Verfügbarkeit von Wasser am jeweiligen Ort.

Ziel sollte es sein, Schneekanonen gezielt und möglichst naturschonend einzusetzen. Zu beachten ist zudem die Verfügbarkeit von Wasser am jeweiligen Ort.

Das Wasser von hochgelegenen Bächen und Quellen in den Skigebieten reicht in den meisten Fällen für die Beschneiung nicht aus. Das Wasser muss dann mit hohem Energieeinsatz und entsprechenden Kosten mehrere hundert Höhenmeter in die Beschneiungsgebiete hinaufgepumpt werden. Deshalb wurden in St. Moritz, Pontresina, Scuol und Samnaun Speicherseen in grosser Höhe gebaut. Diese speisen sich jedoch nur teilweise aus dem Schmelzwasser der Einzugsgebiete, so dass sie in der Regel mit Wasser aus tieferen Lagen gefüllt werden müssen.

Heute ist die durchgehende Beschneiung ganzer Abfahrten Standard, so dass auch bei völligem Ausbleiben von Schneefällen Wintersport möglich ist. Dies erfordert enorme Wassermengen in relativ kurzer Zeit. Das Hauptproblem der Beschneiung ist ein schlecht definierter, nach oben praktisch unbegrenzter Wasserbedarf. Je mehr Wasser zur Verfügung steht, desto mehr wird eingesetzt. Auch Trinkwasserquellen werden für die Beschneiung genutzt.

Jeder Wasserbezug hat ökologische und landschaftliche Folgen und ist mit Einschränkungen anderer Nutzungen verbunden. Die Bündner Behörden haben keinen Überblick über die Beschneiungs-Infrastrukturen und die Ressourcennutzung. Umnutzung von Trinkwasseranlagen zugunsten der Beschneiung werden dem Kanton von den Gemeinden nicht gemeldet, obwohl dies gemäss Art.6, Abs. 2 der Verordnung des EDI über Trink-, Quell- und Mineralwasser vorgeschrieben wäre. Seit einigen Jahren werden Beschneiungsleitungen auch nicht mehr im Wasserversorgungsatlas des Bundes erfasst.

Die Wasserressourcen und die Finanzmittel für Wintersportinfrastrukturen sind knapp. Ohne regionale Kooperation und Koordination ist ein langfristig effizienter Einsatz kaum zu verwirklichen. Dazu braucht es Daten und klare Ziele. Diese fehlen heute.

Unerwünschte Folgen des Hochwasserschutzes

Die Revitalisierung der Inn-Auen bei Bever dient dem Hochwasserschutz und der Natur.

Die Revitalisierung der Inn-Auen bei Bever dient dem Hochwasserschutz und der Natur.

Den stärksten Einfluss auf die Gewässer des Engadins üben die Bauten aus, welche der Nutzung der Wasserkraft und dem Hochwasserschutz dienen. Auenwälder wurden vom Fluss abgeschnitten, 115 grössere Fischwanderhindernisse im Rahmen des Hochwasserschutzes gebaut usw. Das Wasserbaugesetz, Art. 4, Abs. 2, schreibt vor, dass in Zukunft Hochwasserschutz möglichst gewässerschonend und naturnah ausgeführt werden muss; laut Gewässerschutzgesetz sollen die Gewässer ausreichend Raum haben.

Hochwassergefährdete Flächen dürfen konsequent nicht mehr überbaut werden. Die Chancen von Hochwasserschutz verbunden mit Revitalisierung gilt es dort zu ergreifen, wo das Kosten-Nutzen-Verhältnis gut ist. Zahlreiche Hochwasserverbauungen sind baldmöglichst nach den ökologischen Vorgaben des Wasserbaugesetzes zu sanieren.

Wasser im Engadin

Der ausführliche Bericht ist abrufbar unter: Klaus Lanz 2016: Wasser im Engadin – Nutzung, Ökologie, Konflikte, Studie im Auftrag des WWF Schweiz, Evilard.

Ökostrom aus den letzten Bergbächen, Heidis Mist 12.5.11

Weltwassertag 2014: Kleinkraftwerke ohne Ende, Heidis Mist 22.3.14

Gesamtschweizerisch besteht ebenfalls Handlungsbedarf, siehe Nationales Forschungsprogramm NFP 61 Nachhaltige Wassernutzung

26.4.16 HOME

 

Silofolien: wenig Recycling zur Freude der KVAs

1. März 2016
Die Silofolie besteht aus hochwertigem Polyethylen. Da sie sortenrein und in grossen Mengen gesammelt werden kann, eignen sich die Silofolie und andere Landwirtschaftsfolien sehr gut für die stoffliche Verwertung, also für das Recycling. © Walter G.

Die Silofolie besteht aus hochwertigem Polyethylen. Da sie sortenrein und in grossen Mengen gesammelt werden kann, eignen sich die Silofolie und andere Landwirtschaftsfolien sehr gut für die stoffliche Verwertung, also für das Recycling. © Walter G.

Das Potenzial der Wiederverwertung von Silofolien-Abfällen ist gross und bisher ungenutzt, werden doch nur 10% der Folien wiederverwertet. Daher war in der neuen Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA), welche am 1.1.16 in Kraft trat, ursprünglich vorgesehen, dass Landwirtschaftsfolien gesammelt und stofflich verwertet werden müssen. Dieser Artikel 21 wurde jedoch in der definitiven Version ersatzlos gestrichen. Die Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) wollen nicht auf den Brennstoff „Kunststoff“ verzichten und die Bauern haben sichtlich kein Interesse an der umweltschonenden Beseitigung der 15’000 Tonnen Folien.

Viel Palaver um Ressourcen-Effizienz in der Landwirtschaft, „nachhaltige“ Landwirtschaft und Klima, aber wertvolle Rohstoffe verpuffen ungenutzt in der Luft und produzieren erst noch 46’500 Tonnen CO2. Den Worten folgen viel zu oft keine Taten.

Klima schützen durch Silofolien-Recycling, Medieninformation der InnoRecycling AG, 8360 Eschlikon, 29.2.16. Quelle: LID.

RESI, Recycling von Silofolien

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Gewässerschutz Landwirtschaft: Kampf gegen Windmühlen

27. Februar 2016
Die Mühle des Schriftstellers Alphonse Daudet in der Provence. Seine Arbeitsmethode war "D'après nature!" Was wäre, wenn die hohen BeamtInnen und JuristInnen die Gesetzesbücher mit der "Natur" verglichen? Derweil trinken wir zur Stärkung ein Gläschen élixir du révérend Père Gaucher. https://fr.wikisource.org/wiki/Lettres_de_mon_moulin/L%E2%80%99%C3%A9lixir_du_P%C3%A8re_Gaucher

Die Mühle des Schriftstellers Alphonse Daudet in der Provence. Seine Arbeitsmethode war „D’après nature!“ Was wäre, wenn die hohen BeamtInnen und JuristInnen die Gesetzesbücher mit der „Natur“ verglichen? Derweil trinken wir zur Stärkung ein Gläschen élixir du révérend Père Gaucher. https://fr.wikisource.org/wiki/Lettres_de_mon_moulin/L%E2%80%99%C3%A9lixir_du_P%C3%A8re_Gaucher

Zahlreich sind die Windmühlen, welche den Schutz der Gewässer vor Verschmutzungen aus der Landwirtschaft verhindern. Don Quijotes Kampf ist schwierig. So ist es verständlich, dass Don oder Doña aufgibt, resigniert und sich erfolgversprechenderen Aufgaben widmet.

Im Gegensatz zu Don Quijotes Windmühlen sind die Gewässerschutz-in-der-Landwirtschaft-Verhinderungs-Windmühlen nicht fiktiv. Und es gibt zahlreiche Gesetze, um sie zu besiegen. Wenn alles nichts nützt – und das scheint an vielen Orten der Fall zu sein – dann gibt es noch den Art. 46 des Gewässerschutzgesetztes, der da lautet:

1 Der Bund beaufsichtigt den Vollzug dieses Gesetzes.

Hallo „Bund“, wo bist du? Wir brauchen dich. Du musst handeln! Und es ist offensichtlich auch Druck von unten nötig, vom Schweizer Volk, von uns allen.

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Bündner Misthaufen, fotografiert von Paul

8. März 2015
Bauernhof-Idylle mit Mist zwischen Chur und Haldenstein. Copyright Paul

Bauernhof-Idylle mit Mist zwischen Chur und Haldenstein. Copyright Paul

Hallo Heidi

Sonja sah bei Maienfeld Mist auf Feldern herumliegen und dachte sofort an dich: „Wie ärgerlich! Die Kamera ist im Koffer“. Ich zörgerte nicht lange, holte ihn herunter und fand rasch das Gewünschte. Weil Haldenstein erst kurz vor Chur liegt, hatte ich Zeit zum Testen, nach Landquart sogar am richtigen Objekt. Die ersten Mistfotos sind unbrauchbar. Ich habe noch nie zuvor vom fahrenden Zug aus geknipst. Kurz vor Chur sahen wir noch einen Miststock. Ich schicke dir die zwei besten Fotos, leider etwas verschwommen. Wir freuen uns auf die sonnigen Tage in den Bergen…

Grüsse aus Arosa
Paul und Sonja

Heidi meint: Dieser Mist wurde erst kürzlich an den jetzigen Ort gebracht. Erfahrungsgemäss liegen die Haufen aber monatelang ungedeckt auf abgeernteten Feldern oder Wiesen, was verboten ist, da der Sickersaft das Grundwasser verschmutzen kann.

Max kommentierte den Artikel Stallbau ohne Mistlager (2): „… Öffentliches ‘name and shame’, die Sünder beim Namen nennen, ist wohl immer noch zu viel verlangt in der toleranten Schweiz, wenn es um die Landwirtschaft geht …“ Es sind die Behörden, welche die Bauern gewähren lassen; sie müssten einschreiten! Aber sie verteilen den Bauern lieber unser Geld, auch wenn die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind.

Danke Sonja und Paul … und viel Spass beim Skifahren.

Misthaufen beim Bahnhof Haldenstein mit BTS-Stall (besonders tierfreundlich, mehr Subventionen) und lukrativer Fotovoltaik. Im Hintergrund Burg und Dorf. Copyright Paul

Misthaufen beim Bahnhof Haldenstein mit BTS-Stall (besonders tierfreundlich, mehr Subventionen) und lukrativer Fotovoltaik. Im Hintergrund Burg und Dorf. Copyright Paul

8.3.15 HOME

Ein Gedicht über Stickstoff

17. Januar 2015
Die Erde eines Maisackers ist meist ein halbes Jahr lang unbedeckt der Witterung ausgeliefert. Bodenverdichtung, -verschlämmung, Nährstoffauswaschung, Erosion ...

Die Erde eines Maisackers ist meist ein halbes Jahr lang unbedeckt der Witterung ausgeliefert. Bodenverdichtung, -verschlämmung, Nährstoffauswaschung, Erosion …

Es gibt Zeitgenossen, die Aktuelles in Gedichtform präsentieren. Selten sind jene, welche naturwissenschaftlich gebildet sind wie Gerhard Laukötter. Unermüdlich schreibt er seine Verse. Das neueste Gedicht trägt schlicht den Titel „Stickstoff“ und bezieht sich auf die soeben veröffentlichten deutschen Lösungsstrategien für das Stickstoffproblem. Für eilige LeserInnen hat Heidi ein paar Verse herausgepickt.

Stickstoff

Doch häufig geht auch etwas schief.
Der Regen allzu lange lief,
so dass der Dünger aufgelöst
ins Grundwasser nach unten stößt.

Der Staat fühlt endlich sich berufen,
die Überdüngung rückzustufen.
Doch meistens bleibt es bei Appellen,
die an der Landwirtschaft zerschellen.

Das kranke Wasser unter uns –
das interessiert kaum Hinz und Kunz.

Zahlreiche weitere Gedichte unter Gerhard Laukötter’s Blog

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