Posts Tagged ‘Phosphor’

Glyphosat fördert Phosphor-Überdüngung

24. März 2019

Ein Verbot von Glyphosat, dem weitweit am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel, wird schon lange diskutiert und das Herbizid ist Gegenstand von Prozessen. Gestreitet wird über die Eigenschaft „vermutlich krebserregend“. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, der Sorge bereitet: Die Überdüngung mit Phosphor.

Marie-Pier Hébert und ihre Kollegen von der kanadischen McGill University erklären: „Glyphosat enthält 18,3 Massenprozent Phosphor. Damit repräsentiert seine Ausbringung einen Einstrom anthropogenen Phosphors in die Umwelt.“ Das zunehmend in Böden und Gewässern vorkommende Herbizid trägt also auch zur Überdüngung bei.

Lesen Sie den interessanten Artikel auf scinexx, das wissensmagazin:

Glyphosat: Unterschätzte Phosphorschleuder, Herbizid setzt ähnlich viel Phosphor frei wie Tenside – und fördert so die Überdüngung.

The overlooked impact of rising glyphosate use on phosphorus loading in agricultural watersheds, Frontiers in Ecology and the Environment (esa), 5.12.18

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Lesestoff für heisse Tage: Wasser, Sauerstoff und Gülle

3. August 2018
Die Idylle trügt: In vielen Schweizer Seen mangelt es an Sauerstoff. Rund um den Sempachersee z.B. werden mehr Tiere gehalten als vor Beginn der Sanierung vor 35 Jahren.

Die Idylle trügt: In vielen Schweizer Seen mangelt es an Sauerstoff. Rund um den Sempachersee z.B. werden mehr Tiere gehalten als vor Beginn der Sanierung vor 35 Jahren.

Zur Zeit beklagen sich Leute bei Heidi über Ammoniak-Emissionen durch Gülleaustrag oder monieren, dass jetzt gegüllt statt bewässert wird. Man schliesst die Fenster und – wer kann – flüchtet z.B. an einen See.

Badefreudige geniessen das warme Wasser, doch in vielen Seen leiden die Fische unter dem tiefen Sauerstoffgehalt des Wassers. Das Problem ist alt. Der Wille zum Handeln fehlt. Man belüftet lieber auf Kosten der Steuerzahlenden Seen und lässt Gülle abtransportieren statt das Problem der hohen Tierbestände anzugehen.

In den 1960er Jahren wurden Abwasserreinigungsanlagen gebaut, in den 1980er Phosphor in Waschmitteln verboten … Wissenschaftler forderten damals schon, dass nun die Landwirtschaft dran sei. Viel ist seither nicht geschehen. Der Bauernverband lenkt vom Problem ab, also geschieht nichts Nennenswertes. Soll dies ewig so bleiben? Die Fraktionschefin der Grünliberalen, Tiana Moser will das Problem an den Wurzeln packen: Der hohe Tierbestand in der Schweiz. Wie Heidi immer wieder schreibt, ist dieser auch für die zweithöchsten Ammoniak-Emmissionen in Europa verantwortlich.

Lesen Sie den vollständigen Artikel von Roger Braun im St. Galler Tagblatt vom 29.7.18: Umweltschützer nehmen Gülle ins Visier: „In vielen Schweizer Seen finden die Fische nur noch mit Mühe genügend Sauerstoff zum Leben. Schuld daran sind die Bauern, die zu viel düngen, sagt der Bund. Der hohe Viehbestand der Landwirte kommt zunehmend unter Beschuss.“

30 Jahre Sempachersee-Sanierung, Heidis Mist vom 28.12.13

Konstant hohe Ammoniak-Emissionen: Lieber Asche auf den sauren Waldboden statt Taten, Heidis Mist vom 19.2.17

3.8.18 HOME

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UNSERE GELIEBTE HEILIGE KUH

6. Februar 2018

Danke NaNa für diese interessante Datensammlung und den Cartoon!

Die im Bericht Umweltziele Landwirtschaft (BAFU/BLW 2008) festgelegten Ziele zeigten auf, dass gerade im Bereich der landwirtschaftlichen Stickstoffemissionen teilweise beträchtliche Lücken zwischen den gesetzlich festgehaltenen Umweltzielen und der Ist-Situation bestehen. Beim Ammoniak beispielsweise, müssten die Emissionen aus der Landwirtschaft von gegenwärtig rund 48 kt N (Kupper et al. 2009) auf 25 kt N (BAFU/BLW 2008) annähernd halbiert werden, damit eine substanziell schädigende Wirkung in sensiblen Ökosystemen
verhindert werden kann. Auch bei den Zielsetzungen für die nationale Nitratfraktion ist die Lücke beträchtlich.

Quelle: Entwicklung der landwirtschaftlichen Stickstoff-Emissionen bis im Jahr 2020. Simon Peter, Institute for Environmental Decisions IED, ETH Zürich, Agrarforschung Schweiz 2(4): 162-169, 2011

Die Schweizer Landwirtschaft gibt jährlich 211 Mio. Franken für Dünger aus. Das entspricht 3,3 Prozent der Gesamtausgaben für landwirtschaftliche Vorleistungen. Der Gesamtmarkt in der Schweiz umfasst rund 240‘000 Tonnen pro Jahr, in Deutschland 2,4 Mio. Tonnen.

Quelle: Dünger bis zu 31% teurer als in Deutschland. Schweizerbauer vom 1.2.18

Agrarumweltindikatoren (AUI), Agrarbericht 2017, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarumweltindikatoren (AUI), Agrarbericht 2017, Bundesamt für Landwirtschaft.

Ergänzung von Heidi

Soeben von PAN Germany eingetroffen:

TV-Tipp: Heute 21:15 Uhr NDR Fernsehen

Auf der Spur der Superkeime

Dienstag, 6. Februar 2018, 21:15 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 8. Februar 2018, 02:15 bis 02:45 Uhr

NDR Fernsehen, Panorama – die Reporter

NDR Reporter haben Gewässerproben aus Niedersachsen auf antibiotikaresistente Keime untersuchen lassen. Überall wurden sie fündig. Das Umweltbundesamt fordert Konsequenzen.

Gefährliche Keime in Bächen, Flüssen und Seen, NDR.

Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen? Heidis Mist vom 23.3.16

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Konstant hohe Ammoniak-Emissionen: Lieber Asche auf den sauren Waldboden statt Taten

19. Februar 2017
Überschreitung der kritischen Belastungsgrenze für Stickstoffeinträge, 2010 (<a href="http://www.ekl.admin.ch/de/dokumentation/uebersicht/" target="_blank">Eidgenössische Kommission für Lufthygiene 2014</a>). Dargestellt sind alle Ökosysteme, d.h. Wälder, naturnahe Wiesen, Moore. Quelle: <a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/47185.pdf" target="_blank">Optionen zur Kompensation der Versauerung von Waldböden und zur Verbesserung der Nährstoffsituation von Wäldern - Darstellung und Bewertung</a>, 15.2.17.

Überschreitung der kritischen Belastungsgrenze für Stickstoffeinträge, 2010 (Eidgenössische Kommission für Lufthygiene 2014). Dargestellt sind alle Ökosysteme, d.h. Wälder, naturnahe Wiesen, Moore. Quelle: Optionen zur Kompensation der Versauerung von Waldböden und zur Verbesserung der Nährstoffsituation von Wäldern – Darstellung und Bewertung, 15.2.17.

Die Ammoniak-Emissionen pro Hektare landwirtschaftlicher Nutzfläche betrugen im Durchschnitt der Jahre 2012/14 in der Schweiz 45 kg N pro Hektare oder total 47’500 Tonnen N. Dies ist im europäischen Vergleich der zweithöchste Wert, nach Holland. Auch im weltweiten Vergleich sind sie hoch. Die grössten Verluste entstehen bei der Hofdüngerausbringung: 46%.

Die Stickstoffeinträge überschreiten heute auf 95% der Waldfläche die kritischen Eintragswerte, oberhalb derer langfristig mit negativen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Dies führt zur Versauerung der Waldböden und damit zur Nährstoffverarmung. Zwei Drittel der Stickstoffeinträge stammen aus der Landwirtschaft. Ammoniakverlust ist auch Düngerverlust. Ammoniak schadet zudem unserer Gesundheit.

Die Stickstoffverbindungen aus dem Strassenverkehr und anderen Verbrennungsprozessen gingen dank verbesserter Technologien nach dem Maximum Mitte der 1980er Jahre zurück. Der damalige Bundesrat setzte sich tatkräftig für die Umwelt ein und erliess im Rahmen des „Waldsterbens“ wirksame Gesetzte. Hingegen waren die Ammoniak-Emissionen nur leicht rückläufig und stagnieren seit dem Jahr 2000 auf hohem Niveau. Sie stammen vorwiegend aus der Tierhaltung. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, dies besonders deshalb, weil Massnahmen zeitlich stark verzögert wirken.

„Um die Ökosysteme vor übermässigen Stickstoffeinträgen zu schützen, müssen die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft erheblich reduziert werden. Das entsprechende zeitlich nicht terminierte Umweltziel von jährlich maximal 25 000 t NH3-N/ha (BAFU/BLW 2008) und das Etappenziel von 41 000 t NH3-N/ha in der Botschaft zur Agrarpolitik 2014-2017 kann nur mit weiteren Anstrengungen zur Emissionsreduktion erreicht werden.“ Ammoniakemissionen, Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Asche als Walddünger?

Basensättigung für Waldböden, 0-40 cm Tiefe. Liegt die Basensättigung im Boden unter 40% (in der Farblegende dargestellt mit gestrichelter Linie), so ist mit negativen Beeinträchtigungen für das Ökosystem Wald zu rechnen. Quelle: swisstopo GK500, BLW (BEK).

Basensättigung für Waldböden, 0-40 cm Tiefe. Liegt die Basensättigung im Boden unter 40% (in der Farblegende dargestellt mit gestrichelter Linie), so ist mit negativen Beeinträchtigungen für das Ökosystem Wald zu rechnen. Quelle: swisstopo GK500, BLW (BEK).

Mit dem Postulat 13.4201 „Rückführung von Asche in den Wald als Sofortmassnahme gegen Bodenversauerung“ von Erich von Siebenthal vom 12.12.13 wurde der Bundesrat aufgefordert, gesetzliche Anpassungen zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten, wie saubere Asche aus Holzheizungen, die unbehandeltes Holz verbrennen, in den Wald zurückgeführt werden können.

Viele Punkte sprechen gegen dieses Vorgehen. Die Fachleute beurteilen Asche als Walddünger wie folgt:

  • Umweltwirkung: problematisch
  • Volkswirtschaftliche Auswirkungen: negativ
  • Umsetzbarkeit: schwierig

Dies weil auch Aschen aus unbehandeltem Holz oft mit Fremdstoffen oder Schwermetallen belastet sind, welche sich im Waldboden akkumulieren könnten. Um dies zu vermeiden, müsste bei einer Ausbringung in den Wald ein hoher Kontrollaufwand betrieben werden. Wegen dieser Nachteile und des zu erwartenden hohen Vollzugsaufwandes wird von einer Holzascheausbringung im Wald abgeraten.

Detaillierte Information siehe Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats von Siebenthal.

Was sagen die Gesetze?

In der Dünger-Verordnung (DüV) ist Asche zu Recht nicht als Dünger aufgeführt. Dünger unterstehen einer Zulassungspflicht, um unannehmbare Nebenwirkungen für Mensch, Tier und Umwelt verhindern zu können. Die Prüfung der Dünger schützt besonders die Bauern vor unwirksamen und bedenklichen Produkten. Vielleicht gibt es tatsächlich einen sehr kleinen Anteil an Asche, welcher im Wald entsorgt werden könnte, denn viel mehr als das Loswerden von lästigem Abfall ist es in der Regel nicht. Der Aufwand dafür, diese „gute“ Asche zu finden, wäre in keinen Verhältnis zum Ertrag.

Asche gilt gemäss der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) als Abfall und muss entsprechend gehandhabt werden: Deponie, Sammelstelle, Kehrichtsack. Doch immer wieder wird Asche illegal in der Natur entsorgt, auch grosse Mengen. Da und dort „düngen“ Bauern mit Asche ihre Wiesen.

Reduktion an der Quelle hat hohe Priorität

Massnahmen zur Reduktion von Ammoniak-Emissionen müssen dort greifen, wo die Schadstoffe entstehen. Die gesetzlichen Grundlagen und Zielwerte sind vorhanden, z.B. Umweltziele Landwirtschaft. Der Vollzug des Umweltrechts durch die Kantone ist effektiver zu gestalten und die möglichen Massnahmen sind konsequenter umzusetzen.

Steuerzahler zahlt und zahlt …

Bis zum Jahr 2014 hat der Bund für Ressourcenprojekte zur Minderung von Ammoniak-Emissionen 78 Millionen Franken ausgegeben. Die Kantone unterstützten die Projekte mit weiteren 21 Millionen. Die Massnahmen gehen auf Kosten der Steuerzahlenden. Korrekterweise müssten sie bei der Berechnung der Preise für Fleisch und Milch berücksichtigt werden. Vollkostenrechnung ist aber in der Landwirtschaft ein Fremdwort.

Symptombekämpfung

Waldbauliche Massnahmen könnten die Probleme entschärfen, z.B. der Verzicht auf Vollbaumernte, da in der Grünmasse überproportional viel Phosphor enthalten ist. Wenn im Unterboden noch Nährstoffe vorhanden sind, dann ist das Pflanzen von tiefwurzelnden Baumarten sinnvoll. Fehlen diese aber im gesamten Wurzelraum und ist der Boden sauer, dann könnten die Bodenverhältnisse mit Kalk verbessert werden. Die Basensättigung ist denn auch im Jura hoch, siehe Abbildung 2.

„In erster Linie gilt es, das Problem grundsätzlich anzugehen, und zwar mit klaren verbindlichen Vorschriften“, meint Heidi.

Die Natur steckt im Würgegriff der Ignoranten, Beatrix Mühlethaler, Infosperber, 17.2.17.

Bauern sind Umweltschützer. Wirklich? Heidis Mist 17.3.15.

Problematische Nährstoffverarmung und Versauerung der Waldböden, Medieninformation, Der Bundesrat, 15.2.17.

Optionen zur Kompensation der Versauerung von Waldböden und zur Verbesserung der Nährstoffsituation von Wäldern – Darstellung und Bewertung, Bericht des Bundesrates vom 15.2.17

19.2.17 HOME

Nitrat: Deutschland hat die EU im Nacken – die Schweiz hört auf die Bauern

16. Februar 2017
Diese Gülle blieb auf dem abgeernteten Maisacker bis zum Pflügen im nächsten Jahr.

Diese Gülle blieb auf dem abgeernteten Maisacker bis zum Pflügen im nächsten Jahr.

Das Deutsche Bundeskabinett beschloss am 15.2.17, die Novelle der Düngeverordnung. Heute hat der Bundestag das angepasste Düngegesetz verabschiedet, um die Verordnung in Kraft zu setzen. Im März dann muss noch der Bundesrat dem Paket zustimmen.

Mit einem neuen Düngerecht reagiert die Bundesregierung auch auf eine Klage der EU-Kommission. Diese hatte Deutschland im November vor dem Europäischen Gerichtshof wegen anhaltend hoher Nitratwerte im Grundwasser verklagt. Deutschland drohen Geldstrafen in Milliardenhöhe. Als Ursache für die Nitratbelastung gelten der übermässige Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger in der Landwirtschaft.

Mit der neuen Düngeverordnung sollen u.a.

  • die Sperrzeiten, in denen keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen, verlängert (1. Oktober bis 31. Januar) und
  • die Abstände für die Düngung in der Nähe von Gewässern ausgeweitet werden.
  • Zusätzlich sollen Gärreste aus Biogasanlagen in die Berechnung der Stickstoffobergrenze (170 Kilogramm pro Hektar) einbezogen werden.
  • Zum Verringern von Ammoniak-Emissionen muss die Gülle in Zukunft innert vier Stunden in den Boden eingearbeitet werden; der Vorschlag „innert einer Stunde“ wurde gekippt.
  • Die neu eingeführte Stoffstrombilanz soll helfen zu prüfen, ob landwirtschaftliche Betriebe die Düngevorschriften einhalten oder nicht.
  • Darüber hinaus werden die Länder zum Erlass von zusätzlichen Massnahmen in Gebieten mit hohen Nitratwerten im Grundwasser verpflichtet. Dies gilt auch für Regionen, in denen stehende oder langsam fliessende oberirdische Gewässern insbesondere durch Phosphat zu stark belastet sind.

„Das Land Nordrhein-Westfalen fordert vom Bund seit mehr als fünf Jahren eine angepasste Düngerverordnung. Fünf Mal schon hat der Bundeslandwirtschaftsminister eine Vorlage angekündigt“, kritisiert der NRW-Umweltminister Johannes Remmel.

Umweltschützern gehen die Regelungen nicht weit genug. Auch herrscht Skepsis, dass Deutschland damit wieder den EU-Vorgaben entsprechen wird. Der Bauernverband sieht noch Nachbesserungsbedarf, wichtig sei jetzt Planungssicherheit für die Landwirte. Zu viele Ausnahmen gebe es immer noch, findet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, und er fordert einen absoluten Düngerstopp, wenn Grenzwerte im Grundwasser überschritten sind. In der Anhörung betonte Kirsten Tackmann, Die Linke, dass jedes Gesetz nur so gut sei wie der Vollzug. „Oh – wie wahr“, meint Heidi.

Und in der Schweiz?

  • Die Bauern wollten keine Sperrzeiten, obwohl gewisse Kantone damit gute Erfahrungen gemacht hatten. Also gibt es in der Schweiz keine Sperrzeiten, welche verlängert werden könnten!
  • Bei uns wurden die Pufferstreifen auf Wunsch der Bauern anlässlich der Revision der Gewässerschutzverordnung (GSchV) per 1.1.11 verkleinert, dies vor allem dort, wo die Kantone keinen Gewässerraum ausscheiden (Messung Pufferstreifen ab Uferlinie statt ab Böschungsoberkante). Und die Kantone bekommen laufend mehr Freiheit bei der Ausscheidung des Gewässerraums, z.B. kein Gewässerraum für „sehr kleine Gewässer“, wobei dies für den Innerschweizer Bauernbund Gewässer bis zu einer Gerinnesohle von 2 m sind, d.h. 80% der Gewässer wären betroffen, wenn man auf sie hören würde. Die definitive Version der neuen GSchV ist noch nicht veröffentlicht.
  • Pufferstreifen werden, nicht nur an Gewässern, vielerorts systematisch missachtet. Es mangelt an Vollzug!
  • Wenn die Gewässer arg verschmutzt sind, dann erhalten die Bauern Geld für standortgerechte Bewirtschaftung auf der Basis von Art. 62 des Gewässerschutzgesetzes.
  • Schweizer Unsitte: Im Herbst Gülle oder Mist auf Äcker, auch Maisfelder, ausbringen und erst im Frühling pflügen; keine Winterbegrünung.

Die reiche Schweiz ist kein Vorbild. Statt Vorsorge werden Probleme lieber auf die lange Bank geschoben, eine zweifelhafte Strategie!

Bundestag beschliesst Änderung des Dünge­gesetzes, Deutscher Bundestag, 16.2.17

Gülleflut gebremst? Bundeskabinett beschließt Novelle der Düngeverordnung, Lebensraum Wasser 15.2.16

Weg frei für neues Düngerecht, Medienmitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit 12.1.17.

In NRW besonders viel Nitrat im Grundwasser, WDR 3.1.17.

Weitere Verwässerung des Gewässerschutzes verhindern! Heidis Mist 27.7.16.

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (4) TOTAL Bundesbeiträge bis Ende 2014, Heidis Mist 6.8.15.

Gülleausbringung: Diese Geräte sind seit 1. Januar 2016 verboten, agrarheute 31.1.17.

16.2.17 HOME

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (4) TOTAL Bundesbeiträge bis Ende 2014

6. August 2015
Ökologische Direktzahlungen: Gewässerschutzprojekte gemäss Art. 62a des Gewässerschutzgesetzes. Quelle: Bundesamt für Landwirtschaft..

Ökologische Direktzahlungen: Gewässerschutzprojekte gemäss Art. 62a des Gewässerschutzgesetzes. Quelle: Bundesamt für Landwirtschaft..

Aus der Kasse der Gewässerschutzprojekte (Ökologische Direktzahlungen) gemäss Art. 62a des Gewässerschutzgesetzes hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bisher 74 Millionen Franken verteilt; vielen Dank, BLW, für das Zusammenstellen der Daten! Weitaus am meisten Geld erhielten die nicht standortgerecht wirtschaftenden Luzerner Bauern rund um die drei Seen: Sempacher-, Baldegger- und Hallwilersee. Dank der Massnahmen, wie Abtransport von Gülle, hat die Phosphor-Konzentration im Seewasser stark abgenommen. An zweiter Stelle folgen die Nitrat-Projekte, welche grundsätzlich zeitlich nicht beschränkt sind (Sachziele und Dauer der Nitratprojekte, BLW). Pflanzenschutzmittel-Projekte hingegen gibt es bisher nur zwei, je eines in den Kantonen Genf und Waadt.

Zusätzlich zu den Bundesbeiträgen erhalten die Bauern Geld vom Kanton und allenfalls von lokalen Behörden und Institutionen. Die Teilnahme an den Projekten ist freiwillig.

In Anbetracht der Pestizide in Bächen könnte die Bedeutung der Pflanzenschutzmittel-Projekte aber zunehmen, meint Heidi. Der Geissenpeter hingegen ist überzeugt, dass das Problem mit dem Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gelöst sein wird. Der Bundesrat hat die Verwaltung beauftragt, bis Ende 2016 einen solchen zu erarbeiten.

Je grösser die Gewässerverschmutzungen, desto höher die Ökologischen Direktzahlungen! Und das Erstaunliche: Die Mittel stehen unbeschränkt zur Verfügung, die Kantone müssen sie bloss beantragen.

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (1), vier Aargauer Nitrat-Projekte (abgebrochen)

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (2), Gäu I und II, Nitrat-Projekt Kanton Solothurn (noch kein Erfolg in Sicht)

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (3), Phosphor-Projekte Sempachersee & Co. (mehr Gülle und Mist als vor Projektbeginn)

6.8.15 HOME

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (3) Phosphorprojekte Sempachersee & Co.

30. Juli 2015
Sauberer Sempachersee dank grosszügig fliessender Steuergeld-Quelle.

Sauberer Sempachersee dank grosszügig fliessender Steuergeld-Quelle.

Selbst gut informierte Naturschützer glauben, dass der Sempachersee saniert sei. Weit gefehlt! Rund um den See fallen heute mehr Gülle und Mist an als vor der Sanierung, der See wird immer noch belüftet, und die Felchen können sich weiterhin nicht natürlich vermehren, siehe Sempachersee, LU, Umwelt und Energie. Woher also der gute Ruf? SteuerzahlerInnen sei Dank! Wir zahlen gutmütig für den Abtransport von Gülle … Selbst dem Bundesamt für Landwirtschaft missfällt es, dass die Bauern bisher kaum etwas an ihrem Betriebskonzept geändert haben. Heidi schrieb ausführlich darüber:
30 Jahre Sempachersee-Sanierung, Heidis Mist, 28.12.13.

Das Gewässerschutzprojekt Sempachersee (Beginn 1999) wurde kürzlich mit den zwei weiteren Luzerner Phosphor-Projekten Baldeggersee (2000) und Hallwilersee (2001) zusammengelegt. Bis Ende 2014 kostete die „Sanierung“ dieser drei Seen fast 45 Millionen Franken allein an Bundessteuern, hinzu kommen kantonale Beiträge und lokale Kosten.

Heidi verweist einmal mehr auf Art. 3 des Gewässerschutzgesetzes, die Sorgfaltspflicht, und meint, dass auch diese Gewässerschutzprojekte nicht nachhaltig sind, denn ohne Ökologische (!) Direktzahlungen wird dereinst das ursprüngliche Nährstoffproblem an die Oberfläche schwimmen.

So kämpfen die Sempacher Bauern unerschrocken für Geld und intensive Landwirtschaft. Mit gleichem Erfolg wie am 9. Juli 1386 ihre Vorfahren mithilfe von Winkelried in der Schlacht bei Sempach gegen die Habsburger? Zum 1. August hier der Anfang des Sempacherlieds, das Heidis Schulklasse jeweils mit Inbrunst sang, während der Lehrer kräftig in die Tasten griff:

Sempacherlied

Laßt hören aus alter Zeit
Von kühner Ahnen Heldenstreit,
Von Speerwucht und wildem Schwertkampf,
Von Schlachtstaub und heißem Blutdampf!
Wir singen heut‘ ein heilig Lied;
Es gilt dem Helden Winkelried.

Vorschau: Was haben wir bis Ende 2014 TOTAL für so genannte Gewässerschutzprojekte bezahlt?

30.7.15 HOME

Ist Rheines Wasser reines Wasser?

27. November 2014
Im Wasser des Rheins sind bereits in der Rheinschlucht Arzneimittel nachweisbar.

Im Wasser des Rheins sind bereits in der Rheinschlucht Arzneimittel nachweisbar.

Professor Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen hat diesen Sommer den Rhein von der Quelle bis zur Mündung in die Nordsee durchschwommen und dabei zusammen mit seinem Team Wasserproben gesammelt. Diese wurden mit hochsensiblen Analysegeräten auf 600 verschiedene Inhaltsstoffe untersucht, Nachweisgrenze ein Nanogramm. Beteiligt am Projekt Rheines Wasser war auch Matthias Ruff von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut der ETHZ. Erste Ergebnisse wurden am 7. Hansgrohe Wassersymposium vom 13.11.14 vorgestellt.

Arzneimittel

Bereits ab Ilanz GR sind blutdrucksenkende Arzneimittel nachweisbar, ihre Konzentration steigt kontinuierlich bis zur Mündung in die Nordsee. Das Antibiotikum Sulfamethoxazol, welches gegen Harnweginfekte und Lungenentzündung eingesetzt wird, ist ab Chur im Rheinwasser zu finden, der Betablocker Metoprolol ab Konstanz, das Schmerzmittel Diclofenac ab Laufenburg.

Stoffe, die alle nutzen

In die Flüsse gelangen auch Stoffe, die von den Menschen in grossem Umfang verbraucht werden. Zum Beispiel künstliche Süssstoffe werden in Kläranlagen nicht vollständig abgebaut, weshalb Abbauprodukte wie Acesulfam und Sucralose ins Rheinwasser gelangen. Benzotriazol ist in Spülmaschinen-Tabs als Silberschutz enthalten, dient als Korrosionsschutz in Enteisungsmitteln usw. Diese Chemikalie ist relativ gut wasserlöslich und schwer abbaubar, passiert die Kläranlagen daher ziemlich unbeschadet und gelangt in grossen Mengen in Flüsse und Seen, also auch in den Rhein. Jeder „Abwasch“ im Geschirrspüler führt zu einer Gewässerverschmutzung.

Nitrat, Phosphor und Sauerstoff

Die Wasserproben der einzelnen Schwimmtage zeigen einen signifikanten Anstieg der Nitratkonzentration, was auf die steigende Menge von zufliessendem Gewässer (Oberflächenwasser und Nebenflüsse) zurückzuführen ist. „Trotz der guten Werte bei der Phosphat- und Sauerstoffkonzentration kann keine Entwarnung gegeben werden“, betonte Fath. Dies zeigt der Blick auf die Entwicklung des Chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB-Wert). „Je weiter sich der Rhein von seiner Quelle entfernt, desto höher wird die Konzentration von organischen oxidierbaren Substanzen, begründet durch den Anstieg der Zuleitungen aus Industrie, Landwirtschaft, Kranken- und Pflegestationen und privaten Haushalten.“

Ziel: effizienter Gewässerschutz durch Forschung

„Unser langfristiges Ziel ist es, Systeme zu entwickeln, die in der Lage sind, diese Substanzen nah an ihrem Ursprungsort zu mineralisieren, um unsere Gewässer gar nicht erst zu belasten“, sagt Prof. Fath.

Sobald die detaillierten Forschungsergebnisse veröffentlicht sind, wird Heidi darüber berichten. Heidi meint: „Viele Stoffe sollten gar nicht erst in den Wasserkreislauf und somit ins Trinkwasser gelangen, denn der Aufwand, sie in Kläranlagen zu eliminieren ist gross oder (besonders bei neuen Stoffen) nicht möglich. Zurück bleibt immer ein Cocktail: Die Mischung macht das Gift!“

„Rheines Wasser“: Ergebnisse, Medieninformation der Hochschule Furtwangen vom 14.11.14.

Prof. Andreas Fath: Wie ein Fisch im Rhein unterwegs, Heidis Mist 14.8.14

27.11.14 HOME

30 Jahre Sempachersee-Sanierung

28. Dezember 2013
Sempacher- und Baldeggersee: Viel Wirbel um neues Güllenregime des Bundes

Sempacher- und Baldeggersee: Viel Wirbel um neues Güllenregime des Bundes

Das Jubiläumsjahr geht zu ende, die Probleme bleiben. Gegen 100 Millionen Franken haben die Steuerzahlenden bisher für die Sanierung des Sempacher– und Baldeggersees ausgegeben. Doch die natürliche Zirkulation des Wassers muss im Sempachersee noch heute mit 1 Million Kubikmeter Druckluft pro Jahr unterstützt werden, was Stromkosten von jährlich fast 50’000 Franken verursacht. Trotzdem herrscht am Seegrund Sauerstoffmangel, eine natürliche Verlaichung der Felchen ist nicht möglich. Zwar hat die Phospor-Konzentration im Wasser markant abgenommen, doch die Tierbestände, v.a. Schweine, in den Seeanstösser-Gemeinden sind heute sogar grösser als vor Beginn der Sanierung. Unglaublich!

Wie ist das möglich? Drei Viertel der Bauern in den Seegebieten haben mit dem Kanton Luzern auf freiwilliger Basis einen Seevertrag abgeschlossen; sie erhalten für vermindertes Ausbringen von Gülle jährlich sechs Millionen Franken, d.h. durchschnittlich 11’000 Franken pro Bauernbetrieb. Was geschieht mit der Gülle? Sie wird in andere Kantone transportiert.

Der Bund verschärft jetzt das Güllenregime, damit die Seen endlich rasch gesunden. „Der Bund hat bisher die Betriebe sehr eng unterstützt, um strukturelle Anpassungen vorzunehmen. Dieses Angebot wurde leider auch zu wenig genutzt …“ sagte der Leiter Ökoprogramme im Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Victor Kessler, an einer Orientierung Ende Juni 2013. Als ehemaliger Bauer und Direktzahlungs-Insider gab er den an privilegierter Lage am See wirtschaftenden Bauern ein paar persönliche Tipps. Die Luzerner Dienststelle für Landwirtschaft und Wald (Lawa) wehrt sich gegen die Neuerungen; sie glaubt, dass mit freiwilligen Massnahmen bessere Ergebnisse erzielt würden. Und der Luzerner Bauernverband bezeichnet die Verschärfung des Güllenregimes gar als diskriminierend für die Bauern rund um Sempacher- und Baldeggersee, sieht einen Wettbewerbsnachteil für diese Bauern. Die Opposition ist gross, die SteuerzahlerInnen schweigen mehrheitlich.

Auch der Baldeggersee muss belüftet werden. Er gehört Pro Natura. Die Verschärfungen beim Güllenregime seien zu zaghaft, sagte Marcel Liner, Projektleiter Landwirtschaftspolitik bei Pro Natura, und fordert eine stärkere Reduktion der Phosphordüngung. Sein Kommentar zu den 100 Millionen Steuergeldern: „Das ist viel Geld für ein offensichtlich ungenügendes Resultat.“

Im Agrarbericht 2012 waren die Gesamtkosten der schweizweit projektierten Beiträge für den Gewässerschutz auf 64 Millionen Franken beziffert (32 Projekte in 11 Kantonen); bei jedem einzelnen Projekt wurden die Gesamtkosten ausgewiesen, die im Laufe der ganzen Projektzeit anfallen. Im Agrarbericht 2013 fehlt diese Rubrik. Die 2012 ausbezahlten Beiträge belaufen sich auf 7 Millionen Franken, die Hälfte davon entfällt auf die drei Luzerner Problemseen Baldegger-, Sempacher- und Hallwilersee. Die Beiträge für den Gewässerschutz machen 1 Prozent der „Ökologischen Direktzahlungen“ aus; als solche werden sie denn auch vom BLW verbucht, was im Klartext heisst: Je grösser die Gewässerverschmutzungen, desto mehr Ökologie!?

Heidi meint: Bewirtschaftungsfehler kann es geben und Beiträge für deren Behebung sind im Einzelfall diskussionswürdig. Mit Subventionen ist das Problem aber nicht gelöst. Was es braucht, das ist eine Anpassung der Nutzung an den Standort. Konkret: Eine See-Parzelle kann, bedingt durch die natürlichen Gegebenheiten, nicht gleich intensiv genutzt werden wie eine ebene Fläche mit tiefgründigem Boden fernab von Gewässern. Punkt.

Ausführlicher Bericht siehe Der Bund will das Güllenregime verschärfen, Sempacher- und Baldeggersee, Online Zentral+ vom 28.6.13

Weitere Informationen:

28.12.13 HOME

24. Dezember 2012: Güllen

27. Dezember 2012

Das schöne Wetter lockte ins Freie. Heidi spazierte durch die Bündner Herrschaft. Zum Glück hatte sie die Kamera eingepackt, denn der Ausflug war kein reines Vergnügen: Misthaufen im Feld da und dort, Siloballen und Misthaufen auf Pufferstreifen, zwei Bauern am Güllen, also Material für mehrere Artikel. Um 16 Uhr läuteten in Malans die Glocken den Weihnachtsgottesdienst ein, Kinder und Erwachsene strömten von allen Seiten zur Kirche. Zuhause angelangt, fand Heidi folgende e-Mail: „Darf man am 24. güllen?“ Heidi meint, dass die Bauern allein schon aus Rücksicht auf die überwältigende Mehrheit der SteuerzahlerInnen, die jetzt frei haben, nicht güllen sollten. Auch Silvester ist ein beliebter Bündner Gülletag, wie Heidi im Artikel Silvester ist Gülletag berichtet hatte; damals war es kalt.

In der EU ist das Güllen im Winter, also auch an Weihnachten verboten, es gibt Sperrfristen für das Düngen. Desgleichen im Fürstentum Liechtenstein, wo die Sperrfrist für Lagen unter 800 m ü.M. vom 15. Dezember bis 15. Februar dauert, für Lagen über 800 m ü.M. vom 15. November bis 15. März, d.h. es ist auch im Fürstentum Liechtenstein verboten, an Weihnachten zu güllen. Die Schweiz hingegen setzt diesbezüglich auf Vielfalt der Regelungen und Eigenverantwortung der LandwirtInnen. Jeder Kanton (bzw. dessen Landwirtschaftsamt) kann selber entscheiden, ob er Sperrfristen will oder nicht.

Unmittelbar vor Weihnachten haben das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Bundesamt für Landwirtschaft die neue Vollzugshilfe Nährstoffe und Verwendung von Düngern in der Landwirtschaft herausgegeben, welche die Wegleitung für den Gewässerschutz in der Landwirtschaft von 1994 ersetzt. Heidi hat darin nachgeschlagen. Stickstoffhaltige Dünger (wie Gülle und Mist) dürfen gemäss Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung vom 18. Mai 2005 (ChemRRV) weiterhin nur zu Zeiten ausgebracht werden, in denen die Pflanzen den Stickstoff aufnehmen können. Explizit erwähnt ist das Ausbringverbot auf brachliegende Felder bis zwei Wochen vor der voraussichtlichen Ansaat bzw. dem Anpflanzen der Folgekultur, ein Verbot, das häufig übertreten wird, siehe Heidis Diaschau Nach der Maisernte Gülle für die Stoppeln! Zudem ist das Ausbringen von flüssigen Düngern auf wassergesättigten, gefrorenen, schneebedeckten oder ausgetrockneten Boden nach wie vor ein massiver Verstoss gegen die ChemRRV.

Was spricht für Sperrfristen?
Heidi liest in der neuen Vollzugshilfe, Seite 18: „… In den meisten Regionen der Schweiz kann somit davon ausgegangen werden, dass zumindest in den Monaten Dezember und Januar grundsätzlich Vegetationsruhe herrscht, d. h. dass die Pflanzen den Stickstoff nicht in genügendem Mass aufnehmen können. Da dies aber nicht überall der Fall ist, kann gesamtschweizerisch kein allgemeingültiger Zeitraum der Vegetationsruhe definiert werden…“ Wegen der wenigen Ausnahmen nimmt man die grosse Gefahr der Umweltverschmutzung durch Düngen im Winter in Kauf:

  • Gewässer- oder Grundwasserverschmutzung mit Stickstoff, Phoshor, Schwermetallen, Pflanzenschutzmittel-Rückständen, Tierarzneimitteln und Krankheitserregern durch Abschwemmung oder Versickern
  • Lachgas-Emissionen aus wassergesättigten Böden, gedüngten Ackerflächen oder bei einem Kälteeinbruch nach dem Düngen. Lachgas ist ein Treibhausgas dessen Treibhauswirksamkeit 298-mal so gross ist wie die von CO2; es trägt somit zur Klimaerwärmung bei. Zudem ist Lachgas an der Zerstörung der Ozonschicht beteiligt.

Was spricht gegen Sperrfristen?
Der Druck der Bauernschaft, der stärker ist als Worte der Vernunft. Der Schweizerische Bauernverband hat es im Rahmen der Agrarpolitik 2014-17 klar gesagt: Wir wollen produzieren, die Ökologie interessiert uns nicht. Wie stellt sich der SBV landwirtschaftliche Produktion OHNE Ökologie vor? Die Schweizer Behörden werden sich also weiterhin auf Kosten der SteuerzahlerInnen um Winter-Gülle-Fälle und Winter-Mist-Fälle kümmern müssen, wobei beim geringsten Zweifel für den Angeklagten entschieden wird. Wegen der mangelnden Verankerung des Gewässerschutzes in der Direktzahlungsverordnung sind die finanziellen Konsequenzen eines Vergehens klein im Verhältnis zum Geldsegen aus Bern. Klarheit fehlt allgemein beim Festlegen von Landwirtschaftsregeln. Die Vorschriften sind meist vage, Ausnahmen gibt es viele, so dass man sich nach dem Lesen verwirrt fragt: „Ist das jetzt verboten oder erlaubt?“

Können die Bauern die Umweltgefahr im Winter richtig einschätzen?
Das folgende Beispiel lässt grosse Zweifel aufkommen.  „Die Spitze des Zürcher Bauernverbandes staunte an einem Anlass Mitte Januar nicht schlecht: Rund um den Strickhof in Winterthur, dem kantonalen Ausbildungszentrum für Landwirte, lag grosszügig Mist auf den Feldern – es wurde heftig diskutiert, und sogar die Polizei überprüfte den Frevel…“ Politohr, Sonntagszeitung vom 12. Februar 2012. Selbst „Vorbilder“ irren sich bisweilen gewaltig. Weitere Beiträge zum Thema auf Heidis Mist:

Im Januar hat der Weinbauer Zeit

Sorglos güllen im Sommer und Winter

Das Grönland-Eis schmilzt immer schneller; 97 Prozent der Eisdecke sind von der Schmelze betroffen.

Das Grönland-Eis schmilzt immer schneller; 97 Prozent der Eisdecke sind von der Schmelze betroffen.

Am 28.12.12 eingetroffen: Neueste Zahlen zur Schmelze der Grönland-Eis-Decke von James Hansen, dem Klimaforscher der ersten Stunde. Weil das Eis immer rascher schmilzt, stellt sich die Frage: Ist die Abnahme exponentiell? Ausführliche Informationen auf Jims Homepage, Dec. 26, 2012, Update of Greenland Ice Sheet Mass Loss

31.12.12 HOME


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