Posts Tagged ‘Pestizid’

Thiacloprid: Schläft die Schweiz? Oder will sie nicht?

18. November 2019
Thiacloprid schädigt die Bienen.

Thiacloprid schädigt die Bienen.

Wer im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) blättert, dem stehen bisweilen die Haare zu Berge ob all der schädlichen Wirkungen von Pestiziden, welche hier aufgeführt werden. Hinzu kommt, dass sicher nicht alle negativen Folgen der Anwendung bekannt sind, v.a. die Wechselwirkungen zwischen Pestiziden sind vielfältig und liegen im Dunkeln. Und viele Produkte werden gegen viele Schädlinge eingesetzt, sind also breit wirksam. Kein Wunder, dass auch zahlreiche Nicht-Schädlinge getroffen werden und unsere Gesundheit leiden kann.

Schweiz: Pestizid-Zulassung zeitlich unbeschränkt

Zu den besonders tödlichen Stoffen gehört das Neonicotinoid Thiacloprid. Fausta Borsani vom Verein ohneGift hat dieses Pestizid unter die Lupe genommen. Sie weist in ihrem aufschlussreichen Artikel auch darauf hin, dass in der Schweiz, im Gegensatz zur EU, Pestizide zeitlich unbeschränkt zugelassen werden. In der EU müssen sie wenigstens alle 10 Jahre neu beurteilt werden. Diesen Vorwurf weist das BLW jeweils zurück mit Verweis auf die Gezielte Überprüfung (GÜ): „Mit dem Programm zur gezielten Überprüfung von Pflanzenschutzmitteln sollen die Anwendungsvorschriften von bereits bewilligten Mitteln vor dem Hintergrund neuer risikorelevanter wissenschaftlicher Erkenntnisse aktualisiert werden.“ Heidi hat z.B. über die Anpassungen 2016 berichtet: 88 neue Vorschriften bzw. Verbote! Sie zitiert dazu wieder einmal Walter Haefeker, Präsident der European Professional Beekepers Association: «Ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel ist daher ein Wirkstoff dessen negative Wirkstoffe lediglich NOCH nicht verstanden wurden.»

Irreführung der Verbraucher durch Bayer

Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland kritisierte 2014 die Verbraucherinformationen des Herstellers über die Bienenungefährlichkeit von Mitteln mit diesem Wirkstoff. Bayer erwirkte daraufhin eine einstweilige Verfügung, die den BUND zwang, bestimmte Seiten aus dem Internet zu entfernen. Am 11. März 2015 entschied das Landgericht Düsseldorf, der BUND dürfe weiterhin behaupten, dass zwei von Bayer hergestellte Pestizidprodukte für Bienen gefährlich seien und es sich bei dem darauf abgebildeten Logo mit dem Aufdruck „nicht bienengefährlich“ um eine Irreführung von Verbrauchern handele. Quelle: Wikipedia.

EU verbietet Thiacloprid

Fausta Borsani schreibt: „Thiacloprid ist nun in der EU bald verboten: Die Mitgliedsstaaten beschlossen im Oktober 2019 auf Vorschlag der EU-Kommission, die bis April 2020 geltende Genehmigung nicht zu verlängern. Thiacloprid ist damit der vierte Wirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide, der EU-weit vom Markt verschwindet.“

… die Schweiz?

Unter dem Titel „Die Schweiz schläft“ beschreibt Borsani die Situation in der Schweiz. Heidi meint: „Die Schweiz schläft nicht, „das Volk“ ist pestizid-hellwach, nur die Behörden wollen nicht!“

Lesen Sie den vollständigen Artikel:

EU verbietet das Neonicotinoid «Thiacloprid» – und die Schweiz? Fausta Borsani, ohneGift 17.11.19

Heidis Link-Listen

Heidi hat endlich ihre Linklisten bereinigt. Besonders bei den Behörden gibt es immer wieder Änderungen. Etwa der Bundesgerichtsentscheid betr. Güllen im Winter wurde verschoben.

Neu aufgenommen hat Heidi unter Blogroll (Seiten, die sie regelmässig liest) Gegengift und ohneGift. Weiterhin unterwegs für eine umweltschonende Landwirtschaft sind Franziska Herren & Co. sowie die Leute von Leben ohne Gift. Die Links zu den zwei Pestizid-Volksinitiativen finden Sie weiterhin unter „Aktuell“.

EU verbietet das Neonicotinoid «Thiacloprid» – und die Schweiz? ohneGift 17.11.19

Brüssel: Neonikotinoid Thiacloprid wird ab Mai 2020 verboten. Topagrar 28.10.19

Pestizid Thiacloprid schädigt Föten. Deutschland will Verbot. taz 23.5.19

GÜ – Neue Anwendungsvorschriften für 88 Pflanzenschutzmittel. Heidis Mist 3.2.16

Herbizide: Die Stadt Thun spritzt regelmässig ihre Grünflächen

22. September 2019

Mit Herbizid behandelte Spielwiese in Thun. Copyright: Pia

Hallo Heidi

Ich habe gestern endlich einen Spielrasen fotografiert. Obwohl es schon etwas düster war sieht man die abgestorbenen Stellen. Die Stadt Thun spritzt ihre Grünflächen regelmässig mit Herbiziden. Die Sport- und Schulhausrasen dürfen dann 24 Stunden lang nicht betreten werden.

Du schreibst, dass für das Weiden von Rindern eine Wartefrist von zwei Wochen eingehalten werden muss. Reicht ein Tag für Kinder?

Freundliche Grüsse

Pia

Liebe Pia

Wiederbetretungsfristen für Sport-/Spielrasen habe ich im Internet keine gefunden, manchmal einen Verweis auf die Verpackung. Man geht davon aus, dass der Spritzbelag eingetrocknet sein muss, dann ist das Betreten mit Schuhen und Kleidung wahrscheinlich kein grosses Risiko. Die Kinder und Sportler essen ja das Gras nicht. Natürlich dauert es viel länger bis das Produkt abgebaut ist. In den USA müssen behandelte Felder mit einem Warnschild versehen werden.

Braucht es überhaupt Herbizide?

Im Rasen-Blog der Firma Hauert steht: „Wenn Sie auf den Einsatz von Unkrautvernichtern in Ihrem Rasen verzichten wollen, erfolgt die beste Vorbeugung gegen Unkräuter mit einer der Nutzung angepassten Düngung. Durch eine angepasste Düngung können Sie die Rasengräser optimal entwickeln und sind dadurch viel konkurrenzstärker als die Unkräuter.“ Diese Ansicht teile ich.

In Frankreich ist der Pestizideinsatz auf öffentlichen Flächen seit 1.1.17 verboten. Ein Video zeigt wie das so genannte „Lois Labbé“ kontrolliert wird: Contrôle loi Labbé des inspecteurs de l’environnement de l’Agence française pour la biodiversité. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser!

In Italien versuchen bereits 70 Gemeinden pestizidfrei zu werden. Das betrifft nicht nur die öffentlichen Anlagen, sondern auch die Landwirtschaft. Berühmtestes Beispiel ist die Gemeinde Mals im Südtirol.

In Deutschland und Österreich gibt es zahlreiche Initiativen für pestizdfreie öffentliche Räume. So fand am 9./10.9.19 die 2. Fachtagung „Die pestizidfreie Kommune“ statt. Ziel der Veranstaltung ist gemäss Deutschem Umweltbundesamt, weitere Kommunen über die Möglichkeiten zu informieren, künftig auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten.

Und in der Schweiz? Auf freiwilliger Basis geben sich einzelne Gemeinden Mühe, den Pestizideinsatz einzuschränken, aber gesamtschweizerisch kann im Moment nur die Volksinitiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide eine wirkliche Veränderung herbeiführen. Im Rahmen der Kampagne „Food For Life“ von Greenpeace Schweiz haben Freiwillige im Herbst 2015 ihre Gemeinden bezüglich der Verwendung von Glyphosat und anderen chemischen Pestiziden befragt. Die ausgewerteten Ergebnisse wurden in eine interaktive Karte eingebettet und sind auf Meine pestizidfreie Gemeinde abrufbar. Die Angaben beschränken sich auf Gemeinden in den Kantonen Genf, Waadt und Zürich, Veränderungen in den letzten vier Jahren sind nicht berücksichtigt.

Weil in vielen Köpfen noch immer Bequemlichkeit und Wirtschaftlichkeit vor Umwelt und Biodiversität stehen, ist ohne gesetzliche Regelung und Kontrolle in der nahen Zukunft wenig Herbizidverzicht im öffentlichen Raum zu erwarten.

Du kannst ja Möchte-gern-PolitikerInnen zum Thema befragen und ihnen nahelegen, die Stadt Thun pestizidfrei zu machen, auch im Sinne der Tourismusförderung.

Herzliche Grüsse

Heidi

Die beste Zeit für die Bekämpfung von Unkräutern im Rasen, Hauert Rasen-Blog 27.4.17

2. Fachtagung „Die pestizidfreie Kommune“ vom 9./10.9.19, Deutsches Bundesumweltamt

Contrôle loi Labbé des inspecteurs de l’environnement de l’Agence française pour la biodiversité, youtube vom 1.4.19

Un esercito di Comuni dice no ai pesticidi, Il sole 24 ore, 7.9.19

Der Malser Weg

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Hurra! Blackenbekämpfung am Steilhang mit Drohne. Hurra?

18. September 2019
Einsatz einer Drohne am Steilhang zum Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke. Copyright: Heinrich Hebeisen.

Einsatz einer Drohne am Steilhang zum Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke. Copyright: Heinrich Hebeisen.

Die Schweiz ist das erste Land, das Drohnen zum Ausbringen von Pestiziden bewilligt hat. Helikoptersprühflüge verursachen Lärm, und die Mittel werden durch Abdrift auch relativ weit neben den Zielflächen abgelagert. Also sind Drohnen die neuen Hoffnungsträger.

Das Geschäft mit den Drohnen lockt. Am 12.9.19 verglich Heinrich Hebeisen, Pflanzenschutzdienst Kanton Luzern, das Versprühen eines selektiven Herbizids gegen Blacken in steilem Gelände durch eine Drohne mit dem Einsatz der „Gun“ (Spritzlanze). Der Versuch fand auf dem Betrieb Grosschreie in Hasle statt. Die anbietende Firma ist Remote Vision GmbH. Der Drohneneinsatz kostet 160 Franken pro Hektare plus Anfahrt.

Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke mit der "Gun" (Spritzlanze). Copyright: Heinrich Hebeisen.

Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke mit der „Gun“ (Spritzlanze). Copyright: Heinrich Hebeisen.

Das Fazit des Versuchs: Die Drohne arbeitet präziser, mit weniger Abdrift, als die Spritzlanze.

Heidis ist etwas ratlos ob all der Drohnen-Begeisterung. Einst galten Wiesen und Weiden als urtümliche Teile der Natur, längst hat Chemie Einzug gehalten. Je schlechter die Bewirtschaftung, desto mehr Chemie. Drohnen allein lösen das Problem „Pestizide“ nicht. Sie lösen auch das Blackenproblem nicht.

Schauen Sie sich den Film an und urteilen Sie selber:

Copyright: Heinrich Hebeisen.

Mit der Drohne gegen Blacken: Vergleich Drohne – Spritzlanze (Gun), youtube

Alternative zu Helikoptern Schweiz bewilligt Drohnen zum Sprühen von Pflanzenschutzmitteln, SRF vom 27.7.19

Heidis weitere 10 Artikel über Helikoptersprühflüge

Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern, Vollzugshilfe Bundesamt für Umwelt 2016

Faktenblatt Ausbringen aus der Luft mittels Drohnen, Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL)

Regeln und allgemeine Fragen zu Drohnen, BAZL

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Herbizid auf einer Alp: Adelgunds Frage

4. Juli 2019

Liebes Heidi

Ist das wirklich nötig, Gelben Enzian mit Herbizid zu spritzen?

Gruss Adelgunde

 

Liebe Adelgunde

Der Gelbe Enzian ist in fünf Kantonen vollständig geschützt, in sieben Kantonen teilweise. Schau doch einmal bei info flora nach, ob er in deinem Kanton geschützt ist. Wenn ja, dann ist die Herbizidbehandlung strafbar. Selbst wo er nicht geschützt ist, sollte der Gelbe Enzian nicht chemisch bekämpft werden. Wenn nötig, dann mit der Sense.

Der Gelbe Enzian reagiert relativ langsam auf die Behandlung, also könnte es sein, dass jemand Wurzeln sammelt für Enzian-Schnaps ohne zu wissen, dass dies problematisch ist. Überhaupt sollte man vorsichtig sein beim Sammeln von Wildkräutern, denn man weiss nicht, ob das Tee- oder Gewürzkraut mit Herbizid belastet ist, etwa bei einer grossflächigen Aktion oder durch Abdrift.

Der Geissenpeter hat mir erzählt, dass er eine Frau warnen musste, welche Löwenzahnblüten für Blütenhonig sammelte, wusste er doch, dass kurz zuvor Herbizid eingesetzt worden war, zwar nur Einzelstockbehandlung, aber so genau hat es der Bauer nicht genommen und der Wind wehte ziemlich stark. Die Frau war entsetzt, wusste nicht, dass in Wiesen Pestizide eingesetzt werden.

Immer wieder wird das Sammeln auf Alpen propagiert, leider muss man bei der heutigen Herbizid-Alppflege aufpassen. Bio Suisse möchte das Spritzen von Herbiziden auf Alpen verbieten. Das ist eine gute Idee.

Ich hoffe, dass ich dir die Frage ausreichend beantworten konnte, und schicke dir herzliche Grüsse

Heidi

Geschützter Gelber Enzian erleidet Herbizid-Tod, Heidis Mist vom

4.7.19 HOME

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Trimmis GR: Illegaler Pestizideinsatz in Rebberg

2. Juli 2019

Ganzflächiger Herbizideinsatz in Rebberg oberhalb Trimmis GR. Copyright Leonie

Hallo Heidi

Ich habe oberhalb Trimmis diesen Rebberg gesehen. Echt krass! Der Boden ist überall kahl. Die Kräuter und Gräser wurden offensichtlich mit einem Herbizid todgespritzt. Bis direkt an die Mauer, wo es doch Eidechsen hat. Und wo finden die Insekten und Vögel Nahrung? Und siehst du – neben der Strasse? Auch hier! Du schreibst doch immer, dass dies verboten sei.

Mein Onkel hat auch einen Rebberg, aber er spritzte jeweils nur in den Reihen und im Moment stellt er auf Bio um. Ich finde das megacool!

Was soll ich tun? Mein Foto dem Landwirtschaftsamt schicken?

Liebe Grüsse

Leonie

Ungefähre Lage des Rebbergs oberhalb Trimmis GR.

Ungefähre Lage des Rebbergs oberhalb Trimmis GR.

Liebe Leonie

Du sagst es! Das Spritzen von Pflanzenschutzmitteln an Strassen ist verboten gemäss Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, Anhang 2.5, 1.1 Verbote und Einschränkungen, Ziff. 2, Buchstabe c.

Die meisten Bauern beziehen Direktzahlungen. Als Pflanzenschutzmittel dürfen nur Blattherbizide im Unterstockbereich und für Einzelstockbehandlungen bei Problemunkräutern eingesetzt werden. So steht es in der Direktzahlungsverordnung Anhang 4, 14.1.4. Ich weiss natürlich nicht, ob dieser Rebbergbesitzer Direktzahlungen bezieht.

Markus Ritter und sein Bauernverband sagen doch immer, dass die Bauern nur so viel spritzen würden wie nötig. Aber eben, wenn man genauer hinschaut! Diese Spritzerei ist so absolut nicht nötig, schadet nur der Umwelt und ist zudem, mindestens teilweise, illegal.

Bitte sende dein Foto mit Plan dem Amt für Landwirtschaft und Geoinformation in Chur. Ich bin gespannt, was sie dir antworten. Leider weiss man meist nicht, ob sie Sanktionen verhängen oder nichts unternehmen. Aber versuchen sollte man es immer.

Beste Grüsse

Heidi

3.7.19 HOME

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Chlorothalonil: Behörden erwachen

27. Juni 2019
<a href="https://www.psm.admin.ch/de/produkte/4366" target="_blank" rel="noopener">Gefahrenkennzeichnung von Chlorothalonil</a> im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft. H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen. Glyphosat ist bei weitem nicht das einzige Pestizid, das "vermutlich Krebs erzeugen kann"! Heidi kann beim besten Willen nicht begreifen, dass so schädliche Pestizide überhaupt zugelassen werden.

Gefahrenkennzeichnung von Chlorothalonil im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft. H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen. Glyphosat ist bei weitem nicht das einzige Pestizid, das „vermutlich Krebs erzeugen kann“! Heidi kann beim besten Willen nicht begreifen, dass so schädliche Pestizide überhaupt zugelassen werden.

Das Problem der Grundwassersverschmutzung mit Chlorothalonil ist nicht neu, neu ist einzig, dass jetzt endlich reagiert wird. Zum Beispiel im Kanton Freiburg hat die Gemeinde Domdidier die mit diesem Fungizid verschmutzten Wasserfassungen geschlossen. Chlorothalonil verwenden die Bauern in zahlreichen Kulturen wie Gemüse, Getreide, Reben.

Die Bevölkerung wird bereits seit einem Monat mit Wasser aus anderen Kreisläufen versorgt, informiert wurde sie aber erst gestern durch einen Artikel in «La Liberté». Betroffen sind noch weitere Gemeinden im Kreis Broye.

Danke, Franziska Herren, dank deinem Tweet habe ich diese Information gefunden!

Krebserregendes Pestizid im Schweizer Trinkwasser: Chlorothalonil wird hierzulande eingesetzt, obwohl in der EU die Zulassung entzogen wurde. Das soll sich nun ändern. SRF, Angelique Beldner, vom 20.6.19

Canton de Fribourg: L’eau polluée par un fongicide à Domdidier. La commune de Domdidier a fermé les captages contaminés au chlorothalonil, un fongicide utilisé dans les cultures.

27.6.19 HOME

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Ein erster Schritt ist getan: Bund will schädliches Pestizid verbieten

12. Juni 2019

Medieninformation von Greenpeace und WWF vom 12.6.19:

Nach langem hin und her hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) endlich entschieden, alle zwölf Bewilligungen für Pestizide mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl zu widerrufen. Die Behörde hat Greenpeace Schweiz und WWF Schweiz entsprechend informiert. Die beiden Umweltorganisationen hatten sich jahrelang für ein Verbot von Chlorpyrifos eingesetzt. Das in der Landwirtschaft eingesetzte Gift kann bei Embryonen und Kleinkindern das Gehirn schädigen. Und es ist für Insekten, Vögel und Wassertiere hochtoxisch. Der Entscheid ist zu begrüssen. Doch er reicht bei weitem nicht aus: Nun müssen weitere besonders problematische Pestizide aus dem Verkehr gezogen werden.

Dieser Schritt war längst überfällig: Das BLW hat endlich entschieden, alle von ihm erteilten zwölf Bewilligungen für Insektizide mit den Wirkstoffen Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl zu widerrufen. Demnach müssen neun dieser Pestizide unverzüglich vom Markt genommen werden, drei weitere dürfen noch während zwölf Monaten verkauft werden. Landwirtinnen und Landwirte dürfen vorhandene Lagerbestände während zwölf Monaten aufbrauchen. Vom Rückzug betroffen sind total 26 Produkte. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Die betroffenen Firmen haben 30 Tage Zeit für eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht.

Alltägliches Gift in der Landwirtschaft

Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl wurden in den 1960er-Jahren auf den Markt gebracht. Sie zählen weltweit bis heute zu den am häufigsten eingesetzten Insektiziden. Damit wurden während Jahrzehnten unter anderem Kartoffeln, Gemüse, Beeren und Weintrauben gespritzt. In der Schweiz wurden die Wirkstoffe in den letzten fünf Jahren in Mengen von 10‘000 bis 15‘000 Kilogramm pro Jahr in die Umwelt gebracht.

Die wissenschaftlichen Grundlagen sind unbestreitbar: Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl haben eine ähnliche Struktur wie gewisse chemische Kampfstoffe (Nervengase). Sie sind äusserst giftig für Vögel, Säugetiere, Fische, Amphibien, Insekten und namentlich auch alle Arten von Bienen und Hummeln. Die Wirkstoffe töten zudem das Leben im Boden und schädigen unsere eigene Ernährungsgrundlage. Dazu kommt, dass die Stoffe sehr gefährlich für den Menschen sind: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass der Wirkstoff während einer Schwangerschaft zu Hirnschäden beim ungeborenen Kind führen kann.

Entscheid ist richtig, reicht aber bei weitem nicht

Die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF Schweiz haben sich für das Verbot von Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl eingesetzt. Sie haben gefordert, dass sämtliche Pestizide mit den beiden hochgefährlichen Wirkstoffen nicht mehr in die Umwelt ausgebracht und unverzüglich vom Markt genommen werden. Der Rückzug ist richtig und zu begrüssen. «Die Aufbrauchfrist von einem Jahr ist allerdings unnötig und angesichts der Toxizität der Substanzen nicht nachvollziehbar», sagt Eva Wyss, Projektleiterin Landwirtschaft von WWF Schweiz.

«Auch nach diesem Verbot sind Dutzende von vergleichbaren hochgiftigen Pestiziden frei zugänglich für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und Unterhaltsdienste» sagt Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace Schweiz. Auch diese verursachen das Insekten- und Vogelsterben mit, gefährden die Bodenfruchtbarkeit und sind giftig für den Menschen. Greenpeace und WWF Schweiz fordern ein konsequentes Verbot solcher Pestizide.

Nachtrag: Wenn in mehreren Medienberichten zur Information von Greenpeace und WWF ein Pestizid-sprühender Helikopter abgebildet wurde, dann ist dies eine schlechte Bildwahl, denn Chlorpyrifos darf gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLW NICHT aus der Luft appliziert werden.

12.6.19 HOME

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Geschützter Gelber Enzian erleidet Herbizid-Tod

10. Juni 2019
Der Gelbe Enzian ist in fünf Kantonen vollständig geschützt, in sieben Kantonen teilweise.

Der Gelbe Enzian ist in fünf Kantonen vollständig geschützt, in sieben Kantonen teilweise, info flora.

Heidi: „Sie spritzen, aber kennen nicht einmal die Pflanzen! Auf der Alp zum Blumentod haben sie Gelben Enzian auf etwa drei bis vier Aren mit Herbizid bekämpft. Einzelstockbehandlung nennt sich das und es ist vielerorts völlig legal! Im betreffenden Kanton ist der Gelbe Enzian teilgeschützt. Dieser Herbizideinsatz dürfte also rechtswidrig sein, wenn nicht findige Juristen ein Schlupfloch entdecken.“

Alpöhi: „Wir haben die Alpweiden früher eben regelmässig mit der Sense gepflegt. Jahrzehntelang wurde dies vernachlässigt. Die neuen Sömmerungsbeiträge verpflichten die Bewirtschafter dazu, das Unkraut zu bekämpfen … nun haben wir den Dreck oder vielmehr das Gift!“

Geissenpeter: „Wer benutzt heute noch eine Sense?! Wenn die Kontrolleure zu viel Unkraut sehen, dann gibt es Abzüge, das wollen die Älpler um jeden Preis verhindern. Herbizide wurden früher schon eingesetzt. Billig muss die Bekämpfung sein, daher stellen sie oft Hilfspersonal oder junge Ungebildete an.“

Heidi: „Effizient ist das zudem längst nicht immer, etwa wenn sie zur falschen Zeit spritzen, dann nützt das Gift nicht einmal. Den Unterschied zwischen dem Weissen Germer, den sie bekämpfen wollen, und dem Gelben Enzian kann man sich einfach merken, sieht dies auch wenn die Pflanzen noch nicht blühen ganz klar am Blattstand. Beim Gelben Enzian sind die Blätter kreuzgegenständig angeordnet, beim Weissen Germer dreizeilig wechselständig.“

Alpöhi: „Zum Glück bemerken meist nicht einmal die Wanderer den Herbizideinsatz. Die Biker flitzen sowieso vorbei.“

Geissenpeter: „Hauptsache, sie kaufen Alpkäse!“

Heidi: „Und wenn die Leute Teekräuter sammeln? Der Herbizideinsatz ist nicht sofort sichtbar. Ich sage immer wieder: Man muss Warntafeln aufstellen. Leider kann das Wild nicht lesen!“

Alpöhi:Im Rahmen des ALPFUTUR Teilprojektes Alpprodukte 1 wurden Gruppen organisiert, um die Erwartungen der Konsumenten an Alpprodukte zu identifzieren. Das Ergebnis: Die befragten Konsumenten nehmen Alpkäse als ein Produkt wahr, dessen Ursprungsregion ihrer Vorstellung einer intakten, idealen Welt entspricht (im Sinne von unberührter Natur), dessen Herstellung jedoch harte Arbeit erfordert. Der Alpkäse wird als qualitativ hochwertiges Produkt angesehen, wesentlich bedingt durch die Alpweiden.“

Heidi: „Lieber Peter, glaubst du, dass die Konsumenten immer noch für Alpkäse mindestens sechs Franken pro Kilogramm mehr bezahlen als für Biokäse, wenn sie meine Artikel über den Herbizideinsatz auf konventionellen Alpen lesen?“

Heidis 23 Artikel über Herbizide auf Alpen, 2015 bis 2018

Wahrnehmung und Präferenzen der Konsumenten bei Alpkäse – agridea, 2013

Enzian-Idylle mit Herbizid.

Und noch mehr behandelter Gelber Enzian!

Ein trauriger Anblick!

10.6.19 HOME

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St. Doris – Rückblick mit Cartoons von NaNa

16. Dezember 2018

Unsere abtretende Bundesrätin und Umweltministerin Doris Leuthard hat NaNa immer wieder zum Zeichnen inspiriert. Bilder sagen mehr als tausend Worte … Doris zum Letzten:

FDP-Politiker überraschen mit Forderung im Beznau-Streit: Das AKW Beznau 1 sei erdbebensicher, sagt die Atomaufsicht des Bundes. Diese Einschätzung ist umstritten. Nun verlangen auch Atombefürworter Klarheit. Tages Anzeiger vom 19.3.18

Breite Front gegen «Lex Beznau»: Wie viel Radioaktivität darf ein AKW bei einem schweren Erdbeben freisetzen? Der Vorschlag des Bundesrats fällt durch – bei Kantonen, Städten und in Deutschland. Tages Anzeiger vom 5.6.18

Doris Leuthard und ihr Abschiedsgeschenk an die Axpo. Wie viel Strahlenbelastung ist zu viel? Damit Beznau nicht vom Netz gehen muss, will die Bundesrätin den Grenzwert heute sehr hoch anlegen. Tages Anzeiger vom 7.12.18

NaNa 9.11.17: Die SES Energiestiftung informiert über die seltsamen Kalkulationen in der Kostenstudie 2016 des AKW-Betreiber-Verbandes. Es geht um die Höhe der Beiträge in den staatlichen Entsorgungsfonds. Das UVEK muss nächstes Jahr die Höhe der Beiträge absegnen und wird sich auf diese Zahlen stützen. Die Mängel in der Studie werden auf der homepage der SES aufgelistet, klar ist jedenfalls, dass Kosten und Risiken weggerechnet werden und die Betreiber belohnt werden, wenn die Nagra möglichst langsam arbeitet.

CEO von AXPO: Andrew Walo, CEO von ALPIQ: Jasmin Staiblin.
Das wusste man schon bei Kaiseraugst, 1975: die enormen Kosten (Bau und Rückbau, Lagerstätten) und Risiken werden garantiert sozialisiert werden: wir Bünzlis werden alle zahlen, während die Aktionäre (auch div. Kantone und Städte) und Funktionäre solange wie möglich kassieren.

Stilllegungs- und Entsorgungsfonds: SES fordert höhere Beiträge. Schweizerische Energie-Stiftung SES

Heidi hat noch Andrew Walo gesucht und bei Bloomberg sein Gehalt gefunden:

Die Umweltministerin zur Mobilität

„… Wie bei Schiene und Strasse müssen wir auch in der Luft Schritt halten mit den Mobilitätsbedürfnissen der Gesellschaft und der Wirtschaft. Davon hängt unser Wohlstand ab…“

Da reibt sich Heidi die Augen. Hat sie falsch gelesen? Wikipedia: „… Umweltorganisationen kritisieren die steuerlichen Vorteile, die der Luftverkehr geniesst, insbesondere unter Berücksichtigung der massiven Umweltauswirkungen. Das Umweltbundesamt (Deutschland) bezifferte die Steuerausfälle (2010) auf 11,5 Milliarden Euro jährlich. Der Flächenbedarf von Flughäfen ist lokal sehr gross und führt häufig zu Bürgerprotesten (siehe z. B. Flughafenausbaugegner Frankfurt)…“

Doris Leuthard: «Wir müssen zu unseren Landesflughäfen Sorge tragen», NZZ vom 14.12.18

Doris Leuthard in schon veröffentlichten Cartoons

Grenzwerte erhöhen – beliebtes Spiel der Mächtigen: Wo der Einzelne nur an sich denkt, wird die Gesamtheit nimmer vorwärtskommen.
Jakob Bosshart, 1862 – 1924. Heidis Mist vom 8.3.18

Heidi Band 3: Heidi will es wissen. Heidis Mist vom 6.1.18

Pestizide: Seid wachsam – wehrt euch!  Heidis Mist vom 16.12.17

Insektensterben: Das Dornröschen schläft. Heidis Mist vom 11.11.17

Heidi dankt an dieser Stelle NaNa für ihre schönen Zeichnungen, Hinweise … und freut sich schon auf weitere …

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Was hat Captan auf Bio-Parzellen zu tun?

2. Dezember 2018
Im Heu von Alexander Agethle, Bio-Bauer im Vinschgau (Südtirol), ist das Fungizid Captan nachgewiesen worden. Er ist längst nicht der Einzige, der ein solches Problem hat. Die Familie Agethle hat gerade eine bedeutende Auszeichnung erhalten: Eine der angebotenen Bio-Käsesorten wurde zum besten Weichkäse Italiens gekürt.

Im Heu von Alexander Agethle, Bio-Bauer im Vinschgau (Südtirol), ist das Fungizid Captan nachgewiesen worden. Er ist längst nicht der Einzige, der ein solches Problem hat. Die Familie Agethle hat gerade eine bedeutende Auszeichnung erhalten: Eine der angebotenen Bio-Käsesorten wurde zum besten Weichkäse Italiens gekürt.

Abdrift ist für viele Biobauern ein Problem. Besonders von hochwachsenden Kulturen wie Obstanlagen und Rebbergen gelangen Pestizide leicht auf benachbarte Parzellen. Ausgerechnet diese Pflanzen müssen aber besonders häufig gespritzt werden. Wenn es zudem windig ist, dann können Pestizide über grosse Distanzen verbreitet werden. Talwind etwa trägt Abdrift in höhere Lagen und kann dort die Flora und Fauna massiv schädigen.

Noch schlimmer ist es, wenn Pestizide per Helikopter gespritzt werden, was in der Schweiz erlaubt ist. Die vorgeschriebenen Pufferstreifen wurden 2016 sogar verkleinert. Es ist kein Trost, wenn gleichzeitig für Bio neu explizit Abstandsvorschriften eingeführt wurden.

Das Nichteinhalten von Pufferstreifen ist ein weiteres Problem, das noch nicht in der Politik angekommen ist.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Abdrift auf Kinderspielplätze

In der Gemeinde Mals im Südtirol (I) wurden Kinderspielplätze auf die Anwesenheit von Pestiziden untersucht. Es heisst – wie so häufig – die Analysenwerte seien unter dem Grenzwert. Doch der Malser Gemeindepräsident vertritt die Ansicht, dass für Spielplätze Nulltoleranz der richtige Ansatz ist.

Abdrift von Intensivobstanlagen trifft viele

Zu lesen auf salto, 21.11.18, im Zusammenhang mit Captan-Abdrift auf die Parzellen der Vinschgauer Bio-Bauern Ägidius Wellenzohn und Alexander Agethle: „Der Abdriftschutz von Pestiziden auf benachbarte Grundstücke ist nicht möglich. Und: Alle Menschen, die in der unmittelbaren Nähe von Intensivobstanlagen leben – und das dürften zwischen einem Viertel und einem Drittel der SüdtirolerInnen sein – sind im Laufe des Jahres vielfachen Pestizideinträgen ausgesetzt. Wenn sie einen Garten haben und Obst oder Gemüse daraus konsumieren, ist davon auszugehen, dass sie immer wieder mit Pestizidmengen jenseits der gesetzlich festgelegten Grenzwerte belastet werden.

… Wenn man mit konventionell wirtschaftenden Bauern diskutiert, postulieren diese stets das Recht, dass sie selber bestimmen wollen, wie sie wirtschaften. Sie räumen aber auch sofort ein, dass die Nachbargrundstücke natürlich nicht belastet werden dürfen. Sie wissen aber wohl selbst am besten, dass das einfach nicht funktioniert …“

Vom Wert der Zusammenarbeit

Zusammenarbeit ist für Alexander Agethle wichtig. Zitat aus Dolomitenstadt.at: „Die Gefahr ist ja, als Kleiner alles alleine schaffen zu wollen und am Ende nichts davon richtig zu machen“, findet Agethle. Oder aber, dass man in Südtirol plötzlich abhängig von internationalen Konzernen ist: „Ich wollte einfach nicht bei diesem Spiel mitmachen, seine männlichen Kälber wenige Tage nach der Geburt nach Polen zu schicken, dort zwei Jahre lang billig mästen zu lassen und nach einem langen Transport wieder bei uns in Italien zu schlachten“, erklärt Agethle. „Nur, damit man dem Kunden suggerieren kann, es handele sich da um ein regionales Produkt.“

Captan am Bio-Baum, Captan im Bio-Heu, salto vom 21.11.18

Ausgezeichneter Käse: Der beste Weichkäse Italiens kommt aus dem Vinschgau. Es ist der Arunda von der Hofkäserei Englhorn aus Mals.

Hofkäserei Englhorn: Der Wert von gutem Käse. Im oberen Vinschgau prägt Bauer Alexander Agethle mit seinen Ideen eine ganze Region. Dolomitenstadt.at vom 13.9.18

Englhorn, Familie Agethle, seit weit über 200 Jahren im Besitz der Familie Agethle.

Treffpunkt – Mals – geplatztes Wunder?  Rai Südtirol vom 20.11.2018

Informationen zu „Rückstände“ von BIOSUISSE

Heidis zehn Artikel über Helikoptersprühflüge

2.12.18 HOME

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