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Anilin: Wenig, wenig weiss man über Abbauprodukte von Pesti- und Bioziden

5. September 2020
<strong>Aniline</strong> (Also known as: phenylamine; cyanol; benzamine; benzidam. PPDB: Pesticide Properties DataBase. University of Hertfordshire. Stand 9.8.20 Neben gesicherten Daten zu Gesundheitsrisiken, gibt es ein Fragezeichen zur Krebsverursachung, keine Daten über hormonale Wirkung, Auswirkungen auf Fortpflanzung und Entwicklung usw.

Aniline (Also known as: phenylamine; cyanol; benzamine; benzidam. PPDB: Pesticide Properties DataBase. University of Hertfordshire. Stand 9.8.20. Neben gesicherten Daten zu Gesundheitsrisiken, gibt es ein Fragezeichen zur Krebsverursachung, keine Daten über hormonale Wirkung, Auswirkungen auf Fortpflanzung und Entwicklung usw.

Diuron ist ein für den Menschen und die Gewässerorganismen sehr gesundheitsschädigendes Pestizid. Heidi hat darüber berichtet im Artikel Pestizide: Wieso müssen wir uns informieren? In der Schweiz ist es sowohl als Pflanzenschutzmittel wie auch als Biozid zugelassen.

In Deutschland ist Diuron seit etwa 20 Jahren als Pflanzenschutzmittel verboten, seither sind die Grenzwertüberschreitungen im Grundwasser zurückgegangen. Bundesumweltamt: „Im Zeitraum von 1990 bis 1995 zu 1996 bis 2000 stieg die Zahl der Messstellen, an denen der Diurongehalt den Grenzwert von 0,1 µg/l überstieg, von 57 auf 67 an. In den folgenden Zeiträumen von 2001 bis 2005, von 2006 bis 2008 und von 2009 bis 2012 ging die Zahl der belasteten Messstellen auf 42, 37 bzw. 31 zurück.“

Das Gift darf auch in Deutschland noch zum Schutz von Fassaden verwendet werden. Das Bundesumweltamt sucht aber intensiv nach Alternativen.

Als Heidi ihren Artikel Pestizide: Wieso müssen wir uns informieren? vom 11.8.20 schrieb, wusste sie nicht, wieso die Abbauprodukte von Diuron nicht im Rahmen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) untersucht werden, findet man doch im Grundwasser Diuron. Ihre Fragen dazu wurden postwendend von der Eawag beantwortet, aber nicht ebenso postwendend von Heidi veröffentlicht. Die Zeit vergeht mit A wie Aktualität, jetzt aber weiter zu Anilin & Co., den Metaboliten von Diuron!

Diuron und seine Metaboliten

Juliane Hollender, Abteilungsleiterin Umweltchemie der Eawag, antwortete wie folgt auf Heidis Fragen:

Welche Bedeutung hat Diuron in der Schweiz (Einsatz)?

Diuron wird als Pflanzenschutzmittel verkauft, im Durchschnitt 5 bis 10 Tonnen pro Jahr zwischen 2005 und 2015. Diese Produkt ist also nicht unbedeutend. Als Biozid wird es zum Teil auch in der Industrie eingesetzt. Wir finden es häufig in Kläranlagenabflüssen, d.h. es scheint eine Bedeutung als Biozid zu haben.

Gibt es Untersuchungen über die Abbauprodukte von Diuron im Grundwasser oder in Oberflächengewässern?

In einer Mesocosmenstudie (Knauert et al., 2008) haben wir die Bildung der Abbauprodukte (3,4-dichlorophenyl)-3-methylurea (DCPMU) und 3,4-dichlorphenyl-urea (DCPU) untersucht und DSPMU in einer Konzentration von bis zu 15% des zugesetzten Diurons gefunden, DCPU nicht. Es wurden allerdings recht hohe Konzentrationen von Diuron eingesetzt (5 Mikrogramm pro Liter), bei einem Screening in Oberflächengewässern (Kern et al., 2009) haben wir keine Abbauprodukte von Diuron gefunden (36 wurden gescreent, allerdings meist ohne Referenzstandards).

Wieso wurden/werden die Abbauprodukte in NAQUA nicht untersucht?

Im Grundwasserscreening (Kiefer et al., 2019) haben wir nach Diuron, DCPM, DCPU (alle mit Referenzsubstanz) und dem Abbauprodukt Dichloranilin (ziemlich toxisch) gescreent. Wir haben nur Diuron ein paar Mal in sehr geringen Konzentrationen (< 10 ng/L) gefunden.

Ich denke in NAQUA werden die Abbauprodukte nicht untersucht, da aus der Literatur bekannt ist, dass sie nicht in erhöhten Konzentrationen gefunden werden. Das haben wir mit unserer Studie zumindest für die bekannten Abbauprodukte bestätigt.

Biozide auf verputzten Fassaden

In der Schweiz werden jährlich schätzungsweise 10 bis 30 Tonnen Biozide auf Fassaden verwendet. Um ihre Wirksamkeit zu entfalten, müssen biozide Wirkstoffe wasserlöslich und an der Oberfläche verfügbar sein. Aus diesem Grund werden die Wirkstoffe mit dem Regenwasser leicht ausgewaschen und gelangen in Böden, Oberflächengewässer und Grundwasser. In Gewässern können diese Wirkstoffe aquatische Lebewesen schädigen. Einige Wirkstoffe sind sehr langlebig, andere dagegen bauen sich in der Umwelt sehr schnell ab. Quelle: Verputzte Fassaden. Bundesamt für Umwelt, 5.5.20

Mögliche Risiken für die Gesundheit?

3,4-Dichloranilin (3,4-DCA) ist ein Abbauprodukt von Herbiziden auf Anilinbasis wie Diuron. Einige Aromatische Amine (AA), insbesondere von Pestiziden abgeleitete AA, sind in Böden und im Grundwasser persistent und sind potenziell toxisch. Diese Verbindungen können sich in der Umwelt anreichern, wo sie schädliche Auswirkungen haben. Dies gilt insbesondere für 3,4-Dichloranilin (3,4-DCA).

In einem internen Forschungsprojekt innerhalb der Abteilung Pestizidsicherheit des Deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in den Jahren 2017-18 wurden Pestizidwirkstoffe identifiziert, die das Potenzial haben, Anilin und seine Derivate zu bilden. Ziel dieses Projekts war es, die kumulative Verbraucherexposition gegenüber Metaboliten von Anilin und Anilinderivaten zu quantifizieren und die Ergebnisse im Hinblick auf mögliche Risiken für die menschliche Gesundheit zu bewerten.

Für die identifizierten Pestizide wurden alle relevanten Metabolismusstudien (Ratte, Vieh, Pflanze) und Studien über die Art der Rückstände während der Verarbeitung ausgewertet und Daten über eine Teilmenge relevanter Pestizide (Pflanze, Vieh) zur Aufnahme in die MetaPath-Datenbank eingegeben. MetaPath ist eine internationale Datenbank über Pestizidmetabolismus.

Im Rahmen des Projektes 2020 bis 2021 soll die Datenbasis von MetaPath für Anilin und den Abbauprodukte deutlich verbreitert werden.

Das BfR ist die zuständige Behörde der Bundesrepublik Deutschland, die für die Erstellung von Gutachten und Stellungnahmen zur Lebens- und Futtermittelsicherheit sowie zur Sicherheit von Stoffen und Produkten zuständig ist. Im Rahmen seiner Aufgaben liefert die Abteilung Pestizidsicherheit des BfR Risikobewertungen von Pestiziden für die menschliche Gesundheit im Rahmen der Verordnungen (EG) Nr. 1107/2009 und (EG) 396/2005.

Grundwasserbeschaffenheit. Umweltbundesamt. 21.10.19

Biozide in Gebäudefassaden – ökotoxikologische Effekte, Auswaschung und Belastungsabschätzung für Gewässer. Environmental Sciences Europe, 13.1.9

Gedämmte Hauswände enthalten lebensgefährliche Biozide. Welt 3.2.19

Pesticide-Derived Aromatic Amines and Their Biotransformation. ResearcheGate September 2011

MetaPath – Incorporation of Pesticide Residue Data (MetaPath). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Aniline (Also known as: phenylamine; cyanol; benzamine; benzidam. PPDB: Pesticide Properties DataBase. University of Hertfordshire

Medical Definition of Aniline. MedicineNet

DCMU, andere Namen: 3-(3,4-Dichlorphenyl)-1,1-dimethylharnstoff, Diuron®, Karmex, Wikipedia

Diuron. Stoffbewertung – CoRAP. European Chemical Agency

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Pestizide: Wieso müssen wir uns informieren?

11. August 2020
Herbizid Alce, Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft, Stand 5.8.20: Bewilligung beendet: Ausverkaufsfrist: 31.12.2019, Aufbrauchsfrist: 31.12.2020

Herbizid Alce mit den Wirkstoffen Glyphosat, Diuron und Terbuthylazin. Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft, Stand 5.8.20: Bewilligung beendet: Ausverkaufsfrist: 31.12.2019, Aufbrauchsfrist: 31.12.2020

In der Schweiz sind Bewilligungen für Pflanzenschutzmittel zeitlich nicht begrenzt. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) untersucht in der Gezielten Überprüfung (GÜ) gewisse Produkte, ändert Anforderungen wie Abstand zu Gewässern oder verbietet einzelne Produkte ganz, wie das Herbizid Alce per 31.12.20. Viele negativen Auswirkungen werden erst im Laufe der Anwendung in der Praxis bekannt. Diffuse Schäden sind kaum erforschbar wie Störung des Bodenlebens und der Gesundheit.

In der Schweiz ist weiterhin ein Produkt mit dem Wirkstoff Diuron zugelassen: Diuron 80 für Kernobst und Ertragsreben. Diuron darf auch in einigen Staaten der EU eingesetzt werden, ist aber in Deutschland und Österreich nicht zugelassen. In der EU läuft eine Neubewertung des Herbizids aufgrund folgender Bedenken: Potentiell als Hormon wirkende Substanz, weitere expositions-/risikobasierte Bedenken und weit verbreitete Verwendung.

Diuron und seine schädlichen Abbauprodukte

Diuron 80, Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft, Stand 5.8.20.

Diuron 80, Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft, Stand 5.8.20.

Im Schweizer Grundwasser wird Diuron gefunden. Über allfällige Abbauprodukte schweigt der NAQUA-Bericht vom August 2019. Möglicherweise wurden sie nicht untersucht, denn es gibt viele Pestizide und Abbauprodukte, so dass schon aus Kostengründen nur „risikobasierend“ geforscht wird, also die am häufigsten zu erwartenden Stoffe ausgewählt werden.

3,4-Dichloranilin (3,4-DCA) ist ein Abbauprodukt von Herbiziden auf Anilinbasis wie Diuron. Aromatische Amine (AA) sind eine wichtige und breit gefächerte Klasse von Schadstoffen, darunter Industrieprodukte, Medikamente, Verbrennungsprodukte, Pestizide oder Farbstoffe. Einige AA, insbesondere von Pestiziden abgeleitete AA, sind in Böden und im Grundwasser persistent und sind potenziell toxisch. Diese Verbindungen können sich in der Umwelt anreichern, wo sie schädliche Auswirkungen haben. Dies gilt insbesondere für 3,4-Dichloranilin (3,4-DCA).

Diuron 80 im CH-Pflanzenschutzmittelverzeichnis

Heidi hat einzelne Textstellen rot markiert.

Auflagen und Bemerkungen:

  1. Die Aufwandmenge bezieht sich auf die effektiv zu behandelnde Fläche.
  2. SPe 3: Zum Schutz von Gewässerorganismen vor den Folgen von Drift eine unbehandelte Pufferzone von 20 m zu Oberflächengewässern einhalten. Zum Schutz vor den Folgen einer Abschwemmung eine mit einer geschlossenen Pflanzendecke bewachsene Pufferzone von mindestens 6 m einhalten. Reduktion der Distanz aufgrund von Drift und Ausnahmen gemäss den Weisungen des BLW.
  3. Beim Gebrauch einer Hand- oder Rückenspritze ist ein Spritzschirm zu verwenden.
  4. Nur als Reihenbehandlung.
  5. Mind. 4-jährige Anlage.
  6. Ansetzen der Spritzbrühe: Schutzhandschuhe + Schutzanzug + Atemschutzmaske (P2) tragen. Ausbringen der Spritzbrühe: Schutzhandschuhe + Schutzanzug tragen. Technische Schutzvorrichtungen während des Ausbringens (z.B. geschlossene Traktorkabine) können die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung ersetzen, wenn gewährleistet ist, dass sie einen vergleichbaren oder höheren Schutz bieten.

Gefahrenkennzeichnungen:

  • Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
  • EUH401 Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt die Gebrauchsanleitung einhalten.
  • H302 Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.
  • H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H373 Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition.
  • H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
  • SP 1 Mittel und/oder dessen Behälter nicht in Gewässer gelangen lassen.

Solche und weitere Gefahrenkennzeichnungen wie „H360FD Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann das Kind im Mutterleib schädigen“ findet man immer wieder im Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel des BLW.

Die verschiedenen Namen von Diuron

Wikipedia: „DCMU ist ein Phenylharnstoff-Derivat, das als Herbizid verwendet wird und die Photosynthese von Pflanzen hemmt. Es wurde 1954 von der Firma Bayer unter dem Handelsnamen Diuron als Unkrautbekämpfungsmittel eingeführt und wird zur völligen Beseitigung von Pflanzen verwendet (Breitbandherbizid). Es wird zum Schutz von Holz und Mauerwerk und als Beschichtungsmittel eingesetzt.“ DCMU heisst auch:

  • 3-(3,4-Dichlorphenyl)-1,1-dimethylharnstoff
  • Diuron®
  • Karmex

Wieso müssen wir das wissen?

Zitat aus dem Buch Storms of My Grandchildren des Klimawandelforschers der ersten Stunde, James Hansen, übersetzt von Heidi: „Denn – auf die Behörden, welche wir dafür bezahlen, dass sie uns schützen, ist kein Verlass.“ Das lässt sich auch auf Pestizide übertragen! Hansen schreibt übrigens gerade ein neues Buch mit dem Namen „Sophie’s Planet“; es kann bis Kapitel 18 auf seiner Homepage gelesen werden.

Thiacloprid: Schläft die Schweiz? Oder will sie nicht? Heidis Mist vom 17.11.19

Zustand und Entwicklung Grundwasser Schweiz. NAQUA-Bericht 2019, Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Diuron. Stoffbewertung – CoRAP. European Chemical Agency

Pesticide-Derived Aromatic Amines and Their Biotransformation. ResearcheGate September 2011

DCMU, andere Namen: 3-(3,4-Dichlorphenyl)-1,1-dimethylharnstoff, Diuron®, Karmex, Wikipedia

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Chlorothalonil-Verbot: Was soll das bedeuten ….?

13. Dezember 2019
Folie von Ronald Kozel, Miriam Reinhardt BAFU, Sektion Hydrogeologie, SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12

Folie von Ronald Kozel, Miriam Reinhardt BAFU, Sektion Hydrogeologie, SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12

Die Schweiz hat Chlorothalonil per 1.1.2020 verboten. Ende gut, alles gut?

In der Medieninformation des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) vom 12.12.19 steht: „Zudem teilt das BLV die Einschätzung der EU-Kommission, dass Chlorothalonil als wahrscheinlich krebserregend eingestuft werden muss. Somit sind auch alle Grundwassermetaboliten als relevant anzusehen.“ Bisher haben BLW und BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen), nicht alle Metaboliten von Chlorothalonil als „relevant“ eingestuft, während die EU alle Metaboliten als relevant eingestuft hatte. Zum Beispiel R 471811 ist auch heute noch auf der Liste Relevanz von Pflanzenschutzmittel-Metaboliten im Grund- und Trinkwasser als „nicht relevant“ aufgeführt. Warum?

Chlorothalonil-Metabolit R 471811

Heidi hat bei der Eawag nachgeschlagen und folgenden Text gefunden: „Ins Visier der Forschenden geraten sind insbesondere Metaboliten von Chlorothalonil, einem Mittel, das gegen Pilzbefall im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt wird. Ein Chlorothalonil-Metabolit wurden in sämtlichen 31 Proben gefunden, teils in Konzentrationen bis zu 25mal über dem Anforderungswert für Pestizide im Grundwasser in der Gewässerschutzverordnung und für Trinkwasser im Lebensmittelrecht.“

Frage: Um welchen Metaboliten von Chlorothalonil handelt es sich? Die Antwort dazu findet man in der verlinkten Publikation von Karin Kiefer et al., Seite 16 unter Conclusions: „Chlorothalonil TPs were widely present in groundwater. Chlorothalonil TP R471811 was detected in all samples, even in aquifers with low anthropogenic impact. In 20 out of 31 samples, concentrations exceeded 100 ng/L. The human-toxicological risk needs to be assessed as well as the fate in drinking water treatment.“

New Relevant Pesticide Transformation Products in Groundwater Detected Using Target and Suspect Screening for Agricultural and Urban Micropollutants with LC-HRMS. Water Research, Volume 165, 15 November 2019, 114972

Nun stellt sich die Frage: Wo im Trinkwasser ist der Chlorothalonil-Metabolit R 471811 zu finden? Müssen weitere Trinkwasserfassungen geschlossen werden? Oder ist den VerfasserInnen der BLW-Medieninformation ein Fehler unterlaufen? Oder beharrt das BLW darauf, dass R 471811 für die Schweiz „nicht relevant“ ist?

Wasserversorger kritisierten 2012 die hohen Grenzwerte für „nicht geregelte Fremdstoffe“

Unter dem Titel „Grundwasser: Gefährden neue Grenzwerte das Vorsorgeprinzip?“ berichtete Heidi am 10.3.13 über die SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12. Roman Wiget von der Seeländischen Wasserversorgung forderte daher von den involvierten Bundesämtern eine klare Bekennung zum Vorsorgeprinzip und von den Kantonen eine konsequente Umsetzung der Gewässerschutzgesetzgebung, welche ab Konzentrationen über 100 ng/L geeignete und griffige Massnahmen gegen Pflanzenschutzmittel und andere Fremdstoffe verlangt. „Auch wenn einige Pestizide und Herbizide keine direkte Gesundheitsgefährdung darstellen, sie gehören definitiv nicht ins Trinkwasser“, so auch die Haltung des Branchenverbands der Schweizerischen Trinkwasserversorger, des SVGW.

Die Folien aller Beiträge finden Sie hier: SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“.

Folie von Daniel Hartmann, Sybille Kilchmann BAFU, Sektion Grundwasserschutz. Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser SVGW Wasserfachtagung, Olten, 9. März 2012

Folie von Daniel Hartmann, Sybille Kilchmann BAFU, Sektion Grundwasserschutz. Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser SVGW Wasserfachtagung, Olten, 9. März 2012

Grundwasserbeobachtung NAQUA: Sankt Exkrementia

18. August 2019

In der Schweiz auch:
Heilige Güllerina / Sainte Lisiere / Santa Puzzata / Sontga Mierda
Ein Eintrag ins Lexikon der Heiligen ist beantragt. ZUVIEL Fleisch-und Milch-Konsum – ZUVIEL Tiere – ZUVIEL Gülle und Mist.

Leserbrief

Liebe Heidi

Du hast es ja immer wieder und immer wieder gesagt! Jetzt schreiben alle darüber. Ich schicke dir ein paar Links.

Die Reaktion des SBV ist aufschlussreich: schiebt alles auf die Grenzwerte (Behörden) und kein Wort zum Nitrat.

Darüber hinaus weist der Bauernverband darauf hin, dass die sogenannten Metaboliten, Wirkstoffe aus Pflanzenschutzmitteln oder Abbauprodukte davon, bis vor kurzem von den Schweizer Behörden punkto Verschmutzung als «nicht relevant» eingestuft worden seien.

Und der Wald?

Beste Grüsse

Magdalena

Linkliste

BAFU – Grundwasser in der Schweiz ist unter Druck
Bern, 15.08.2019 – In der Schweiz sind wir es gewohnt, dass aus Grundwasser qualitativ einwandfreies Trinkwasser in ausreichender Menge gewonnen werden kann. Dies ist heute jedoch nicht mehr selbstverständlich, denn die Grundwasservorkommen weisen zunehmend Verunreinigungen auf, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen. Zu diesem Schluss gelangt der Bericht der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA, den das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am 15. August 2019 veröffentlicht hat.

Zustand und Entwicklung Grundwasser Schweiz, BAFU.

Das Schweizer Grundwasser ist mit Pestiziden und Dünger belastet, Angelika Hardegger, NZZ vom 14.8.19

Kritischer Grundwasser-Bericht: Die Bauern wehren sich, NZZ vom 15.8.19

Waldökosysteme: Zu viel Stickstoff ist ungesund: 95 % der Schweizer Wälder sind heute mit Stickstoff überdüngt. Das bringt Bäume und Waldökosysteme gleichermassen aus dem Gleichgewicht (d.h. auch im Moor, in der Magerwiese …).

Bafu ortet Nitratüberschüsse und Pflanzenschutz-Rückstände im Grundwasser, Adrian Krebs, Bauernzeitung vom 15.8.19

SBV: Sauberes Trinkwasser ist gemeinsames Anliegen, LID vom 15.8.19: Die grösste Belastung stammt gemäss Bericht vom Nitrat. Natürlicherweise wäre die Nitratkonzentration im Grundwasser im Bereich von wenigen Milligramm pro Liter. An 15 Prozent der Messtellen wurden 2014 Konzentrationen von über 25 mg/l nachgewiesen. An 2 Prozent der Messtellen wurde auch der Höchstwert der Lebensmittelgesetzgebung von 40 mg/l nicht eingehalten. Die hohen Nitratwerte stammen hauptsächlich vom Hof- und Mineraldünger.

Die Bauern haben Angst … SBV-Nebelpetarde Grundwasser

7. Juni 2019
Das verallgemeinernde "SBV-Sauberkeitszertifikat" für das Grundwasser "bedenkenlos geniessbar" beruht nicht auf Tatsachen. Es klammert in unverantwortlicher Weise die Pestizid-Metaboliten und das Nitrat aus. Heidi meint: "Das entspricht nicht den Fakten, ist, einfach ausgedrückt, eine Lüge. Bild aus Umweltindikatoren Bafu.

Das verallgemeinernde „SBV-Sauberkeitszertifikat“ für das Grundwasser „bedenkenlos geniessbar“ beruht nicht auf Tatsachen. Es klammert in unverantwortlicher Weise die Daten über Pestizid-Metaboliten und das Nitrat aus. Heidi meint: „Das entspricht nicht den Fakten, ist, einfach ausgedrückt, eine Lüge.“ Bild aus Umweltindikatoren Bafu.

Heidi staunte nicht schlecht, als sie die Medieninformation des Schweizer Bauernverbands (SBV) vom 4.6.19 las. Zitate:

„Der Schweizer Bauernverband propagiert den Verzicht auf vier Wirkstoffe, die am häufigsten im Grundwasser gefunden werden. Diese überschreiten den Anforderungswert in den seltensten Fällen, so dass das Wasser sowieso bedenkenlos geniessbar ist …

… Der SBV beschäftigt sich auch mit der Situation beim Grundwasser. Dort ist die Ausgangslage bereits sehr gut: Aktuell halten 98 Prozent der Grundwasserfassstellen den extrem tiefen Anforderungswert von maximal 0.0000001g/l Rückständen ein …

… Gemäss den Analysen der nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) findet man in den Proben meist die vier gleichen Wirkstoffe aus der Landwirtschaft respektive deren Metaboliten: Bentazon, Chloridazon, Fluopicolid und S-Metolachlor, die breit im Ackerbau, z.B. bei Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben, zum Einsatz kommen …“

Ein paar Fakten:

  • Bentazon: Das EU-Parlament entschied sich gegen Bentazon. Aus diesem Grund liefen in Deutschland und Österreich die Zulassungen Bentazon-haltiger Pflanzenschutzmittel aus (Bentazon/Wikipedia). In der Schweiz ist Bentazon zugelassen.
  • Chloridazon: In der EU ist die Zulassung am 31.12.18 ausgelaufen. In der Schweiz fordern Wasserversorger seit 2012 ein Verbot von Chloridazon. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat das Pestizide in Anhang 10 der Pflanzenschutzmittelverordnung verschoben, d.h. es wird im Hinblick auf ein Verbot geprüft; je nach Interesse der chemischen Industrie an diesem Wirkstoff kann es aber noch lange dauern bis er verboten wird.

Vor allem Abbauprodukte von Pestiziden treten im Grundwasser in Konzentrationen über dem Grenzwert auf. Diese wurden im Zulassungsverfahren des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) als nicht relevant eingestuft. Jedoch sind gerade diese Stoffe sehr schwer abbaubar und werden daher noch lange im Grundwasser sein. Eine unabhängige Risikobewertung liegt nicht vor.

Aus dem Artikel Reinhardt:

Heidi empfiehlt Ihren LeserInnen, den Bericht des Bundesrates zur Umweltlage Umwelt Schweiz 2018 zu lesen. Darin wird betr. Pestizide auf den Bericht Reinhardt et al. 2017 verwiesen.

Zitate:

… Im Vergleich zu den PSM-Wirkstoffen sind viele Metaboliten mobiler und zudem häufig langlebiger. So werden 11 PSM-Metaboliten (von 7 verschiedenen Wirkstoffen) an insgesamt rund 20% der Messstellen in Konzentrationen von mehr als 0,1 µg/l nachgewiesen (Tab. 4). An mehr als 50% der Messstellen treten PSM-Metaboliten im Grundwasser auf …

Unabhängig von ihrer Toxizität zählen PSM-Metaboliten zu den künstlichen langlebigen Substanzen, deren Eintrag ins Grundwasser im Sinn eines vorsorgenden Grundwasserschutzes verhindert bzw. minimiert werden sollte. Einmal ins Grundwasser gelangt, werden sie dort kaum oder nur sehr langsam abgebaut. Da sich das Grundwasser häufig erst innerhalb mehrerer Jahre bis Jahrzehnte erneuert und daher ein ausgesprochenes «Langzeitgedächtnis» besitzt, ist es besonders wichtig, frühzeitig und vorausschauend zu agieren …

Lesen Sie auch Heidis Bericht über die Ziele Grundwasserqualität mit zahlreichen ernüchternden Fakten und Links:

Grundwasserqualität: Das Ziel nicht vergessen! Heidis Mist vom 13.1.19

Die kurze Medieninformation des SBV wurde nach einem beliebten Schema verfasst:

  • So tun, also ob man die Probleme im Griff hätte.
  • Mehr versprechen als vorgeschrieben, dies aber unverbindlich.
  • Nicht alles sagen (beschönigen).
  • Unrealistische Ziele nennen.
  • Auf Umweltverschmutzer ausserhalb der Landwirtschaft zeigen.

Verzicht auf problematische Pflanzenschutzmittel, Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 4.6.19

Bund erwägt Verbot für Rüben-Pestizid, Tages Anzeiger vom 3.4.19

Bericht Reinhardt: Monitoring von PSM-Rückständen im Grundwasser, Artikel Aqua & Gas 6/17

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Ernährungssicherheit ohne sauberes Wasser?

26. Januar 2016

Wann werden die Bauern merken, dass Ernährungssicherheit ohne sauberes Wasser kein sinnvolles Ziel ist?

Sauberes Schweizer Wasser für die Menschen, die Wasserwelt und unsere Wild- und Nutztiere!

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 Kernindikator Pflanzenschutzmittel im Grundwasser, Stand 26.1.16, Quelle: http://www.bafu.admin.ch/umwelt/indikatoren/08605/08685/index.html?lang=de

Kernindikator Pflanzenschutzmittel im Grundwasser, Stand 26.1.16, Quelle:
http://www.bafu.admin.ch/umwelt/indikatoren/08605/08685/index.html?lang=de

 

Die roten Punkte bedeuten: Der Anforderungswert gemäss Gewässerschutzverordnung, Anhang 2 ist überschritten, die Behörden müssen handeln.

Die aktuellen Daten sind hier abrufbar.

 

Nitrat im Grundwasser, Stand 28.1.16: Die roten Punkte bedeuten: Der Anforderungswert von 25 mg/l gemäss Gewässerschutzverordnung, Anhang 2 ist überschritten, die Behörden müssen handeln. Violett bedeutet: Sogar der Toleranzwert für Trinkwasser von 40 mg/l gemäss Fremd- und Inhaltsstoffverordnung ist überschritten.

Die aktuellen Daten sind hier abrufbar.

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Gilt ein Gesetz auch für Bauern?

27. Februar 2015

Grundwasser

„Jetzt bin ich wieder einmal stolz auf meinen Kanton!“ Mit diesen Worten stürmte der Geissenpeter zur Tür herein, „wo du doch dauernd Schlechtes über meine Heimat schreibst. Was würde Johanna Spyri denken?“ Heidi richtete den Timer für das Brot im Ofen, denn Peters Benehmen kündigte ein langes Gespräch an.

„Ich habe endlich die Beilage Hofdünger der UFA-Revue vom Dezember 2014 gelesen. Im Artikel Richtig planen – bessere Wirkung von Gaël Monnerat steht beim Untertitel Vorgehen (siehe Seite 51) «… Der Vollzug obliegt den Kantonen: Sie organisieren die Kontrollen und bewilligen Notausträge bei ungünstigen Wetter- und Bodenverhältnissen. Die Bewilligungspraxis unterscheidet sich von Kanton zu Kanton, so ist entweder die Gemeinde, der Bezirk oder der Kanton zuständig… Die zuständigen Stellen entlassen den Landwirt, wenn es zu einer Gewässerverschmutzung kommt, jedoch nicht aus seiner Verantwortung. Werden Quellen oder Wasserläufe verschmutzt, ist der Bauer für die entstandenen Schäden verantwortlich. » Und wenn das Grundwasser verschmutzt wird?“

Peter fuhr fort: „Siehst du, nicht einmal die UFA-Revue ist richtig informiert! Die Behörden im Kanton Graubünden haben schon längst erkannt, dass sie keine Bewilligungen für gesetzeswidriges Handeln ausstellen dürfen. Zwar brauchte es deine Erläuterung des Sachverhalts, aber – immerhin – sie haben es eingesehen. Und die ewig gestrigen Unterländer? Sie wissen heute noch nicht, dass ein Gesetz ein Gesetz ist. Du hast doch schon darüber geschrieben? Bitte, bitte bring einen Link zu den entsprechenden Artikeln an!“

Heidi weiss: „Wenn ein Bauer z.B. Gülle auf Schnee ausbringt und angezeigt wird, dann muss er mit einer Busse und Kürzung der Direktzahlungen rechnen, und zwar auch dann, wenn kein Gewässer sichtbar verschmutzt wird. Etwa das Versickern ins Grundwasser sieht niemand! Die Vorschriften über das Ausbringen von Düngern in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (Anhang 2.6, Ziffer 3.2.1) gelten nicht nur für Bauern, sondern wurden extra der Bauern wegen verfasst, um das Risiko von Grundwasser- und Gewässerverschmutzungen zu senken.“

Peter ergänzte: „Wo genügend Lagerraum für Gülle und Mist vorhanden ist und das Hofdünger-Management stimmt, da gibt es auch kaum echte Notfälle.“

Gerne erfüllt Heidi den Wunsch des Geissenpeters. Im Moment erhält sie sowieso viele Anfragen zum Thema:
Gülle im Bach – was tun?
Wann ist es im Kanton Luzern im Winter erlaubt zu güllen?
Gülle im Winter auf Schnee erlaubt?
Darf man bei Regen Gülle fahren?
Darf man Mist auf Schnee ausbringen?

Das Märchen von der Gülle-auf-Schnee-Bewilligung

Gülle-Schock Mitte Februar 2008

4. Newsletter Grundwasserschutz: Januar 2014: Jedes Jahr im Winter stellen sich Landwirte, Fischereiaufseher, Behörden, Bürgerinnen und Bürger dieselbe Frage aufs Neue: Darf jetzt Gülle ausgebracht werden oder nicht? BAFU 16.12.13

Gülleanwendung im Winterhalbjahr, BAFU, Abteilung Wasser, im Dezember 2013

27.2.15 HOME

Zuviel Nitrat im Grundwasser: Deutschland und die Schweiz

15. Januar 2015
In der Schweiz enthält das Grundwasser an 15 bis 20% der Messstellen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) zuviel Nitrat. Im Ackerbaugebiet sind es gar 50%.

In der Schweiz enthält das Grundwasser an 15 bis 20% der Messstellen der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) zuviel Nitrat. Im Ackerbaugebiet sind es gar 50%.

“Die zu hohen Stickstoffverbindungen sind eines der grossen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit”, leitet der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen sein am 14. Januar vorgestelltes über 560 Seiten starkes Gutachten mit dem Titel “Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem” ein. Zitat aus Nitrate: Wenn die Politik wartet, müssen Natur und Wasserkunden bezahlen, Bericht von Siegfried Gendries, Lebensraum Wasser, 14.1.15. Zeit Online titelte Landwirtschaft. Im Düngewahn. Bericht des Sachverständigenrats für Umweltfragen, Kurzfassung sowie detaillierter Bericht.

Und wie sieht es in der Schweiz aus? Wir profitieren davon, dass viel relativ sauberes Wasser aus den Bergen ins Grundwasser sickert und Verschmutzungen verdünnt. Gemäss Agrarbericht 2014 des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), Seite 90, ist der Verbrauch von Stickstoffdünger 2013 leicht gesunken, während der Import von Kraftfutter (ist auch Dünger!) einen Höchststand von einer Million Tonnen erreicht hat.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bewertet den Kernindikator Nitrat im Grundwasser wie folgt:
Bewertung des Zustandes     negativ   negativ
Bewertung Entwicklung     neutral   neutral

Heidi ist gespannt, ob diese optimistische Voraussage sich bewahrheitet. Wie werden die Zahlen des nächsten Agrarberichts aussehen? Hat die Agrarpolitik 2014-17 etwas bewirkt oder bleibt alles beim Alten (wie ein informierter Leser befürchtet)?

Es zeigt sich immer wieder, dass gut gemeinte Massnahmen unerwünschte Effekte zeitigen z.B. das Pilotprojekt des BLW zur Senkung von Ammoniak-Emissionen schafft falsche Anreize. Eveline Dudda hat am 5.1.15 im Infosperber darüber berichtet, siehe Statt Tierbeiträge gibt’s Beiträge pro Kuh. „Paradox: Für Bauern, die Ammoniak-Gase reduzieren, lohnt es sich, möglichst viele Kühe zu halten.“ Bezahlt haben wir Steuerzahlenden bisher 900’000 Franken, das Resultat ist zweifelhaft. Die Einflussfaktoren sind vielfältig der „Anreiz“ fördert zudem den Kraftfutterverbrauch, d.h. im Klartext den Futtermittelimport. Das dürfte zwar nicht das vom BLW angestrebte Ziel sein, jedoch der einfachste Weg für die Bauern, den Harnstoffgehalt in der Milch zu senken.

Eigentlich müsste aber die ganze Kette Dünger-Futterbau-Rationsgestaltung optimiert werden, meint Annelies Bracher von Agroscope Posieux. Die Art und Weise wie nach Milchharnstoff bezahlt wird, entspricht nicht ihren Vorstellungen, denn Bauern die es bis jetzt gut gemacht haben, fallen aus dem Raster. Kommentar von Peter Kunz vom HAFL zum Projekt: „Ich bin der Meinung, das Ganze ist nicht durchdacht.“

Möglichkeiten zur Reduktion von Ammoniakemissionen durch Fütterungsmassnahmen beim Rindvieh (Milchkuh):
Ausführlicher Bericht, Annelies Bracher, SHL (heute: Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL), 3052 Zollikofen und Agroscope
Präsentation an der ALP-Tagung 2011.

Segen und Fluch des Düngers, Heidis Mist vom 24.5.13

15.1.15 HOME

Mini-Rückblick mit Zahlen und Fakten

31. Dezember 2014
Zur Erinnerung: Sauberes Grundwasser ist eine Voraussetzung für sauberes Trinkwasser, denn 80% unseres Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser.

Zur Erinnerung: Sauberes Grundwasser ist eine Voraussetzung für sauberes Trinkwasser, denn 80% unseres Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser.

Eigentlich hatte Heidi das Blog-Jahr 2014 abgeschlossen, doch dann traf der WordPress-Rückblick 2014 für Heidis Mist ein. Drei Rubriken und Erinnerungen haben sie zurück an den Computer gelockt.

Einmal mehr hat es kein einziger Artikel über Gewässerschutz auf die ersten drei Plätze der am häufigsten gelesenen Artikel geschafft. Gemäss üblicher Medien-Marketing-Strategie müsste Heidi mehr über Tierschutz, Urban Farming und Architektur schreiben. Doch wer kümmert sich dann um die ganz kleinen Tierchen in Bächen, Seen und im Grundwasser?

Die USA haben Österreich von der dritten Stelle der Leserzahlen verdrängt, was insofern nicht erstaunt, als Heidis Mist mehr AbonnentInnen in den USA hat als im Nachbarland Österreich. An erster Stelle ist nach wie vor mit Abstand die Schweiz, gefolgt von Deutschland. Hingegen wurden 83% der Kommentare von AusländerInnen verfasst.

Vieles hat sich 2014 verändert, etwas ist Heidi besonders in Erinnerung. Sie suchte im Sommer die Sektion Grundwasserschutz des Bundesamts für Umwelt, doch diese war verschwunden, einfach weg! Recherchen ergaben, dass die oberste Hüterin unserer wichtigsten Trinkwasser-Ressource aufgelöst und auf zwei neue Sektionen verteilt worden war: Gewässerschutz und Wasserqualität.

Das ist aber noch nicht alles. Der Chef der ehemaligen Sektion Grundwasserschutz, Daniel Hartmann, und sein Stellvertreter, Benjamin Meylan, gingen in Pension, eine willkommene Gelegenheit für das BAFU, zwei Stellen zu streichen. So hat das Grundwasser nicht nur zwei erfahrene Schützer verloren, sondern auch die Zahl der Schützer hat abgenommen, was in einer so kleinen Gruppe von Fachleuten ins Gewicht fällt. Ein solches Vorgehen ist beim Bund eine gängige Praxis: Man spart dort, wo es am reibungslosesten geht. Wird es den Newsletter Grundwasserschutz in Zukunft noch geben? Wohl kaum! Heidi wird ihn vermissen.

Noch zu finden sind viele Informationen über das Grundwasser, Spuren der grossen Leistungen dieser Sektion. Zahlreiche der Errungenschaften werden auch in Zukunft helfen, das Grundwasser zu schützen: Gesetzte, Verordnungen, Wegleitungen, Vollzugshilfen, digitale Schweizer Gewässerschutzkarte usw. sowie das legendäre NAQUA (Nationale Grundwasserbeobachtung), welches von der Sektion Hydrologie betreut wird. Heidi kann sich gut vorstellen, gegen welche Widerstände die Leute zu kämpften hatten. Herzlichen Dank für die hervorragende Arbeit!

Heidi hofft, dass der Grundwasserschutz seinen verkleinerten und zerstückelten Platz halten kann, wünscht viel Erfolg und freut sich auf die Arbeit der übrig gebliebenen Grundwasserschützer. Sie wünscht sich auch, dass die zwei neuen Chefs des Grundwasserschutzes am gleichen Strick zugunsten des unsichtbar in der Tiefe liegenden Schatzes ziehen werden.

Zum Schluss noch etwas Positives: Heidis Mist wird es auch 2015 geben! Das ist nötig, denn z.B. im Bündnerland liegen jetzt schon wieder Misthaufen im Feld über dem Grundwasser (auch Bio-Knospe-zertifizierter Mist); sie werden erfahrungsgemäss monatelang dort bleiben, eine Verschmutzungsgefahr für das Grundwasser. Das ist nicht weiter erstaunlich, weil es nicht nur bei Bauern, sondern auch bei Bündner Ämtern an Einsicht und Vollzugswille mangelt. Also Prosit Neujahr … und auf Wiedersehen oder -lesen im 2015!

31.12.14 HOME

NADUF, NAQUA, NAWA…

29. Oktober 2013
Die Wasserqualität, die Wasserführung und die Gewässerstruktur bestimmen die Qualität eines Gewässers und die Eignung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Die Wasserqualität, die Wasserführung
und die Gewässerstruktur bestimmen die Qualität eines Gewässers und die
Eignung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Viele Wasserproben werden in der Schweiz mit unterschiedlichen Zielen analysiert. Oft ist es schwierig, die Resultate zu vergleichen oder daraus gar gesamtschweizerisch Schlüsse zu ziehen. Nun haben das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und die Kantone gemeinsam ein Messprogramm geschaffen, um den Zustand und die Entwicklung der Schweizer Oberflächengewässer auf nationaler Ebene dokumentieren und beurteilen zu können: das NAWA. Es umfasst ein Basismessnetz zur langfristigen Dauerbeobachtung, das NAWA TREND, sowie problembezogene Spezialbeobachtungen, NAWA SPEZ.

NAWA soll eine Übersicht über den Zustand der Oberflächengewässer vermitteln und dessen mittel- und langfristige Entwicklung aufzeigen. Dies mit dem Ziel, Probleme früh zu erkennen, die Wirkung von Massnahmen zu kontrollieren und die schweizerische Gewässerschutzpolitik zu steuern. Eine ausführlicher Bericht dokumentiert die Ziele und das Konzept NAWA. Die Messstellen NAWA TREND sind im Anhang detailliert beschrieben.

NAWA – Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität, Konzept Fliessgewässer, BAFU UW-1327-D, 72 Seiten, PDF; Anhang, 58 Seiten über Messstellen NAWA TREND, PDF

Bereits 1972 gegründet wurde NADUF, Nationale Daueruntersuchung der Fliessgewässer; ein gemeinsames Projekt des BAFU, der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) und – seit 2003 – der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL):
NADUF – Nationale Daueruntersuchung der Fliessgewässer

Das Messnetz der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA besteht aus vier Modulen: Grundwasserquantität QUANT, Grundwasserqualität TREND und SPEZ sowie ISOT. ISOT dient der Beobachtung der Wasser-Isotope im Wasserkreislauf, d.h. im Niederschlagswasser, in Fliessgewässern sowie im Grundwasser.
NAQUA – Nationale Grundwasserbeobachtung

29.10.13 HOME


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