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Amerikanisches Gericht ordnet Chlorpyrifos-Verbot an

31. August 2018
Chlorpyrifos ist in der Schweiz für viele Kulturen zugelassen, z.B. Spinat.

Chlorpyrifos ist in der Schweiz für viele Kulturen zugelassen, z.B. Spinat.

Seit einem Jahrzehnt streben Umwelt- und Gesundheitsschützer in den USA ein Verbot von Chlorpyrifos an. Das Pestizid wird grossflächig in vielen Kulturen eingesetzt, allein in Kalifornien auf 250’000 Hektaren. Eigentlich hatte die Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) bereits ein Verbot für Chlorpyrifos terminiert, als Präsident Trump Scott Pruitt als Leiter der EPA einsetzte; dieser stoppte das Vorgehen.

Am 4.8.18 hat nun ein Appelationsgericht des Bundes die EPA angewiesen, das breit verwendete Pestizid innert 60 Tagen zu verbieten. Chlorpyrifos wirkt sich negativ aus auf die Entwicklung des Gehirns von Kindern, ist neurotoxisch und stört das Hormonsystem.

Chlorpyrifos ist in der Schweiz zugelassen, jedoch nicht in Deutschland. Die EU-Genehmigung läuft am 31.1.19 aus. Das Gefährdungspotenzial von Chlorpyrifos wurde auch in der Schweiz erkannt. Das Bundesamt für Umwelt beabsichtigt deshalb, den Grenzwert für eine chronische Belastung um den Faktor 217 zu senken. Heidi meint: „Sind die Schweizer immer die letzten Europäer, die ein besonders schädliches Pestizid verbieten?“

Das gemeinsame Faktenblatt von HEAL, Génération Futures, PAN Europe und PAN Germany (in Englischer Sprache) liefert Hintergrundwissen über das Insektizid, erläutert die gesundheitlichen Auswirkungen und fordert, basierend auf den Fakten, ein EU-Verbot von Chlorpyrifos.

Court Orders E.P.A. to Ban Chlorpyrifos, Pesticide Tied to Children’s Health Problems. New York Times vom 9.8.18.

Gefahr von Hirnschäden – NGOs fordern Verbot von Chlorpyrifos. PAN Germany 9.8.18.

NGO factsheet – EU should ban brain-harming Chlorpyrifos. Download.

Forscher fordern gezielte Verbote von Pestiziden. Christoph Aebischer, Tagesanzeiger vom 10.7.18.

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Kein Pufferstreifen an Wohnzonen

16. Juni 2016
Blühende Pflanzen in der Nähe von Feldern fördern Nützlinge und Insekten, welche die Kulturen bestäuben.

Blühende Pflanzen in der Nähe von Feldern fördern Nützlinge und Insekten, welche die Kulturen bestäuben.

Pufferstreifen für Pflanzenschutzmittel (PSM) und Dünger sind zum Schutze der Artenvielfalt und des Wassers vorgeschrieben, und zwar entlang von Hecken, Feld- und Ufergehölzen, Waldrändern und oberirdischen Gewässern. Solche naturnahen Lebensräume sind reich an Nützlingen. Marienkäfer überwintern z.B. in der Streuschicht am Waldrand. Untersuchungen zeigen, dass die Förderung von Nützlingen den Ertrag von Ackerkulturen erhöhen kann, weshalb Forschungsinstitutionen 2014 zusammen mit dem Schweizer Bauernverband eine Plattform „Blühende Lebensräume“ geschaffen haben, siehe Agrarforschung Heft 6, Juni 2016.

Regelung Wohnzonen

Heidi wundert sich schon lange, ob es auch Einschränkungen gegenüber Wohnzonen, Spielplätzen usw. gibt, denn sie sieht da und dort einen Acker, der direkt an einen Hausgarten grenzt. Der Abstand ist kaum 50 cm und die Kultur jeweils offensichtlich bis zum Feldrand mit PSM behandelt und gedüngt. Heidis Nachfragen haben ergeben, dass kein Pufferstreifen zu Wohnzonen vorgeschrieben ist. Dies obwohl im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft zahlreiche PSM folgende Hinweise enthalten: „Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen“, „Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen“ oder „Kann vermutlich Krebs erzeugen“.

Für Abstandsforderungen zum Schutze vor schädlichen Belastungen des Nachbargrundstücks durch Abdrift oder Abschwemmung kommt also einzig Art. 684 des Zivilgesetzbuches, das Nachbarrecht, in Frage – ein schwieriger Weg, wenn der Bauer nicht einsichtig ist.

Ausnahme: Helikopter-Sprühflüge

Die einzige konkrete Regelung besteht für Helikopter-Sprühflüge: 60 m. Das  Bundesamt für Umwelt hat das Reglement für PSM-Luftapplikation überarbeitet; es wird im Laufe des Sommers in Kraft treten. Vorgesehen ist für einen Grossteil der zugelassenen PSM ein zur bisherigen Regelung verkleinerter Abstand von nur 30 m zu Wohnzonen. Unter diesen PSM befinden sich auch sehr schädliche. Heidi meint: „Ein schlechtes Omen für den Pestizid-Aktionsplan, welcher demnächst in Vernehmlassung geht.“

Neuauflage Merkblatt Pufferstreifen

Die dritte Auflage des Merkblatts „Pufferstreifen – richtig messen und bewirtschaften“ ist erschienen und kann bei Agridea bezogen werden, Download pdf gratis, Druckversion 5 Franken.

Französische Gemeinde schützt die EinwohnerInnen

Die französische Gemeinde Saint Jean führt einen Pufferstreifen zu Wohnzonen von 50 m ein, La commune de Saint-Jean (Haute Garonne) repousse les pesticides à 50 mètres des habitations, France 3, Midi-Pyrénées, 21.5.16

Deutschland: Pestizidaktionsplan ist ein Papiertiger

Deutschland hat bereits Erfahrung mit einem Pestizid-Aktionsplan. Eine Allianz aus Umwelt-, Imker- und Verbraucherverbänden informierte gestern in einer Medieninformation über den mangelnden Erfolg. Trotz der massiven Belastung von Gewässern, des alarmierenden Rückgangs der Artenvielfalt sowie der Zerstörung und Kontaminierung von Lebensräumen und Lebensmitteln durch Herbizide, Fungizide und Insektizide enthalte der Pestizid-Plan der Bundesregierung keine wirksamen Massnahmen, um Menschen, Natur und Umwelt zu schützen, bemängeln die Verbände. Der Inlandabsatz von Pestiziden sei von 2001 bis 2014 um einen Drittel gestiegen.

„Der Nationale Aktionsplan hinterlässt in der landwirtschaftlichen Praxis bisher keinerlei Spuren und unterbietet damit unsere ohnehin schon geringen Erwartungen. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für unsere Bienen wird mit viel Papier, aber ohne praxisrelevante Massnahmen nicht zu erreichen sein“, so Walter Haefeker, Präsident des Verbandes Deutscher Berufsimker. Zwei Drittel aller Vögel der Agrarlandschaft stehen auf der Liste der bestandsbedrohten Tierarten“, sagte Lars Lachmann, NABU-Vogelschutzexperte.

Keine Abkehr von der Pestizid-Abhängigkeit
Traurige Halbzeitbilanz des Pestizid-Aktionsplans der Bundesregierung, Gemeinsame Pressemitteilung von BUND, PAN Germany, Greenpeace e.V., DBIB, DNR und NABU.

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Pestizid-Abdrift ist vielerorts ein Problem – ein offener Brief

9. Juni 2016
Pflanzenschutzmittel sollten nur auf bestimmte Kulturen gelangen, doch ein Teil landet oft auch auf Nachbarfeldern, im Wasser, auf Hecken, Wälder usw.

Pflanzenschutzmittel sollten nur auf bestimmte Kulturen gelangen, doch ein Teil landet oft auch auf Nachbarfeldern, im Wasser, auf Hecken, Wälder usw.

Mehrere bedeutende Erzeuger und Hersteller von Bioprodukten haben in einem Offenen Brief das Deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in einem dringenden Appell aufgefordert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Ferntransport bestimmter Pflanzenschutzmittel einzuschränken, denn die Auswirkungen bedrohen ihre Existenz. Offener Brief vom 7.6.16

Bio-Verarbeiter beschweren sich über Pflanzenschutzmittel-Rückstände, Top agrar 7.6.16

Abdrift von Pestiziden – Ernte des demeter-zertifizierten Leindotters nicht verfügbar, Naturata 22.5.15.

Leben im Giftnebel, Betroffene berichten von Pestizid-Abdrift, PAN Germany, 2015.

Auch in der Schweiz ist Abdrift auf biologisch bewirtschaftete Flächen ein Problem: „Abdrift von Pestiziden aus konventionellen benachbarten Landwirtschaftsbetrieben ist ein relativ häufiges Phänomen. Je kleinräumiger die Landwirtschaft, umso mehr Fälle gibt es. Grundsätzlich gilt zwar das Verursacherprinzip: Die konventionellen Nachbarn müssen mit grösster Sorgfalt verhindern, dass Bioflächen kontaminiert werden. Es gibt hierzu aber keine vom Gesetz her klar festgelegte Massnahme. Zudem ist es im Einzelfall äusserst schwierig, dem Bauern oder der Bäuerin von nebenan eine grobe Sorgfaltspflichtverletzung juristisch nachzuweisen.“ Abdrift von Pestiziden von Nachbarn, bioaktuell 9/10.

Zum Beispiel im Obstbau wäre eine massive Reduktion von Abdrift möglich, doch es bleibt bei schönen Forschungsartikeln. Es hapert bei den Vorschriften. Abdrift trifft nicht nur die Bio-Bauern, sondern auch die Umwelt allgemein, die Flora und Fauna. ENDURE – ein Netzwerk für den nachhaltigen Pflanzenschutz in Europa, Agrarforschung Schweiz 2 (2): 72–79, 2011.

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Von Donau Soja und Glyphosat

12. Mai 2016
Immer noch beliebt bei vielen Strassenunterhaltsdiensten: Herbizide! Dies obwohl ihr Einsatz klar verboten ist. Diese Woche hat Heidi eine entsprechende Meldung aus dem Kanton Schwyz erhalten. Symbolbild

Immer noch beliebt bei vielen Strassenunterhaltsdiensten: Herbizide! Dies obwohl ihr Einsatz klar verboten ist. Diese Woche hat Heidi eine entsprechende Meldung aus dem Kanton Schwyz erhalten. Symbolbild.

Man glaubt es kaum, aber bei der Produktion der viel gepriesenen Donau Soja wurde noch letztes Jahr Glyphosat als Sikkationsmittel eingesetzt, d.h. Glyphosat wird kurz vor der Ernte als Abreifehilfe auf die Pflanzen gesprüht, Donau Soja verbietet Glyphosat in der Abreife, Topagrar vom 23.3.16.

Wird Glyphosat in der EU wieder zugelassen?

„39 Organisationen aus 28 EU-Mitgliedstaaten fordern mit einem offenem Brief EU Minister und Behörden auf, am 18. und 19. Mai gegen eine europäische Wiedergenehmigung des Pestizidwirkstoffs Glyphosat zu stimmen.

Die Unterzeichner machen deutlich, dass eine Wiederzulassung von Glyphosat erhebliche schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier und auf die biologische Vielfalt haben würde. Die Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) stufte Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ ein. Dies wird auch von führenden Wissenschaftlern bestätigt. Eine Wiedergenehmigung des Wirkstoffs Glyphosat würde somit gegen geltendes Recht verstoßen.“ PAN Germany, 12.5.16.

Die Glyphosat-Wiedergenehmigung verstößt gegen EU-Pestizidverordnung 1107/2009, offener Brief an die Ministerien für Landwirtschaft, Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in den 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und an die Mitglieder des Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel der Europäischen Kommission

Der Lobbyist trinkt angeblich „trinkbares“ Glyphosat nicht!

Lobbyist Patrick Moore behauptet im Interview, Monsantos Roundup ist trinkbar, rastet aber aus, als er ein Glas trinken soll! Glyphosat ist trinkbar, youtube, uncutnews.ch.

Nachtrag: Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks verkündigt in einem Videostatement auf Twitter und Facebook: Alle SPD-geführten Ministerien werden der Wiederzulassung von Glyphosat nicht zustimmen. Sie stützt sich auf das Vorsorgeprinzip, wie es die Agenda 21 fordert: Agenda 21, Kapitel 35 Absatz 3.

„Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt muss dafür sorgen, dass die EU-Kommission das Pflanzengift endlich verbietet. Deutschland muss am 18./19. Mai mit „Nein“ stimmen! Schreiben Sie ihm jetzt! Mehr Informationen…“, Bund, Deutschland.

Weitere Zulassung von Glyphosat wackelt, Süddeutsche Zeitung vom 12.5.16

12.5.16 HOME

Kleingewässer in Deutschland: Pestizid-Vielfalt bald grösser als die Artenvielfalt

10. Dezember 2015
Auch in der Schweiz sind viele kleine Bäche im Ackerbaugebiet stark mit Pflanzenschutzmitteln (und Dünger!) verschmutzt.

Auch in der Schweiz sind viele kleine Bäche im Ackerbaugebiet stark mit Pflanzenschutzmitteln (und Dünger!) verschmutzt.

PAN Germany, 10.12.15: „Grenzwertüberschreitungen, Spitzenkonzentrationen und bis zu 36 unterschiedliche Pestizid-Wirkstoffe: Kleingewässer der Agrarlandschaft sind besonders belastet und als einer der wertvollsten Lebensräume gefährdet. Ein repräsentatives und flächendeckendes Monitoring für Kleingewässer, wie von PAN Germany und anderen Umweltverbänden schon seit Langem gefordert, gibt es bisher nicht. Eine Datenanalyse von Wissenschaftlern der Universität Kiel zeigt erheblichen Handlungsbedarf auf…

… Im Hinblick auf die Ergebnisse fordern die Kieler Wissenschaftler vor allem ein Monitoring, das sich am Anwendungszeitpunkt der Pestizide orientiert und Spitzenkonzentrationen erfasst. Messungen in einem festgelegten Intervall, ohne Beachtung des Applikationszeitpunktes, führen zu einer erheblichen Unterschätzung der tatsächlichen Gewässerbelastung, weil die höchsten Konzentrationen kurz nach dem Eintragsereignis vorliegen.

Ausserdem müssen zusätzliche Untersuchungen des Sediments erfolgen, um Pestizide zu erfassen, die sich schnell an Schwebstoffe binden.

Von Bedeutung ist zudem das Analysespektrum. Die Ergebnisse der Daten zeigten deutlich, dass nur dort viele Pestizidrückstände detektiert wurden, wo nach vielen Pestiziden gesucht wurde. Für die Abschätzung des Gefahrenpotenzials und die Ableitung eines Schutzkonzeptes für Kleingewässer sollten in einem Monitoring zusätzlich Daten über die Hydrologie und die Landnutzung aufgenommen werden.

Die Ergebnisse bestätigen, dass dringend gehandelt werden muss…“

Kleingewässer: Pestizid-Vielfalt bald grösser als die Artenvielfalt, PAN Germany vom 10.12.15.

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Pestizide: Vorbild Dänemark

23. August 2013
Das Perfide an den Pestiziden ist: Man sieht sie im Wasser nicht, für viele gibt es keine Nachweismethoden, und niemand hat in der Schweiz den Mut, das Problem ernsthaft anzugehen.

Das Perfide an den Pestiziden ist: Man sieht sie im Wasser nicht, für viele Pflanzenschutzmittel und ihre Abbauprodukte gibt es keine Nachweismethoden, und niemand hat in der Schweiz den Mut, das Problem ernsthaft anzugehen.

Dänemark hat 1986 den ersten Pestizid-Aktionsplan erlassen und 1996 eine Pestizid-Steuer eingeführt. Seit 1.7.13 ist der 5. Aktionsplan in Kraft. In den ersten drei Jahren schien die Steuer tatsächlich zu wirken, dann stiegen ab 2002 die Produktpreise, die Steuer wurde im Verhältnis zum Preis immer kleiner. Eine weitere Schwäche des Systems war, dass gefährliche und weniger gefährliche Produkte gleich besteuert wurden. Dänemark hat daraus gelernt. Produkte, die besonders problematisch für Menschen oder ihre Umwelt sind haben neu einen hohen Steuersatz.

Und in der Schweiz? Eine Pestizid-Steuer wird schon lange gefordert, aber der Widerstand ist gross. Wann werden wir endlich lernen? Etwa von Dänemark?

New pesticide tax and indicator in Denmark, National action plans, Danish Ministry of Environment

Informationen zum dänischen Pestizid-Aktionsplan auf Deutsch: Neue Pestizid-Steuer in Dänemark, PAN Germany Pestizid-Brief 11, 22.8.13

23.8.13 HOME


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