Posts Tagged ‘Poulet’

Grüsse aus dem Berner Oberland (2)

6. Mai 2018
Wo ist die gesetzlich vorgeschriebene Mistplatte mit Randabschluss?

Wo ist die gesetzlich vorgeschriebene Mistplatte mit Randabschluss?

Das rezeptfreie chemisch Nötige hat die Landi an Lager. Für Gröberes sorgt der Veterinär aus der mitgebrachten Apotheke, incl. eigentlich für Menschen bestimmte Reserven-Antibiotika, natürlich.

Das rezeptfreie chemisch Nötige hat die Landi an Lager. Für Gröberes sorgt der Veterinär aus der mitgebrachten Apotheke, incl. eigentlich für Menschen bestimmte Reserven-Antibiotika, natürlich.

Liebe Heidi,

Natur pur bei unseren Bauern, aber immer mit dem anscheinend unverzichtbaren Chemiechäschtli, mit oder ohne Bio, bei der lokalen Landi. Von Mitteln zur Vernichtung von ungeniessbarem Unkraut auf der Alp bis zu Desinfektionsmitteln für Euter usw.

Zusammen mit Mist und Gülle, Milchwirtschaftsfäkalien, in freier Natur, ein potenter Cocktail, dessen Rückstände sicher irgendwann, irgendwie im Frischwasser vom schönen Alpenbächli landen und das der vorsichtige Wanderer, trotz Unbedenklichkeits-Limiten, die ja nicht täglich angeschrieben werden, vielleicht nicht einfach so trinken sollte.

Soviel ich weiss, fehlen in unseren Feriendestinationen in den Alpen entsprechende, gut sichtbare Warnungen und Informationen. Ich will jetzt nicht den Teufel an die Wand malen: Aber man sollte doch daran denken, dass es zum Beispiel einem amerikanischen Anwalt übel werden könnte, nachdem er diese kontaminierte Alpenbrühe genossen hat, in den Schweizer Alpen, und dass dann die Prozesse folgen könnten. Nicht gerade VW Skandal aber Ähnliches in Miniformat ist durchaus denkbar und genügt, das Image nachhaltig zu lädieren via Sensationsmedien.

Ich verstehe auch, dass die Bauern, ob Bio oder klassisch, heutzutage nicht mehr ohne ‚Chemie‘ auskommen können, so wenig wie wir Menschen, vom desinfizierenden Merfen bis zur Chemotherapie (es sei denn man ist im Prinzip dagegen – ich nicht).

Nur sollte man ehrlich sein, den Konsumenten ‚reinen‘ Wein einschenken, nicht verklärtes ‚Heidi‘-Land (!) verkaufen. Dazu gehören laufende, unabhängige Prozesskontrollen, Analysen, regelmässig publizierte Resultate, auch Warnungen, wo Vorsicht geboten, dafür weniger massenhaft ‚Zertifizierungen‘, missverstandene Labels, mit vielleicht ein oder zwei Stichproben pro Jahr, die ein Natur-Paradies vorgaukeln.

Schönes Wochenende wünscht

Berner Oberländer Feriengast

Saublumen'pracht' im schönen Pays d'Enhaut und Oberland.

Saublumen’pracht‘ im schönen Pays d’Enhaut und Oberland.

Lieber Feriengast

Danke für diese Bilder und die Warnung zur Vorsicht. Dein Brief zeigt mir einmal mehr, dass es allenthalben an Vollzug mangelt.

Und auf Alpen werden etwa Herbizide auf entwässerte Flachmoore gespritzt, auch ganzflächig mit (oder ohne?) Bewilligung; ich habe solche Flächen selber gesehen. Das widerspricht der Sorgfaltspflicht gemäss Art. 3 des Gewässerschutzgesetzes. Ein Wunder, wenn da nicht Chemieabwasser in einem munteren Bächlein landet. Und die Direktzahlungen fliessen trotzdem.

Mit der prophylaktischen Antibiotika-Verabreichung und den Reserve-Antibiotika sollte endlich Schluss sein. Aber wie willst du die „Lebewesen“ z.B. in den grossen Hühnermastställen gesund halten? Bei Kurzmast von 31 Tagen sind das 30 „Tiere“ pro m², siehe Tierschutz-Kontrollhandbuch Mastgeflügel des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Alternative: Die Landschaft mit vielen kleinen Ställen überbauen? Wohl kaum. Also weniger Pouletfleisch, Eier usw. konsumieren!

Warntafeln schützen die Wildtiere nicht vor allfälligem Konsum von verschmutztem Wasser. Leider werden Probleme meist nur sektoriell angegangen – wenn überhaupt – also werden sie in der Regel nicht gelöst, nur verschoben. Oder hat jemand schon gemerkt, dass die herzigen Mutterkuh-(sprich Fleischkuh-)Herden zum Bruderkalb-Problem führen, analog dem Bruderhähnchen-Problem in der Eierproduktion? Die männlichen Tiere sind dort überflüssig. Ein solcher Trend ist auch bei den Kälbern der Hochleistungsmilchkühe sichtbar. In Deutschland macht man sich deswegen Sorgen … in Australien wurde 2013 mit versteckter Kamera gefilmt: Hidden camera dairy calf investigation, Video 2:59.

Herzliche Grüsse

Heidi

Fragen und Antworten zum Kalbfleischmarkt, Schweizer Kälbermäster-Verband (SKMV)

Tötung von Jungtieren: Warum männliche Kälber in SH nur ein Abfallprodukt sind,  shz vom 9.5.16

6.5.18 HOME

WordPress präsentiert den Jahresbericht für Heidis Mist

30. Dezember 2015

Bildschirmfoto 2015-12-30 um 07.50.07

Ende Jahr erstellt WordPress für den Blog immer einen Jahresbericht. Heidi hat ein paar Daten herauskopiert.

Attraktionen in 2015

Dies sind die am meisten besuchten Beiträge; einige sind schon „alt“, aber immer noch gefragt. WordPress kommentiert: „Deine Beiträge hinterlassen bleibende Eindrücke!“

  1. Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen!
  2. Reldan 22 in der Schweiz erlaubt, in Deutschland (noch) verboten,
  3. Güllen wenn’s regnet
  4. Kloster Disentis setzt Zeichen für die Berglandwirtschaft,
  5. Der Acker rückt näher an den Bach,

Die meisten Besucher kamen aus: Schweiz, Deutschland und Vereinigte Staaten.

Erfreuliche Zahlen

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2’700 Personen. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 29’000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 11 ausverkaufte Aufführungen benötigen, um so viele Besucher aufzunehmen, wie dieses Blog (ohne Abos).

Es wurden 269 Bilder hochgeladen, das entspricht 5 Bildern pro Woche.

Mit 206 Besuchern war der 25. Februar der geschäftigste Tag des Jahres. Misthaufen im Feld 2014 war der beliebteste Beitrag an diesem Tag.

Heidi dankt WordPress für den guten Service und die Unterstützung Jahr für Jahr.

In letzter Zeit erhält Heidi übrigens häufig Anfragen wie „Gesetz betr. Ausbringen von Gülle oder Lagern von Mist im Wald“. Um es wieder einmal klar zu sagen: „Das Düngen und Ausbringen von Pflanzenchutzmitteln im Wald und auf dem 3 m breiten Pufferstreifen am Wald ist verboten!“

30.12.15 HOME

Truthahn und Poulet: Es weihnachtet sehr!

1. Dezember 2015

Heidis Aufruf, nur Schweizer Poulet und Truthahn zu kaufen, wird immer wieder gelesen, besonders vor Weihnachten. Dies zeigt die Statistik per 1.12.15 für den Beitrag Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen! vom 6.12.11. Der Artikel ist heute mit total 4’044 Direktaufrufen immer noch mit grossem Abstand der am meisten gelesene. An Aktualität hat er nichts eingebüsst, siehe Trutenfleisch aus Qual-Mast: Coop erneut in der Kritik, SRF Kassensturz vom 24.6.14.

Das Tierwohl ist ein wichtiges Anliegen der Bevölkerung und sollte deshalb auch vermehrt Eingang in die intensive Schweizer Schweine- und Rindviehmast finden.

1.12.15 HOME

Weihnachten: Poulet, Truthahn oder Polenta?

17. Dezember 2014
Polenta: Eine Wiederentdeckung... eine Geschenkidee und viele Rezepte für ein schmackhaftes Weihnachtsessen!

Polenta: Eine Wiederentdeckung… eine Geschenkidee und viele Rezepte für ein schmackhaftes Weihnachtsessen!

Wer interessiert sich im Moment schon für Gülle, Mist oder gar den komplizierten Gewässerraum? Weihnachtsessen und Geschenke haben Priorität. Die Nachfrage nach Truthahn- und Pouletfleisch steigt jedes Jahr ab Anfang Oktober. Das merkt Heidi an der Statistik für ihren Artikel Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen! Die Seitenanfragen pro Tag steigen kontinuierlich. Kürzlich hat Heidi folgende Mail von einem Kunden des Gutshof Oeschberg erhalten:

Hallo Heidi

Habe leider erst jetzt Ihre Webseite entdeckt… Falls das Thema Trutenfleisch noch aktuell ist… Echt top Trutenfleisch bekommt man in 3425 Koppigen (BE) bei Hans und Priska Aregger, Gutshof Oeschberg, Bern-Zürich-Strasse 6, 3425 Koppigen, Tel. 034 413 45 67 …mail:  aregger@hapri.ch

Die züchten die Tiere selber, achten darauf dass es den Tieren gut geht. Geschlachtet werden sie im Ort von einem professionellen Metzger… und man kann fast ganzjährig kaufen. Zeitweise auch frisch geschlachtetes.

Siehe hier… www.fleisch-vom-buurehof.ch

Weitere Hinweise auf Bezugsquellen finden Sie im Artikel Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen! Die Migros will bis 2020 erreichen, dass auch ihre importierten Produkte unter Einhaltung des Schweizerischen Tierschutzstandards hergestellt werden, denn Tierwohl stoppe nicht an der Grenze, heisst es zu Recht. Wie gross wird die Konkurrenz für einheimisches Geflügel sein?

Doch muss es unbedingt Fleisch sein?

Natürlich nicht! Denn ein fleischloses Mal kann genauso festlich sein und passt erst noch gut zu Weihnachten, dem Fest der Liebe. Heidi macht daher ein bisschen Werbung für ein neues Buch von Erica Bänziger, das im FONA-Verlag erschienen ist: Polenta – Eine Wiederentdeckung. Es eignet sich auch ausgezeichnet als Geschenk. Hier der Werbespot des Verlags …

Polenta überrascht durch ihre vielfältigen Möglichkeiten

Wer sagt denn, dass die Polenta immer goldgelb sein muss? Erica Bänziger richtet mit phantasievoller Kelle das Traditionsgericht neu an.

Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an den Mais, der lange Zeit im Schatten der «edleren» Getreidesorten stand. Das Interesse am glutenfreien Korn nimmt seit Jahren wieder zu. Die köstlichen regionalen Spezialitäten mit rotem, weissem, violettem und sogar schwarzem Mais, dem Ribel- und dem wiederentdeckten Linthmais erobern sich ihren Platz in der Küche. Das von Slow Food geförderte Farina bonà, ein geröstetes Maismehl aus dem Tessin, setzt neue kulinarische Akzente.

… und ein paar Hinweise:
Linthmais
Rheintaler Ribelmais
Paolo Bassetti, Tessiner Mais, Pro Specia Rara
Farina Bòna, Ilario Garbani

Häppchen zum Aperitif und Vorspeisen wie Linthmais-Sushi? Nicht nur Polenta als Hauptgerichte, sondern auch Pizza oder Moussaka? Desserts aller Art von der Farina-bòna-Glace bis zu den Himbeermuffins? Viele neue Rezepte mit Mais! Heidi wünscht all ihren LeserInnen eine schöne Weihnachtszeit und en Guete.

17.12.14 HOME

Unverbesserliche Optimisten

16. Oktober 2013
     Ich nime no'n Campari Soda     Wiit unter mer liit s'Wolkemeer     De Väntilator summet liislig     Es isch als gäbs mich nüme mee ...


Ich nime no’n Campari Soda
Wiit unter mer liit s’Wolkemeer
De Väntilator summet liislig
Es isch als gäbs mich nüme mee …

Ein Leser schrieb dieser Tage: „Es scheint mir, dass wir gleichartig unverbesserliche Optimisten sind. Da trifft die Volksweisheit zu:

Der Pessimist findet alles furchtbar.
Der Optimist weiss, alles kann noch schlimmer kommen.

Und (fast) alles kommt schlimmer.“

Nun ja, dies ist Heidis 250. Beitrag: 235 Artikel + 15 Seiten = 250 Beiträge. Und hier die am häufigsten aufgerufenen:

  1. Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen!
  2. Heidi
  3. Kloster Disentis setzt Zeichen für die Berglandwirtschaft
  4. Wozu?
  5. Misthaufen im Feld 2011/12

Gewässerschützer haben es nicht einfach. Wer interessiert sich schon dafür, was da alles rund um H2O herum ist. Das Wohl der Tiere liegt vielen Mitmenschen näher. Aber gerade darum müssen wir hartnäckig und unerschrocken weitermachen. Heidis Leitspruch:

Wir können die Welt nicht ändern, aber ein bisschen schon!

Eine Leserin schrieb gestern: „…und da lief auf der Rückfahrt wieder einmal „Campari Soda“ im Radio – wie passend, da muss ich auch immer an dich denken…“

Also machen wir’s uns gemütlich, lehnen zurück und hören:
Campari Soda Lied von TAXI

Campari Soda, Wikipedia

16.10.13 HOME

„Happy“ Truthahn für Weihnachten?

9. Dezember 2012
Realitätsfremde Bauernhof-Idylle im Retro-Look. Da fehlt doch die Bäuerin!

Realitätsfremde Bauernhof-Idylle im Retro-Look. Da fehlt doch die Bäuerin!

Seit Wochen suchen Leute tierfreundlich gemästeten Schweizer Truthahn und finden in Heidis Artikel Nur Schweizer Truthahn und Poulet kaufen! Hinweise auf Bezugsquellen. Nachtrag 13.12.12: Heute im Kassensturz neueste Informationen zu Trutenfleisch: Profit auf Kosten der Tiere . Eine Leserin schrieb: „Wir würden sehr gerne einen „happy“ Truthahn aus der Region bestellen. Allerdings ist dies nicht ganz so einfach. Meine Mutter fragt immer wieder am Samstagsmarkt bei den Bauern nach, aber die bieten dies nicht an. Migros und Coop fragen wir nicht, da wir denen nicht ganz trauen. Wir haben früher im Coop bestellt und danach zum Metzger gewechselt. Leider ist der Truthahn aber meistens aus dem Ausland. Wie finden wir heraus, wer in unserer Region „happy“ Truthähne züchtet? Wir sind froh um jeden Tipp. Google ist leider keine grosse Hilfe.“

Die Werbung von Migros suggeriert, dass die Tiere auf den 12’000 TerraSuisse-Bauernhöfe alle soooooooo glücklich seien; „happy“ Truthähne gibt’s gleich zwei Stück auf dem Bild. Tatsache ist, dass tierfreundlich gemästete Truthähne nicht so einfach in der Region zu kaufen sind. Heidi wollte ihrer Leserin helfen, hat aber nichts Neues gefunden. Bei Biosuisse gibt es die Kategorie „Truthahn“ auf der Produkte-Suchliste schon gar nicht. Heidis Ratschlag: Auf keinen Fall ausländischen Truthahn kaufen, weil dieser mit grosser Wahrscheinlichkeit aus tierquälerischer Mast stammt.

Das Problem ist in erster Linie der zunehmende Konsum von Geflügelfleisch; je kleiner die Tiere sind, desto schwieriger ihre Lebensbedingungen: „Happy“ Poulets gibt es in der Schweiz nur wenige, z.B. KAGfreiland, Gutsbetrieb Oeschberg usw. Man stelle sich die grossen Masthallen vor bei Normalmast: 13,3 Hühnchen pro m2 sind erlaubt, bei Mistkratzerlis (Coquelets) gar 37,5 pro m2. Das ist dichtgedrängt! 88,5 Prozent der Poulets werden in besonders tierfreundlichen Ställen (BTS) gehalten, d.h. sie haben einen Wintergarten, der mindestens 20 Prozent der Stallinnenfläche beträgt; eine weitere Dichtestress-mindernde Einrichtung sind erhöhte Sitzgelegenheiten, siehe Ethnoprogrammverordnung. Sitzstangen gibt es aus gutem Grund keine: die meisten Mastrassen sind schnellwachsend, der Brustmuskel gross, so dass die Poulets nicht dorthin gelangen und sich dort halten könnten. Heidi isst schon lange kein Geflügel mehr, ausser Hühnersuppe gegen Erkältung und Bluthochdruck natürlich, und nur noch KAG-Eier.

Muss es unbedingt Truthahn sein? Weihnachten, das Fest der Liebe, möchte man es nicht in erster Linie mit den Lieben geniessen, stressfrei? Viele versuchen, mit ihren Festtagsessen Starköche zu überbieten, ein schwieriges Unterfangen. Warum nicht einen anderen Weg gehen: Mut zum Einfachen, damit man Zeit für sich und die anderen hat. Zum Beispiel Fondue, Gschwellti (Pellkartoffeln) mit ausgewählten Käsesorten oder ein Siedfleisch-Eintopf (Rezept von der Goldküste). Heidis Tipp zu Geschwellti: Glarner Schabziger-Stöckli mit Bircherraffel fein reiben, mit wenig Schlagrahm mischen. Die besten Voraussetzungen für ein schönes Fest sind entspannte, gut gelaunte GastgeberInnen. Und denken wir auch an die Tiere, nicht nur an Weihnachten, und kaufen nur Fleisch und Eier aus besonders tierfreundlicher Haltung, Aktionen hin oder her!

Feiern Sie Weihnachten mit Rücksicht auf die Umwelt, die Tiere und die Menschen, Rezepte und Aktuelles der Schweizer Vereinigung für Vegetarismus

9.12.12 HOME

Die täglichen Lügen

8. November 2012
DSC05195VollzugTierschutzK

Informationen zum mangelnden Vollzug Tierschutz, Schweizer Tierschutz STS, undatiert

Gestern abend hat Heidi sich die vielen Meldungen im elektronischen Postfach vorgenommen und ist beim 2. Tierschutzbericht 2011 des Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) hängen geblieben. Zwar führte die ihn ankündigende Medieninformation vom 3.10.12 nicht direkt zum Bericht, aber wer suchet, die findet. Seite 8 hat Heidi folgenden Satz gelesen:

«Die alten Ställe, in denen das Vieh lange Wintermonate ohne viel Tageslicht und ohne frische Luft verbrachte, sind zum Glück heute nur noch Kindheitserinnerungen und das ist gut so. Die Nutztiere werden heute gut gehalten. Die Haltevorschriften entsprechen einem Vier-Sterne-Hotel mit Fitnesscenter. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht dem helvetischen Perfektionismus verfallen, denn die Gesellschaft möchte heute in Bezug auf das Tierwohl die Sterne vom Himmel holen, egal ob für Kühe oder für Wellensittiche. Wenn das so weiter geht, könnte den Bauern die Tierhaltung langsam verleiden.» Pierre-François Veillon, Nationalrat und Ingenieur-Agronom / Direktor eines landwirtschaftlichen Treuhandbüros.

Gut geht’s vielen Schweizer Nutztieren, aber lange nicht allen, wie das im Tierschutzbericht 2011 hingestellt wird. Etwa der Schlussbericht Auditprogramm BLK Tierschutz zeigt zum Teil gravierende Mängel beim Vollzug auf. Die alten dunklen Rindviehställe sind selten geworden, aber in verschiedenen Gebieten der Schweiz durchaus noch in Betrieb, häufig praktisch ohne oder mit seltenem Winterauslauf (Bauern kontrollieren Bauern). Als Nationalrat Pierre-Francois Veillon ein Kind war, da durfte das Rindvieh zweimal täglich zur Tränke ins Freie, während dieses Vergnügen den heutigen Bewohner dieser Ställe selten zugestanden wird, im von Heidi beobachteten Extremfall sind das mehr als 3 Monate dunkles Verlies. Schafe sind weniger privilegiert als das Rindvieh; wo sind sie im Winter, und wer beaufsichtigt sie im Sommer? Und ein Blick in das Tierschutz-Kontrollhandbuch Mastgeflügel zeigt, dass das Leben der „Poulets“ nicht mit einem Aufenthalt im Vier-Stern-Hotel zu vergleichen ist, was auch nicht zu erwarten ist in Anbetracht der Tatsache, dass ein Grossteil der heute üblichen Zuchtrassen schnellwachsend ist, also aus einem Küken in 30-40 Tagen ein Poulet wird. Kein Wunder, dass die Schlachtreifen nicht mehr so sicher auf den Beinen stehen!

Die grafisch perfekt aufgemachte Farbbroschüre mit vielen grossen Fotos liefert Informationen und vertuscht gleichzeitig Missstände. Wieso hat die Schweiz mehrheitlich tierfreundliche Ställe? Weil KAG und Schweizer Tierschutz (STS) über Jahrzehnte massiv Druck aufsetzten und die Bevölkerung über die misslichen Zustände wie Käfighaltung der Hühner informierten. Auch heute ist Druck durchaus nötig, siehe Heidis Bericht Kalbfleisch: rosarot ohne Antibiotika. Mit 84 Prozent JA-Stimmen war das Schweizer Volk 1973 für einen umfassenden Tierschutz. Acht Jahre später traten Tierschutzgesetz und -verordnung in Kraft mit langen Übergangsfristen. Doch der Vollzug liess auf sich warten, die Fristen verstrichen weitgehend ungenutzt. Warum? Zitat aus dem Schwarzbuch „Vollzugs-Notstand im Tierschutz“ des STS: „Für die Durchsetzung des Gesetzes sind die Kantone verantwortlich. Der Bund hat zwar die Oberaufsicht, aber die Hände sind ihm weitgehend gebunden…“ Das kommt Heidi irgendwie bekannt vor! Der damalige freiburgische Kantonstierarzt brachte es auf den Punkt: Er denke nicht daran, das Gesetz zu vollziehen. Diesen Unsinn mache er nicht mit. Glücklicherweise seien die Kantone ihre eigenen Herren. Die Tierschutzvertreter seien halt Fanatiker. Tatsächlich? Im Schwarzbuch beginnen vier Titel mit „Unwahrheit Nr.“.

Der Schutz der Tiere durch Gesetze ist heute gut, es fehlt aber teilweise am Wille, diesen durchzusetzen. Wir haben als KonsumentInnen die Möglichkeit zu denken, zu handeln, zu wählen, abzustimmen, die Zukunft zu gestalten… wenn wir wollen. Und, wenn den Bauern, wie Pierre-François Veillon befürchtet, die Tierhaltung langsam verleidet, wäre das angesichts der Milchseen und Fleischberge, der entsprechenden Exporte und des Klimas weiter nicht so schlimm. Je länger sich Heidi mit den Nutztieren befasst, desto mehr ist ihr der Konsum der aus den Fressmaschinen resultierenden Produkte verleidet.

Die Kühe im Kanton Graubünden merken wenig von der Winterauslauf-Vorschrift, Vgt, VN 09-2. In diesem Artikel gibt es auch Bilder von alten dunklen Ställen – wie sie Heidi auch kennt – und unzulänglichen Mistlagern.

8.11.12 HOME

Antibiotika-resistente Keime auf Fleisch

21. März 2012
DSC00276_Spinat

Gesunde Ernährung? Viel Gemüse und Früchte, wenig Fleisch, Salz, Zucker, Fett und Alkohol

Keime auf Fleisch? Nichts Neues! Antibiotika-resistente Keime auf Fleisch? Ebenfalls nichts Neues! Heidi hat in ihrem Artikel vom 6.12.11 Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen! einen Beitrag von BUND zum Thema verlinkt: Antibiotika in der Massentierhaltung. Gestern haben viele Leute Antibiotika-resistente Keime auf Poulet gesucht und sind, wie die Tages-Statistik zeigt, bei Heidi gelandet. Deshalb hat auch sie diese Suchbegriffe gegoogelt und ist, einmal mehr, beim Kassensturz gelandet; Gefährliche Keime auf Schweizer Poulets heisst das Video. Wie üblich bei solchen Problemen, schieben Fachleute den Schwarzen Peter den KonsumentInnen zu: Bei richtiger Küchenhygiene kein Problem, heisst die Lösung. Es würden nur dann Antibiotika eingesetzt, wenn unbedingt nötig und vom Tierarzt verschrieben, aber man werde der Angelegenheit vermehrt Beachtung schenken. All dies ist nichts Neues! Paul Roberts hat in seinem Buch The End of Food (siehe Heidis Lieblingslinks) die Welternährungslage eindrücklich beschrieben: Grosskonzerne, Grossverteiler, Preisdruck, industrielle Produktion, mangelnde Lebensmittelsicherheit, staatliche Ämter durch Interessenvertreter besetzt, Rücksichtlosigkeit usw. Interessenvertreter schreiben Gesetze, Interessenvertreter sorgen dafür, dass diese nicht eingehalten werden. Und was passiert mir Antibiotika-resistenten Keimen, die ins Freiland gelangen, ins Wasser etwa?

Die Produkte müssen nicht sauber sein, nein, die KonsumentInnen sind in erster Linie verantwortlich für die Lebensmittelhygiene. Heidi stellt sich Eltern vor, die gestresst und müde von der Arbeit das Nachtessen zubereiten. Das kleinste Kind schreit erbarmungslos nach Zuneigung, erhält zwischendurch eine Streicheleinheit mit ungewaschenen Händen. Das grössere will beim Kochen helfen und schneidet den Salat mit dem Fleischmesser … und schon sind die Antibiotika-resistenten Keime „verteilt“. Selber schuld! Was, wenn es unsere HelferInnen für niedere Arbeiten sind, die AusländerInnen? Lesen und verstehen sie die Hygieneempfehlungen des Bundesamts für Gesundheit? Zehn Stück sind es, in Deutsch, Französisch und Italienisch … da fehlen zahlreiche Sprachen. Heidi hat von deren Existenz erst heute erfahren. Acht davon behandeln Probleme mit Fleisch, z.B. Fondue Chinoise, Grillieren, Poulet, Sushi. Und wie steht es in den Restaurants, Besenbeizen und Catering bei Hochbetrieb? Heidis Sofortipp: viel Gemüse und Früchte essen, vegetarische Tage einschalten und Label-Fleisch kaufen, z.B. KAGfreiland. Das hilft auch dem Klima. Wenn wir alle handeln, dann fällt es weniger auf, dass unsere Entscheidungsträger träge sind.

Bereits am 7.3.12 eröffnete die Rundschau des Schweizer Fernsehens zum gleichen Thema eine dreiteilige Serie, Antibiotika: Neue Gefahren aus der Landwirtschaft. 21.3.12 Teil 2: Ohne Rücksicht auf Folgen. 28.3.12 Teil 3: Antibiotika im Stall: „Unter dem Druck, möglichst kostengünstig zu produzieren, setzen Schweizer Landwirte tonnenweise Antibiotika ein. Völlig unnötig, denn es ginge auch mit weniger. Ein konventioneller Bauer und ein Schweinemäster zeigen, wie sie mit einfachen Massnahmen den Antibiotika-Einsatz minimieren können.“ Die Tagesschau vom 21.3.12 nahm das Thema ebenfalls auf: Der ganz normale Antibiotika-Wahnsinn in Schweizer Ställen.

21.3.12 HOME

Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen!

16. Dezember 2011
Puten_4_embed

Den Truten wird der obere Schnabelteil abgeschnitten, was lebenslängliche Schmerzen verursacht, die Beine tragen das Körpergewicht nicht mehr …, Bild Kassensturz.

Ausländisches Trutenfleisch? Nein danke!

Wer ausländisches Trutenfleisch kauft, unterstützt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Eigentümer von Tierfabriken, denen es egal ist, dass die Tiere während der Mast leiden, Hauptsache: Die Rendite ist möglichst hoch. Über die tierquälerischen Praktiken hat der Kassensturz am 13.12.11 eindrücklich berichtet. Das von Coop, Aldi und Lidl angebotene Trutenfleisch sowie das meiste von Migros verkaufte stammt leider aus dem Ausland, weil es billiger ist und der Gewinn höher. Aber auch zahlreiche KonsumentInnen kaufen am Wochenende im Ausland allerlei spottbilliges Fleisch aus Tierfabriken ein.

Schweizer Trutenfleisch? Ja gern!

Der Kassensturz hat im gleichen Beitrag einen tierfreundlichen Schweizer Trutenbauernhof gezeigt, den Betrieb der Familie Ullmann in Eschenz, welche ihre Truten der frifag liefert und auch ab Hof verkauft. 95% der in der Schweiz gemästeten Truten werden in besonders tierfreundlichen Ställen gehalten und dürfen sogar täglich ins Freie, wie in diesen Tabellen aus dem Argarbericht des Bundesamts für Landwirtschaft zu lesen ist. Wer also beim Essen von Trutenfleisch ein gutes Gefühl im Bauch haben will, verlangt Schweizer Trutenfleisch. Solches ist an folgenden Orten erhältlich: Spar, evtl. Migros, Geflügel Gourmet AG, Gutsbetrieb Oeschberg usw.

Fragen Sie im Restaurant, woher das Fleisch kommt, denn sogar in Gourmet-Tempeln stammt das Fleisch oft aus dem Ausland. Eine Umfrage des Schweizer Tierschutzes „Gastronomie verschläft den Trend zu Produkten aus tierfreundlicher Haltung“, Bericht vom 16.8.11 (STS) bei 300 gehobenen und Gourmet-Restaurants in der ganzen Schweiz ergab ernüchternde Resultate. Der Labelfleisch-Anteil liegt je nach Fleischart zwischen 37 und 50 Prozent. Nicht so im Gasthaus Kreuz in Egerkingen, wo Louis Bischofberger auf Qualität setzt, nicht nur beim Essen: „Weniger ist mehr, wir bezahlen für Qualität und unsere Kunden auch. Und wenn das nur 50% der Gastronomen täten, wäre endlich wieder mal klar, dass es nicht täglich zweimal Fleisch auf dem Tisch braucht…“. Spitzenreiter bei den Grossverteilern ist Coop mit einem Label-Anteil von über 80% des Fleischumsatz. Die Tierhaltungsprogramme von Naturaplan (Bio) und Naturafarm hat Coop zusammen mit dem Schweizer Tierschutz entwickelt; die Anforderungen sind deutlich höher als jene der Tierschutzgesetzgebung. Schade, dass neben diesem Qualitätsfleisch Trutenfleisch aus tierquälerischer Haltung liegt.

Vielleicht bieten auch Coop oder Migros künftig Schweizer Trutenfleisch an, wenn die KonsumentInnen dies ausdrücklich wünschen und den höheren Preis zahlen. Und das wollen wir doch? Also schreiben wir unsere Wünsche dem  Coop-Konsumentendienst, der  Migros-Infoline, Aldi (Qualität ist unser Anspruch), LIDL-Kundenhotline.

Nachtrag 18.2.17: Mit der Produktion von Fleisch auf der Basis von importiertem Futter wie bei Geflügel und Schweinen ergeben sich viele Probleme, u.a. Nährstoffüberschusse. „Könnte eine Lösung darin bestehen, gleich das Fleisch von dort zu importieren, wo auch das Futter wächst, und damit der Bevölkerung vor Ort erst noch zu neuen Arbeitsplätzen zu verhelfen? Die Migros jedenfalls wirbt in ihrer Kampagne «Generation M» für Geflügel- und Kaninchenfleisch, das nach Schweizer Tierschutzstandards von Partnerbetrieben in Deutschland und Ungarn erzeugt wird. Dass der ganze Produktionsprozess im Ausland gleich eng begleitet werden kann wie in der Schweiz, stellt Manfred Bötsch allerdings in Frage.“ Folgeprobleme des hohen Tierbestandes: Tiermast frisst Landschaft, umwelt 3/16 Landwirtschaft.

Trutenfleisch: Profit auf Kosten der Tiere, Kassensturz vom 13.12.11, Schweizer Fernsehen

Wie Poulet im Ausland anders produziert werden, Kassensturz vom 13.9.11, Schweizer Fernsehen

Eine Übersicht von KAGfreiland zeigt die Unterschiede zwischen den Schweizer Labels Detaillierter Labelvergleich (Tierhaltungsanforderungen der häufigsten Labels im Vergleich zu KAGfreiland) Stand: 5.1.11.  Die KAG-Poulet-Mäster sind die einzigen, die im Winter keine Poulets produzieren, denn die Jungtiere bleiben bei Kälte meist im Stall, es sind dann keine echten Freilandpoulets.

„Happy“ Truthahn für Weihnachten?, Heidis Mist 9.12.12

Wiesenhof zieht Konsequenzen aus Fernsehbildern, Wiesenhof

Hühnermast in Deutschland, Video von dokumenTIERE.de

Massentierhaltung spaltet Norddeutschland, NDR.de.

In Norddeutschland, Mecklenburg-Vorpommern, setzt offenbar ein Umdenken im Umgang mit der Tiermast ein, dies wegen jüngst veröffentlichter Ergebnisse zum Antibiotika-Einsatz in der Geflügelmast. Backhaus will neuen Masterplan für Tiermast, NDR vom 19.12.11

Deutschland: Gefährliches Hähnchenfleisch aus den Läden verbannen! In Filialen fünf grosser deutscher Handelsketten hat der „BUND Freunde der Erde“ Hähnchenfleisch unter die Lupe genommen. Auf mehr als jeder zweiten Stichprobe der Hersteller „Wiesenhof“, „Sprehe“ und „Stolle“ waren antibiotikaresistente Bakterien.

Tierschutz-Kontrollhandbuch für Mastgeflügel des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET)

6.12.11 HOME


%d Bloggern gefällt das: