Posts Tagged ‘Schädlinge’

Wenn Bauern „Zuckerwasser“ spritzen (2)

10. April 2022
Danke, NaNa, für diesen anschaulichen Cartoon.

Danke, NaNa, für diesen anschaulichen Cartoon. Ohne Makel muss alles in den Läden sein, womöglich jeder einzelne Apfel mit einem doofen Sorten-Kleber versehen. „Ich möchte aber auch 2. Klass-Äpfel zum Kochen“, meint eine Konsumentin. Heidi hat diese Sorge nicht. Die ungespritzten Äpfel aus dem Garten sind (fast) alle schön, denn es sind resistente Sorten, nur manchmal pickt ein Vogel ein Loch in einen Apfel. Das sind aber nur wenige und dafür fressen die Vögel allerlei Schädlinge.

Wenn Bauern „Zuckerwasser“ spritzen. Heidis Mist 8.4.22

Synthetische Spritzmittel Karin Bauer, DOK, SRF 7.4.22

Pestizide: Manche Bauern kennen wenig Eigenverantwortung. Urs P. Gasche, Infosperber 8.4.22

Das grosse Puff mit den Pufferstreifen am Wasser: Kein Ende in Sicht. Heidis Mist 7.1.21

Pesticides are everywhere – inventory and requirements. Bio-Reporter International. 7.4.22

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Der Pestizidatlas 2022 ist erschienen!

21. Januar 2022
Pestizidatlas 2022, Seite 11.

Pestizideinsatz in Tonnen nach Kontinenten im Jahr 2019 und Veränderung seit 1999. Jährlich erleiden auf der ganzen Welt 385 Millionen Menschen eine Pestizidvergiftung. Für einige endet sie tödlich. Quelle: Pestizidatlas 2022, Seite 11.

Der PESTIZIDATLAS 2022 ist ein Kooperationsprojekt von Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, PAN Germany und Le Monde Diplomatique. Er enthält Daten und Fakten zu Giften in der Landwirtschaft.

Hier ein Zitat, siehe Seite 10:

„Die eingesetzte Pestizidmenge steigt seit Jahrzehnten an: Zwischen 1990 und 2017 um etwa 80 Prozent. Das Zusammenspiel von Pestiziden, Dünger und technischem Fortschritt trug dazu bei, dass sich die landwirtschaftliche Produktion grundlegend verändert hat. Da Bäuerinnen und Bauern Krankheiten und Schädlinge nun durch Pestizide statt durch Fruchtfolgen und Fruchtkombinationen in Schach hielten, konnten sich enge Fruchtfolgen immer gleicher Kulturpflanzen etablieren. Das Ergebnis: Ohne Pestizide ist die heutige industrielle Landwirtschaft grossenteils nicht mehr vorstellbar.

Durch kapitalintensive Inputs stiegen in vielen Industrieländern seit den 1950er-Jahren die Erträge und damit das Angebot an landwirtschaftlichen Produkten deutlich schneller als die Nachfrage – was zu immer billigeren landwirtschaftlichen Produkten und schlechterem Einkommen für die Landwirtinnen und Landwirte führt. Parallel zum Pestizideinsatz intensivierte sich die wissenschaftliche Forschung. Immer mehr Erkenntnisse haben Fachleute darüber gewinnen können, wie sich Pestizide auf die menschliche Gesundheit auswirken und die Umwelt belasten können.

Heute liegt die jährlich ausgebrachte Pestizidmenge bei circa 4 Millionen Tonnen weltweit. Fast die Hälfte davon sind Herbizide, die gegen Unkräuter verwendet werden; knapp 30 Prozent sind Insektizide, die gegen schädliche Insekten wirken und etwa 17 Prozent sind Fungizide gegen Pilzbefall. Marktanalysen bezifferten den globalen Pestizid-Marktwert im Jahr 2019 auf fast 84,5 Milliarden USDollar. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag seit 2015 bei mehr als 4 Prozent – für die kommenden Jahre könnte sie steigen. Bis 2023 wird eine Wachstumsrate von 11,5 Prozent und damit ein Anstieg auf fast 130,7 Milliarden US-Dollar Marktwert prognostiziert.

Dieser deutliche Anstieg hängt auch mit der Klimakrise zusammen: Ein US-Forschungsteam der Universität von Seattle hat kalkuliert, dass pro Grad Erderwärmung die Ernteerträge von Reis, Mais und Weizen um 10 bis 25 Prozent sinken könnten. Die Gründe dafür sind vielfältig. So verändert der Klimawandel zum Beispiel Schädlingspopulationen und das Verhältnis von Schädlingen und Nützlingen. Hinzu kommt, dass die Widerstandskraft der Pflanzen gegen Schädlinge infolge von klimabedingtem Stress sinkt.“

Ein Kommentar aus Dänemark

Zitat Paul Holmbeck, EcoConsult, Political strategy, Policy innovation, IFOAM World Board Member, Climate & organic market initiatives, Aarhus, Midtjylland, Dänemark:

„Der Pestizideinsatz ist in Dänemark im vergangenen Jahr zurückgegangen – ein Grund dafür sind die Greenfees für den Pestizideinsatz, die je nach Toxizität immer höher sind. Auch hier sind viele Verbesserungen erforderlich – Verbot von mehr Pestiziden, mehr pestizidfreie (organische!) Zonen um Trinkwasser und Naturgebiete und weniger Verzichtserklärungen für die Nutzung. Und nicht zuletzt mehr Ökologischer Landbau überall!“

Pestizidatlas 2022

Pestizidatlas 2022 zeigt Gefahren chemischer Pflanzenschutzmittel. Pestizidatlas vorgestellt. Tagesschau 12.1.21

Scarry new world record for use of pesticides… OPTA – the Association of Organic Processing and Trade Companies in Europe 17.1.22

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Sind tropische Böden fruchtbar?

10. Januar 2022
Typisch für die Tropen ist die Laterit-Bildung. Laterit von lat. later = Ziegel, wegen der ziegelroten Farbe des entstehenden Bodens. Sie ist eine Folge der hohen Niederschläge und der beträchtlichen Temperaturen, die zur Anreicherung von Aluminium- bzw. Eisenoxiden und -hydroxiden im Boden geführt haben.

Typisch für die Tropen ist die Laterit-Bildung. Laterit von lat. later = Ziegel, wegen der ziegelroten Farbe des entstehenden Bodens. Sie ist eine Folge der hohen Niederschläge und der beträchtlichen Temperaturen, die zur Anreicherung von Aluminium- bzw. Eisenoxiden und -hydroxiden im Boden geführt haben. Quelle: Bodenwelten

Weil Urwälder so üppig wachsen und die Flora und Fauna so vielfältig ist, glauben viele Leute, dass die Böden fruchtbar seien.

Wenn aber der Urwald weg ist, was dann? Die Antwort auf die Frage „Sind tropische Böden fruchtbar?“ gibt die Plattform Bodenwelten:

„In den Tropen gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Bodentypen. Bestimmend für die Bodenentwicklung ist das ganzjährig feuchte Klima und die hohen Durchschnittstemperaturen. Dadurch ist der Boden meist bis in mehrere Meter Tiefe entwickelt.

Karge Böden

Tropische Böden sind meist tiefgründig verwittert. Deshalb werden kaum Nährstoffe aus dem Gestein nachgeliefert. Die Böden beziehen somit ihren Nährstoffvorrat vor allem aus absterbenden Pflanzenresten des Regenwaldes. Wird der Regenwald gerodet, werden auch keine Nährstoffe nachgeliefert. Deshalb sind die Böden meist schnell ausgelaugt. Wesentlichen Einfluss auf das Nährstoffangebot hat die Art der Tonmineralbildung. Die in den Tropen häufigen Zweitonschichtminerale können aufgrund ihrer chemischen Struktur Nährstoffe weniger gut „speichern“ als die in den mittleren Breiten üblichen sog. Dreitonschichtminerale.“

Weitere Informationen zu tropischen Böden auf Bodenwelten, etwa zu den selteneren fruchtbaren Böden.

Üppiger Regenwald wächst auf einer Wüste

Mongabay: „Die üppigen grünen Regenwälder von Zentralkalimantan (indonesisches Borneo) wachsen auf einer Wüste. Die Illusion von organischem Reichtum und Fülle ist nirgendwo stärker als in diesen Küstendschungeln und Mangroven, Sümpfen und Heidewäldern. Die hoch aufragenden Bäume und die schwindelerregende Vielfalt von Flora und Fauna suggerieren, dass irgendwo im Land Energie- und Lebensreserven gespeichert sind und alle lebenden Organismen aus diesem unendlichen Vorrat schöpfen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Borneo, die drittgrösste Insel der Welt, hat beispielhafte Regenwaldböden: flach und nährstoffarm. Die vielen Regenfälle in diesen uralten Ökosystemen haben den Boden über Millionen von Jahren ausgelaugt. Weltweit reicht der Mutterboden in tropischen Regenwäldern nicht tiefer als 20 cm, oft nur 10 cm, und enthält fast den gesamten verfügbaren Vorrat an Stickstoff, Phosphor und Kalium“

Borneo’s lush forests are an illusion: trees grow on deserts. Mongabay 14.6.10

GEOHILFE:Die Immerfeuchten Tropen – Böden

Die Böden der Immerfeuchten Tropen sind gekennzeichnet von intensiver chemischer Verwitterung. Physikalische Verwitterung spielt keine grosse Rolle. Es dominieren saure, nährstoffarme Böden.“

Palmöl FAO: „Die Ölpalme braucht viele Mineralsalze, um ihre Blätter und Fruchtstände zu bilden. Wenn die Ölpalme jung ist, braucht sie vor allem Stickstoff. Wenn die Ölpalme zu produzieren begonnen hat, braucht sie viel Kali. Kali erhöht die Anzahl der Fruchtstände und macht sie grösser.“

Krankheiten und Schädlinge sind immer häufiger ein Problem in Palmölplantagen. Hinzu kommt der Mangel an Düngemitteln, der immer grösser wird. Die Preise steigen. Die theoretisch berechneten Erntemengen sind nur möglich, wenn die richtigen Dünger in genügender Menge zugeführt werden. Für Kleinbauern ist der Kauf von Düngern eine Herausforderung, das Ausbringen auch. Die Ernteresten aus der Fabrik verrotten mangels Transportmöglichkeiten meist ungebraucht und/oder werden bei Hochwasser weggespült. Besonders schwierig dürfte das Düngen von Bio-Palmölplantagen sein.

Trotzdem Abholzung

NZZ vom 4.3.20: „Während die schwer zugänglichen Wälder Zentralafrikas noch in relativ gutem Zustand sind, hat man in Westafrika zwischen Senegal und Nigeria bereits über 80 Prozent und in Ostafrika, etwa in Äthiopien, Kenya oder Uganda, über 90 Prozent der Wälder verloren. Ähnlich düster sieht es auf Madagaskar aus. Konservativ geschätzt, hat Afrika von den im Jahr 1900 vorhandenen 350 Millionen Hektaren Wald bis heute mindestens ein Drittel verloren, das meiste davon in den letzten fünfzig Jahren.“

Wieso Afrika seit 1900 ein Drittel seiner Waldfläche verloren hat. NZZ 4.3.20

Wir setzen immer häufiger auf Lebensmittel, die dort wachsen, wo einst Urwald war – das ist ein riskantes Spiel. So sind etwa die Phosphat-Reserven auf der Erde begrenzt, Biodiversität, Wasserkreislauf und Umwelt leiden.

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Heuimporte und ihre Folgen

8. März 2012
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Zur biologischen Bekämpfung von Schädlingen in Gewächshäusern wurde der Asiatische Marienkäfer in Europa eingeführt. Jetzt verdrängt er die einheimischen Marienkäfer und richtet auch sonst Schaden an. Dies ist hoffentlich ein einheimischer Marienkäfer.

In der Aargauerzeitung zu lesen: Import-Heu: Schweizer Kühe fressen Heu aus Eritrea. Heidi hat am 5.12.11 darüber berichtet, dass 150’000 Tonnen Heu im Jahre 2010 importiert wurden, siehe Bill Clinton ist Vegetarier. Was sie damals nicht wusste: 22 Tonnen stammen aus Eritrea*, 19 Tonnen aus Kirgistan*, 22 Tonnen aus Peru, auch aus Kamerun wurde Heu importiert. Über Kamerun berichtete Adi’s Agro-Blog in fünf Artikeln, so heisst es in KameRun(3): Dégustation au Buffet Centr’afrique: „… Die Lebensmittel- und Lebenshaltungskosten sind in Kamerun im Verhältnis zu den Löhnen enorm hoch. Falls man überhaupt Lohn bezieht. Die Journalistenkollegen schätzen, dass mindestens die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung arbeitslos ist. Über die offiziellen Zahlen zwischen 10 und 20 Prozent können sie nur lachen…“

Abgesehen von der ethischen Seite und dem Transportweg stellt sich die Frage nach möglichen Folgen solcher Importe. Heu ist kein homogenes Gut wie etwa Getreide. Es enthält Samen von Pflanzen, die in den weit entfernten Export-Ländern beheimatet sind. Es besteht also die Gefahr, dass Unkräuter eingeschleppt werden, die nicht mehr oder nur mit grossem Aufwand oder Herbiziden bekämpft werden können. Samen gelangen über Transport, Lagerung und Futterkrippen-Abfälle auf die Wiesen; sie überstehen zum Teil unbeschadet den Weg durch den Verdauungstrakt der Tiere. Auch importierte Samen aus den Nachbarländern können die einheimische Flora verfälschen, weil es andere Ökotypen sind. Die Schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen (SKEW) setzt sich für die biologische Vielfalt ein, informiert über eingeschleppte Arten sowie Gesetzte und Übereinkommen. Nicht-einheimische Pflanzen, die aus fremden Gebieten absichtlich oder unabsichtlich eingeführt wurden, sind der zweitwichtigste Grund des Artenrückgangs, der wichtigste ist die Zerstörung von Biotopen durch den Menschen. Die Schweiz ist bisher ihren internationalen Verpflichtungen zur Erhaltung der Artenvielfalt nur mangelhaft nachgekommen.

Weitere offene Fragen sind: Das Einschleppen von Schädlingen sowie Pflanzen- und Tierkrankheiten. Allfällige Folgen dieses verantwortungslosen Tuns muss die ganze Bevölkerung tragen.

Nachtrag 9.3.12: Der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) meldet heute, dass die Heu-Importe 2011 einen neuen Rekordstand erreicht haben: 166‘700 Tonnen.

* Nachtrag 28.3.12: Wie ein aufmerksamer Leser Heidi schrieb,  wurde offenbar kein Heu aus Eritrea und Kirgistan importiert. Diese Meldung beruht auf einem Fehler der Zollbehörden beim Erfassen des Ländercodes. Heidi wird die Importe aus Kamerun und Peru überprüfen und dann darüber berichten.

8.3.12  HOME


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