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Afrika: Für „Neoprotektionismus“ und „fairen Handel“

15. September 2022
Togoische Wirtschaftswissenschaftler, Kommissar bei der Union économique et monétaire ouest-africaine (Uemoa)

Kako Nubukpo: Togoische Wirtschaftswissenschaftler, Kommissar bei der Union économique et monétaire ouest-africaine (Uemoa)

Auch wenn der Kolonialismus nicht mehr offiziell Afrika beherrscht, sind Firmen aus dieser Zeit immer noch vielerorts beherrschend. Auch erinnert das heutige Handelsgebaren mit Afrika an diese Zeit. Billige Rohstoffe, Landwirtschaftsprodukte wie Palmöl oder Naturprodukte werden z.B. importiert und Fertigprodukte, Überschüsse und Abfälle nach Afrika exportiert. Auch die Schweiz profitiert von diesem System.

Kako Nubukpo plädiert für „Neoprotektionismus“ und „fairen Handel“.

Der togoische Wirtschaftswissenschaftler, der auch Kommissar bei der Union Economique et Monétaire Ouest Africaine (Uemoa) ist, veröffentlicht einen neuen Essay, in dem er dazu aufruft, die Entwicklung Afrikas neu zu erfinden.

Nach L’urgence africaine: changeons le modèle de croissance!, das 2019 erschienen ist, wird der togoische Ökonom Kako Nubukpo am 12. Oktober einen neuen Essay mit dem Titel Une solution pour l’Afrique: du néoprotectionnisme aux biens communs im Verlag Odile Jacob in Paris veröffentlichen.

In diesem Buch nimmt der Kommissar für Landwirtschaft, Wasserressourcen und Umwelt der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (Uemoa) in Ouagadougou eine Gegenposition zur „Neo-Globalisierung“ ein, die seit einigen Monaten von Ökonomen aus Bretton Woods propagiert wird.

Gerechtere Abkommen zwischen AKP und EU

Kako Nubukpo setzt sich für einen ökologischen Protektionismus ein, der sich beispielsweise in der Errichtung ökologisch orientierter Barrieren an den Grenzen der afrikanischen Volkswirtschaften niederschlagen würde, um kurze Wege zu fördern. Dies würde Anreize für mehr Investitionen in die lokale Verarbeitung von Afrikas natürlichen Ressourcen schaffen und den Kontinent seiner Meinung nach vor Raubbau aller Art schützen.

Der ehemalige togoische Minister für Vorausschau und Bewertung der öffentlichen Politik schlägt ausserdem vor, die Freihandelsabkommen zwischen den AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik) und der Europäischen Union (EU) grundlegend zu überarbeiten, um sie gerechter zu gestalten, und fordert eine eingehendere Debatte über die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (Zlecaf) – im Rahmen dieses grossen gemeinsamen Marktes auf dem Kontinent sollen „kleine“ Volkswirtschaften mit grossen wie Marokko konkurrieren. Kurz gesagt: Statt „Freihandel“ sollte „fairer Handel“ propagiert werden.

Afrikanische Schuldenagentur

Während Kritiker ihm vorwarfen, in seinem vorherigen Buch nur Feststellungen getroffen zu haben, versucht Kako Nubukpo, der auch für seine Haltung gegen den CFA-Franc in seiner derzeitigen Form bekannt ist, hier ein Lösungsbuch anzubieten. Rund 300 Seiten, die dazu aufrufen, die Entwicklung Afrikas auf der Grundlage seiner Gemeingüter neu zu erfinden.

Dies würde unter anderem durch eine beschleunigte Einführung der Einheitswährung der Gemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) oder auch durch die Schaffung einer afrikanischen Schuldenagentur geschehen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Nahrungsmittelkrise und der weltweiten Inflation wird auch die Landwirtschaft, ein weiteres Lieblingsthema des Wirtschaftswissenschaftlers, ausführlich behandelt.

Quand Kako Nubukpo prône le « néoprotectionnisme » et « le juste échange ». Jeune afrique 14.9.22

Madagaskar-Kontrast: Nahrungsmittelkrise dort und Lebensmittelimport hier

3. Januar 2022
"Überschuss"-Litschi in der Schweiz - Hunger im Produktionsland Madagaskar

„Überschuss-Litschi“ in der Schweiz – Hunger im Produktionsland Madagaskar

Lebensmittelimport in die Schweiz

Liebe Heidi

Foodwaste und oder Aushungern der armen Leute in den Hungerländern!!?

Gestern kurz vor Ladenschluss im Denner neben all den Bergen von 50% Weihnachtsschoggi habe ich Aktions-Litschi gesehen. Auffallend grosse Kerne und wenig Fruchtfleisch, nur 60%!!!

Einfach unglaublich!

Freundliche Grüsse

Charlotte

Dürre in Madagaskar: Die Schweiz stellt zusätzliche 900’000 Franken bereit

Medieninformation Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vom 29.12.21:

Die Schweiz stellt einen zusätzlichen Beitrag von 900’000 Franken zur Bewältigung der schweren Nahrungsmittelkrise in Madagaskar bereit. Mit dieser Summe, die zur Unterstützung der Aktivitäten des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) bestimmt ist, folgt die Schweiz einem internationalen Hilfsappell der madagassischen Behörden und der UNO. Die Lage ist auch in vielen anderen Ländern besorgniserregend: Millionen Menschen leiden Hunger, insbesondere infolge von bewaffneten Konflikten, Covid-19-bedingten Wirtschaftskrisen und den Auswirkungen des Klimawandels. Die Schweiz stellte für 2021 insgesamt 100 Millionen Franken zur Unterstützung des Engagements des WFP bereit, vor allem in Afrika. Dies stellt einen Rekord dar.

Heidis Fragen: „Trauriger Kontrast! Was läuft hier alles schief? Wie hoch ist der Gewinn aus allen Lebensmittelimporten aus Madagaskar? Und anderen Hungerländern?“

Litschis von S.I.I.M

Litschibaum, Wikipedia

FAIRTRADE-zertifizierte Litschis und Ananas aus Madagaskar. Max Havelaar

Dürre in Madagaskar: Die Schweiz stellt zusätzliche 900’000 Franken bereit. Medieninformation Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vom 29.12.21

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Es ist an der Zeit, unser Ernährungs- und Handelssystem umzugestalten!

1. Dezember 2021
Foto Uniterre

Foto Uniterre

Medieninformation Uniterre vom 30.11.21: Schluss mit den Freihandelsverträgen

Es muss Schluss sein mit den Freihandelsverträgen, die durch die WTO-Abkommen gefördert werden! Es ist an der Zeit, unser Ernährungs- und Handelssystem umzugestalten! Die 12. WTO-Ministerkonferenz, die vom 29. November bis 3. Dezember in Genf stattfinden sollte, wurde aufgrund von Covid-Reisebeschränkungen abgesagt. Eine Demonstration gegen die WTO und ihre Handelspolitik fand am 31.11.21 um 17:30 Uhr in Genf auf dem Place Lise Girardin statt.

Die Nahrungsmittel-, Klima-, Umwelt-, Wirtschafts-, Demokratie- und Gesundheitskrisen, die heute in der Covid-19-Pandemie gipfeln, zeigen deutlich, dass eine Umgestaltung des derzeitigen Landwirtschafts- und Ernährungsmodells unerlässlich ist. Diese zahlreichen Krisen sind nicht neu, sondern zeigen die Richtigkeit unseres Vorschlags der Ernährungssouveränität.

Die WTO wurde vor 27 Jahren gegründet. Auf dieser Grundlage greifen regionale oder bilaterale Verträge die gleiche Logik der Deregulierung auf. Es ist eine Logik der Privatisierung von öffentlichen Gütern und einer allgemeinen Konkurrenz. Aber ein Handel, der dem Allgemeinwohl zu gute kommen soll, muss den Regeln des öffentlichen Interesses unterliegen. Die durch Freihandelsabkommen begünstigte Aneignung, Plünderung und Privatisierung, sind eine zerstörerische Barbarei, die die Welt ins Chaos stürzt. Der Wettbewerb um Ressourcen, ist die Ursache für bewaffnete Konflikte und verheerende Kriege. Dies hat die Krise der MigrantInnen in Afrika, dem Nahen Osten, Nordamerika, Lateinamerika und Europa verschärft.

Das Klima, die Böden, die Wasserressourcen, die Biodiversität, die Bauern und Bäuerinnen der Welt, die prekarisierten Bevölkerungsgruppen und die Länder des Südens zahlen einen zu hohen Preis. Dieser Wettbewerbsgeist führt uns gegen die Wand.

Trotz der Unterzeichnung zahlreicher Abkommen, wie dem Pariser Klimaabkommen, den Verträgen zur Biodiversität oder der UN-Erklärung zu den Rechten der Bäuerinnen und Bauern beharrt der Schweizer Bundesrat auf dem Weg der Deregulierung und Privatisierung. In seinen Abkommen treibt er ein räuberisches Agrarsystem voran. Er nimmt die Landwirtschaft als Geisel, um den geistigen Schutz durch Patente zu verstärken, sowohl im Bereich der Gesundheit wie auch beim Saatgut. Jüngste Beispiele sind das Abkommen mit Indonesien, das geplante Mercosur-Abkommen und der anhaltende Druck auf den gesamten Agrarsektor. Besonders nennenswerte Beispiele hierfür sind die Milchwirtschaft, der Getreideanbau und der Weinbau.

Die Grundlage, die zu echtem und nachhaltigem Wohlstand führt, muss eine multilaterale Handelsregulierung sein, die soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte berücksichtigt. Die WTO und ihre Abkommen müssen abgeschafft werden und die Handelsregulierung muss unter Berücksichtigung der oben genannten Aspekte neu gestaltet werden.

Ernährungssouveränität und bäuerliche Agrarökologie setzen sich als unumgängliche Lösungen durch: Die Relokalisierung der Nahrungsmittelsysteme ist entscheidend im Kampf gegen den Hunger, um den Planeten zu kühlen, die Biodiversität zu erhalten und die Rechte der Bäuerinnen, Bauern und der ArbeiterInnen zu respektieren. Am wichtigsten sind die Menschen und nicht die Profite!

Das bedeutet die Wiedergewinnung der nationalen Produktionskapazität, die im Sektor der bäuerlichen und familiären Landwirtschaft verwurzelt sind, durch Budgets des öffentlichen Sektors, garantierte Preise, Kredite und andere Formen der Unterstützung – einschliesslich der Unterstützung der Direktvermarktung zwischen ProduzentInnen und VerbraucherInnen. Der Zugang zu Land muss gefördert werden, um die bäuerliche und familiäre Landwirtschaft sowie Lebensmittel- und Agrarsysteme zu stärken, die den Bedürfnissen von Stadt und Land gerecht werden. Wir müssen Forschungs- und technische Unterstützungssysteme stärken, die auf dem Erfahrungsaustausch zwischen Bäuerinnen, Bauern und partizipativer Forschung basieren.

Als Bäuerinnen und Bauern kämpfen wir auch dafür, dass Gesundheit voll und ganz als Menschenrecht angesehen wird. Wir bekräftigen, dass die Gesundheit mit einer gesunden und nachhaltigen Ernährung beginnt, die das Immunsystem stärkt. Die Ernährungssouveränität schlägt damit eine Möglichkeit vor, sich um das Wohlergehen der Menschen und der Umwelt zu kümmern. Gemeinsam mit Via Campesina fordern wir das Recht auf öffentliche und kostenlose Gesundheit für alle Völker, wie es in Artikel 23 der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der Bäuerinnen und Bauern (UNDROP) definiert ist. Dazu gehört die Möglichkeit, auf Methoden der Präventivmedizin und Langzeitbehandlungen zurückzugreifen, aber auch die Möglichkeit, Zugang zu Impfstoffen zu erhalten. Impfstoffe, die mit Hilfe öffentlicher Gelder entwickelt wurden, dürfen nicht patentiert werden oder der Kontrolle und dem Profit grosser multinationaler Konzerne überlassen werden!

Darüber hinaus muss jeder Einzelne in unseren Gesellschaften Zugang zu allen Informationen haben, um die vorgeschlagenen Behandlungen beurteilen zu können.

Es ist nicht hinnehmbar, dass im 21. Jahrhundert hunderte Millionen Menschen hungern, obwohl es genug Nahrung für alle gibt, und dass die Ungleichheit und die Menschenrechtsverletzungen zunehmen.

Der Kampf für Würde, für Gesundheit, für eine öffentliche Politik, die auf Ernährungssouveränität beruht, und für den Schutz unserer Gemeinschaften und der natürlichen Ressourcen ist unser Recht! Mit Ernährungssouveränität und Solidarität können wir soziale Gerechtigkeit und Würde für alle erreichen!

  • WIR ERNÄHREN DIE WELT UND BAUEN ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT AUF!
  • GLOBALISIEREN WIR DEN KAMPF FÜR EINE GERECHTERE GESELLSCHAFT!
  • GLOBALISIEREN WIR DIE HOFFNUNG AUF EINE BESSERE WELT!

Schluss mit den Freihandelsverträgen. Medieninformation Uniterre vom 30.11.21

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