Posts Tagged ‘Parkinson’

Parkinson: Britische Bauern fordern Verbot von Paraquat

1. April 2022
Grammaxone und Roundup werden im Metallbehälter gemischt für das Spritzen in der Siedlung.

Gramoxone (Paraquat) und Roundup werden im Metallbehälter gemischt für das Spritzen in einer indonesischen Siedlung. Mit einem Klick auf das Bild geht es zu Video auf youtube.

Die Parkinson-Krankheit gilt als die am schnellsten wachsende neurologische Erkrankung der Welt. Sie betrifft die Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der Substantia nigra. Sie ist degenerativ und führt allmählich zu Zittern und Steifheit in den Gliedmassen. Weltweite Studien zeigen, dass die Krankheit in ländlichen, landwirtschaftlich geprägten Gebieten häufiger auftritt.

Die Frau eines an Parkinson erkrankten Bauern in Grossbritannien sagt, sie hatte es für einen Zufall gehalten, dass die einzigen Menschen, die sie mit Parkinson kannte, Landarbeiter waren, und dann über den möglichen Zusammenhang mit dieser Chemikalie gelesen. „Warum wurde das nicht reguliert und gestoppt?“, fragt sie. „Wir haben viele Menschen in der gleichen Situation.“

Paraquat-Produktionsverbot gefordert

Einige britische Landwirte fordern ein Verbot der Produktion des giftigen Unkrautvernichtungsmittels Paraquat im Vereinigten Königreich, da Studien darauf hindeuten, dass es ein Faktor für den Ausbruch der Parkinson-Krankheit sein könnte. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, zu dem etwa 900 Bauern und Landarbeiter in den USA gerichtlich gegen den Hersteller des Mittels vorgehen, weil sie sagen, dieser habe das Risiko gekannt und sie nicht gewarnt.

Seiner hohen Toxizität wegen ist Paraquat unter anderem in der EU, in der Schweiz und weiteren über 50 Nationen verboten. Paraquat ist aber in rund 100 Ländern zugelassen, darunter USA, Kanada, Australien, Japan, Neuseeland, Indonesien. In China wird es sukzessive aus dem Verkehr gezogen.

Syngenta beharrt auf „unbedenklich“

Paraquat wurde erstmals in den frühen 1960er Jahren im Vereinigten Königreich hergestellt und wird weltweit verkauft – 377 Unternehmen haben es zum Verkauf zugelassen. Es ist eines der beliebtesten und wirksamsten Herbizide der Welt und wird von Millionen von Landwirten zur Unkrautbekämpfung eingesetzt. Es ist aber auch eines der gefährlichsten und hat zu Tausenden von Vergiftungstoten geführt.

Paraquat ist im Vereinigten Königreich auch nach dem Brexit verboten, aber es wird weiterhin – unter dem Markennamen Gramoxone – im Werk von Syngenta in Huddersfield hergestellt und wird in Länder wie die USA, Japan und Australien exportiert, wobei ein Fünftel der Ausfuhren in die Entwicklungsländer geht.

Der Hersteller Syngenta behauptet, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für den Zusammenhang zwischen Paraquat und Parkinson gebe, dies, obwohl offenbar in einem Strategiepapier von Syngenta aus dem Jahre 2003 steht, dass es immer mehr Studien gibt, „die einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Parkinson-Krankheit und dem Einsatz von Herbiziden, einschliesslich Paraquat, aufzeigen“.

Lesen Sie den ausführlichen Artikel hier: UK farmers call for weedkiller ban over Parkinson’s fears. BBC 1.4.22

Giftigkeit vielerorts nicht bekannt

In Indonesien wird Paraquat, bekannt unter dem Namen Gramoxone, vielfältig eingesetzt: in Palmölplantagen, um Wasserfassungen, Häuser, Schulen, auf Kinderspielplätze, Friedhöfe … und es steht im Dorfladen direkt neben Lebensmitteln. Die Giftigkeit ist weitgehend unbekannt. Es gibt viele Videos auf Indonesisch, die zeigen wie die Spritzbrühe mit blossen Händen gemischt wird, in Sandalen, Shorts, kurzärmlig und ohne Handschuhe gespritzt wird, Kinder sind zu sehen … Dass die AnwenderInnen gut informiert seien, ist eine weitere Behauptung von Syngenta. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Heidi hat schon viel über Paraquat bzw. Gramoxone geschrieben. Hier die Artikel, die auf Heidis Mist beim Suchen von Paraquat auftauchen.

1.4.22 HOME

Datenschutzerklärung

Synthetische Pestizide: Vortrag von Johann G. Zaller, Universtität für Bodenkultur Wien

25. Mai 2021
Mythen_Montage

Klicken Sie auf das Bild für Vergrösserung! Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Dass synthetische Pestizide wirken, bezweifelt niemand. Was an der einen Stelle zum gewünschten Erfolg führt, bringt an der anderen Stelle jedoch unerwünschte Nebenwirkungen. «Es ist heutzutage praktisch unmöglich, nicht mit den Rückständen von Pestiziden in Berührung zu kommen», sagt Professor Zaller von der Wiener Universität für Bodenkultur. Darüber, dass synthetische Pestizide nicht so gut getestet sind, wie immer vorgegeben wird, und von deren Wirkung auf Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere, Menschen, Umwelt und Klima spricht Prof. Dr. Johann Zaller in seinem Vortrag.

Synthetische Pestizide – Fluch oder Segen? Prof. Dr. Johann G. Zaller, Universtität für Bodenkultur. Video 1:12:29. Bio-Stiftung Schweiz

Heidi hat ein paar Vortrags-Folien kopiert. Die Reihenfolge entspricht nicht jener im Vortrag. Klicken Sie auf die Darstellungen für Vergrösserung.

Copyright: Augler et al. 2018, Universität Augsburg

Copyright: Augler et al. 2018, Universität Augsburg

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Klicken Sie auf das Bild für Vergrösserung

Rote Balken = normale Dosierung. Von Links nach rechts: Fungizid Headline (Pyraclostrobin), Fungizid BAS 500 18 F (Pyraclostrobin), Herbizid Curol B (Bromoxyniloctanoate), Fungizid Captan Omya (Captan), Herbizid Dicomil (Fenoxaprop-P-ethyl, Fungizid Prosper (Spiroxamine), Insektizid Roxion (Dimethoate). Brühl et al. 2013. Sci Rep. Terrestrial pesticide exposure of amphibians: An underestimated cause of global decline? https://www.nature.com/articles/srep01135

Copyright: Gaupp-Berghausen et al. 2015, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26243044/

Copyright: Gaupp-Berghausen et al. 2015, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26243044/

Copyright: Katzmann & Schrom 1986

Copyright: Katzmann & Schrom 1986

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Arch. Toxicol.

Mostafalou & Abdullahi 2017. Arch Toxicol. https://link.springer.com/article/10.1007/s00204-016-1849-x

agrarheute

agrarheute

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Copyright: Klaus Staeck 1983

Copyright: Klaus Staeck 1983

Synthetische Pestizide – Fluch oder Segen? Prof. Dr. Johann G. Zaller, Universtität für Bodenkultur. Video 1:12:29. Bio-Stiftung Schweiz

Unser täglich Gift. Johann G. Zaller

Daily Poison- Pesticides an Underestimated Danger, erweiterte Ausgabe von „Unser täglich Gift“. Johann G. Zaller

Johann G. Zaller auf Twitter: Laufend interessante Meldungen aus der Wissenschaft.

Weitere Webseiten der Bio-Stiftung Schweiz:

Bodenfruchtbarkeitsfonds 

Pestizidmythen 

Das Gift und wir

25.5.21 HOME

Datenschutzerklärung

Zum Welt-Parkinson-Tag vom 11.4.21

10. April 2021

.

.

Medienmitteilung zum Welt-Parkinson-Tag von Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz (AefU) und Greenpeace Schweiz, Zürich/Basel, 8. April 2021.

Parkinson: Pestizidinitiativen haben Präventivwirkung

Die Inzidenz von Morbus Parkinson nimmt alterskorrigiert stetig zu. Die zweithäufigste neurodegenerative Krankheit kommt bei Beschäftigten in der Landwirtschaft besonders oft vor. Verschiedene Studien zeigen Assoziationen mit Pestiziden. Zum Welt-Parkinson-Tag vom kommenden Sonntag betonen die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) sowie Greenpeace Schweiz, wie wichtig die beiden Pestizidinitiativen für die Gesundheit sind. Sie wenden das Vorsorgeprinzip an und senken das Risiko für Parkinson sowie bestimmte Krebsarten.

Morbus Parkinson, umgangssprachlich auch «Schüttellähmung» genannt, ist nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In der Schweiz sind rund 15’000 Menschen davon betroffen. Die Krankheit nimmt in allen Alterskategorien und ebenso alterskorrigiert zu. Bis 2040 wird weltweit mit einer Verdoppelung der Patientenzahlen gerechnet. Neben dem Alter spielen dabei Pestizide eine Rolle, also Insektizide, Fungizide und Herbizide.

Pestizide und Morbus Parkinson

Ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Morbus Parkinson und dem Kontakt zu Pestiziden wurde seit langem vermutet. Dies insbesondere bei Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Sie sind dort dem Einfluss von Pestiziden direkt und intensiv ausgesetzt. Im Auftrag des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) hat das Institut für Arbeitsmedizin der Universität Lausanne diese Effekte zusammengefasst. Es schlussfolgert, dass Beschäftigte in der Landwirtschaft mit Kontakt zu Pestiziden ein um über 50% erhöhtes Risiko haben, an einem Morbus Parkinson zu erkranken.

Für AefU-Präsident Dr. med. Bernhard Aufdereggen ist nicht erst seit der Covid-Pandemie klar: «Die Gesundheit von Ökosystemen, Menschen und Tieren hängt eng zusammen (One Health). Bringen wir toxische Substanzen in die Umwelt, gefährden wir auch unsere Gesundheit. Insbesondere Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und mit chemisch-synthetischen Pestiziden konfrontiert sind, haben ein signifikant erhöhtes Risiko an Morbus Parkinson zu erkranken.»

In der Schweiz wenig Forschung und Wissen

Andere Länder zogen daraus Konsequenzen: In Frankreich ist Morbus Parkinson seit 2012 als Berufskrankheit bei Beschäftigen anerkannt, die professionell mit Pestiziden in Kontakt kommen. Zudem gibt es in zahlreichen Ländern Melderegister und Datenbanken zur Erfassung der gesundheitlichen Nebenwirkungen von Pestiziden. In der Schweiz aber sind diese Zusammenhänge kaum erforscht.

Wind und Wasser verbreiten die Pestizide

Chemisch-synthetische Pestizide bleiben nicht dort, wo sie gespritzt werden. Sie sind heute fast überall in den Böden, in Gewässern und in der Luft sowie in Lebensmitteln zu finden. Greenpeace Schweiz und das Umweltinstitut München zeigten in Untersuchungen mit Luftpassivsammlern, dass sich Pestizide stärker und weiter verbreiten als gedacht. Selbst Jahrzehnte nach deren Einsatz: Zum Beispiel konnte das seit 1972 verbotene DDT aktuell immer noch nachgewiesen werden – für Bäuerinnen und Bauern sowie für Anwohnerinnen und Anwohner ein erhebliches Gesundheitsrisiko.

Yves Zenger, Mediensprecher bei Greenpeace Schweiz, sagt: «Insbesondere die orale Aufnahme und das Einatmen der Pestizide dürften bei der Entstehung von Parkinson eine Rolle spielen. Der Kontakt mit den Giften in der Luft ist wie Passivrauchen. Leider kann sich dem niemand entziehen, selbst mit konsequentem Bio-Konsum nicht. Die Pestizide sind einfach da, und wir nehmen sie auf, ohne uns davor schützen zu können.»

2x JA zur Gesundheitsvorsorge am 13. Juni

Vorsorgen ist besser als heilen: Darum sagen die AefU und Greenpeace Schweiz 2x JA zur Trinkwasserinitiative und zur Pestizidinitiative, über die wir am 13. Juni abstimmen. Die Vorlagen schützen Wasser, Boden und Gesundheit. Sie sind aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht nötig. Sie haben eine präventive Wirkung.

AefU und Greenpeace fordern zudem

  • Eine Prüfung, ob Parkinson auch in der Schweiz als Berufskrankheit anerkannt werden muss.
  • Die Untersuchung der gesundheitlichen Konsequenzen für die Anwohnerinnen und Anwohner in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten.
  • Ein Melderegister für mit Pestiziden assoziierte Erkrankungen (bestimmte Krebsarten und neurodegenerative Erkrankungen, insbesondere Parkinson).

Kampagne «Schütze Wasser, Boden und Gesundheit»: 2xja.ch/

Bauer, Gärtner, Parkinson – Die Bedrohung auf dem Land. WDR vom 31.3.21

Daily Poison – ein Buch von Johann G. Zaller. Heidis Mist vom 2.2.21

Warten auf den „Stummen Frühling“? Heidis Mist vom 21.5.18

Der Traum von einer pestizidfreien Schweiz – ein Schmetterlingstraum? Heidis Mist vom 27.10.17

10.4.21 HOME

Datenschutzerklärung


%d Bloggern gefällt das: