Posts Tagged ‘Nordsee’

Wasserbotschafter Ernst Bromeis zu Fuss an der Loreley vorbei

9. August 2014
Es ist nicht die Angst, dem Charme der Loreley zu verfallen, die Ernst Bromeis dazu bewegt hat, das UNESCO Welterbe Loreley zu Fuss zu passieren, sondern noch einmal ein Schwimmverbot: Er musste 28 Kilometer zu Fuss zurücklegen.

Es ist nicht die Angst, dem Charme der Loreley zu verfallen, die Ernst Bromeis dazu bewegt hat, das UNESCO Welterbe Loreley zu Fuss zu passieren, sondern noch einmal ein Schwimmverbot: Er musste 28 Kilometer zu Fuss zurücklegen.

Schwimmend unterwegs von der Quelle des Rheins bis zur Mündung in die Nordsee hat Ernst Bromeis jetzt zwei Drittel der Strecke gemeistert. Er wirbt mit seiner Expedition für den nachhaltigen Umgang mit dem Lebenselement Wasser und das Menschenrecht auf freien Zugang zu sauberem Wasser.

Schwierigkeiten bereitete Bromeis zuerst die extreme Kälte und dann das Hochwasser, welches ihn für sechs Tage in Iffezheim bei Baden-Baden blockierte. Der Pegel stieg weiter, mit der Aufhebung des Schwimmverbots innert nützlicher Frist war nicht zu rechnen. Also überwand Bromeis die kritische Strecke von 65 Kilometern bis Germersheim, der Stadt des Flieders und der Nachtigall, zu Fuss, zeitweise reichte das Wasser auf den Wegen bis zu den Knöcheln.

Seither kämpft er nun mit dem durch das Hochwasser und den Schiffsverkehr sehr unruhigen Rhein. „Neben einem über 100 Meter langen Kahn zu schwimmen ist wie in einem Schüttelbecher,“ fasste Bromeis seine Erfahrungen mit den Schwerlastschiffen am Mittwoch vor den deutschen Medien in Mainz zusammen. „Die mächtigen Bugwellen und die starken Motoren wühlen den Rhein enorm auf. Schon kleine Boote werden da hin und her geworfen – als Schwimmer fühlt man sich wie ein Tischtennis-Ball.“

Zum Team von Bromeis gehört die holländische Künstlerin Dorothee Meddens. Sie dreht einen Experimentalfilm über den Rhein, seinen Wasserzyklus und seine Menschen mit dem Titel Hier fliesst der Fluss. Die Expedition 2014 von Ernst Bromeis wird wie ein roter Faden durch ihr Werk führen. „Ernst hat eine Hassliebe zu meiner Kamera“, umschreibt Meddens die wochenlange Zusammenarbeit. „Als Medienprofi kennt er die Kraft bewegter Bilder und die Bedürfnisse von mir als Filmerin. Im Wasser ist er aber dermassen auf sich und seine Bewegungen fokussiert, dass meine Präsenz ihn manchmal stört. Das spüre ich dann deutlich.“

Das Team des Davosers besteht nur aus einer Handvoll Leute. Bromeis: „Ich orientiere mich am klassischen Alpinstil im Alpinismus: Keine Träger, keine Spurmannschaften und so wenig Hilfsmittel wie möglich. Zwischenstrecken, welche ich nicht schwimmen darf, gehe ich konsequent zu Fuss. Unsere Expedition bewegt sich leise, wir haben keinen festen Zeitplan, insgesamt nur drei Medientermine und konzentrieren uns alle voll auf meine Bedürfnisse als Athlet.“ Dennoch will Bromeis Aufsehen erregen: „Meine Schwimm-Expeditionen schaffen die Öffentlichkeit, die ich brauche, um als Wasserbotschafter gehört zu werden.“

Gestern musste einmal mehr das Begleitboot repariert werden, doch heute Samstag ging’s weiter im Rhein Richtung Nordsee. Zu den allgegenwärtigen Frachtschiffen kommen am Wochenende noch Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffe und punktuell auch Freizeitboote und Jetskis.

Wasserbotschafter Bromeis zügig unterwegs

Wasserbotschafter Ernst Bromeis startet zur „Expedition 2014“

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Im Land wo Milch und Cola fliessen

19. August 2012
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Wasser aus einem Bergbächlein in Graubünden. Leider weder Pepsi noch Coca! Heidi widmet diesen Blumenstrauss einem unermüdlichen Gewässerschützer zum Hochzeitstag. Wir misten weiter!

Endlich Fenster putzen, dachte sich Heidi und öffnete das erste … doch was schäumt denn da im Bächlein? Ein Blick am Ort genügt … schon wieder, denkt sie! Eine Pumpe auf dem Bauernhof oben am Hang ist in Betrieb. Erst im Frühling hatte Heidi erreicht, dass sich die Gemeinde endlich um das Milchzimmer-Abwasser kümmert, das zweimal täglich einen pH-Schub von einer Einheit im Bächlein bewirkte. Fliesst es tatsächlich nicht mehr Richtung Nordsee? Der Hof war erst vor vier Jahren vom Landwirtschaftsamt (nicht freiwillig) total saniert worden, trotzdem war weiterhin Mistsickerwasser usw. und zweimal täglich Milchzimmer-Abwasser bachab geflossen; weil es halt so üblich ist!? Es brauchte mehrere Interventionen zur Verbesserung der Lage, das ist verflucht unangenehm. „Schwiichue“ tönte es gestern aus dem Auto der Bäuerin. Die Kuh zur Sau gemacht, ein Titel im neuesten NZZ Folio, kam Heidi in den Sinn und das viele Kraftfutter, das hinauf in die Berge geführt und dort verfüttert wird, auch in Alpställen; wer kontrolliert schon? Wenn dies wenigstens ein Einzelfall wäre, denkt Heidi. Übrigens, die Polizei und Beamten waren vier Stunden beim Bauern, Auslaufen der Silowasserpresse, volle Güllegrube, unbeaufsichtigtes Umpumpen in eine andere Grube und schon fliesst Gülle bergab ins Bächlein… Am Abend ertönte die Pumpe von Neuem … und das Wasser im Bächlein hatte welche Farbe? Heidi lässt ihre LeserInnen raten.

Nachtrag: Ein paar Tage später hing das IP-Signet mit dem Marienkäfer an der Scheune. Der Gewässerschutz fällt halt durch alle Kontroll-Maschen, auch bei Bio. Ist überall drin, was man erwartet, nämlich umweltschonende Produktion?

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Im Sommer ein kleines Bächlein nur, eine Vogeltränke … in den übrigen Jahreszeiten werden Verschmutzungen stärker verdünnt und weniger bemerkt.

Die Erkenntnisse der letzten Jahre zeigen, dass solche Vorkommnisse nicht von der Polizei oder kleinen BeamtInnen einfach schubladisiert werden, sondern Drahtzieher weiter oben am Werk sind. Im Kanton Graubünden wurde die Verantwortung für den Gewässerschutz in der Landwirtschaft auf Druck der Bauernschaft dem Landwirtschaftsamt übertragen, wo bis vor Kurzem keine Stellenprozente für diese Arbeit vorhanden waren. Ob die heutigen ausreichen und der Wille zur Tat vorhanden ist? Unter den Ansprechpersonen sucht man den Gewässerschutz auch heute noch vergeblich. „Mir sind die Hände gebunden“, sagte der frühere Leiter des Amts für Natur und Umwelt. Solange aus den Bergen viel Wasser zu Tale fliesst, verdünnt das reine Quellwasser Verschmutzungen aus Ställen, Alpkäsereien usw., sodass sie meist nicht beachtet werden und kein Fischsterben auslösen. Viel hat Heidi schon zum Thema geschrieben.

Übrigens: Heidi hat den Regierungsräten Hansjörg Trachsel und Martin Jäger zum Neuen Jahr 2012 ein paar Gute Vorsätze vorgeschlagen, z.B. Verschieben des Gewässerschutzes in der Landwirtschaft vom Landwirtschaftsamt ins Amt für Natur und Umwelt, wo er hingehört. Sie hat Hansjörg Trachsel auch den Vollzug Tierschutz nahegelegt, aber darum kümmert sich ja der VgT.

Diaschau: Ewig schmutziges Bächlein

Nachtrag: Eine Leserin möchte unbedingt die Links zu früheren Artikeln zum Thema; klar, unter den mittlerweile 163 Artikeln sind sie schwierig aufzufinden: Les voilâ!

Gülle-Schock im November 2007

Gülle-Schock im Februar 2008

Gülle-Schock im März 2010

Verschmutztes Hahnenwasser oder Quellwasser aus Grönland?

Andere Kantone, andere Sitten

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Für Heidi ein altbekanntes Bild.

19.8.12 HOME

Gülle-Schock im März 2010

14. Juni 2010
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Wo Milch und Gülle fliessen

Am Samstag, 27. März 2010, sah ich zufällig, dass das Bächlein neben unserem Garten braun war. Ein Augenschein mit dem Litermass zeigte, dass dicke Gülle hinunter floss. Übrigens roch ich die Gülle nicht, sie war offenbar mit einem Güllenzusatz versehen, der den Gestank unterdrückt. Diesmal war klar: Polizei. Ich war so gestresst, dass ich vergass, ein Foto zu machen. Doch das dürfte die Polizei erledigt haben. Als ich mich ein bisschen erholt hatte, beschloss ich, wenigstens die Milch zu fotografieren, die zweimal täglich nach dem Melken hinunter floss.

Nachdem wir vor vier Jahren die Kanalisation erhalten hatten und kein Abwasser mehr durch das Bächlein fliessen sollte, sah ich immer wieder Dreckwasser (wenigstens solange das Gras klein war). Manchmal hörte ich plötzlich das Rauschen des Bächleins, schlagartig kam mehr Wasser. Als ich einmal weisses Wasser sah, informierte ich die Gemeinde. Kaum waren der Beamte und ich beim Bächlein angelangt, kam der Bauer hinzu, anerbot sich, Milch im Milchzimmer in den Ablauf zu schütten. Es wurde klar, dass das Milchzimmer-Abwasser meines Nachbars direkt ins Bächlein floss (statt in die Güllengrube, wie üblich). Ich fragte mich, wieso der Bauer auf diese Idee kam. Offenbar kannte er diesen illegalen Ablauf, hatte er doch den Stall dazumal geplant und gebaut. Bei späteren Dreckwasser-Reklamationen riet man mir, im Schacht oben nachzuschauen woher das Wasser kommt. Fast immer war Tauwetter, viel Wasser floss in den Bächen, und immer war Wochenende oder Feiertag, das letzte Mal, als ich Schmutzwasser bemerkte, und das fünf Tage lang, war Weihnachten 2009. So ist denn alles mögliche Abwasser weitere vier Jahre lang über das Bächlein Richtung Nordsee geflossen. Doch jetzt war  Schluss damit: Am übernächsten Arbeitstag kam die Polizei wieder und das Amt für Landwirtschaft, das Amt für Natur und Umwelt sowie die Gemeinde. Später fuhr ein Bagger vor: Die direkte Leitung ins Bächlein wurde ausgegraben. Dabei hatte das Landwirtschaftsamt in Chur nach dem „Güllen-Winter“ 2007/8 (Gülle-Schock im November 2007 und Gülle-Schock im Februar 2008) versichert,  eine „nachhaltige Lösung“ gefunden zu haben. Diese Lösung kenne ich allerdings nicht.

In der Nachbar-Gemeinde hatte ein Landwirt ein paar Tage zuvor ebenfalls Gülle in den Bach geleitet. Und von einem Politiker weiss ich, dass sein Nachbar vor einiger Zeit dasselbe getan hatte. Das Umweltbewusstsein einiger Bauern ist klein. Liegt es an mangelnder Bildung? Oder ist es einfach Rücksichtslosigkeit?

Nachtrag: Im Herbst 2011 entdeckte ich, dass das Milchzimmerabwasser offenbar immer noch zweimal täglich ins Bächlein floss. Mit oder ohne „Bewilligung“ der Behörden? Die Gemeinde ordnete im Frühling 2012 das Zubetonieren dieser Ableitung an und das Ableiten des Abwassers in die Güllegrube. Doch auch nach dem Termin floss immer noch Milchzimmerabwasser Richtung Nordsee, jetzt aber zeitverschoben und nicht mehr regelmässig. Nach einer zweiten Intervention der Gemeinde sah ich es selten. Das heisst aber noch lange nicht, dass tatsächlich kein Abwasser mehr abgeleitet wurde. Im Zweifelsfall für den Angeklagten!

14.6.10    HOME


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