Posts Tagged ‘PSM’

Bauern verhindern Trinkwasserschutz: 20-Jahr-Jubiläum (2)

22. Juli 2021

Vor 22 Jahren hatte der Bundesrat ein allgemeines Pestizidverbot in der Grundwasserschutzzone S2 erlassen. Die Bauern hoben dieses postwendend auf. Die Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft wurden beauftragt, das Problem zu studieren. Vor 20 Jahren wurde das Verbot dann definitiv gekippt. Noch heute darf man Pestizide bis fast an die Trinkwasserfassung ausbringen, denn die Schutzzone S1, wo keine Pestizide und kein Dünger ausgebracht werden dürfen, beträgt nur 10 m.

Aktuell sind 27 Wirkstoffen in der S2 verboten, siehe Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel in der Grundwasserschutzzonen S2 bzw. S2 und Sh, Stand 1.12.20. Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfachs hatte ausführlich über diese Trauergeschichte berichtet: Keine Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser, gwa 12/2001, Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfachs (SVGW).

Zwei Jahrzehnte sind seither vergangen. Der Klimawandel bringt immer mehr Extremniederschläge, so dass viel Wasser innert kurzer Zeit versickert und mit dem Wasser versickern auch Schadstoffe wie Pestizide und schädliche Keime. Einmal mehr waren kürzlich Trinkwasserfassungen wegen der heftigen Niederschläge verschmutzt worden. Das Wasser musste abgekocht werden. Gegen Pestizide nützt dies aber nichts!

Der SVGW forderte bereits 2014 ein Verbot von Pestiziden in der Grundwasserzone S2 und er will auch tiefere Pestizidgrenzwerte im Grundwasser, 40 Prozent der Bevölkerung wollen (Abstimmung vom 13.6.21) ein allgemeines Pestizidverbot in der Schweiz und mit den zunehmenden Starkniederschlägen ist die Gefahr der Trinkwasserverschmutzung mit Pestiziden und anderen Schadstoffen weiter gestiegen.

Der Bundesrat muss dringend handeln und das bereits 1999 verhängte Pestizidverbot in der Grundwasserschutzzone S2 aus der Bauern-Versenkung hervorholen und erneut erlassen. Dieses Mal darf er aber nicht mehr allein auf die Bauern hören und schwach werden!

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«Starkregen kann zur Verschmutzung des Trinkwassers führen». 20 minuten vom 9.7.21

Trinkwasser in Affoltern im Emmental verschmutzt. Blick vom 13.7.21

Trinkwasser im Raum Hettiswil (BE) verschmutzt. SRF vom 1.7.21

Trinkwasser verschmutzt: Gisikoner sollen trotz Notleitung das Wasser auch in den nächsten Tagen weiterhin abkochen. Luzerner Zeitung vom 27.6.21

Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität. Heidis Mist vom 6.2.13

Bauern verhindern Trinkwasserschutz: 20-Jahr-Jubiläum. Heidis Mist vom 28.11.19

SVGW fordert Verbot von Pestiziden in der Grundwasserschutzzone S2, Heidis Mist 29.5.14

Keine Pestizide in der Grundwasserschutzzone S2, Heidis Mist 7.4.15

„Abkochgebot für Trinkwasser!“ Ein Rat- und Tatgeber für Verbraucher. Lebensraum Wasser – der Wasserblog vom 17.7.21

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Bauer im Berner Jura straflos trotz wiederholter Gesetzesverstösse

15. Juli 2021
Mottfeuer verursachen immer wieder Baumschäden. Foto 14.7.21
Mottfeuer verursachen immer wieder Baumschäden. Foto 14.7.21

Viel gäbe es heute zu berichten, etwa güllen direkt vor Regenwarnung Stufe 3 oder umweltschädliche Palmölplantagen (Korindo: Korean palm oil giant stripped of sustainability status, BBC 15.7.21). Unbemerkt von vielen Medien sind die Delikte, welche bei der Polizei angezeigt, aber nicht geahndet werden, z.B. im Berner Jura.

Die folgende Meldung beruht auf vertrauenswürdigen Quellen: ein Beamter und ein Beobachter. Sie kennen viele Gesetzesverstösse eines Bauern, melden diese jeweils der Polizei. Der Beamte weiss aber, dass der Bauer nicht gebüsst wurde. Grund: Der Polizeirapport war zu wenig genau!

Die Meldung an Heidi von gestern abend:

… er muss nichts bezahlen

Es ist schlimmmmmmm. Es gibt viele Fotos von den Delikten dieses Bauern mit sehr grossem Hof. Bauer X. wird immer wieder angezeigt, aber er kann sich immer drücken!???? Er macht immer wieder diese Delikte. Jetzt weiss ich auch warum … Wenn er ja nie oder nie richtig gebüsst wird!!!

  • Mein Lieblingsbauer hatte letztes Jahr sogar ein Feuer verursacht an der Hauptstrasse, so dass da die Feuerwehr und Polizei kamen … Er hatte Glück, dass kein Grossbrand entstand. Jetzt das richterliche Urteil: Er muss nichts bezahlen, nur 4’000 Franken für Feuerwehr etc.!!! Der Beamte ist sehr zornig weil wieder nix passiert ist. Es hiess „der Polizeirapport war zu wenig genau“!
  • Diverse Male Gülle auf Schnee mit Polizei – er muss nichts bezahlen!!!
  • Altmetall seit Jahren (Mülldeponie) in einem Sumpfgebiet und etwas weiter unten sogar Naturschutzgebiet – er muss nicht bezahlen!!!!
  • Der halbe Wald mit Gift behandelt – er muss nichts bezahlen!!!!
  • Diverse Feuer (holzen), die Polizei kam – er muss nichts bezahlen!!!!

Halloooo???? Das kann doch nicht sein????

Heidi meint: „Ja, das dürfte nicht sein! Sie wird das dort melden, wo man es schon weiss, bei den zuständigen kantonalen Ämtern.“

Artenschutz ist eine Schwäche der Schweiz. Heidis Mist vom 4.7.21

Berner Jura: Gesundheitsschädlicher Rauch aus Wytweiden und Wald (3). Heidis Mist vom 2.5.21

Traumhafte Winterlandschaft im Berner Jura – doch was soll die Gülle auf dem Schnee? Heidis Mist vom 26.11.19

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Neue Schweizer Heilige: Das Schizovreneli

5. Juli 2021
Heidi: "Oh, Heiliges Schizovreneli, willst du nicht auswandern?"

Heidi: „Oh, Heiliges Schizovreneli, willst du nicht auswandern?“

Es ist wohl an der Zeit, dass Heidi unter der Rubrik „Schwerpunkt“ einen neuen Punkt anfügt mit Links zu allen neuen Schweizer Heiligen von NaNa, denn es sind schon einige. Als Heidi über die „Heiligen Kühe“ schrieb, da hatte NaNa Heidis Mist noch nicht entdeckt. Die Möglichkeiten, Heilige zu ernennen, sind in der Schweizer Landwirtschaft vielfältiger als der Wille, nachhaltig zu werden.

Artenschutz ist eine Schwäche der Schweiz. Heidis Mist vom 4.7.21

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Artenschutz ist eine Schwäche der Schweiz

4. Juli 2021
Herbizideinsatz 2019 in Wytweide bei Tramelan.

Herbizideinsatz 2019 in Wytweide bei Tramelan.

Saldo berichtete am 2.12.20, dass die Schweiz in Westeuropa im Artenschutz Schlusslicht ist, dies obwohl die Schweizer Bauern von 2014 bis 2018 1,5 Milliarden Franken für die Förderung der Artenvielfalt erhielten. Markus Fischer, Professor für Pflanzenphysiologie an der Universität Bern und Experte beim UN-Weltbiodivesitätsrat sagte gegenüber dem Tages-Anzeiger, ein Grund für diese Entwicklung sei, dass der Bund den Bauern erlaubt, auch auf Biodiversitätsfeldern Glyphosat und weitere Herbizide zu verspritzen, wenn die „Problempflanzen“ nicht mit „angemessenem Aufwand“ mechanisch bekämpft werden können.

Hier finden Sie die bewilligten Wirkstoffe: Herbizideinsatz in Biodiversitätsförderflächen – bewilligte Wirkstoffe. BLW.

Grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweiden

Bund und Kantone fördern auch die traditionellen Wytweiden im Jura. Offensichtlich ist den Bauern der Aufwand für die mechanische Eindämmung der Brombeeren zu gross. Heidi hat schon über die grossflächigen Herbizidaktionen berichtet, die regelmässig stattfinden, ebenso über die vielen umwelt- und gesundheitsschädigenden Mottfeuer in Wytweiden. Im Artikel Grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide zeigt Heidi Methoden wie sich Brombeeren gut mechanisch bekämpfen lassen.

Plakat: Pâturage-du-Droit Tramelan

Plakat: Pâturage-du-Droit Tramelan

Seit Mai hängt an einem Zaun in Tramelan ein Plakat von NATURA mit der Meldung, dass hier ein Projekt zur Eindämmung der Verbuschung laufe.

Karte des Projektgebietes


NATURA, das beauftragte Umweltbüro

NATURA, das beauftragte Umweltbüro

Heidi wollte Projektdetails und Kosten erfahren und wissen, wer das bezahlt. Sie hat am 25.5.21 schriftlich angefragt, aber bisher keine Antwort erhalten.

Grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide. Heidis Mist vom 24.9.20

Foto 24.9.20: grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide

Foto 24.9.20: grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide

Herbizideinsatz in Biodiversitätsförderflächen – bewilligte Wirkstoffe. BLW

Berner Jura: Gesundheitsschädlicher Rauch aus Wytweiden und Wald (3). Heidis Mist vom 2.5.21

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Sonntagsgruss von der Alp mit Herbizid auf blühenden Brennnesseln

28. Juni 2021
Brennnesseln mit hängenden Köpfen nach Herbizidbehandlung. Copyright: Fabi M.

Für Vergrösserung auf Bild klicken. Brennnesseln mit hängenden Köpfen nach Herbizidbehandlung. Copyright: Fabi M.

Heidis Kommentar: Nicht alle Herbizide darf man auf blühende Pflanzen spritzen, nicht erlaubt ist das Behandeln von blühenden Pflanzen z.B. mit dem auf Alpen beliebten Herbizid Asulam; nach dem Spritzen muss für Beweidung oder Schnitt zudem eine Wartefrist von drei Wochen eingehalten werden. Es ist klar, dass Wildtiere sich nicht an solche Vorschriften halten!

Wie einfach wäre es doch, dieses Brennnesselbüschel mit der Sense umzulegen und dann angewelkt oder trocken dem Vieh zu verfüttern, denn Brennnesseln sind gesund.

Heidis Artikel über Herbizide auf Alpen

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Pestizidfreie Alp Faller Mulegns

22. Juni 2021

Das Val Faller ist ein rund vier Kilometer langes linkes Seitental des Oberhalbstein im Schweizer Kanton Graubünden.

Das Val Faller ist ein rund vier Kilometer langes linkes Seitental des Oberhalbstein im Schweizer Kanton Graubünden. Copyright: Susanne.

Liebe Heidi

Wir waren auf der Alp Faller im Park Ela. Diese Älpler arbeiten pestizidfrei!

Herzliche Grüsse

Susanne und Walter

Heidis Artikel über Herbizide auf Alpen

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Heidis Kommentar zum Abstimmungssonntag

13. Juni 2021
An die UnterstützerInnen der Trinkwasserinitiative und der Pestizidverbotsinitiative: DANKE!

An die Aktiven und UnterstützerInnen der Trinkwasserinitiative und der Pestizidverbotsinitiative: DANKE!

Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Trinkwasserinitiative

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Nach der Vorfreude – die ersten Erdbeeren!

13. Juni 2021
Die ersten zwei reifen Wilderdbeeren!

Die ersten zwei reifen Wilderdbeeren!

Für den Anbau von Erdbeeren sind in der Schweiz 593 Pestizide zugelassen. Darunter relativ harmlose, aber auch solche mit Gefahrenkennzeichnungen wie H361dKann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen, H351Kann vermutlich Krebs erzeugenH373Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition usw. Für die Wasserorganismen lautet die Gefahrenkennzeichnung bei vielen Pestiziden H410Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung vermerkt. Es wäre also durchaus sinnvoll, wenn die verwendeten Pestizide auf den Verkaufsetiketten vermerkt würden. Erdbeeren sind die am meisten gespritzen Beeren.

Heidi und der Alpöhi freuen sich jeweils auf die ersten Erdbeeren, zuerst die kleinen Wilderdbeeren, dann die grossen. Sie sind ungespritzt, natürlich gereift und aromatisch. Vorfreude ist die schönste Freude!

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Pestizide sind die wichtigsten Stressoren für empfindliche Insekten in Tieflandbächen

12. Juni 2021
Pesticides are the dominant stressors for vulnerable insects in lowland streams. Water Research Volume 201, 1 August 2021, 117262

Pesticides are the dominant stressors for vulnerable insects in lowland streams. Water Research Volume 201, 1 August 2021, 117262

Forschende des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung UFZ in D-04318 Leipzig und des Umweltbundesamts in D-06844 Dessau-Roßlau haben den Einfluss von Pestiziden auf die Zusammensetzung der Wirbellosengemeinschaften in Tieflandbächen untersucht. Die meisten landwirtschaftlich genutzten Bäche haben eine reduzierte Anzahl an gefährdeten Arten. Die derzeitige Zulassung von Pestiziden unterschätzt das ökologische Risiko. Ein Ökosystem-Monitoring ermöglicht eine schützende und validierte Risikobewertung.

Trotz aufwändiger Regulierung von landwirtschaftlichen Pestiziden wurde ihr Vorkommen in Nicht-Zielgebieten in mehreren Felduntersuchungen mit negativen ökologischen Auswirkungen auf Insekten in Verbindung gebracht. Ihr quantitativer Anteil an der Biodiversitätskrise ist jedoch noch nicht bekannt. In einer gross angelegten Studie an 101 Standorten kleiner Tieflandbäche in Mitteleuropa zeigten die Wissenschaftler, dass 83% der landwirtschaftlich genutzten Bäche die pestizidbedingten ökologischen Ziele nicht erfüllten.

Zum ersten Mal konnten sie feststellen, dass die Verschmutzung durch diffuse landwirtschaftliche Pestizidquellen die Hauptursache für die Verringerung empfindlicher Insektenpopulationen in aquatischen Wirbellosen-Gemeinschaften war und damit die Relevanz anderer anthropogener Stressoren wie schlechte hydro-morphologische Struktur und Nährstoffe übertraf.

Die Forschenden stellten fest, dass die derzeitige Zulassung von Pestiziden, die darauf abzielt, unakzeptable schädliche Auswirkungen zu verhindern, das tatsächliche ökologische Risiko unterschätzt, da gemessene Pestizidkonzentrationen in 81% der untersuchten landwirtschaftlichen Fliessgewässer die derzeit zulässigen Konzentrationen überstiegen, bei mehreren Pestiziden die Trägheit des Zulassungsverfahrens die Einbeziehung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse behindert und die bestehenden Schwellenwerte für Wirbellosen-Toxizität um den Faktor 5,3 bis 40 zu hoch sind.

Um adäquate Umweltqualitätsziele festzulegen, muss der Zulassungsprozess von der Überwachung abgeleitete Informationen über die Auswirkungen von Pestiziden auf der Ebene des Ökosystems einbeziehen. In dieser Publikation leiten die WissenschaftlerInnen solche Schwellenwerte ab, die einen Schutz der wirbellosen Fliessgewässergemeinschaft gewährleisten.

Pesticides are the dominant stressors for vulnerable insects in lowland streams. Elsevier, Water Research Volume 201, 1 August 2021, 117262

Menschenrecht auf ungiftige Nahrungsproduktion

9. Juni 2021
Übersetzt von Heidi

Übersetzt von Heidi

Zitat aus Daily Poison, Pesticides – an Underestimated Danger, Springer. Johann G. Zaller, Institut für Zoologie, Universität für Bodenkultur Wien, BOKU. ISBN 978-3-030-50529-5
eBook: ISBN 978-3-030-50530-1

Unser täglich Gift, Pestizide – die unterschätzte Gefahr, Deuticke Verlag. Johann G. Zaller, Institut für Zoologie, Universität für Bodenkultur Wien, BOKU. ISBN 978-3-552-06367-9 / E-Book ISBN 978-3-552-06374-7

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