Posts Tagged ‘Pharmaindustrie’

Welche Probleme wir schon längst gelöst hätten, wenn …

1. Mai 2021
Laufend wird Regenwald und Wald abgeholzt für landwirtschaftliche Produktion, Edelhölzer, Wegwerf-Essstäbchen, Bauen, Energie ...

Laufend wird Regenwald und Wald abgeholzt für landwirtschaftliche Produktion, Edelhölzer, Wegwerf-Essstäbchen, Bauen, Energie … Bild: Masoalahalle im Zoo Zürich.

Leserbrief

Wenn das Wörtchen WENN nicht wäre! Die Schweiz gilt als Hochburg der Pharmaindustrie, Land der Innovationen … aber eigene Grundmedikamente können wir nicht mehr herstellen, die Solarindustrie haben wir mit vielen anderen Industriegütern nach China ausgesourct und über die realen Anstrengungen zur Erhaltung der Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Biodiversität könnte man ins Weinen geraten.

Wir sind super im Lösen von Problemen, die wir nicht haben und im Ignorieren der echten Probleme! Aber das ist ja leider weltweit dasselbe. Wenn ich z.B. an die jüngste Information über erneut gestiegene weltweite Rüstungsausgaben denke … Für Klima, Erhaltung der Regenwälder, Schutz der Meere, der Seen und Bäche, des Trinkwassers, des Bodens, unserer Gesundheit usw. bleibt dann natürlich nichts mehr übrig.

Karl L., Bern

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Handelsabkommen mit Indonesien: Komplizenschaft mit einer autoritären Regierung

25. Februar 2021

Karl Fürchtegott Grob kehrte als reicher Mann aus Sumatra in die Schweiz zurück. Im Zürcher Seefeld baute er die pompöse Villa Patumbah, die heute das Schweizer Heimatschutzzentrum beherbergt. Auf dem Foto von Heidi der Gartenpavillon im Villenpark.

Karl Fürchtegott Grob kehrte als reicher Mann aus Sumatra in die Schweiz zurück. Im Zürcher Seefeld baute er die pompöse Villa Patumbah, die heute das Schweizer Heimatschutzzentrum beherbergt. Auf dem Foto von Heidi der Gartenpavillon im Villenpark.

Monique Ligtenberg ist seit Oktober 2019 Doktorandin an der Professur Geschichte der modernen Welt der ETH Zürich. Ihren Master in Geschichte und Philosophie des Wissens mit der Abschlussarbeit Zwei Schweizer Ärzte im „Fernen Osten“. Wissenschaft, niederländischer Imperialismus, das Schweizer Bürgertum und die Kolonie als Kapital, ca. 1879–1935 hat sie 2019 an der ETH Zürich abgeschlossen.

Im Hinblick auf die Abstimmung über das Freihandelsabkommen mit Indonesien verfasste Ligtenberg einen Beitrag für das Lamm, der einen ausgezeichneten Einblick in die „zutiefst koloniale Beziehung“ der Schweiz mit Indonesien gibt, eine Beziehung, die bereits im 17. Jahrhundert begann. Tausende Schweizer heuerten damals als Soldaten, Ärzte und Matrosen bei der Niederländischen Ostindienkompanie (VOC) an. Auch Dutzende Wissenschaftler erforschten die „tropische Welt“ und brachten Menschenschädel, Kulturgüter und Tierpräparate in die Schweiz, die sich noch heute in den hiesigen Völker- oder Naturkundemuseen befinden.

Die Geschichte, die Ligtenberg vor uns ausrollt, reicht bis in die Gegenwart: „Am 13. Januar 2020 brannte es in den Strassen der indonesischen Grossstädte. Von Jakarta bis Surabaya, von Papua bis Kalimantan lieferten sich ArbeiterInnen, StudentInnen und selbst SchülerInnen Strassenschlachten mit der indonesischen Polizei. Der Anlass: die von der indonesischen Regierung verabschiedeten Omnibus-Gesetze (Undang-Undang Cipta Kerja), die darauf abzielen, Schwellen für ausländische InvestorInnen abzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen. Formuliert wurde das Gesetzespaket weitgehend hinter verschlossenen Türen.“

Lesen Sie diesen höchst interessanten Beitrag, der auch Palmöl und RSPO streift! Er schliesst mit dem Absatz:

„Würden sich die BefürworterInnen der Burka-Initiative mit demselben moralischen Eifer der Debatte über das Freihandelsabkommen annehmen, müssten sie konsequenterweise ein Nein empfehlen. Statt über die vermeintliche Unterdrückung von 20-30 Nikab-Trägerinnen (mehrheitlich Konvertitinnen) zu wettern, könnten sie ihre Ressourcen dafür einsetzen, sich über die politische Situation der 270 Millionen (mehrheitlich muslimischen) IndonesierInnen zu unterhalten. Denn Ungleichheiten und Unterdrückung halten sich nicht an politische Landesgrenzen – und wirtschaftliche Beziehungen sind nicht politisch neutral.“

Suharto ist weg – der Autoritarismus bleibt

Freihandelsabkommen mit Indonesien: Mehr als nur Palmöl. das Lamm vom 24.2.21

Monique Ligtenberg, ETHZ

Lehrveranstaltung ETHZ 851-0009-00L  „Niederländisch Ostindien“ und die deutschsprachigen Wissenschaften, ca. 1800-1950. B. Schär, M. Ligtenberg

Antibiotika-resistente Keime: grosser Handlungsbedarf!

9. November 2018

Eigentlich wissen wir es: Der Antibiotikaverbrauch muss bei Mensch und Tier massiv eingeschränkt werden. Doch auch die Versorgung mit überlebenswichtigen Antibiotika ist gefährdet.

Die Bauern

Die Schweizer Bauern setzen besonders viele Antibiotika ein, auch Reserveantibiotika, welche vielen Menschen das Leben retten könnten, wenn sie nicht in der Tierproduktion eingesetzt würden und somit Resistenzen gegen diese letzten Behandlungsmöglichkeiten verursachten. Reserveantibiotika – das ist eine alte Forderung von Fachleuten – sollten in der Tierproduktion verboten werden.

Diese Grafik aus dem Agrarbericht 2016 des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt, dass die Schweizer Bauern für Euterbehandlungen mehr als die doppelte Menge Antibiotika einsetzten als jene in den 26 Vergleichsländer. Nur zwei Länder, nämlich Zypern und Litauen, verwenden mehr.

Diese Grafik aus dem Agrarbericht 2016 des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt, dass die Schweizer Bauern für Euterbehandlungen mehr als die doppelte Menge Antibiotika einsetzten als jene in den 26 Vergleichsländer. Nur zwei Länder, nämlich Zypern und Litauen, verwenden mehr.

Die Menschen

Die Darmflora setzt sich aus Milliarden nützlicher, für die Gesundheit essentieller Bakterien zusammen. Dieses Mikrobiom wird durch eine Therapie mit Antibiotika oft weitestgehend zerstört.

Neuste Forschungsergebnisse zeigen, dass nach einer Antibiotika-Therapie zuerst krankmachende Keime auftauchen. Das Mikrobiom hatte sich in einer Studie an gesunden Männern nach einem halben Jahr fast vollständig erholt. Aber eben nur fast: „Einige empfindlichen Bakterienarten bleiben dauerhaft verschwunden“, sagt Sofia Forslund vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin. „Aufgrund des offenbar dauerhaften Verlusts einzelner Arten und der erhöhten Zahl der Resistenz-Gene zeige die Studie einmal mehr, wie wichtig es sei, Antibiotika mit Bedacht zu verabreichen.“

Die Pharma – obskure Lieferketten

Wie in anderen Branchen auch, produziert die Pharmaindustrie in Billigländern. Der reiche Westen exportiert schmutzige Prozesse in arme Länder. SRF berichtete am 8.11.18 über das grosse Problem: „Internationale Pharmakonzerne beziehen Antibiotika-Wirkstoffe aus Indien. Rund um viele lokale Fabriken sind grosse Mengen Antibiotika in der Umwelt. So entstehen gefährliche, resistente Keime, die sich global ausbreiten. Das Risiko einer Infektion steigt. …

… Die Supererreger aus Indien sind nicht nur in Schweizer Spitälern durch erkrankte Reisende angekommen, man findet sie auch in der Umwelt: Im Basler Abwasser entdeckten Mikrobiologinnen vor zwei Jahren erstmals sogenannte NDM-Resistenzen. «ND» steht für Neu Delhi, weil ein Keim mit dieser Resistenz erstmals dort gefunden wurde.“

Forschung wird kaum noch betrieben, da Krebsforschung offenbar gewinnversprechender ist. Die Lieferketten für Antibiotika aus China, via Indien sind undurchsichtig, aber am Schluss steht „Sandoz“, „Roche“ „Mepha“ usw. auf der Verpackung, ohne Hinweis auf die Herkunft.

Wohin in die Ferien?

Billigland? Bauernhof? … Oder vielleicht einfach ins Heidiland? Oder zuhause bleiben?

Schweizer Bauern spritzen rekordmässig Antibiotika, Beobachter vom 25.10.18

Neues Antibiotikaresistenz-Gen in Milch entdeckt, Medienmitteilung Universität Bern vom 26.4.17

Milchqualität und Rohmilchkäse haben ihren Antibiotika-Preis, Heidis Mist vom 2.1.16

Nutztiere: Antibiotika-Einsatz deutlich gesunken, Bauernzeitung 9.11.18

Recovery of gut microbiota of healthy adults following antibiotic exposure, Nature Microbiologyvolume 3, pages1255–1265 (2018)

Nach einer Antibiotika-Therapie: Darmflora regeneriert nicht vollständig, Laborpraxis vom 7.11.18

Pharma trägt dazu bei, dass Superkeime entstehen, SRF vom 8.11.18

Der unsichtbare Feind – Multiresistente Keime auf dem Vormarsch, SRF vom 8.11.18

Vom 12. bis 18. November 2018 findet die internationale Antibiotika-Awareness-Woche statt. Strategie Antibiotikaresistenten (StAR), Medieninformation Schweizerische Eidgenossenschaft vom 8.10.18

«Nutze sie richtig, es ist wichtig» – Bund startet Kampagne zum Umgang mit Antibiotika, Der Bundesrat, 9.11.18

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