Posts Tagged ‘Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation’

Weiter wie bisher auf Kosten von Indigenen Völkern?

22. September 2022

Quelle: Munduruku Indigenous communities oppose REDD project on their territory. Chris Lang, REDD-Monitor 21.9.22

Die Munduruku-Indigenen der Flüsse Oberer und Mittlerer Tapajós und Unterer Teles Pires im Brasilianischen Amazonas trafen sich kürzlich im Dorf Sawre Muybu. Eines der Themen auf der Tagesordnung war ein vorgeschlagenes REDD-Projekt (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation/Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung) im Munduruki-Gebiet. Die Munduruku-Gemeinschaften sind gegen dieses REDD-Projekt. In einem offenen Brief im Namen der Munduruku-Gemeinschaften heisst es,

Wir wissen, dass diese „Lösungen“, die von aussen kommen, unsere Lebensweise und unsere Autonomie, über das Gebiet nachzudenken und es zu pflegen, nicht respektieren. Wir brauchen kein Unternehmen, das die Nutzung unseres Territoriums kontrolliert und uns sagt, wie wir den Wald erhalten sollen. Wir wissen, dass die Unternehmen, die diese „Konzessionen“ machen, damit fortfahren wollen, andere Orte zu zerstören, und dass sie mit dem Geld verdienen wollen, was wir seit Tausenden von Jahren in unserem Land machen.

In dem Schreiben heisst es, dass Carbonext und das Unternehmen Mapel Marochi Agriculture e Pecuária, ein Klimaschutzprojekt im Crepori-Nationalwald einzurichten. Im Juli 2022 gab Shell bekannt, dass es 38 Millionen US-Dollar in Carbonext investiert hat.

Von Quecksilberverschmutzung und CO2-Zertifikaten

GegenStrömung dokumentierte die deutschsprachige Übersetzung des „Brief der Munduruku vom Oberen und Mittleren Tapajós und vom Unteren Teles Pires“ vom 16. September 2022 aus der aldeia Sawre Muybu.

Das Original kann hier eingesehen werden. Wie die Munduruku selbst ihre Konsultation mit dem von ihnen festegelten Protokoll definieren, können Sie hier lesen.

Brief der Munduruku vom Oberen und Mittleren Tapajós und vom Unteren Teles Pires

Wir, Kaziken, Kazikinnen, Krieger, Kriegerinnen, Lehrer, Lehrerinnen, Frauen sowie die Vereinigungen Pariri, Wakoborũn, Aro, Arikico, Da’uk, Movimento Ipereg Ayũ und CIMAT, haben uns am 14. September 2022 in der aldeia Sawre Muybu versammelt, wo wir eine Anhörung organisierten, um die Forschungsergebnisse der Oswaldo-Cruz-Stiftung über den hohen Quecksilbergehalt in unserem Körper und in dem Fisch, den wir täglich essen, zu besprechen. Alles, was wir schon geahnt hatten, die Symptome, haben wir hier gesehen, wir sehen nun das Ergebnis. Wir sind auf der Suche nach einer Lösung. Erstens wollen wir, dass die Garimpo-Bergbauaktivitäten in unserem Gebiet dringend eingestellt werden. Wir beschuldigen die derzeitige Regierung für ihr Versäumnis und die Tatsache, dass sie uns durch die Quecksilberkontamination krank macht.

Garimpo-Bergbau macht nur krank. Neben Quecksilber gibt es in unserer Region auch einen Ausbruch von Malaria, sowie Durchfall, Hunger und juckende Haut. Unsere Flüsse werden zerstört, unsere Bäche sterben ab und unsere Fische sterben aus. Heute trinken wir schmutziges Wasser, unsere Kinder baden in Flüssen, die mit Schlamm verschmutzt sind, und wir fischen in Wasser, das wie Milch aussieht. Wir waren sehr traurig, als wir die Ergebnisse sahen – wer will schon, dass seine Kinder krank sind? Zusätzlich zu den Krankheiten werden unsere Anführer bedroht und haben bereits unter schwerer Gewalt gelitten, ihre Häuser wurden niedergebrannt und der Sitz der Verbände und Widerstandsorganisationen in Jacareacanga wurde zerstört.

Während wir hier versammelt waren, um über die Vergiftungen zu sprechen und um eine Lösung für die Gesundheit unseres Volkes zu finden, erreichten uns Nachrichten, Fotos und Videos eines Treffens, organisiert durch die Associação Pusuru und das in der aldeia Karapanatuba unter Anwesenheit munizipaler Behördenvertreter stattfand, über CO2-Gutschriften. Auf diesem Treffen bot eine Firma der Associação Geld an, Geld, das unsere Verwandten nur täuscht und Spaltung hervorruft. Der Geldkoffer wird angeboten, um in das Territorium zu gelangen. Woher kommt dieses Geld? Wir wissen bereits seit Januar 2022, dass die Firma Carbonext und die Firma Mapel Marochi Agricultura e Pecuária LTDA versuchen, Projekte für CO2-Gutschriften in der Floresta Nacional do Crepori einzuführen.  Dieser Ort, den die Regierung als Schutzgebiet bezeichnet hat, ist ein eigentlich traditionell durch das Volk der Munduruku besetztes Gebiet, vor allem durch die 25 Dörfer am Rio das Tropas, wo beide Flussufer benutzt werden. Wir haben die Bundesstaatsanwaltschaft bereits darüber in Kenntnis gesetzt, dass wir via Email von diesen Firmen kontaktiert wurden.

Lesen Sie den vollständigen Brief hier: Brief der Munduruku vom Oberen und Mittleren Tapajós und vom Unteren Teles Pires. GegenStrömung 17.9.22

Munduruku Indigenous communities oppose REDD project on their territory. Chris Lang, REDD-Monitor 21.9.22

Klima: REDD+ Waldprojekte in Drittweltländern – Wem nützen sie?

4. März 2021

,

REDD+ ist ein moderner Ablass-Handel unter dem Motto „Lieber selber nichts gegen den Klimawandel tun, aber einen Obulus in eine Kasse zahlen und nicht so genau wissen, was und wem dies nützt.“ Die Projektbetreiber loben ihre Arbeit in höchsten Tönen, Forschung zweier Organisationen zeigt schwerwiegende Probleme auf.

Wir können das alles nicht prüfen … was sollen wir glauben? Was sicher ist: Wir müssen hier und jetzt viel tun und sollten mit „unseren Händen“ nicht zur Zerstörung anderswo beitragen – wie dies aktuell rund um den Erdball der Fall ist. Auch in Drittweltländern könnten wir reiche Länder viel Gutes bewirken, wenn wir nur wollten. Plünderung und einseitige Schaffung von Naturraum für „unser Klima“ ist nicht der Weg.

Wikipedia: REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries, dt. etwa „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung sowie die Rolle des Waldschutzes, der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und des Ausbaus des Kohlenstoffspeichers Wald in Entwicklungsländern“) ist ein seit 2005 auf den Verhandlungen der internationalen Klimarahmenkonvention (UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change) diskutiertes Konzept, mit dem der Schutz von Wäldern als Kohlenstoffspeicher finanziell attraktiv gemacht werden soll.

Forschungsbericht über zwei Projekte

Ein aktueller Bericht von Action pour la Promotion et Protection des Peoples et Espèces Menacées (APEM) und Rainforest Foundation UK untersucht die sozialen Auswirkungen von zwei REDD-Projekten in der Provinz Mai Ndombe in der Demokratischen Republik Kongo. Der Bericht basiert auf Basisforschung, die über zwei Jahre hinweg durchgeführt wurde. Das Forschungsteam befragte mehr als 400 Menschen in 26 Dörfern innerhalb von zwei REDD-Projekten: dem Integrated REDD+ Plateau Project (PIREDD Plateau), das vom World Wide Fund for Nature (WWF) geleitet wird, und dem Wildlife Works Carbon (WWC) Mai Ndombe REDD+ Projekt.

Schwerwiegende Probleme

Der Bericht fasst die Probleme wie folgt zusammen:

  • Die Projekte holten nicht die freie, vorherige und informierte Zustimmung der lokalen Gemeinschaften für REDD+ Aktivitäten ein, was zu Verwirrung und Konflikten in den Projektgebieten führte.
  • Es gibt ein erschreckend geringes Mass an Einbezug der Leute in den Gemeinden, die REDD+-Aktivitäten umsetzen sollen, insbesondere bei Frauen.
  • Viele der versprochenen Leistungen sind entweder noch nicht erbracht worden oder die Gemeinden sind mit der Umsetzung unzufrieden.
  • Lokale Entwicklungskomitees, die als Schnittstelle zu den Projekten eingerichtet wurden, repräsentieren die Gemeinden nicht angemessen, ihre Mitglieder sind nicht ausreichend darüber informiert, was REDD+ ist, und ihnen fehlen oft die notwendigen Ressourcen, um REDD+-Aktivitäten umzusetzen.
  • Es gibt unzureichende Bemühungen, die Besitzverhältnisse der lokalen Gemeinschaften zu klären und zu stärken, was sie anfällig für Landspekulation und Migration macht.
  • Die Pläne zur Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen im PIREDD-Plateau bilden die traditionellen Landnutzungssysteme der Gemeinden nicht angemessen ab und haben zu Streitigkeiten über Landgrenzen geführt. Frauen wurde die Lebensgrundlage entzogen und in einigen Dörfern hat die Aktivität zu Nahrungsmittelknappheit geführt.
  • Das Fehlen funktionierender Beschwerdemechanismen für die beiden Projekte bedeutet, dass die Gemeinden kaum eine Möglichkeit haben, Hilfe für die Lösung dieser Probleme zu erhalten.
  • Die Fähigkeit der lokalen Regierung, das REDD+ Programm zu beaufsichtigen, ist trotz jahrelanger sogenannter „REDD Readiness“-Aktivitäten immer noch sehr mangelhaft.
  • Die Interventionen scheinen auch wenig Einfluss auf die Reduzierung von Entwaldung und Degradierung zu haben und haben in einigen Fällen sogar den Waldverlust beschleunigt.

Lesen Sie weiter: REDD-Minus: New report reveals the reality of REDD in Mai Ndombe, Democratic Republic of Congo. REDD-Monitor vom 3.3.21

Aus der Perspektive der Projektbetreuer

MAÏ-NDOMBE : Remarkable achievements with the Integrated REDD+ project – PIREDD. WWF 28.8.18

Wildlife Works Carbon (WWC) Mai Ndombe REDD+ Projekt


%d Bloggern gefällt das: