Posts Tagged ‘Pflanzenschutzmittelverzeichnis’

Helikoptersprühflüge: Zum Beispiel das Fungizid Leimay

12. Januar 2018

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Auszug aus der Agroscope Liste für Helikoptersprühflüge 2017: A3. LISTE DES FONGICIDES HOMOLOGUES AVEC UNE DISTANCE DE SECURITE DE 60m DES EAUX DE SURFACE ET DES HABITATIONS (sauf Leimay et Talendo 30m des habitations)

Auszug aus der Agroscope Liste für Helikoptersprühflüge 2017: A3. LISTE DES FONGICIDES HOMOLOGUES AVEC UNE DISTANCE DE SECURITE DE 60m DES EAUX DE SURFACE ET DES HABITATIONS (sauf Leimay et Talendo 30m des habitations)

Bis zur Revision der Vorschriften für Helikoptersprühflüge vom September 2016 musste zu Wohnzonen generell eine Distanz von 60 m eingehalten werden, theoretisch! Heute gilt für die meisten Pestizide eine reduzierte Distanz von 30 m. Bei der Luftapplikation von besonders schädlichen Pestiziden ist jedoch weiterhin eine Distanz von 60 m einzuhalten.

Das Fungizid Leimay ist gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) für Luftapplikation zugelassen. Aufgrund der von Agroscope erstellten Liste Helikoptersprühflüge 2017 darf die Distanz zu Wohnzonen auf 30 m reduziert werden. Heidi hat die Daten von Leimay kopiert. Ist dies tatsächlich ein harmloses Mittel? Urteilen Sie selbst! Möchten Sie in einer Distanz von 30 m zu einer Fläche wohnen, die mit Leimay behandelt wird?

Gefahrenkennzeichnungen:

  • Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
  • EUH 401 Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt die Gebrauchsanleitung einhalten.
  • H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H361fd Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.
  • H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
  • SP 1 Mittel und/oder dessen Behälter nicht in Gewässer gelangen lassen.

Die Distanz zu sensiblen Flächen, z.B. Wohnzonen, wird ab Helikopter-Mitte gemessen, und zwar nicht horizontal sondern an der Bodenoberfläche. Je steiler das Gelände ist, desto grösser die erlaubte Spritzfläche, wenn der Helikopter nicht parallel zum Boden fliegt! Hangabwärts ist zudem mit erheblicher Abdrift zu rechnen. Hangaufwärts? Wenn der Talwind bläst ebenfalls.

Quelle: Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern. Vollzugshilfe BAFU 2016, Seite 16.

Quelle: Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern. Vollzugshilfe BAFU 2016, Seite 16.

Abstand zu Wohnzonen: Heidis vergebliche Suche nach der Helikopter-Pestizid-Sprühliste, Heidis Mist 3.1.18

Cover Ausbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und DüngernAusbringen aus der Luft von Pflanzenschutzmitteln, Biozidprodukten und Düngern, Vollzugshilfe, BAFU 2016

12.1.18 HOME

Daten-Migration – oder weshalb es Google und Co. braucht

15. September 2016
Wer jetzt einen Link auf dieses wichtige Dokument des Bundesamts für Landwirtschaft in einem Artikel von Heidi anklickt, erhält die Antwort: "No resource found".

Wer jetzt einen Link auf dieses wichtige Dokument des Bundesamts für Landwirtschaft in einem Artikel von Heidi anklickt, erhält die Antwort: „No resource found“.

Marina war eine sagenhafte Bibliothekarin. Auch wenn die Publikation noch so klein war, die Heidi in der stattlichen Bibliothek nachfragte, sie stöberte diese in kürzester Zeit auf, oft ohne die Nummer im Katalog nachzuschlagen. Grund: Ein bestimmtes Buch oder Heft befand sich immer am selben Ort. Für digitale Publikationen wäre ein bibliothekarisches Vorgehen ein Kinderspiel. Doch in der Praxis läuft es meist anders, wie nachfolgendes Beispiel zeigt.

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat gemäss Medieninformation vom 14.9.16 die Website erneuert und im für Tablets und Smartphones optimierten Responsive-Design online gestellt. Weiter heisst es: „Achtung: Durch die Migration der Website müssen externe Links, die auf die BLW-Website verweisen, angepasst werden.“ In den mehr als 500 Artikeln auf Heidis Mist gibt es unzählige Links auf BLW-Dokumente, denn – so meint Heidi – Dokumente, welche schon anderswo gelagert sind, braucht man nicht selber zu horten bzw. ein Link stellt sicher, dass diese auch aktuell sind.

Eine grundsätzliche Überarbeitung von Websites führt meist zu „Link-Verlusten“, doch diese können durch sorgfältiges Dokument-Management minimiert werden. Es wäre nicht nur für Heidi ein riesiger Aufwand, alle BLW-Links zu ändern. Selbstverständlich hat sie die Linkliste angepasst und bei dieser Gelegenheit auch einen Link auf das immer wieder interessante Pflanzenschutzmittelverzeichnis angebracht, das vom BLW ebenfalls „gezügelt“ wurde.

Heidis Empfehlung an ihre LeserInnen: Text des verlinkten Dokuments plus „BLW“ in eine Suchmaschine eingeben.

Fazit: Wo sich die (wenigen) Schreiberlinge und Programmierer nicht bemühen, da müssen sich die (zahlreichen) LeserInnen abmühen!

Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel in der Grundwasserschutzzone S2

Alter Link:
https://www.blw.admin.ch/themen/00011/00075/00224/index.html?lang=de

Neuer Link:
https://www.blw.admin.ch/dam/blw/de/dokumente/Nachhaltige%20Produktion/Pflanzenschutz/Pflanzenschutzmittel/Nachhaltige%20Anwendung%20und%20Risikoreduktion/Grundwasserschutzzone_S2.pdf.download.pdf/Grundwasserschutzzone%20S2d.pdf

15.9.16 HOME

Pestizide: Mehr Forschung! Aber was? Wo? Wie?

28. August 2016
In dieser Waldwiese sind die Bienen sicher vor Pflanzenschutzmitteln.

In dieser Waldwiese sind die Bienen sicher vor Pflanzenschutzmitteln.

Der Ruf nach mehr Forschung über Pestizide und Pflanzenschutz war kaum je so laut wie heute. Realität ist, dass die Gelder, welche für die öffentliche Forschung zur Verfügung stehen, laufend gekürzt werden. Hingegen steigt das Interesse von Industrie und Handel an der Finanzierung von Forschungsprojekten und Professuren an Hochschulen und landwirtschaftlichen Forschungsanstalten, z.B. unterstützt die fenaco Genossenschaft mittels Donation an die ETH Zürich Foundation die ETH-Professur für Molekulare Pflanzenzüchtung, siehe fenaco zeigt sich erfreut über die erfolgreiche Besetzung der ETH-Professur für molekulare Pflanzenzüchtung, fenaco, 27.5.16.

Im Rahmen des Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, der bis zum 28.10.16 in der Vernehmlassung ist, fordern Industrie und Bauern, dass die Massnahmen wissenschaftlich begründet sein müssten. Grundsätzlich eine vernünftige Forderung. Doch verlangte etwa der Präsident des Schweizer Bauernverbands und Biobauer, Markus Ritter, schon Anfang 2014 in einem Interview des Schweizer Fernsehens hieb- und stichfeste Beweise betreffend Schädlichkeit von Pestiziden, bevor die Bauern deren Einsatz reduzieren müssten. Es gebe nur „Vermutungen“. Ritter möchte aber klar wissen, welches Mittel genau welche Schädigungen bei welchen Kleinlebewesen wie etwa den Bienen hervorrufe, Weniger spritzen bei gleicher Ernte – geht das? SRF vom 22.1.14. Nebenbei gesagt, wieso eigentlich nicht umgekehrt? Industrie bzw. Anwender sollen beweisen, dass ein Produkt kein Risiko darstellt, meint Heidi.

Pflanzenschutzmittel müssen töten!

Der Zweck von Pflanzenschutzmitteln ist: Töten! Der Pilz, Käfer, Fadenwurm, die Unkräuter … alles, was die Kulturpflanze schädigt, muss weg! Ein Mittel wirkt meist gegen mehrere Schädlinge. Ist es daher erstaunlich, dass viele Mittel auch Nicht-Zielorganismen treffen, besonders solche, die dem Schädling ähnlich sind?

Heidi empfiehlt immer wieder das Blättern im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Das ist ausgesprochen interessant. Darin stösst man laufend auf nicht unbedingt beruhigende Eigenschaften von Pflanzenschutzmitteln. Ziemlich häufig anzutreffen ist „H410 sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung“. Immer wieder ist zu lesen „H318 Verursacht schwere Augenschäden“, „H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen“, „H361f Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen“, „H361d Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen“ usw.

Viele Produkte mit solchen Gefahrenkennzeichnungen sind auch für die Luftapplikation zugelassen, wo das Abdrift-Problem besonders gross ist und die Präzision beim Ausbringen besonders klein. Die Hinweise auf Gefahren stammen nicht etwa von radikalen Umweltschutzorganisationen, sondern sie wurden mehrheitlich den (geheimen) Zulassungsunterlagen der Hersteller entnommen bzw. von der EU übernommen. Viele unserer Gewässern sind „reich“ an PSM, Über 100 Pestizide in Fliessgewässern, Aqua & Gas Nr. 3, 2014. Wie’s mit dem Boden steht, darüber weiss man wenig.

Grenzen der Wissenschaft respektieren

Sind die fiktiven Pflanzenschutzmittel No Problem 1 … No Problem x wirklich harmlos? Für einen wissenschaftlichen Beweis der Schädlichkeit, wie ihn Markus Ritter fordert, sind unzählige Faktoren und Kombinationen zu untersuchen.

Wirkung von No Problem 1 auf einen Nicht-Zielorganismus, NZ1:

  • Wirkstoff, einzelne Formulierungen und Abbauprodukte
  • Kurz- und Langzeitwirkung
  • Wirkung auf NZ1 und seine Population
  • Auswirkungen auf betroffene Ökosysteme

Wirkung von No Problem 1 auf einen zweiten Nicht-Zielorganismus, NZ2:

  • -do-

Wirkung von No Problem 1 auf den x-ten Nicht-Zielorganismus, NZx:

  • -do-

Wirkung von No Problem 1 auf den Menschen:

  • Wirkstoff, einzelne Formulierungen und Abbauprodukte
  • Kurz- und Langzeitwirkung
  • Kosten Gesundheitswesen
  • Leid der Betroffenen und Ihrer Familien

Wirkung von mehreren Pflanzenschutzmitteln auf einen Nicht-Zielorganismus, NZ1; häufiges Problem im Wasser (Pestizid-Cocktail) und Boden:

  • Was geschieht, wenn No Problem 1 und ein weiteres PSM zusammenkommen? No Problem 2? Wirkstoffe? Formulierungen? Abbauprodukte? Kurzzeit? Langzeit? Population? Ökosystem? Gesundheitskosten? Leid?
  • Was geschieht, wenn No Problem 1 und zwei weitere PSM zusammenkommen? No Problem 2 und No Problem 3? Wirkstoffe? Formulierungen? Abbauprodukte? Kurzzeit? Langzeit? Population? Ökosystem? Gesundheitskosten? Leid?
  • ….
  • Was geschieht, wenn No Problem 1 und x weitere PSM zusammenkommen? No Problem 2, No Problem 3No Problem x? Wirkstoff? Formulierungen? Abbauprodkte? Kurzzeit? Langzeit? Population? Ökosystem? Gesundheitskosten? Leid?

Liebe LeserInnen, Heidi hat die Wirkstoffe und die Produkte im Pflanzenschutzmittelverzeichnis nicht gezählt. Doch glauben Sie ihr: Es sind viele! Sie hat auch nicht ausgerechnet wie viele aufwändige Untersuchungen notwendig wären, um den wissenschaftlichen Beweis der Schädlichkeit nur schon für ein einziges PSM systematisch zu ermitteln; dies selbst dann, wenn beim Entdecken einer schweren Schädigung eines Organismus keine weiteren Organismen mehr untersucht würden.

Und wer beherrscht die Kunst der Statistik für diese Forschung? Und wer schreibt ein vernünftiges Computer-Programm für die Auswertung? Wer kann die Resultate interpretieren? Erschwerend kommt hinzu, dass laufend neue PSM zugelassen und alte gestrichen werden.

Mit „Unschärfe“ vorsorgen

Die Welt der Pestizide ist so nicht exakt wissenschaftlich fassbar. Bewiesen wurde aber mannigfach, dass PSM auch Nicht-Zielorganismus schädigen können. Beim Menschen ist eine zuverlässige Aussage über Gesundheitsschäden schwierig, Experimente sind nicht möglich.

Wenn es um die Lösung von Umweltproblemen geht, dann müssen andere Massstäbe und Ansätze gelten: Unschärfe, Logik, Denken, Vorsorgen, Voraussicht … Man muss den Mut haben, vom Einzelergebnis, z.B. Forschung auf molekularer Ebene, auf weitere Auswirkungen zu schliessen. Es stellen sich Fragen wie: Könnte es sein, dass ein Produkt, das zum Töten eines bestimmten Organismus entwickelt wurde, auch Verwandte tötet? Ist es vernünftig, Stoffe, welche wie Hormone wirken, in die Umwelt zu bringen? Wollen wir all diese Gifte oder gibt es andere Lösungen, bessere Lösungen? …

Der Ruf nach wissenschaftlicher Begründung von Massnahmen lenkt von den Problemen ab. Es ist eine Marketingstrategie mit dem Ziel, Zeit zu gewinnen. Es ist eine List. Die Last tragen wir alle.

Mehr öffentliche Forschung – frei von Sponsoring – ist dringend nötig mit dem Ziel, so rasch als möglich den Giftschrank zu entrümpeln, um Wasser, Boden, Luft und Lebewesen zu schützen.

28.8.16 HOME

Maienfeld: Rapsanbau in der Grundwasserschutzzone S2

18. Mai 2016
Foto 1: Rapsfeld in der Grundwasserschutzzone S2. Leider war der Raps am 16.5.16 schon verblüht!

Foto 1: Rapsfeld in der Grundwasserschutzzone S2. Leider war der Raps am 16.5.16 schon verblüht!

FFoto 2: Das Grundwasser fliesst vom Rapsfeld zum Vertikalbrunnen.

Foto 2: Das Grundwasser fliesst vom Rapsfeld zum Vertikalbrunnen.

Vertikalbrunnen und Grundwasserschutzzonen beim Industriegebiet Maienfeld GR. Die S2 entspricht etwa der Grösse des Rapsfeldes. <a href="http://map.geo.gr.ch/gr_webmaps/wsgi/theme/Gewaesserschutzkarte" target="_blank">Interaktive Karte zum Gewässerschutz</a>, Amt für Natur und Umwelt Graubünden

Vertikalbrunnen und Grundwasserschutzzonen beim Industriegebiet Maienfeld GR. Die S2 entspricht etwa der Grösse des Rapsfeldes. Interaktive Karte zum Gewässerschutz, Amt für Natur und Umwelt Graubünden

 

Eigentlich ist es logisch, dass Bauern in der Grundwasserschutzzone S2 einen Acker anlegen statt eine Wiese zu pflegen, denn in der S2 ist das Güllen verboten, nicht aber das Ackern, Düngen und Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Vor 17 Jahren gab es kurz ein Verbot für PSM, dieses haben die Bauern aber sofort zu Fall gebracht. So darf man, mit wenigen Ausnahmen, alle Pflanzenschutzmittel bis unmittelbar an die Trinkwasserfassung spritzen. Erstaunlich? Oder eher unglaublich! Was nützen Grundwasserschutzzonen?

Wo der Staat das Vorsorgeprinzip nicht ehrt, müssen Einzelne eingreifen. Kluge Trinkwasserversorger kaufen den Bauern das Land in den Schutzzonen ab und verpachten es mit den nötigen Restriktionen wie „allgemeines Verbot von PSM“. Doch in Heidis Heimat (und an vielen Orten) lässt man die Bauern machen wie es ihnen beliebt. Wenn das Grundwasser zu stark verschmutzt ist, dann fliessen ja Steuergelder. Oder die Trinkwasserversorger müssen auf unsere Kosten das Wasser reinigen oder neue Fassungen mit sauberem Wasser erschliessen, wenigstens solange es solche noch gibt.

Der Pflanzenschutzmittelgehalt des Trinkwassers wird in Maienfeld nicht untersucht. Der Nitratgehalt beträgt zwar „nur“ 15 mg/l (Toleranzwert 40 mg/l), doch der Zufluss von sauberem „Bergwasser“ ist hier gross, d.h. Verschmutzungen werden stark verdünnt. Heidi meint: „Man darf die Analysenwerte nicht isoliert betrachten, sondern muss das Umfeld einbeziehen. Information zum Trinkwasser 2015 der Wasserversorgung Maienfeld, Wasseruntersuchung Stadt Maienfeld 12.4.16, Labor Christian Böhm, Chur. Wasseruntersuchungen Labor Böhm.

Der Grundwasserspiegel liegt durchschnittlich 5,5 m unter dem Acker, bei Maximalstand 3 m. Ein heftiger Gewitterregen … und schon sind Schadstoffe im Grundwasser! Maienfeld bezog 2015 nur 0,2% des Trinkwassers aus dem Grundwasser, der Rest kam aus der unbelasteten Falknis- und der Hofquelle. Vermutlich ist daher das Interesse an sauberem Grundwasser klein.

Heidi hat keine Ahnung, welche Strategie der Bauer in Maienfeld im Hinblick auf eine gute Ernte verfolgt. Syngenta zeigt den Bauern wie’s geht:

Syngenta: Live Ticker Raps

„Erfahren Sie hier Wissenswertes über den Rapsanbau! Live von unserem Versuchsfeld in Dielsdorf/ZH.“ Heidi hat die Informationen in einer Tabelle zusammengefasst sowie die entsprechenden Gefahrensymbole integriert. Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW).

Brasan Trio darf nicht in der S2 gespritzt werden, siehe Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel in der Grundwasserschutzzone S2. Doch kontrolliert wird das praktisch nirgends. Und wie geht es den Lebewesen im Grundwasser, denen man versprochen hat, dass man sie (zu unserem Wohl) schützt? Gewässerschutzverordnung, Ökologische Ziele für Gewässer.

*Pflanzenschutzmittelverzeichnis BLW, Stand 18.5.16

 

27.8.15 Düngung Colzador 6/13/25/2
28.8.15 Unkrautbekämpfung *Brasan Trio GHS07_VorsichtKGHS09_WasserKGHS08_GesundheitK

 

28.8.15 Rapssaat SY Carlo
SY Alister
3.9.15 Schneckenkontrolle *Limax Plus
21.9.15 Rapserdfloh,
Larven der
Rapsblattwespe
*Karate Zeon GHS07_VorsichtKGHS09_WasserK
2.10.15 Phoma-Bekämpfung *Magnello  
2.10.15 Ausfallgetreide,
Quecke
*Fusilade Max (mit Magnello mischbar)
22.2.16 Düngung Ammonsalpeter
19.3.16 Wachstumsregulierung *Toprex GHS09_WasserKGHS08_GesundheitK
19.3.16 Stängelrüssler Insektizid
22.3.16 Düngung Ammonsalpeter
1.4.16 Rapsglanzkäfer *Plenum WG GHS08_GesundheitK
6.4.16 Rapsglanzkäfer 2. Behandlung
mit *Pyrinex
GHS07_VorsichtKGHS09_WasserK
20.4.16 erstmals Bienen
sehr aktiv.
.

Gemäss Pflanzenschutzstrategien Syngenta folgt:

Beginn Blüte Rapskrebs *Amistar Xtra (oder Filan) GHS07_VorsichtKGHS09_WasserKGHS08_GesundheitK

Heidi fordert immer wieder ein allgemeines Pestizid-Verbot in der Grundwasserschutzzone S2, siehe folgende Artikel:
Wer hat das Recht, unser Trinkwasser zu verschmutzen?
Keine Pestizide in der Grundwasserschutzzone S2
Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität
Grundwasserschutzzonen: Wer weiss Bescheid?

18.5.16 HOME

Fluopyram: sicher keine Gefahr für Mensch und Umwelt?

21. Oktober 2015
Strukturformel von Fluopyram, Wikipedia.

Strukturformel von Fluopyram, Wikipedia.

Im Eschelisbach bei Güttingen (TG) war die Vielfalt und Konzentration von Pestiziden Ende Juli 2015 hoch, z.B. überschritt die Konzentration des Fungizids Fluopyram den Grenzwert um das 94fache! Für die stellvertretende Direktorin des Bundesamts für Landwirtschaft, Eva Reinhard, ist dies „sicher kein Risiko für Mensch und Umwelt“, Bericht der Rundschau Pestizid-Cocktail im Bach, 14.10.15, SRF.

Reinhard ist Chefin der Pflanzenschutzmittel(PSM)-Zulassungsstelle und Leiterin der Arbeitsgruppe Aktionsplan PSM-Risiko-Reduktion. Das PSM-Verzeichnis dürfte für sie ein vertrautes Nachschlagwerk sein. Heidi hat darin geblättert und einige Daten zu einem Fluopyram-haltigen PSM kopiert; PSM-Verzeichnis Stand 21.10.15. Basiert die Stellungnahme von Reinhard auf Fakten oder dient sie vielmehr dazu, dem „Volk“ Sand in die Augen zu streuen?

Gefahrenkennzeichnungen:

  • Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt ist die Gebrauchsanleitung einzuhalten.
  • R 40 Verdacht auf krebserzeugende Wirkung.
  • R 51/53 Giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.
  • S 02 Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
  • S 35 Abfälle und Behälter müssen in gesicherter Weise beseitigt werden.
  • S 36 Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung tragen.
  • S 46 Bei Verschlucken sofort ärztlichen Rat einholen und Verpackung oder Etikett vorzeigen.
  • S 57 Zur Vermeidung einer Kontamination der Umwelt geeigneten Behälter verwenden.
  • SP 1 Mittel und/oder dessen Behälter nicht in Gewässer gelangen lassen.

 

Hier noch ein Auszug aus der Pestizid-Datenbank der University of Hertfordshire, Pesticide Properties DataBase:

Health issues:

Carcino-
gen
Muta-
gen
Endocrine disrupter Repro-
duction / develop-
ment
effects
Cholin-
esterase inhibitor
Neuro-
toxicant
Respira-
tory
tract
irri-
tant
Skin irri-
tant
Eye
irri-
tant

General human health issues Possible liver, thyroid and blood toxicant

: Yes, known to cause a problem
: No, known not to cause a problem
: Possibly, status not identified
– : No data

Es gibt also durchaus Risiken, und zwar für die Menschen und die Umwelt. Zudem sind zahlreiche Fragen zur Toxizität von Fluopyram ungeklärt. Vorsorgen wäre besser als heilen!

Nachtrag: Über die Schäden im Weinbau und die Zahlungen von Bayer an die Schweizer Winzer siehe Kommentar zu diesem Artikel.

Nachtrag 21.6.16: Das BLW hat sein Pflanzenschutzmittelverzeichnis aktualisiert. Die Links zu den Mitteln wurden geändert. Die alten Links führen leider nicht ins Leere, sondern zu einem ganz anderen PSM, was natürlich ärgerlich ist. Die Daten stimmen nicht mit den hier kopierten überein. Dummerweise hat Heidi vergessen, im Artikel den Namen des entsprechenden PSM zu vermerken! Daher hier ein im Moment gültiger Link zu einem im Obst-, Reb- und Gemüsebau verwendeten (auch Luftapplikation zugelassen): Moon Experience. Dieses enthält zusätzlich zu Fluorpyram auch Tebuconazole, welches umwelt- und gesundheitsschädlich ist. Ein direkter Vergleich zu den von Heidi kopierten Daten ist leider nicht mehr möglich. Moon Privilege, welches nur Fluopyram enthält wird vom BLW als „Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung“ eingestuft, also eine harmlosere Beurteilung als jene der Pestizid-Datenbank der University of Hertfordshire.

21.10.15 HOME

Reldan 22 in der Schweiz erlaubt, in Deutschland (noch) verboten

24. Juni 2014
Das Insektizid Reldan 22 wird z.B. im Getreideanbau gegen das Getreidehähnchen eingesetzt. Es ist ein breit wirksames Insektizid. Einsatzgebiete: Kernobst- und Rebbau, Getreide, Raps, Gewächshauskulturen, Zierpflanzenanbau und gegen den Buchsbaumzünsler.

Das Insektizid Reldan 22 wird z.B. im Getreideanbau gegen das Getreidehähnchen eingesetzt. Es ist ein breit wirksames Insektizid. Einsatzgebiete: Kernobst- und Rebbau, Getreide, Raps, Gewächshauskulturen, Zierpflanzenanbau und gegen den Buchsbaumzünsler.

„Die Aufregung war groß, als Angelika Leistikow, Leiterin des NABU-Arbeitskreises Hornissenschutz, erfuhr, dass auf Grünlandflächen in der Nähe von Wipperfürth-Thier und Wipperfeld (Nordrhein-Westfalen) ein Insektizid zu Versuchszwecken ausgebracht werden sollte. Das Insektizid RELDAN 22, mit dem Wirkstoff Chlorpyrifos-methyl ist derzeit in Deutschland für die normale Anwendung in der Landwirtschaft offenbar nicht zugelassen. Das soll sich jetzt ändern: Ein Forschungsinstitut aus Leverkusen sollte – im Auftrag eines global agierenden Pestizid-Unternehmens – im Oberbergischen testen, wie das Insektizid auf verschiedene Mäusearten wirkt… Laut technischem Datenblatt für RELDAN 22 führt eine Dampfphase des Giftstoffes dazu, dass auch nicht bespritzte Randflächen kontaminiert werden… Im ursprünglich geplanten Testgebiet sind die Giftversuche nach jetzigem Stand gestoppt, denn im Wasserschutzgebiet ist Giftausbringung verboten…“, NABU Oberberg ist besorgt wegen des Insektizid-Versuchs bei Wipperfürth, Oberberg-Nachrichten vom 23.6.14.

In der Schweiz ist Reldan 22 für verschiedene Kulturen zugelassen: Kernobst, Reben, Gewächshaus, Getreide, Raps, Buchsbäume, Zierpflanzen. Reldan 22 ist gemäss den Angaben im Pflanzenschutzmittelverzeichnis gefährlich für Bienen und sehr giftig für Wasserorganismen. Das Insektizid wirkt gegen Schädlinge wie Käfer, Läuse, Falter, Wanzen, Zikaden, Wespen, Mücken, Thripse… Heidi nimmt daher an, dass Reldan 22 sehr viele unterschiedliche Insekten tötet, nicht nur die Schädlinge, welche die Bauern vernichten möchten.

Werden die 13 Auflagen und Bemerkungen zum Produkt eingehalten? Zum Beispiel der Abstand zu Oberflächengewässern für Obstkulturen, Reben, Buchsbäume und Zierpflanzen von 50 m? Oder 20 m bei Getreide und Raps? Wie immer gibt es Ausnahmen: „… Ausnahmen gemäss den Weisungen des BLW„. „Wo findet man diese Weisungen?, frägt sich Heidi. Eine regelmässige amtliche Kontrolle gibt es nicht.

Für Obst- und Weinbau gilt: „… Darf nicht mit blühenden oder Honigtau aufweisenden Pflanzen (z.B. Kulturen, Einsaaten, Unkräutern, Nachbarkulturen, Hecken) in Kontakt kommen. Blühende Einsaaten oder Unkräuter sind vor der Behandlung zu entfernen (am Vortag mähen/mulchen). “ Übrige Kulturen ohne Gewächshaus: „Darf nicht mit blühenden oder Honigtau aufweisenden Pflanzen (z.B. Kulturen, Einsaaten, Unkräutern, Nachbarkulturen, Hecken) in Kontakt kommen.“ Diese Forderungen sind einmal mehr praxisfremd, auch beim besten Willen der Bauern nicht korrekt umsetzbar. Schon der kleinste Windstoss stösst die gute Absicht um.

NABU Oberberg traut den Behörden nicht und ist besorgt … Heidi meint: Auch in der Schweiz muss man den Behörden genau auf die Finger schauen. Haben Sie schon einmal im Pflanzenschutzmittelverzeichnis geblättert?

Grüne sehen Kreis in der Pflicht, Bergische Landeszeitung vom 22.6.14. Danke Grünwolf für den Hinweis.

Larven des Rapsglanzkäfers

Larven des Rapsglanzkäfers

Nachtrag: Reldan 22 ist gemäss Hersteller in Deutschland für die Bekämpfung des Rapsglanzkäpfers zugelassen. Der Feldversuch sei im Hinblick auf eine Neuzulassung geplant. Heidi hat dieses Produkt aber im Deutschen Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis nicht gefunden, siehe Raps/Rapsglanzkäfer. Der Wupperverband, der die zweitgrößte Trinkwassertalsperre Deutschlands betreibt, erfuhr durch eine Anfrage der Bergischen Zeitung vom geplanten Versuch und intervenierte beim Auftraggeber der Studie, der dann den Auftrag zurück zog, Bergische Landeszeitung, Pestizid-Versuch ist gestoppt, 18.6.14.

Medieninformation des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vom 3.4.7, BVL wirkt an Strategie zur Bekämpfung resistenter Rapsglanzkäfer mit: „… Beide Mittel sind daher nur im Fall einer drohenden Gefahr eines starken Befalls nach einem Warndiensthinweis durch die amtlichen Dienste der Länder anzuwenden… Im Mittelpunkt steht dabei die Einhaltung der Bienenschutzverordnung, da sowohl Ultracid 40 wie Reldan 22 bienengefährlich sind. Verstöße gegen diese Verordnung können mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Das BVL hat ferner daran erinnert, dass gemäß dieser Verordnung ein Bestand bereits dann als blühend zu verstehen ist, wenn in diesem nur eine blühende Pflanze, egal welcher Art, aufzufinden ist.

Eine Sonderbewilligung wurde erteilt, siehe Kleine Anfrage an den Deutschen Bundestag und Antwort der Bundesregierung, Auswirkungen der Bekämpfungsmethoden des Rapsglanzkäfers auf die Bienen und die Imkerei, 28.3.7. Resistenzbildung ist ein uraltes Problem!

Nachtrag 19.7.14: Flächen für Gift-Test ein Irrtum? Bergische Landeszeitung vom 18.7.14. „Nach der Gemeinde Lindlar hat nun auch die Gemeinde Kürten bei den Aufsichtsbehörden interveniert und Aufklärung verlangt. Dabei wurde offenbar klar, dass die Flächen nahe der Großen Dhünn-Talsperre praktisch „aus Versehen“ für den Versuch vorgesehen worden sind … Das Bundesamt hatte nach Darstellung der beiden Verwaltungen in Lindlar und Kürten die Genehmigung erteilt und gemäß Gesetz dem Pflanzenschutzdienst NRW mitgeteilt. Die betroffenen Gemeinden erfuhren zunächst nichts davon: Eine Hinweispflicht gegenüber Kommunen besteht nicht.

24.6.14 HOME


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