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Bodenfreikauf statt Spekulation

21. Januar 2013
Boden unter Druck. Wem soll der Boden gehören?

Boden unter Druck. Wem soll der Boden gehören?

Ein Helikopter nach dem anderen fliegt Richtung Davos. Der Lärm kündigt den Einheimischen das WEF mit den bekannten Behinderungen an. Im Amtsblatt bittet die Polizei die Bevölkerung um Verständnis für die vermehrten Flugbewegungen, auch nachts. Vom 22. bis 26. Januar 2013 treffen sich Leader aus der ganzen Welt. Sechs BundesrätInnen werden teilnehmen.

Ein beliebtes Thema ist das „grüne Wachstum“. Ewiges Wachstum auf beschränktem Raum gaukeln uns die Leader vor, halten beharrlich am Expansionskurs fest. Grundbedürfnisse wie Wohnen und Essen sind besonders betroffen, viele Menschen geraten deshalb in Not. Der Dachverband der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften in Österreich beklagt: Er komme seinem Auftrag kaum mehr nach, die in den letzten Jahren stark gestiegenen Grundstückspreise machten Wohnraum unerschwinglich.

In der Landwirtschaft ist die Situation ähnlich. Kulturland wird überall auf der Welt zusammengekauft oder -geklaut. Das Konzept Solidarische Landwirtschaft ist in den 1960er Jahren in Japan entstanden. Bei Genf wurde 1978 die Kooperative Schlaraffengärten gegründet, Les jardins de Cocagne. Die Genossenschaft plant die Produktion, die Mitglieder erhalten Früchte und Gemüse und arbeitet zum Teil auch auf dem Felde. Ausgehend von einem Demeter-Betrieb sind heute 31 deutsche Bauernhöfe in „Solidarische Landwirtschaft, sich die Ernte teilen…“ zusammengeschlossen. In Frankreich und Österreich sind ähnliche Organisationen im Entstehen, wie Social Innovation Network berichtet.

„Bodenfreikauf – Land für solidarische Landwirtschaft“ ist das Thema einer Veranstaltung an der Universität für Bodenkultur in Wien vom 31.1.13. Es gebe immer mehr (junge) Menschen, die Landwirtschaft betreiben wollten, aber keinen Hof erben und nicht das Geld hätten, um einen zu kaufen. Auf der anderen Seite würden viele Höfe aus der Bewirtschaftung genommen, weil es keine HofübernehmerInnen gebe. Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft und zum gängigen Besitz- und Marktdenken werden gesucht. Es geht um Land für jene, die es bewirtschaften, und um solidarische und ökologische Landwirtschaft. Den Boden dem Markt und somit der Spekulation entziehen, ein zukunftsweisendes Ziel, meint Heidi.

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Heidi zum 1. August

1. August 2012

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Die Geschichte wiederholt sich, mehr oder weniger. Um 1860 wurde der Transport von Gütern mit Eisenbahn und Dampfschiff billig, also stieg der Getreideimport. Die Bauern verfütterten Inlandgetreide dem Vieh, Käsereien boomten, der Staat förderte die Milch- und Käseproduktion, Stroh war Mangelware und teuer. Am 1. August 1914 brach der 1. Weltkrieg aus, die Schweizer waren völlig unvorbereitet, die Inlandproduktion von Getreide betrug 15%. Geschicktes Verhandeln mit den kriegsführenden Mächten verschob die Lebensmittelnot bis 1917; sie dauerte bis 1919. Entscheidungsträger mahnten: „Man solle keinesfalls die Lehren aus diesem Desaster vergessen.“ Der Getreidebau wurde gefördert. Milch- und Fleischüberschüsse entstanden trotzdem. Der 2. Weltkrieg war ernährungsmässig gut vorbereitet.

Mit dem Landwirtschaftsgesetz 1951 wollten die Agrarpolitiker mit Lenkungsmassnahmen den Ackerbau fördern, die Fleisch- und Milchüberschüsse und den Preiszerfall vermeiden. Das war aber trügerisch. Die Preisunterschiede zum Ausland stiegen, der Einkaufstourismus setzte ein. 1992 revidierte die Steuermänner das Landwirtschaftsgesetz und führten die Direktzahlungen ein: mehr Markt, umwelt- und ressourcenschonend produzieren. Ein paar Jahre ging’s einigermassen, jetzt klagen alle über Fleisch- und Milchüberschüsse, Preiszerfall, Einkaufstourismus, Strohmangel.

Heute pochen die Bauern mit Recht auf dem Selbstversorgungsgrad. Aber Selbstversorgungsgrad womit? Fleisch und Milch? Ressourcenschonend? Umweltschonend? Ohne Flora und Fauna? Getreide, Soja, Futtermittel und andere Ackerfrüchte sind vermehrt Importware. Woher haben wir Dünger und Energie? 80% des Saatguthandels beherrschen ein paar wenige Weltfirmen wie Monsanto. Womit und was produzieren unsere Bauern in einer Krise? Haben sie die richtigen Maschinen? Nahrungsmittel sind immer mehr ein Börsen-Thema, Spekulation auf Kosten der Armen. Doch die Banken eilen von Krise zu Krise, wir unterstützen sie mit Steuergeldern, trotzdem sind die Löhne… Und Landwirtschaftsland ist bei zahlungskräftigen Ländern und Firmen gefragt.

Wo stehen wir heute? Selbstversorgungsgrad? Eine Frage die Heidi ihren LeserInnen zum Nachdenken stellt.

Heidi zum 1. August 2011

The Hidden Costs of Hamburgers, Center for Investigative Reporting

USDA Retracts Meatless Monday Recommendation

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