Posts Tagged ‘Politik’

Hohe Krankheitslast und Kosten durch PFAS

29. Juli 2022

Am 21.3.22 schrieb der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) im Rahmen des Weltwassertags 2022: „Grundwasser – ein unsichtbarer Schatz … Zunehmend Sorge bereiten die so genannten Per- und Polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS). Diese PFAS sind in Outdoor- und Arbeitskleidung, Papier und Pizzakartons, Teppichen, Schmiermitteln, sowie Baustoffe und Löschschäumen enthalten. PFAS sind kaum abbaubar und manche gefährden die Gesundheit.“

Interpellation im Kanton Solothurn

Bereits am 8.3.22 hatte Marlene Fischer im Kanton Solothurn eine Interpellation zu den Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen eingereicht: „… Das Auftreten von PFAS im Grundwasser der Schweiz wurde im Rahmen einer Pilotstudie der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA (2007-2008) analysiert. An 21 der 49 beprobten Messstellen wurden PFAS nachgewiesen. Die betroffenen Grundwassermessstellen lagen oft in der Nähe von Flüssen – denn PFAS können durch die üblichen Abwasserreinigungsverfahren nicht abgebaut werden, gelangen via Kläranlage in Flüsse und schliesslich ins Grundwasser. Jedoch gibt es Möglichkeiten, PFAS durch Aktivkohlefilterung grösstenteils aus dem Abwasser zu entfernen.“

Aus der Stellungnahme des Regierungsrates: „… Das Beispiel der hier genannten PFAS unterstreicht die grundsätzliche Bedeutung langlebiger Mikroverunreinigungen für die Sicherung der Wasserversorgung. Die Chemisierung unserer Umwelt gepaart mit der grossen Vielzahl verschiedener Substanzen, die in unsere Umwelt und speziell den Wasserkreislauf gelangen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Einzelsubstanzen oder deren Kombinationen neu beurteilt werden und Risiken für die menschliche Gesundheit plötzlich nicht mehr auszuschliessen sind …“

Interpellation im Nationalrat

Auch im Nationalrat waren die PFAS kürzlich ein Thema: 21.3873 Interpellation von Ursula Schneider Schüttel vom 17.6.21: Welche in der Schweiz zugelassenen Wirkstoffe und Abbauprodukte gelten als „forever-chemicals“? „… Die Umweltorganisation „ohneGift“ hat an mehreren Standorten in der Schweiz die Konzentration von Trifluoracetat (TFA) im Seewasser und im daraus gewonnenen Trinkwasser gemessen. Wie gefährlich das „forever-chemical“ ist – es baut sich weder in der Umwelt, noch in Lebewesen ab -, ob es krebserregend ist oder wie es mit anderen chemischen Rückständen reagiert (Cocktail-Effekt), ist weitgehend unklar …“

In seiner Antwort schreibt der Bundesrat u.a. „Der Begriff „forever chemicals“ wird umgangssprachlich für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) verwendet, zu welchen auch das Trifluoracetat (TFA) zählt … Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) stuft TFA als einen sogenannten toxikologisch nicht-relevanten Metaboliten (Abbauprodukt) von Pflanzenschutzmitteln (PSM) ein … Aufgrund der Ergebnisse der Risikobeurteilung bei der Zulassung von PSM erwartet das BLW keine Konzentrationen von TFA über 10 Mikrogramm pro Liter im Grund- oder Trinkwasser. Das Auftreten von TFA als Abbauprodukt schliesst also eine Zulassung nicht generell aus …“

Studie zur Krankheitslast und den Kosten von PFAS

Ein Forscherteam des Department of Pediatrics, NYU Grossman School of Medicine, New York, USA hat die Krankheitslast und der Kosten der Exposition gegenüber Per- und Polyfluoralkylsubstanzen in den Vereinigten Staaten untersucht und kommt zu folgendem Ergebnis:

„In der vorliegenden Studie werden die jährliche Krankheitslast und die damit verbundenen sozialen Kosten der gegenwärtigen jährlichen Exposition gegenüber langkettigen PFAS mit mindestens 5,52 Milliarden Dollar beziffert, wobei unsere Sensitivitätsanalysen sogar bis zu 62,6 Milliarden Dollar ergeben. Regulierungsmassnahmen zur Begrenzung der laufenden Verwendung von PFAS und zur Sanierung kontaminierter Wasservorräte können erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen.“

Im Weiteren schreiben Vladislav Obsekov et al.: „Immer mehr Beweise bestätigen den Beitrag von Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) zur Krankheitslast und Behinderung über die gesamte Lebensspanne. Angesichts der Tatsache, dass politische Entscheidungsträger die hohen Kosten für die Sanierung und den Ersatz von PFAS durch sicherere Alternativen in Verbraucherprodukten als Hindernisse für die Bewältigung nachteiliger gesundheitlicher Folgen im Zusammenhang mit PFAS-Belastungen anführen, ist es wichtig, die Kosten der Untätigkeit zu dokumentieren, selbst wenn Unsicherheiten bestehen. Daher haben wir die Krankheitslast und die damit verbundenen wirtschaftlichen Kosten aufgrund von PFAS-Altlasten in den USA im Jahr 2018 quantifiziert.

Wir nutzten systematische Übersichten und verwendeten, wann immer möglich, meta-analytische Inputs, identifizierten zuvor veröffentlichte Expositions-Wirkungs-Beziehungen und berechneten die PFOA- und PFOS-bedingten Zunahmen bei 13 Erkrankungen. Diese Zuwächse wurden dann auf Zensusdaten angewandt, um die gesamten jährlichen PFOA- und PFOS-zuordenbaren Krankheitsfälle zu bestimmen, aus denen wir die wirtschaftlichen Kosten aufgrund von medizinischer Versorgung und Produktivitätsverlusten unter Verwendung zuvor veröffentlichter Daten zu den Krankheitskosten berechneten.

Obwohl weitere Arbeiten erforderlich sind, um die Wahrscheinlichkeit eines ursächlichen Zusammenhangs zu bewerten und die Auswirkungen der breiteren Kategorie von PFAS mit grösserer Sicherheit festzustellen, bestätigen die Ergebnisse erneut, dass Massnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens und der Politik nach wie vor erforderlich sind, um die Exposition gegenüber PFOA und PFOS und ihre endokrinschädigenden Auswirkungen zu verringern.

Diese Studie zeigt die grossen potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen der Untätigkeit der Behörden.“

Obsekov, V., Kahn, L.G. & Trasande, L. Leveraging Systematic Reviews to Explore Disease Burden and Costs of Per- and Polyfluoroalkyl Substance Exposures in the United States. Expo Health (2022).

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Kollektive Blindheit: Eigentlich ist alles schon längst geschrieben!

25. Juni 2022
Penguin Random House

Penguin Random House

Es ist nicht so, dass Heidi den Spiegel abonniert hat oder regelmässig dessen Rubrik „Wirtschaft“ liest, aber sie hat für den gestrigen Artikel Folgendes gesucht „UN-Generalsekretär Antonio Guterres kollektive Blindheit“ und ist auf einen äusserst lesenswerten Artikel in Spiegel Wirtschaft vom 5.6.22 gestossen:  DWS-Skandal und Nachhaltigkeitsziele – Wie wir den Kollaps herbeiwirtschaften. Eine Kolumne von Christian Stöcker. Lesen Sie den ganzen Artikel! Hier nur zwei Zitate:

  • Uno-Generalsekretär Guterres hat einmal einen Satz gesagt, der heute wie ein Kommentar zu alledem klingt: »Klimaaktivisten werden manchmal als gefährliche Radikale dargestellt, aber die eigentlichen gefährlichen Radikalen sind die Länder, die die Produktion fossiler Brennstoffe steigern.«
  • Kurz: Die Zeit drängt unheimlich, und an vielen Fronten gleichzeitig. Aktivistinnen und Aktivisten, die zur Eile antreiben, haben recht. Politik und Wirtschaft aber trödeln, verzögern und zerstören weiterhin. Sie machen sich schuldig, an der jungen Generation und an allen nachfolgenden Generationen. So ist die Faktenlage. Die Leute, die heute abwiegeln, werden überrascht tun, wenn es dann knallt.

Sicher ebenfalls lesenswert ist das Buch von Christian Stöcker Das Experiment sind wir.

Buchbeschrieb:

„Unsere Welt verändert sich so atemberaubend schnell, dass wir von Krise zu Krise taumeln. Wir müssen lernen, diese enorme Beschleunigung zu lenken.

Drei der entscheidenden Entwicklungen, die unsere Zukunft im 21. Jahrhundert bestimmen werden – die der Weltbevölkerung, die des Klimawandels und die von digitaler Hardware – haben etwas gemeinsam. Sie sind Phänomene des exponentiellen Wachstums und der sogenannten Grossen Beschleunigung. Die schlechte Nachricht: Schon immer haben wir Menschen uns schwer damit getan, solche Entwicklungen zu Ende zu denken. Die gute: Wir sind eine lernfähige Spezies…

Wird es uns gelingen, die mächtigen technologischen Entwicklungen so einzusetzen, dass sie uns und die Erde retten? Schaffen wir es, uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen? Was wir brauchen, sind neue Instrumente im Werkzeugkasten unseres Denkens – einen neuen Pakt zwischen Bildung und Fortschritt. Christian Stöckers Buch ist eine panikfreie und präzise Analyse des grossen Experiments Menschheit und ein Aufruf, jetzt neues Wissen zu erschliessen und die Grosse Beschleunigung zu lenken.“

Wer nimmt sich die Zeit, dieses Buch zu lesen? Das gehört eigentlich zur Lebensqualität: In einem Sessel sitzen und ein Buch lesen. Aber die Zeit vieler zerfliesst wie das Eis unserer Gletscher mit dem Blick ins Handy.

DWS-Skandal und Nachhaltigkeitsziele – Wie wir den Kollaps herbeiwirtschaften. Eine Kolumne von Christian Stöcker. Spiegel Wirtschaft 5.6.22

25.6.22 HOME

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Derzeitige Klimapolitik führt zu „katastrophalem“ Klimazusammenbruch

19. Juni 2022
Severn Cullis-Suzuki am Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992. Copyright: BBC/Peter Caires.

Severn Cullis-Suzuki am Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992. Copyright: BBC/Peter Caires.

Ehemalige UN-Spitzenbeamte (Michael Zammit Cutajar, Yvo de Boer and Christiana Figueres) warnen, dass die derzeitige Politik zu einem „katastrophalen“ Klimazusammenbruch führen wird, da die Regierungen es versäumt haben, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen (The Guardian 2.6.22).

Heute verlinkte BBC unter „Must see“ das Video The 12-year-old who tried to save the world. Im Jahr 1992, als sie gerade 12 Jahre alt war, warnte die Kanadierin Severn Cullis-Suzuki die Welt am Erdgipfel in Rio vor der Umweltkrise. In diesem Video von 2020 erzählt sie als Erwachsene ihre Geschichte mit Ausschnitten aus ihrer Rede von 1992.

Heidi hat über Suzukis Rio-Rede und das spätere Video am 20.1.20 anlässlich des 50. World Economic Forum (WEF) ausführlich berichtet und damals für Ihre LeserInnen den Text aufgeschrieben. Sie können ihn im folgenden Betrag lesen: Blick zurück nach Rio de Janeiro 1992. Ihre Kernaussage ist heute genauso treffend wie damals:

„I challenge you, please, make your actions reflect your words (Ich fordere Sie auf, Ihren Worten Taten folgen zu lassen).“

Wikipedia über Severn Cullis-Suzuki: Bekannt wurde sie mit zwölf Jahren als „das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte“ mit einer sechsminütigen Rede zur ersten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. In ihren Vorträgen, Büchern und Kampagnen thematisiert sie die Endlichkeit der Ressourcen auf der Erde und die ungehemmte Ausbeutung des Planeten zu Lasten jetziger und zukünftiger Generationen. Sie betont die Bedeutung kultureller Werte und Erfahrungen für die Erarbeitung konkreter Lösungen. Sie fordert den Dialog über gesellschaftliche Grundwerte und politische Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung.

Beide Videos sind „Must see“!

Current policies will bring ‘catastrophic’ climate breakdown, warn former UN leaders. The Guardian 2.6.22

Severn Suzuki – Das Mädchen, das die Welt zum Schweigen brachte (UN Weltklimagipfel Rio 1992). Video 7 Minuten auf youtube

The 12-year-old who tried to save the world. Animated by Peter Caires, 9 January 2020. Geschichte mit Ausschnitten aus der Rede von Rio 1992. BBC 5 Minuten

Blick zurück nach Rio de Janeiro 1992. Heidis Mist 20.1.20

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UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung: Die Schweiz im Schneckentempo

2. Juni 2022
UNO Agenda 2030, 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

UNO Agenda 2030, 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Halbzeit bei der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

2015 haben die UNO-Mitgliedsstaaten die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Wie sieht der Stand der Umsetzung in der Schweiz bei Halbzeit aus? Ist eine Pause angesagt oder braucht es mehr Tempo in der verbleibenden Zeit? In einer kleinen Interviewserie gehen Fachleute des Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern diesen Fragen nach und beleuchten einige der Diskussionspunkte aus wissenschaftlicher Sicht.

Der Bundesrat hat Anfang Mai 2022 seinen zweiten Länderbericht zur Umsetzung der UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung publiziert. Das erste Interview führt Gaby Allheilig mit Christoph Bader, CDE-Wissenschaftler und Ökonom. Er hat den Bericht wissenschaftlich begleitet und sagt: «Er spricht zwar vieles an, zieht aber nicht den logischen Schluss, dass wir radikal etwas ändern müssen.»

Heidi hat Teile des Interviews herausgepickt, welche die Landwirtschaft betreffen:

Christoph Bader: „Man sagt nur, ob der Trend stimmt oder nicht, zeigt aber nicht auf, ob die Verbesserungen auch rasch genug bzw. in ausreichendem Mass stattfinden, damit wir die Ziele innert gebotener Frist erreichen. Wenn wir das Klimaziel des Bundes von netto Null Treibhausgasemissionen bis 2050 erreichen wollen, so muss der Trend sich auf dieses Ziel beziehen. Der Bericht aber verbucht die knapp 6 Prozent Treibhausgas-Reduktion in der Landwirtschaft, die wir in den letzten 20 Jahren erreicht haben, als positiv. Dabei ist völlig klar: Wenn wir in diesem Tempo weiterfahren, sind wir bis 2050 nirgends.“

Gaby Allheilig: „Können Sie diese Reportingpraxis noch an einem anderen Umweltziel festmachen?“

Christoph Bader: „Der Bundesrat hat sich zum Beispiel seit den 1990er Jahren wiederholt verschiedene Ziele zur Reduktion der Stickstoffemissionen gesetzt. Im Jahr 2000 belief sich die Stickstoffbilanz der Schweizer Landwirtschaft auf 100’000 Tonnen. Heute stehen wir bei rund 90’000 Tonnen. Wir sind also auch hier noch nirgends. Doch der Länderbericht ordnet das als «richtig unterwegs» ein. Das ist einfach ungenügend.“

Der aktuelle Länderbericht ist lediglich ein Bericht. Christoph Bader: „Die heissen Eisen hätte man letztes Jahr in der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 anpacken müssen. Darin zeigt der Bund auf, welche Schwerpunkte er für die Umsetzung der Agenda 2030 setzen will. Heisse Eisen wurden da aber keine angefasst, obwohl sie von vielen – auch von uns – in der Vernehmlassung angesprochen worden waren. Dass praktisch nichts von all den Vorschlägen in die Strategie einfloss, ist nicht dem Länderbericht anzulasten.“

Lesen Sie das ganze Interview hier: «Wenn wir in diesem Tempo weiterfahren, sind wir bis 2050 nirgends». Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern 31.5.22

Der Online-Länderbericht der Schweiz 2022

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Do you know all 17 SDGs? United Nations, Department of Economic and Social Affairs Sustainable Development

2.6.22 HOME

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Wir brauchen dringend strengere Klimaziele!

18. September 2021
Denker

Denker

George Monbiot, veröffentlicht in the Guardian 9.9.21

Am Scheitelpunkt

Die Erdsysteme könnten noch vor 2050 kippen. Wir brauchen dringend strengere Klimaziele

„… Selbst wenn man alle versprochenen technischen Lösungen und Kompensationsmassnahmen mit einbezieht, sind wir mit der derzeitigen Politik auf eine unheilvolle Erderwärmung von 2,9°C festgelegt. Das Risiko eines unumkehrbaren Wandels durch ein derart gemächliches Tempo, das Vertrauen auf nicht vorhandene Technologien und Kapazitäten ist eine Formel für eine Katastrophe.

Wenn die Erdsysteme kritische Schwellenwerte überschreiten, wird alles, was wir getan haben und alles, was wir waren, das Lernen, die Weisheit, die Geschichten, die Kunst, die Politik, die Liebe, der Hass, die Wut und die Hoffnung, auf die Stratigraphie reduziert werden. Wir brauchen keinen sanften und linearen Übergang. Es ist ein Intensivkurs.“

On The Cusp. George Monbiot

17.9.21 HOME

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Flora und Fauna: „Uns geht es schlecht!“

16. April 2021
Copyright: Sandra Walser

Copyright: Sandra Walser

Liebe Heidi

Ich weiss, die Bauern haben es nicht gerne, wenn du darüber berichtest, sie bezeichnen es gar als „Bauernbashing“, aber es ist einfach wahr, dass viele von ihnen mit ihrem heute üblichen Wirtschaften uns schaden. Verwandte von mir haben sie getötet, Arten sind ausgestorben, weitere Arten sind vom Aussterben bedroht. Schon viel haben die Medien darüber berichtet, jetzt ist erneut eine wissenschaftliche Untersuchung herausgekommen. Bitte, Heidi, berichte darüber, denn uns geht es wirklich schlecht!

Vielen Dank und freundliche Grüsse

Deine Freunde, Flora und Fauna

Medienmitteilung der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) vom 15.4.21

Heutiger Einsatz von Pestiziden belastet die Umwelt in der Schweiz

Pestizide sind in der Schweiz allgegenwärtig, belasten die Umwelt und gefährden die Biodiversität. Gesetzlich verankerte Anforderungen an die Gewässerqualität werden oft und teilweise beinahe anhaltend überschritten, wie ein neues Faktenblatt des Forums Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz zeigt. Die Forschenden haben spezifisch die Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen in der Schweiz analysiert und mögliche Handlungsansätze für Politik und Gesellschaft formuliert.

Copyright: Monika Rohner

Copyright: Monika Rohner

Der Pestizideinsatz, wie er aktuell in der Schweiz erfolgt, führt zu beträchtlichen, gut dokumentierten Belastungen der Umwelt. So sind Pestizide eine der wesentlichen Ursachen für den Rückgang der Vielfalt und Häufigkeit von Ackerwildpflanzen und Insekten. In der Folge sind auch Vögel betroffen. So schrumpfte in der Schweiz z.B. der Bestand von insektenfressenden Vogelarten des Kulturlandes in nur 30 Jahren um 60% – wobei Pestizide eine von diversen Ursachen sind. Pestizide können Organismen direkt vergiften, auch solche, die nicht bekämpft werden sollen. Stark betroffen sind dadurch beispielsweise viele in Gewässern lebende Organismen. Oft sind die schädlichen Wirkungen aber auch indirekt, weil etwa das Nahrungsangebot kleiner oder Lebensräume beeinträchtigt werden.

Insgesamt stellt der Einsatz von Pestiziden eine Gefahr für die Biodiversität dar, wobei die unerwünschten Effekte laut den Autorinnen und Autoren heute wohl eher noch unterschätzt werden. Dadurch entstehen gemäss Schätzungen in verschiedenen Bereichen externe Kosten in der Grössenordnung von mehreren Hundert Millionen CHF pro Jahr.

Pestizideinsatz in Landwirtschafts- und Siedlungsgebieten

Pestizide werden hauptsächlich in der Landwirtschaft, aber auch im Siedlungsraum eingesetzt. Als Pflanzenschutzmittel dienen sie dazu Ertrags- oder Qualitätseinbussen zu vermindern. Pestizide sind in der Schweiz omnipräsent. In Gewässern werden die gesetzlichen Anforderungen und weitere definierte Umweltqualitätskriterien oft und in gewissen kleinen Fliessgewässern beinahe anhaltend überschritten. Dies nicht nur von einzelnen Wirkstoffen, sondern oft von verschiedenen gleichzeitig oder in Folge, was die Effekte auf Organismen verstärkt. In beinahe allen Böden in Ackerbaugebieten, auch in Biodiversitätsförderflächen, sind Pestizide vorhanden. Für Böden fehlen aber gesetzlich festgelegte Höchstwerte.

Der Einsatz von Pestiziden wird in der Schweiz breit diskutiert, wie politische Vorhaben des Bundesrates, des Parlamentes und von Initiativkomitees zeigen. Sollen die rechtlichen Anforderungen eingehalten und die Beeinträchtigung der Umwelt und der Biodiversität reduziert werden, sei es unerlässlich, den Pestizideinsatz und die Emissionen zu reduzieren, sagen die Forschenden und zeigen mögliche Handlungsansätzen auf.

Das Faktenblatt «Pestizide: Auswirkungen auf Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen» nimmt spezifisch die Auswirkungen von Pestiziden auf Umwelt, Biodiversität und Ökosystemleistungen in den Blick. Nicht thematisiert werden etwa die Bedeutung von Pestiziden in der landwirtschaftlichen Produktion oder die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.

Heidis Wort zum Sonntag: Politik!

13. Dezember 2020

12.12.20 HOME

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AktivistInnen gegen Plastikmüll an den Traumküsten von Cornwall

11. Februar 2018

Rachel Yates setzt weniger auf Politiker, sondern auf die nächste Generation. Sie informiert in Schulen. Zum Beispiel in dieser Schule wurden acht Umweltbotschafterinnen ausgewählt (im Bild eine davon). Sie werden den anderen klar machen wie solglos sie sind und dass sie die Welt damit töten. Quelle: Video ARD 1.

Rachel Yates setzt weniger auf Politiker, sondern auf die nächste Generation. Sie informiert in Schulen. Zum Beispiel in dieser Schule wurden acht Umweltbotschafterinnen ausgewählt (im Bild eine davon). Sie werden den anderen klar machen wie solglos sie sind und dass sie die Welt damit töten. Quelle: Video ARD 1.

Rachel Yates macht es wütend, weil all der Müll an der Küste von Cornwall auch ein Symptom dafür ist, wie die Gesellschaft in den letzten Jahren aus dem Ruder gelaufen ist: „In der Art wie achtlos wir miteinander umgehen, wie wir konsumieren, wie wir unser Leben führen.“ Sie ist allein in den Kampf gezogen. Allein gegen den Plastikmüll. Allein gegen … Doch inzwischen machen viele mit: Die Surfer, Shops, die Verwaltung … Nun ist Penzance die erste Ortschaft Grossbritanniens, die den Status „Plastik-frei“ innehat, was zwar nicht wörtlich zu nehmen ist, aber v.a. der Wegwerfmentalität wird Grenzen gesetzt.

Wenn die Behörden nichts gegen Missstände unternehmen, dann müssen „AktivistInnen“ einspringen und die Bevölkerung mobilisieren. Plastik gefährdet die Wasser- und Bodenlebewesen, die Oberfläche „sammelt“ Giftstoffe wie Pestizide und Bakterien, auch Krankheitserreger. Plastik ist nicht nur ein ästhetisches Problem.

Cornwall kämpft gegen Plastikmüll, ARD 1, 8.2.18

Penzance wins first plastic-free status award to help clean up beaches. The Guardian, 5.12.17

Die 6 R’s: refuse, reduce, reuse, recycle, rot, remove, Michèle von stadt-land-gnuss.ch, 5.2.18

11.2.18 HOME

Lektüre für Ignazio Cassis: Urge, Splurge, Purge

21. September 2017

Weltwirtschaftsforum: <a href="http://www3.weforum.org/docs/GRR17_Report_web.pdf" target="_blank" rel="noopener">The Global Risks Report 2017</a>, Seite 4, die fünf TOP Risiken der letzten 10 Jahre. Oben: bezüglich Wahrscheinlichkeit, unten: Auswirkungen. Farben bezeichnen folgende Risiken: Grün = Umwelt, rot = Gesellschaft, orange = geopolitische, violett = technische, blau = wirtschaftliche Risiken.

Weltwirtschaftsforum: The Global Risks Report 2017, Seite 4, die fünf TOP Risiken der letzten 10 Jahre. Oben: bezüglich Wahrscheinlichkeit, unten: Auswirkungen. Farben bezeichnen folgende Risiken: Grün = Umwelt, rot = Gesellschaft, orange = geopolitische, violett = technische, blau = wirtschaftliche Risiken.

Ein neuer Bundesrat kann frischen Wind in die Amtsstuben bringen. Ignazio Cassis, am 20.9.17 von der Vereinigten Bundesversammlung als Bundesrat gewählt, hat Medizin studiert. Er bringt also mehr naturwissenschaftliche Kenntnisse mit als seine KollegInnen mit Ausbildungen in Rechts-, Wirtschaftswissenschaft, Elektrotechnik, Musik oder Landwirtschaft.

Als FDP-Bundesrat wird er für Wirtschaftswachstum einstehen, dies obwohl er wissen müsste, dass das Wachstum auf der Erde genauso endlich ist wie das Wachstum von Bakterien auf dem begrenzten Nährmedium in einer Petrischale im Labor.

WEF: The Global Risks Report 2017

Das Weltwirtschaftsforum veröffentlicht jeweils den Global Risks Report. Ein Blick auf Abbildung 2, Seite 4, des Report 2017 zeigt, dass Umweltrisiken in den letzten zehn Jahren stark zugenommen haben. Für 2017 werden unter den Risiken mit den grössten Auswirkungen genannt: extreme Wetterereignisse, grosse Naturkatastrophen, Scheitern von Massnahmen und Anpassung an die Klimaveränderung sowie Wasserkrisen. Es gibt also viel zu tun für den Bundesrat, der bisweilen fast vollzählig am Weltwirtschaftsforum in Davos anzutreffen ist.

Urge, Splurge, Purge

George Monbiot schrieb am 13.9.17 im Guardian: „Die Forderung nach ewigem Wirtschaftswachstum und der kollektive Wahnsinn, den es bewirkt, führt unaufhaltsam zum Umweltkollaps.“

Was schenken wir Bundesrat Cassis zur Wahl? Einen Selfie-Toaster (brennt sein Porträt auf das Toastbrot)? Oder einen Toilettenpapierhalter, der ihm eine Meldung schickt, wenn das Papier ausgeht? Nachfolgend ein paar Punkte aus dem Artikel von Monbiot mit dem Titel Urge, Splurge, Purge.

  • Ein System, das auf Wachstum basiert, kann nur überleben, wenn wir immer mehr die Fähigkeit verlieren, durchdachte Entscheidungen zu treffen.
  • Die Wachstumswirtschaft und die Wegwerfgesellschaft sind unzertrennlich. Die Umweltzerstörung ist kein Nebenprodukt dieses Systems, sie ist ein notwendiges Element.
  • Es braucht eine neue Ethik, Politik und Wirtschaft.
  • Zumindest der erste Schritt ist klar: Erkennen, dass das aktuelle System mangelhaft ist.

Heidi empfiehlt unserem neuen Bundesrat Ignazio Cassis und Ihnen, liebe LeserInnen, den vollständigen Artikel zu lesen:

Urge, Splurge, Purge, George Monbiot, Guardian 13.9.17.

21.9.17 HOME

Heidi zum 1. August: Der Koffer steht bereit

31. Juli 2014

Gemüse ist gesund. Das Ernten im eigenen Pflanzblätz macht Spass.

Gemüse ist gesund. Das Ernten im eigenen Pflanzblätz macht Spass.

Heidi stand vor einem zwei Meter hohen Gitterzaun. Ihre Aufmerksamkeit galt dem Schulgarten dahinter. Hier Kopfsalat, dort Minze und – unübersehbar – roter Mohn. Plötzlich ertönte eine Stimme: „Die bauen ja Drogen an! Kein Wunder, dass die Jugendlichen abends herum hängen mit Drogen und Alkohol. Und alles lassen sie liegen: Flaschen, Pizza-Verpackung …“ Heidi: „Das ist doch kein Schlafmohn! Das ist …“ Doch dann merkte sie, dass der Mann, welcher perfekt Hochdeutsch sprach, Bescheid wusste; der Mohn war nur ein Vorwand, der Anfang einer langen Diskussion.

Artischocken schmecken ausgezeichnet und fördern die Verdauung.

Artischocken schmecken ausgezeichnet und fördern die Verdauung.

Irgendwann lenkte Heidi das Thema auf die modernen Sklaven, die fern von Familie und Heimat Geld verdienen, etwa im Gemüse- und Obstbau. Da aber konterte der Mann in Trainerhose: „Ich finde das gut, denn ich habe in drei Saisons das Geld für mein Haus gespart, studiere jetzt gerade den Schulgarten, suche Ideen für meinen Garten.“ Schon lange arbeitet er im Schweizer Gastgewerbe, wechselt häufig die Adresse, nennt Top-Arbeitgeber in Top-Ferienorten. Ein besonders nettes Hotelbesitzer-Ehepaar wollte er später einmal besuchen, doch das von alten Bäumen umgebene Hotel war weg; drei Häuser mit Eigentumswohnungen standen dort, verlassen, mit geschlossenen Läden: „Schrecklich, diese toten Häuser …“, sagte der Mann.

Vielseitig nutzbarer Wirz oder Wirsing: frisch als knackiger Salat, gekocht als Beilage, gefüllt oder im Eintopf.

Vielseitig nutzbarer Wirz oder Wirsing: frisch als knackiger Salat, gekocht als Beilage, gefüllt oder im Eintopf.

Der Mann aus Kroatien weiss, dass er privilegiert ist, und sieht nicht nur die politische Misere in seinem Heimatland und die schönen Seiten der Schweiz, sondern auch die negativen Aspekte der Globalisierung und des Wachstums. Seine Freizeit nutzt er zum Lesen: vorwiegend englische Fachbücher über Gesellschaft und Politik. Ein Mann, zufällig getroffen vor einem Schulgarten. Sein Koffer steht immer bereit, alle seine „Schweizer“ Habseligkeiten haben darin Platz.

Fast in allen Diskussionspunkten waren sich Heidi und der Mann einig, nur in einem nicht:
Kinder allein zu Hause, Heidis Mist 17.2.13
SUISSE GARANTIE ohne Ausländer? Heidis Mist 17.7.11

Jeder eine Gärtnerin!
Ja, der Traum vom frischen Gemüse, den Früchten aus dem eigenen Garten! Schon ein kleiner Balkon bietet Platz für ein paar Töpfe mit Gewürzen oder Cherry-Tomaten. Noch mehr Platz gibt’s im Vorgarten, Hinterhof oder Schrebergarten oder auf einem Blätz Land beim Bauern.

Markt als Ergänzung
Als Alternative oder Ergänzung empfiehlt Heidi den Besuch von Märkten oder innovativen Bauern.

Bio Knoblauch aus dem Bernbiet
Nicht vergessen: Knoblauch frisch, getrocknet, in Essig, in Öl vom Farngut, Familie Katja und Markus Bucher, Grossaffoltern. Weitere Produkte: Blumenkohl, Pastinaken, Butternusskürbis, Karotten, Pantelleria Kapern, Borlottibohnen, Goldmelisse, Lavendel, Petersilie. Unter Süsskartoffeln heisst es „Wir sind am üben …“. Die Zusammenarbeit mit dem Bio-Betrieb von Christoph Hauert und Eva Ulm „ermöglicht uns ein effizientes Arbeiten, zeitgemässe Betriebsstrukturen, gegenseitige fachliche Unterstützung und vieles mehr …“
Hier geht’s zum Farngut
Was ist ein Biomat? Besuchen Sie Christoph Hauert und Eva Ulm.

Iss fein, iss frisch, iss nah, iss grün, iss mit
Frisches fastfood vom schnägg in Zürich. Im August 2014 eröffnet schnägg vier weitere Filialen in der Stadt Zürich: Stadelhofen, Enge, City und Giesshübel. Ab Herbst werden es noch mehr sein, und nicht nur in Zürich, verspricht dass schnägg-Team.
schnägg fastfood

Entwicklung der weltweiten Umweltauswirkungen der Schweiz
Grafik aus dieser neuen Publikation des Bundesamts für Umwelt (BAFU), Umweltbelastung von Konsum und Produktion von 1996 bis 2011

Was essen? Die Wahl ist aufgrund der Grafik und der mediterranen Ernährungspyramide einfach: viele Früchte, Gemüse, Getreide, Kartoffeln und Nüsse ... vielleicht ab und zu Fleisch aus tierfreundlicher Haltung. Grafik aus "Entwicklung der weltweiten Umweltauswirkungen der Schweiz", BAFU 2014

Was essen? Die Wahl ist aufgrund der Grafik und der mediterranen Ernährungspyramide einfach: viele Früchte, Gemüse, Getreide, Kartoffeln und Nüsse … vielleicht ab und zu Fleisch aus tierfreundlicher Haltung. Grafik aus „Entwicklung der weltweiten Umweltauswirkungen der Schweiz“, BAFU 2014

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