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Heidis Wort zum Sonntag: Wir wollen den Schwarzen Peter nicht!

4. Februar 2018
Wir KonsumentInnen können den Schwarzen Peter oft gezielt weitergeben ... Augen und Ohren auf!

Wir KonsumentInnen können den Schwarzen Peter oft gezielt weitergeben … Augen und Ohren auf!

Wenn es um Nachhaltigkeit, RSPO, Konsum, Ökologie, Tierschutz, BTS, Pflanzenschutz, Welthandel usw. geht, dann schiebt man uns gerne den Schwarzen Peter zu: „Die Konsumenten wollen das!“ In Wirklichkeit manipuliert man die Konsumenten so gut es eben geht und lässt die Kasse klingeln.

„Die Konsumenten sind mündig!“, heisst es etwa, wenn Krankheitsprävention gefördert werden sollte: Tabak, Zucker, Fett, Alkohol, Mobilität usw. Oder wenn es um Wachstum geht: „Davon profitieren auch die Armen, besonders in den Drittweltländern.“ Allgemein herrscht die Meinung: „Die Konsumenten sind gut informiert.“ Wirklich?

  • Die Kartoffellager sind wegen der guten Ernte 2017 reichlich gefüllt. Doch die Konsumenten verlangen Frühkartoffeln (Milchhändler importiert Kartoffeln), Bauernzeitung vom 26.1.18). Import kommt z.B. aus Israel, wo das Grundwasser stetig sinkt. Frühkartoffeln bringen dem Handel eine gute Marge.
  • Schauen wir uns ein paar „mündige“ Konsumenten an! 30% Rabatt auf Nutella:
    VIDEOS – Scènes d’émeute pour du Nutella en promotion dans des supermarchés. In einem Video hört man eine Frau schreien: « Ma grand-mère est en train de se faire écraser pour du Nutella ! » Man wird uns sagen: Bei uns wäre das nicht möglich.
  • „Die Konsumenten wollen immer mehr Fleisch essen“, heisst es. Wir zahlen Steuern für die Fleischwerbung von Proviande. Aktionen – so scheint es wenigstens Heidi – gibt es besonders häufig bei Fleisch: 30%, 40%, 50% … Die billigsten Fleisch- und Wurstwaren von Migros, Coop, Spar, Aldi … findet man bei Aktionis.ch. Was billig angeboten wird, das wird auch gekauft. Von einem Einkaufszentrum ins andere fährt der gut informierte Konsument. Das Auto steht bereit! Oder der Bus fährt alle 15 Minuten.
  • Grosse Flächen Urwald sind schon abgeholzt, also wird es bald nur noch „nachhaltige“ Soya und „nachhaltiges“ Palmöl geben bzw. weitere „nachhaltige“ Produkte wie Quinoa … aus fernen Ländern. Also kein Grund zur Änderung unseres Konsumverhaltens!
  • Die Containerschiffe aus China brauchen für den Rückweg Ballast. Daher ist es „umweltschonend“, wenn wir Güter nach China schicken. Der Holztransport von Zürich nach Basel ist teurer als jener von Basel nach China. Zwar sind Christbaum-Kerzenhalter von COOP aus China unbrauchbar, da sie kein Gelenk haben für die vertikale Ausrichtung der Kerzen. Aber es ist vermutlich möglich, Christbäume in China für den Import in die Schweiz zu züchten, welche exakt horizontale Äste haben. Analoges gilt auch für z.B. den Lufttransport von Erdbeeren aus Kalifornien.

Die Liste lässt sich beliebig verlängern … der Schwarze Peter bleibt bei uns. Wollen wir ihn? Wir können Einfluss nehmen: Auf die modischen Nutella-Berliner verzichten, unsere Einkaufsgewohnheiten langsam aber sicher ändern. Es muss ja nicht so karg sein wie früher, als auch bei uns die Wenigverdienenden sich sehr wenig leisten konnten.

Vieles, was man uns als nachhaltig anpreist, ist es nicht. Je häufiger die Profiteure ihre Slogans wiederholen und dabei an Marge und Gewinn denken, desto mehr glauben sie selber daran. Schicken wir den Schwarzen Peter zurück an Verantwortliche, Marketing-Psychologen, Politiker, den Bundesrat …

Verkaufspsychologie kann nützlich sein

Das Design von Läden ist nicht neutral. Die Detailhändler wissen wie sie die Kunden dazu bringen, bestimmte Produkte zu kaufen und v.a. viel zu kaufen. Sie nutzen die Schwächen der Kunden hemmungslos aus.

Läden könnten die Kunden aber auch so manipulieren, dass es zu deren Vorteil ist, z.B. dass sie gesündere Lebensmittel kaufen und die Umwelt geschont wird. Psychologen, Marketing-Experten und einige Läden haben diese Idee getestet, siehe Video How your supermarket could manipulate you for your own good, BBC vom 26.1.18 sowie folgenden Beitrag zum Thema Healthy eating: The mind games of supermarket, BBC vom 9.9.14.

1950er Jahre: Die Freude von Kindern an Süssigkeiten

Heidi hat kürzlich von Martina ein paar Aufsatzhefte aus den 1950er Jahren erhalten. Hier ein Zitat:

Am Montag durften wir von 8-10 Uhr Baden gehen. Margrit, Vreni und ich mussten laufen. Als wir bei Schmids ankamen, fragte uns Frau Schmid, ob sie uns eine Bestellung für Beck Arnold mitgeben könne. Wir sagten: „Wir gehen schon dort hin.“ Da gab sie uns die Bestellung und einen Bonbon. Den Bonbon schleckten wir gerne in der Hitze. Als wir bei Arnolds die Bestellung abgaben, bekamen wir wieder einen Bonbon. Den ersparten wir auf den Heimweg …

Süssigkeiten waren damals selten. Dafür war jeweils die Freude gross, wenn die Kinder etwas Besonderes erhielten, eine Tafel Schokolade zum Geburtstag oder Lebkuchen vom Samichlaus. Heute will man gar den Chinesen das Schoggi-Essen schmackhaft machen, meist mit Palmöl drin.

Konventionelle Milchbäuerin sagt: Wir haben es satt!

"Wenn ich mit Natur-, Tier- und Umweltschützern rede, dann merk' ich sehr schnell, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen, denn wir alle leiden unheimlich unter einem System, das da heisst: immer billiger und immer mehr" Kirsten Wosnitza. Copyright: Wir haben es Satt!

„Wenn ich mit Natur-, Tier- und Umweltschützern rede, dann merk‘ ich sehr schnell, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen, denn wir alle leiden unheimlich unter einem System, das da heisst: immer billiger und immer mehr“ Kirsten Wosnitza. Copyright: Wir haben es Satt!

Klare Worte spricht Kirsten Wosnitza an der Veranstaltung Wir haben es satt in Berlin. Sie ist konventionelle Milchbäuerin und Sprecherin des Landesteams Schleswig-Holstein des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Applaus ist ihr sicher. Hören Sie, was diese engagierte Frau Ihnen zu sagen hat: Wir haben es Satt 2018 – Kirsten Wosnitza.

Wo hört der Fortschritt auf, wo beginnt der Rückschritt – global gesehen?

FOKUS: Der Tod ist Teil des Geschäfts. Marcel Niedermann und Rachel Honegger, SRF 10 vor 10 vom 2.2.18

Strafanzeige wegen Tierquälerei: „…Oder anders formuliert: Die Tierrechtler wollen ein System kippen, von dem selbst Landwirte sagen, dass sie sich zuerst daran gewöhnen mussten.“ Bauernzeitung vom 3.2.18

Beschwerde gegen Palmöl-Label von Migros und Coop, Tagesanzeiger vom 28.1.18

Oil Palm and Coconut Under Threat, Authorities Say. EMTV vom 25.1.18

Heidis Artikel zu Palmöl

Schweizer Rohstoff-Export – Asiaten wollen mehr Schweizer Holz. Matthias Heim, Tagesanzeiger vom 6.5.17

God’s giant miracle carrots, BBC vom 27.1.18

Werbepsychologie, Wikipedia

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Freihandelsgespräche in Davos – Heidi berichtet über Palmöl

22. Januar 2017
Lintang blickt auf das Land, das bis vor Kurzem ihren Eltern gehörte. Copyright: Astrid.

Lintang blickt auf das Land, das bis vor Kurzem ihren Eltern gehörte. Copyright: Astrid.

Alpöhi: „Heidi! Wo bist du? Der Pöstler hat einen Brief aus Indonesien gebracht.“

Heidi: „Hier in der Küche!“

Heidi reisst den Umschlag auf und liest dem Alpöhi vor, was Astrid geschrieben hat:

Den Boden haben sie uns einfach weggenommen, denn wir haben keine verbrieften Landrechte. Nur die Nutz-Bäume, welche wir gepflanzt hatten, wurden mit umgerechnet fünf Franken pro Baum entschädigt. Das Land gehört jetzt offiziell dem Staat. Dieser erteilt „Bewirtschaftungsbewilligungen“. Schon wurden Ölpalmen angepflanzt. Ich schicke dir ein Foto mit Lintang und den neuen Plantagen.

In anderen Gebieten sind die ebenen Flächen bereits mit Ölpalmen bepflanzt. Weil der Anbau auf Torfböden nicht besonders wirtschaftlich ist und man dort v.a. die Bäume herausnehmen wollte, werden jetzt die Hügel mit Bulldozern terrassiert.

Die meisten Nachbarn sind froh, dass sie bald wieder Arbeit und Bargeld haben werden, denn die Preise für Kautschuk und andere Produkte, welche wir früher in Agro-Forstwirtschaft angebaut hatten, waren Jahr für Jahr gesunken.“

Der Alpöhi und Heidi schauen sich wortlos an. Heidi legt den Brief beiseite und knetet energisch den Zopfteig, der auf dem Küchentisch liegt. Mehl und Butter hat der Alpöhi am frühen Morgen im Dorfladen gekauft.

WEF: Schneider-Ammann bespricht Freihandelsabkommen

Links: Indonesisches Dorf. Vielfältige Landwirtschaft mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kapok" target="_blank">Kapok</a>, verschiedenen Bananenarten, einigen Unterarten des ertragreichen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jackfruchtbaum" target="_blank">Jackfruchtbaums</a>, im Überfluss Papaya, Gemüse usw. Überschüssige Jackfrüchte werden dem Vieh verfüttert.<br /> Rechts: Palmöl-Plantage auf enteignetem Land. Pestizide gelangen durch Abschwemmung, Abdrift und Erosion in den Fluss und verschmutzen das Trinkwasser der Einheimischen. Copyright: Vecker.

Links: Indonesisches Dorf. Vielfältige Landwirtschaft mit Kapok, verschiedenen Bananenarten, einigen Unterarten des ertragreichen Jackfruchtbaums, im Überfluss Papaya, Gemüse usw. Überschüssige Jackfrüchte werden dem Vieh verfüttert.
Rechts: Palmöl-Plantage auf enteignetem Land. Pestizide gelangen durch Abschwemmung, Abdrift und Erosion in den Fluss und verschmutzen das Trinkwasser der Einheimischen. Copyright: Vecker.

Schneider-Ammann nutzte das World Economic Forum (WEF) für Gespräche mit Handelspartner in der Hoffnung auf den Abschluss von Freihandelsabkommen. Er traf sich am Mittwoch mit seinem malaysischen Kollegen. Die NZZ schrieb am 19.1.17: „Der heikelste Punkt bleibt auch nach sieben Verhandlungsrunden das Palmöl – aus ökologischen Gründen, aber auch weil die Schweizer Rapsproduzenten die Konkurrenz fürchten.“ Heidi meint: „Nicht nur aus ökologischen Gründen!“

Seit 1950: le Parfait – Original

Aus der Werbung: "Wer kennt ihn nicht, diesen kultigen Brotaufstrich, der 1950 in Freiburg erfunden wurde?..."

Aus der Werbung: „Wer kennt ihn nicht, diesen kultigen Brotaufstrich, der 1950 in Freiburg erfunden wurde?…“

Heidi hat im Nestlé Shop nachgeschaut. Die Zutaten sind vorbildlich aufgeführt; le Parfait Original enthält auch Palmkernfett (aus zertifiziertem Anbau). War Palmkernfett 1950 schon drin? Oder ist das „Original“ nicht ganz „original“? Heidi hat am 4.1.17 den Nestlé-Mediendienst angefragt, aber bis heute noch keine Antwort erhalten. Geduld!

Nestlé kauft Palm- und Palmkernöl und verkauft den Leuten dort, wo das Wasser durch Anbau und Produktion verschmutzt wird, sauberes Trinkwasser.

Palmöl ist nur ein Beispiel

Palmöl kommt stärker unter Druck, foodaktuell.ch, 16.1.17.

Heidis Artikel über Palmöl

Soap maker finds cleaner way to fight Southeast Asia wildfires, NIKKEI Asan Review, 2.1.17

Wie Palmöl Naturvölker auslöscht, Rezension dieses Thrillers von St. Moonlight/Gedankenteiler: Das Verschwinden der Luft, Christian Kahl, Verlag Divan. Geschichte in Anlehnung an Bruno Manser, bruno manser fonds.

 22.1.17 HOME

Billiges Palmöl für Reiche bedeutet Armut für die Dorfbevölkerung auf Borneo

4. Juli 2016

Der Alpöhi hat Heidi gebeten, den soeben eingetroffenen Brief von Astrid Walz (Name von der Redaktion geändert) aus Indonesien zu veröffentlichen, denn, so seine Meinung: „Die Orang-Utans haben eine Stimme, den armen Leuten im Dorf kannst Du auf Heidis Mist auch eine Stimme geben! Wenn ich nur schon das Kürzel RSPO lese, werde ich wütend.“

Liebe Heidi

Vielen Dank für den Hinweis auf die Sendung des Schweizer Fernsehens Nach der Flucht vor den Flammen: Orang-Utans wieder in Freiheit, SRF 1.7.16. Das mit den Orang-Utan ist gut gemeint, so wie es aber jetzt abläuft, haben diese keine Überlebenschance.

Ich habe heute einen 17-jährigen Burschen aus meinem Dorf mit dem Boot ins Spital gebracht. Er hat Typhus und wäre wahrscheinlich daran gestorben. Seine Familie hat kein Geld und niemand hat geholfen. Als erstes musste ich 1 Mio Rupiah (etwa 100 Franken) bezahlen, damit er überhaupt behandelt wird.

Früher war das besser. Der Dorfchef hatte einen Laden und war Aufkäufer für Rohkautschuk. Er half solchen Familien jeweils. Diese konnten die Schulden mit Kautschuk zurückzahlen. Wegen des Zusammenbruchs des Kautschukhandels kämpfen die Leute ums nackte Überleben, und das gelingt immer schlechter. Alles ist auf Palmöl ausgerichtet. Wir sind dieser Entwicklung hilflos ausgeliefert. Bei uns sterben auch junge Leute wegen der Armut. Um die Alten kümmert man sich sowieso nicht mehr!

Ich verstehe nicht, dass man bei euch das Palmöl als nachhaltig verkauft. Unser Reichtum, die Wälder, die Vielfalt, alles wird zerstört. Wenn ich darüber nachdenke, kommen mir die Tränen.

Viele Grüsse

Astrid

4.7.16 HOME

 

Palmöl: Argumente des Bundesrats auf wackligen Beinen

27. Juni 2016
All das Gerede um angeblich nachhaltiges Palmöl ändert nichts an der Tatsache, dass weiterhin hemmungslos Urwald abgeholzt wird. Copyright Astrid Walz.

All das Gerede um angeblich nachhaltiges Palmöl ändert nichts an der Tatsache, dass weiterhin hemmungslos Urwald abgeholzt wird. Copyright Astrid Walz.

„Der Bundesrat ist sich der ökologischen und sozialen Probleme im Zusammenhang mit der Palmölproduktion bewusst und engagiert sich in dieser Frage auf verschiedenen Ebenen. Er hebt in diesem Zusammenhang auch die Komplexität dieser Problematik hervor, insbesondere angesichts der grossen Bedeutung des Palmölanbaus für die Beschäftigung und die Armutsbekämpfung in den ländlichen Gebieten der Produktionsländer fest…“ So beginnt die ablehnende Stellungnahme des Bundesrats vom 22.6.16 zur Motion 16.3332 von SVP-National Jean-Pierre Grin, welche verlangt, dass der Bundesrat bei den Verhandlungen mit Malaysia Palmöl vom Freihandelsabkommen ausnimmt.

Es wäre ehrlicher, wenn der Bundesrat schriebe: „… insbesondere angesichts der grossen Bedeutung des Palmöls für unsere Lebensmittelindustrie, denn es ist billig (billiger als Schweizer Rapsöl) und lässt sich leicht verarbeiten. Diese Vorteile wiegen die Nachteile in den Produktionsgebieten bei Weitem auf, die da sind: Landgrabbing, Verdrängen der einheimischen Lebensmittelproduktion, Bodenzerstörung, Pestizide, Gewässerverschmutzung, Luftverschmutzung durch Brandrodung, Klimaveränderung, Urwaldzerstörung, Zerstörung des Lebensraums der Orang-Utan und zahlreicher weiterer vom Aussterben bedrohten Arten. Was die Schweizer KonsumentInnen anbetrifft, übernimmt der Bundesrat die volle Verantwortung für die gesundheitlichen Auswirkung des Palmöls …“

Die einheimische Bevölkerung leidet – nur wenige helfen ihr wirklich

Gefällter Meranti-Baum. Die Nüsse dieser Bäume liefern ein hochwertiges Öl. Copyright: Astrid Walz

Gefällter Meranti-Baum. Die Nüsse dieser Bäume liefern ein hochwertiges Öl. Copyright: Astrid Walz

Entgegen den Behauptungen des Bundesrates geht es der Bevölkerung gerade wegen des Palmöls schlecht. Astrid Walz (Name von der Redaktion geändert) schrieb Heidi kürzlich Folgendes:

Die grosse Überschwemmung ist vorbei, und die Baumaschinen fahren wieder auf. So wie es aussieht, wird die Regenzeit immer kürzer, dafür sind die Regenfälle heftiger. Der Boden kann wegen der Entwässerungsgräben in den Palmölplantagen immer weniger Wasser speichern. Die Trockenzeit wird immer länger, und es wird nicht mehr lange gehen, bis wir wieder von Busch-Wald und Torf-Bränden hören werden und die verschmutzte Luft uns krank macht.

Die Auswirkungen auf den verbleibenden Wald „Agroforest“ sind sichtbar, die letzten grossen Bäume können gefällt und abtransportiert werden, etwa ein Meranti-Baum (Foto), dessen Früchte ein wertvolles Öl enthalten, die vielseitig verwendbare Illipébutter, welche z.B. von Lush als Hautpflegemittel gepriesen wird.

Wir kämpfen weiter für unsere Zukunft, für unsere Lebensgrundlage.

Liebe Grüsse Astrid

In seinem Blog vom Januar 2014 schildert Willie Smits, wie es den Dajak bei ihrem Kampf gegen die Palmölfirmen geht und welche miesen Tricks die Palmöl-Gesellschaften anwenden. Willie Smits ist Tierschützer und Forstwissenschaftler. Auf Borneo (Indonesien) gründete er 1991 die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS), die weltweit grösste Organisation zum Schutz der unmittelbar vom Aussterben bedrohten Orang-Utans, Quelle Wikipedia. 2001 gründete Smits die Masarang Foundation zur Bekämpfung von Abholzung, Artensterben und Kinderarmut.

„… Aber trotz ständiger Erinnerungen und Besuchen bei vielen Regierungsstellen wurde keines der Versprechen gehalten und dann schickten die Firmen die Bulldozer zurück und fingen wieder an mit dem Abholzen, auch wieder in dem wunderschönen Wald, der von den Menschen geschützt wurde und auf Land, auf dem sie keinerlei Rechte hatten. Natürlich wird der RSPO, wenn er nachfragt, von den Firmen hören, dass die Arbeiter, die mit Kettensägen in diese Wälder eindringen, nur lokale Einheimische seien. Aber es kommen alle aus der Sambas-Region, einem Gebiet nahe der Küste, das bekannt ist für seine erfahrenen Kettensägen-Arbeiter, die von fast allen Palmöl-Firmen angeheuert werden, um die Drecksarbeit in West-Kalimantan zu machen! …

… Ich hörte wieder mal von so vielen schmutzigen Tricks, die diese Firmen routinemässig anwenden, dass es mich absolut wütend machte, dass es anscheinend keine Möglichkeit gibt, dass ein Aussenstehender einen wirklichen Umschwung für die lokalen Dajak bewerkstelligen kann, die nach dem Gesetz, sogar dem Grundrecht des Staates Indonesien, Rechte an ihren traditionellen Wäldern haben. Um diese Rechte zu zerstören, muss man ihre Kultur zerstören. Und genau das passiert gerade in grossem Stil.“

Palmöl: Der anhaltende Kampf der Seberuang Dajak, Netzfrauen, 18.2.14

Der Strassenbau fördert Erosion und Gewässerverschmutzung. Copyright: Astrid Walz.

Der Strassenbau fördert Erosion und Gewässerverschmutzung. Copyright: Astrid Walz.

Gegen die Korruption anzukommen, ist fast unmöglich.

Interview von Dagny Lüdemann mit dem Wissenschaftler Tampung Saman. Saman kämpft auf Borneo gegen die Zerstörung des Regenwalds. Er berichtet über Erfolge und Widerstände. Meine Heimat wurde vernichtet, ZEIT ONLINE, 20.11.9.

Gesundheitsrisiko Palmöl

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt vor Palmöl: „Prozesskontaminanten auf Basis von Glycerin, die in Palmöl, aber auch anderen Pflanzenölen, Margarinen und einigen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind, geben Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken für Verbraucher in jüngeren Altersgruppen, die durchschnittliche Mengen dieser Lebensmittel verzehren, sowie für sämtliche Altersgruppen bei grossen Verzehrmengen.“

Die in diesen Produkten enthaltenen Glycidyl-Fettsäureester (GE) sind genotoxisch und kanzerogen. „Die GE-Exposition von Säuglingen, die ausschliesslich Säuglingsanfangsnahrung zu sich nehmen, ist besonders besorgniserregend, da sie den für die öffentliche Gesundheit als unbedenklich geltenden Wert bis zum Zehnfachen übersteigt.“

„Für die meisten Menschen trägt Palmöl wesentlich zur Exposition gegenüber 3-MCPD und 2-MCPD bei … Die Schätzwerte für die durchschnittliche und hohe Exposition gegenüber 3-MCPD (beide Formen) bei jüngeren Altersgruppen einschliesslich Jugendlicher (bis 18 Jahre) überschreiten den TDI-Wert (tolerierbare tägliche Aufnahmemenge) und sind potenziell gesundheitsbedenklich …“

Unser Bundesrat schreibt in seiner Antwort auf die Motion Grin: „Zu den gesundheitlichen Bedenken hat sich der Bundesrat bereits geäussert (vgl. Interpellation Hausammann 15.4125). Er ist der Meinung, dass Palmöl für die Konsumentinnen und Konsumenten kein Gesundheitsrisiko darstellt, solange diese die Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide berücksichtigen.“ Wenn es um’s Geld geht, wird ausgeklammert, was nicht ins Schema passt. Zudem klaffen die Schweizer Agrarpolitik und Lebensmittelpyramide weit auseinander, siehe Erfolgreiches EU-Projekt Mittelmeer-Diät, Heidis Mist, 29.1.15.

Tengkawang-Fabrik – schonende Nutzung des Urwalds bringt Mehrwert

Bild aus dem Video über die Tengkawang-Fabrik, Solutions from the Jungle: The Tengkawang Factory. Copyright: Willie Smits

Bild aus dem Video über die Tengkawang-Fabrik, Solutions from the Jungle: The Tengkawang Factory. Copyright: Willie Smits

Der Urwald ist für die Einheimischen ein grosser Supermarkt. Er liefert ihnen Materialien und Lebensmittel. Was die Palmölplantagen am meisten verändert haben, das ist das Klima. Willie Smits und die Masarang Foundation helfen den Einheimischen, Mehrwert aus dem Urwald zu holen, indem sie die Tengkawang-Nuss der Meranti-Bäume sammeln und verarbeiten. Diese Bäume wachsen nur in einem Mischwald. Mit dem Unterhalt der Nussbäume wird auch der Wald geschützt und automatisch das Wasser, die Biodiversität und das Klima.

Die Einheimischen profitieren so am meisten. Eine kleine Investition bringt ihnen eine hohe Rendite. Wer Nüsse abliefert, erhält nicht nur einen guten Kilopreis, sondern auch sofort das Geld. Die Öl-Presse arbeitet bei 90°C. Nichts wird weggeworfen. Die Pressrückstände dienen als Futter für Fische, Hühner, Schweine. Der ausgeklügelte Holzofen nutzt auch das aus dem Holz entweichende Gas und liefert als Rückstand Pflanzenkohle statt Asche. Diese dient als Dünger in den Pflanzgärten. „Wir schauen, dass die Palmölplantagen nicht zu uns kommen … Die Natur gehört nicht nur uns, sondern der ganzen Welt“, sagt ein Einheimischer.

Solutions from the Jungle: The Tengkawang Factory, youtube 13:38, Project by Willie Smits and the Masarang Foundation.

Bedrohte Pflanzen und Tiere

Wo Agroforstwirtschaft betrieben wird, ist die Artenvielfalt noch relativ hoch. Copyright: Astrid Walz.

Wo Agroforstwirtschaft betrieben wird, ist die Artenvielfalt noch relativ hoch. Copyright: Astrid Walz.

Die Vielfalt von Flora und Fauna in den Urwäldern ist ausserordentlich hoch. Es ist wahrscheinlich, dass noch längst nicht alle Arten entdeckt worden sind. Werden wir je von diesen Tieren und Pflanzen hören, bevor der Palmöl-Boom sie für immer ausgelöscht hat?

„166 Pflanzenarten kommen nur im Dschungel von Borneo vor. Auch 35 von mehr als 200 verschiedene Säugetieren leben ausschliesslich auf Borneo, genau wie 35 Arten von Fischen. Ganz zu schweigen von der unglaublichen Vielfalt an Insekten, Amphibien und Reptilien, die sich in dem feuchtwarmen Klima im dichten Regenwald wohlfühlen.“ Dagny Lüdemann, Leiterin der Ressorts Wissen, Studium und Digital der ZEIT ONLINE, hat eine eindrückliche Galerie zusammengestellt. Bedrohte Vielfalt im Dschungel von Borneo: Auf Borneo leben einzigartige Arten. Wie lange noch?

In den Regenwäldern wächst etwa die seltene, hoch spezialisierte Riesenrafflesie (Rafflesia Arnoldii), welche vom Aussterben bedroht ist. Sie lebt als Parasit vollständig im Inneren ihrer Wirtspflanze. Erst wenn die Blütenknospen das Gewebe des Wirts durchbrechen wird sie sichtbar. Die Blüten sind die grössten des Pflanzenreichs: 1 m Durchmesser, bis 11 kg schwer. Am häufigsten wird sie in den Tropen von Indonesien gefunden.

Ein Elefantenkalb betrauert seine vergiftete Mutter. Copyright: picture alliance/dpa.

Ein Elefantenkalb betrauert seine vergiftete Mutter. Copyright: picture alliance/dpa.

Im Bundesstaat Sabah auf der Insel Borneo wurden Anfang 2013 vierzehn Borneo-Zwergelefanten vergiftet. Arbeiter einer Ölpalmplantage sollen Rattengift ausgelegt haben, um die Elefanten daran zu hindern, die Früchte der Palmen zu fressen. Doch verantwortlich ist vor allem Sabahs Premierminister Musa Aman, der immer mehr Konzessionen in Regenwaldgebieten vergibt, damit dort Monokulturen aus Ölpalmen wachsen – nicht selten zu seinem eigenen Vorteil…“, Malaysia opfert seine Elefanten für Palmöl, Rettet den Regenwald, Petition bis 24.4.15. Die Zwergelefanten stammen ursprünglich aus Java. Die auf Borneo lebenden 1’500 Elefanten sind die letzten Überlebenden ihrer Art. Wie kamen die Zwerg-Elefanten auf die Insel Borneo? Andreas Moser, SRF, 7.2.13.

Düstere Zeiten gibt es auch für den nachtaktiven „Sonnenbär“. Wenig weiss man über die Lebensweise und Verbreitung dieses Einzelgängers und kann daher seine Bestandesgrösse und Gefährdung nur schätzen. Sicher ist jedoch, dass die Bestände in den letzten Jahren abgenommen haben. Schuld daran sind vor allem: Vernichtung seines Lebensraums, Wilderei und illegaler Tierhandel.

Und der RSPO? 1. Sanktion / 1. Austritt

Obwohl die Anforderungen für das RSPO-Labels (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) klein sind, werden sie oft nicht eingehalten. Bisher hatte der „Runde Tisch Palmöl“ noch nie sanktioniert. Auf Druck von Umwelt- und Gesellschaftsaktivisten wurde endlich zur Kenntnis genommen, dass der Grosskonzern IOI Urwälder zerstört, Torfland entwässert und in Borneo und Sarawak in Landkonflikte mit der lokalen Bevölkerung verwickelt ist (Landgrabbing). Per 4.4.16 nun wurde zum ersten Mal ein Konzern suspendiert: IOI. Dieser ist Lieferant von Nestle, Unilever, Mars, Kelloggs usw. und besitzt die grösste Palmöl-Raffinerie in Europa. Der Entscheid fiel Anfang April am Sitz des RSPO in Zürich. Top palm oil producer sues green group over deforestation allegations, The Guardian, 9.5.16.

Der Konzern ist weltweit tätig. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass nicht nachhaltiges IOI-Palmöl als RSPO-zertifiziert auf Umwegen den Weltmarkt erreicht.

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Der RSPO hat 2’819 Mitglieder, nur 33 davon sind Non-Profit-Organisationen. Erstmals hat ein Mitglied den RSPO verlassen: Am 10.5.16 trat PanEco als Mitglied des RSPO zurück. „Wichtigster Treiber war ein neu eingeführter Artikel in der Resolution des RSPO, der, PanEco‘s Meinung nach, seine Mitglieder zwingt, den RSPO unhinterfragt als perfekten Service für die Gesellschaft zu bewerben. In der Realität bestehen jedoch viele Probleme: Einerseits verstiessen einige Mitglieder schwerwiegend gegen die RSPO-Richtlinien und Gründungsdokumente – Dies zeigen die zahlreichen Fälle, die im RSPO-Beschwerde-System dokumentiert sind. Andererseits wurden zahlreiche Berichte veröffentlicht, die ernsthafte Probleme innerhalb der Administration und in den internen Prozessen der Organisation aufzeigen…“ Nachhaltiges Palmöl, PanEco, 7.6.16.

Ein weiterer Grund ist die Untätigkeit des RSPO gegenüber Verstössen, dies auch im Falle der PT Sisirau (jetzt PT Ibris Palm), welche für schuldige befunden worden war, Orang-Utan-Lebensraum zerstört zu haben. Die Tiere verhungerten. PanEco resigns from RSPO over ‘sheer level of inaction’, Mongabay, 3.6.16.

Orang Utan Kaffee eignet sich bestens als Mitbringsel oder Geschenk.

Orang Utan Kaffee eignet sich bestens als Mitbringsel oder Geschenk.

Fazit

Es gibt nur wenig ECHT nachhaltiges Palmöl. Das sogenannt nachhaltige RSPO-Palmöl stammt im besten Fall von Urwaldflächen, welche bereits gerodet sind. Doch das möchten Bundesrat, Lebensmittelindustrie und Grossverteiler nicht wahrhaben. Mag sein, dass der Bumerang, den sie werfen, irgendwann zu uns zurückkehrt. Das schmutzige Geschäft geht weiter, ausser wir wehren uns energisch. Eine Sofortmassnahme ist: Wir meiden verarbeitete Lebensmittel und kaufen keine Artikel mit Palmöl drin! Palmöl muss seit 1.1.16 deklariert werden.

Heidis aktuelle Empfehlung

Selber gebackener Walliser-Aprikosen-Kuchen. Teig aus Schweizer Butter, Glyphosat-freiem Bio-Mehl, Salz und Wasser; das Kuchenteig-Rezept von swissmilk. Dazu schmeckt Orang Utan Kaffee wunderbar: „Unser Orang Utan Kaffee stammt von Kleinbauernfamilien, die ihre Kaffeegärten ökologisch bewirtschaften und sich verpflichten, den Regenwald und seine Tiere zu schützen. Im Gegenzug erhalten die Familien eine Prämie von EUR 0,50 pro kg Rohkaffee. Mit einer weiteren Prämie von EUR 0,50 pro kg Kaffee wird das Sumatra Orang-Utan-Schutzprogramm gefördert …“ Erhältlich online oder bei ViCafe Bellevue oder Goldbrunnenplatz, Zürich, oder in Eglisau.

Weitere Artikel zu Palmöl auf Heidis Mist:

Borneo: Palmöl und Kautschuk statt Lebensmittel

Von Cocain, Palmöl und Raps

Palmöl: Bundesrat argumentiert mit fragwürdigem RSPO-Label

Palmöl? RSPO? Eigentlich nichts Neues!

Warnung: Nichts Neues!

Heidi und der BFP-Osterhase

Nachtrag 3.7.16

Nach der Flucht vor den Flammen: Orang-Utans wieder in Freiheit, SRF 1.7.16

27.6.16 HOME

Warnung: Nichts Neues!

21. Januar 2016
Abwasser aus der Palmölproduktion fliesst in die Trinkwasser-Bäche. Bild aus dem Film "Die Nachhaltigkeitslüge" von Inge Altemeier

Abwasser aus der Palmölproduktion fliesst in die Trinkwasser-Bäche. Bild aus dem Film „Die Nachhaltigkeitslüge“ von Inge Altemeier

Eigentlich wollte Heidi arbeiten. Doch da lag ein Buch im Briefkasten, und Mails in der Box lenkten sie ab. Weil es so aktuell wie traurig ist, zuerst nochmals Palmöl. Die Arbeit wartet immer!

Das Leiden der einheimischen Bevölkerung in Indonesien

Brief von Astrid aus Indonesien: „… Der Verlust an Pflanzen und Tieren ist riesig, und die Nahrungsgrundlage der Einheimischen wird zerstört. Das Schlimmste ist die Umwelt- und Wasserverschmutzung. Reiche kaufen Flaschenwasser, die meisten trinken verseuchtes Wasser aus dem Bach. Leber- und Nierenschäden sind die Folge … So geht es uns:

Die Nachhaltigkeitslüge: Wie die Palmölindustrie die Welt betrügt, Inge Altemeier, 2010, youtube.“

Vom Baufieber zum Bodentod

„… Um den Bodenschutz ist es nun wieder ganz einsam und still.
Jede Baubehörde macht genau das, was sie grad will.
Es wird ja nur geholfen in größter Wohnungsnot.
Für den bebauten Boden bedeutet das den sicheren Tod …

Hier das vollständige Gedicht von Gerhard Laukötter, Deutschland:

Vom Baufieber zum Bodentod

Copyright rowohlt, 6. Auflage 2008

Copyright rowohlt, 6. Auflage 2008

Der Hüter des Misthaufens

Ein zufälliger Leser riet Heidi, bei Amazon das Stichwort „Misthaufen“ einzugeben. Sie hat das getan und ist u.a. auf das Buch von Peter Rühmkorf der Hüter des Misthaufens, aufgeklärte Märchen, gestossen, Erstausgabe 1983.

„Ein König war in Tellurien, der hatte drei Söhne, die wollte er auszahlen, als es zum Sterben ging …“ Der erste Sohn erhielt alles was niet- und nagelfest ist, also auch das Schloss, die Äcker und Weiden. Alles Bewegliche erhielt der zweite Sohn. Den dritten Sohn zog er liebreich an die Brust und sprach: «Vor den Toren der Stadt, ganz nah an der Grenze des Reiches liegt mein königlicher Misthaufen … den nimm von mir als dein Erbe und hüte ihn wie ein Schatz.» Der König ernannte ihn sodann zum Hüter des Misthaufens…“

Rümkorfs 13 aufgeklärte Märchen beziehen sich auf die 1980er Jahre, sie sind politische Aufklärung. Literatur.ch schreibt: „… Nun gebe ich jedem zu, dass sich die Mechanismen der Marktwirtschaft in den 30 Jahren, die seit der Publikation von Der Hüter des Misthaufens vergangen sind, nicht geändert haben. Aber wir haben eine neue Rücksichtslosigkeit der diese Mechanismen Durchsetzenden erlebt, die Rühmkorfs theoretische und verspielte Utopie als Träume eines Gymnasiasten erscheinen lassen …“

Träumen ist bisweilen schön, und lesenswert ist das Buch tatsächlich. Heidi hat zwei Exemplare gekauft. Wer möchte eins? Bitte melden unter heidismist at bluewin.ch.

21.1.16 HOME

Palmöl? RSPO? Eigentlich nichts Neues!

20. Januar 2016
Strassen werden in den Urwald geschlagen, erodierte Erde verschmutzt die Bäche aus welchen die Einheimischen ihr Trinkwasser holen. Hinzu kommen Gewässerverschmutzungen mit Pflanzenschutzmitteln und Dünger.

Strassen werden in den Urwald geschlagen, erodierte Erde verschmutzt die Bäche aus welchen die Einheimischen ihr Trinkwasser holen. Hinzu kommen Gewässerverschmutzungen mit Pflanzenschutzmitteln und Dünger.

Schon vor gut sieben Jahren informierte der Kassensturz ausführlich über das Palmöl-Drama. Dessen ungeachtet nahm die Produktion exponentiell zu. Das Geschäft läuft nicht nur wie geschmiert, sondern auch geschmiert. Die aufgeklärte Welt will nicht mehr auf das billige Öl verzichten, denn z.B. Butter ist dreimal so teuer. Bündner Nusstorte mit Palmöl? Ja, das gibt’s. Es geht auch anders. Hier das Rezept mit Butter und Rahm.

Wenn einmal alle Urwälder abgebrannt sind, dann ist Palmöl kein Klimakiller mehr … und das Label RSPO nachhaltig? Heidi glaubt das nicht. Also handeln wir jetzt. Seit Anfang 2016 muss Palmöl auf der Verpackung deklariert werden. Daher kein Produkt mit Palmöl in den Warenkorb! Werden die Grossverteiler unseres reichen Landes mit dem guten Beispiel vorausgehen oder weitere Argumente finden für die „Nachhaltigkeit“ ihres Palmöls?

Eine Umfrage von saldo vom 25.11.15 mit 438 Teilnehmenden zeigt, dass 30% das Problem nicht kannten und in Zukunft vermehrt darauf achten werden. Nur 10% wollen nicht wegen Palmöl auf gewisse Produkte verzichten.

Palmöl-Boom: Fatale Folgen für Urwald und Affen, Kassensturz vom 14.10.08, SRF.

Palmöl in unseren Lebensmitteln: Der versteckte Klimakiller, Kassensturz vom 19.1.16, SRF.

Palmöl: «Der Wald brennt weiter, es wird immer schlimmer», Eric Breitinger, Sabine Rindlisbacher, saldo vom 25.11.15.

Das Geschäft mit dem Umweltschutz, Marc Mair-Noack, saldo vom 9.12.15: „… Ein Produzent von Palmöl zahlt an eine Umweltbank und darf dafür Regenwald abholzen. Diese Ausgleichszahlung bringt den dort lebenden Orang-Utans allerdings nichts…“

Palmöl: Bundesrat argumentiert mit fragwürdigem RSPO-Label, Heidis Mist vom 5.11.15.

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Palmöl: Bundesrat argumentiert mit fragwürdigem RSPO-Label

5. November 2015
In Indonesien brennen die Wälder! Wo Torfwälder brennen, da verbrennt auch der Boden. Unsere Vorfahren haben Torf als Brennstoff verwendet. Copyright PanEco.

In Indonesien brennen die Wälder! Wo Torfwälder brennen, da verbrennt auch der Boden. Unsere Vorfahren haben Torf als Brennstoff verwendet. Copyright PanEco.

„Die neuste Label-Bewertung der Stiftung Pusch, des WWF und weiterer Organisationen bringt zumindest im Bereich Fisch mehr Fragen als Nutzen für die Konsument/innen“, schreibt fair-fish in der Medieninformation vom 5.11.15: Zur neusten Bewertung von Fisch-Labels. Noch wesentlich schlimmer dürfte es mit dem RSPO-Label für Palmöl stehen. RSPO will den Markt so verändern, dass weltweit nur noch „nachhaltiges Palmöl“ angebaut wird. Wer die stattliche Liste der Mitglieder sieht, neigt dazu zu glauben, dass RSPO auf dem richtigen Weg ist: 20% zertifiziertes Palmöl, 2475 Mitglieder. Und am 16. bis 19.11.15 findet der 13. Runde Tisch zu nachhaltigem Palmöl in Kuala Lumpur statt.

Gibt es nachhaltiges Palmöl?

Doch was ist „nachhaltige Produktion“ von Palmöl? Der WWF hatte den Runden Tisch initiiert, doch zufrieden ist er mit dem Resultat keineswegs, siehe Runder Tisch für Palmöl. Weil aber bisher nur die Hälfte des zertifizierten Palmöls Abnehmer findet, war es nicht möglich, die Mehrheit der Produzenten von strengeren Kriterien zu überzeugen, etwa Verbot des höchst gefährlichen Herbizids Paraquat, Umwandlung von Torfböden in Plantagen. Paraquat in den Böden und im Wasser – auch im Trinkwasser – weit weg, das schadet UNS doch nicht!

In den RSPO-Richtlinien ist ein Rodungsverbot von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Lebensräumen für Plantagen enthalten. Es gibt nur wenige absolut unberührte Primärwaldflächen in Indonesien. Der Mensch hat da und dort einen Baum gefällt … und schon ist der Urwald kein „Primärwald“ mehr im Sinne des RSPO-Labels und darf gerodet werden. Landrechte sind bisher kaum verbürgt, also gibt es Konzerne, welche den einheimischen Kleinbauern das Land wegnehmen. Die Arbeitsbedingungen sind oft prekär. Ein niederschmetternder Film von ZDF Zoom Schokolade, Shampoo, Sonnencrème – wie Alltagsprodukte den Regenwald zerstören, 2012. Seither dürfte sich die Lage nicht wesentlich geändert bzw. sogar verschlechtert haben.

Indonesien brennt!

Dass Indonesien brennt, das haben mittlerweile viele bemerkt, aber erst seit der Rauch anderswo stört. Umweltorganisationen waren bisher zurückhaltend mit Wortmeldungen. Vielleicht aus Rücksicht auf Geldgeber? In der Schweiz ansässige IndonesierInnen erhalten schon lange Meldungen über kranke oder gar gestorbene Menschen. Doch das soll BITTE nicht die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen der Schweiz mit Malaysia und Indonesien stören! Heidi verlinkt einmal mehr die Interpellation von Maya Graf vom 19.6.15. Darin verweist der Bundesrat auf das RSPO-Label. Also Ende GUT? Kaum!

Am nächsten Dienstag, 10. November 2015, findet an der ETH ein Symposium zu Palmöl statt: Debunking myths about Palmoil, eine öffentliche Debatte mit internationalen Experten. Man darf gespannt sein, ob das Problem an den Wurzeln gepackt wird. Oder ob Geld die Marschroute weiterhin bestimmt, d.h. greenwashing.

Medien schweigen … Beamte brüten über Klimawandel

Heidi verweist auf den Bericht von Georges Monbiot in the Guardian Nothing to See Here vom 30.10.15. Er beklagt, dass die Medien schweigen. Sie berichten lieber über das Kleid der Duchess of Cambridge, den neuesten Bond-Film … usw. als über die Urwaldbrände in Indonesien: „In the greatest environmental disaster of the 21st Century (so far), Indonesia has been blotted out by smoke.“

Das ist in der Schweiz nicht anders, auch in den Amtsstuben. Während unsere Beamten sich in Klimafragen schlau machen, sind die durch Urwald- und Torfboden-Brände verursachten Emissionen höher als jene der gesamten Wirtschaft der Vereinigten Staaten, siehe Indonesia’s Fire Outbreaks Producing More Daily Emissions than Entire US Economy, World Resources Institute, 16.10.15.

Was sollen wir jetzt kaufen? Vegane Margarine mit angeblich nachhaltigem Palmöl oder Schweizer Butter? Schweizer Rapsöl oder …?

Positiver Schlusspunkt: HISTORISCHER GERICHTSENTSCHEID: KAMPF GEGEN PALMÖL-KONZERN GEWONNEN, PanEco vom 15.9.15

Links

Umwelt-Frevel für neue Palmöl-Plantagen, Peter G. Achten, Infosperber, 2.10.15. „Giftiger Qualm vernebelt derzeit weite Teile Südostasiens. Die Ursache des Übels: verbotene Brandrodungen in Indonesien.“

Torfböden sind in Indonesien unter einem Moratorium seit 2011 theoretisch geschützt. Doch die Regierung genehmigte trotzdem eine Plantage auf einem der letzten Torfdome Westindonesiens. Dieser ist als Kohlenstoff- und Wasserspeicher wichtig sowie für die Biodiversität und die Existenz der lokalen Bevölkerung. Feuer in Indonesien: Kein Palmöl auf Torf! Keine Plantage für PEAK!, Rettet den Regenwald, Petition

Von Cocain, Palmöl und Raps, Heidis Mist, 23.9.15

Borneo: Palmöl und Kautschuk statt Lebensmittel, Heidis Mist, 8.7.15

bruno manser fonds, fairness im tropenwald

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