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Schweizer Kälbermärkte: Drama in drei Akten – Dritter Akt: Fehlende Vernunft im Parlament

25. Juli 2017
Mastkälber dürfen schon im Alter von 121 Tagen auf Schlachtviehmärkten verkauft werden.

Mastkälber dürfen schon im Alter von 121 Tagen auf Schlachtviehmärkten verkauft werden.

Die einzige Konstante in der Agrarpolitik sind die sich widersprechenden Ziele. Hier korrigieren, dort verteufeln. Einen Meter vorwärts, zwei nach links, drei zurück… Was wir jetzt haben ist ein riesiges Labyrinth. Darunter leiden auch die Tiere, obwohl das Tierwohl dem Schweizer Volk wichtig ist, heisst es mindestens. Zum Beispiel Kälbermärkte.

Ein Spezialist im Generieren von Ausnahmen und Vertreten von Eigeninteressen ist Nationalrat und Erich von Siebenthal (Lobbywatch.ch). Der Bergbauer versteht es, im Parlament die Stimmung des Magazins Schweizer LandLiebe aufkommen zu lassen: Zurück zur Natur; Sehnsucht nach heiler Bergwelt, die dort nie war …

Motion 14.3541 Erich von Siebenthal

Das „Problem“ beschränkt sich auf das Berner Oberland, also auf die Heimat von Erich von Siebenthal. Die Bauern wollen die Kälber schon im Alter von 121 Tagen statt erst 161 auf Schlachtviehmärkten verkaufen dürfen. Dies diene der Arbeitsteilung zwischen Berg- und Talgebiet, heisst es. Im Klartext generiert dieses System aber Importkontingente, dank derer die Bauern bessere Preise lösen.

Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, hat inzwischen mit dem Bauernverband und den Viehhändlern eine private Lösung gefunden, so dass die Motion eigentlich überflüssig geworden ist. Doch die Bauern trauen der Abmachung offenbar nicht und wollen eine staatliche Regelung, um allenfalls Druck ausüben zu können. Heidi hört immer wieder von den Bauern, dass es zu viele Regelungen gebe, doch sie selber wollen mehr … und das kostet in diesem Fall: 200’000 bis 300’000 Franken für die Anpassung der Tierverkehrsdatenbanken. Und das wegen 3’000 Berner Oberländer Kälbern!

Unser Parlament hat sich Zeit für eine ausführliche Debatte genommen und die leicht geänderte Motion von Siebenthal angenommen, der Ständerat am 27.9.16 mit 38:0 Stimmen, der Nationalrat am 7.3.17 mit 100:87 Stimmen. Nun werden in Zukunft wieder Mastkälber auf Schlachtviehmärkten zum Verkauf angeboten.

SAB fordert weniger Administration

Wenn es um das Wohl der Bauern geht, dann darf es nicht genug Administration und Regulierung sein, aber sonst …? Laut einer Mitteilung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) vom 4.7.17 hemmen administrative Lasten die Entwicklung der Berggebiete. Handlungsbedarf ortet die SAB bei der Raumplanungs- und Umweltschutz-Gesetzgebung.

Nebeneffekt: mehr Antibiotika

Auf Schlachtviehmärkten kommen gemäss neuer Regelung Mastkälber zusammen; sie können sich gegenseitig mit Krankheiten anstecken. Dann werden die Tiere zur Fortsetzung der Mast in einen anderen Bauernhof transportiert, wo sie erneut auf fremde Kälber treffen. Also werden sie meist prophylaktisch mit Antibiotika behandelt. Neu ist zwar die Regelung, dass der Bauer für diese prophylaktische Behandlung (theoretisch) den Tierarzt beiziehen muss. Das dürfte kein Problem sein, denn für den Tierarzt ist das ein Geschäft. Wenn ER oder SIE es nicht macht, dann vielleicht die Konkurrenz.

Eigentlich müsste der Antibiotika-Einsatz stark reduziert werden. Oder ist die Strategie Antibiotikaresistenzen StAR des Bundes nur eine Sternschnuppe?

Unterschied zwischen Mastrind und Mensch? Heidis Mist 8.1.17

Heidis Artikel zum Stichwort Antibiotika

Motion 14.3542 von Erich von Siebenthal, Tiere ab einem Alter von 121 Tagen an den öffentlichen Schlachtviehmärkten.

Schweizer Kälbermärkte: Drama in drei Akten – Zweiter Akt: Bankkälber, Heidis Mist 16.5.17

Schweizer Kälbermärkte: Drama in drei Akten – Erster Akt: Tränker, Heidis Mist 10.4.17

Die SAB bekämpft die administrativen Lasten im Berggebiet, SAB-Medienmitteilung Nr. 1136 vom 4.7.17

25.7.17 HOME

Bürgerliche mästen die fetten Fleischbarone

2. Dezember 2016
Ausschnitt aus unlautere Werbung von Proviande

Ausschnitt aus unlautere Werbung von Proviande

Wir Steuerzahlende subventionieren Fleischwerbung! Auch unlautere! Dies obwohl „wir“ eigentlich zu viel davon verzehren in Anbetracht der dafür getätigten Importe an Hilfsgütern, des Antibiotika-Einsatzes, der Gewässerverschmutzung, der Klima-Erwärmung, der Gesundheit, der Urwaldabholzung … Wenn es um Gesundheitsprävention geht, z.B. Tabak, Alkohol, Zucker, mehr Gemüse und Früchte statt Fleisch usw. dann ist unser Parlament dagegen.

Aber jetzt hat die Wirtschafts- und Abgabe-Kommission (WAK) des Nationalrates mit 17 gegen 6 Stimmen der Interpellation von Nationalrat Beat Jans eine Abfuhr bereitet. Er will nämlich die jährlichen Bundes-Subventionen in der Höhe von sechs Millionen Franken an die Proviande-Fleischwerbung streichen. Obwohl der Bund fast überall spart, auch bei der Forschung, soll weiter mit Bundesgeldern Fleischwerbung betrieben werden. Nächste Woche entscheidet der Nationalrat über die Interpellation. Es ist zu hoffen, dass er weiser ist. Der Ruf nach mehr Markt ist sonst im Parlament allgegenwärtig.

Ein ausführlicher Bericht von Kurt Marti im Infosperber von heute 2.11.16: Bürgerliche mästen die fetten Fleischbarone.

2.12.16 HOME

Von Cocain, Palmöl und Raps

23. September 2015
„1.000 Hektar Torfregenwald wurden hier verbrannt“, so Umwelt-Aktivist Feri Irawan im TV-Interview. „Doch noch können wir den größten Teil des Waldes retten.“ Kalimantan/Indonesien, Foto: Rettet den Regenwald e.V.

„1.000 Hektar Torfregenwald wurden hier verbrannt“, so Umwelt-Aktivist Feri Irawan im TV-Interview. „Doch noch können wir den grössten Teil des Waldes retten.“ Kalimantan/Indonesien, Foto: Rettet den Regenwald e.V.

Kolumbien: Abholzung für das „Recht auf billige Seife“

„Never mind cocain – big farming is far worse.“ sagt Liliana M. Dávalos, Assistenzprofessorin an der Stony Brook University in New York in einem Interview im New Scientist vom 8.8.15. Sie ist in den Llanos in Kolumbien aufgewachsen, einem von Wäldern durchsetzten natürlichen Weidegebiet. „Die Llanos werden mit Lichtgeschwindigkeit in eine riesige Plantage verwandelt für – ich weiss nicht – unser Recht auf billige Seife.“ Die Abholzung für den illegalen Anbau von Coca sei um Grössenordnungen kleiner als die Zerstörung durch die boomende legale industrielle Landwirtschaft. Die Wälder in den Llianos seien grösstenteils verschwunden zugunsten des Weltmarkts: Palmöl, Soja, Zuckerrohr usw. Die Produkte liegen auch in unseren Läden.

Revision Umweltschutzgesetz: Resultat ernüchternd

Die Grünen, allen voran Maya Graf, setzten sich im Rahmen der Revision des Umweltschutzgesetzes (Gegenvorschlag zur Grünen Wirtschaft) dafür ein, dass nur Palmöl importiert werden darf, welches nach ökologischen und sozialen Mindeststandards produziert wurde. Sie versuchten bäuerliche Parlamentarier für diese Gesetzesänderung zu gewinnen. Das Resultat ist ernüchternd. Der Bauernverbandspräsident, Markus Ritter, stimmte zwar zu, doch bei der Gesamtabstimmung zur Änderung des Umweltschutzgesetzes fehlten am 14.9.15 drei Stimmen, drei bäuerliche Stimmen! Viele Bauernvertreter haben sich enthalten (BDP, CVP) oder dagegen gestimmt (alle SVP), siehe Abstimmungsliste Nationalrat. Hier das Faktenblatt Palmöl.

Maya Graf reichte am 6.5.15 ein Postulat ein für Mehr Engagement der Schweiz für den Tropenwald und am 19.6.15 eine Interpellation Palmöl. Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien. Und das sind die Forderungen der Grünen zur Umweltschutzgesetz-Revision.

Indonesien: So schlimm wie noch nie!

In Borneo ist die Lage schlimmer als man denkt, die Grundnahrungsmittel werden knapp! Auf den abgebrannten Feldern könnten Trockenreis und andere Lebensmittel angebaut werden, wenn Saatgut vorhanden wäre. Bei traditioneller Pflege der Felder würde wieder ein Sekundärwald entstehen. Der ehemals grösste zusammenhängende Regenwald wird bald gänzlich verschwunden sein. Im Gegensatz zu Sumatras Vulkan- und Schwemmböden sind die Böden auf der Insel Borneo extrem unfruchtbar. Der Dünger- und Herbizideinsatz ist gewaltig und schädigt auch die Bevölkerung, die über die Gefahren der zum Teil bei uns verbotenen Herbizide kaum Bescheid weiss. Siehe auch Borneo: Palmöl und Kautschuk statt Lebensmittel, Heidis Mist, 8.7.15.

Ein Hilferuf mit Bitte zum Unterschreiben und Weiterleiten der Petition an die indonesische Regierung von Rettet den Regenwald.

Liebe Leute

Es ist so schlimm wie noch nie…

Vor ein paar Tagen war die Luft in Medan, Nordsumatra, schlechter als in Peking!! Auch hier im Gayo-Hochland von Aceh können wir dem dichten Qualm, der das Sonnenlicht verdüstert, nicht entrinnen.

Die Waldbrände im Osten und Süden der Insel gefährden nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern verursachen auch einen immensen wirtschaftlichen Schaden. Die Kaffeeernte hier im Hochland ist bereits verspätet, denn die Kaffeebeeren brauchen Sonnenlicht um zu reifen.

Der Präsident Indonesiens hat den Kampf gegen die Brandstifter aufgenommen. Schon über hundert Menschen sind im Gefängnis und mehrere Firmen stillgelegt. Er ist aber dringend auf ausländische Unterstützung angewiesen.

Bitte unterstützt diese Petition und verbreitet sie weiter!

Herzlichen Dank!

Heidi empfiehlt ihren LeserInnen, die Petition sofort zu unterschreiben, damit sie nicht vergessen geht!

Petition von Rettet den Regenwald an die indonesische Regierung.

Wenn Brandrodung Sport und Tourismus schädigt …

… dann ist die Umweltverschmutzung rasch einmal ein Medienthema: «Haze» bedroht Formel 1 in Singapur, NZZ vom 16.9.15. Doch, dass die lokale Bevölkerung in Indonesien extrem leidet, wird ignoriert; schliesslich dienen die Brände dem globalen Handel und somit auch uns.

Das folgende Video über die Torfbrände in Riau (Sumatra) ist zwar auf Indonesisch, die Bilder sprechen aber für sich:
Berita Terkini – Kebakaran Lahan Gambut Di Riau

Wer bei Google Kebakaran Lahan Gambut Di Riau eingibt, findet 227’000 Links und eindrückliche Bilder, z.B. Lahan yang terbakar ‚akan diambil alih‘ pemerintah, BBC 21.9.15.

Ein Leser schrieb Heidi: „Unglaublich traurig und deprimierend,  tausende von Hektaren Urwald  und Land gehen unwiederruflich verloren!!! Später in der Regenzeit dringt an diesen flachen Küsten das Wasser bei einer normalen Flut bis 100 und mehr Kilometer ins Landesinnere! Das Problem mit den gefälschten Abgastesten bei VW ist dagegen ein Klacks, nicht desto trotz auch unglaublich, was die gemacht haben.“

Rapsanbau: Die Höhen und Tiefen

„Palmöl droht Rapsöl zu verdrängen. Steigender Marktanteil, zunehmende Beliebtheit: Rapsöl ist eine Erfolgsgeschichte der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft. Freihandelsabkommen könnten nun den Import von billigerem Palmöl anheizen – und den hiesigen Rapsanbau unter Druck setzen.“ Bauernzeitung vom 14.7.15.

Der Raps war schon Anfang des 19. Jahrhunderts eine begehrte Kultur, denn sie lieferte den Brennstoff für Öllampen. Petroleum und importierte pflanzliche Öle verdrängten das einheimische Öl, so dass der Anbau bis 1870 auf bescheidene Flächen schrumpfte. Der Erste Weltkrieg brachte einen kurzen Aufschwung, der Zweite Weltkrieg einen grossen. Dank staatlicher Förderung wurde auch nach dem Krieg vermehrt Raps angebaut. (Quelle: Der landwirtschaftliche Pflanzenbau, Rudolf Koblet, 1965, Birkhäuser Verlag).

Die Züchtung von Sorten mit geringeren Anteilen an Erucasäure und Bitterstoffen ermöglichte ab den 1980er Jahren eine Ausdehnung der Rapsfläche. Heute werden acht Prozent der offenen Ackerfläche mit Raps bebaut, Bundesamt für Statistik/SBV.

Nachtrag 2.10.11: Hintergrundartikel von Peter Achten auf Infosperber: Umwelt-Frevel für neue Palmöl-Plantagen, Giftiger Qualm vernebelt derzeit weite Teile Südostasiens. Die Ursache des Übels: verbotene Brandrodungen in Indonesien. Peter Achten arbeitet seit Jahrzehnten als Journalist in China.

23.9.15 HOME

Der Boden – nur ein Hauch Erdgeschichte

27. Mai 2015
Tausende von Jahren vergehen bis aus Stein Boden wird ... eine dünne Schicht Erde nur, die uns ernährt ...

Tausende von Jahren vergehen bis aus Stein Boden wird … eine dünne Schicht Erde nur, die uns ernährt …

... wenn ein starker Wind über ein nacktes Feld hinweg bläst, trägt er oft Erde mit - wohin? Pflanzen und Mykorrhiza-Pilze schützen. Copyright V. Graf, SLF, Plants and mycorrhizal fungi in wind erosion control<br />  http://www.slf.ch/ueber/organisation/oekologie/gebirgsoekosysteme/projekte/Schutzwirkung_Pflanzen/index_EN ...

… wenn ein starker Wind über ein nacktes Feld hinweg bläst, trägt er oft Erde mit – wohin? Pflanzen und Mykorrhiza-Pilze schützen. Copyright V. Graf, SLF, Plants and mycorrhizal fungi in wind erosion control
http://www.slf.ch/ueber/organisation/oekologie/gebirgsoekosysteme/projekte/Schutzwirkung_Pflanzen/index_EN

... Wenn ein Gewitterregen auf den Boden nieder prasselt, schwemmt das Wasser kostbare Erde, Dünger und Pflanzenschutzmittel vom Feld; so geht laufend Boden verloren, und oft werden Gewässer verschmutzt. Copyright Volker Prashun, Agroscope, https://picasaweb.google.com/106794471444272716353/32ErosionFolgenOffsiteGewasser#5308305906817119650 ...

… Wenn ein Gewitterregen auf den Boden nieder prasselt, schwemmt das Wasser kostbare Erde, Dünger und Pflanzenschutzmittel vom Feld; so geht laufend Boden verloren, und oft werden Gewässer verschmutzt. Copyright Volker Prashun, Agroscope, https://picasaweb.google.com/106794471444272716353/32ErosionFolgenOffsiteGewasser#5308305906817119650

... Schwere Maschinen verdichten den Boden. Die Lebewesen im Boden leiden an Sauerstoffmangel oder sterben. Hingegen bilden Bakterien mehr Lachgas, was die Klimaerwärmung fördert. Gehemmt ist die Grundwasserbildung, entsprechend mehr Niederschlagswasser fliesst oberflächlich ab und kann Gewässer verschmutzen ...

… Schwere Maschinen verdichten den Boden. Die Lebewesen im Boden leiden an Sauerstoffmangel oder sterben. Hingegen bilden Bakterien mehr Lachgas, was die Klimaerwärmung fördert. Gehemmt ist die Grundwasserbildung, entsprechend mehr Niederschlagswasser fliesst oberflächlich ab und kann Gewässer verschmutzen …

... Viel fruchtbarer Boden wird überflutet zum Stillen des unersättlichen Hungers nach Energie: 7 Dämme stauen das Wasser des Mekongs für die Produktion von Strom, 31 weitere sind geplant. Die Fischerei im Mekong ist gleichermassen gefährdet wie der Reisanbau im fruchtbaren Mekong-Delta; 60 Millionen Menschen sind davon abhängig. Photo David Guttenfelder, National Geographic, Harnessing the Mekong, May 2015 http://ngm.nationalgeographic.com/2015/05/mekong-dams/nijhuis-text ...

… Viel fruchtbarer Boden wird überflutet zum Stillen des unersättlichen Hungers nach Energie: 7 Dämme stauen das Wasser des Mekongs für die Produktion von Strom, 31 weitere sind geplant. Die Fischerei im Mekong ist gleichermassen gefährdet wie der Reisanbau im fruchtbaren Mekong-Delta; 60 Millionen Menschen sind davon abhängig. Photo David Guttenfelder, National Geographic, Harnessing the Mekong, May 2015 http://ngm.nationalgeographic.com/2015/05/mekong-dams/nijhuis-text

... Häuser verdrängen Felder, Abfall gelangt in den Boden. Copyright Martin X. ...

… Häuser verdrängen Felder, Abfall gelangt in den Boden. Copyright Martin X. …

... Bauern spritzen Pflanzenschutzmittel auf den Boden; diese sickern in den Boden. Was Pestizide im Boden bewirken, das ist ein grosses Rätsel. Erst ein kleiner Teil der Bodenbewohner ist bekannt, noch weniger kennt man die Wirkung auf sie ...

… Bauern spritzen Pflanzenschutzmittel auf den Boden; diese sickern in den Boden. Was Pestizide im Boden bewirken, das ist ein grosses Rätsel. Erst ein kleiner Teil der Bodenbewohner ist bekannt, noch weniger kennt man die Wirkung auf sie …

Meist trennen uns nur wenige Dezimeter Erde vom Hunger. Es ist höchste Zeit, dass wir mehr für den Schutz des Bodens tun. Bodenzerstörung „passiert“ nicht nur in fernen Ländern (von denen wir Nahrungsmittel importieren), sondern vor unserer Haustür.

Der Nationalrat und die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerats (Kommissionsbericht vom 30.3.15) haben bereits einem Nationalen Kompetenzzentrum Boden zugestimmt. Heidi hofft, dass der Ständerat nächste Woche, d.h. am 4.6.15, ebenfalls JA sagt zur Motion von Nationalrat Müller-Altermatt. Der Geissenpeter wird dem Almöhi noch helfen, Briefe an Mitglieder des Ständerats zu schicken, das hat er wenigstens Heidi versprochen.

Möchten Sie einen Blick in den Boden werfen? Theoretisch ist dies mit nachfolgendem Link möglich, doch es ist noch viel Forschungsarbeit nötig, damit wir besser verstehen, was in den sehr unterschiedlichen Böden der Schweiz so alles läuft und wie wir sie schützen können. Kommen Sie mit Heidi zum Lift, der Sie hinunter in die Welt der Bodenlebewesen befördert!
Bodenreise, Produktion Lernetz für das Bundesamt für Umwelt, Boden

Boden: Gut gibt’s den König von Thailand

Nachtrag: Der Ständerat hat am 4.6.15 JA gesagt zum Nationalen Kompetenzzentrum Boden, 19 JA, 15 NEIN, 5 Enthaltungen, siehe Wortprotokoll im Amtlichen Bulletin.

27.5.15 HOME

Wer hat das Recht, unser Trinkwasser zu verschmutzen?

3. Mai 2015
Die Qualität des Trinkwassers geht uns alle etwas an.

Die Qualität des Trinkwassers geht uns alle etwas an.

Eigentlich liegt es auf der Hand, dass niemand unser Trinkwasser verschmutzen darf. Unfälle, Unwetter und Missgeschicke der Menschen beeinträchtigen oft genug die Wasserqualität. Das Vorsorgeprinzip ist also oberstes Gebot oder, besser gesagt, sollte es sein. Ein krasser Verstoss gegen diese Sorgfaltspflicht ist das Recht der Bauern, Pestizide bis unmittelbar an die Trinkwasserfassungen spritzen zu dürfen.

Heidi freut sich immer wieder darüber, wenn auch andere Leute ihre Meinung teilen: Der Einsatz von Pestiziden in der Grundwasserschutzzone S2 soll endlich wieder verboten werden. Neuestes Beispiel ist der Artikel Pestizide: Bauern gegen sauberes Trinkwasser von Eric Breitinger im saldo 08/2015 vom 29. April 2015. Der vollständige Artikel kostet CHF 3.00; der Einsatz ist es wert. Wir sollen schlucken, was wenige Prozent der Bevölkerung uns verordnen. Unglaublich! Höchste Zeit also, dass wir handeln und unser Recht auf sauberes Wasser einfordern. Wo? Beim Bundesamt für Landwirtschaft, bei NationalrätInnen, bei StänderätInnen, beim Bundesamt für Umwelt

Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität
Grundwasserschutzzonen: Wer weiss Bescheid?

3.5.15 HOME

Boden: Gut gibt’s den König von Thailand!

4. Dezember 2014

Der Boden ist wichtig. Das hat der König von Thailand erkannt und daher die Bodenwissenschaften und den Schutz der Böden gefördert. Als die Internationale Bodenkundliche Union (IUSS) 2002 einen Weltbodentag schuf, wählte sie als Datum den Geburtstag seiner Majestät des Königs von Thailand, den 5. Dezember.

Weltweit ist der Boden gefährdet, auch in der Schweiz: Verdichtung, Erosion, Verschmutzung, Bau von Verkehrswegen und Gebäuden… Den Bodenproblemen angenommen hat sich bei uns der Solothurner Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, indem er eine Motion für die Schaffung eines Nationalen Kompetenzzentrums Boden eingereicht hat; diese wurde am 17.6.14 vom Nationalrat gegen den Willen des Bundesrates angenommen, siehe Motion 12.4230 Nationales Kompetenzzentrum Boden als Gewinn für Landwirtschaft, Raumplanung und Hochwasserschutz.

Am 19./20.1.15 wird die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK des Ständerats über das Bodenzentrum debattieren (Sitzungsplanung). Heidi wünscht sich, dass die Mitglieder der UREK einen königlichen Entscheid fällen. Übrigens, die beiden grössten Gefahren, die der Bodenfruchtbarkeit durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in der Schweiz drohen, sind Erosion und Unterbodenverdichtung, siehe Agrarbericht 2014, Seite 101.

2015 Internationales UNO-Jahr der Böden

Weltweit sind zahlreiche Veranstaltungen zum Internationalen UNO-Jahr der Böden geplant. Auch die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS) wird aktiv sein und mit Unterstützung des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und weiteren Institutionen das UNO-Jahr der Böden erlebbar machen. Eine Minute und 35 Sekunden, die sich lohnen: Kurzfilm der FAO zum Weltbodentag und zum UNO-Jahr der Böden Support World Soil Day and the International Year of Soils 201.

Moorboden: Boden des Jahres 2015

Die BGS hat den Moorboden zum Boden des Jahres 2015 ernannt. Moorboden ist beliebt für den Anbau von Gemüse (Gemüselehrpfad), etwa im Grossen Moos. Drainage und v.a. intensive Bodenbearbeitung bewirken den Abbau des Torfs, langsam verschwindet der fruchtbare Boden, was übrig bleibt ist Seekreide oder Lehm. Wenn sich der Boden in Luft auflöst, Der Bund 28.4.14. Das ist zwar nichts Neues, aber die Konsequenzen ziehen? Das will offenbar niemand, solange es noch Boden gibt.

Fokus: Internationales Jahr des Bodens 2015: Der Boden – mehr als nur Erde, BAFU 3.12.14

2015 Internationales Jahr des Bodens (Schweiz)

International Year of Soils 2015 – IYS 2015, FAO

World Soil Day and International Year of Soils, Beschluss der UNO Generalversammlung vom 2.12.13

5.12.14 HOME

Verbandelung verhindert Risikowarnung

5. Januar 2014
Lachs, eine schöne Farbe! Weniger schön sind die Informationen zur Umweltsituation von Wild- und Zuchtlachs.

Lachs, eine schöne Farbe! Weniger schön sind die Informationen zur Umweltsituation von Wild- und Zuchtlachs.

So oder ähnlich verläuft es immer wieder, auch in der Schweiz: Schlüsselstellen sind von InteressenvertreterInnen besetzt. Wichtige Informationen werden schubladisiert, dringend nötige Massnahmen verhindert. In seiner Interpellation Ist norwegischer Zuchtlachs gesundheitsschädigend? schreibt Nationalrat Manuel Tornare : „… Die norwegische Fischereiministerin hält Anteilsscheine an Fischereiunternehmen in der Höhe von mehreren Millionen Euro und ernennt die Personen an der Spitze der drei öffentlichen Einrichtungen, welche die Fischzuchtindustrie eigentlich kontrollieren sollten.“

Seit mindestens zehn Jahren wird über die Gefahr von Giftstoffen wie Dioxine, PCBs und Methylquecksilber in Wild- und Zuchtlachs debattiert. Aber erst im Sommer 2013 warnten die norwegischen Behörden ihre eigene Bevölkerung vor den Gesundheitsrisiken. „… So berichtet das Norsk Telegramm Byra (NTB) – die leitende norwegische Presseagentur – am 17. Juni 2013, dass Forscher die norwegische Bevölkerung vor dem Verzehr von Farmlachsen warnen: Frauen, Kinder und Jugendliche sollten vermeiden, aus der Lachsaufzucht stammende Lachse zu essen. Dieser Meinung sind sowohl mehrere norwegische Ärzte, als auch internationale Experten. Die Ursache dafür ist das in den Lachsfarmen verwendete Lachsfutter, das schädliche Umweltgifte enthält, die sich dann im Lachs wiederfinden. Dieser Rat wurde bereits im Jahre 2006 erteilt, aber es wurde „vergessen“, ihn der Öffentlichkeit mitzuteilen! …“ Dieses Zitat stammt aus einer Pressemeldung des International Flyfischer Clubs vom 15.7.13: Offizielle Ernährungsempfehlungen warnen die eigene norwegische Bevölkerung vor dem Verzehr von Farmlachs und verschweigen dies gegenüber den Kunden in der EU.

Und so läuft es mit dem Grenzwerten: Ebenfalls letzten Sommer hat die EU den Grenzwert für das Pestizid Endosulfan in Zuchtlachs auf das zehnfache angehoben! Gift im Fisch: EU erlaubt mehr Pestizide im Lachs, Deutsche WirtschaftsNachrichten vom 26.6.13. Heidi hat bereits am 25.6.13 darüber berichtet: Wann werden wir endlich lernen?

Fisch nur als Festessen geniessen, das ist die Empfehlung von fair-fish, und zwar maximal einmal im Monat.

Weitere Informationen:

Opinion of the Scientific Panel on contaminants in the food chain [CONTAM] related to the safety assessment of wild and farmed fish, European Food Safety Authority, 1.7.05

Dioxine in Wildlachs aus der Ostsee, Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung, 23.04.04

Wie die Farbe in den (Zucht-)Lachs kommt, FARBIMPULS, Das Online Magazin für Farbe in Wissenschaft und Praxis, 24.9.08

5.1.14 Home

Bauern kontrollieren Bauern

7. November 2012
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Bündner Rindviehstall mit traditioneller „Mistgrube“, wie es im Amtsjargon heisst; Heidi hat die „grube“ vergebens gesucht, Foto 7.11.12.

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Foto 13.11.12

Selbst im bauernhörigen Nationalrat hat man bemerkt, dass die Kontrolle der landwirtschaftlichen Betriebe mangelhaft ist, siehe Motion Daniel Jositsch Keine Alibi-Kontrollen auf Landwirtschaftsbetrieben vom 14.9.11. Heidi hat schon viel über das Thema geschrieben, etwa Das BLW verteilt jedes Jahr fast 3 Milliarden Franken Steuergelder gutgläubig an die Bauern. Im Bundesamt für Landwirtschaft ist das Problem bekannt, aber auch der Druck des Schweizerischen Bauernverbands gross.

Das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation (ALG) Graubünden schrieb über einen Bauern und den abgebildeten Stall: „… Dieser Landwirt war es gewohnt, die Gülle erst im Herbst auszubringen; das Jungvieh hielt er in einem Nebenstall mit traditioneller Mistgrube ohne Güllekasten. Aus diesem Grund veranlasste das ALG kurz darauf, dass der Betrieb saniert wurde…“, „kurz darauf“ bezieht sich auf Heidis Gülle-Schock im November 2007. Ein neuer Rindviehstall mit Güllegrube wurde zügig gebaut, das bringt zusätzliche Direktzahlungen (BTS und RAUS). Diese Massnahme hat keinen logischen Zusammenhang mit der vollen Güllegrube Anfang Winter 2007, denn im Nebenstall versickerte die „Gülle“ von 20 Rindern einfach in den Untergrund. Der Grund für den Stallbau war bekannt: mangelnder Vollzug Tier- und Gewässerschutzgesetz. Bei der Sanierung „übersah“ man beim Hauptstall den direkten Ablauf des Mistsickersafts und des Milchzimmerabwassers in Heidis Bächlein (Im Land wo Milch und Cola fliesst) sowie das zu kleine Mistlager. Dem Abwasser des Rinderauslaufs verpasste man eine Weiche zum Umstellen „Güllegrube“ oder „Bächlein“. Praktisch! Nach fünf Jahren Arbeit hat Heidi jetzt erwirkt, dass (eventuell) wirklich saniert wird. Hartnäckig muss man sein; viele Leute haben Heidi gesagt: „Ich habe einen Missstand nach Chur gemeldet aber nie eine Antwort erhalten.“

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Schafmist vor Nebenstall am 15.1.11

Item, nach dem Umzug der Rinder vom Nebenstall in die neue Behausung belebte der Bauer den Nebenstall mit etwa gleich vielen Schafen. Anfang Dezember 2010, im zweiten „Schaf-Winter“, verschwanden die Schafe plötzlich spurlos. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bauern Heidis Mist entdeckt. Zufall oder nicht, danach stand der Stall zwei Winter lang leer. Vom Stall heisst es: „Dort darf er keine Tiere mehr halten.“ Und welche „Untiere“ produzieren jetzt wieder Mist und brauchen längere Betreuung morgens und abends? Siehe erstes Foto vom 7. November 2012: links neuer Mist, rechts liegt noch ein kleiner Rest des vielen Mists der Schafe, zusammengesunken und überwachsen.

Auf dem zweiten Foto sieht man unten den Schafmist des Winters 2009/10 (dunkler) und oben jenen bis Dezember 2010; beide lagen monatelang ungedeckt auf dem nackten Boden bzw. „in der traditionellen Mistgrube“, Regen und Schnee ausgesetzt. Wie das letzte Foto zeigt, ist das Mistlager zu klein, und der Schnee des Auslaufs wird zusammen mit dem darauf liegenden Mist in die Wiese ob Heidis Bächlein geschoben.

Und wie sagt doch Heidi jeweils: Tier- und Gewässerschutz fallen in gewissen Kantonen durch alle Kontroll-Maschen, auch bei Bio und IP. In diesem Fall ein neuer IP-Suisse-Bauer, seit Ende August 2012!

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Das Mistlager beim Hauptstall ob Heidis Bächlein ist zu klein, Foto 28.3.12.

... 12.3.13, randloses Mistlager für Schafmist

… 12.3.13, randloses MIstlager für Schafmist

7.11.12 HOME


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