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Antibiotika CH: studieren, zusammensitzen, strategieren

3. März 2013
Wieviel Antibiotika enthält wohl diese Gülle? Wieviel trägt sie zum Reservoir für Resistenzgene in der Erde bei?

Wieviel Antibiotika enthält wohl diese Gülle? Wieviel trägt sie zum Reservoir für Resistenzgene in der Erde bei?

Heidi-Leser Max hat einen Kommentar zum Artikel Deutschland: Systematischen Antibiotikamissbrauch bekämpfen verfasst. Interessant, findet sie, Danke. Ein Anschauungsbeispiel mehr zu: Wie verpuffen unsere Steuergelder? Damit der Kommentar besser zur Geltung kommt, hat Heidi daraus einen „Gast-Schreiber-Artikel“ gemacht. Max hat das Wort:

„Studieren, zusammensitzen, strategieren tun sie, die verantwortungslosen Verantwortlichen, bis die Isolierstationen in unseren Spitäler überfüllt sind, Menschen an banalsten Infektionen (wieder) sterben, unnötig amputiert werden müssen.

Zusätzliche Informationen und Kommentar zu diesem Skandal:

NFP 49 «Antibiotika-Resistenz»
Schweizerischer Nationalfonds
Nationales Forschungsprogramm (NFP)

Das Nationale Forschungsprogramm «Antibiotika-Resistenz» (NFP 49) hatte den Auftrag, Methoden und Strategien für ein kontinuierliches Überwachungssystem zu entwickeln und eine Übersicht über die gegenwärtige Situation der Antibiotikaresistenz in der Schweiz bei Bakterien, die von Mensch und Tier, aus der Landwirtschaft, aus Lebensmitteln und aus der Umwelt herstammen, zu erstellen.
Rahmenkredit: CHF 12’000’000
Forschungsdauer: 5 Jahre
Forschungsbeginn: Juli 2001
Abschluss der Forschungsarbeiten: Juni 2006

Und so hiess es u.a. im Schlussbericht, schon vor über 5 Jahren:

“…Ergebnisse zeigten, dass in der Tiermast eingesetzte Sulphonamide (SA) durch das Ausbringen der Gülle in vergleichbar hoher Konzentration wie Herbizide ins Erdreich gelangen und dort mehrere Wochen oder Monate persistieren. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass das Erdreich ein beträchtliches Reservoir für Resistenzgene darstellt…”

und auf der Webseite des NRP 49:

“…Antibiotikaresistenz ist in ständiger Evolution und muss mit einer Vielzahl von multidisziplinär entwickelten Strategien bekämpft werden…”

Seit 5 Jahren wird aber die Webseite nicht mehr aktualisiert! Besser kann dieser Skandal nicht beschrieben werden. Wen interessiert es schon? Zuviele Leute verdienen anscheinend zuviel Geld am Status quo – and to hell with human life!

Lieber ein Riesenmedien- und Politklamauk wegen Pferdefleisch, an dem noch niemand gestorben ist, als die wirklich ernsten Gesundheitsrisiken anzugehen: Jetzt und heute, wieder unheilbare Infektionen mit Amputationen und Todesopfern, wie zu Zeiten als es noch keine Antibiotika gab. Fast unlösbare Probleme für unsere Spitäler und Ärzte, grosser Personalaufwand, teure Isolierstationen, überbordende Investitionen und laufende Kosten. Schon 2006 hiess es im NFP 49, dass die Schweiz sich in einer prae-pandemischen Situation befinde.

Wie heisst es auf der Webseite des Departements des Innern, zuständig für das Bundesamt für Gesundheit BAG: “Ein Departement am Puls des Alltags”. Herr Bundesrat Berset, die Situation ist dramatisch. Aktion ist gefordert nicht leere soundbites der PR Abteilung.“

Infektionen trotzen Antibiotika immer häufiger, Medieninformation vom 12.4.7 zum Abschluss des Nationeln Forschungsprogramms „Antibiotikaresistenz“

Schweizerisches Zentrum für Antibiotikaresistenzen, Universität Bern

Hier noch der erste Kommentar zum Artikel, ebenfalls lesenswert:

„Liebe Heidi
Die Antwort aus Bern auf deine Frage aus den Bergen “Was geschieht eigentlich in der Schweiz? Von griffigen Massnahmen hat sie bisher nichts gehört.” lautet: Der Bund erfindet eine Strategie, die so breit abgestützt wird, dass in den nächsten 10 Jahren kaum etwas passiert. Siehe auch: Antibiotika: Bund will breit abgestützte Strategie, Schweizer Bauer 20.2.13.
Herzliche Grüsse aus der Stratosphäre, wo die Strategien erfunden werden.“

Bei dieser Gelegenheit sei auch auf den früheren Kommentar von Max verwiesen: „… Wegen Antibiotikamissbrauch in der Landwirtschaft kommen Bauern in den NL bei Spitalaufenthalt direkt auf Isolierstation, als potentielle Träger von resistenten Keimen….“ Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität.

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Kinder allein zu Hause

17. Februar 2013
Andrea Diefenbach: Land ohne Eltern, Kehrer Verlag, Heidelberg 2012

Andrea Diefenbach: Land ohne Eltern, Kehrer Verlag, Heidelberg 2012

„Andrea Diefenbach fotografiert zerrissene Familien. Kinder, die in Moldawien zurückbleiben, und deren Eltern, die in Italien – mühsam und teils illegal – ihr Geld verdienen. ‚Land ohne Eltern‘ öffnet den Blick für schwer vorstellbare Zustände… Putzfrauen, Altenpfleger, Arbeiter. Irgendwo in Italien, doch es könnte auch in Deutschland sein.“ Die Süddeutsche berichtete am 26. November 2012 ausführlich über den eindrücklichen Fotoband, unter dem Titel Wenn Eltern und Kinder in Fernbeziehung leben.

Auch bei uns sind sie, die Mütter oder Väter von zurückgelassenen Kindern aus Rumänien, Polen usw. Sie putzen Büros und Wohnungen oder arbeiten auf den Feldern, während die Kinder allein sind oder von Grosseltern und Verwandten betreut werden. Sie pflücken Erdbeeren auf Spaniens Feldern, damit unser reichliches Essen billig ist und die Grossverteiler satte Gewinne erzielen. Billig muss alles sein, die Milch, das Fleisch, die Kleider. Und die Mieten, die Landpreise, Versicherungen, die Gewinne? Sie dürfen unentwegt steigen. Wir zahlen die falschen Leute! Wirtschaftsflüchtlinge hier, Wanderarbeiter dort: Sie schuften für die Privilegierten dieser Welt. Menschen, Tiere und Natur leiden für den „Fortschritt“. Werden wir immer zu den Privilegierten gehören?

Uns beschäftigt Fertig-Lasagna, umhergeschobenes verarbeitetes Pferdefleisch. Wissen wir noch nicht, dass man uns so allerlei Unerwünschtes einmischen kann? Neueste Meldung von Grünwolf:
An deutschen Döner-Ständen wird Schweinefleisch in die Döner gemischt – vor allem für gläubige Muslime eine echte Provokation, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 18.2.13.

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