Posts Tagged ‘Pflanzenschutzmittel’

Herbizide: Die Stadt Thun spritzt regelmässig ihre Grünflächen

22. September 2019

Mit Herbizid behandelte Spielwiese in Thun. Copyright: Pia

Hallo Heidi

Ich habe gestern endlich einen Spielrasen fotografiert. Obwohl es schon etwas düster war sieht man die abgestorbenen Stellen. Die Stadt Thun spritzt ihre Grünflächen regelmässig mit Herbiziden. Die Sport- und Schulhausrasen dürfen dann 24 Stunden lang nicht betreten werden.

Du schreibst, dass für das Weiden von Rindern eine Wartefrist von zwei Wochen eingehalten werden muss. Reicht ein Tag für Kinder?

Freundliche Grüsse

Pia

Liebe Pia

Wiederbetretungsfristen für Sport-/Spielrasen habe ich im Internet keine gefunden, manchmal einen Verweis auf die Verpackung. Man geht davon aus, dass der Spritzbelag eingetrocknet sein muss, dann ist das Betreten mit Schuhen und Kleidung wahrscheinlich kein grosses Risiko. Die Kinder und Sportler essen ja das Gras nicht. Natürlich dauert es viel länger bis das Produkt abgebaut ist. In den USA müssen behandelte Felder mit einem Warnschild versehen werden.

Braucht es überhaupt Herbizide?

Im Rasen-Blog der Firma Hauert steht: „Wenn Sie auf den Einsatz von Unkrautvernichtern in Ihrem Rasen verzichten wollen, erfolgt die beste Vorbeugung gegen Unkräuter mit einer der Nutzung angepassten Düngung. Durch eine angepasste Düngung können Sie die Rasengräser optimal entwickeln und sind dadurch viel konkurrenzstärker als die Unkräuter.“ Diese Ansicht teile ich.

In Frankreich ist der Pestizideinsatz auf öffentlichen Flächen seit 1.1.17 verboten. Ein Video zeigt wie das so genannte „Lois Labbé“ kontrolliert wird: Contrôle loi Labbé des inspecteurs de l’environnement de l’Agence française pour la biodiversité. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser!

In Italien versuchen bereits 70 Gemeinden pestizidfrei zu werden. Das betrifft nicht nur die öffentlichen Anlagen, sondern auch die Landwirtschaft. Berühmtestes Beispiel ist die Gemeinde Mals im Südtirol.

In Deutschland und Österreich gibt es zahlreiche Initiativen für pestizdfreie öffentliche Räume. So fand am 9./10.9.19 die 2. Fachtagung „Die pestizidfreie Kommune“ statt. Ziel der Veranstaltung ist gemäss Deutschem Umweltbundesamt, weitere Kommunen über die Möglichkeiten zu informieren, künftig auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten.

Und in der Schweiz? Auf freiwilliger Basis geben sich einzelne Gemeinden Mühe, den Pestizideinsatz einzuschränken, aber gesamtschweizerisch kann im Moment nur die Volksinitiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide eine wirkliche Veränderung herbeiführen. Im Rahmen der Kampagne „Food For Life“ von Greenpeace Schweiz haben Freiwillige im Herbst 2015 ihre Gemeinden bezüglich der Verwendung von Glyphosat und anderen chemischen Pestiziden befragt. Die ausgewerteten Ergebnisse wurden in eine interaktive Karte eingebettet und sind auf Meine pestizidfreie Gemeinde abrufbar. Die Angaben beschränken sich auf Gemeinden in den Kantonen Genf, Waadt und Zürich, Veränderungen in den letzten vier Jahren sind nicht berücksichtigt.

Weil in vielen Köpfen noch immer Bequemlichkeit und Wirtschaftlichkeit vor Umwelt und Biodiversität stehen, ist ohne gesetzliche Regelung und Kontrolle in der nahen Zukunft wenig Herbizidverzicht im öffentlichen Raum zu erwarten.

Du kannst ja Möchte-gern-PolitikerInnen zum Thema befragen und ihnen nahelegen, die Stadt Thun pestizidfrei zu machen, auch im Sinne der Tourismusförderung.

Herzliche Grüsse

Heidi

Die beste Zeit für die Bekämpfung von Unkräutern im Rasen, Hauert Rasen-Blog 27.4.17

2. Fachtagung „Die pestizidfreie Kommune“ vom 9./10.9.19, Deutsches Bundesumweltamt

Contrôle loi Labbé des inspecteurs de l’environnement de l’Agence française pour la biodiversité, youtube vom 1.4.19

Un esercito di Comuni dice no ai pesticidi, Il sole 24 ore, 7.9.19

Der Malser Weg

22.9.19 HOME

Datenschutzerklärung

Hurra! Blackenbekämpfung am Steilhang mit Drohne. Hurra?

18. September 2019
Einsatz einer Drohne am Steilhang zum Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke. Copyright: Heinrich Hebeisen.

Einsatz einer Drohne am Steilhang zum Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke. Copyright: Heinrich Hebeisen.

Die Schweiz ist das erste Land, das Drohnen zum Ausbringen von Pestiziden bewilligt hat. Helikoptersprühflüge verursachen Lärm, und die Mittel werden durch Abdrift auch relativ weit neben den Zielflächen abgelagert. Also sind Drohnen die neuen Hoffnungsträger.

Das Geschäft mit den Drohnen lockt. Am 12.9.19 verglich Heinrich Hebeisen, Pflanzenschutzdienst Kanton Luzern, das Versprühen eines selektiven Herbizids gegen Blacken in steilem Gelände durch eine Drohne mit dem Einsatz der „Gun“ (Spritzlanze). Der Versuch fand auf dem Betrieb Grosschreie in Hasle statt. Die anbietende Firma ist Remote Vision GmbH. Der Drohneneinsatz kostet 160 Franken pro Hektare plus Anfahrt.

Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke mit der "Gun" (Spritzlanze). Copyright: Heinrich Hebeisen.

Versprühen eines selektiven Herbizids gegen die Blacke mit der „Gun“ (Spritzlanze). Copyright: Heinrich Hebeisen.

Das Fazit des Versuchs: Die Drohne arbeitet präziser, mit weniger Abdrift, als die Spritzlanze.

Heidis ist etwas ratlos ob all der Drohnen-Begeisterung. Einst galten Wiesen und Weiden als urtümliche Teile der Natur, längst hat Chemie Einzug gehalten. Je schlechter die Bewirtschaftung, desto mehr Chemie. Drohnen allein lösen das Problem „Pestizide“ nicht. Sie lösen auch das Blackenproblem nicht.

Schauen Sie sich den Film an und urteilen Sie selber:

Copyright: Heinrich Hebeisen.

Mit der Drohne gegen Blacken: Vergleich Drohne – Spritzlanze (Gun), youtube

Alternative zu Helikoptern Schweiz bewilligt Drohnen zum Sprühen von Pflanzenschutzmitteln, SRF vom 27.7.19

Heidis weitere 10 Artikel über Helikoptersprühflüge

Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern, Vollzugshilfe Bundesamt für Umwelt 2016

Faktenblatt Ausbringen aus der Luft mittels Drohnen, Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL)

Regeln und allgemeine Fragen zu Drohnen, BAZL

17.9.19 HOME

Datenschutzerklärung

Herbizide auf Alpweiden: Frage an Heidi von Heiri

17. September 2019
Blacken wurden mit Herbizid behandelt ... und schon weiden hier Rinder!

Blacken wurden mit Herbizid behandelt … und schon weiden hier Rinder!

Liebe Heidi

Heute (15.9.19) im Unterstafel der Glattalp gesehen. Fast alle Blackenblätter gelb, das Vieh weidet friedlich darin. Warum sind die Blacken gelblich? Jemand hat mir gesagt, dass das wegen Herbiziden ist! Darf dann das Vieh auf solchen Flächen geweidet werden?

Gruss
Heiri

Lieber Heiri

Nach dem Spritzen mit Herbiziden auf einer Rinderweide muss eine Wartefrist von zwei Wochen eingehalten werden. Wenn Kühe auf der Weide sind, die Milch geben, dann beträgt die Wartefrist drei Wochen. Du erwähnst das Spritzdatum zwar nicht, aber es sieht schon so aus, als ob hier erst kürzlich gespritzt worden sei.

Diese Wartefristen basieren auf einer Risikoabschätzung aus praktischer Sicht und entsprechen „durchschnittlichen“ Bedingungen. Wissenschaftlich lassen sie sich kaum begründen, jedenfalls habe ich keine entsprechende Publikation gefunden.

Offensichtlich wachsen hier Blacken fast in Reinkultur, also gibt es im Boden zu viele Nährstoffe. Eine Herbizidbehandlung ist in einem solchen Fall unsinnig, da die Blacken oder andere nährstoffliebende Pflanzen nach der Bekämpfung wieder aufkommen. Für die Flächenbehandlung müsste zudem eine Bewilligung des zuständigen Amts vorliegen.

Herzliche Grüsse
Heidi

Eine grosse Fläche mit Blacken zeigt an, dass hier Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind.

Eine grosse Fläche mit Blacken zeigt an, dass hier Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind.

Liebe Heidi

Danke für die Antwort. Glaubt denn wirklich jemand, dass in dieser Zeit keine Rückstände mehr in den Blättern sind?

Gruss
Heiri

Lieber Heiri

Die Zeit, die es z.B. für den Abbau der Hälfte von Glyphosat im Labor braucht, beträgt 49 Tage = DT50-Wert (Quelle: D, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Der DT50-Wert für MCPA liegt bei 7 bis 14 Tagen; dieses selektive Herbizid wird auch für dieBlackenbekämpfung eingesetzt. Je nach Bedingungen ist die Abbauzeit extrem unterschiedlich. In höheren Lagen ist sie aufgrund der tieferen Temperaturen sicher wesentlich länger als im Mittelland. Wieviel Herbizid die Tiere, welche die behandelten Pflanzen fressen, im Körper wie schnell abbauen bzw. ausscheiden, das lässt sich nicht so einfach sagen. Man müsste das einmal untersuchen oder – besser: auf Alpen Unkräuter mechanisch bekämpfen und die Nutzung anpassen, so dass solche Blackenfluren gar nicht entstehen.

Vor etwa einem Monat fragte mich eine Leserin, ob man frisch gespritzte Blacken mähen und in Siloballen verpacken dürfe. Ich habe keine entsprechenden Abbaustudien gefunden, würde aber davon abraten. Gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft ist eine Wartefrist für Grünfutter oder Konservierung von 3 Wochen vorgeschrieben.

Beste Grüsse
Heidi

Liste der bewilligten Herbizide gegen Wiesenblacken und Alpenblacken in Wiesen und Weiden des ÖLN-Betriebes

Heidis weitere 25 Artikel über Herbizide auf Alpen

17.9.19 HOME

Datenschutzerklärung

Sehr geehrter Herr Agrarminister Parmelin

10. September 2019

Sehr geehrter Herr Agrarminister Parmelin

Sie sagten in einem Gespräch mit Agrarmedien: „Jetzt wird mit dem Finger auf die Bauern gezeigt, obwohl sie sich ans Gesetz gehalten haben“. Wenn dem tatsächlich so wäre, dann müsste man das Gesetz SOFORT massiv verschärfen.

Wie kommen Sie überhaupt auf die Idee zu sagen, dass die Gesetze eingehalten werden, wo doch – gerade im Gewässerschutz – kaum kontrolliert wird? Woher nehmen Sie diese Sicherheit bzw. die Fakten?

Die Gesetzesartikel zum Schutze der Gewässer sind gar nicht so schlecht, wenn man sie vollziehen würde. Dort hapert es stark, denn vieles, das kontrolliert werden sollte, wird gar nicht kontrolliert. DAFÜR gibt es kein Geld, denn gelenkt werden unsere Steuergelder bevorzugt in für die Bauern günstigere Kanäle. Und vieles lässt sich kaum oder nur mit viel Geld kontrollieren, so etwa der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Sie reden von Anti-Landwirtschafts-Hysterie. Ich lese viele Berichte über den Zustand der Gewässer in den unterschiedlichsten Medien und kann Ihnen bezeugen, dass diese die Fakten aufzeigen. Das hat nichts mit Hysterie zu tun! Diese Zahlen werden seit Jahren publiziert, sogar in Ihrem jährlichen Agrarbericht, nur plant die Landwirtschaftspolitik an den Umweltverschmutzungen vorbei. Jetzt ist die Botschaft beim Volk angekommen!

So darf ich denn in diesem Zusammenhang mein Mitgefühl mit den tatsächlich umweltschonend wirtschaftenden Bauern ausdrücken, denn diese sind auch von den Negativschlagzeilen betroffen. Die übrigen machen einfach das, was man sie machen lässt, vieles ohne Kontrolle, auch wenn diese von Gesetzes wegen vorgeschrieben wäre.

NaNa, meine Cartoonistin, hat zum Thema „Gesetze einhalten“ einen exemplarischen Artikel im Blick gefunden. Darin steht:

Zu viel Nitrat bei 40 Prozent der Grundwassermessungen

Im Berner Oberland, in Schwyz, im Prättigau oder im Toggenburg sieht es nicht besser aus: Überall missachten Bauern immer wieder den Gewässerschutz. Und dies, obwohl seit 1991 mit dem Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer geregelt wäre, wie und wann Bauern Mist und Gülle austragen dürfen. Und das Ergebnis ist beunruhigend: 80 Prozent des Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Die Warnung im Bafu-Bericht: «Die Grundwasservorkommen weisen zunehmend Verunreinigungen auf, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen.» Konkret: Jede siebte Grundwassermessstelle wies mehr Nitrate aus als erlaubt. Im Mittelland sind es gar 40 Prozent der gemessenen Werte.

Kein Wunder, sagen Experten. Agrarwissenschaftlerin Marianne Bodenmann: «Seit Jahrzehnten forscht der Bund, wie ökologische Landwirtschaft betrieben werden kann – in der Praxis sind wir aber vielerorts nicht viel weitergekommen. Mir stinkt das!» Bodenmann war ehemalige Kommunikationschefin der Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau in Reckenholz ZH – heute Teil von Agroscope. Sie weiss: «Das Problem sind in der Schweiz nicht die Gesetze. Diese sind gut. Das Problem ist vielmehr der Vollzug.» Kontrolliert werde in den wenigsten Kantonen, und häufig werden solche Aufgaben an die Gemeinden delegiert. «Diese haben aber kaum Kapazitäten dafür – oder möchten es sich gerade in ländlichen Regionen mit den Bauern nicht verscherzen», so Bodenmann. Quelle: Blick vom 26.8.19.

Wo bleibt der Integrierte Pflanzenschutz?

Zitat aus dem Aktionsplan, Seite 9: "... Erst als letzte Massnahme sollen chemische PSM zur Anwendung gelangen. Der Einsatz von chemischen PSM wird heute aber oftmals vorgezogen, da die Alternativen weniger wirtschaftlich, weniger effizient oder nicht vorhanden sind."

Zitat aus dem Aktionsplan, Seite 9: „… Erst als letzte Massnahme sollen chemische PSM zur Anwendung gelangen. Der Einsatz von chemischen PSM wird heute aber oftmals vorgezogen, da die Alternativen weniger wirtschaftlich, weniger effizient oder nicht vorhanden sind.“

Das Zitat aus dem Aktionsplan Pflanzenschutz habe ich im Oktober 2016 kopiert. Offenbar hat man beim Bundesamt für Landwirtschaft gemerkt, dass dieser Satz „ungünstig“ für die Bauern ist und hat ihn später unverfänglicher formuliert. Doch die Tatsache bleibt. Kontrollen sind fast inexistent und die Vorgaben der Integrierten Produktion werden oft nicht beachtet.

Indirekter Gegenvorschlag

Herr Agrarminister, Sie halten es für möglich, dass es doch noch zu einem indirekten Gegenvorschlag zu den Pestizidinitiativen kommen wird. Meine Frage: Haben die Bauern Angst? Sind Sie ob all der Umweltfakten verunsichert? Ich stelle fest, dass das „Volk“ nicht mehr alles glaubt, was aus Ihrer Küche kommt. Das hat mit Hysterie nichts zu tun, sondern basiert auf Tatsachen, die sich so einfach nicht wegwaschen lassen, auch nicht mit Palmöl-Seife.

Herr Agrarminister, Sie können bereits vermerken, dass ich einem indirekten Gegenvorschlag nicht zustimmen werde, sondern den beiden Pestizidinitiativen. Ich stufe mich nicht als hysterisch ein, sondern als klarsichtig.

Wie kommen Sie, Herr Agrarminister, auf die Idee zu sagen, dass die Bauern die Gesetze einhalten, wo doch der Gewässerschutz kaum kontrolliert wird?

Was werden Sie unternehmen, um die Qualität von Grund-, Trink- und Oberflächengewässern zu verbessern?

Und wie, Herr Agrarminister, erklären Sie der Schweizer Bevölkerung, dass der Metabolit Chlorothalonil R471811 in der EU als „relevant“ eingestuft wurde, in der Schweiz aber nicht? Das heisst er muss weder kontrolliert werden, noch gilt ein Grenzwert. Chlorothalonil R471811 darf bei uns, nicht aber in der EU, in beliebigen Konzentrationen im Trinkwasser vorkommen.

Herr Agrarminister, Sie sind auch für Forschung zuständig. Wieso ignorieren Sie wichtige Resultate? Weil Sie der Landwirtschaft näher stehen als dem Volk?

Auch wenn Sie den Beruf des Winzers an den Nagel gehängt haben, um Bundesrat zu werden, dürfen Sie in dieser neuen Position nicht Partikularinteressen der Landwirtschaft vertreten, sondern müssen jene des Volkes in Ihren Entscheiden berücksichtigen. Sie müssten die Zukunft im Auge haben, nicht kurzfristigen Profit. Das nützt auch den Bauern!

Freundliche Grüsse

Heidi

Hysterie bereitet Sorgen, LID vom 9.9.19

Pestizide: Alles unter Kontrolle

4. September 2019

NaNa: Where Have All the Flowers Gone ist ein Antikriegslied, 1955 von Pete Seeger geschrieben. Es wurde von Max Colpet unter dem Titel Sag mir wo die Blumen sind ins Deutsche übertragen. NaNas Version:

Sag mir wo die Pestizide sind, wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Pestizide sind, was ist geschehen?
Sag mir wo die Pestizide sind, Bauern spritzten sie geschwind!
Wer wird das BLW verstehen?
Wer wird das BLW verstehen?

30.8.19 Beobachter – Die Stunde der Schönschwätzer:

Andreas Bosshard, Vision Landwirtschaft, Zitate aus dem Beobachter-Artikel: „«In der Schweiz sind Pestizide verhältnismässig günstiger als anderswo. Die Hemmschwelle ist kleiner, lieber etwas zu viel als zu wenig Pestizide einzusetzen».

Es sei tatsächlich schwierig, den Pestizidverbrauch international zu vergleichen. Das hänge mit der miserablen Datenlage zusammen. «Sie ist in der Schweiz viel schlechter als in den meisten EU-Staaten, wir sind hier auf einem Drittweltniveau.»

So weiss niemand, wie viel Pestizide die Schweizer Bauern wirklich spritzen. Zwar melden knapp 300 Bauern ihre Verbrauchsdaten dem Bund freiwillig; er rechnet daraus den landesweiten Pestizidverbrauch für den Anbau von Weizen, Äpfeln oder Kartoffeln hoch. Doch mit dieser Methode können die Behörden nur ungefähr die Hälfte des Schweizer Pestizidabsatzes erklären. Rund 1000 Tonnen verkaufte Mittel verschwinden jedes Jahr auf den Feldern, ohne dass sie in der Statistik auftauchen. Das bestätigt die eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope.

Die Daten sind zudem lückenhaft und zeigen möglicherweise einen viel zu tiefen Verbrauch. Zum Gemüse­anbau fehlen die Angaben ganz – dort werden besonders viele Pestizide eingesetzt.

Bei Weinreben basiert die ­landesweite Hochrechnung auf nur 15 Meldungen. Darunter ist kein einziger Winzer aus dem Wallis, obwohl dort Pestizide oft grossflächig per Helikopter versprüht werden. Das Bundesamt für Land­wirt­schaft will nun mehr Bauern dazu bringen, ihren Verbrauch zu melden, damit man repräsentative Aussagen für alle Kulturen machen kann.“

Wieso keine Aufzeichnungspflicht und Kontrolle?

Wer spritzt was wo? Ökologischer Leistungsnachweis: Fast alles muss dokumentiert und beziffert werden, nur der Pestizidverbrauch nicht??? Mit Ressourceneffizienzbeiträgen will man nun die sanfte Tour fahren. So gibt es für Teilverzicht auf Herbizide im Obst- und Rebbau 200 Franken pro Hektare und Jahr, für Vollverzicht 600 Franken. Bei einem Vollverzicht auf Fungizide erhalten die Bauern 200 bzw. 300 Franken pro Hektare und Jahr.

Jede Apotheke muss den Inhalt des Giftschranks und Abgaben streng unter Kontrolle halten. Die Bauern geniessen Freiheit.

Helikoptersprühflüge: Heidis 10 Artikel über Helikoptersprühflüge

Marlene Dietrich – Sag mir, wo die Blumen sind, youtube

4.9.19 HOME

Datenschutzerklärung

Pestizide: Franzosen wollen grossen Abstand zu Wohnzonen

1. September 2019
Video: Le parisien. Daniel Cueff, Bürgermeister von Langouët

Video: Le parisien. Daniel Cueff, Bürgermeister von Langouët. Rechts im Bild der französische Senator Joel Labbé, der auch den Malser Weg unterstützt.

Zum Schutze der Bevölkerung hat der Bürgermeister von Langouët in der Bretagne am 18.5.19 erlassen, dass Bauern beim Ausbringen von Pestiziden zu Wohn- und Nutzbauten einen Sicherheitsabstand von 150 m einhalten müssen. Das Gericht in Rennes hat zwar entschieden, dass er seine Kompetenzen überschritten habe, aber Daniel Cueff wird den Entscheid anfechten. 20 weitere Gemeinden sind seinem Beispiel gefolgt.

Seit 25 Jahren ist Cueff Bürgermeister des Dorfs. Er setzt konsequent auf Nachhaltigkeit: Auf grünen Strom, auf Öko-Wohnbau, die Schulkantine serviert ausschliesslich Bio-Essen und auf dem Gemeindeland ist der Einsatz von Pestiziden seit 1999 verboten, also 17 Jahre vor dem Pestizidverbot im öffentlichen Raum, das seit 1.1.17 für ganz Frankreich gilt. Seit Januar 2019 dürfen auch Private in Frankreich keine Pestizide mehr einsetzen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 96% der Franzosen den Schutzzonen-Erlass von Langouët befürworten. Die Umweltministerin Elisabeth Borne wird in den nächsten Tagen eine neue Verordnung zur Konsultation vorlegen. Diese wird verbieten, Pestizide nahe von Häusern auszubringen. Borne versichert, dass dieses Projekt von der Regierung getragen werde.

Und in der Schweiz?

Arrêté d’interdiction des pesticides, Le Maire de la Commune de LANGOUET, 18.5.19

Daniel Cueff auf Facebook

Pestizidbelastung: Französisches Dorf erlässt eigenmächtig Verbot, Deutschlandfunk, 29.8.19

Arrêté anti-pesticides : le maire de Langouët applaudi à sa sortie du tribunal, Le Parisien, 22.8.19

Pestizidfreier öffentlicher Raum – in der Schweiz noch ein Traum, Heidis Mist, 12.2.18

Französischer Senator unterstützt den „Malser Weg“, Heidis Mist,

1.9.19 HOME

Datenschutzerklärung

Was sagt Hans Rudolf Herren zur welschen Pestizidinitiative?

23. August 2019

Video: Hans Rudolf Herren spricht über die Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

In den deutschsprachigen Medien wird viel über die Trinkwasserinitiative und Franziska Herren geschrieben. Sie ist tatsächlich fast überall anzutreffen, etwa morgen Samstag, 24.8.19, in Davos am Sommer-WEFF (Wachstum, Erde, Friede, Freiheit).

Weniger häufig und detailliert zu Wort kommt die Volksinitiative Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide (Leben statt Gift). Die Liste der UnterstützerInnen ist aber lang. Auch Hans Rudolf Herren von Biovision ist darauf zu finden. Er erklärt in einem Video wieso: „Wir können ohne syntethische Pestizide genügend Nahrung in guter Qualität zu bezahlbaren Preisen produzieren.“ Sehen Sie sich das ganze Video an!

Und lesen Sie sein Buch „So ernähren wir die Welt“. Heidi hat eine ausführliche Buchbesprechung geschrieben:

Hans Rudolf Herren: Genügend und gesunde Nahrung für alle, Heidis Mist vom 21.12.16 (Achtung, Heidis Geschenk-Aktion ist längst abgeschlossen.)

Interview mit Hans Rudolf Herren, youtube

So ernähren wir die Welt, Hans Rudolf Herren, Verlag rüffer & rub, Reihe „rüffer & rub visionär“

Sommer-WEFF Davos

23.8.19 HOME

Datenschutzerklärung

Grundwasserbeobachtung NAQUA: Sankt Exkrementia

18. August 2019

In der Schweiz auch:
Heilige Güllerina / Sainte Lisiere / Santa Puzzata / Sontga Mierda
Ein Eintrag ins Lexikon der Heiligen ist beantragt. ZUVIEL Fleisch-und Milch-Konsum – ZUVIEL Tiere – ZUVIEL Gülle und Mist.

Leserbrief

Liebe Heidi

Du hast es ja immer wieder und immer wieder gesagt! Jetzt schreiben alle darüber. Ich schicke dir ein paar Links.

Die Reaktion des SBV ist aufschlussreich: schiebt alles auf die Grenzwerte (Behörden) und kein Wort zum Nitrat.

Darüber hinaus weist der Bauernverband darauf hin, dass die sogenannten Metaboliten, Wirkstoffe aus Pflanzenschutzmitteln oder Abbauprodukte davon, bis vor kurzem von den Schweizer Behörden punkto Verschmutzung als «nicht relevant» eingestuft worden seien.

Und der Wald?

Beste Grüsse

Magdalena

Linkliste

BAFU – Grundwasser in der Schweiz ist unter Druck
Bern, 15.08.2019 – In der Schweiz sind wir es gewohnt, dass aus Grundwasser qualitativ einwandfreies Trinkwasser in ausreichender Menge gewonnen werden kann. Dies ist heute jedoch nicht mehr selbstverständlich, denn die Grundwasservorkommen weisen zunehmend Verunreinigungen auf, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen. Zu diesem Schluss gelangt der Bericht der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA, den das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am 15. August 2019 veröffentlicht hat.

Zustand und Entwicklung Grundwasser Schweiz, BAFU.

Das Schweizer Grundwasser ist mit Pestiziden und Dünger belastet, Angelika Hardegger, NZZ vom 14.8.19

Kritischer Grundwasser-Bericht: Die Bauern wehren sich, NZZ vom 15.8.19

Waldökosysteme: Zu viel Stickstoff ist ungesund: 95 % der Schweizer Wälder sind heute mit Stickstoff überdüngt. Das bringt Bäume und Waldökosysteme gleichermassen aus dem Gleichgewicht (d.h. auch im Moor, in der Magerwiese …).

Bafu ortet Nitratüberschüsse und Pflanzenschutz-Rückstände im Grundwasser, Adrian Krebs, Bauernzeitung vom 15.8.19

SBV: Sauberes Trinkwasser ist gemeinsames Anliegen, LID vom 15.8.19: Die grösste Belastung stammt gemäss Bericht vom Nitrat. Natürlicherweise wäre die Nitratkonzentration im Grundwasser im Bereich von wenigen Milligramm pro Liter. An 15 Prozent der Messtellen wurden 2014 Konzentrationen von über 25 mg/l nachgewiesen. An 2 Prozent der Messtellen wurde auch der Höchstwert der Lebensmittelgesetzgebung von 40 mg/l nicht eingehalten. Die hohen Nitratwerte stammen hauptsächlich vom Hof- und Mineraldünger.

Der Präsident des Bauernverbands und seine Kleider

16. Juli 2019
NaNa: "Ich habe in TELEZÜRI das Gespräch mit Franziska angeschaut und gedacht ....."

NaNa: „Ich habe in TELEZÜRI das Gespräch mit Franziska angeschaut und gedacht …..“

Heidi hat diese Sendung auch gesehen. Gefunden hat sie den Link zu Talk täglich mit Franziska Herren, Initiantin Trinkwasserinitiative, und Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, bei der Initiative für sauberes Trinkwasser unter News -> Nachrichten. Dort gibt es immer wieder Interessantes.

Aufgefallen ist Heidi einmal mehr wie Markus Ritter oft nur die halbe Wahrheit sagt, etwa dass an 98% der Grundwasserfassstellen der Anforderungswert für Pestizide eingehalten wird, kein Wort von den elf Abbauprodukten, welche an 20% der Messstellen in Konzentrationen über dem Anforderungswert von 0,1 µg/l nachgewiesen werden. Heidi meint: „Pestizide gehören nicht ins Grundwasser, auch nicht in Konzentrationen unter dem Grenzwert!“

Oder die Lüge, dass heute schon der prophylaktische Einsatz von Antibiotika verboten sei. Richtig ist, dass die Bauern Antibiotika für den prophylaktischen Einsatz und kritische Antibiotika nicht mehr einfach im Schrank haben dürfen, alle übrigen schon. Das ist fragwürdig!

Leserbrief von Heiri: Die Karikatur von NaNa über den Präsidenten ist sehr gut gelungen, er präsentiert sich wirklich genau so. Seine Aussagen werden immer mehr zu einem Image Problem für die Biobauern, er ist Biobauer und sagt das auch immer wieder.

Vielleicht kann Heidi noch etwas präzisieren betreffend Antibiotika auf Biobetrieben:

Trinkwasser-Initiative. TELEZÜRI vom 1.7.19

Die Bauern haben Angst … SBV-Nebelpetarde Grundwasser, Heidis Mist vom 6.6.19

Die täglichen Lügen: prophylaktischer Antibiotikaeinsatz beim Tier, Heidis Mist vom 7.2.18

Sachgemässer Antibiotikaeinsatz, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen 23.4.19

16.7.19 HOME

Datenschutzerklärung

Chemikalien belasten Gewässer

11. Juli 2019

Kanton St. Gallen: Kleine Bäche können übermässig mit giftigen Chemikalien belastet sein. Die Qualitätskriterien für Pestizide, Rückstände von Medikamenten oder Industriechemikalien werden zum Teil deutlich überschritten. Das zeigt die jüngste Messkampagne des Amtes für Wasser und Energie.

Seit 2011 hat das Amt für Wasser und Energie 78 kleine Bäche im Kanton mit unterschiedlicher Nutzung im Einzugsgebiet auf deren biologischen Zustand geprüft. Bei zwei Dritteln waren die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllt. Bei der aktuellen Messkampagne untersuchten die Fachleute des Kantons fünf Bäche in den Regionen Zürich-Obersee und Rheintal vertieft auf Spurenstoffe wie Pestizide, Medikamente oder Industriechemikalien.

Kriterien nicht erfüllt 

An allen Bächen wurden die Qualitätskriterien für die problematischen Stoffe über fast die ganze Beobachtungsdauer überschritten. Im extremsten Fall um den Faktor 160. In der aktuellen Messkampagne wurden von April bis Ende Oktober 2018 ununterbrochen Proben entnommen. Im Vergleich mit den jeweiligen langjährigen Monatsmitteln waren die Monate April bis Oktober mit Ausnahme August trocken bis sehr trocken. Zu den untersuchten Bächen gehören der Lattenbach und der Wagnerbach in Rapperswil-Jona, der Nebengraben in Benken, der Tankgraben in Benken (Einzugsgebiet zum grössten Teil im Kanton Schwyz) und das Äächeli in Au. Die fünf Bäche hatte das Amt für Wasser und Energie nach einer Voruntersuchung an 13 Bächen ausgewählt. Die ausgewählten Bäche zeigten bereits in der Voruntersuchung eine auffällige Belastung.

Pestizide im Fokus 

74 von 109 untersuchten Stoffen gehören zur Gruppe der Pestizide. Für die ungenügende Wasserqualität sind mehrheitlich Pestizide aber auch Rückstände von Medikamenten oder Industriechemikalien verantwortlich. So beispielsweise das perfluorierte Tensid PFOS. Der Stoff ist seit 2011 weitgehend verboten, für gewisse Anwendungen aber noch erlaubt. Die Ergebnisse widerspiegeln die Belastung der Gewässer durch die landwirtschaftliche Nutzung und die Siedlungen in den Einzugsgebieten. Die Stoffe gelangen durch Abschwemmung, unsachgemässe Handhabung, Fehlanschlüsse oder Entlastungen aus der Kanalisation bei Starkregen und mit gereinigtem Abwasser in die Gewässer.    

Kleinste Mengen sind schädlich 

Im Umgang mit Pestiziden oder anderen schädlichen Stoffen ist besonders grosse Sorgfalt nötig. Bei Insektiziden können bereits kleinste Mengen für die Lebewesen im Bach giftig oder sogar tödlich sein. Die kleinen Bäche machen 75 Prozent des kantonalen Fliessgewässernetzes aus. Davon liegt etwa die Hälfte in genutzten Gebieten. Ihr Schutz ist von grosser Bedeutung für die Gewässer und die biologische Vielfalt.

Sensibilisierung wichtig 

Das Amt für Wasser und Energie ist bestrebt, in den Fällen mit hohen Belastungen die Ursachen zu finden und zu beheben. Die Fachleute stehen mit dem kantonalen Bauernverband, dem landwirtschaftlichen Zentrum in Salez, mit einzelnen Landwirten und mit dem Amt für Umwelt in Kontakt. Dank gezielter Information und Zusammenarbeit soll die Qualität der Bäche verbessert werden. Neben der Landwirtschaft sind auch private und professionelle Gärtner in der Pflicht. In der Nähe von Gewässern sind Spritzmittel mit besonders grosser Sorgfalt zu verwenden. Zudem dürfen Reste von Spritzmitteln nie in einen Ausguss oder Schacht gegossen werden.

11.7.19 HOME

Datenschutzerklärung 


%d Bloggern gefällt das: