Posts Tagged ‘Süddeutsche’

Kinder allein zu Hause

17. Februar 2013
Andrea Diefenbach: Land ohne Eltern, Kehrer Verlag, Heidelberg 2012

Andrea Diefenbach: Land ohne Eltern, Kehrer Verlag, Heidelberg 2012

„Andrea Diefenbach fotografiert zerrissene Familien. Kinder, die in Moldawien zurückbleiben, und deren Eltern, die in Italien – mühsam und teils illegal – ihr Geld verdienen. ‚Land ohne Eltern‘ öffnet den Blick für schwer vorstellbare Zustände… Putzfrauen, Altenpfleger, Arbeiter. Irgendwo in Italien, doch es könnte auch in Deutschland sein.“ Die Süddeutsche berichtete am 26. November 2012 ausführlich über den eindrücklichen Fotoband, unter dem Titel Wenn Eltern und Kinder in Fernbeziehung leben.

Auch bei uns sind sie, die Mütter oder Väter von zurückgelassenen Kindern aus Rumänien, Polen usw. Sie putzen Büros und Wohnungen oder arbeiten auf den Feldern, während die Kinder allein sind oder von Grosseltern und Verwandten betreut werden. Sie pflücken Erdbeeren auf Spaniens Feldern, damit unser reichliches Essen billig ist und die Grossverteiler satte Gewinne erzielen. Billig muss alles sein, die Milch, das Fleisch, die Kleider. Und die Mieten, die Landpreise, Versicherungen, die Gewinne? Sie dürfen unentwegt steigen. Wir zahlen die falschen Leute! Wirtschaftsflüchtlinge hier, Wanderarbeiter dort: Sie schuften für die Privilegierten dieser Welt. Menschen, Tiere und Natur leiden für den „Fortschritt“. Werden wir immer zu den Privilegierten gehören?

Uns beschäftigt Fertig-Lasagna, umhergeschobenes verarbeitetes Pferdefleisch. Wissen wir noch nicht, dass man uns so allerlei Unerwünschtes einmischen kann? Neueste Meldung von Grünwolf:
An deutschen Döner-Ständen wird Schweinefleisch in die Döner gemischt – vor allem für gläubige Muslime eine echte Provokation, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 18.2.13.

17.2.13 HOME

Paraguay: Sojaanbau tötet Kleinbauern

17. Januar 2013
Unser Hunger nach Fleisch tötet in vielen Ländern Kleinbauern und ihre Kinder.

Unser Hunger nach Fleisch tötet in vielen Ländern Kleinbauern und ihre Kinder.

In Paraguay kümmert sich ein Bischof um Menschen, die durch den Anbau von Gensoja ihre Gesundheit und Existenz verlieren. Ein Viertel dieses Gensojas kommt zur Tiermast nach Europa. Ein paar Stichworte zum Film des Bayerischen Fernsehens vom 19.12.12: Landgrabbing, Wälder abholzen, Trinkwasser vergiften, Glyphosat, Haustiere sterben, Menschen auch, Soja-Pflanzer wollen Beweise, In der Universitätsklinik von Acanciòn sterben Menschen an Leukämie, Leiter Genehmigungs- und Kontrollbehörde besitzt Agrochemie-Unternehmen, ein Viertel der paraguayanischen Soja gelangt nach Europa als Kraftfutter für die Nutztiere, Paraguay: Tödliches Gensoja. Haben Sie nach dem Film noch Lust auf Fleisch oder kommen Ihnen eher die Tränen? Danke Grünwolf, dass du mir den Hinweis auf diesen Film zugespielt hast.

In einem 66-seitigen Dossier eines Lehrforschungsprojekts am Institut für Politikwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Giessen, ist zu lesen: „Aufgrund des Konflikts leben nach Schätzungen der landesweit tätigen Kleinbauern-Organisation Mesa Coordinadora Nacional de Organizaciones Campesinas de Paraguay (MCNOC) rund 2,4 Millionen der ca. 6,5 Millionen Einwohner Paraguays in Armut, 1 Million davon sogar in extremer Armut. Dieser Zustand ist eine direkte Folge der Landverteilung und der damit verbundenen Verdrängung traditioneller Landwirtschaft durch Sojamonokulturen.“ Der Paraguay-Konflikt, Dossier zur zivilen Konfliktbearbeitung, Leitung: Dr. Hanne-Margret Birckenbach.

Aus dem Fazit der Studie: „Abschließend bleibt im Hinblick auf die deutsche Leserschaft Folgendes festzuhalten:

  • Eine kritische Prüfung der bundesrepublikanischen Interessen und Aktivitäten in Paraguay verdeutlicht, dass diese die dortigen Missstände aufrechterhalten und teilweise sogar fördern.
  • Jede/r einzelne kann durch ihr/sein individuelles Konsumverhalten zum Ausdruck bringen, wie sie/er zum dargestellten Konflikt steht: Ein Verzicht auf die als konfliktverschärfend zu klassifizierenden Lebensmittel kann eine Transformation des Konfliktes positiv beeinflussen.
  • Agrosprit sollte gemieden und umweltschonendere Energiequellen bevorzugt werden.
  • Um Aufmerksamkeit für den Konflikt zu schaffen, sollte jede/r, die/der mit diesem vertraut ist, ihren/seinen Bekannten und Verwandten davon berichten.
  • Ein friedliches Zusammenleben in Paraguay darf nicht als eine rein paraguayische Angelegenheit betrachtet werden. Der Einfluss anderer Staaten und wirtschaftlicher Akteure darf nicht unterschätzt bzw. bei Transformationsbemühungen des Konflikts vernachlässigt werden.

Insgesamt kann Paraguay als Exempel für andere Länder mit ähnlichem Konflikt gesehen werden. Gerade in Südamerika, beispielsweise Bolivien, birgt die starke Ungleichverteilung der Ländereien Konfliktpotenzial, eine Eskalation ist abzusehen. Daher kann dieses Dossier nicht nur zur Gewinnung von Aufmerksamkeit für Paraguay betrachtet werden, sondern auch als Ansatz für eine Transformation von ähnlichen Konflikten.“

Paraguay rodet 1000 Hektar Wald pro Tag, Video Die Welt 27.3.13 (Grünwolf).

Deutschland: Die Billigfleisch-Weltmacht, Süddeutsche, 10.1.13, von Max Biederbeck. „Das Filet bleibt hier, der Rest geht um den Globus: Deutschland entwickelt sich zum größten Fleischexporteur der Welt. Das hat drastische Folgen, für Tiere, Menschen und die Umwelt.“

Massentierhaltung: Deutsche Fleisch-Fabriken werden immer grösser, Süddeutsche, 17.1.13, von Thorsten Denkler. „Es sind Bilder, der jeden erschaudern lassen, der sie einmal gesehen hat: Hühner, die im Millisekunden-Takt von Maschinen getötet werden. Küken, die geschreddert werden, weil sie männlich sind, und sich darum ihre Mast nicht lohnt. Schweine, denen die Ringelschwänzchen abgeschnitten werden, weil sie sich die sonst unter dem Stress der Massentierhaltung gegenseitig abknabbern würden.“

Weitere Informationen: Lugo scheut den Landkonflikt, Lateinamerika Nachrichten, Januar 2010.

Zum Thema Fleischkonsum, Regenwald, Soja und Proforest siehe auch Bill Clinton ist Vegetarier, Heidis Mist

17.1.13 HOME


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