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PFAS: stabil und überall, auch im Skiwachs und Wasser

28. September 2021
Skigebiet Jakobshorn Davos: Noch liegt kein Schnee, aber es ist zu vermuten, dass Boden und Wasser PFAS aus Skiwachs enthalten..

Skigebiet Jakobshorn Davos: Noch liegt kein Schnee, aber Heidi vermutet, dass Boden und Wasser PFAS aus Skiwachs enthalten.

Perfluorierte Chemikalien (PFAS) werden aufgrund ihrer chemischen Stabilität und ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften in industriellen Prozessen verwendet und sind Bestandteil zahlreicher Produkte des täglichen Lebens wie Pfannen und wasserabstossende Kleider. Persistenz und Mobilität mehrerer PFAS haben zur weltweiten Verbreitung dieser Substanzen in der Umwelt geführt. Man bezeichnet sie daher als „forever“-Chemikalien, die „everywhere“ sind, auch in Eisbären. BBC hat heute einen ausführlichen Beitrag zum Thema veröffentlicht: The race to replace persistent chemicals in our homes.

Wir sind uns gar nicht bewusst, wie durchsetzt unser Alltag mit PFAS ist. Und wieder einmal ist die Analytik im Verzug. Das ist mit ein Grund, wieso in Trinkwasser in der Schweiz nur ein Höchstwert für PFOS, PFHxS und PFOA gilt. In der EU sind es mehr, doch die können das gar nicht zweckmässig messen.

Nur ein kleiner Teil der schier unfassbare Zahl der schädlichen Substanzen, die laufend in die Umwelt gelangen, sind bekannt, geschweige denn erforscht. Um PFAS geht es auch im Film Dark Water, wie es auch vielen nicht bewusst ist, dass es beim Film Erin Brokovich um Chrom VI geht, das erst vor wenigen Jahren auf dem Radar der Behörden in Europa erschien.

Warum kein Verbot von PFAS im Skiwachs?

In den Engadinerseen waren Fische mit PFAS belastet. Deren Ursprung fand man im Skiwachs. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat daher ein Infomationsblatt „Gesundheitliche Gefahren durch per- und polyfluorierte Alkylverbindungen in Skiwachs“ herausgegeben. Die Fédération Internationale de Ski (FIS) hat die Verwendung von Fluorverbindungen im Spitzensport ab der Wintersaison 2020/2021 verboten. Jedoch existiert in der Schweiz noch kein allgemeines Verbot PFAS-haltiger Skiwachse.

Aufgrund bereits verbotener Verbindungen, verwenden einige Skiwachsproduzenten noch nicht regulierte PFAS für ihre Produkte, wie kurzkettigere Fluorverbindungen, jedoch stellen auch diese PFAS eine Gefahr für die Gesundheit und Umwelt dar. Die effektivste Massnahme, um mögliche Expositionen zu vermeiden,
ist deshalb die Verwendung von Skiwachs ohne fluorierte Verbindungen.

Fazit des BAG

  • Die Verwendung von fluorierten Skiwachsen, kann zur Aufnahme von PFAS in den Körper führen, insbesondere über die Atemwege.
  • PFAS akkumulieren im Organismus und verbleiben über Jahre im Körper.
  • Die langfristigen gesundheitlichen Gefahren durch PFAS sind noch nicht ausreichend charakterisiert; bereits heute ist unbestritten, dass sie einen negativen Einfluss auf den Cholesterolwert, das Immunsystem und die menschliche Entwicklung haben können.
  • Nebst den gesundheitlichen Risiken, tragen PFAS zur Verschmutzung der Umwelt bei, da diese Stoffe nicht abgebaut werden und sich teilweise in der Nahrungskette anreichern.
  • Vermeidung unnötiger PFAS Exposition durch die Verwendung PFAS-freier Skiwachse. PFAS-haltige Skiwachse/Skiwachsreste müssen via Sammelstellen oder Entsorgungshöfen entsorgt werden

Weshalb PFAS in Skiwachs?

Um die Gleiteigenschaften auf der Schneeunterlage zu verbessern, werden Langlaufskis, Alpinskis und Snowboards mit Wachsen behandelt. Oft verwenden Leute die Wachsprodukte, ohne sich dem Gesundheitsrisiko durch die eingeatmeten Dämpfe und Rauch bewusst zu sein. Beim Erhitzen oder Aufsprühen der Wachse entweicht eine Vielzahl von Chemikalien. Die Stoffe können über die Atemwege in den Körper gelangen. Insbesondere per- und polyfluorierte Alkylverbindungen reichern sich im Körper an und können sich langzeitig negativ auf die Gesundheit auswirken.

PFAS im Grundwasser

Pilotstudie der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA 2007/8

Pilotstudie der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA 2007/8

Im Rahmen einer Pilotstudie der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA wurden perfluorierte Chemikalien in den Jahren 2007 und 2008 an 21 der 49 beprobten TREND-Messstellen im Grundwasser nachgewiesen. Die Konzentrationen waren in der Regel gering. Mit Ausnahme einer Messstelle lagen die Konzentrationen unter 100 ng/l, an gut der Hälfte der Messstellen unter 10 ng/l. Wie aus gut informierter Quelle zu erfahren ist, sind die PFAS Bestandteil des diesjährigen NAQUA-Programms.

Mit „klimafreundlichen“ Kältemitteln vom Regen in die Traufe

Vollständig fluorierte Kältemittel sind klimaschädlich, weshalb sie z.B. durch kurzlebige (teil)fluorierte Stoffe mit niedrigerem Treibhauspotential ersetzt werden. Doch auch diese sind nicht die ideale Lösung. Wie eine Studie im Auftrag des Deutschen Umweltbundesamtes (UBA) zeigt, tragen sie zum Anstieg von Trifluoressigsäure in Regenwasser bei. Das UBA fordert deshalb den Wechsel zu natürlichen Kältemitteln wie Kohlenwasserstoffe.

Chemikalien in der Umwelt sind eines der drei Hauptprobleme, welche die Menschheit aktuell zu lösen hat: Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Chemikalien.

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, Wikipedia

The race to replace persistent chemicals in our homes. Christine Ro, BBC vom 28.9.21

Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen

«Vergiften Langläufer unsere Fische?» 20minuten vom 14.1.21

Giftige Spuren im Schnee. Zeit online vom 25.1.21

«Dark Waters»: Vergiftete Wasser sind tief. SRF vom 15.10.20

Erin Brokovich – Eine wahre Geschithe. Wikipedia

Perfluorierte Chemikalien im Grundwasser. Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Trifluoressigsäure in Regenwasser – Mit „klimafreundlichen“ Kältemitteln vom Regen in die Traufe. Martin Ittershaben, Laborpraxis vom 8.5.21

28.9.21 HOME

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