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Socfin: Verluste im Süden, Gewinne in der Schweiz

21. Oktober 2021

Medienmitteilung von Brot für alle, Alliance Sud und dem Netzwerk Steuergerechtigkeit vom 20.10.21:

Der Luxemburger Agrarkonzern Socfin verschiebt Gewinne aus der Rohstoffproduktion in den Schweizer Tiefsteuerkanton Freiburg. Diese Steuervermeidung geht Hand in Hand mit Profitmaximierung auf Kosten der Bevölkerung in den betroffenen Regionen in Afrika und Asien. Ein Bericht von Brot für alle, Alliance Sud und des Netzwerks Steuergerechtigkeit zeigt erstmals auf, wie diese Praxis genau funktioniert. Mitverantwortlich dafür ist auch die Schweiz: Ihre Dumpingpolitik in der Konzernbesteuerung ist eine der Stützen dieses ungerechten Systems.

Der in Luxemburg registrierte Konzern Socfin besitzt in zehn Ländern Afrikas und Asiens Konzessionen für mehr als 380’000 Hektar Land, was fast der Fläche des Schweizer Ackerlandes entspricht. Auf 15 Plantagen produziert er Palmöl und Kautschuk und verkauft dieses auf den globalen Märkten. Die Struktur des Konzerns ist komplex. Klar ist jedoch, dass ein grosser Teil des Kautschuks über die in Freiburg ansässige Tochterfirma Sogescol FR gehandelt wird. Die ebenfalls in Freiburg domizilierte Socfinco FR kümmert sich derweil um das Management der Plantagen und stellt konzernintern Dienstleistungen zur Verfügung.

Socfin erzielte 2020 einen konsolidierten Gewinn von 29,3 Millionen Euro. Der Bericht analysierte die Gewinne pro Mitarbeiter:in in den verschiedenen Ländern und stellte eine sehr ungleiche Verteilung fest: In den afrikanischen Ländern, in denen Socfin tätig ist, machte der Konzern einen Profit von gut 1’600 Euro pro MitarbeiterIn. Ganz anders präsentiert sich das Bild bei den Schweizer Socfin-Töchtern. Sie verzeichneten im letzten Jahr einen Gewinn von 116’000 Euro pro MitarbeiterIn, also rund 70 Mal mehr als in Afrika. Zwischen 2014 und 2020 resultierte in der Schweiz sogar ein durchschnittlicher Gewinn pro MitarbeiterIn von mehr als 200’000 Euro.

Niedrige Steuern – hohe Gewinne

Wie kommen diese konzerninternen Differenzen bei der Verteilung der Gewinne zustande? Die Erklärung liefert laut dem Bericht von Brot für alle, Alliance Sud und des Netzwerks Steuergerechtigkeit ein Blick auf die Steuerraten der Länder, in denen Socfin tätig ist: Die Gewinne im Verhältnis zur Anzahl Beschäftigter sind am höchsten, wo die Steuern am niedrigsten sind. In den afrikanischen Ländern bewegt sich der Steuersatz zwischen 25 und 33 Prozent. In der Schweiz hingegen wird Socfin mit weniger als 14 Prozent besteuert. Dies ist ein typisches Muster für konzerninterne Gewinnverschiebungen mit dem Ziel, Steuern zu vermeiden.

Diese Praxis ist bei multinationalen Unternehmen weit verbreitet, und sie ist auch nicht zwangsläufig illegal. Sie ist aber in jedem Fall ungerecht, denn sie entzieht den Produktionsländern im Süden für deren Entwicklung dringend benötigte Steuereinnahmen und verstärkt so die globale Ungleichheit. Jährlich werden so rund 80 Milliarden Euro Gewinne aus Entwicklungsländern in Tiefsteuergebiete wie die Schweiz verschoben. Das sind weit mehr als die Hälfte der jährlichen globalen Ausgaben in der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit.

Wie die Gewinne in den Konzernen verschoben werden, ist für die Öffentlichkeit (wegen mangelnder Transparenz) und für die Steuerbehörden (wegen mangelndem Willen oder fehlender Ressourcen) meist schwer nachzuvollziehen. Im Falle von Socfin liegen indessen geographisch gegliederte Finanzberichte vor, die Aufschluss über Struktur und Inhalt der internen Transaktionen geben. Über konzerninterne Rechnungen für Handel, Beratung, Lizenzen oder andere Dienstleistungen landet ein grosser Teil der Einnahmen aus den in Afrika und Asien produzierten Gütern in der Schweiz. Ob die Höhe dieser intern verrechneten Kosten die OECD-Regeln für interne Transaktionen respektiert, wie Socfin dies geltend macht, können nur die Steuerbehörden aufgrund einer detaillierten Prüfung feststellen.

Schweiz muss transparenter werden

Die satten Gewinne in der Schweiz sind eine Seite der Medaille, die Situation auf den Plantagen im Süden die andere. Socfin profitiert dort von sehr vorteilhaften Landkonzessionen, während der Konzern die betroffene Bevölkerung nur ungenügend kompensiert, minimale Löhne für harte Arbeit zahlt und die versprochenen sozialen Investitionen nur unvollständig umsetzt. Trotz dieser für Socfin vorteilhaften Bedingungen schreiben einzelne Plantagen wie etwa die Kautschuk-Plantage LAC in Liberia gar anhaltende Verluste – laut dem Bericht ein weiterer Hinweis auf mögliche Gewinnverschiebungen aus Afrika in die Steueroase Schweiz.

Die Schweiz profitiert derweil massiv von solchen Gewinnverschiebungen: Fast 40 Prozent der Gewinnsteuereinnahmen der Kantone und des Bundes sind auf derartige Transaktionen zurückzuführen. Um den damit verbundenen Missständen zu begegnen, muss sie ihre Steuerpolitik dringend transparenter gestalten und so genannte «Rulings» (Steuerabkommen mit einzelnen Firmen) öffentlich machen. Das Gleiche gilt für die Länderberichte, die Konzerne in der Schweiz im Rahmen des internationalen Country-by-Country-Reportings der OECD erstellen müssen. Diese sind derzeit nur für Steuerbehörden einsehbar. Grundsätzlich muss die Schweiz ein internationales Unternehmenssteuersystem fördern, das Gewinne dort besteuert, wo sie erarbeitet wurden, und nicht dort, wo die Steuersätze am tiefsten sind.

Protestaktion in Freiburg

Am 20.10.21 forderte Brot für alle mit einer Protestaktion vor dem Sitz von Sogescol und Socfinco in Freiburg den Socfin-Konzern auf, Steuervermeidung und Gewinnverschiebungen innerhalb der Konzernstrukturen zu stoppen. Socfin soll zudem auf die Forderungen der lokalen Gemeinschaften eingehen, umstrittenes Land zurückgeben und dafür sorgen, dass allen ArbeiterInnen auf seinen Plantagen existenzsichernde Löhne gezahlt werden.

Bericht «Steueroptimierung auf Kosten der Ärmsten»

Brot für alle

Alliance Sud

Netzwerk Steuergerechtigkeit

Cultivating Fiscal Inequality: The Socfin Report

Plantation giant Socfin accused of dodging taxes in Africa. Ashoka Mukpo, Mongabay 21.10.21: „… Socfin’s founder, Adrien Hallet, learned how to cultivate rubber while working in the Congo during the brutal colonial rule of Belgian King Leopold II, later establishing the world’s first industrial oil palm plantation in Indonesia in 1911. Today, the company still has holdings dotted across West Africa, where it has been repeatedly accused of land grabbing and human rights abuses.“

In an email to Mongabay, Socfin refuted the report’s allegations, saying the company is in “strict compliance with the rules in force.”

21.10.21

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São Tomé e Príncipe: So findet man Bio-Knospe-Palmöl!

13. Januar 2021
Neue Ausweitung von Palmölplantagen auf der Biodiversitätsinsel São Tomé

Neue Ausweitung von Palmölplantagen auf der Biodiversitätsinsel São Tomé

Mit Palmöl assoziiert man die grossen Produzentenländer Indonesien und Malaysia, doch in ihrem Schatten werden in Afrika und Südamerika neue Plantagen angelegt mit und ohne Waldrodung. So finden clevere Geschäftsleute auch „nachhaltiges Palmöl“, sogar „Bio-Knospe-Palmöl“. Das scheint soeben in São Tomé and Principe geschehen zu sein. Applaus! Oder doch nicht?

Palmölplantage mit EU-Geldern

Im kleinen afrikanischen Inselstaat São Tomé e Principe, einem Biodiversitäts-Hotspot, endete die portugiesische Kolonialherrschaft 1975. Danach finanzierte die EU die Anlage einer Palmölplantage in Ribeira Peixe auf der Insel São Tomé. Mit einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank wurde die erste Palmölmühle erstellt, die Empresa de Óleos Vegetais (EMOLVE). Sie versorgte die gesamte Bevölkerung der Insel mit Speiseöl.

Alte Ölpalmen bringen kaum mehr Ertrag

Der Öl-Ertrag lag bis 1990 bei 2’000 Tonnen pro Jahr, sank bis 1999 auf 100 Tonnen pro Jahr, so dass die Produktion 2007 aufgegeben wurde. Ölpalmen müssen nach spätestens 20 bis 25 Jahren ersetzt werden. Weitere Gründe für die Aufgabe der Produktion waren die gealterte Anlage und verschlechterte Infrastruktur. Im Jahr 2008 wurden die Einrichtungen mit einem Beitrag der taiwanesischen Regierung etwas verbessert, aber das Problem wurde nicht vollständig behoben.

Agripalma übernimmt und will expandieren

Im Jahr 2009 erwarb Agripalma, eine mit STP Invest und São Tomé investors verbündete Gesellschaft und zum Weltkonzern Socfin gehörend, eine Konzession zur Erneuerung und Erweiterung von Palmölplantagen im Umfang von 5’000 ha, US$ 75 million Investitionen waren geplant. Ziel der Ölpalmenexpansion durch Agripalma war die Produktion von Palmöl zur Weiterverarbeitung zu Biotreibstoff in Belgien. Die Gefahren für die Umwelt werden durch die Sanierung und Erweiterung der Plantage von derzeit 610 ha auf 5’000 ha verschärft.

Gemäss einem Forscher war die Regierung der Meinung, dass es profitabel für das Land sei, seine gesamte, auf der Welt einzigartige Biodiversität gegen ein paar Tonnen Öl einzutauschen. São Tomé e Príncipe ist bereits 2016 zu einem der grössten Palmölproduzenten Zentralafrikas geworden.

Principe wehrt sich

Principe ist seit 2012 ein UNESCO-Biosphärenreservat. Die Bewohner der Insel lehnten sich gegen das Abkommen auf und liessen die Abholzung von mehr als 1’000 ha Land in der Gegend von Sundy für die Produktion von Palmöl nicht zu. Aufgrund der Weigerung der Prinzen suchte die Regierung nach mehr Land auf der Insel São Tomé, um das 2009 zwischen dem Staat und Agripalma unterzeichnete Abkommen erfüllen zu können. Agripalma hatte sogar gefordert, in einem Teil des Obô Natural Parks Palmölplantagen anlegen zu dürfen, da sie ihre Konzessionen auf der Insel Principe verloren hatten.

Landgrabbing auf São Tomé

Diese neue Erweiterung fand in der Nähe der Monte Carmo-Wälder des Obô-Naturparks statt und überschnitt sich mit der Pufferzone des Naturparks. Für die Anpflanzung der Ölpalmen enteignete der Staat Land von Landwirten zugunsten von Agripalma, was zu Landkonflikten führte, die von den Bauern individuell bekämpft werden. Ein Landwirt drohte, die von Agripalma angepflanzten Ölpalmen auf der Fläche, die ihm gehört, zu zerstören, wenn das Ministerium das Problem nicht löse. Er hat 13 ha seines Landes verloren. Laut Gesetz sollte er entschädigt werden, aber damals weigerten sich die Regierungsinstitutionen, den festgelegten Betrag zu zahlen.

Ölpalme verdrängt Grundnahrungsmittel

Seit 2013 organisieren sich Bürger, um gegen das andauernde Umweltverbrechen – wie sie sagen – zu kämpfen: „Wir wollen eine Bürgerbewegung schaffen, um unsere Umwelt zu verteidigen“, „Das ist das Umweltverbrechen, das vom Staat São Tomé begangen wird!“ Sie beklagen auch, dass die Ölpalme ihr Grundnahrungsmittel, die Kokosnuss, verdrängt.

Urwald wird weiter gerodet

Im Juli 2013 erliess das Gericht von São Tomé nach Klagen von Bürgern eine einstweilige Verfügung gegen Agripalma, die dem Unternehmen Beschränkungen für die Entwicklung einer Palmölplantage im Land auferlegt. Die Entscheidung des Gerichts stoppt jedoch nicht die Rodungsarbeiten des Unternehmens für die Errichtung von Palmölplantagen. Es werden lediglich Bedingungen auferlegt, die dem Schutz bestimmter Gebiete dienen.

Gefahren für Artenvielfalt und Umwelt

Durch die Öffnung des Zugangs zum Wald aufgrund von neuen Ölpalmenplantagen, der zunehmenden Jagd und des Drucks auf die Waldvögel und andere Arten, sind die einzigartigen Waldgebiete gefährdet. Bird Life International Afrika hat eine Kampagne entwickelt, um zu verhindern, dass die reiche Artenvielfalt durch das Landgrabbing verloren geht.

Bereits sichtbaren Gefahren sind: Verlust der Biodiversität (Wildtiere, Agro-Diversität), Verlust der Landschaft/ästhetische Beeinträchtigung, Abholzung und Verlust der Vegetationsdecke. Potenzielle Gefahren: Verschmutzung des Oberflächenwassers, abnehmende Wasserqualität, Verringerung der ökologischen und hydrologischen Vernetzung, Ernährungsunsicherheit (Ernteschäden).

Nicht zuletzt ist die Nähe der Agripalma-Flächen zu den Monte Carmo-Wäldern des Obô-Naturparks ein Problem sowie die Überschneidung der Flächen mit der Pufferzone des Naturparks. Befürchtet wird auch die Verdrängung von Einheimischen und der Verlust der Lebensgrundlage.

Widerstand organisiert sich

Es wehren sich: Landwirte, Nachbarn, Bürger, Gemeinschaften, Fischer, lokale und internationale Organisationen. Sie erstellen Berichte, sammeln Wissen, bauen Netzwerke auf für kollektives Handeln, entwickeln Alternativvorschläge, streben Klagen und Gerichtsverfahren an, verfassen Beschwerdebriefe und Petitionen.

Heidi meint

„Socfin ist aus steuertechnischen Gründen kürzlich in die Schweiz gezogen … ist es da nicht logisch, dass der Welt-Konzern – statt Palmöl für belgischen Treibstoff – auf einem Teil der Flächen Bio-Knospe-Palmöl für Coop produziert, wo doch 610 ha schon früher Landwirtschaftsland waren und somit mindestens die Bedingung, dass nicht gerodet werden darf, erfüllt ist? Der Erlös dürfte einiges höher sein. Wenn daneben gerodet, Land enteignet usw. wird … tangiert das die Bio-Zertifizierung und die Verleihung des RSPO-Label nicht. Leider funktioniert dieses Schema auch in anderen Ländern bestens.“

Quelle mit zahlreichen weiteren Quellen: New expansion of oil palm plantations, São Tomé e Príncipe. Environmental Justice Atlas. Hier finden Sie zahlreiche Links zu weiteren Quellen.

São Tomé and Príncipe: Biodiversity threatened by oil palm plantations. World Rainforest Movement vom 30.10.12

Tribunal mostra sinal de STOP à empresa Agripalma. Téla Nón vom 12.8.13

Sociedade civil denuncia crime ambiental na zona sul de São Tomé. Téla Nón vom 4.6.13

Sao Tome Lowland Forest (Palm Oil Plantation expansion). Bird Life International Africa vom 29.5.14

UN-Welternährungsprogramm schlägt Alarm wegen steigenden Hungers in Madagaskar

Bio Suisse hat auch Bio-Knospe-Palmöl in Madagaskar gefunden. Schon möglich, dass die Richtlinien und ihre Ausnahmen eingehalten werden. Nur, was rundherum geschieht, das kümmert niemanden und wenn auch, dann sind die KonsumentInnen schuld, die das billige Palmöl wollen! Oder? Das Problem ist nur, dass es in Madagaskar, wie an vielen Orten, trockener wird; das mögen Ölpalmen nicht.

Aljazeera vom 13.1.21: „The United Nations’ World Food Programme (WFP) has appealed for emergency aid of $35m to fight hunger in southern Madagascar, hit by the coronavirus pandemic and a third consecutive year of drought.

“Some 1.35 million people are projected to be food insecure – 35 percent of the region’s population,” the WFP said in a statement on Tuesday.

… “When I can’t go begging in the neighbouring village, we have to dig under this sand without being sure we’ll find anything,” said Ikemba, a resident of Ambovombe District, as she described her daily search for food.

“When we don’t find anything under the sand, we drink seawater. It is bad for our health, but we have no choice,” she continued.

Malnutrition rates in the region have risen, forcing children to beg so they can help their families buy food supplies.

About three-quarters of the country’s 25 million people live in poverty.“

WFP raises alarm over rising hunger in Madagascar. Aljazeera vom 13.1.21

Heidis 43 Artikel zu Palmöl

 

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Kennen Sie São Tomé e Príncipe? Paradies-Opfer für Palmöl

15. Dezember 2020
Briefmarke von São Tomé e Príncipe

Briefmarke von São Tomé e Príncipe

Nachhaltig ist heute alles, es kommt nur auf den Blickwinkel an, aus welchem man etwas betrachtet. Nachdem das indonesische und malaysische Palmöl trotz RSPO-Label etwas in Verruf geraten ist, suchen viele anderswo nachhaltiges Palmöl, z.B. in Afrika oder Südamerika. Bio Suisse hat jetzt für COOP „nachhaltiges“ Bio-Palmöl in São Tomé e Príncipe gefunden, siehe BIOAKTUELL 10/2020.

São Tomé e Príncipe ist der zweitkleinste Staat Afrikas, ein Inselstaat im Golf von Guinea. Er beherbergt eine Vielzahl von Vogelarten, z.B. grosse Bestände von Graupapageien, dann Frösche, Schlangen und Chamäleons. São Tomé e Príncipe ist ein Hot-Spot der Artenvielfalt, beherbergt viele Arten, die nur dort vorkommen.

Einst Kolonie von Portugal

Die zwei Inseln sind geprägt vom Kolonialismus. 1485 wurde die erste portugiesische Niederlassung gegründet. Sie diente als Umschlagplatz für den Sklavenhandel zwischen Afrika, Portugal, Brasilien und den karibischen Inseln, auch siedelte Portugal von der Inquisition ausgewiesene Juden sowie Strafgefangene hieher um. Ab 1572/3 war São Tomé direkt der portugiesischen Krone unterstellt. Plantagen wurden angelegt mit wechselnden Monokulturen wie Zuckerrohr, später Kaffee und seit 1850 Kakao, dann folgten Palmen, heute boomen Ölpalmen.

Die Kolonialherrschaft endete erst 1975. Seither wechseln sich Regierungen ab, die relativ instabil sind; und über Korruption wird berichtet.

Reisehinweise EDA für São Tomé e Príncipe

Das Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) schreibt:

  • Es kann sporadisch zu Spannungen und Demonstrationen kommen, bei denen Ausschreitungen und gewaltsame Zusammenstösse zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften möglich sind.
    Meiden Sie grosse Menschenansammlungen und Kundgebungen jeder Art
    .
  • Im Golf von Guinea kommt es zu Piratenüberfällen. Beachten Sie die spezifischen Informationen
  • Während der Regenzeit (Oktober bis Mai) sind die Strassen teilweise nur schwer passierbar. Benutzen Sie vorzugsweise ein Geländefahrzeug. Von nächtlichen Überlandfahrten wird abgeraten.
  • Es wird davon abgeraten, militärische Installationen, Flughäfen, Brücken, Bauten und Einrichtungen der Verwaltung und oder den Präsidentenpalast sowie öffentliche Gebäude zu fotografieren. Das Fotografieren solcher strategisch wichtigen Objekte kann zu Auseinandersetzungen mit der Polizei führen. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz können mit mehrjährigen Gefängnisstrafen und Geldbussen bestraft werden. Die Polizei nutzt ihr Recht, jemanden längere Zeit festzuhalten, bevor offiziell Anklage erhoben wird. Die Haftbedingungen sind sehr schwierig.
  • Gleichgeschlechtliche Handlungen werden allgemein missbilligt.
  • Die medizinische Versorgung ist nicht gewährleistet. In der Regel verlangen Krankenhäuser eine Vorschusszahlung, bevor sie Patienten behandeln. Eigenes Verbandsmaterial und Wegwerfspritzen können sich als nützlich erweisen. Für die Behandlung ernsthafter Krankheiten und Verletzungen wird die Rückkehr nach Europa empfohlen …

Über einst wahre Naturparadiese und Heiligtümer

Weekend Premium berichtete am 29.12.19: „Im zu Ende gehenden Jahr haben die Medien der Welt über Brasilien und die Abholzung gesprochen, die den Amazonaswald in schwindelerregendem Tempo verarmt. Es gibt aber auch andere Orte auf der Welt, einst wahre Naturparadiese und Heiligtümer der Artenvielfalt, über die weniger gesprochen wird, denen aber das gleiche Schicksal droht …

Der Notstand in São Tomé heisst Entwaldung. Und die Schuld liegt bei den multinationalen Konzernen, die den Äquatorialwald durch Palmölplantagen ersetzt haben. Das Hauptprodukt dieser Pflanzen, das Palmöl, ist in der Tat billig, profitabel und vielseitig und kann auf der ganzen Welt nicht nur in der Lebensmittelindustrie, sondern auch in einer unendlichen Anzahl von Produkten, einschliesslich Kosmetika, Zahnpasta, Reinigungsmitteln und Biodiesel, verwendet werden. Alles jedoch auf Kosten von Natur und Umwelt.“

In São Tomé wurden seit 2010 etwa 1’800 Hektar Wald für Ölpalmenplantagen zerstört. Es wird mobilisiert, um diese Ausdehnung einzudämmen und den Wald und die lokale Bevölkerung zu schützen.

Das Imperium Socfin im Steuerparadies Schweiz

Socfin, ein Belgischer Konzern, ist weltweit führend auf dem Palmölmarkt. Er hat Anfang 2000 in São Tomé e Príncipe 5’000 Hektaren Landnahme ausgehandelt oder verhandelt für Industrieplantagen. Das ist kein Zufall, denn Belgien hatte in den Anbauländern Kolonien und investierte dort früh.

Das Socfin-Imperium ist seit über einem Jahrhundert in Afrika präsent. Dank der Übernahme alter Kolonialunternehmen verwaltet Socfin Ölpalmen- und Kautschukplantagen, die zu den bedeutendsten der Welt gehören. In Afrika hat Socfin in folgenden Ländern Niederlassungen: São Tomé e Príncipe, Demokratische Republik Kongo, Liberia, Nigeria, Ghana, Sierra Leone, Kamerun und Elfenbeinküste. Der französische Konzern Bolloré hält fast 40 Prozent der Anteile.

2010 hat Socfin den Firmensitz aus steuertechnischen Gründen in die Schweiz verlegt, nach Fribourg, da das Unternehmen hier lediglich 10 Prozent des Gewinns versteuern muss, gegenüber 34 Prozent in Belgien. Auch die Sozialabgaben für das Personal seien geringer in der Schweiz, gab Socfin in einem Interview mit La Liberté bekannt. Für diesen Standort ausschlaggebend waren auch private Kontakte von Führungskräften.

Seit Jahren wird Socfin wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen auf seinen Plantagen gerügt. Mehrere Klagen und Beschwerden wurden wegen angeblichen Fehlverhaltens eingereicht, darunter Unregelmässigkeiten bei Landerwerbsprozessen, schlechte Arbeits- und Wohnbedingungen und die fehlende nachhaltige Einbindung der lokalen Bauern. Socfin weist die Kritik zurück und sagt, das Ziel sei es, die Entwicklung in Afrika voranzutreiben und sicherzustellen, dass die lokalen Gemeinden und ihre Arbeiter davon profitieren.

So wird Socfin etwa Land Grabbing in Sierra Leone vorgeworfen. Das kirchliche Hilfswerk Brot für alle beschuldigt Socfin in einem im Februar 2019 veröffentlichten Bericht, mehr als zwei Dutzend Dörfer in Liberia für die Erweiterung von Kautschuk-Plantagen zerstört und deren Einwohner vertrieben zu haben.

Eine sehr detaillierte Geschichte über Socfin hat Mongabay im Juni 2020 veröffentlicht.

Romane über São Tomé und Príncipe

Als bedeutendster Romanautor auf São Tomé und Príncipes gilt seit seinem Roman „Tal der Illusionen“ (O Vale das Ilusões) von 1956 der neorealistisch geprägte Sum Marky (1921–2003). In „Am Altar des Gesetzes“ (No Altar da Lei) (1960) und in Vila Flogá (1963) etwa thematisierte er das Massaker von Batepá im Jahr 1953, als Gutsbesitzer mit Repressionen eine Welle der Gewalt gegen die schwarze Bevölkerungsmehrheit in São Tomé und Príncipe auslösten. Das Thema der kolonialen Unterdrückung nahm er auch in seinem letzten Roman „Chronik eines erdachten Kriegs“ (Crónicas de uma Guerra Iventada) (2001) wieder auf.

COOP und Bio Suisse auf kolonialen Pfaden

Bio Suisse stuft Palmöl als „kritischen Rohstoff“ ein, aber geht trotzdem Geschäfte mit einem Imperium ein, dessen Ruf schon nach wenigen Klicks im Internet vom Bildschirm heult. Per 31.3.21 ist Kakao und Palmöl von Agripalma (Socfin) aus São Tomé und Príncipes Bio Suisse zertifiziert: CERTIFICADO Basel, 31.01.2020, siehe auch Socfin -> Certifications.

Bio Suisse hat angeblich bereits in Kolumbien, Brasilien und Madagaskar „nachhaltiges“ Palmöl für COOP gefunden, siehe Heidi empfiehlt: Referendum „Stop Palmöl“ unterschreiben!

Bioaktuell 10/2020: „Bio Ostschweiz beantragte die Unterstützung des Referendums «Stop Palmöl» und damit die Nein-­Parole zum Freihandelsabkommen mit Indonesien. Weil Bio Suisse nicht
direkt betroffen sei, schlug der Vorstand vor, keine Parole zu
fassen. 48 Delegierte unterstützten das (34 Nein, 14 Enthaltungen).

Nachhaltiges Umdenken ist nötig

Es wäre an der Zeit, dass Verantwortliche in Organisationen, Politik und Industrie das Problem Palmöl in seiner ganzen Dimension erfassten, denn es geht weiter als nur zur zerstörerischen Produktion, sondern betrifft auch andere Aspekte wie Gesundheitsfragen, Umweltwirkungen von Transport und Mobilität, Klimaerhitzung usw. Wann endlich werden wir lernen?

Heidi meint: Die Suche nach „nachhaltigem“ Palmöl wird immer absurder.

Quellen

BIOAKTUELL 10/2020

São Tomé und Príncipe, Wikipedia

Bolloré, Wikipedia

Reisehinweise für São Tomé und Príncipe, veröffentlicht am 19.3.20, gültig am 15.12.20. Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten (EDA)

Oil palm in Africa: past, present and future scenarios – 2013 update. Ricardo Carrere, World Rainforest Movement

L’EMPIRE SOCFIN – Part 1 – SAO TOMÉ. Micha Patault, Fotos 2020

Agripalma, Socfin.

Un empire très exotique à Fribourg, Socfin, Interview in La Liberté 28.6.17

Sao Tomé e Principe, un ecosistema a rischio per colpa dell’uomo. Weekend Premium 19.12.19

How the legacy of colonialism built a palm oil empire. Mongabay 26.6.20

Wie Kolonialismus und deine Handseife zusammenhängen. Mongobay 30.9.20

Degradationsrisiken tropischer Waldökosysteme – Multifaktorielle Fernerkundungs- und GIS-basierte Modellierung der Landschaftsvulnerabilität. Umgesetzt am Fallbeispiel von São Tomé. Inaugural-Dissertation Universität Heidelberg, Diplom-Geographin Signe Mikulane, 19.6.19

Kautschuk-Konzern vertreibt Bauern in Liberia. Brot für alle

São Tomé & Príncipe: Inseln der Illusionen Geo

Heidis weitere 40 Artikel über Palmöl

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