Posts Tagged ‘Renaturierung’

Oberengadin – traumhafte Landschaft mit Misthaufen

7. April 2016
Zuozer Misthaufen. Copyright Geissenpeter

Zuozer Misthaufen. Copyright Geissenpeter

Dass es auch im Engadin zahlreiche Misthaufen gibt, welche monatelang ungedeckt – einzelne heute auch gedeckt – in Wiesen herumliegen, ist Heidi längst bekannt. Nur Fotos hatte sie bisher keine. Im März war der Geissenpeter mit Kollegen im Oberengadin in den Ferien. Er schrieb ihr zwar sofort einen Kommentar auf den Blog, doch eine Fehlermeldung traf bei ihm im Spam-Ordner ein. Er hat diese Anfang Woche entdeckt und Heidi weitergeleitet:

Liebe Heidi

Ich geniesse die Skitouren. Gestern habe ich mir die Auenrevitalisierung des Inns bei Zuoz angeschaut. Ich fragte mich, welche Funktion die ungedeckten Mistlager in diesem Gebiet erfüllen sollen, auf den diversen Informationstafeln war davon jedenfalls nichts zu lesen. Da ich zwischen Zuoz und Sils noch weitere ungedeckte Mistlager entdeckte, obschon keine Revitalisierungsmassnahmen in der Nähe sichtbar waren, zog ich daraus den Schluss, dass Mist zur Revitalisierung von Flüssen nicht zwingend erforderlich ist … und dass die Bauern ihren Mist schon immer auf diese Weise überwinterten …“

Grüsse aus dem Engadin
Peter

Renaturierung des Inns bei Zuoz. Copyright Geissenpeter.

Renaturierung des Inns bei Zuoz. Copyright Geissenpeter.

Inn bei Zuoz. Copyright Geissenpeter.

Inn bei Zuoz. Copyright Geissenpeter.

Mist am Weg bei Zuoz. Copyright Geissenpeter.

Mist am Weg bei Zuoz. Copyright Geissenpeter.

Es spricht sich herum, dass Heidi sich für Misthaufen-Fotos interessiert, denn heute sind schon wieder Fotos eingetroffen, zufällig ebenfalls aus dem Oberengadin. Offenbar sind die Haufen gut sichtbar:

Chara Heidi

Wir geniessen unsere Ferien in Zernez. Gestern fuhren wir mit dem Zug nach St. Moritz, spazierten am See und im Dorf. Marc machte vom Zug aus Fotos von der bezaubernden Landschaft und dir zuliebe den zahlreichen Misthaufen. Alle erwischte er nicht. Einzelne befinden sich weit entfernt von der Rhätischen Bahn. Ich habe es auch zweimal versucht, doch der Zugwagen rüttelte gerade so, dass die Fotos zu verschwommen sind. Es wird viel gebaut. Hat es nicht genügend Beton für Mistplatten? Wir melden uns, wenn wir zuhause sind … 

Amiaivels salüds
Céline

Heidi hat eine Diaschau zusammengestellt. Zwei Fotos liess sie weg, da sie nicht sicher ist, ob es sich um Mist handelt.

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7.4.16 HOME

Die Äsche: Botschafterin für natürliche, intakte Lebensräume

4. Januar 2016
Die Äsche ist bedroht. Der Schweizerische Fischerei-Verband hat sie daher zum Fisch des Jahres 2016 erkoren. Bild: Rainer Kühnis

Die Äsche ist bedroht. Der Schweizerische Fischerei-Verband hat sie daher zum Fisch des Jahres 2016 erkoren. Bild: Rainer Kühnis

Medienmitteilung Schweizerischer Fischerei-Verband: „Die Äsche ist Fisch des Jahres 2016. Ihre Schönheit entzückt Naturfreunde und Poeten, aber die künstlichen Veränderungen der Flüsse bedrohen sie existenziell. Mit der Wahl zum Fisch des Jahres 2016 verknüpft der Schweizerische Fischerei-Verband SFV eine klare Botschaft: Die Schweiz braucht renaturierte Gewässer – sonst stirbt die Äsche ganz aus …

… Für den Schweizerischen Fischerei-Verband SFV ist klar: Die Äsche ist – im wahrsten Sinne des Wortes – Fahnenträgerin, Botschafterin für natürliche, intakte Lebensräume.

Der SFV fordert die konsequente Umsetzung des 2011 beschlossenen eidgenössischen Gewässerschutzgesetzes. Konkret: Renaturierung von künstlich verbauten Flüssen, Vernetzung der Gewässer, Reduktion von Schwall-Sunk, genügend Restwasser in allen Kantonen.“

Die Äsche ist Fisch des Jahres 2016, SFV, 4.1.15.

4.1.15 HOME

Was haben Paraquat, Schweizerhalle und Lachs im Rhein miteinander zu tun?

13. Juli 2015
Ludwig Tent: "Bäche und kleine Flüsse sind auch heute trotz der Erfolge der Abwasserreinigung noch weit von einem guten Zustand entfernt. Häufig genug sind die Anforderungen des standorttypischen Lebensraums nicht erfüllt. Dabei kommt gerade den kleinen Gewässerläufen, den “Kinderstuben” der größeren, eine besondere Bedeutung zu, da sie bis zu 80% der Fließstrecken im Einzugsgebiet inne haben." Copyright Ludwig Tent.

Ludwig Tent: „Bäche und kleine Flüsse sind auch heute trotz der Erfolge der Abwasserreinigung noch weit von einem guten Zustand entfernt. Häufig genug sind die Anforderungen des standorttypischen Lebensraums nicht erfüllt. Dabei kommt gerade den kleinen Gewässerläufen, den “Kinderstuben” der größeren, eine besondere Bedeutung zu, da sie bis zu 80% der Fließstrecken im Einzugsgebiet inne haben.“ Copyright Ludwig Tent.

Die Forschungsanstalt Wädenswil lehnte ein Gesuch der Maag AG (heute Syngenta) um Zulassung von Paraquat für die Schweiz in den 1980er Jahren aus toxikologischen und ökotoxikologischen Gründen ab. Nach dem Unfall von Schweizerhalle zog die Maag AG den Einspruch gegen diese Entscheidung zurück, siehe Paraquat Zulassung (Wikipedia). „… und mit Schweizerhalle begann das internationale vorweg laufende Gewässerschutzprojekt am Rhein Lachs 2000 (Wikipedia). Ohne das verheerende Sandoz wäre wohl im Gewässerschutz weiter klein oder gar nicht gewurschtelt worden…“, schreibt Ludwig Tent in einem Brief an Heidi; Tent ist frisch verrenteter ehemaliger Leiter der Abteilung Technischer Umweltschutz/Wohnraumschutz im Hamburger Bezirksamt Wandsbek, Dozent am Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz der Technischen Universität Hamburg-Harburg und Blogger Osmerus‘ Blog. Mit der Edmund Siemers-Stiftung verbreitet er das Wissen über Bäche und kleine Flüsse.

„Rekordjahr 2015: Über 150 aufsteigende Lachse in Iffezheim beobachtet – Fischaufstieg bis in die Schweiz weiterhin wichtiges IKSR-Thema“, heisst der Titel der Pressemitteilung der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins vom 2.7.15.

Eine stabile Wildlachspopulation im Rhein und seinen Zuflüssen ist das Ziel des Folgeprogramms Lachs 2020. Geschichte und Informationen zum Lachs in der Schweiz beim Bundesamt für Umwelt (BAFU). Die IKSR hat ihre Visionen zu Lachs 2020 formuliert. Die dritte lautet: „Besatz mit Lachsen wird Selbstläufer. Pro Jahr werden etwa ein bis zwei Millionen junge Lachse im Einzugsgebiet des Rheins ausgesetzt. Ein Teil davon stammt von den erwachsenen Rückkehrern selbst ab.“

Ende gut, alles gut? NEIN!

Schon im Jahre 1997 hatte Ludwig Tent an einer internationalen Tagung in einer Diskussion darauf hingewiesen, dass nun – 3 Jahre vor „2000“ – zwar allerhand teure (ganz klar: nötige!) Durchgängigkeiten für Fische an etlichen Rhein-Wasserkraftwerken hergestellt waren, ABER der Zielort der Wanderer, das Laichbett/die Kinderstube überhaupt nicht! „Ihr müsst erst mal Forelle 2010 ankurbeln, bevor euer Lachs 2000 nachhaltig wirken kann!“ Tent, ein Mann der Tat, startete mitten in der Hansestadt Hamburg Forelle 2010 – Restrukturieren von Grossstadtbächen mit engagierten Bürgern. Jetzt, 18 Jahre nach seinem Spruch, wird Hamburg endlich soweit kommen, die Durchgängigkeit zwischen dem Stadtfluss Alster und der Elbe herzustellen.

Alles über lebendige Bäche und Renaturierung in Osmerus‘ Blog und im aus dem Dänischen übersetzten Buch Lebendige Bäche und Flüsse (Madsen & Tent, 2000).

Heidi meint: „Es muss nicht immer zuerst eine Katastrophe passieren bevor unsere Behörden handeln! Das gilt auch z.B. für Glyphosat, Pestizid-Cocktails in Schweizer Flüssen und Nitrat im Grundwasser.“

Fotomontage virtuelles (Jux-)Ortsschild Hamburg-Wandsbek. Copyright Ludwig Tent

Fotomontage virtuelles (Jux-)Ortsschild Hamburg-Wandsbek. Copyright Ludwig Tent

Nachtrag: Den jungen Lachsen auf der Spur, Moderne Methoden eröffnen neue Möglichkeiten, das Verhalten von Wanderfischen zu ergründen, von Lukas Denzler, NZZ vom 15.7.15.

13.7.15 HOME

Fischen im Ozean der Informationen

23. August 2014
Hochwasserschutz und Renaturierung für Mensch und Natur: Limmat zwischen dem Stauwehr Zürich-Höngg und der Autobahnbrücke Oberengstringen. http://www.awel.zh.ch/internet/baudirektion/awel/de/wasserwirtschaft/hochwasserschutz_und_renaturierung/auenpark.html

Hochwasserschutz und Renaturierung für Mensch und Natur: Limmat zwischen dem Stauwehr Zürich-Höngg und der Autobahnbrücke Oberengstringen. http://www.awel.zh.ch/internet/baudirektion/awel/de/wasserwirtschaft/hochwasserschutz_und_renaturierung/auenpark.html

Wer sich im Internet umsieht, findet eine ungeheure Fülle an Informationen über Wasser, Gewässer-, Grundwasserschutz, Pestizide … Heidi muss bisweilen zum Ufer schwimmen, um sich nicht zu verlieren. Mit diesem Artikel verführt sie ihre LeserInnen mit ein paar Links:

International Rivers: Diesen Link hat Siegfried Gendries, Lebensraum Wasser, soeben als Kommentar gemeldet zum Artikel Professor Andreas Fath: Wie ein Fisch im Rhein unterwegs. Seit 1985 kämpft International Rivers für den Schutz von Flüssen und für die Rechte der Menschen, die das Wasser zum Leben brauchen.

Waterkeeper Alliance: Die 1966 gegründete Organisation sagt von sich, dass sie zu den weltweit am schnellsten wachsenden Umweltbewegungen gehöre. 222 Waterkeepers sind auf sechs Kontinenten an Flüssen, Seen und Küstengewässern unterwegs, z.B. London Canalkeeper. In Europa ist das Ausbau-Potenzial der Waterkeeper gross!

Der Pestizidgegner, Die neue Südtiroler Tageszeitung online vom 22.8.14 (Quelle Grünwolf). Johannes Fragner-Unterpertinger: „Die Gesundheit ist ein Menschenrecht. Menschenschutz muss vor Pflanzenschutz stehen.“ Fragner, Pseudonym Hans Perting, ist Mitinitiator der Volksabstimmung für ein pestizidfreies Mals im Vinschgau (A), Apotheker, Schriftsteller und Betreiber der Hans-Perting-Buchwerkstatt.

23.8.14 HOME

Fischer fordern Tempo bei der Renaturierung von Flüssen und Bächen

3. Januar 2014
Die grössten Feinde der Groppen sind künstliche Uferverbauungen und begradigte Bäche und Flüsse.

Die grössten Feinde der Groppen sind künstliche Uferverbauungen und begradigte Bäche und Flüsse.

Die Groppe gehört in Deutschland und Österreich zu den gefährdeten Tierarten und wurde daher in die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgenommen. Der Schweizerische Fischereiverband (SFV) hat die Groppe zum Fisch des Jahres 2014 ernannt. „Wie kaum ein anderer Fisch reagiert die Groppe sensibel auf den Zustand der Bäche und Flüsse. Der Schweizerische Fischerei-Verband fordert deshalb: Mit der Renaturierung der Gewässer muss es in der Schweiz vorwärts gehen!“, weitere Informationen siehe Groppe – Botschafter für gesunde Flüsse und Bäche, Medieninformation des SFV vom 2.1.14. Gegen die vom Parlament beschlossene Renaturierung wehrt sich eine Allianz von Bauwirtschaft, Energieproduzenten und Bauern.

Extrem schlecht geht es dem Fisch des Jahres 2013, dem Roi du Doubs. Sein Verbreitungsgebiet von lediglich 10 Quadratkilometern besteht aus vier nicht miteinander verbundenen Bereichen. In einem davon, dem schweizerisch-französischen Doubs, wurden noch 52 Exemplare gezählt. Der „König des Doubs“ ist akut vom Aussterben bedroht. Kommt die in Strassburg beschlossene Rettungsaktion der Berner Konvention noch rechtzeitig? Ausführliche Informationen Rettung des Flusses Doubs: Berner Konvention empfiehlt entschlossenes Vorgehen, Mediencommuniqué Pro Natura, WWF, SFV vom 5.12.13.

Der Roi du Doubs hat offenbar nur wenig mit „König“ zu tun. Der SFV erklärt in seinem Newsletter vom 6.1.14 die Herkunft des Begriffs: Fisch des Jahres 2013… in letzter Minute gerettet? (Zur Zeit noch nicht im Newsletter-Archiv verfügbar.)

Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse!, Heidis Mist, 11.6.13

Der Gewässerraum und die Bauern, Heidis Mist, 22.11.12

Wasserqualität des Doubs: Validierung eines Aktionsplans und erste Massnahmen, BAFU, 22.1.14

3.1.14 HOME

Pufferstreifen-Verletzungen am Malanser Mühlbach

20. Mai 2013

Kleinkraftwerk Mühlbach

Das Projekt Renaturierung Malanser Mühlbach sowie der Bau von Fischtreppen sollten den Bodensee-Seeforellen die Wanderung ins Prättigau zu den ursprünglichen Laichgebieten ermöglichen, aber dann kamen die Probleme; jetzt wird eine andere Lösung gesucht. Mehr zu dieser interessanten Geschichte in einem separaten Artikel!

Immer wieder sieht Heidi am Mühlbach zu schmale Pufferstreifen.

Mist lag ungedeckt während Monaten auf der Wiese ...

Mist lag ungedeckt während Monaten auf der Wiese …

... jetzt wurde der Mist verteilt, auch auf dem Pufferstreifen am Mühlbach, wo es verboten ist zu düngen.

… jetzt wurde der Mist verteilt, auch auf dem Pufferstreifen am Mühlbach, wo es verboten ist zu düngen.

Eine gemistete Wiese zwischen Maienfeld und dem Möwenpick Heidiland. Mist lag schon lange ungedeckt auf der Wiese, kürzlich wurde er verteilt, und zwar bis an den Mühlbach, Pufferstreifen etwa 60 cm breit, statt 3 m wie es die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) vorschreibt. In den letzten Tagen ist der gedüngte schmale Pufferstreifen verschwunden. Der Bauer hat den Mist untergepflügt bis fast an den Mühlbach, wo doch dort gemäss Direktzahlungsverordnung (DZV) und integriertem Agridea-Merkblatt Pufferstreifen richtig bemessen und bewirtschaften ein 6 m breiter Grünstreifen sein sollte. Wie es wohl weitergeht, etwa mit Pflanzenschutzmitteln (PSM)? Mindestens ein 6 m breiter Pufferstreifen ist vorgeschrieben; es gibt aber auch PSM, die besonders gefährliche sind für Wasserlebewesen, z.B. vorgeschriebener Abstand zu Gewässern 20 m gemäss Produkt-Etikette. Heidi frägt sich immer wieder, ob solche Vorschriften eingehalten werden, wo es doch niemand sieht!

Am Mühlbach liegen drei weitere Felder mit zu schmalem Pufferstreifen, d.h. Breite zwei oder weniger als zwei Meter. Die Gesetzesbücher gehören zwar nicht zur Lieblingslektüre der Bauern, doch die landwirtschaftliche Presse widmet diesem Thema in letzter Zeit vermehrt Aufmerksamkeit, so dass die Vorschriften eigentlich langsam jedem letzten Bauern bekannt sein sollten. Für Verstösse sind Kürzungen der Direktzahlungen vorgesehen, wenn …. ja wenn kontrolliert und sanktioniert wird! Kürzungsrichtlinien Landwirtschaftsdirektorenkonferenz. Eines dieser Felder befindet sich ebenfalls zwischen Maienfeld und Möwenpick Heidiland. Zwei weitere liegen in Malans beim Bahnhof (oberhalb und unterhalb), wobei das eine nicht für Fotos zugänglich ist.

Wo ist hier der 6 m breite begrünte Streifen zwischen Acker und Mühlbach?

Maienfeld: Wo ist hier der 6 m breite begrünte Streifen zwischen Acker und Mühlbach?

Foto 12.8.12: Abgeerntetes Getreidefeld am Mühlbach in Malans. Pufferstreifen zur Bachsohle 2 m.

Foto 12.8.12: Abgeerntetes Getreidefeld am Mühlbach in Malans. Pufferstreifen zur Bachsohle 2 m, zur Böschungskante 1 m statt 6 m; Pufferstreifen zur Hecke knapp 1 m statt 3 m. Pflanzenschutz im Pufferstreifen? Zum Beispiel gegen Unkraut? Kürzlich wurde der Acker gleich angelegt wie 2012, vermutlich Mais … Nachtrag 30.5.13: Es ist ein Maisacker, aber auf dem Pufferstreifen wurde Gras gesät, ein Pufferstreifen ist am Entstehen!

Wiesenstreifens zwischen Maisacker und Mühlbach

… Saat eines 6 m breiten Wiesenstreifens zwischen Maisacker und Mühlbach in Malans …

20.5.13 HOME

Pufferstreifen oder Gewässerraum?

19. September 2012
DSC04084SeezK

Zum Schutz vor Hochwasser und Überschwemmungen wurde der Querschnitt des Flussbettes der Seez zwischen Mels und Walenstadt SG vergrössert. Die vielfältigen Strukturen bieten Fischen und Wassertieren bessere Lebensbedingungen. Das „Kleine Seezli „hingegen ist ein Kanal, dessen Pufferstreifen rechtswidrig bewirtschaftet wird, siehe Pufferstreifen neben einem Bach mit kurzer steiler Böschung https://heidismist.wordpress.com/2012/08/12/pufferstreifen-neben-einem-bach-mit-kurzer-steiler-boeschung/

Auf zu neuen Ufern! Dies ist der vielversprechende Leitspruch von ForscherInnen, die sich mit der Aufweitung von Gewässern befassen. Lange vor der Eidgenössischen Volksinitiative „Lebendiges Wasser (Renaturierungs-Initiative)“ der Fischer haben Fachleute Lösungen für die vielfältigen Probleme mit dem heutigen Zustand der Bäche und Flüsse gesucht. In Bundesbern war man nicht untätig, hat als indirekten Gegenvorschlag zur Renaturierungs-Initiative unter grossem Lobbying-Druck einen Zusatz zum Gewässerschutzgesetz geschrieben: Verhinderung und Behebung anderer nachteiliger Einwirkungen auf Gewässer. Die Gewässerschutzverordnung regelt die entsprechenden Details und ist seit 1.6.11 in Kraft. Ob damit das letzte Wort gesprochen ist, das bleibt offen, denn die Unzufriedenheit von Fischern, Bauern und z.T. Kantonen ist gross, obwohl die Kantone viel Freiraum bei der Gestaltung des Gewässerraums haben … oder gerade deswegen?

Tatsache ist, dass heute zwei unterschiedliche Regelungen in Kraft sind, welche die landwirtschaftliche Nutzung betreffen. Ein Problem? Eigentlich nicht, denn die Kantone müssen zuerst den Gewässerraum festlegen, bis dann bleiben die alten Regelungen in Kraft, also für Direktzahlungsempfänger das Agridea-Merkblatt Pufferstreifen – richtig messen und bewirtschaften und für die wenigen Übrigen als Mindestanforderung ein 3 m breiter Pufferstreifen gemäss Anhang 2.5 der Chemikalien-Risikreduktions-Verordnung für Pflanzenschutzmittel bzw. 2.6 für Dünger. Die einen Kantone werden die Umsetzung rasch an die Hand nehmen, die andern werden sich Zeit lassen, letzter Termin gemäss Gewässerschutzverordnung ist der 31. Dezember 2018. Sobald also ein Kanton den Gewässerraum definiert hat, dann gilt das neue Recht.

Die neue Regelung gibt den Kantonen die Möglichkeit, den Schutzstreifen entlang von Gewässern sinnvoll zu gestaltet. Der Gewässerraum muss nicht symmetrisch sein, z.B. wenn ein Bach einer hohen Felswand entlang verläuft, dann sollte der gesamte Gewässerraum einseitig festgelegt werden. Wie gross ist der Gewässerraum? Für Fliessgewässern mit einer Gerinnesohle von weniger als 2 m natürlicher Breite 11 m. Wenn die Gerinnesohle 2 bis 15 m breit ist, dann beträgt der Gewässerraum die 2,5-fache Breite der Gerinnesohle plus 7 m. Über 15 m? Die Kantone dürfen den Gewässerraum bestimmen. Und für stehenden Gewässern? Gemessen ab der Uferlinie mindestens 15 m. Die Gewässerschutzverordnung enthält weitere Bestimmungen, die den Gewässerraum für besondere Gewässer oder spezielle Erfordernisse regeln, etwa wenn die Gefahr von Hochwasser gross ist.

Wie bewirtschaften? Im Gewässerraum dürfen keine Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Einzelstockbehandlungen von Problempflanzen sind ausserhalb eines 3 m breiten Streifens entlang des Gewässers zulässig, sofern diese nicht mit einem angemessenen Aufwand mechanisch bekämpft werden können. Die Bauern dürfen den Gewässerraum bewirtschaften, sofern sie ihn gemäss den Anforderungen der Direktzahlungsverordnung vom 7. Dezember 1998 wie folgt nutzen: als Streuefläche, Hecke, Feld- und Ufergehölz, extensiv genutzte Wiese, extensiv genutzte Weide oder Waldweide. Diese Anforderungen gelten auch für die entsprechende Bewirtschaftung von Flächen ausserhalb der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Wie weiter? Das Bundesamt für Landwirtschaft und das Bundesamt für Umwelt sind daran, Ausführungsbestimmungen zur neuen Gesetzeslage zu entwerfen. Keine einfache Aufgabe. Die neue Regelung ist für alle Bauern gültig und beseitigt den Missstand, dass Nicht-Direktzahlungsempfänger auf dem 3-Meter-Pufferstreifen einen Acker anlegen dürfen, allerdings mit Dünge- und Pflanzenschutzmittelverbot … doch wer schaut denn schon genau hin, ausser Heidi natürlich. Wo der Wille zur Kontrolle vorhanden ist, wird diese Aufgabe mit der neuen Regelung nicht einfacher!

12.3334 Motion UREK zum Vollzug der Revitalisierung der Gewässer, Wortprotokoll der Nationalratssitzung vom 12.6.12. Aufschlussreich sind die Ausführungen von Bundesrätin Doris Leuthard: „Es ist eine mühsame Motion…“ Sie erinnert daran, dass die Geschichte des Gesetzes mit den Hochwasserkatastrophen begonnen hatte: 1987, 1999, 2000, 2005 und 2007. „…Danach kam der Ruf – notabene von den betroffenen Kantonen; Herr Nationalrat Vogler, auch Ihr Kanton war darunter! – nach Hochwasserschutz: Dieser sei wichtig, hiess es, man brauche einen besser geschützten Gewässerraum, der Bundesgesetzgeber solle handeln…“ Die Motion wurde trotzdem mit 94:89 Stimmen angenommen. Einmal mehr ein Sieg der InteressenvertreterInnen. Unüberhörbares Gepolter über den Kulturlandverlust zugunsten der Gewässer; Schweigen, wenn Bauland eingezont wird. Vielleicht wecken die nächsten Katastrophenmeldungen den Sachverstand aus dem Tiefschlaf, vielleicht!

Weitere Informationen zu Renaturierung der Gewässer, Bundesamt für Umwelt

Inventar der Revitalisierungsprojekte im Kanton Graubünden

Fischer schlagen Alarm: Gewässer (-schutz) in Not

19.9.12 HOME


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