Posts Tagged ‘Milch’

Klima: Jetzt oder nie!

25. November 2022
Tanz am Meer

Tanz am Meer

„Die Regierungen der reichen Welt kamen zu der Konferenz in Ägypten und sagten: „Jetzt oder nie“. Sie verliessen die Konferenz mit den Worten „wie wäre es mit nie?“. Wir segeln durch jedes Ziel und jede Zielsetzung, jede rote Linie und jede versprochene Zurückhaltung auf eine Zukunft zu, in der die Möglichkeit der Existenz eines jeden Menschen gegen Null zu schrumpfen beginnt. Jedes Leben ist ein wahnsinnig unwahrscheinliches Geschenk. Wie lange wollen wir noch zuschauen, wie unsere Regierungen alles wegwerfen?“

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: How About Never? George Monbiot, The Guardian 18.11.22

Was können WIR tun?

Gerade ist ein Link von NaNa eingetroffen, welcher zeigt, was wir z.B. sofort tun können. Eigentlich wissen wir es längst, aber Cyril Brunner, Postdoc in der Professur für Klimaphysik der ETH Zürich, sagt es unmissverständlich:

«In der Schweiz stammen rund 80 Prozent des Methans aus der Nutztierhaltung. Eine echte Strategie, wie das Land diese Emissionen senken will, gibt es bislang nicht.»

… „Was zu tun wäre, ist dabei längst bekannt: deutlich weniger Fleisch und Milchprodukte konsumieren, keine Lebensmittel verschwenden. Dinge, die wir alle direkt beeinflussen können. Diese Massnahmen werden auch in 30 Jahren noch die gleichen sein. Nur: Wenn wir sie heute schon umsetzen, wird es 2050 entscheidend kühler sein. Wir sollten die Wirkung unserer Methanemissionen nicht mehr länger unterschätzen.“

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: Klimaschutz: Methan ist unser mächtigster Hebel. Cyril Brunner, ETH Zukunftsblog 23.11.22

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Unsere erfolgreichen Lobbyisten: Fonduefestival und Käseexport

23. November 2022
Heidi tischt ein- bis zweimal jährlich Fondue auf, denn es ist eine üppige Mahlzeit. Sie verrät ihr (variables) Rezept nicht. Es kann auch einmal Bündner Käse drin sein!

Heidi tischt ein- bis zweimal jährlich Fondue auf, denn es ist eine üppige Mahlzeit. Sie verrät ihr (variables) Rezept nicht. Es kann auch einmal Bündner Käse drin sein!

In der Freiburger Käseindustrie ist der Klimawandel noch nicht angekommen, erst die Energiekrise. Vom 17. bis 20.11.22 fand in Fribourg das erste Schweizer Fonduefestival statt. Es soll künftig alle zwei Jahre wiederholt werden. Der Erfolg war gross, gab es doch vor dem Eingang des riesigen Zelts lange Schlangen und die Wartezeit betrug bis zwei Stunden.

Kritik kommt nicht nur von den MarkthändlerInnen, welche seit einem Monat in die kleinen engen Seitenstrassen ausweichen mussten und Umsatzeinbussen bis 30% erleiden, sondern auch von der Politik, denn das Fonduezelt wird mit Öl beheizt. «Heizöl schadet der Umwelt. Das Zelt ist riesig. Es hat ein Volumen von mehreren Familienwohnungen», moniert der SP-Lokalpolitiker Marc Vonlanthen gegenüber SRF. «Wir sind mitten in einer Energiekrise. Wir sprechen ständig von Nachhaltigkeit. Aber so eine Infrastruktur ist definitiv nicht nachhaltig.»

Erstaunlich ist die Antwort des ehemalige Freiburger Stadtpräsidenten und Nationalrat, Dominique de Buman, der das Fonduefestival organisiert. Er sagte zu SRF: „Wir haben bereits vor vier Jahren mit der Planung des Festivals begonnen. Da war die Energiekrise noch kein Thema.“ Hallo, Herr Buman, aber die Folgen der Klimaerwärmung sind schon viel länger sichtbar.

40% des Schweizer Käses wird exportiert

Die Schweizer Bauern und die Milchindustrie produziert gerne Käse für den Export. Die Umweltkosten dieses nicht nachhaltigen Wirtschaftens bleiben in der Schweiz. Seit einiger Zeit bringt man sogar den Chinesen das Fondue-Essen bei. Für wen ist der Exportkäse? Für die Hungernden in aller Welt? Profitieren davon die ausgebeuteten und vom Auslöschen bedrohten Uiguren?

Interpellation zur Exportfinanzierung

Die Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel reichte am 17.3.22 die Interpellation 22.3291 ein. Der Bundesrat wurde gebeten, Transparenz für die Steuerzahlenden bei der Finanzierung der Milchproduktion für den Käseexport, aber auch bei weiteren exportierten Produkten herzustellen.

Begründung: Der Selbstversorgungsgrad mit pflanzlichen Produkten liegt bei rund 40 Prozent, jener von Milch und Fleisch bei 100 Prozent. Das liegt daran, dass die Tierproduktion im Gegensatz zur Pflanzenproduktion stark gefördert wird. Heute werden rund 40 Prozent der Käseproduktion exportiert. Der Export nimmt zu und damit auch die Subventionen in Form von Direktzahlungen und Absatzförderungsmassnahmen, welche für eine exportorientierte Milchproduktion eingesetzt werden. Diese Subventionen durch die Schweizer Steuerzahlenden kommen schlussendlich gut situierten Personen in den Exportländern zugute.

Gleichzeitig ist die Auslandabhängigkeit für pflanzliche und besonders proteinreiche pflanzliche Lebensmittel besonders gross. Auch die Abhängigkeit von Butter hat durch die steigende Nachfrage nach Käse zugenommen. Tausende von Tonnen Butter wurden seit 2020 in die Schweiz importiert.

Der pro-Kopf-Fleischkonsum in der Bevölkerung ist seit Jahren rückläufig. Rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung isst heute sogar überwiegend (20,5%) oder ausschliesslich vegetarisch (4,1%) oder vegan (0,6%). Die Anzahl der Veganer hat sich im Jahr 2021 verdoppelt. Vor diesem Hintergrund würde die vermehrte Produktion von pflanzlichen (statt tierischen) Eiweissen einen wichtigen Beitrag an die Versorgungssicherheit in der Schweiz und zur Erreichung der Ziele des Absenkpfads Stickstoff leisten.

Der Bundesrat wird gebeten, Transparenz für die Steuerzahlenden bei der Finanzierung der Milchproduktion für den Käseexport, aber auch bei weiteren exportierten Produkten herzustellen. Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wie hoch ist die Gesamtsumme an Direktzahlungen, Absatzförderungen und weiteren Produktionsstützungsmassnahmen, welche in die Produktion und den Absatz des Export-Käses fliessen?

Antwort Bundesrat:

1. Der Bund richtet für sämtliche Verkehrsmilch eine Zulage von 5 Rp. pro Kilogramm vermarktete Milch aus. Für Milch, die zu Käse verarbeitet wird, wird zudem eine Zulage von 10 Rp. pro Kilogramm bezahlt. Die Zulage für verkäste Milch soll seit der Liberalisierung des Käsemarktes mit der EU die Milchpreisdifferenz zwischen der Schweiz und der EU ausgleichen. Wird die Milch ohne Fütterung von Silage produziert und zu Rohmilchkäse verarbeitet, kommt zusätzlich noch die Zulage für Fütterung ohne Silage von 3 Rp. pro Kilogramm hinzu. All diese Milchzulagen sind nicht an eine Exportleistung gebunden. Im 2021 hat der Bund die verkäste Milchmenge mit Zulagen in der Höhe von total 318,7 Mio. Fr. unterstützt.

In der Schweiz wurden 2021 rund 3,4 Millionen Tonnen Milch vermarktet. Knapp 47% dieser Milchmenge wurde zu total 207’155 Tonnen Käse verarbeitet. Davon wurden rund 77’779 Tonnen exportiert, was einem Exportanteil von 38% an der Käseproduktion entspricht. Aus der Exportstatistik lässt sich mit der Annahme einer Ausbeute von 10% bei der Käseherstellung und aufgrund des Anteils von Rohmilchkäse abschätzen, dass ca. 134 Mio. Fr. der Zulagen dem exportierten Käse zugekommen sind. Im 2021 hat die Schweiz auch 75’788 Tonnen Käse importiert. Mit den zunehmenden Importen konnte in den letzten Jahren ein grosser Teil des steigenden Käsekonsums in der Schweiz abgedeckt werden.

Für gemeinsame Marketingaktivitäten für Schweizer Käse im Ausland wurden 2021 im Rahmen der Absatzförderung 22,9 Mio. Fr. (inkl. Exportinitiativen) ausbezahlt.

Mit der Agrarpolitik 2014-2017 wurden die sogenannten Tierbeiträge grösstenteils in die Versorgungssicherheitsbeiträge umgelagert, weil sie zu einem Intensivierungsanreiz in der Tierhaltung führten. Die Direktzahlungen werden seither mit Ausnahme der Tierwohlbeiträge als flächenbezogene Zahlungen ausgerichtet. Betriebe mit Milchkühen würden somit für ihre Flächen auch Direktzahlungen erhalten, wenn sie aus der Milchproduktion aussteigen würden.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat die Daten zu den Direktzahlungen der Betriebe mit Milchkühen ausgewertet. Dabei wurden die Direktzahlungen dieser Betriebe für ihre Grünflächen und Maisflächen auf die von ihnen gehaltenen Milchkühe und die anderen Rauffutterverzehrer umgelegt. Daraus ergibt sich eine grobe Schätzung von rund 900 Mio. Fr. an Direktzahlungen (inkl. Sömmerungs- und Alpungsbeiträge), die 2021 an die Betriebe mit Milchkühen in der Schweiz ausgerichtet wurden. Die Summe an Direktzahlungen, die an Milchkühe mit Verkehrsmilchproduktion fliesst ist, wird damit jedoch überschätzt, da nicht alle Betriebe mit Milchkühen auch Verkehrsmilch abliefern. Für die weitere Zuordnung dieser Direktzahlungssumme auf die exportierte Käsemenge fehlen verlässliche Daten. Die resultierende Schätzung wäre aufgrund der Fehlerfortpflanzung kaum sinnvoll zu interpretieren.

2. Wie gross ist die für den Käseexport benötigte Nutzfläche in der Schweiz? Wie viel Fläche im Ausland kommt durch das importierte Kraftfutter für die Milchkühe, welche Milch für den Export-Käse produzieren, dazu?

Antwort Bundesrat:

2. Gemäss der Auswertung des BLW bewirtschafteten Betriebe mit Milchkühen 2021 eine Grünfläche von rund 520’000 Hektaren und bauten auf rund 30’000 Hektaren Mais an. Wie bei der Beantwortung der Frage 1 wird hier angenommen, dass die Erträge dieser Flächen hauptsächlich zur Fütterung der auf den Betrieben gehaltenen Milchkühe verwendet werden. Der gesamte Kraftfutterverbrauch beträgt in der Schweiz jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen Trockenmasse, davon werden 60% importiert. Etwa 0,45 Millionen Tonnen werden an Rinder verfüttert. Bei unterstellten Anteilen von 70% Getreide und 30% eiweissreichen Produkten wie Sojaschrot (Nebenprodukt aus der Sojaölgewinnung) resultiert ein Bedarf an Getreide von rund 315’000 Tonnen und an Sojabohnen von rund 170’000 Tonnen. Dies entspricht bei mittleren Erträgen von 7 Tonnen Futtergetreide und 3 Tonnen Sojabohnen je Hektar einer Getreideanbaufläche von 45’000 Hektaren und einer Sojabohnenanbaufläche von 57’000 Hektaren im Ausland für die Rindviehfütterung. Schätzungsweise 75 % des importierten Kraftfutters für die Rindviehfütterung wird für Milchkühe verwendet. Für eine weitergehende Aufschlüsselung auf die exportierte Käsemenge fehlen verlässliche Daten.

3. Wie hoch sind die Umweltkosten wie Ammoniak-Emissionen, Stickstoffbelastung, Antibiotikaeinsatz, Biodiversitätsverlust etc. welche der Milchproduktion zugunsten des Käseexportes zugewiesen werden kann? Falls diese Kosten nicht bekannt sind, warum nicht und bis wann kann das Bundesamt für Landwirtschaft BLW diese Umweltkosten ausweisen?

Antwort Bundesrat:

3. In seiner Antwort auf die Interpellation Weibel 16.3512 hat der Bundesrat die Folgekosten von Stickstoffemissionen (N) für die Gesundheit und die Umwelt auf der Basis der Emissionen von 2014 im Bereich von 860-4300 Mio. Fr. pro Jahr geschätzt. Die umweltrelevanten Stickstoffemissionen der Landwirtschaft von ca. 80’000 Tonnen N pro Jahr tragen zu rund 60 % zu diesen Folgekosten bei. Davon sind ca. 50’000 Tonnen N auf Ammoniak- und Nitratemissionen zurückzuführen, die mit der Rindviehhaltung einschliesslich der Futterproduktion verbunden sind. Die externen Kosten, welche der Anbau von importiertem Futter im Ausland verursacht, müssen zusätzlich berücksichtigt werden. Einen verlässlichen und wissenschaftlich abgestützten Schlüssel zur Verteilung der externen Kosten auf die Produkte Milch und Fleisch aus der Schweizer Rindviehhaltung oder sogar auf die exportierte Käsemenge gibt es nicht. Zu den Umweltkosten des Antibiotikaeinsatzes liegen keine Studien vor.

4. Stimmt es, dass wegen den stark gestiegenen Käseexporten mehr Butter importiert werden muss, weil für die Butterproduktion aus Schweizer Milch die Milchmenge fehlt? Falls das stimmt, was sagt der Bundesrat dazu?

Antwort des Bundesrats:

4. In den vergangenen Jahren konnte ein stetiger Anstieg der Käseproduktion verzeichnet werden. Aufgrund der eher rückläufigen Milchproduktion stand somit weniger Milch für die Herstellung von Butter zur Verfügung. Die tiefere Produktionsmenge an Butter im Inland und die gleichzeitig höhere Nachfrage im Inland (u.a. wegen der Corona-Massnahmen) haben bereits in den Jahren 2020 und 2021 zu Butterknappheit und einem entsprechenden Importbedarf geführt. Die Butterimporte im 2020 und 2021 haben rund 14 % bzw. 6 % der in der Schweiz produzierten Buttermenge ausgemacht.

Mit einer leichten Zunahme der Milchproduktionsmenge wird erst mit Beginn der neuen Grünfuttersaison ab Mai 2022 gerechnet. Gleichzeitig geht die Branche von einem weiteren Wachstum bei der verkästen Milchmenge von 1,5 % im Vergleich zu 2021 aus. Somit fliesst momentan weniger Milch in die Butterherstellung als in den Vorjahren, was gegen Ende Jahr ohne Importe zu einer Butterknappheit führen würde. Die Wertschöpfung pro Kilogramm Milch ist höher, wenn daraus Käse hergestellt wird als wenn die Milch beispielsweise zu Butter oder Milchpulver verarbeitet wird. So gesehen kann die steigende Käseproduktion als positive Entwicklung gewertet werden.

5. Wie hoch sind die Exportfördermassnahmen und Anschubfinanzierungen des Bundes für weitere Schweizer Qualitätsprodukte wie Teigwaren mit Schweizer Freilandeiern, Bergkräuter, Früchte und weitere Schweizer Produkte?

Antwort des Bundesrats:

5. Im Rahmen von Exportinitiativen werden verschiedene Projekte bei Marketing-Kommunikationsmassnahmen unterstützt. Im 2020 waren es neben dem Käseexport Vorhaben in der Höhe von rund 0,24 Mio. Fr. in den Bereichen Rindergenetik, Marketinggrundrauschen China und Plattform Agrarexport. Für 2021 wurden Vorhaben in der Höhe von rund 0,8 Mio. Fr. in den Bereichen Fleisch, Rindergenetik und Plattform Agrarexport verfügt.

6. Sind diese Subventionen WTO-kompatibel?

Antwort des Bundesrats:

6. Die verschiedenen Milchzulagen sowie die Absatzförderung von Käse sind kompatibel mit dem WTO-Übereinkommen über die Landwirtschaft. Erstere bleiben unter dem rechtlich verbindlichen, jährlichen Maximalbetrag der Schweiz. Letztere sind aufgrund ihrer nicht-handelsverzerrenden Natur nicht eingeschränkt. Darüber hinaus verstossen die Zahlungen nicht gegen das Verbot von Exportsubventionen (insbesondere im WTO-Übereinkommen über Subventionen und Ausgleichsmassnahmen), da sie nicht von einer Ausfuhrleistung abhängig sind. Es gibt grundsätzlich die Möglichkeit für einen Handelspartner, diese internen Stützungsmassnahmen der Schweiz anzufechten und gegebenenfalls Ausgleichszölle zu erheben, falls er eine Schädigung seiner Produktionsbranche durch diese Zahlungen nachweisen kann. In jüngerer Zeit erhielt die Schweiz im WTO-Agrarausschuss Fragen zur WTO-Rechtmässigkeit dieser Zahlungen.

Heidis Frage: „Wollen wir die Reichen im Ausland subventionieren und den Selbstversorgungsgrad für pflanzliche Produkte weiterhin künstlich tief halten?“

Freiburger Käse Das erste Schweizer Fonduefestival sorgt für Ärger. SRF 18.11.22

Die Herkunft des Schweizer Käse-Fondues ist unklar. NZZ 11.12.17

22.3291 Interpellation Mehr Transparenz beim Lebensmittelexport und -import, eingereicht von: Schneider Schüttel Ursula

Ein Schweizer kreiert in Schanghai das Käsefondue à la chinoise. Matthias Müller, NZZ 26.1.21

UN: 90% der weltweiten Agrarsubventionen schaden den Menschen und dem Planeten

16. September 2021
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Landwirtschaftliche Schule Plantahof GR: Boxen zur Haltung von Kälbern -> Kalbfleisch. Foto 28.6.17

Quelle: The Guardian vom 14.9.21

Fast eine halbe Billion Dollar an Subventionen pro Jahr schadet der Gesundheit der Menschen, dem Klima und fördert die Ungleichheit.

Fast 90% der weltweiten Subventionen in der Höhe von 540 Milliarden Dollar, die jedes Jahr an Landwirte vergeben werden, sind „schädlich“, so ein erschreckender UN-Bericht.

Diese Agrarsubventionen schaden der Gesundheit der Menschen, heizen die Klimakrise an, zerstören die Natur und fördern die Ungleichheit, indem sie Kleinbauern, von denen viele Frauen sind, ausschliessen, so die UN-Agenturen.

Die grössten Verursacher von Treibhausgasemissionen, wie Rindfleisch und Milch, erhielten die höchsten Subventionen, so der Bericht. Diese werden oft von grossen Industriekonzernen produziert, die am besten in der Lage sind, Zugang zu Subventionen zu erhalten.

Ohne eine Reform würden die Subventionen bis 2030 auf 1,8 Mrd. Dollar (1,3 Mrd. Pfund) pro Jahr ansteigen, was das menschliche Wohlergehen weiter beeinträchtigen und die planetarische Krise verschärfen würde, so die UN.

Die Unterstützung für die „übergrosse“ Fleisch- und Milchindustrie in den reichen Ländern muss reduziert werden, während die Subventionen für umweltschädliche chemische Düngemittel und Pestizide in den Ländern mit niedrigerem Einkommen sinken müssen, so die Analyse.

In dem Bericht, der vor dem UN-Gipfel für Ernährungssysteme am 23. September veröffentlicht wurde, heisst es, dass eine Umwidmung der Subventionen in nützliche Aktivitäten „einen Wendepunkt“ darstellen und dazu beitragen könnte, die Armut zu beenden, den Hunger zu beseitigen, die Ernährung zu verbessern, die globale Erwärmung zu reduzieren und die Natur wiederherzustellen. Zu den sinnvollen Verwendungszwecken öffentlicher Gelder könnten die Förderung gesunder Lebensmittel wie Gemüse und Obst, die Verbessern der Umwelt und die Unterstützung von Kleinbauern gehören.

Das globale Lebensmittelsystem ist kaputt

Zahlreiche Analysen der letzten Jahre zeigen, dass das globale Lebensmittelsystem kaputt ist. Im Jahr 2020 werden mehr als 800 Millionen Menschen unter chronischem Hunger leiden, 3 Milliarden können sich keine gesunde Ernährung leisten, 2 Milliarden Menschen sind fettleibig oder übergewichtig, und ein Drittel der Lebensmittel wird verschwendet. Der Gesamtschaden, der dadurch entsteht, wird auf 12 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt, mehr als der Wert der produzierten Lebensmittel.

Der Bericht wurde von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) veröffentlicht und unterschätzt die Gesamtsubventionen im Lebensmittelsystem, da er nur die Subventionen berücksichtigt, für die in 88 Ländern zuverlässige Daten vorliegen.

„Dieser Bericht ist ein Weckruf für Regierungen auf der ganzen Welt, die landwirtschaftlichen Stützungsregelungen zu überdenken, um sie zweckdienlich zu gestalten und unsere Agrar- und Ernährungssysteme umzugestalten und zu den vier wichtigsten Zielen beizutragen: bessere Ernährung, bessere Produktion, bessere Umwelt und ein besseres Leben“, sagte Qu Dongyu, der Generaldirektor der FAO.

90% of global farm subsidies damage people and planet, says UN. Damian Carrington, The Guardian vom 14.9.21

A multi-billion-dollar opportunity – Repurposing agricultural support to transform food systems. FAO, UNDP and UNEP. 2021. A multi-billion-dollar opportunity  Repurposing agricultural support to transform food systems. Rome, FAO. ISBN: 978-92-5-134917-5 https://doi.org/10.4060/cb6562en

Übrigens: Heidi verwendet das sehr gute Übersetzungsprogramm
www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

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Ausrede: „Man kann eben nicht überall Ackerbau betreiben!“

16. August 2021
Maisfelder für Viehfutter auf ebenem fruchtbarem Talboden.

Maisfelder für Viehfutter auf ebenem fruchtbarem Talboden.

Es ist sinnvoll, dort Viehwirtschaft zu betreiben, wo Ackerbau aus topografischen oder klimatischen Gründen nicht möglich ist und keine Erosionsgefahr besteht. Häufig wird, wenn es um die Rechtfertigung der hohen Fleisch- und Milchproduktion geht, auf diese Grenzen der Produktion hingewiesen. Aber in der Schweiz werden viele Fruchtfolgeflächen für die Viehwirtschaft missbraucht, sei es für den Anbau von Mais, Kraftfutter oder als Weide, selbst in klimatischen Gunstlagen wie dem Rheintal.

Hier wächst in der Bergzone III Zuckermais für die menschliche Ernährung.

In der Bergzone III wächst Zuckermais für die menschliche Ernährung. Früher haben hier die Bergbauern ebene Flächen für den Anbau von Kartoffeln, Getreide und Gemüse genutzt … früher!

1987 wurde die Genossenschaft Gran Alpin gegründet, um den ökologischen Bergackerbau in den Bergtälern Graubündens zu fördern. 1996 erfolgte dann die Umstellung auf den kontrolliert biologischen Anbau (Bio-Suisse Knospe). Heute produzieren neunzig Bio-Betriebe etwa 500 Tonnen Weizen, Roggen, Speisegerste, Braugerste, Dinkel (Urdinkelsorten), Nackthafer und Buchweizen.

1987 wurde die Genossenschaft Gran Alpin gegründet, um den ökologischen Bergackerbau in den Bergtälern Graubündens zu fördern. Heute produzieren neunzig Bio-Betriebe etwa 500 Tonnen Weizen, Roggen, Speisegerste, Braugerste, Dinkel (Urdinkelsorten), Nackthafer und Buchweizen.

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Mythos Milch

18. April 2021

Diese Kuh bringt eine hohe Milchleistung.

Eigentlich weiss man vieles, aber die Werbung sieht oft anders aus, etwa bei der Milch. Heidis Frage: „Welches Säugetier, ausser dem Menschen, trinkt im Erwachsenenalter Milch?“

Radiosendung vom 23.7.14 – Mythos Milch: „Die Milch als ein Lebenselixier der reinen Natur. Diese Sendung hinterfragt die Werbebotschaften der Milchlobby und fördert Erstaunliches zutage.

Milch die Muntermacherin der Nation, der Saft, der uns die Kraft der reinen Natur schenkt. Die Milchwerbung verkauft uns Kuhmilchprodukte fantasievoll mit Versprechen der gesündesten Art. Aber die Medizin sagt etwas anderes. So gehört Milch zu den wichtigsten Allergenen und der Konsum von zu vielen Milchprodukten wird sogar mit gewissen Krebsarten in Verbindung gebracht. Zu viel Milch ist auch für sehr viele Kühe ungesund. Sie sind zu reinen Milchmaschinen, zu so genannten Turbokühen degradiert worden. Das bedeutet ein kürzeres Leben, oft ein lebenslängliches Angebundensein im Stall und bedeutet eine mindere Milchqualität. Die Sendung von Peter Jaeggi beleuchtet die schwarzen Seiten des weissen Saftes.“

Hören Sie sich die Fakten an: Mythos Milch, Peter Jaeggi, SRF vom 23.7.14

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Milch fehlt in Kanadas neuen Ernährungsempfehlungen

24. Januar 2019

Ernährungsempfehlung der Kanadischen Regierung

Ernährungsempfehlung der Kanadischen Regierung

Kanada hat seine Ernährungsempfehlungen überarbeitet. Die Leitlinie ist: optimale Gesundheit. Schon lange wurde der Kniefall vor der Fleisch- und Milchindustrie kritisiert. Der Direktor des Amts für Ernährungspolitik sagte klar, dass sie keine Studien berücksichtigt hätten, die durch die Industrie bezahlt worden sei. Ganze Lebensmittelgruppen werden weggelassen und man empfiehlt den Leuten, eine Vielfalt von unverarbeiteten Lebensmitteln zu essen.

Kanada hat die Ernährungspyramide ersetzt durch einen Teller, der die Proportionen der Essempfehlung anschaulich darstellt. Die USA haben diesen Schritt schon früher gemacht, aber in ihrer Empfehlung ist ein Glas Milch symbolisch dargestellt. Die USA und Kanada produzieren zuviel Milch, genauso wie Europa. Ob hier oder dort, diese wird stark subventioniert.

Den Kanadiern wir empfohlen, die Hälfte des Tellers mit Früchten und Gemüsen zu füllen, einen Viertel mit stärkehaltigen Produkten oder Körnern und einen Viertel mit Eiweiss. Der Teller ist einleuchtender als eine Liste von Nahrungsmitteln und die Angabe der Portionengrösse.

Die neue Empfehlung wurde von der Forschung gelobt. David Jenkins, Professor an der Universität Toronto, ernährt sich bereits heute pflanzenbasiert, dies zum Schutze der Umwelt. Er sagt: „Ich glaube, dass die neue Empfehlung die Ernährung auf Pflanzenbasis fördert. Dass wir mehr Früchte und Gemüse essen sollten, ist auch nicht neu. Es ist zudem keine radikale Lösung. Da werden einige Federn fliegen, aber es ist die Richtung, in welcher wir gehen müssen. Im Hinblick auf ihre Bedeutung für die menschliche Gesundheit, hatten wir fälschlicherweise Kuhmilch neben Muttermilch gestellt“

Die neuen Ernärungsempfehlungen kommen zu einem Zeitpunkt, in welchem die KanadierInnen weniger Fleisch und Milch konsumieren. Gründe dafür sind Umwelt, Gesundheit und Ethik. In Kanada sank der Milchkonsum seit 2009, während die Bedeutung von pflanzlichen Alternativen zunahm.

Schweizer Ernährungspyramide

Die Schweiz steckt noch ziemlich tief im Lobbying-Sumpf, obwohl die Kommission für Ernährung schon vor einigen Jahren weniger Fleisch und mehr Gemüse und Früchte empfahl. Die oberste Stufe ist ziemlich deplatziert als Empfehlung. Und wir zahlen Steuern für Fleischwerbung!

Lebensmittelpyramide

USA

Zur Zeit wird diese Webseite nicht aktualisiert, wegen "Government Shutdown". Copyright: USDA

Zur Zeit wird diese Webseite nicht aktualisiert, wegen „Government Shutdown“. Copyright: USDA

Quelle: Is milk healthy? Canada’s new food guide says not necessarily, BBC vom 22.1.19

Leserbrief vom 26.1.19: Na endlich, die Kanadier haben es geschnallt, die Schweizer noch nicht, die Milchlobby ist noch zu stark. Ich habe schon in der Ausbildung vor ein paar Jahren moniert, dass die Empfehlungen der DACH falsch sind. Meine Klienten habe ich immer anders beraten… Man weiss doch seit längerer Zeit, dass Milch dem Körper mehr Kalzium entzieht als zuführt, aber es gibt noch heute Ärzte, die gegen Osteoporose Milchtrinken empfehlen…

Ausführliche Informationen:

Eat a variety of healthy foods each day, Government of Canada

Savourez une variété d’aliments sains tous les jours, Gouvernement du Canada

ChooseMyPlate.gov, United States Departement of Agriculture (USDA)

Ernährungspyramide Schweiz: Zuoberst hat es sogar Platz für Junk Food!

24.1.19 HOME

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Trinkwasser-Initiative: Stand der Unterschriften

9. Oktober 2017

Das Ziel der Initianten der Trinkwasser-Initiative ist: 100’000 Unterschriften per Ende Oktober. Hier geht’s zum Unterschriftenbogen …

Prophylaktischer Einsatz von Antibiotika

Unter anderem sollen nur jene Bauern subventioniert werden, welche in ihrer Tierhaltung Antibiotika nicht prophylaktisch einsetzen. Immer wieder behaupten Bauern, dass dies bereits verboten sei. Das ist aber eine Lüge, denn der Tierarzt darf Antibiotika auch heute prophylaktisch verschreiben. Und wer schaut schon hin, wenn ein Bauer Antibiotika aus dem Medikamentenschrank nimmt? Wer sieht, ob er das Mittel kurativ oder prophylaktisch einsetzt?

Franziska Herren hat dem Schreiben nachfolgenden Link angefügt.

Der Milch-Irrsinn in der Schweiz

Die Schweizer haben immer weniger Lust auf Milch. Die neue Werbestrategie der Milchindustrie setzt jetzt voll auf Naturnähe und Tierwohl. Doch die Realität sieht anders aus.


Der Milch-Irrsinn in der Schweiz. Handelszeitung vom 24.5.17

Unterschied zwischen Mastrind und Mensch? Heidis Mist vom 8.1.17

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Unerwünschte Kälber: Wann werden wir endlich lernen?

28. Oktober 2016

Dieses Kälbchen wurde im Bündnerland geboren, dann verkauft. Es lebte kurze Zeit an zwei verschiedenen Orten. Im Alter von nur 50 Tagen wurde es vorzeitig im Schlachthof Zürich gemetzget.

Dieses Kälbchen wurde im Bündnerland geboren, dann verkauft. Es lebte kurze Zeit an zwei verschiedenen Orten. Im Alter von nur 50 Tagen wurde es vorzeitig im Schlachthof Zürich gemetzget.

Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Der Unterschied ist klein, z.B. Kälber statt Küken. Langsam wissen es wenigstens viele KonsumentInnen: 2,5 Milliarden männliche Küken werden weltweit jährlich zerschreddert oder vergast weil sie keine Eier legen und nicht zur Mast taugen (Eintagsküken, Wikipedia). Aber die Kälber von Hochleistungsmilchkühen?

Auch in der Rindviehzucht wird grösstenteils getrennt gezüchtet, d.h. auf Fleisch- oder Milchproduktion. Die Leistungssteigerung ist bei den Milchkühen augenfällig: riesige Euter, kaum weidetauglich, kraftfutterfressend, kurzlebig. Eine Milchmaschine, welche als Aballprodukt ein Kalb gebärt. Immer häufiger werden Kälber kurz nach der Geburt geschlachtet, getötet oder einfach vernachlässigt, so dass sie bald sterben. In der Schweiz sollen es 10’000 Kälber pro Jahr sein. Der Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf.

Derweil stehen KonsumentInnen am Weidezaun und bestaunen die herzigen Mutterkuhkälber, z.B. gestern: „Sieh, es ist so klein wie ein Schaf – Jööööö!“ Mutterkühe? Eigentlich Fleischkühe!

Heidis Frage: Wie viel Zeit wird noch verstreichen bis die KonsumentInnen Steuergelder für solche Irrwege verweigern, wo doch die Behörden nichts unternehmen?

Männliche Kälber: kaum auf der Welt, werden sie getötet, Aargauer Zeitung 26.2.15

Milchproduktion und Tierschutz, Schweizer Tierschutz STS

Kälberhaltung, Schweizer Tierschutz STS

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Mensch. Macht. Milch.

22. Juli 2016

Soeben in Heidis Postfach geflattert: MENSCH MACHT MILCH. Wer sich für Landwirtschaft interessiert oder gar für diese Branche arbeitet, MUSS diesen Comic anschauen und lesen. Die Publikation MENSCH MACHT MILCH (5,8 MB) ist ein Gemeinschaftsprojekt der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. und Germanwatch e.V.; sie wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziell unterstützt. Der Comic zeigt auf wie Konzerne die bäuerliche Landwirtschaft regelrecht verpulvern. Was für Deutschland entworfen wurde, gilt genauso für die Schweiz.

Schlusspunkt des Comics: „Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor einem Wandel: Sie wird zunehmend auf Export getrimmt. Dies ist das Ergebnis der Rahmenbedingungen, die von der deutschen und EU-Politik gesetzt werden – maßgeblich auf Druck der exportorientierten Agrarindustrie. Bäuerliche Milchhöfe müssen wachsenden Betrieben weichen. Ökologie und Tierschutz stehen auf dem Spiel. Und in armen Ländern dieser Welt verzerren billige Lebensmittel aus Europa und Deutschland die dortigen Märkte. Der Sachcomic „Mensch Macht Milch“ gibt einen Einblick in die politische, gesellschaftliche, bäuerliche und privatwirtschaftliche Auseinandersetzung um diese Entwicklungen. Und er macht Vorschläge, wie eine zukunftsfähige Milchwirtschaft aussehen könnte.“

Wollen wir eine zukunftsfähige Landwirtschaft?

Publikation bestellen, gratis, Versandkostenbeitrag oder PDF-Download:
Mensch. Macht. Milch

22.7.16 HOME

Alpkäse – Naturprodukt ohne Wenn und Aber?

19. Juli 2015

Unkrautbekämpfung mit einem selektiven Herbizid auf einer Alp. Das ist ein "überflüssiger" Gifteinsatz, denn eine angepasster Nutzung und Weidepflege sind nachhaltig im ursprünglichen Sinn dieses Unworts.

Unkrautbekämpfung mit einem selektiven Herbizid auf einer Alp. Das ist ein „überflüssiger“ Gifteinsatz, denn eine angepasster Nutzung und Weidepflege sind nachhaltig im ursprünglichen Sinn dieses Unworts.

Kurz bevor Milchkühe auf eine Alpweide getrieben wurden, nahm ein Leser das obige Foto von der Wirkung eines selektiven Herbizids auf. Seine Frage an Heidi: „Gibt es Studien über Herbizid-Rückstände in der Milch, respektive in Milch-Produkten oder Fleisch? Den blöden Spruch ‚ist wie Bio‚ mag ich nicht mehr hören. Ich kaufe nur noch Alpkäse, der auf Bioalpen hergestellt wurde, also ohne Herbizide! Unerwünschte Pflanzen auf einer Alp können problemlos mit der Sense oder dem Motormäher unter Kontrolle gehalten werden. Sogar Brennnesseln werden mit Herbiziden abgespritzt, dabei ist das eine wertvolle Futterpflanze und wird vom Vieh gerne gefressen, wenn sie angewelkt oder trocken sind!“

Vorerst sei festgehalten, dass eine Wartefrist einzuhalten ist. Für die Beweidung mit Milchkühen sind das drei Wochen bei Einzelpflanzenbehandlung mit z.B. Ally Tabs, siehe Ally Tabs im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft.

Heidi kennt keine Studien über Rückstände in Milch und Käse. Schlagzeilen aber macht immer wieder Muttermilch, die mit Umweltgiften verschmutzt ist. Das wahrscheinlich krebserregende Herbizid Glyphosat wurde in Deutschland in Muttermilch nachgewiesen, siehe Herbizid in der der Muttermilch? Badische Zeitung vom 27.6.15. Auch wenn auf Alpen die verspritzte Herbizid-Menge in der Regel klein sein dürfte, zeigt die Studie, dass solche Gifte in die Milch gelangen können.

Grenzwerte haben die Schweizer Behörden keine eigenen festgelegt, sondern die Verordnung des EDI über Fremd- und Inhaltsstoffe in Lebensmitteln verweist für den Wirkstoff von Ally Tabs, also für Metsulfuron-methyl, auf die EU-Gesetzgebung; dort findet man den Grenzwert für Fleisch und Milch von 0,01 mg/kg.

Willi Gut, Lehrer und Berater am Landwirtschaftliches Bildungs- und Beratungszentrum (LBBZ) Schluechthof Zug schreibt im Merkblatt Blacken im April und September bekämpfen: „…Eine sichere Bekämpfung ist immer noch das Ausstechen mit dem Blackeneisen, falls die Wurzeln 15 cm tief ausgestochen werden. In tieferen Schichten hat die Blackenwurzel keine Knospen mehr. Zudem hat man bei der biologischen Bekämpfungsvariante keine Wartefristen einzuhalten…“

Daniel Siegenthaler erklärt wie er das Adlerfarn bekämpft. Aus dem Film "Von Älplern für Älpler" - Extensive Bewirtschaftung lohnt sich, Forschungsprogramm AlpFUTUR. Copyright: Patricia Fry.

Daniel Siegenthaler erklärt wie er das Adlerfarn bekämpft. Aus dem Film „Von Älplern für Älpler“ – Extensive Bewirtschaftung lohnt sich, Forschungsprogramm AlpFUTUR. Copyright: Patricia Fry.

Zur Bewirtschaftung einer Alp ist viel Know-how nötig. Im Rahmen des Forschungsprogramms AlpFUTUR sind drei Kurzfilme zur Bewirtschaftung und Pflege von Sömmerungsweiden entstanden. Die Filme sind auf Youtube und als DVD mit deutschen, französischen, italienischen und englischen Untertiteln erhältlich. Im Film „Von Älplern für Älpler“ – Extensive Bewirtschaftung lohnt sich ist auch die Unkrautbekämpfung ein Thema: *Wehret den Anfängen! …“, sagt der Bauer und erklärt wie er das macht. Unkrautbekämpfung darf nicht isoliert betrachtet werden, die ganze Bewirtschaftung muss stimmen. Man lernt auch die positive Rolle der Brennesseln auf Alpweiden kennen. Der 17-minütige Film zeigt wie die Familie Siegenthaler (Alp Windbruch, Schangnau BE) ihren Bergbetrieb nachhaltig führt und Freude daran hat. Freude, die ansteckt.

Unkrautprobleme sind ein Zeichen für vernachlässigte Weidepflege oder Bewirtschaftungsfehler. Spätestens mit den neuen höheren Alpungsbeiträgen ist es möglich, jemanden für die mechanische Unkrautbekämpfung anzustellen. Lägerfluren vor Ställen hingegen sind „normal“. Früher wurden die Blackenblätter auf Alpen mit Milchproduktion sogar in Fässern siliert und später im Sommer, wenn nicht mehr so viel Schotte anfiel, den Schweinen verfüttert.

Copyright: Walter Dietl

Copyright: Walter Dietl

Wenn es um Alpweiden geht, dann kommt man nicht um den Top-Spezialisten herum. Darum zum Schluss noch ein Link zu Alpweide – Ihre Pflege und Nutzung, Walter Dietl, Zalp.

Pflanzenwelt der Wiesen und Alpweiden, Homepage von Walter Dietl mit Hinweis auf die 4. Auflage seines erfolgreichen Buches „Wiesen- und Alpenpflanzen“.

Heidi meint: „Die Berglandwirte erhalten immer mehr Direktzahlungen. Es wäre an der Zeit, den Einsatz von Herbiziden auf Alpen zu verbieten.“ Der Alpöhi nickt zustimmend.

19.7.15 HOME


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