Posts Tagged ‘Pflanzenschutzmittel’

Mist und Herbizid auf dem Wanderweg des Osterhasen

3. Oktober 2017
Bunt sind schon die Wälder ... der Osterhase ist unterwegs, sammelt Material für seine Farben. Der Misthaufen auf dem Chatzenstrick neben dem Pilgerweg ist jetzt weg, wurde soeben verteilt ...

Bunt sind schon die Wälder … der Osterhase ist unterwegs, sammelt Material für seine Farben. Der Misthaufen auf dem Chatzenstrick neben dem Pilgerweg ist jetzt weg, wurde soeben verteilt …

... Anfang April waren die Bergspitzen noch schneebedeckt und derselbe Misthaufen lag schon mitten auf dem Wanderweg des Osterhasen ...

… Anfang April waren die Bergspitzen noch schneebedeckt und derselbe Misthaufen lag schon mitten auf dem Wanderweg des Osterhasen …

... Hier lag er, der Mist. Offenbar braucht der Bauer die Nährstoffe nicht, welche in den sechs Monaten ausgewaschen wurden und allenfalls in einer Quelle oder im Grundwasser zum Vorschein kommen ...

… Hier lag er, der Mist. Offenbar braucht der Bauer die Nährstoffe nicht, welche in den sechs Monaten ausgewaschen wurden und allenfalls in einer Quelle oder im Grundwasser zum Vorschein kommen …

... Eine dicke Schicht liegt jetzt auf der Wiese. Immerhin, um den Schacht: kein Mist! Misthaufen dürfen nur kurze Zeit auf dem Feld oder der Wiese liegen. Wenn der Mist mit wasserabstossendem Material gedeckt wird, dann maximal sechs Wochen. Osterhase: "Dieser Mist lag jetzt sechs Monate gut sichtbar hier am Weg. Kontrolleure und Ämter haben beide Augen zugedrückt. Ich habe ihn fotografiert und Heidi die Bilder geschickt. Wenigstens soll man es wissen." ...

… Eine dicke Schicht liegt jetzt auf der Wiese. Immerhin, um den Schacht: kein Mist! Misthaufen dürfen nur kurze Zeit auf dem Feld oder der Wiese liegen. Wenn der Mist mit wasserabstossendem Material gedeckt wird, dann maximal sechs Wochen. Osterhase: „Dieser Mist lag jetzt sechs Monate gut sichtbar hier am Weg. Kontrolleure und Ämter haben beide Augen zugedrückt. Ich habe ihn fotografiert und Heidi die Bilder geschickt. Wenigstens soll man es wissen.“ …

... Und dann die Herbizide! Wildrosen wurden gespritzt, wo ich doch Hagebutten für den Winter sammle. Aber das ist erlaubt: Einzelstockbehandlung ...

… Und dann die Herbizide! Wildrosen wurden gespritzt, wo ich doch Hagebutten für den Winter sammle. Aber das ist erlaubt: Einzelstockbehandlung …

... noch mehr Herbizid-Rosen. Die Dornen bleiben. Würde der Bauer einmal nicht mit dem Traktor vorbeifahren, sondern zu Fuss gehen, dann könnte er die Rosen rechtzeitig mechanisch bekämpfen ...

… noch mehr Herbizid-Rosen. Die Dornen bleiben. Würde der Bauer einmal nicht mit dem Traktor vorbeifahren, sondern zu Fuss gehen, dann könnte er die Rosen rechtzeitig mechanisch bekämpfen …

... In der Schafweide: Viele mit einem Totalherbizid bekämpfte "Einzelstöcke".

… In der Schafweide: Viele mit einem Totalherbizid bekämpfte „Einzelstöcke“.

 

Hindernisse auf dem Weg des Osterhasen, Heidis Mist vom 15.4.17

Schoggitaler-Aktion 2017 von Pro Natura und Heimatschutz: Wildtierkorridore

Mist-Zwischenlager auf dem Feld, Heidis Mist

3.10.17 HOME

Postulat: Prüfung eines Pestizid-Verbots im Sömmerungsgebiet

27. September 2017
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Die Nationalrätin Maya Graf hat am 21.9.17 das Postulat 17.3703 Prüfung eines Pestizid-Verbots im Sömmerungsgebiet eingereicht. Der Bundesrat wird aufgefordert, ein Verbot von Pestizid-Einsatz im Sömmerungsgebiet zu prüfen. Zuständig ist das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF).

Postulat 17.3703

Das Sömmerungsgebiet wird mit der Agrarpolitik (AP) 2014-17 zu Recht massiv stärker gefördert als vorher. Als Gegenleistung kann der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide erwartet werden. Auch die meisten Leute und vor allem auch die Touristen gehen davon aus, dass im Sömmerungsgebiet keinerlei Pestizide zum Einsatz kommen, und schätzen die „unberührte Natur“.

Tatsächlich ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Sömmerungsgebiet heute rechtlich bereits eingeschränkt. Es dürfen einzig bestimmte Herbizide zur Einzelstockbehandlung eingesetzt werden. Zur Flächenbehandlung dürfen sie nur mit Bewilligung der zuständigen kantonalen Fachstelle und im Rahmen eines Sanierungsplans eingesetzt werden.

In der Praxis ist aber immer mehr zu beobachten, dass von Laien und Fachleuten regelmässig und flächig Herbizide ausgebracht werden. Die grösste Alpbesitzerin in der Schweiz (mit 42 Alpen in der lnnerschweiz) gibt ihren Pächtern und Bewirtschaftern die Herbizide sogar gratis ab. Viele Weide- und Wildtiere fressen behandelte Pflanzen, weil sie offenbar mit dem Dörren einen attraktiven Geschmack entwickeln. Eine Umfrage bei mehreren Kantonen ergibt allerdings, dass die zuständigen Behörden kaum Bewilligungen erteilen.

In dieser Situation fordere ich eine klare rechtliche Regelung, wie sie auch der Tourismus-Konkurrent Österreich bereits kennt, nämlich ein generelles Verbot des Einsatzes von Herbiziden im Sömmerungsgebiet. Dies schafft Rechtssicherheit für alle Beteiligten, entlastet Mensch, Tier und Natur und gibt ein positives Signal für den Tourismus. Der Bundesrat wird aufgefordert, ein Verbot von Pestizid-Einsatz im Sömmerungsgebiet zu prüfen und die entsprechenden Verordnungen zu überarbeiten.

Postulat 17.3703 Prüfung eines Pestizid-Verbots im Sömmerungsgebiet, Maya Graf, Nationalrätin, 21.9.17.

Heidi hat schon 19 Artikel zum Thema geschrieben. Hier der Link zur Serie Herbizide auf Alpen.

27.9.17 HOME

Poison Papers – Wir wollten einfach nur nicht vergiftet werden.

28. August 2017
Drei Tonnen Dokumente sammelte Carol Van Strum im Laufe von 50 Jahren und lagerte sie in ihrer Scheune. Sie zeugen davon, dass die chemische Industrie und die zuständigen amerikanischen Regulierungsbehörden die ausserordentliche Toxizität vieler chemischer Produkte kannten, trotz anders lautenden Beteuerungen. Sie zeigen auch wie eng die Parteien zusammenarbeiteten, um diese Informationen vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Copyright: Risa Scott Photography.

Drei Tonnen Dokumente sammelte Carol Van Strum im Laufe von 50 Jahren und lagerte sie in ihrer Scheune. Sie zeugen davon, dass die chemische Industrie und die zuständigen amerikanischen Regulierungsbehörden die ausserordentliche Toxizität vieler chemischer Produkte kannten, trotz anders lautenden Beteuerungen. Sie zeigen auch wie eng die Parteien zusammenarbeiteten, um diese Informationen vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Copyright: Risa Scott Photography.

Carol Van Strum sagt, die nackte Wahrheit sei, dass die gesamte Pestizidindustrie nicht existieren konnte ohne Lügen, Vertuschen, grassierenden Betrug und staatliche Helfer. Am 26.7.17 wurden diese „Poison Papers“ online gestellt, für ALLE einsehbar. Das Bioscience Resource Project und das Center for Media and Democracy haben dies möglich gemacht. Die meisten Dokumente hat Van Strum gesammelt.

Ziel der Veröffentlichung ist, dass die Gefahren, welche von Chemikalien ausgehen, besser wahrgenommen werden, denn das Ausmass des Betrugs, mit dem diese Stoffe marktfähig gemacht wurden, ist gross. Die Behörden haben die chemische Industrie massiv unterstützt, statt ihre Aufgabe wahrzunehmen, nämlich: Uns und die Umwelt schützen.

Bernd Schröter schreibt in Telepolis: „Die am häufigsten in den Dokumenten diskutierten Chemikalien betreffen Herbizide und Pestizide (zum Beispiel Dicamba, Permethrin, Atrazine und Agent Orange), Dioxine und PCBs. Einige dieser Stoffe gehören zu den giftigsten und in der Umwelt langlebigsten, die jemals hergestellt wurden.“

Einen der zwei Wirkstoffe von Agent Orange zog die US-Umweltschutzbehörde EPA 1985 zur Verwendung in den USA aus dem Verkehr (2,4,5-T). Die verwandte 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure (2,4-D) war erst kürzlich von der EPA im Verbund mit Dows neuem GM-Soja-Saatgut zugelassen worden.

Der ausführliche Bericht von Bernd Schröter basiert auf der Medieninformation des Center for Media and Democracy vom 26.7.17. Schröter hat bemerkenswerte Links angebracht, auch zu Poison Papers.

Die Poison Papers bestehen aus über 20'000 Dokumenten, die über den Freedom of Information Act und durch Anfragen im Rahmen von Rechtsstreitigkeiten von den Bundesbehörden und Chemikalienherstellern eingeholt worden waren. Copyright: Risa Scott Photography.

Die Poison Papers bestehen aus über 20’000 Dokumenten, die über den Freedom of Information Act und durch Anfragen im Rahmen von Rechtsstreitigkeiten von den Bundesbehörden und Chemikalienherstellern eingeholt worden waren. Copyright: Risa Scott Photography.

Van Strum hält einen Vortrag über die Herbizid-Sprühflüge des Forstdienstes, die den Beginn ihrer Tätigkeit als Aktivistin markieren. Sie und ihre Nachbarn wollten einfach nur nicht vergiftet werden: "Der Forstdienst soll doch die eigenen Flächen behandeln, aber nicht die unseren und nicht uns."

Van Strum hält einen Vortrag über die Herbizid-Sprühflüge des Forstdienstes, die den Beginn ihrer Tätigkeit als Aktivistin markieren. Sie und ihre Nachbarn wollten einfach nur nicht vergiftet werden: „Der Forstdienst soll doch die eigenen Flächen behandeln, aber nicht die unseren und nicht uns.“

Van Strum war 1974 nach Oregon gezogen. Schon bald erfuhr sie, dass der Forstdienst ihre Gegend aus der Luft mit dem Herbizid 2,4,5-Trichlorphenoxyessigsäure (2,4,5-T) besprühte, einem der zwei Wirkstoffe von Agent Orange, dem in Vietnam eingesetzten Entlaubungsmittel, welches schwere Schäden an Mensch, Tier und Umwelt verursacht. Weil der Forstdienst sich weigerte, auf das Herbizid zu verzichten, gingen Van Strum und Nachbarn vor Gericht und erreichten 1977 einen zeitweisen Sprühstopp für ihre Gegend. Nach diesem Erfolg half Van Strum weiteren Betroffenen bei ähnlichen Prozessen.

Jedenfalls ist das Horrorszenario, das man Van Strum schilderte, nicht Wirklichkeit geworden: Der Wald wird sterben, viele Entlassungen bei der Chemiefabrik, welche für die Produktion von Agent Orange/Vietnamkrieg gebaut worden war und für die man jetzt zivile Anwendungen „brauchte“ …

Was können wir daraus lernen?

Wir müssen von den Behörden Transparenz einfordern im Sinne des Öffentlichkeitsrechts, etwa wenn es um die Bewilligung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) geht. Auch bei uns wird nur allzu oft das Geld über unsere Zukunft gestellt.

In der Schweiz ist die Bewilligungsbehörde für PSM beim Bundesamt für Landwirtschaft angesiedelt. Diese Aufgabe muss einer unabhängigen Instanz übertragen werden.

Nicht zuletzt gilt es, beim Einkaufen von Chemikalien vorsichtig und zurückhaltend zu sein und die Etiketten von Produkten sorgfältig zu lesen.

Poison Papers: Schatztruhe voll toxischer Geheimnisse mit zahlreichen Links zu Dokumenten von Bernd Schröter, Telepolis/heise.de, 10.8.17.

Kapitulation vor der Agrarchemie-Industrie? Bernd Schröder, Telepolis/heise.de, 16.11.16

The Poison Papers

The Poison Papers Expose Decades of Collusion between Industry and Regulators over Hazardous Pesticides and Other Chemicals, Medieninformation Center for Media and Democracy, 26.7.17

Carol Van Strum schrieb das Buch: A Bitter Fog: Herbicides and Human Rights, 1983

Struggles with dioxin in rural Oregon. A bitter fog: herbicides and human rights by Carol Van Strum. New Scientist 29.9.83, Google Books

Carol Van Strum on Freedom from Aerially Spraying, vollständiger Film 43:24

Carol Van Strum Freedom from Aerially Pesticide Spraying, youtube, Kurzversion Video 4:43

 28.8.17 HOME

Pestizidtirol-Plakat löst Diskussionen aus

25. August 2017
Das Münchner Umweltinstitut: "Unsere Provokation ist gelungen." Copyright: Umweltinstitut München e.V.

Das Münchner Umweltinstitut: „Unsere Provokation ist gelungen.“ Copyright: Umweltinstitut München e.V.

Nur zwei Tage hing das Pestizidtirol-Plakat des Umweltinstituts München am Karlsplatz. Dann war es weg. Ein technischer Fehler? Nein! Die Plakatierfirma hatte eine rechtliche Androhung erhalten. Das Umweltinstitut druckte nun 1’000 Plakate mit einer neuen Version im A3-Format. Diese sind zusammen mit Informationen zur Provokation hier erhältlich: Wirbel um Pestizidtirol-Plakat, Umweltinstitut München.

Besonders hohe Wellen schlug das Plakat im Südtirol. Der Partschiner Biobauer Sigmund Kripp fordert die Wein- und Obstwirtschaft auf, den KonsumentInnen endlich reinen Wein einzuschenken. Und Landesrat Arnold Schuler solle ein Signal setzen – und auch auf Bio umstellen.

Heidi empfiehlt ihren LeserInnen, das Interview der Neuen Südtiroler Tageszeitung mit Kripp zu lesen, denn der Bauer bringt vieles zur Sprache, was auch für die Schweiz gilt. Ein paar Zitate:

„… Man kann nicht immer nur mit Strahlebildern kommunizieren und die Sprüher einfach weglassen. Wir sind jetzt so weit, dass Kunden sagen, sie wollen keine Äpfel mehr aus Südtirol …

So schlimm ist es bereits?

Wir haben sieben Millionen Gäste pro Jahr, die schauen sich an, was vor ihrem Hotel passiert. Wenn ich eine Weinprobe mache, dann werde ich vom Kunden gefragt: Was spritzen Sie? In Südtirol wird darüber nicht geredet. Es ist ähnlich wie mit dem Sex und der Katholischen Kirche: Alle machen es, niemand redet darüber.

Welche ist die Pestizid-Wahrheit?

Diese Wahrheit steht im Spritzbuch. Wer sich an die Agrios-Regeln hält, ist in Ordnung. Aber nicht alles, was gesetzlich möglich ist, tut uns gut. Die Produzenten verstecken hinter dem gesetzlich Möglichen, hinter der Legitimität. Wir Südtiroler Obst- und Weinbauern sind top nach rein produktionswirtschaftlichen Kriterien, aber wir produzieren chemisch-synthetisch …

Das machen andere auch …

Das stimmt, aber die stehen ja auch in der Kritik, etwa die Anbauer am Bodensee. Wir arbeiten chemisch-synthetisch seit dem Zweiten Weltkrieg. Die große Frage ist, warum die Landesregierung nicht früher Bio als positiv angesehen hat …

Welche Qualitätsunterschiede gibt es bei Bio und im konventionellen Anbau?

Das mit der Qualität ist auch so eine Sache. Viele glauben, man könnte einfach aufhören zu spritzen. Das ist leider nicht möglich, weil wir Schädlinge haben, die nicht aus Europa kommen, sondern die wir mit der Handelsschifffahrt nach Europa importiert haben. Mehltau, Apfelschorf, Feuerbrand, Peronospora … Gegen Peronospora hat man 1856 zu spritzen begonnen. Einen Vorwurf muss man an die Laimburg machen: Warum haben wir in Südtirol nicht früher mit Resistenzzüchtungen begonnen?

Bitte lesen Sie hier weiter: „… wie mit dem Sex“, Die Neue Südtiroler Tageszeitung vom 20.8.17.

25.8.17 HOME

 

In einem Bächlein helle … da schwamm einst die Forelle (2)

20. August 2017

Wasserleben: Das leise Sterben, Heidis Mist 19.8.17

In einem Bächlein helle … da schwamm einst die Forelle, Heidis Mist 29.4.17

Der Schrei von Edvard Munch, Wikipedia

20.8.17 HOME

 

Wasserleben: Das leise Sterben

19. August 2017
Roman Wiget, Wasserversorger und Präsident der internationalen <a href="http://www.awbr.org/" target="_blank" rel="noopener">Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR)</a>, ist besorgt um das Trinkwasser ... Copyright: Pro Natura.

Roman Wiget, Wasserversorger und Präsident der internationalen Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR), ist besorgt um das Trinkwasser … Video „Das leise Sterben“. Copyright: Pro Natura.

... und setzt sich für eine Zukunft mit sauberem Trinkwasser ein. Copyright: Pro Natura.

… und setzt sich für eine Zukunft mit sauberem Trinkwasser ein. Copyright: Pro Natura.

Markus Arn von Pro Natura zeigt im Video Das leise Sterben mit klaren Bildern und Worten die Belastung unserer Gewässer mit Pestiziden auf. Die Verschmutzung ist teilweise so hoch, dass sie für Wasseroganismen tödlich sein kann. Aber auch für die Menschen sind die Pestizide eine Gefahr. Pro Natura fordert eine deutliche Anwendungsreduktion dieser Mitteln in der Landwirtschaft.

Die Probleme sind auf dem Tisch, nun gilt es endlich zu handeln. Auch wenn man gut informiert ist, lohnt es sich, den sechsminütigen Film anzuschauen.

Pestizide in Schweizer Bächen – Video «Das leise Sterben»

Am 26./27. August 2017 entscheidet der Delegiertenrat von Pro Natura, ob die Naturschutzorganisation die folgenden Volksinitiativen unterstützen wird:

Trinkwasser-Initiative

Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Trinkwasser-Initiative

Stand der Unterschriftensammlung: 70’118 Unterschriften! Heidi gratuliert Franziska Herren und ihren MitstreiterInnen.

Greenpeace ist die erste Umweltorganisation, welche die Trinkwasser-Initiative offiziell unterstützt: „Nein, unsere Landwirtschaft ist nicht die ökologischste der Welt. Sie könnte es aber werden, denn die Voraussetzungen in der Schweiz sind ideal. Die Trinkwasser-Initiative packt den Stier an den Hörnern und verdient deshalb unsere Unterstützung.“

Die Zeit für eine echte ökologische Landwirtschaft ist reif, Philippe Schenkel, Greenpeace 18.8.17

Unterschriften für die Trinkwasser-Initiative werden auch auf der Plattform Wecollect gesammelt.

Volksinitiative für sauberes Trinkwasser – Trinkwasser ohne Pestizide und Antibiotika

Heidis Wunsch

Schauen Sie hin, wo viele wegschauen, und unterschreiben Sie die zwei Volksinitiativen!

Nachtrag vom 21.8.17

Die Umweltschutz-, Tierschutz- und Fairtrade-Organisation fair-fish hat bereits im Mai dazu aufgerufen, die beiden Initiativen zu unterstützen: Kampagne für sauberes Wasser: Meer ohne Müll. Desgleichen der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) im Juni: Pestizide: Die Fischer haben die Nase voll!

...

So weit darf es nicht kommen! Copyright: Pro Natura.

So weit darf es nicht kommen! Copyright: Pro Natura.

19.8.17 HOME

So wird aus einer mageren Alpweide eine Unkrautweide

17. August 2017
Schöne Aussicht ... und ... Bauern laden Heu um. Wer findet sie auf diesem Bild?

Schöne Aussicht … und … Bauern laden Heu um. Wer findet sie auf diesem Bild?

Heidi meint: „Das einzig Positive an den Helikopter-Pestizidsprühflügen ist, dass die Sesemanns jetzt ihre Ferien häufiger in Graubünden verbringen und nicht mehr ins Wallis fahren.“ Im Moment logieren sie in Maienfeld. Heidi und Peter haben die Feriengäste für einen Alpausflug abgeholt.

Heidi konnte ihnen (wie 2016) auch dieses Jahr beim Vorbeifahren mit der SBB den seit eh und je fehlenden Pufferstreifen am Malanser Mühlbach zeigen und den etwas grösser gewordenen, aber immer noch viel zu kleinen, am Kleinen Seezli.

Überraschung im Ausflugsrestaurant

Rechtzeitig für eine Verschnaufpause mit Kaffee und Gipfeli erreichten sie das Ausflugsrestaurant. Klara war begeistert von der Aussicht, machte ein paar Fotos und zeigte sie Peter.

Peter: „Interessant! Hier unten siehst du Bauern beim Umladen von Heu für die Alp, denn mit dem schweren Gefährt können sie nicht hinauffahren.“

Umladen von Heu vom grossen auf die kleinen Transporter.

Umladen von Heu vom grossen auf die kleinen Transporter.

Klara: „Heu?“

Peter: „Ja! Die Alpbesitzer sind reich und Alpkäse ist beliebt, daher haben sie eine Käserei gebaut. Doch die Qualität des Weidefutters ist schlecht, nur für Rinder knapp genügend. Daher braucht es auch gutes Futter aus dem Tal oder zugekauftes.“

Und los gehts!

Und los gehts!

Am Bergrestaurant vorbei ... Touristen fotografieren ... unzählige Samenständer von Blacken auf den Weiden ...

Am Bergrestaurant vorbei … Touristen fotografieren … unzählige Samenständer von Blacken auf den Weiden …

... Abgeladen wird bei schönstem Wetter und flatternder Fahne.

… Abgeladen wird bei schönstem Wetter und flatternder Fahne.

Fräulein Rottenmeier: „Das ist doch ein ökologischer Blödsinn! Die sollen ihren Käse unten herstellen. Nur schon die Energie, die es für den Transport braucht! Und was macht der lärmige Helikopter, der dauernd zur Bergspitze fliegt?“

Heidi: “Die Bergsteiger von heute sind anspruchsvoll, wollen essen und trinken wie im Restaurant. Diese Hütte wird zweimal jährlich versorgt. Wir haben Pech!“

Herr Sesemann: „Und was geschieht mit den zusätzlichen Nährstoffen? Werden Gülle und Mist ins Tal transportiert?“

Peter: „Nein, die Dünger bleiben oben, werden auf die kargen Flächen bzw. steinigen Stellen ausgebracht. Sehen Sie dort die Blacken! Sie sind ein Zeichen für Überdüngung; auch können mit dem Heu Unkrautsamen auf die Weiden gelangen und dort keimen. Wir werden noch mehr verunkrautete Weiden sehen.

In dieser Gegend versickert das Wasser leicht; ob die Gülle Quellen verschmutzt, das weiss ich nicht.“

Blacken wachsen auf der kargen steinigen Weide.

Blacken wachsen auf der kargen steinigen Weide.

"Unsauberes" Spritzen ganzer Flächen mit Herbizid, noch gibt es Streifen mit Brennnesseln. Dort wo Brennnesseln waren, wachsen jetzt v.a. Blacken.

„Unsauberes“ Spritzen ganzer Flächen mit Herbizid, noch gibt es Streifen mit Brennnesseln. Dort wo Brennnesseln waren, wachsen jetzt v.a. Blacken.

Heidi: „Ja und die Unkräuter werden zum Teil grossflächig mit Herbiziden besprüht, auch Brennnesseln. Besonders von drainierten Flächen ist Abschwemmung möglich. Ob Herbizide mit dem Wasser in Quellen gelangen? Weil Tiere gerne welke Pflanzen fressen, sind diese oft bald weg. Auch Giftpflanzen werden so eher gefressen. Das kann für Tiere tödlich sein!“

Fräulein Rottenmeier: „Und die Gemsen? Fressen diese die Herbizid-Pflanzen auch?“

Peter: „Das interessiert die Älpler nicht, höchstens die Jäger und Wildhüter, aber diese merken das doch nicht!“

Was sagt das Gesetz?

Direktzahlungsverordnung

Art. 26 Grundsatz

Die Sömmerungs- und Gemeinschaftsweidebetriebe müssen sachgerecht und umweltschonend bewirtschaftet werden.

 Art. 31 Zufuhr von Futter

1 Zur Überbrückung witterungsbedingter Ausnahmesituationen dürfen höchstens 50 kg Dürrfutter oder 140 kg Silage pro Normalstoss (NST) und Sömmerungsperiode zugeführt werden.

2 Für gemolkene Kühe, Milchziegen und Milchschafe ist zusätzlich die Zufuhr von 100 kg Dürrfutter und 100 kg Kraftfutter pro NST und Sömmerungsperiode zulässig.

3 Schweinen darf Kraftfutter nur als Ergänzung der alpeigenen Milchnebenprodukte verfüttert werden.

4 Für jede Futterzufuhr sind der Zeitpunkt der Zufuhr sowie die Art, Menge und Herkunft des Futters in einem Journal festzuhalten.

Heidi meint: „Die Bewirtschaftung ist weder sachgerecht noch umweltschonend. Für die Futterzufuhr muss zwar ein Formular ausgefüllt werden, das ist in der Regel jedoch nicht kontrollierbar.“

Höhere Alpungsbeiträge schaden der Biodiversität, Heidis Mist 15.7.16

Herbizide auf Alpen, alle Artikel zum Thema

17.8.17 HOME

Umgang mit Pestiziden … denn sie wissen nicht, was sie tun!

7. Juli 2017

In der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung steht:

2. Kapitel: Umgang mit Stoffen, Zubereitungen und Gegenständen

3. Abschnitt: Fachbewilligungen

Art. 7 Bewilligungspflichtiger Umgang mit Stoffen und Zubereitungen

1 Die folgenden Tätigkeiten dürfen beruflich oder gewerblich nur von natürlichen Personen mit einer entsprechenden Fachbewilligung oder als gleichwertig anerkannten Qualifikation oder unter Anleitung solcher Personen ausgeübt werden:

a. die Verwendung von:

  1. Pflanzenschutzmitteln,

Heidi meint: „Besonders auf Alpen scheinen viele AnwenderInnen von Pflanzenschutzmitteln keine grosse Ahnung von dem zu haben, was sie tun! Geschweige denn von Gesetzen. Sind diese Leute im Besitze einer Fachbewilligung?“

Es ist lobenswert, wenn Gemeinden Alp-Säuberungs-Aktionen durchführen wie etwa die Ortsgemeinde Flums-Grossberg. Die Bildergalerien der Bürgertage zeigen aber Erstaunliches, obwohl die Gemeinden im Kanton St. Gallen für den Vollzug verantwortlich sind.

  • Frauen in Shorts, ärmellos mit kurzen Handschuhen, spritzen in Gehrichtung. Was spritzen sie wohin? Heidi vermutet Herbizide. Was denn sonst?! Irgendwelche Kanister stehen unbeaufsichtigt am Strässchen, wo eine Herde Ziegen vorbeizieht. Was ist drin? Oder vielleicht sind sie ja leer?!
  • Rauchende Haufen zeigen, dass gerodetes Material einfach verbrannt wird. Das ist verboten!

Hier geht’s zu den Bildergalerien. Heidi kann sich vorstellen, dass diese entfernt werden, wenn die Gemeinde auf Fachwissen und Gesetze stösst. Sie hat die Files daher gespeichert!

Arbeitseinsatz des FC Flums auf der Alp: Die Fussballer spritzen ohne Handschuhe Herbizide. Ihr Alpeinsatz wurde von der Gemeinde mit einem Zustupf in die Vereinskasse belohnt.

Bürgertag 2009 auf der Alp Palmüöl, Flums: Jung und Alt arbeiten zusammen am Bürgertag. „… Ebenfalls zum ersten Mal dabei war der im letzten Jahr eingebürgerte Hugo Reichlin. Obwohl er bereits über 80 Jahre ist, hatte er grosse Freude beim Spritzen des Unkrauts und wollte nicht mehr aufhören. „

7.7.17 HOME

Herbizid gegen Farne auf der Alp Novai: zweifelhafte Wirkung!

4. Juli 2017

 

Alp Novai: Farne wurden auch direkt am Bach mit Herbizid bespritzt, was gemäss Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung klar verboten ist. Herbizid-Wirkung: Foto vom 11. Juni 2017.

Alp Novai: Farne wurden auch direkt am Bach mit Herbizid bespritzt, was gemäss Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung klar verboten ist. Herbizid-Wirkung: Foto vom 11. Juni 2017.

Die gleichen Farne direkt am Bach: Dreizehn Tagen später sind sie schon wieder grün, wachsen üppig weiter! Der Herbizid-Einsatz ist nicht nachhaltig, "nur" eine Umweltverschmutzung.

Die gleichen Farne direkt am Bach: Dreizehn Tagen später sind sie schon wieder grün, wachsen üppig weiter! Der Herbizid-Einsatz ist nicht nachhaltig, „nur“ eine Umweltverschmutzung.

4.7.17 HOME

Glyphosat beeinflusst die Qualität von Trauben

30. Juni 2017

Erstmals wurde nachgewiesen, dass sich der Einsatz von Glyphosat bei der Unkrautvertilgung in Rebanlagen auf die Qualität des Traubensaftes und auf die Mostfermentation auswirkt. Forscher der Freien Universität Bozen – die Professoren Stefano Cesco (Dekan Fakultät für Naturwissenschaften und Technik), Tanja Mimmo und Matteo Scampicchio – haben Proben von Gewürztraminer-Trauben untersucht. Diese stammten von Reben, in deren Reihen das Unkraut mit Glyphosat bekämpft worden war. Analysiert wurden die Zusammensetzung der Trauben und deren Fermentationsfähigkeit.

Verminderte Fermentationsfähigkeit des Mosts

Der Test wurde mit einem Mikrokalorimeter, durchgeführt. Mit ihm konnten indirekte Auswirkungen von Glyphosat auf den Fermentationsprozess der Trauben nachgewiesen und gezeigt werden, dass die Ausbringung dieses Unkrautvertilgungsmittel die bei der Fermentation (also bei der Transformation von Aminosäuren und Zucker in den Trauben) erzeugte Hitze vermindert.

Die Testergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass der Einsatz von Glyphosat zur Unkrautkontrolle in Rebanlagen Einfluss auf die Qualität der Traube haben und die Fermentationseigenschaften ernsthaft verändern kann. Von der Behandlung betroffen sind vor allem die Aminosäuren und der Zucker in den Trauben.

Veränderte Zusammensetzung des Traubensaftes

Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, weil der Gehalt an Aminosäuren eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung des für Wein typischen Aromas spielt. Dank der isothermen Mikrokalorimetrie und der Beobachtung der Fermentation des Traubensaftes konnten die Forscher der Freien Universität Bozen erstmals nachweisen, dass die beschriebene Veränderung der Zusammensetzung des Traubensaftes zu einer verminderten Fermentationsfähigkeit des Mostes führt.

Übertragung Pflanze-Boden-Pflanze?

Nachdem die Reben selbst nicht direkt in Kontakt mit dem Herbizid gekommen sind, zeigen die Ergebnisse aus agronomischer Sicht zudem die Möglichkeit auf, dass die chemische Verbindung als solche oder in Form von Abbauprodukten (Metaboliten) vom Unkraut (target) auf die Rebe (non target) übertragen wird. Anzunehmen ist ein Übertragungsprozess Pflanze-Boden-Pflanze mit Auswirkungen auf die Qualität der Ernte.

Heidi ist gespannt auf weitere Forschungsprojekte auf diesem Gebiet. Die Wirkung auf das Bodenleben ist kaum erforscht. Es könnten auch Mechanismen im Boden sein, die sich auf die Zusammensetzung des Traubensafts auswirken.

Weitere Informationen, Material und Methoden: Glyphosat – Indirekte Auswirkungen von Glyphosat auf die Mostfermentation, Freie Universität Bozen.

Glyphosat mit Folgen, Tageszeitung, 26.6.17.


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