Posts Tagged ‘Selbstversorgungsgrad’

Roman Hüppi: Selbstversorgungsgrad neu denken!

8. Juli 2021
Copyright: Roman Hüppi

Copyright: Roman Hüppi

Der Selbstversorgungsgrad, wie er heute verstanden wird, ist ein gern zitiertes Relikt aus früheren Zeiten und wird politisch missbraucht. Eigentlich keine ernst zu nehmende Zahl, meint Heidi. Zudem gehen die Bauern von der irrigen Meinung aus, dass sie agrarpolitisch im Zentrum sind; sie haben heute auch weitgehend das Sagen WAS WIE produziert wird. Die Bauern sind zwar wichtig, aber übergeordnet sind die Ernährung der in der Schweiz lebenden Bevölkerung und die Umwelt. Wir haben ein Bundesamt für Landwirtschaft statt ein Bundesamt für Ernährung.

Es ist höchste Zeit, das wenig aussagekräftige Mass „Selbstversorgungsgrad“ zu überdenken. Genau dies hat Roman Hüppi von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), Nachhaltige Agrarökosysteme, getan. Er sagt: „Der Selbstversorgungsgrad beurteilt die Leistung des Agrarsektors im Licht der Ernährungssicherheit. Den aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft wird er aber nicht gerecht.“

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad

Roman Hüppi: „… Ernährungssicherheit ist in der Schweiz seit jeher ein wichtiges Ziel. Für aktuelle Krisen ist der klassische Selbstversorgungsgrad meiner Ansicht nach aber eine zweifelhafte Referenz: Im Kontext von Klimawandel, Artensterben und ernährungsbedingten Volkskrankheiten ist seine Aussagekraft beschränkt. Für die anstehende Debatte schlage ich vor, diesen wichtigen Gradmesser der Landwirtschaft an heutige Herausforderungen anzupassen.

Gemäss Bund beträgt der Schweizer Brutto-​Selbstversorgungsgrad der letzten Jahre etwa 60 Prozent.1 Berücksichtigt man, dass rund ein Viertel der Tierproduktion auf importierten Futtermitteln (jährlich 1.4 Millionen Tonnen) beruht, sinkt der Netto-​Wert auf 50 Prozent. Die andere Hälfte importieren wir. Hoch selbstversorgend sind wir bei tierischen Nahrungsmitteln (Milchprodukte 115 %, Fleisch 80 %). Bei pflanzlichen Produkten ist die Schweiz mit 40 Prozent hingegen eher selbst-​unterversorgt. Gerechnet wird in Nahrungsenergie.

Diese Metrik entstand in der Not der Weltkriege und ist eindimensional auf die Produktion von Kalorien getrimmt. Aus Sicht der Versorgung macht es Sinn, möglichst viele Nahrungsmittel im Inland zu produzieren. Bis heute lässt sich jede weitere Intensivierung der Landwirtschaft mit dem steigenden Selbstversorgungsgrad legitimieren.“

Weitere Informationen und die folgenden Kapitel finden Sie im Zukunftsblog der ETH:

  • Auf Kalorienproduktion getrimmt
  • Selbstversorgend – dank importierter Energie
  • Wir ernähren uns nicht nur von Kalorien

Im Folgenden noch das letzte Kapitel:

Welche Landwirtschaft wollen wir?

„Für mich ist klar: Die Landwirtschaft von morgen muss nachhaltig sein und mehrere Funktionen erfüllen. Sie muss die Menschen sicher mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen, das Klima und das Kulturland schützen und die Biodiversität bewahren.

Wir sollten den Selbstversorgungsgrad für diese multifunktionale Landwirtschaft neu denken. Damit wäre diese zentrale Kennzahl auch für heutige Krisen relevant. Und könnte helfen, produktive und ökologische Interessen in der Agrarpolitik zu vereinen.“

Referenzen

1 Agrarbericht 2020: Selbstversorgungsgrad https://www.agrarbericht.ch/de/markt/marktentwicklungen/selbstversorgungsgrad

2 Vision Landwirtschaft: Faktenblatt Nr. 5 (2015): Multifunktionale Landwirtschaft.

3 Guggenbühl 2017: https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/die-​minus-kalorien-der-schweizer-landwirtschaft/

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad. Roman Hüppi, Zukunftsblog ETHZ vom 16.6.21

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Bundesrätin Viola Amherd und die Trinkwasserinitiative: von logischem Denken und Ehrlichkeit

6. Juni 2021

Bundesrätin Viola Amherd, Tagesschau SRF vom 20.5.21.

Bundesrätin Viola Amherd, Tagesschau SRF vom 30.5.21.

Diese Geschichte fängt mit einer Kaffeetasse an. Eine Leserin schrieb Heidi am 31.5.21: „Kannst du Ansprachen wie gestern die von Viola Amherd in der Tagesschau über die Initiativen noch hören? Hast du nicht so eine Wut, dass du die Kaffeetasse gegen den TV wirfst??“ Heidi antwortete, dass sie das gar nicht tun könne, denn sie hat keinen TV. Der Compi ist ihr zu schade dafür, die Tasse auch. Heidi trinkt selten Kaffee, wenn dann aus einer Mokkatasse, welche sie als Fünfjährige mit Blumen bemalt hatte; das Geld war mühsam von der Mutter zusammengespart worden.

Damit schien die Sache erledigt.

Pestizide: kein Schaden für Mensch und Umwelt

Heute (6.6.21) aber berichtete Urs P. Gasche im Infosperber über eben diese Ansprache. Also startete Heidi diesen Teil der Tagesschau vom 30.5.21 und hörte einleitend von Viola Amherd schöne beruhigende Worte. Zuviel wurde es ihr dann als Amherd sagte: „… Ich kann Ihnen versichern, unser Wasser kann bedenkenlos getrunken werden. Der Bund sorgt bereits heute mit strengen Vorschriften dafür, dass in der Landwirtschaft nur so viel Pflanzenchutzmittel eingesetzt werden dürfen, dass weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen. Diese Vorschriften werden laufend verschärft.“

Die Verteidigungsministerin verteidigt also LandwirtInnen und PolitikerInnen mit schönfärbenden Worten. Was nützen strenge Vorschriften, wenn sie nicht kontrolliert und eingehalten werden? Woher nimmt die Verteidigungsministerin das Wissen, dass weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen, wo doch wissenschaftlich erwiesen ist, dass für einen namhaften Teil des Biodiversitätsverlusts die Pestizide verantwortlich sind. Das Sterben findet statt, denn Pestizide wurden entwickelt zum Töten, zum Töten von Insekten, Pilzen und Pflanzen, aber es trifft auch Nützlinge und Unbeteiligte und kann unserer Gesundheit schaden. Das ist heute Allgemeinwissen. Wer das in der Funktion eines Bundesrates bestreitet, ist nicht unwissend, sondern lügt. Auch den Vögeln geht es schlecht.

Zudem hat der Bund keine seriöse Statistik über die Pflanzenschutzmittelverkäufe, ist auf die Angaben der Chemischen Industrie angewiesen. Wie ehrlich diese sind, weiss niemand. Und wer, wie Heidi, regelmässig das Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft konsultiert, weiss welche Gefahren mit dem Einsatz vieler Pestizde verbunden sind. Es sind zahlreiche Mittel zugelassen, welche das Kind im Mutterleib, die Fruchtbarkeit oder die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen können. Zudem sind sehr, sehr viel Pestizide sehr schädlich für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

Kein Schaden, aber laufend Verschärfung der Vorschriften?!

Amherd sagt also, dass nur so viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen, dass weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen … und fährt fort: „Diese Vorschriften werden laufend verschärft.“ Das ist eine äusserst erstaunliche Aussage und zudem sehr unökonomisch oder eher unlogisch. Vorschriften sind unbeliebt, da sie einschränken und meistens kosten. Wie kommt der Bundesrat auf die Idee, Vorschriften laufend zu verschärfen, wenn die heutigen Vorschriften schon genügen, weder Mensch noch Umwelt schädigen? Oder sind etwa die Vorschriften gut, aber die LandwirtInnen die Bösen? Tatsache ist, dass wir ein grosses Umweltproblem haben, und zwar seit Jahrzehnten. Etwa beim Nitrat im Grundwasser seit drei Jahrzehnten kein Fortschritt, bei den Ammoniakemissionen sind wir an dritter Stelle in Europa usw. Dazu gibt es viele Berichte, Berichte, Berichte, Bundesratsberichte, Agrarberichte, Umweltberichte … aber genützt haben sie bisher wenig.

Prophylaktischer Antibiotika-Einsatz ist immer noch erlaubt

Das Halbieren eines Verbrauchswertes wie beim Verkauf von Antibiotika ist nicht aussagekräftig, wenn der Ausgangswert hoch war. Amherd: „Das Kernanliegen der Initiative wurde also bereits umgesetzt.“ Das ist eine klar Lüge, denn die Trinkwasserinitiative will den prophylaktischen Einsatz von Antibiotika verbieten. Entgegen den Behauptungen von Markus Ritter, Präsident Schweizerischer Bauernverband (SBV) & Co., ist dieser nach wie vor erlaubt und Tierärzte verdienen gut daran, verschreiben auch Reserve-Antibiotika, die für die Menschen wichtig wären. Wussten Sie, liebe LeserInnen, dass noch vor wenigen Jahren die Bauern Antibiotika auf Vorrat einfach im Medikamentenschrank hatten? Prophylaktischer Einsatz ist ein Zeichen für schlechte Haltungssysteme und muss daher grundsätzlich angegangen werden. Der Antibiotiaeinsatz ist noch immer ein Problem. Wieso gibt es das zweite Nationale Forschungsprogramm zum Problem? NFP72: „Gülle und Mist, die in der Landwirtschaft als organische Dünger verwendet werden, sind mit vielen Antibiotikaresistenzen belastet. Wir untersuchen, mit welchen Behandlungen die Anzahl und Vielfalt der Antibiotikaresistenzen reduziert werden kann.“

Bundesrat ignoriert Klimaerwärmung und Empfehlungen WHO

Einmal mehr wird das Märchen vom Mehrimport erzählt. Wenn der Bundesrat das Klimaproblem und die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation ernst nehmen würde, dann müsste man auch in der Schweiz den Fleischkonsum drastisch senken, und zwar auf einen Drittel des heutigen Konsums. Viel Ackerland würde dann frei für den Anbau von pflanzlicher Nahrung, so dass der Selbstversorgungsgrad markant steigen und der Import sinken würde. Auch könnten wir weniger tierische Produkte wie Käse exportieren. Das muss man in den nächsten zehn Jahren sowieso angehen, aber vermutlich ist der Wille nicht da! Die Trinkwasserinitiative kann hier einen Beitrag leisten, indem sie den Import von Futtermitteln unterbinden will, was den Tierbestand senken würde, ein Ziel das in AP 22+ vorgesehen war, aber vom Parlament auf Wunsch von Markus Ritter im trüben Wasser versenkt wurde.

Geringer Nutzen des Ökologischen Leistungsnachweises

Mit dem Ausstieg aus dem Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) wird regelmässig Angst gemacht, weil das Volk die Realität nicht kennt. Er ist in wesentlichen Punkten nicht einmal das Gesetz, hat seit dessen Existenz wenig zur Verbesserung der Umweltsituation gebracht, also bringt der Ausstieg aus dem ÖLN den Bauern, die sich an die Gesetze halten, wenig, wie das ehrlicherweise ein grosser Gemüseproduzent im Seeland Heidi gegenüber zugegeben hatte. Auch er wirtschaftet am Limit und könnte gar nicht weiter intensivieren.

Viel BlaBla in 2:57

Amherd: „Bundesrat und Parlament schützen unser Wasser, unsere Gesundheit und unsere Natur bereits heute. Aus all diesen Gründen empfehlen Ihnen Bundesrat und Parlament, die Volksinitiative für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung abzulehnen.“

Unglaublich, wieviele Lügen, Halbwahrheiten und Schönrederei in zwei Minuten und 57 Sekunden Platz haben!

Wir und die Umwelt brauchen 2x JA

Heidi empfiehlt Ihnen, beide Initiativen anzunehmen: 2x JA. Umweltanliegen werden regelmässig in der Umsetzung stark verwässert. Es ist also klar, dass weder die Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide noch die Trinkwasserinitiative gemäss den Wünschen der InitiantInnen umgesetzt werden. Die Initiative der Fischer war ein trauriger Beweis für die Mentalität unseres Parlaments in Umweltfragen. Selbst die damalige Bundesrätin Doris Leuthard hatte das Parlament diesbezüglich energisch gerügt – ohne Erfolg!

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Urs P. Gasche, Infosperber vom 6.6.21:

Doch, Viola Amherd, unser Trinkwasser ist gefährdet

In Landwirtschaftszonen enthält Hahnenwasser Rückstände von durchschnittlich 5 Pestiziden. Das ergab eine Stichprobe des K-Tipp.

In ihrer Abstimmungsbotschaft am Fernsehen meinte Bundesrätin Viola Amherd treuherzig:
«Ich kann Ihnen versichern, unser Wasser kann bedenkenlos getrunken werden
Kaum damit einverstanden sind die 2500 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Höri im Zürcher Unterland: Ihr Trinkwasser enthält Rückstände von 16 verschiedenen Pestiziden. Es war der höchste Wert einer Stichprobe, die der K-Tipp in zwanzig Haushalten in der Nähe von Landwirtschaftszonen in der Deutsch- und Westschweiz erhoben hat. Im Durchschnitt fand der Kassensturz Rückstände von vier verschiedenen Pestiziden.

Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas. Unsere gesamte Gewässerverschmutzung ist hausgemacht. Noch sind wir stolz darauf, dass man in der Schweiz – im Gegensatz zu vielen anderen Länder – das Trinkwasser auch ohne grossen Chlorzusatz bedenkenlos trinken kann. Doch dieses Privileg riskieren wir zu verlieren.

… Werden an bestimmten Standorten zu hohe Werte an Pestizidrückständen gemessen, kommt die Taktik verdünnen zum Einsatz. Das Wasser wird mit dem Wasser saubererer Quellen vermischt, so dass die Grenzwerte der einzelnen Pestizid-Rückstände eingehalten werden. Solange diese Verwässerungspolitik möglich ist, kann die Bunderätin weiterhin verkünden:

«Bedenkenlos trinken».

Lesen Sie hier weiter: Doch, Viola Amherd, unser Trinkwasser ist gefährdet, Urs P. Gasche, Infosperber vom 6.6.21

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Tierwohl – Menschenwohl: Was zählt?

23. April 2021

Agrarbericht 2020 des Bundesamts für Landwirtschaft

Die Bauern befürchten mehr Fleischimporte aus unökologischer Produktion und schlechter Tierhaltung, wenn die Trinkwasserinitiative angenommen wird. Wie stehen die Bauern zum Tierwohl? Ein Bauer sagte Heidi: „Mir kommt kein Tierschützer in den Stall.“ Es ist auch so, dass immer noch Milchkühe und Rinder den ganzen Winter über im dunklen Stall sind, bisher (23.4.21) noch NIE auch nur kurze Zeit ins Freie durften, desgleichen Schafe. Wie reagierten Bauern und Tierärzte bei der Einführung des Tierschutzgesetzes? Heidi hat darüber berichtet. Weil dies schon acht Jahre her ist, hier die Wiederholung eines Teils von Die täglichen Lügen vom 8.11.12:

Wieso hat die Schweiz mehrheitlich tierfreundliche Ställe? Weil KAG und Schweizer Tierschutz (STS) über Jahrzehnte massiv Druck aufsetzten und die Bevölkerung über die misslichen Zustände wie Käfighaltung der Hühner informierten. Auch heute ist Druck durchaus nötig, siehe Heidis Bericht Kalbfleisch: rosarot ohne Antibiotika. Mit 84 Prozent JA-Stimmen war das Schweizer Volk 1973 für einen umfassenden Tierschutz. Acht Jahre später traten Tierschutzgesetz und -verordnung in Kraft mit langen Übergangsfristen. Doch der Vollzug liess auf sich warten, die Fristen verstrichen weitgehend ungenutzt. Warum? Zitat aus dem Schwarzbuch „Vollzugs-Notstand im Tierschutz“ des STS: „Für die Durchsetzung des Gesetzes sind die Kantone verantwortlich. Der Bund hat zwar die Oberaufsicht, aber die Hände sind ihm weitgehend gebunden…“ Das kommt Heidi irgendwie bekannt vor! Der damalige freiburgische Kantonstierarzt brachte es auf den Punkt: Er denke nicht daran, das Gesetz zu vollziehen. Diesen Unsinn mache er nicht mit. Glücklicherweise seien die Kantone ihre eigenen Herren. Die Tierschutzvertreter seien halt Fanatiker. Tatsächlich? Im Schwarzbuch beginnen vier Titel mit „Unwahrheit Nr.“.

Obige Grafik aus dem Agrarbericht 2020 des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt, dass der Selbstversorgungsgrad der tierischen Nahrungsmittel konstant bei 100% liegt, jener von pflanzlichen Nahrungsmitteln ist konstant tief, 2018 etwa 40%. Es stört die Bauern offensichtlich nicht, dass wir uns zum grössten Teil aus importierten pflanzlichen Lebensmitteln ernähren müssen. Wie ökologisch wurden diese produziert und welche Umweltschäden verursacht der Transport? Welche Pestizide, auch bei uns verbotene wie Paraquat, sind in Importprodukten? Unter welchen Arbeitsbedingungen wurden sie produziert? Steckt drin allenfalls auch Kinderarbeit? Darf man hier bei Bio genau hinschauen? Viele Fragen!

Besonders betroffen ist die steigende Zahl von Leuten, die sich zukunftsorientiert ernähren, weniger oder gar kein Fleisch essen. Gerade unter den Jungen, welche von unserer Überflussgesellschaft besonders betroffen sein werden, stellen immer mehr auf vegan um. Mit dem heutigen Selbstversorgungsgrad und der Subventionierungspolitik sind wir KonsumentInnen die Dummen.

Aus ökologischen Gründen müssen Fleischproduktion und -konsum massiv sinken, also wird viel mehr Fläche für Pflanzenproduktion zur Verfügung stehen, so dass der totale Selbstversorgungsgrad sogar zunehmen könnte.

Heidi meint: Plötzlich liegt den Bauern das Tierwohl am Herzen! Und das Menschenwohl?

Agrarbericht 2020, Selbstversorgungsgrad

Die täglichen Lügen. Heidis Mist vom 8.11.12

20.4.21 HOME

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Schweizer Landwirtschaft ohne Saatgut und Pestizide?

29. Dezember 2020

Heidis Versuch, das Suisse Garantie Signet zu aktualisieren.

Heidis Versuch, das Suisse Garantie Signet zu aktualisieren.

Wenn es um Saatgut geht, dann dominieren die gleichen Firmen wie bei den Pestiziden: Syngenta (China) und Bayer (Deutschland), hinzu kommt CORTEVA (USA). CORTEVA agriscience entstand im Frühling 2019 durch Abspaltung des Bereichs Landwirtschaft von DowDupont. Der Name leitet sich ab von „Herz“ und „Natur“ (kohr-‚teh-vah), wie CORTEVA in der Medieninformation vom 6.3.19 erklärt.

Betrachtet man die „Zutaten“ bzw. die Basis, die es braucht, um Schweizer Landwirtschaft zu betreiben, dann ist der Selbstversorgungsgrad der Schweiz fast vernachlässigbar klein. Zur Saatgut-Abhängigkeit von den Weltfirmen kommt das aus den Niederlanden oder Nordafrika importierte Pflanzgut hinzu. Auch ein wesentlicher Teil der Pestizide und Dünger werden importiert, nicht zu reden vom Auslaufmodell-Phosphor!

Über diese Abhängigkeiten wurde seit Jahren informiert, nur hört es niemand und ein wesentlicher Teil der Landwirtschaft, Industrie und Politik versteckt sich aktuell hinter der Mär der nötigen Pestizide statt sich um die wirklichen Probleme zu kümmern wie Auslandabhängigkeit, Umweltverschmutzung, Biodiversitätsverlust, Gesundheit …

Schweizer Landwirtschaft ohne Pestizide? Heidis Mist vom 28.12.20

Die Schweiz ist den Saatgut-Konzernen ausgeliefert. Kurt Marti, Infosperber vom 1.8.18.

Die Saatgut-Konzerne diktieren unsern Speisezettel. Kurt Marti, Infosperber vom 20.9.18.

CONCENTRATION OF MARKET POWER IN THE EU SEED MARKET. IVAN MAMMANA, STUDY COMMISSIONED BY THE GREENS/EFA GROUP IN THE EUROPEAN PARLIAMENT. Januar 2014

Corteva™ Separates from DowDuPont to Form Leading Pure-Play Agriculture Company. Medieninformation CORTEVA vom 6.3.19

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Heidi zum 1. August

1. August 2012

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Die Geschichte wiederholt sich, mehr oder weniger. Um 1860 wurde der Transport von Gütern mit Eisenbahn und Dampfschiff billig, also stieg der Getreideimport. Die Bauern verfütterten Inlandgetreide dem Vieh, Käsereien boomten, der Staat förderte die Milch- und Käseproduktion, Stroh war Mangelware und teuer. Am 1. August 1914 brach der 1. Weltkrieg aus, die Schweizer waren völlig unvorbereitet, die Inlandproduktion von Getreide betrug 15%. Geschicktes Verhandeln mit den kriegsführenden Mächten verschob die Lebensmittelnot bis 1917; sie dauerte bis 1919. Entscheidungsträger mahnten: „Man solle keinesfalls die Lehren aus diesem Desaster vergessen.“ Der Getreidebau wurde gefördert. Milch- und Fleischüberschüsse entstanden trotzdem. Der 2. Weltkrieg war ernährungsmässig gut vorbereitet.

Mit dem Landwirtschaftsgesetz 1951 wollten die Agrarpolitiker mit Lenkungsmassnahmen den Ackerbau fördern, die Fleisch- und Milchüberschüsse und den Preiszerfall vermeiden. Das war aber trügerisch. Die Preisunterschiede zum Ausland stiegen, der Einkaufstourismus setzte ein. 1992 revidierte die Steuermänner das Landwirtschaftsgesetz und führten die Direktzahlungen ein: mehr Markt, umwelt- und ressourcenschonend produzieren. Ein paar Jahre ging’s einigermassen, jetzt klagen alle über Fleisch- und Milchüberschüsse, Preiszerfall, Einkaufstourismus, Strohmangel.

Heute pochen die Bauern mit Recht auf dem Selbstversorgungsgrad. Aber Selbstversorgungsgrad womit? Fleisch und Milch? Ressourcenschonend? Umweltschonend? Ohne Flora und Fauna? Getreide, Soja, Futtermittel und andere Ackerfrüchte sind vermehrt Importware. Woher haben wir Dünger und Energie? 80% des Saatguthandels beherrschen ein paar wenige Weltfirmen wie Monsanto. Womit und was produzieren unsere Bauern in einer Krise? Haben sie die richtigen Maschinen? Nahrungsmittel sind immer mehr ein Börsen-Thema, Spekulation auf Kosten der Armen. Doch die Banken eilen von Krise zu Krise, wir unterstützen sie mit Steuergeldern, trotzdem sind die Löhne… Und Landwirtschaftsland ist bei zahlungskräftigen Ländern und Firmen gefragt.

Wo stehen wir heute? Selbstversorgungsgrad? Eine Frage die Heidi ihren LeserInnen zum Nachdenken stellt.

Heidi zum 1. August 2011

The Hidden Costs of Hamburgers, Center for Investigative Reporting

USDA Retracts Meatless Monday Recommendation

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