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Kontrolle Hofdüngeranlagen Graubünden: 25 Jahre zu spät und trotzdem zu früh!

2. April 2016
Dieser Bündner Laufhof entwässert korrekt in eine Güllegrube.

Dieser Bündner Laufhof entwässert korrekt in eine Güllegrube.

Erst kürzlich hat der Kanton Graubünden mit der Kontrolle der Hofdüngeranlagen begonnen, obwohl das Gewässerschutzgesetz diese seit 25 Jahren vorschreibt. Heidi meint trotzdem: „Das ist zu früh!“ Wieso? Weil das Amt für Natur und Umwelt (ANU) und das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation (ALG) 2003 ein Merkblatt verfasst hatten, das der Gewässerschutzgesetzgebung des Bundes in mehreren Punkten krass widerspricht. Die Kontrolleure, so vermutet sie, halten sich an die kantonale illegale Regelung und nicht an das Bundesgesetz.

Bundesgesetze sind den Gesetzen, Verordnungen und Weisungen der Kantone und Gemeinden übergeordnet, dürfen nicht einfach willkürlich geändert werden. Wie sieht es mit der Strafe aus, wenn illegale kantonale Richtlinien statt die Gesetze des Bundes befolgt werden? Strafbar machen sich:

  • die einzelnen Bauern wegen Widerhandlung Gewässerschutzgesetz
  • Delikte unterstützende Gemeinde- und Kantonsbeamte wegen Gehilfenschaft
  • das ANU und das ALG wegen Anstiftung zum Gesetzesbruch
  • die Bündner Regierung ebenfalls wegen Anstiftung zum Gesetzesbruch, denn sie kennt die Abweichungen vom Bundesgesetz sehr wohl, handelt aber nicht
  • der Kanton Graubünden mangels Vollzug der Gewässerschutzgesetzgebung in der Landwirtschaft allgemein.

Ein Beispiel aus dem jetzt gültigen Merkblatt Gewässerschutz Landwirtschaft Graubünden, Stand 2.4.16 oder auf Heidis Mist, falls nicht mehr verfügbar:

Echo aus einem anderen Kanton: „Haarsträubend!“ Und eine typisch landwirtschaftliche Interpretation von „grundsätzlich“. Das Grundwasser darf also verschmutzt werden, denn Niederschlagswasser versickert im Gelände und speist unterirdisch die Grundwasserleiter, und zwar mehrheitlich im Winterhalbjahr, wenn die Tiere im Laufhof sind. Es genügt also nicht, einfach „nur“ die Grundwasserschutzgebiete zu schützen. Aus diesem Grund verbietet Art. 6 des Gewässerschutzgesetzes explizit das Versickernlassen …

Wie lässt sich die Verschmutzung von Oberflächengewässern mit Sicherheit ausschliessen, besonders dort, wo drainiert wird? Nach dem Motto Kräht der Hahn auf dem illegal im Feld gelagerten Mist, dann wird der Bach verschmutzt oder auch nicht? Und wie stellt man sich in Graubünden die Grundwasserbildung vor? Kondensation von Wasserdampf aus der Hölle? Oder ein Geschenk der Götter?

Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Wie lange darf diese Schlamperei weitergehen? Bestraft werden zur Zeit die unschuldigen Anlieger oder ahnungslosen Quell- und Grundwassernutzer. In Graubünden ist die Verschmutzung von Gewässern durch die Landwirtschaft immer noch ein Kavaliersdelikt. Direktzahlungen werden einer solchen „Bagatelle“ wegen keine gekürzt. Und so geht es weiter und weiter und weiter …

Per Landwirtschaftsgesetz Graubünden, also theoretisch, ist das ALG zuständig für den Gewässerschutz. Das ANU kennt die Missstände bestens, fühlt sich aber keineswegs verantwortlich. Ein Mitarbeiter wurde gar einmal fuchsteufelswild, als Heidi dies kritisierte. Im Fall der Verantwortung gilt der Buchstabe des Gesetztes. Welche Mentalität!

Bündner Behörden helfen Bauern beim Gesetzesbruch, Heidis Mist 31.3.16

Illegal in der Rohan-Schanze gelagerter Mist mit Hahn, liegt jetzt zwei Monate ungedeckt über dem Grundwasser, bleibt vermutlich noch mindestens einen Monat dort. Fotomontage Heidi.

Illegal in der Rohan-Schanze gelagerter Mist mit Hahn, liegt jetzt zwei Monate ungedeckt über dem Grundwasser, bleibt vermutlich noch mindestens einen Monat dort. Fotomontage Heidi.

2.4.16 HOME

Laufhofschacht, eine Bündner Spezialität

5. Februar 2014
Wenn die Tiere im Laufhof sind, muss die Rohrkrümmung im Laufhofschacht so gerichtet sein, dass das Abwasser in das Güllelager fliesst. Nach dem Abtransport der Tiere auf die Alp und der Reinigung des Laufhofs wird die Rohrkrümmung verstellt, damit das Niederschlagswasser in den Bach fliesst, direkt oder auf Umwegen. So wenigstens will es die Theorie. 3 verschiedene Bau-Varianten Bündner Laufhofschacht.

Wenn die Tiere im Laufhof sind, muss die Rohrkrümmung im Laufhofschacht so gerichtet sein, dass das Abwasser in das Güllelager fliesst. Nach dem Abtransport der Tiere auf die Alp und der Reinigung des Laufhofs wird die Rohrkrümmung verstellt, damit das Niederschlagswasser in den Bach fliesst, direkt oder auf Umwegen. So wenigstens will es die Theorie. 3 verschiedene Bau-Varianten Bündner Laufhofschacht.

Wer im Internet „Laufhofschacht“ sucht, der/die landet bestenfalls auf Heidis Mist, denn das ist eine echte Bündner Spezialität, nirgendwo sonst zu finden. Der dauernd zugängliche Laufhof bietet den Tieren frische Luft und Sonnenschein, was zu ihrem Wohlbefinden wesentlich beiträgt. Florence Nightingale erkannte diese positive Wirkung auf die Gesundheit bzw. auf ihre Kranken. In Zeiten der Antibiotika-Resistenz von Krankheitskeimen erinnern sich Fachleute neuerdings an ihre Entdeckung. Der Energiesparmassnahmen wegen sind die Empfehlungen von Florence Nightingale nicht einfach umzusetzen, etwa häufiges Lüften der Krankenzimmer. Ein Teil der Schweizer Nutztiere hat das Privileg Laufhof: Die Tiere können jederzeit an die frische Luft.

Zurück zu den Bündner Laufhofschächten! In der übrigen Schweiz entwässert der Laufhof in die Güllegrube oder, wenn längere Zeit keine Tiere im Stall sind, nach der Reinigung flächig in die angrenzende Wiese.

Nicht so in Graubünden! Es gibt die Laufhofschächte mit Weiche „Güllegrube“ oder „Bach“, siehe Fotomontage. Sie sind gang und gäbe, das weiss der Geissenpeter zu berichten, und er muss es ja wissen, denn er ist Kontrolleur, siehe Das  BLW verteilt jedes Jahr fast 3 Milliarden Franken Steuergelder gutgläubig an die Bauern. Er sieht kein Problem, denn neun Zehntel der Bauern würden sich an die Regeln halten und die Weiche lediglich im Sommer auf Bach stellen, wenn die Tiere auf der Alp sind. „Das sind nur die offiziell entdeckten Widerhandlungen!“ meint Heidi, denn wer sieht schon, wenn die Weiche „aus Versehen“ in die falsche Richtung weist? In langen Wintern ist die Versuchung gross, der Weiche einen Schubs Richtung Bach zu geben, desgleichen wenn die Güllegrube zu klein ist (in Graubünden gibt es noch keine Kontrolle der Hofdüngeranlagen).

Die Integration des Laufhofschachts in die Hofentwässerung ist vielfältig. Nicht immer führt der Ablauf direkt zum Bach (Variante 1 Fotomontage). Der Bauer plant die Ableitung z.B. zusammen mit Dachabwasser, also führt das Rohr zum Meteorwasserschacht; von dort gelangt das Laufhofabwasser zusammen mit dem Dachabwasser in den Bach (Variante 2 Fotomontage). Im Herbst, nach der Rückkehr der Tiere von der Alp, gibt es plötzlich viel Arbeit, wer denkt da zuerst ans Umstellen des Laufhofschachts. Wenn es regnet, wird das Laufhofabwasser mit dem Dachabwasser verdünnt und hinterlässt kaum Spuren. Sollte es trotzdem ein bisschen schäumen, dann fällt der Verdacht zuerst auf andere Quellen, etwa Lärchennadeln. Denn „Lärchenbächlein“ schäumen, das hat Heidi im Zusammenhang mit Hofabwässern gelernt; dummerweise auch dann, wenn weit und breit keine Lärche wächst. Bevor der Verdacht auf allfällige andere Verschmutzungsquellen fällt, ist das Ganze vergessen.

Eine weitere Variante ist das Ableiten des Sommer-Laufhofabwassers (statt direkt in den Bach oder über einen Meteorwasserschacht) in den Mistsickerschacht, von dort in den Meteorwasserschacht und dann in den Bach, frei nach dem Motto „The solution to pollution is dilution“. Diese Variante ist gar nicht so abwegig, wenn man bedenkt, dass das direkte Ableiten von Mistsickerwasser in Bäche immer noch einigermassen (wie stark?) verbreitet ist. Es dürfte die kostensparendste Variante sein, siehe Variante 3 auf der Fotomontage. Aber Achtung: heute offiziell verboten. Doch wer erwischt wird kann sich meist herausreden, kommt mit einer kleinen Busse auf Bewährung weg.

Zu hoffen ist, dass die tierfreundlichen Laufhöfe wegen der Laufhofschächte nicht in Verruf geraten. Obwohl diese Bündner Spezialität relativ neu ist, wäre es für den Schutz der Gewässer und den Ruf des Tierschutzes besser, wenn die Laufhofschächte der gewässerschutzkonformen Lösung der „übrigen Schweiz“ weichen müssten, bevor sie definitiv zur Tradition werden. Traditionen sind schwer zu bekämpfen, davon kann Heidi ein Liedlein singen: Misthaufen im Feld, Misthaufen im Feld … !

6.2.14 HOME

Fotos: Ewig schmutziges Bächlein

24. April 2013
Nach einer Total-Sanierung des Bauernhofs und drei Nach-Sanierungen schäumt es weiter in Heidis Bächlein.

Nach einer Total-Sanierung des Bauernhofs 2008 und drei Nach-Sanierungen schäumt es weiter in Heidis Bächlein.

Seit Anfang März 2012 sollte gemäss Weisung der Gemeinde definitiv nur noch Meteorwasser fliessen … Das zweimal tägliche Ableiten des Milchzimmerabwassers ins Bächlein mit pH-Schub von einer Einheit hat aufgehört, doch seit dem 8. März 2012 schäumt das Bächlein mehr oder weniger regelmässig, eine neue Erscheinung! Auch die weitere Sanierung im Herbst 2012 nach Im Land wo Milch und Cola fliesst hat daran wenig geändert. Ein kleines Bächlein nur … ein Ewig schmutziges Bächlein, Diaschau. Abwasser gehört in Röhren, findet Heidi.

Erst im Herbst 2012 hatte Heidi realisiert, dass das „Meteorwasser“ (im Sommer, wenn die Tiere auf der Alp sind) des 2008 erstellten Laufhofs via Mistsickerschacht ins Bächlein geflossen war, dies bis zum Gülle-Schock im März 2010. Also war das Ableiten des Mistsickerwassers ins Bächlein Anfang 1990er Jahre beim Stallbau geplant und bewilligt sowie beim Bau des Rinderstalls 2008 nicht beanstandet worden.

Die Rohrkrümmung im Laufhofabwasserschacht (Baujahr 2008) erlaubte bis März 2010 das Umstellen des Abwassers von Güllegrube zu Mistsickerschacht. Seit 2010 fliesst das Mistsickerwasser nicht mehr ins Bächlein. Vom Laufhofabwasserschacht aus wurde aber eine neue Leitung gelegt zu einem Schacht mit Überlauf ins Bächlein, dies obwohl der Laufhof-Umstellschacht am 27.3.10 (Gülle-Schock im März 2010) auf „Sommer“ war, d.h. die Tiere im Laufhof waren. Weitere „Unfälle“ waren also vorprogrammiert. Ein ganz normaler Bündner Bauernhof. Nachfolgend eine Fotoserie mit Eindrücken seit dem 8.3.12. Wann endlich wird das Bächlein sauber sein? Wo Vögel baden und Hirsche zur trinken…

Fotoserie 1

Fotoserie 1

Fotoserie 2

Fotoserie 2

Fotoserie 3

Fotoserie 3

Fotoserie 4

Fotoserie 4

Fotoserie 5

Fotoserie 5

Fotoserie 6

Fotoserie 6

24.4.13 HOME

Die heiligen Kühe und die vergötterten Pferde

19. Oktober 2010

 

Grüsch_Pferd2_klein

Seit Jahren Pferdemist auf der Wiese

Der Mist von zahlreichen Pferden wird hier im Gewässerschutzbereich laufend vom Laufhof in die Wiese geschoben. Wenn der Haufen gross ist, verschwindet er … und schon ist neuer Mist da, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. So liegt hier in Grüsch der Mist unter freiem Himmel, wird verregnet und verschneit, darunter fliesst das Grundwasser … und der Mistsickersaft? Nicht weit davon liegt ein Misthaufen von drei Pferden ebenfalls das ganze Jahr auf freiem Feld. Dafür erhalten die Bauern bzw. die Leute mit dem Hobby „Reiten“ finanzielle Unterstützung von den Steuerzahlenden: Direktzahlungen. Ein Weg-zerstörendes, energieintensives Hobby. Heidi erhält für die Förderung der Artenvielfalt (mehr als 300 verschiedenen Wild- und Nutzpflanzen im Garten) und Selbstversorgung mit Früchten und Gemüsen keinen Rappen, obwohl sie vier der fünf Hauptziele des Direktzahlungssystems energiesparend unterstützt und das fünfte indirekt unterstützt, indem sie das wenige Fleisch aus Betrieben bezieht, die auch ohne Voranmeldung kontrolliert werden. Bei den Milchprodukten wird es schon schwieriger!

 

Grüsch_Pferd4_klein

Ein kleiner Teil des Pferde-Auslaufs in Grüsch

Gemäss der Bündner Weisung Gewässerschutz darf trockener Mist von Pferden in Eigenverantwortung der Bauern ungedeckt im Feld gelagert werden. Heidi ist überzeugt, dass auch Pferdemist nass wird. Mit dieser Meinung ist sie nicht allein, denn die Wegleitung des Bundes sieht keine Langzeit-Mistlagerung auf dem Felde vor.

19.10.10   HOME

Goldene Wiesen ohne Kühe

24. Mai 2010

Loewenzahn_KlostersDer Löwenzahn erobert die Bergwiesen. Pfingsteindrücke von Klosters GR. Ein Tourist frägt: „Wo sind denn da die Kühe?“ Heidi weiss Bescheid: „Da oben sind drei grosse neue Ställe, Laufställe mit Laufhof.“ Vereinzelt sieht man im Prättigau Kühe auf der Weide. Viele Bauern schneiden das Gras und führen es in den Stall zu den Tieren. Ein bisschen aufwändig und treibstoffintensiv, wenn man bedenkt, dass die Rinder und Kühe das Gras ganz gern auf der Wiese fressen, jedenfalls ist das mein Eindruck. Wo die Weiden in Stallnähe sind, ist das die billigste Fütterungsart.

24.5.10   HOME


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