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Folienkartoffeln verursachen höheren Pestizid-Einsatz im regulären Kartoffelbau

11. März 2018
Typische Krautfäule-Symptome auf Kartoffelblatt. Copyright: Agroscope. Ein Klick auf das Bild führt zum Informations- und Prognosesystem PhytoPRE.

Typische Krautfäule-Symptome auf Kartoffelblatt. Copyright: Agroscope. Ein Klick auf das Bild führt zum Informations- und Prognosesystem PhytoPRE.

Frühkartoffeln sind beliebt. Die Bauern erzielen einen höheren Preis, die Grossverteiler eine bessere Marge und die ahnungslosen KonsumentInnen mögen die zarten kleinen Knollen. Es lockt ein gemütliches Beisammensein mit einem Raclette an einem kühlen Frühlingsabend.

Das feuchtwarme Klima im Folientunnel behagt dem Erreger der Kraut- und Knollenfäule. Wenn die Folien für die Ernte entfernt werden, dann nimmt der Wind die Pilzsporen auf und trägt sie weiter. Der nächste Kartoffelacker ist bestimmt nicht weit, denn in der Schweiz liegen die Felder mit Folienkartoffeln und jene mit regulären Kartoffeln – anders als in anderen Anbauländern – nahe beieinander.

Nicht erstaunlich ist daher, dass die ersten Krautfäule-Befälle fast ausschliesslich aus Folienkartoffeln gemeldet werden. Gemäss dem Krautfäule-Informations- und Prognosesystem der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope, dem PhytoPRE, begann die Epidemie in den letzten sechs Jahren immer in Folienkartoffeln.

Einsparen von 2 Pestizid-Behandlungen möglich

Wie viele Behandlungen allgemein eingespart werden könnten, wenn es keine Folienkartoffeln gäbe, ist schwierig zu sagen, da die Ausbreitung der Krankheit stark von der Witterung und der Dichte der Kartoffelfelder in der entsprechenden Region abhängt. Obwohl genaue Zahlen fehlen, dürften es gut zwei Spritzungen mehr sein, welche durch die Folienkartoffeln verursacht werden. Ein häufigerer Pestizideinsatz kann langfristig zum Verlust von Resistenzen führen. Der Krankheitsdruck wäre geringer, wenn Folienkartoffeln nur in einer Region angebaut würden.

Der Markt entscheidet über Sorten

Resistentere Sorten würden die Zahl der Behandlungen noch stärker reduzieren. Die Krautfäule-Resistenz ist jedoch nur ein Anspruch an die Sortenqualität. Andere Krankheitsresistenzen müssen ebenfalls berücksichtigt werden, aber auch die Verarbeitungskriterien.

Wieso nimmt ein Bauer das Risiko auf sich, eine Krautfäule-anfälligere Sorte anzubauen bzw. mehr spritzen zu müssen? Er entscheidet sich für eine solche Sorte, wenn er weiss, dass er die Kartoffeln dafür gut vermarkten kann. Ökonomie entscheidet häufig über Ökologie, obwohl die grossen Abnehmer, die Grossverteiler, sich in „Ökologie“ nur so überbieten – auf dem Papier!

McDonald’s und Russet Burbank

Zum Beispiel wollte McDonald’s in den frühen 1990er Jahren, dass Schweizer Bauern ihre Standardsorte Russet Burbank anbauen. Der verantwortliche Wissenschaftler Franz Winiger von Agroscope lehnten dies hartnäckig ab, denn in der Sortenprüfung stellte man fest, dass sie sehr krankheitsanfällig ist; Russet Burbank ist nicht für den Anbau in der Schweiz geeignet. Was tat McDonald’s? Nach zähem Ringen gab der umsatzstärkste Fast-Food-Konzern der Welt nach. Schweizerisch war plötzlich ein Werbe-Slogan. Einfache Lösungen liegen oft auf der Hand.

„10’000 Bauern aus der ganzen Schweiz gehören zu den Partnern von McDonald’s. Die Restaurants würden 80 Prozent ihrer Zutaten von einheimischen Produzenten beziehen …“ schrieb der Tagesanzeiger im Jahre 2015. Der Entscheid war offensichtlich nachhaltig bzw. zahlte sich aus.

Information der Konsumenten zentral

Die Schuld für unökologische Anbauentscheide schiebt man in der Regel den KonsumentInnen zu. Doch in erster Linie zählt der Profit für Handel und Bauern. Über die Probleme schweigt man lieber. Es ist also wichtig, dass unabhängige Medien die KonsumentInnen informieren. Immer mehr Menschen interessieren sich für die Anbaumethoden und allfällige Rückstände in den Lebensmitteln. Der Kunde kann durchaus das Steuer Richtung mehr Umweltschutz in die Hand nehmen, wenn er informiert ist und will.

Aktuelle Grossverteiler-Aktionen

  • Erdbeeren aus Spanien COOP, 40%, 5.75 pro Kilogramm
  • Erdbeeren aus Spanien Migros „Die Zeit ist reif für Erdbeeren“, 45%,  2.60 pro 500 Gramm
  • Spargeln grün VOLG, 36%, 6.00 pro Kilogramm, Herkunft siehe Verpackung

Wo bleiben Ökologie, Fairness … wurde die Sklaverei nicht abgeschafft?

McDonald’s serviert Fritten aus Frieswil, Tagesanzeiger vom 27.10.15

Essen ist unsere Leidenschaft, McDonald’s

Gemüse aus Spanien: Hungerlöhne für Pflücker, Autor: Daniel Mennig, SRF Kassensturz vom 7.3.18

Erdbeerbauer erzürnt über Migros, LID vom 6.3.18

11.3.18 HOME

Weitere Verwässerung des Gewässerschutzes verhindern!

27. Juli 2016
Lurchi-Land - bald nur noch aus Künstlerhand?

Lurchi-Land – bald nur noch aus Künstlerhand?

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) schickte im Mai einen Vorschlag zur Änderung der Gewässerschutzverordnung (GSchV) in die Vernehmlassung, welche bis 15.9.16 dauert, Inkrafttreten per 1.1.17.  Sie verschafft den Kantonen mehr Handlungsspielraum, siehe Motion 15.3001, Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates (UREK-S).

Unsinniger Vorschlag zur Änderung der GSchV

Die Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 wird unter anderem wie folgt geändert, Entwurf vom 23.5.16:

Art. 41a Abs. 5 Bst. d
5
Soweit keine überwiegenden Interessen entgegenstehen, kann auf die Festlegung des Gewässerraums verzichtet werden, wenn das Gewässer:
d. sehr klein ist.

Die Interpretation von „sehr klein“ gibt den Kantonen grossen Handlungsspielraum, denn das ist „sehr subjektiv“. Doris Leuthard sagte in der Nationalratsdebatte, Link zu Text und Video: „… Und der Kanton legt auch fest, was kleine Gewässer sind, für die er ebenfalls auf den Gewässerraum verzichten kann…“

Auszug aus dem erläuternden Bericht: „Der Verzicht der Ausscheidung des Gewässerraumes bei sehr kleinen Gewässern zu Gunsten der Landwirtschaft geht zu Lasten der Umwelt. Der Schutz dieser Gewässer ist zwar wie bisher über die Chemikalien-Risiko-Reduktions-Verordnung (ChemRRV) und die Direktzahlungsverordnung (DZV) geregelt. Aufgrund der neuen Messweise ab Uferlinie statt wie bisher ab Böschungsoberkante sind die Gewässer jedoch künftig schlechter geschützt.

Dieser „Bauernwunsch“ ist schon im Merkblatt Gewässerraum und Landwirtschaft enthalten, nun will man ihn auf Gesetzesebene verankern. Dagegen muss in der Vernehmlassung Einspruch erhoben werden. Und zwar energisch!

Starke Verschmutzung der kleinen Gewässer

Gerade die kleinen Gewässer sind oft besonders stark mit Nährstoffen und Pestiziden verschmutzt, siehe Grosse Defizite beim biologischen Zustand der Schweizer Fliessgewässer, BAFU 14.7.16. Die Wasserqualität der kleinen Gewässer wird nur in seltenen Ausnahmefällen untersucht, denn das käme zu teuer für die zuständigen Behörden, auch fehlen die Ressourcen. Wo nicht kontrolliert wird, da kann das Gesetz ruhig verwässert werden, denn niemand merkt, wenn es übertreten wird. Irgendwann wird man über die verlorene Biodiversität klagen und viel Geld für deren Rettung sprechen. Geld für wen? Für die Bauern natürlich!

Was ist ein „sehr kleines Gewässer“?

Besonders wenn es um die Landwirtschaft geht, werden die Gesetze so schwammig formuliert, dass vieles darin Platz hat. Heidis Umfrage zeigt, dass die Meinungen darüber, was ein „sehr kleines Gewässer“ ist, beträchtlich auseinander gehen.

Der Norddeutsche Fliessgewässerökolog Dr. Ludwig Tent schrieb Heidi: „Ein sehr kleines Fliessgewässer kann eigentlich nur der Oberlauf gleich unter dem Quellbereich sein. Also „Lurchi-Land“, das Schützenswerteste überhaupt! Es ist wirklich traurig, dass solch Wissen nicht nur vollkommen verloren scheint, sondern – ich glaube fast, inzwischen überall – im wahrsten Sinn des Wortes darauf geschissen wird.“ Lebendige Bäche und Flüsse, Osmerus‘ Blog.

Die Antworten zeigen, dass man auch merklich grössere Gewässer darunter einordnet, etwa mit Gerinnesohle bis gut 50 cm oder gar mehr. Im Merkblatt Gewässerraum und Landwirtschaft vom 20.5.14 ist unter Punkt 2.3 (An welchen Fliessgewässern kann auf die Festlegung des Gewässerraums verzichtet werden?) zu lesen: „sehr kleine Gewässer (z.B. nicht auf der Landeskarte 1:25‘000).“ Da liegt viel Spielraum drin!

Auswirkungen Schweizer Messmethode Pufferstreifen

Beim Verzicht auf die Ausscheidung eines Gewässerraums kann sich, je nach Form des Gewässers, die neue Methode zum Messen des Pufferstreifens „ab Uferlinie statt ab Böschungsoberkante“ stark negativ auf die Wasserqualität auswirken. Besonders an kleinen Gewässer wird der Pufferstreifen oft nicht eingehalten, nach dem Motto: Ist ja nichts! Doch, meint Heidi: „Lurchi-Land!“ Aber das sieht der Bauern vom Traktor aus nicht. Statt das Einhalten des gesetzlich vorgeschriebenen Pufferstreifens zu fordern, wird dieser noch verkleinert! Gesetze werden schleichend der schlechten landwirschaftlichen Praxis angepasst.

Das Parlament redet „Ökologie“ und erfüllt blindlings die Wünschen der Bauern. Ein grosser Widerspruch! Und wie verträgt sich der aktuelle Vorschlag zur Verwässerung der GSchV mit dem Aktionsplan Biodiversität? Mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel? Heidi meint: Nichts als leere Versprechen!

Vernehmlassungen UVEK

Der Acker rückt näher an den Bach, Heidis Mist 29.5.13

Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse!, Heidis Mist 11.6.13

„Harmonisierte“ Pufferstreifen an Gewässern, Heidis Mist 25.5.14

27.7.16 HOME

 

 


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