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Unverantwortlich: Lernende spritzt Duplosan KV-Combi ohne Schutzhandschuhe und -brille

19. Juni 2020
In der Rubrik "Was die Lernende diese Woche erlebt hat" schildert Mirjam Schnider in der Bauernzeitung vom 19.6.20 wie sie auf einer Alp Blacken und Germer mit Duplosan KV-Combi bekämpft hat. Walter K. hat Heidi diesen Artikel zugestellt.

In der Rubrik „Was die Lernende diese Woche erlebt hat“ schildert Mirjam Schnider in der Bauernzeitung vom 19.6.20 wie sie auf einer Alp Blacken und Germer mit Duplosan KV-Combi bekämpft hat. Walter K. hat Heidi diesen Artikel zugestellt.

Diplosan KV-Combi ist für die Bekämpfung von Disteln, giftigen Kreuzkräutern und Germer zugelassen und hat eine Teilwirkung gegen Blacken (Rumex-Arten). Für die Einzelstockbekämpfung mit einer 1%-igen Lösung wie sie Mirjam Schnider betrieben hat, bestehen folgende Gefahrenkennzeichnungen:

  1. Nachfolgearbeiten in behandelten Kulturen: bis 48 Stunden nach Ausbringung des Mittels Schutzhandschuhe + Schutzanzug tragen.
  2. Beweidung oder Schnitt (Grünfutter oder Konservierung) frühestens 3 Wochen nach der Behandlung. Ausnahme: Für nicht laktierende Tiere beträgt die Wartefrist 2 Wochen.
  3. Ansetzen des Mittels: Schutzhandschuhe + Schutzanzug + Schutzbrille oder Visier tragen. Ausbringen des Mittels: Schutzhandschuhe + Schutzbrille oder Visier tragen.

Schnider beschrieb nicht wie sie das Mittel angesetzt hatte, ob mit oder ohne die erforderlichen Schutzmassnahmen wie Schutzanzug. Das Foto zeigt, auch wenn es etwas unscharf ist (siehe Nachtrag vom 20.6.20), dass sie beim Spritzen keine Schutzhandschuhe und -brille trug. Es ist die Aufgabe des Lehrmeisters, die Lernende zu instruieren, sie auf die Gefahren aufmerksam zu machen und die Massnahmen zu ihrem Schutze zu treffen. Die Gesundheit von Mirjam Schnider wird bei dieser Herbizid-Spritzaktion fahrlässig aufs Spiel gesetzt.

Weidetiere (und Wildtiere!) meiden zwar giftige Pflanzen wie den Germer, aber wenn diese welken, dann erkennen sie die Giftpflanzen nicht mehr. So schreibt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vor, dass die Flächen nach Herbizidbehandlung erst nach vollständigem Absterben und Verfaulen der Pflanzen beweidet werden dürfen.

Duplosan KV-Combi, Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Landwirtschaft, Stand 19.6.20. Der "Name des sensibilisierenden Stoffes" ist nicht vermerkt. "Wieso?", frägt sich Heidi.

Duplosan KV-Combi, Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Landwirtschaft, Stand 19.6.20. Der „Name des sensibilisierenden Stoffes“ ist nicht vermerkt. „Wieso?“, frägt sich Heidi.

Man verweist auf Gesetze, Vorschriften, Kontrollen … doch in der Praxis sieht vieles anders aus.

Wann kommt das Herbizid-Verbot für Alpen?

Heidis Frage: „Ist dieser Lehrmeister ausreichend ausgebildet für die Ausbildung von Lernenden? Überhaupt, wäre es nicht endlich an der Zeit, die Herbizidspritzerei auf Alpen zu verbieten, zum Schutze der Wildtiere, des Bergwassers, der Umwelt, der Spritzenden? Denn es geht auch ohne!“

„Ein Kurs des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) zeigte auf, wie Problempflanzen auf Alpen bekämpft werden können. Natürlich ohne Gift. Denn die immer öfter angewandte Chemiekeule ist weder von dauerhafter Wirkung, noch passt sie zur Naturvielfalt der Alpweiden.“

Problempflanzen auf Alpen

PaturaALPINA informiert über die Bekämpfung von Problempflanzen. So ist etwa zu lesen: „Da ein Germeraufkommen hauptsächlich aufgrund von Unternutzung, zu später Nutzung und / oder unregelmässiger Nutzung auftritt, ist eine rein chemische Regulierung ohne Bewirtschaftungsanpassungen nicht empfehlenswert. Um das Problem der Germerausbreitung an der Wurzel anzupacken, ist eine chemische Regulierung nur in Kombination mit Bewirtschaftungsanpassungen zu empfehlen.“

DigiPlanAlp ist ein Verbundprojekt zum Thema „Problempflanzen auf Alpen“ zwischen Agridea, FiBL, Agroscope und dem Büro Alpe. Im Auftrag des BLW’s wird das bestehende praktische und theoretische Wissen im Umgang mit Problempflanzen im Sömmerungsgebiet aufgearbeitet und digitalisiert. Die Inhalte werden auf dieser Website, in Kurzfilmen auf youtube und dem Agridea-App verbreitet und aktualisiert.

Nachtrag vom 20.6.20: Walter K. hat Heidi auf Anfrage eine besseres Foto geschickt. Darauf ist klar erkenntlich, dass Mirjam Schnider keine Handschuhe trägt, auch keine durchsichtigen.

PaturaALPINA

Bekämpfung des Weissen Germers, Bioaktuell vom 15.4.20

Empfehlungen zum Pflanzenbau und Pflanzenschutz, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, 23.3.20

Heidis 28 Artikel über Herbizide auf Alpen

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Graubünden: Annäherung an eine Alp

26. Juli 2018

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Misthaufen und Abwasser im Tessin

2. Februar 2014
Schon sehr lange liegt dieser Bio-Knospe-Mist auf einer Tessiner Wiese, üppiges Pflanzenwachstum auf 1'500 m ü.M.

Schon sehr lange liegt dieser Bio-Knospe-Mist auf einer Tessiner Wiese, üppiges Pflanzenwachstum auf 1’500 m ü.M.

Auch im Tessin sieht Heidi immer wieder Misthaufen, die monatelang ungedeckt im Feld liegen. Weil sie den Zug oder Bus nicht einfach zum Fotografieren anhalten kann, besitzt sie davon keine Fotos, doch Tessiner, welche sich darüber aufregen, haben ihr das bestätigt. Einmal hat sie gar Fotos erhalten und einen Bericht darüber verfasst: Tessiner Misthaufen auf Wiesen. Nun sind von einem anderen Ort Fotos eingetroffen. Danke!

Der Mist sei echt Bio.Inspecta-zertifiziert, beteuert der Fotograf; davon zeugt auch das Knospe-Signet am Zaun, siehe letztes Bild. Heidi hat das Zertifikat dieses Hofs auf dem Internet eingesehen, es handelt sich tatsächlich um einen Bio-Knospe-Betrieb. 10 Jahre lang wurde die Ausnahmebewilligung Gewässerschutz von den Tessiner Behörden verlängert. Seit einem Jahr gibt es sie dank massivem Druck von Privatpersonen nicht mehr, doch geändert hat sich bisher wenig: Hofdünger-Lagerkapazität 0%, wo doch 90% für einen Bio-Vollbetrieb vorgeschrieben sind! Bio.Inspecta und die Behörden drücken alle Augen fest zu.

Blacken sind Nährstoffzeiger. Häufig wachsen sie dort, wo sich Weidetiere regelmässig aufhalten. Aber hier am Steilhang? ...

Blacken sind Nährstoffzeiger. Häufig wachsen sie dort, wo sich Weidetiere regelmässig aufhalten. Aber hier am Steilhang? …

Herkunft des Blacken-Düngers: Die Abwässer von Stall und Haus flossen bis vor einem Jahr in eine Sickergrube, von dort als kleines Bächlein zum Hang: Heute "nur" noch das Hausabwasser ...

Herkunft des Blacken-Düngers: Die Abwässer von Stall und Haus flossen bis vor einem Jahr in eine Sickergrube, von dort als kleines Bächlein zum Hang: Heute „nur“ noch das Hausabwasser …

Der bauliche Gewässerschutz ist Sache der kantonalen Ämter; es sind im Biolandbau keine Sanktionen für Mängel vorgesehen. Die geforderte Lagerkapazität für Hofdünger von 90% ist also eher eine theoretische Grösse. In Kantonen, welche die gemäss Art. 28 der Gewässerschutzverordnung vorgeschriebene Kontrolle der Lagereinrichtungen für Hofdünger und Gärgase nicht durchführen, ist Bio diesbezüglich nicht besser als die übrigen Landbauformen. Der Kanton Tessin hat die Kontrolle einer externen Organisation übergeben, doch scheint es Heidi, dass diese noch nie in dieser Gegend war.

Gewässerschutz-, Umweltschutz- und Natur- und Heimatschutz sind im Sanktionsreglement 2014 Biologische Landwirtschaft relativ pauschal abgehandelt, siehe Punkte 434 und 435.

Die Gesetze und Vorschriften sind das EINE, der Vollzug das ANDERE. Gerne weisen die Bauernvertreter auf die strengen Schweizer Umwelt- und Tierschutzvorschriften hin, übersehen aber ebenso gerne den mangelnden Vollzug.

... und weiter bergab geht's mit den Abwässern; der Bach nimmt sie auf, fliesst zu Tal und mündet in den Ticino. Winterfoto.

… und weiter bergab geht’s mit den Abwässern; der Bach nimmt sie auf, fliesst zu Tal und mündet in den Ticino. Winterfoto.

... ein anderer Stall... alles Bio-Gülle ... und Bio darf man doch!

… ein anderer Stall… alles Bio-Gülle … und Bio darf man doch!

Hier ein kleiner Haufen ...

Hier ein kleiner Haufen …

... dort einer ...

… dort einer …

... und noch einer ...

… und noch einer …

... und noch einer ... Abwasser im Hintergrund ...

… und noch einer … Abwasser im Hintergrund …

... viele kleine Misthaufen irgendwo in der Landschaft ...

… viele kleine Misthaufen irgendwo in der Landschaft …

Dieser Bio-Knospe-Mist (Aufnahme Frühling 2013) wurde inzwischen wegtransportiert und in kleinen Häufchen im Feld deponiert. Der Fotograf meint: "Auch diese Misthäufchen werden nie verteilt werden."

Dieser Bio-Knospe-Mist (Aufnahme Frühling 2013) wurde inzwischen wegtransportiert und in kleinen Häufchen im Feld deponiert. Der Fotograf meint: „Auch diese Misthäufchen werden nie verteilt werden.“

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