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Umweltgifte: Little Things Matter

15. März 2015
Schon extrem kleine Giftmengen können die Entwicklung des Gehirns schädigen, dies mit dauerhaften Folgen.

Schon extrem kleine Giftmengen können die Entwicklung des Gehirns schädigen, dies mit dauerhaften Folgen.

Wir können uns nicht auf jene Leute verlassen, die wir dafür bezahlen, dass sie uns schützen; wir müssen uns selber informieren und aktiv werden. Ein aktuelles Beispiel aus dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). „Nota bene: Das ist nicht die Stellungnahme des Lobbyverbandes Scienceindustries, sondern der BAG-Sektion Risikobeurteilung.“ schreibt Kurt Marti am Schluss seines Artikels Hormonaktive Stoffe: 150 Milliarden Folgekosten im Infosperber vom 15.3.15. Scienceindustries ist der Schweizer Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech.

Die Dosis macht das Gift (Paracelsus). Die Mischung macht das Gift (Heidi). Es sind nicht nur die hormonaktiven Stoffe, Pestizide usw., welche unsere Gesundheit bedrohen. Wir sind unzähligen schädlichen Substanzen ausgesetzt. Auch wenn die Dosis klein ist, heisst das noch lange nicht, dass die Stoffe uns keinen Schaden zufügen. Medikamente zirkulieren im Körper ebenfalls in sehr kleinen Mengen/Konzentrationen, doch sie wirken trotzdem.

Besonders empfindlich reagiert das sich entwickelnde Gehirn auf Toxine. Nach 30 Jahren Forschung kommt Bruce Lanphere, Professor an der Simon Fracer University in Kanada, zum Schluss, dass auch kleine Dinge zählen. Schon extrem kleine Giftmengen sind eine Gefahr für die Entwicklung des Gehirns, was sich auf das ganze Leben auswirkt.

Es gibt für Toxine keinen sicheren Grenzwert.

Es gibt für Toxine keinen sicheren Grenzwert.

Die Art und Weise wie Gifte reguliert würden – mit Grenzwerten – schütze Kinder nicht, sagt Langphere. Die Chemische Industrie argumentiere, dass der Einfluss von Giften auf Kinder gering sei, aber das sei irreführend. Schon kleine IQ-Veränderungen hätten einen grossen Einfluss auf die Anzahl der sehr begabten Kinder und jene der weniger begabten nehme entsprechend zu.

In Kanada und den USA werden Chemikalien in Konsumgütern verwendet und in die Umwelt freigesetzt bevor sie auf schädliche Wirkungen untersucht sind. Man müsse von der Industrie eine Unbedenklichkeitsprüfung verlangen, bevor die Produkte auf den Markt kommen, analog zur EU. Heidis LeserInnen wissen, dass dies auch in der EU (und der Schweiz) wegen des Industrie-Lobbyings nicht zufriedenstellend funktioniert.

Das Video Little Things Matter ist ein Musterbeispiel von Forschungskommunikation. Das allein ist es wert, den Film anzuschauen: Little Things Matter: The Impact of Toxins on the Developing Brain, Canadian Environmental Health Atlas. Ein zweites Video zeigt den Einfluss von Blei und Tabak.

Wissenschaftliche Publikation: The Impact of Toxins on the Developing Brain, Bruce P. Lanphear, Annu. Rev. Public Health 2015. 36:18.1–18.20. Version vom 12.1.15, definitive Online-Version am 18.3.15, Print 21.4.15.

Was ist zu tun? 90% unserer Pestizid-Belastung stammt aus den Lebensmitteln, also gibt es diesbezüglich nur eine Lösung: Bio-Produkte kaufen. Wann merken unsere Politiker, dass nur Bio-Bauern Subventionen erhalten sollten? Die landwirtschaftliche Forschung hätte, so meint Heidi, schon längst wirksame Kupfer-Ersatzmittel gefunden, wenn sie nur auf das Ziel Bioland Schweiz hinarbeiten würde. Hier noch Empfehlungen von Bruce Lanphere:

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Die Mischung macht das Gift

24. Juli 2014
In der natürlichen Umgebung wirkt ein Umweltgift bereits in Mengen, welche im Laborversuch als unbedenklich erscheinen, weil dort meist weitere  Wirkstoffe vorhanden sind.

In der natürlichen Umgebung wirkt ein Umweltgift bereits in Mengen, welche im Laborversuch als unbedenklich erscheinen, weil in der Natur meist weitere Wirkstoffe vorhanden sind.

Mit Grenzwerten wird die Schädlichkeit von Pestiziden, Schwermetallen usw. bewertet. Die Grenze zwischen unbedenklich und giftig hängt von vielen Faktoren ab. Der Grenzwert ist eine Zahl, welche auf Laborwerten, Annahmen, Erfahrungswerten und auch Politik basiert. Heidi meint, dass Grenzwerte oft als Beruhigungspille vorgeschoben werden, wenn die Behörden handeln müssten.

Die vielen Stoffe, welche die Menschen mit ihrem emsigen Treiben der Umwelt zumuten, wirken zusammen. Sie sind als Mischung schon in Konzentrationen weit unter dem Grenzwert schädlich. Eine von der EU finanzierte Studie bestätigt, dass Stoffe wie Pestizide, Arzneimittel, Phthalate und Schwermetalle als Chemie-Cocktail schon in kleinen Mengen Fische und Frösche schädigen (Quelle: Grünwolf).

„Nach Ansicht der Studienautoren, müsste Europa die Einschätzung von Umweltrisiken durch Cocktaileffekte dringend aktualisieren. Des weiteren sollten Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung von Umweltschäden auch dann umgesetzt werden, wenn einzelne „Giftstoffe“ in scheinbar harmlosen Konzentrationen vorlägen.“ aus: Chemie-Cocktail: Schon geringe Dosis schädigt Fische und Frösche, Agrarheute.com vom 21.7.14.

Und – was machen die Schweizer Behörden?

Paracelsus sagte „Allein die Menge macht das Gift“. Dieser Auspruch, häufig missbraucht, stimmt auch heute noch. Doch wenn mehrere Stoffe zusammentreffen kann die Wirkung markant anders sein. So enthält vielerorts selbst das Trinkwasser, mit welchem Medikamente eingenommen werden, Schadstoffe wie Pestizide, Antibiotika … Heidi meint daher, nicht nur die Menge, sondern auch „Die Mischung macht das Gift.“

Neonicotinoide: Wasserlebewesen verhungern

Wie viel Pestizide vertragen unsere Gewässer?

24.7.14 HOME


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